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Geschichte des Antisemitismus seit 1945

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(Weitergeleitet von Antisemitismus (nach 1945))
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Antisemitismus, eine seit der Aufklärung entstandene Judenfeindlichkeit, verlor seit 1945 mit dem Ende des NS-Staates weithin seine Funktion als politische Ideologie, besteht aber in vielfältiger Form bei Bevölkerungsteilen jeder sozialen Schicht, religiösen und politischen Orientierung fort.

Die Geschichte des Antisemitismus bis 1945 hatte zum Holocaust geführt. Danach traten politische Organisationen mit offenen judenfeindlichen Zielen und traditionelle Stereotype des christlichen Antijudaismus zurück. Begünstigt durch mangelnde Aufarbeitung der Zeit des Nationalsozialismus und Geschichtsrevisionismus, gibt es jedoch in Deutschland und vielen anderen Staaten weiterhin erhebliche antisemitische Vorurteile und Angriffe auf Juden. Diese nahmen infolge der Terroranschläge am 11. September 2001 vielerorts zu.

Heute verbreitet sind:

  • „sekundärer“ Antisemitismus, eine Schuldabwehr und Schuldprojektion auf Juden, Täter-Opfer-Umkehr,
  • struktureller Antisemitismus, der Juden nicht nennt, aber meint und leicht auf Juden bezogen wird,
  • Antizionismus oder Israel-bezogener Antisemitismus, der diesen Staat ablehnt, ihn für alle möglichen politischen Übel oder alle Juden für dessen Politik haftbar macht.

Die Arbeitsdefinition für Antisemitismus der EUMC von 2005 nennt einige der heute besonders virulenten israelfeindlichen Stereotype:

  • das Selbstbestimmungsrecht von Juden abzulehnen,
  • Israel als rassistisches Projekt darzustellen,
  • doppelte Standards anzuwenden, also von Israel Verhalten zu fordern, das von keiner anderen demokratischen Nation erwartet wird,
  • klassisch-antisemitische Symbole und Bilder wie den Gottesmord-Vorwurf oder die Ritualmordlegende auf Israel oder Israelis anzuwenden,
  • Israels aktuelle Politik mit der Vernichtungspolitik des Nationalsozialismus zu vergleichen,
  • eine Kollektivverantwortung der Juden für Israels Politik zu behaupten.

Kritik an Israel, die ähnlich auch gegenüber anderen Ländern geäußert wird, könne jedoch nicht als antisemitisch eingestuft werden.[1]

Öffentliche antisemitische Hetze ist in Deutschland seit 1994 als Volksverhetzung, in Österreich als Verhetzung oder NS-Wiederbetätigung, in der Schweiz nach der Rassismus-Strafnorm strafbar.

Ostblock

Sowjetunion

Die Sowjetunion (SU) unter Josef Stalin hatte die Juden des Landes seit dem Überfall Deutschlands im Juni 1941 anders als andere Minderheiten als loyale Sowjetpatrioten betrachtet und 1942 ein Jüdisches Antifaschistisches Komitee (JAK) erlaubt, das internationale Hilfen für die Rote Armee im Kampf gegen die Wehrmacht einwarb. Zugleich blendete das Regime den Antisemitismus des NS-Regimes als eigenes Phänomen aus, verschwieg ab 1941 weitgehend den Holocaust, strich ab 1944 das Wort „Juden“ aus Berichten über NS-Verbrechen und betonte stattdessen die Verbrechen des Faschismus an „friedlichen Sowjetbürgern“. Dies folgte aus der staatlichen Faschismustheorie und richtete sich gegen das jüdische Nationalbewusstsein, das durch die akute Vernichtungsgefahr auch unter loyalen sowjetischen Juden geweckt und gestärkt worden war. Nach Kriegsende begann das Regime die sowjetischen Juden ebenso wie andere Minderheiten als illoyal zu verdächtigen und ihre Texte zu zensieren. Zugleich ließ es antisemitische Pogrome im eigenen Herrschaftsbereich zu (so ab 1945 in Kiew und der Ukraine) und stellte lokale Berichte darüber als antisowjetische Propaganda von „Zionisten“ dar. Antisemitismus in nichtjüdischen Bevölkerungsteilen und deren Kollaboration mit den NS-Verbrechern wurden ignoriert oder nur als Spätfolge der deutschen Besetzung erklärt. Dabei war der SU auch vor dem Krieg die Überwindung des Antisemitismus nicht gelungen, die man ideologisch versprochen hatte.[2]

Weil die SU einen Sozialismus in Israel und regionalpolitische Vorteile erwartete, unterstützte sie Israels Staatsgründung (Mai 1948). Diese beflügelte die sowjetischen Juden. Weil deren proisraelische Haltung die Nationalitätenpolitik der SU aus Sicht des Regimes gefährdete, änderte es seinen Kurs und ging zur Ausschaltung jüdischer Aktivisten in der SU und jüdischer Parteikader in anderen Ostblockstaaten über.[3]

Schon 1946 hatte die SU eine repressive Kulturpolitik gegen „bourgeois-dekadente“ Tendenzen in Kultur und Wissenschaft eingeleitet, um Vertreter der Intelligenz, die im Krieg Freiräume erhalten hatten, wieder der staatlichen Kontrolle zu unterwerfen. Ab Herbst 1948 griff die sowjetische Presse angeblich staatsfeindliche Tätigkeiten „wurzelloser Kosmopoliten“ an. Die Kampagne verwendete gezielt antisemitische Stereotype vom „heimatlosen Juden“ und der „jüdischen Weltverschwörung“. Im Januar 1949 beschloss das ZK eine landesweite Aktion gegen „antipatriotische“ Kritiker, entließ und inhaftierte hunderte Intellektuelle, meist Juden. Sie wurden schon wegen ihrer Herkunft mit „Kosmopoliten“ und „Zionisten“ gleichgesetzt, wobei diese Vorwürfe auch Nichtjuden treffen konnten. Die Kampagne sollte jede jüdische Autonomie im Land unterdrücken, der Bevölkerungsmehrheit einen Sündenbock für katastrophale ökonomische Zustände bieten und die Parteidiktatur festigen.[4] Hinzu kamen Geheimprozesse gegen führende JAK-Mitglieder. Auch ihnen wurde eine angeblich jüdische, „kosmopolitische“, vagabundierende Lebensweise, eine „stammesübliche“ Solidarität und eine Verschwörung mit der US-Regierung und Israel gegen Stalins Regime vorgeworfen. Im Zuge eines Machtkampfs im Politbüro erfanden Stalins Anhänger ab 1951 eine großangelegte „Ärzteverschwörung“ gegen das Sowjetregime, verhafteten und folterten viele vor allem jüdische Angeklagte, ließen einige davon ermorden oder in Schauprozessen hinrichten. Genaue Opferzahlen sind nicht bekannt. Das Vorgehen wurde bis zu Stalins Tod 1953 fortgesetzt und verstärkte den Antisemitismus in der sowjetischen Bevölkerung erheblich. Pogrome wurden erwartet.[5] Die antisemitische Kampagne hatte auch auf die übrigen Ostblockstaaten großen Einfluss.

Unter Nikita Sergejewitsch Chruschtschow ging der öffentlich-staatliche Antisemitismus in den osteuropäischen Staaten (außer in Polen) zurück. Nach Israels Sechstagekrieg 1967 wurde er als Antizionismus wiederbelebt. Unter Kossygin entstanden antizionistische Karikaturen, Schriften und Filme mit offensichtlichen Parallelen zum Stürmer-Stil. Juden („Zionisten“) wurden wieder als Bedrohung für die Welt dargestellt, und das „Weltjudentum“ bzw. der „internationale Zionismus“ wurden als Verbündeter des US-Imperialismus charakterisiert.[6]

Juden wurde zudem vorgeworfen, sie hätten nach der Herrschaft über den letzten Zaren gestrebt und würden hinter den antisowjetischen Unabhängigkeitsbestrebungen Polens und dem Prager Frühling stecken.

Gorbatschow stand schließlich ab 1985 für eine neue Politik auch gegenüber den Juden. Ende der 1980er erlaubte die Sowjetunion vielen Juden die Ausreise nach Israel. Wegen des von der Staatsmacht teils geförderten, teils geduldeten Antisemitismus verließen bis 1989 rund 16.000 Juden die Lettische Sozialistische Sowjetrepublik.[7]

Tschechoslowakei

Auf sowjetischen Wunsch lieferte die Tschechoslowakei 1948 Waffen an Israel, die dessen Sieg im Palästinakrieg ermöglichten. Doch 1951 klagte Stalin 14 führende tschechoslowakische KP-Mitglieder um Rudolf Slánský, darunter zwölf Juden, einer zionistischen antisowjetischen Agententätigkeit an. Für die Verhöre wurden nach Opferberichten auch antisemitische Verehrer Adolf Hitlers eingesetzt. Die tschechische Presse betonte das Judesein der Angeklagten und behauptete gemäß den „Protokollen der Weisen vom Zion“, Slánský habe sich in den USA mit westlichen Juden wie Henry Morgenthau und Georges Mandel heimlich zur Bildung eines jüdischen Spionagerings in den Ostblockregimes verabredet. So wurde der Zionismus als Spielart des US-Imperialismus und neue Form des Faschismus dargestellt.[8]

Polen

Nach dem Krieg kehrten polnische Juden, die den Holocaust durch Flucht in die Sowjetunion überlebt hatten, in ihre Herkunftsorte in Polen zurück und wollten ihre Häuser wieder beziehen. Dabei kam es zu Pogromen wie dem Pogrom von Kielce (1946). Bis zu 1.500 Juden wurden dabei getötet.[9]

Überzeugte jüdische Kommunisten verhalfen der polnischen KP 1944 zur Etablierung eines stalinistischen Regimes in Polen. Mit antisemitischer Propaganda versuchten ihre Gegner in der KP sie ab 1949 zu entmachten: Juden seien an allen Verbrechen des Stalinismus in Polen Schuld, nur ihre Ausschaltung in der KP könne dem entgegenwirken. 1953 beschuldigte ein KP-Blatt die „Zionisten“, sie hätten mit Hitler beim Holocaust zusammengearbeitet und hielten das auf Weisung des US-Außenministeriums geheim. Israels Ministerpräsident David Ben-Gurion führe mit Billigung der USA einen Ausrottungsfeldzug gegen die Araber in Israel und gleiche darin Hitler. Bald überwachte die KP alle jüdischen Staatsbeamten, bis 1965 alle jüdischen Bürger in Polen. Im Zusammenhang der März-Unruhen 1968 in Polen kam es zu antisemitischen Übergriffen und polnische Juden wurden massenhaft entlassen. Fast alle verließen daraufhin das Land.[10]

Ungarn

Eine ähnliche Situation wie in Polen gab es auch in Ungarn, sie schwächte sich hier im Laufe der Zeit verglichen mit anderen Ostblockstaaten aber ab. Bis Anfang der 1950er mussten aus einer Vielzahl von Gründen etwa 150.000 osteuropäische Juden aus ihrer Heimat fliehen und lebten in den DP-Lagern in Westdeutschland, wo die meisten von ihnen auf eine Einreisemöglichkeit nach Israel warteten. Insgesamt brachte die Flucht vor dem Antisemitismus in Osteuropa in den Jahren 1950–1951 425.000 Juden nach Israel.[11]

Bulgarien, Rumänien, Jugoslawien

Bis 1956 wanderten 90 % der bulgarischen Juden aus. Obwohl Rumänien als einziger Ostblockstaat normale Beziehungen zu Israel unterhielt, verließen bis 1975 300.000 Juden ihre rumänische Heimat (siehe auch Geschichte Rumäniens).

In Jugoslawien war die Entwicklung besonders heftig.[6]

SBZ und DDR

In der SBZ gab es eine Diskrepanz zwischen der offiziellen Parteilinie, die die Juden als Opfer des Faschismus anerkannte (wenngleich sie materiell schlechter gestellt wurden als die politisch Verfolgten, die Kämpfer gegen den Faschismus), und Teilen der Bevölkerung, die ihren Judenhass besonders im Jahre 1947 durch antisemitische Akte wie Friedhofsschändungen offenbarten. In der SBZ folgte nur Thüringen dem Vorbild westdeutscher Länder, überlebende Juden zu entschädigen. Die DDR kannte kein zum Bundesentschädigungsgesetz vergleichbares Gesetz.

So wurde beispielsweise in der DDR der Holocaust zwar nicht ausgeblendet, aber auch nicht besonders hervorgehoben. Dies entsprach der sowjetischen Linie, den Judenmord nur als sekundäres Merkmal der nationalsozialistischen Diktatur anzusehen.[12] Die jüdischen Opfer wurden als Opfer zweiter Klasse gegenüber kommunistischen Opfern gesehen:

„Opfer des Faschismus sind Juden, die als Opfer des faschistischen Rassenwahns verfolgt und ermordet wurden, sind die Bibelforscher und die ‚Arbeitsvertragssünder‘. Aber soweit können wir den Begriff ‚Opfer des Faschismus‘ nicht ziehen. Sie alle haben geduldet und Schweres erlitten, aber sie haben nicht gekämpft!“[13]

Allerdings blieb auch hier der Einfluss Stalins auf die SED nicht ohne Folgen. So erschien 1949 in der DDR, in Anlehnung an den Sprachgebrauch der KPdSU, eine Artikelserie gegen „Kosmopoliten“ und gegen „Amerikanismus“ in der von der SED herausgegebenen Zeitschrift Einheit.[14] Die Lage verschlechterte sich im Zuge des Slánský-Prozesses gegen Rudolf Slánský und weitere tschechoslowakische Politiker.[15] Betroffen von der neuen Israelpolitik war beispielsweise der Umgang mit Paul Merker. Merker war zunächst Mitglied des Politbüros der SED, wurde 1950 aus der Partei ausgeschlossen und später zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt. Vorgeworfen wurden ihm dabei u. a. „zionistische“ Positionen. Auch in der DDR wurden Prozesse gegen Jüdinnen und Juden vorbereitet. Im Frühjahr 1953 flohen ein großer Teil der jüdischen Gemeindevorstände und mehrere hundert Mitglieder der jüdischen Gemeinde in der DDR. Unter ihnen befand sich auch der Präsident des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in der DDR, Julius Meyer. Nach einem Verhör durch die SED-Parteikontrollkommission flüchtete er am 15. Januar 1953 nach West-Berlin.[16]

Zu einem Aufleben des populären Antisemitismus kam es in der Sowjetunion nach 1967. Die DDR folgte der antizionistischen Politik.

Im Politbüro der SED, dem eigentlichen Machtzentrum der DDR, war ab 1958 bis 1989 mit Albert Norden und dem Auschwitz-Überlebenden Hermann Axen durchgängig mindestens ein Jude vertreten.

Die Stiftung für Sozialgeschichte des 20. Jahrhunderts hat antijüdische Ausschreitungen, überwiegend Friedhofsschändungen, in der SBZ bzw. DDR von 1947 bis 1989 aufgelistet.[17]

Bundesrepublik Deutschland

Entwicklung

Nach dem Zweiten Weltkrieg 1945 beendeten die Alliierten die nationalsozialistische Propaganda, bestraften und ächteten ihre Fortsetzung. Doch der Antisemitismus unter den Deutschen bestand fort. Sie reagierten auf die alliierte Reeducation und Konfrontation mit den NS-Verbrechen fast überall mit Schutzbehauptungen wie „Davon haben wir nichts gewusst“ oder Abwenden, Aggression, Schweigen und Trotz.[18] In den ersten Nachkriegsjahren dominierten Alltagssorgen; NS-Zeit und eigene Beteiligung an NS-Verbrechen wurden verdrängt.

Besonders die rund 250.000 jüdischen Displaced Persons waren massiven Vorurteilen und Angriffen ausgesetzt. Diese Holocaustüberlebenden mussten vor neuen Pogromen aus Osteuropa fliehen und wurden in den Westzonen teils bis 1954 ohne Arbeitserlaubnis in eigenen Lagern und beschlagnahmten Wohnungen interniert. Die ortsansässige Bevölkerung griff sie mit häufigen Eingaben an die Behörden als Schwarzhändler, Kriminelle und „Gefahr für die Deutschen“ an. Entgegen den Statistiken der Alliierten unterstellte man ihnen, den Schwarzmarkt zu beherrschen, sich mit Preiswucher und unproduktiver Arbeit zu bereichern und Wohnraum zu missbrauchen. Die dabei wirksamen Klischees vom „Wucherjuden“ hatten mit der realen Lage verarmter und vertriebener Ostjuden nichts gemein. Die Vorwürfe wiesen ihnen die Schuld an ihrer Verfolgung und Lage zu. Diese Täter-Opfer-Umkehr diente zur Entlastung, um sich nicht mit dem eigenen Verhalten in der NS-Zeit auseinanderzusetzen. Die deutsche Polizei reagierte mit Razzien in den Lagern und provozierte so Proteste der DPs. Als ein Polizist 1946 in Stuttgart einen Auschwitzüberlebenden erschoss, verbot die US-Militärregierung der deutschen Polizei den Zutritt zu jüdischen DP-Lagern. Nach der Lockerung der alliierten Pressezensur bezeichneten Zeitungsartikel die DPs als „Deutschlands Parasiten“ (1. Juni 1947); die Süddeutsche Zeitung druckte einen antisemitischen Leserbrief ab (9. August 1949). Dagegen demonstrierten am Folgetag rund 1000 jüdische DPs vor der Chefredaktion und forderten den Entzug der Drucklizenz. Die deutsche Polizei wollte sie auseinandertreiben, provozierte damit einen Tumult, schoss in die Menge und verletzte drei Teilnehmer. Erst die amerikanische Militärpolizei beendete den Tumult.[19] Im Lager Föhrenwald verhinderten DPs 1952 mit einer Fahrzeugblockade eine behördliche Razzia. Die Beamten reagierten mit Rufen wie „Die Krematorien gibt es noch“ oder „Die Gaskammern warten auf euch“ und gaben einen Warnschuss ab.[20]

Ab 1947 wurden in den Westzonen wieder häufig jüdische Friedhöfe mit antisemitischen Parolen und Zeichen geschändet. Westdeutsche Landesregierungen konnten sich auf kein Entschädigungsgesetz für Opfer der „Arisierung“ einigen. Kurz vor der Bundestagswahl 1949 betonte der US-amerikanische Hochkommissar: „Das Leben und das Wohlergehen der Juden in Deutschland wird ein Prüfstein der demokratischen Entwicklung in Deutschland sein.“[21] Bundeskanzler Konrad Adenauer erwähnte die Juden in seiner ersten Regierungserklärung jedoch nicht. Erst später erklärte er, er wolle die Bekämpfung des Antisemitismus, die Bestrafung nationalsozialistischer Verbrechen, eine deutsche Wiedergutmachungspolitik und den Aufbau jüdischer Gemeinden in der Bundesrepublik fördern. Ab 1951 verhandelte die Bundesregierung direkt mit Israel und schloss 1952 das Luxemburger Abkommen, 1956 das Bundesentschädigungsgesetz.

Weil rechtsextreme Zeitschriften erlaubt blieben, wurden 1951 „Nation Europa“ und die „Deutsche Soldatenzeitung“ gegründet, die bis heute Antisemitismus und Geschichtsrevisionismus verbreiten. Der Prozess gegen Veit Harlan, den Regisseur des NS-Propagandafilms Jud Süß von 1940, deckte die Kontinuitäten zur NS-Zeit in der westdeutschen Polizei, Justiz, Filmindustrie und Öffentlichkeit auf.[22] Die Jüdin Karina Niehoff, die massive antisemitische Eingriffe Harlans in das Drehbuch des Films bezeugte, wurde im Gerichtssaal als „Judensau“ beschimpft und brauchte Polizeischutz. Richter Walter Tyrolf, ein früheres NSDAP-Mitglied, bestritt den Zusammenhang zwischen antisemitischer Filmpropaganda und staatlicher Judenverfolgung, behauptete einen „Nötigungsnotstand“ Harlans und sprach ihn von Verbrechen gegen die Menschlichkeit frei. Harlan erlebte 1951 ein Comeback als Filmregisseur. Der Hamburger Senatsdirektor Erich Lüth rief zum Boykott neuer Harlan-Filme auf und warb mit seiner Aktion „Friede mit Israel“ für Aufarbeitung der NS-Zeit, Anerkennung Israels und Wiedergutmachung. Gegen Kinopremieren der Harlan-Filme und gerichtliche Boykottverbote protestierten bis 1954 landesweit Studenten, Akademiker und Opferverbände. In Salzburg, Freiburg und Göttingen verprügelten Polizisten als „jüdisch“ angesehene Studenten und nahmen sie fest, während Zuschauer sie mit antisemitischen Rufen anfeuerten, die Studenten ihrerseits bedrohten und schlugen. 1958 erlaubte das Bundesverfassungsgericht mit dem Lüth-Urteil den Boykottaufruf und stärkte so die Meinungsfreiheit auch im Zivilrecht.[23]

Die 1948 entstandene Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit befasste sich für eine umfassende Erziehung zur Demokratie gezielt mit Antisemitismus. Nur wenige überlebende Juden beteiligten sich. Die jährliche Woche der Brüderlichkeit (ab 1952) blieb ein kaum beachtetes philosemitisches Ritual.[24] 1952 verbot das Bundesverfassungsgericht die rechtsextreme Sozialistische Reichspartei (SRP) und verdrängte rechtsextreme Parteien damit zehn Jahre lang aus Landtagen und Bundestag. Viele Westdeutsche erwarteten nun einen „Schlussstrich“ unter die Vergangenheitsbewältigung. Jedoch kam es 1959/60 zu mehreren antisemitischen Skandalen und einer Hakenkreuz-Schmierwelle.[25] Bücher wie das „Tagebuch der Anne Frank“, Filme wie „Nacht und Nebel“ (1955/56), der Eichmann-Prozess (1961) und die Auschwitzprozesse (ab 1963) verstärkten dagegen die öffentliche Auseinandersetzung mit der NS-Zeit und Anteilnahme für jüdische Holocaustopfer.[22] Nach der Ausstellung „Ungesühnte Nazijustiz“ (1959/60) und ersten Strafanzeigen gegen ehemalige NS-Juristen gründeten die Bundesländer eine Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen.

1967 konstatierten die Psychoanalytiker Margarete und Alexander Mitscherlich jedoch, dass die meisten Deutschen ihre Verstrickung in den Nationalsozialismus kaum verarbeitet hatten und die NS-Verbrechen weiter tabuisierten. Daher könnten emotionale Bindungen an autoritäre und antisemitische Denkmuster fortwirken: „Vorerst fehlt das Sensorium dafür, dass man sich zu bemühen hätte – vom Kindergarten bis zur Hochschule –, die Katastrophen der Vergangenheit in unseren Erfahrungsschatz einzubeziehen, und zwar nicht nur als Warnung, sondern als die spezifisch an unsere nationale Gesellschaft ergehende Herausforderung, mit ihren darin offenbar gewordenen brutal-aggressiven Tendenzen fertig zu werden.“[26]

Die 1964 gegründete Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) verpasste den Einzug in den Bundestag bei der Bundestagswahl 1969 nur knapp. Ihre Anhänger propagierten die „Auschwitzlüge“ und behaupteten, der Holocaust sei eine Erfindung „der Juden“, um Deutschland als Tätervolk zu brandmarken und politisch-finanzielle Reparationen zu „erpressen“. Diese Holocaustleugnung wurde im deutschsprachigen Rechtsextremismus üblich.[27]

Infolge der Ostpolitik der sozialliberalen Bundesregierung verlor die NPD große Wähleranteile. Die Neonazigruppen von Michael Kühnen und Manfred Roeder, Aktionsfront Nationaler Sozialisten/Nationale Aktivisten, Deutsche Aktionsgruppen, Volkssozialistische Bewegung Deutschlands und Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei, waren radikale Holocaustleugner, Antisemiten und Rassisten. Ihre Anschläge richteten sich jedoch gegen Asylbewerber, Ausländer und deren Unterstützer.[28]

Der 1979 ausgestrahlte Fernsehfilm „Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiss“ verstärkte die kollektive Ächtung des Antisemitismus. Doch auch bürgerliche Politiker äußerten sich weiterhin öfter judenfeindlich. So sagte Hermann Fellner (CSU) zur 1986 geforderten Entschädigung von Zwangsarbeitern der NS-Zeit, „die Juden“ meldeten sich seinem Eindruck nach immer schnell, wenn in deutschen Kassen Geld klimpere. Bürgermeister Wilderich Graf von Spee (CDU) meinte in einer Ratssitzung, man müsse zur Sanierung des städtischen Haushalts „ein paar reiche Juden erschlagen“. Heftige Proteste veranlassten beide, sich zu entschuldigen bzw. zurückzutreten. Demnach war die Sensibilität gegenüber Verstößen gegen die gesellschaftliche Ablehnung von Antisemitismus seit 1960 gewachsen.[29]

Antisemitismus wurde in der Bitburg-Kontroverse und der Fassbinder-Affäre von 1985, im Historikerstreit (1987) und im Fall Jenninger (1988) sichtbar, etwa indem lebende Juden als „rachsüchtig“, „auf ihren finanziellen Vorteil bedacht“ oder als Störenfriede im deutsch-amerikanischen Verhältnis angegriffen wurden.[30] Ernst Noltes geschichtsrevisionistische Thesen wurden im Historikerstreit zwar entkräftet, blieben aber verbreitet: Er hatte deutsche Konzentrationslager 1986 als Reaktion auf Josef Stalins massenvernichtende Gulags relativiert und den Rasse-Antisemitismus aus dem Antikommunismus der Nationalsozialisten erklärt.[31]

Verbreitung

Ab 1945 erhoben alliierte Behörden, ab 1949 auch bundesdeutsche Institute und Sozialforscher empirische Daten zu Ausmaß, Arten und Trägern antisemitischer Vorurteile. Nach Umfragen in der US-Besatzungszone sahen sich 1945 23 %, 1946 21 %, 1948 noch 19 % der Befragten als Antisemiten. Bis zu 40 % weitere teilten antisemitische Einstellungen.[32]

Nach Umfragen vom Institut für Demoskopie Allensbach stieg der Anteil „bekennender“ Antisemiten im Kontext der Debatte um Reparationen an Israel 1949 auf 23 %, 1952 auf 34 %. Die Frage „Würden Sie sagen, es ist [wäre] für Deutschland besser, keine Juden im Land zu haben?“ beantworteten die befragten Deutschen anteilig in Prozent wie folgt:[33]

Jahr Ja Nein Egal
1952 37 19 44
1956 26 24 50
1958 22 38 40
1963 18 40 42
1965 19 34 47
1983 9 43 48
1987 13 67 20

Demnach sanken antisemitische Haltungen kontinuierlich, stiegen zeitweise aber wieder an. Nur 1987 erreichte das Ja zu Juden in Deutschland eine Mehrheit. Viele weitere Umfragen bestätigten einen stabilen Anteil von 14 bis 30 % eindeutigen Antisemiten sowie erhebliche latente oder diffuse antisemitische Vorurteile unter den übrigen Bundesdeutschen. Dieser Anteil lag laut einer Studie von Alphons Silbermann (1974) bei 50 %. In einer Studie von Badi Panahi (1977/78) stimmten 14 % der Aussage zu, „dass die Juden einen schädlichen Einfluss auf die christlich-abendländische Kultur ausüben“. 37 % stimmten der Aussage zu: „Die Juden sind vor allem darauf aus, alles, was mit Geld zu tun hat, zu kontrollieren und dadurch eine Macht auszuüben“. Allensbach- und TNS Emnid-Umfragen von 1986, 1987 und 1989 bestätigten trotz verschiedener Methoden und Frage-Items den Anteil von 15 % eindeutigen und 30–40 % latenten oder potentiellen Antisemiten quer durch alle Bevölkerungsschichten. Bei insgesamt sinkender Tendenz blieb dieses Potential bis 1990 bestehen und abrufbar. Die relative Abnahme wird vor allem auf Bildung und demokratische Erziehung der jüngeren Generation zurückgeführt.[34]

Deutschland seit 1990

Gesellschaftsmitte

Antisemitismus zeigt sich seit 1990 auch in der Mitte der deutschen Gesellschaft. Vertreter der CDU/CSU nahmen die deutsche Wiedervereinigung zum Anlass für Forderungen, mit der NS-Vergangenheit abzuschließen und die deutsche Geschichte neu zu interpretieren. So sagte der konservative Bundespräsidentschaftskandidat Steffen Heitmann 1993: Er glaube nicht, dass aus dem Holocaust „eine Sonderrolle Deutschlands abzuleiten ist bis ans Ende der Geschichte“. Mit der deutschen Einheit sei die Zeit gekommen, „dieses Ereignis einzuordnen“. Auf Kritik von Ignatz Bubis (Zentralrat der Juden in Deutschland) und dem JWC warnte Klaus-Jürgen Hedrich (CDU) die „jüdischen Repräsentanten“, „vor dem Hintergrund des Antisemitismus den Holocaust gegen uns zu instrumentalisieren“. Auf Kritik von Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth, Heitmann verharmlose den Holocaust, reagierte die CDU-Bundestagsfraktion mit Hohngelächter.[35] Infolge starker Proteste zog Heitmann seine Kandidatur zurück. Darin wirkte die bundesdeutsche Ächtung des Antisemitismus weiter.[36]

Antisemitische Reaktionen traten unter anderem in landesweiten Debatten um bloße Bewährungsstrafen für den Holocaustleugner Günter Deckert (1992; 1994), um Daniel Goldhagens Buch „Hitlers willige Vollstrecker“ (1996) und Norman Finkelsteins Buch „Die Holocaust-Industrie“ (2001), während der Wehrmachtsausstellungen (1995–1998, 2001–2004), im Streit um Zwangsarbeiterentschädigungen (bis 2000), besonders seit Martin Walsers Rede zum Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 1998 und seiner Debatte mit Ignatz Bubis dazu auf. Walsers Roman „Tod eines Kritikers“ (2002) wurden antisemitische Tendenzen bescheinigt. Jürgen Möllemanns antisemitisches Wahlkampfflugblatt (2002) und sein Streit mit Michel Friedman, damals im Zentralrat der Juden in Deutschland, sowie die Hohmann-Affäre 2003 zeigten, dass sich das Verhältnis der Mehrheitsgesellschaft zur jüdischen Minderheit verschlechterte. Die Zweite Intifada (ab 2000), die islamistischen Terroranschläge seit 2001, der Irakkrieg 2003 verstärkten die Zustimmung zu antisemitischen Verschwörungstheorien.[37] Die Tarnung illegaler Parteispenden als „jüdische Vermächtnisse“ durch Ministerpräsident Roland Koch und Innenminister Manfred Kanther (beide CDU) in der hessischen Parteispendenaffäre von 1999/2000 sollte Bundesbehörden von Nachprüfung abschrecken und bediente das antisemitische Klischee, Juden seien reiche Hintermänner der Politik.[38]

Finkelsteins These einer „Holocaustindustrie“ bestärkte das im sekundären Antisemitismus gängige Vorurteil, Juden würden die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit aus Gewinnstreben für überhöhte Entschädigungsansprüche missbrauchen.[39] Mit Möllemanns Wahlkampfflugblatt versuchte 2002 erstmals ein Spitzenpolitiker einer etablierten Partei, durch ressentimentgeladene öffentliche Kritik an Juden und an Israel Stimmen aus dem rechten Spektrum zu gewinnen. Dieser Tabubruch löste antisemitische Reaktionen aus. Das in Coburg erscheinende Szenemagazin Kult forderte 2002 öffentlich: „Don’t buy Jewish!“[40] Die Rede des Bundestagsabgeordneten Martin Hohmann, wonach man Juden wegen ihrer angeblichen Führungsrolle in der Oktoberrevolution 1917 und folgenden sowjetischen Verbrechen ebenso wie die Deutschen als Tätervolk bezeichnen könne, legte eine Täter-Opfer-Umkehr nahe.[41]

Diese Vorgänge verschoben laut einigen Antisemitismusforschern allmählich die Grenzen des Sagbaren und verbanden vergangenheits- und gegenwartsbezogenen Antisemitismus zur Schuldabwehr.[42] Für Lars Rensmann begann mit der Goldhagen-Debatte eine Enttabuisierung antisemitischer Ressentiments, die sich in Debatten über Walsers Rede, die Zwangsarbeiterentschädigung und Möllemann fortsetzte. Werner Bergmann geht von einer Abnahme dieser Einstellungen in Westdeutschland seit 1990 aus, stellt aber auch eine höhere Anfälligkeit bei ostdeutschen Jugendlichen fest. Er räumt in einer mit Wilhelm Heitmeyer verfassten Arbeit über den neuen Antisemitismus ein, dass sich die „Grenzen des Sagbaren“ mit der Möllemann-Affäre eventuell bewegt haben und verbrämte antisemitische Sprüche zunehmend geduldet würden.[43] Dabei ging es immer um den heutigen Umgang mit den NS-Verbrechen. Die Verantwortung, die das „Volk der Täter“ (Lea Rosh) dafür zu tragen habe, wird immer wieder als Belastung, nicht als Chance empfunden. Dabei erschienen neue antisemitische Vorwürfe: „Die Juden“ wollten die Schuldgefühle der Deutschen verlängern (Goldhagen-Debatte), sich am Holocaust bereichern (Finkelstein-Debatte) und ihre eigenen „Verbrechen an den Palästinensern“ tabuisieren (Möllemann-Debatte). Politiker wie Möllemann und Hohmann bedienten Wünsche nach einer „Entlastung“ von früherer Schuld und heutiger Verantwortung und normalisierten rechtsradikales Gedankengut für Wählerstimmen. Wurde früher gefordert, die Debatte über deutsche Schuld zu beenden, hieß es nun, eine Debatte über Israels vermeintliche Schuld müsse „wieder möglich“ sein. Dabei wurde stets die Situation der hier lebenden jüdischen Minderheit ausgeblendet. Deutsche Juden erlebten in jedem öffentlichen Streit vermehrte Anfeindung und Bedrohung. In vielen Reaktionen zeigte sich ein antisemitischer „Bodensatz“ sowie der „sekundäre“ Antisemitismus, der Juden nicht trotz, sondern wegen des Holocaust und seiner Folgen ablehnt und abwertet.[44]

Rechtsextreme

Rechtsextreme Gruppen und Parteien gehören nach wie vor 1990 zu den Hauptträgern antisemitischer Hetze und Straftaten in Deutschland, obwohl Ausländer, Asylbewerber und Einwanderer zur Hauptzielgruppe ihrer Angriffe geworden sind. Dabei bejahen nur einige Neonazigruppen offen den rassistischen Vernichtungsantisemitismus der NS-Zeit. Aus machttaktischen Gründen und um Strafverfolgung zu vermeiden, vertreten sie meist den sekundären, geschichtsrevisionistischen und Israel-bezogenen Antisemitismus, der sich als Antizionismus ausgibt. Dabei benutzen sie „die Zionisten“ als Codewort für „die Juden“. Jedoch greift ihre Propaganda, etwa die der National-Zeitung (München), unverkennbar auf traditionelle Stereotype des „geldgierigen Juden“ zurück, der das deutsche Volk moralisch belaste, finanziell auspresse und kulturell „zersetze“.

Rechtsextremisten verbreiten in Deutschland verbotene holocaustleugnende Texte über Auslandsserver und in pseudowissenschaftlicher Aufmachung im Internet. Auch wo sie Juden nicht explizit erwähnen, unterstellen sie den Holocaustüberlebenden in antisemitischer Tradition eine konspirative, systematische Manipulation und Fabrikation von Holocaustdokumenten für „Geschichtslügen“.

Die von Gary Lauck (USA) gegründete NSDAP-Aufbauorganisation verbreitete Plakate und Aufkleber mit antisemitischen Parolen, etwa „Kampf den Judenparteien“, „Kommunismus – Werkzeug der Juden“ und „Kauft nicht bei Juden“, sowie Spiele wie „Jude ärgere dich nicht“, „KZ-Manager“ oder Anleitungen zum Erschießen von „Kindern der Juden“. Die Rechtsrock-Band Macht & Ehre hetzte mit Zeilen wie „Er ist kein Mensch, er ist ein Jud', drum denk nicht nach und schlag ihn tot“. Rechtsextreme Esoteriker beschreiben „die Illuminaten“ als heimliche Weltverschwörer und identifizieren sie mit „den Juden“. Jan Udo Holeys Pamphlet Geheimgesellschaften (1993; 1995) griff auf die „Protokolle der Weisen vom Zion“ zurück und verknüpfte sie mit UFO- und Alien-Fiktionen.[45]

Anders als anderen aus der „Volksgemeinschaft“ ausgegrenzten und bekämpften Gruppen schreiben Rechtsextremisten Juden eine sehr große, heimtückische und gefährliche Macht zu. Antisemitismus ist Grundkonsens und ein Integrationsfaktor der ansonsten uneinheitlichen Szene. Juden gelten ihnen als moralisch verdorben, als ausbeuterische „Finanzmacht“ oder als biologische Gefährdung der deutschen „Rasse“.[46] Westdeutsche Neonazis benutzten die deutsche Wiedervereinigung dazu, ihren Einfluss über Kontakte in ostdeutsche Länder zu vergrößern. 1991 begann eine Reihe neonazistischer Aufmärsche, rassistischer und fremdenfeindlicher Anschläge. Auch antisemitische Straftaten nahmen ab 1990 erheblich zu. Rechtsextreme Parteien wie NPD, Deutsche Volksunion (DVU) und Die Republikaner (REP) gelangten in einige Landtage.[22] Nachdem die Bundesregierung 1992 einige Neonazigruppen verboten hatte, unterliefen sie die Verbote als dezentrale „Freie Kameradschaften“.

Deutsche Rechtsextremisten griffen Walsers Friedenspreisrede und Finkelsteins These einer Holocaustindustrie zum angeblichen Ausbeuten jüdischen Leides begeistert auf, da sie ihr antisemitisches Bild bestätigte, „die Juden“ seien Eintreiber überhöhter Entschädigungsansprüche und Verursacher von Finanzlasten für „die Deutschen“. Hinter der gesamten Erinnerungskultur zur NS-Zeit und der Holocaustforschung stehe ein ausbeuterisches jüdisches Netzwerk für Macht und Profit. Finkelstein diente dabei als klassischer „Alibijude“, der es ja wissen müsse. Weil er wie Ernst Nolte geschichtsrevisionistische Autoren gewürdigt hatte, feierten ihn Holocaustleugner wie Ernst Zündel besonders.[47]

Die Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU), die 2000 bis 2007 unentdeckt neun gezielt ausgesuchte Muslime ermordete, war auch antisemitisch eingestellt. Ihr Mitglied Uwe Böhnhardt hängte 1996 an einer Autobahnbrücke einen Puppentorso mit einem gelben Judenstern auf und zeigte damit, das auch Juden im Visier des NSU waren.[48]

Linke

Antisemitismusforscher stellen auch bei deutschen Linken antisemitische Tendenzen fest. Diese äußern sich seit dem Sechs-Tage-Krieg 1967 als Antizionismus, der Kritik an israelischer Politik gegenüber den Palästinensern zur Ablehnung des jüdischen Staates verallgemeinert.[49] Antiimperialisten sehen Israel als Brückenkopf des US-Imperialismus zur Unterdrückung der Palästinenser und Beherrschung der Nahostregion. Sie solidarisieren sich oft kritiklos mit Terrorgruppen wie Hamas und Hisbollah, die das Existenzrecht Israels bestreiten und diesen Staat zerstören wollen. Bei dieser Solidarität zeigen sich auch ideologische Gemeinsamkeiten mit Islamisten, etwa bei Linksruck.[50]

Bei Linken verbreitet ist auch eine verkürzte Kapitalismuskritik, die ein „schaffendes“ (nationales, deutsches) von einem „raffenden“ (jüdischen) Kapital unterscheidet.[51] Die Gegenüberstellung ist seit den Wirtschaftskrisen im Kaiserreich gängig: Als der Kapitalismus die Gleichheitsversprechen der Bürgerrechte nicht einlöste, identifizierten rechte wie linke Antisemiten „die Juden“ mit dem zirkulierenden, sich ohne Arbeit vermehrenden Finanzkapital und stellten sie als das Schicksal der Menschheit bestimmende weltumspannende „jüdische Geldmacht“ dar, etwa mit Symbolen von Kraken, Schlangen und Spinnen.[52] Solche Metaphern erscheinen heute auch im Kontext von Antiamerikanismus, etwa als das Mitgliedermagazin der IG Metall US-Firmen als Stechmücke mit krummer Nase darstellte und „Aussauger“ nannte, oder als Franz Müntefering (SPD) US-amerikanische Hedgefonds mit das deutsche Kapital bedrohenden Heuschrecken verglich.[53]

In der Globalisierungskritik von Attac Deutschland wurden 2003 antisemitisch interpretierbare Plakate und Aussagen vom „Finanzkapital“ und „der Wall Street“ bemerkt. Die Kritik führte zu einer intensiven, von Wissenschaftlern begleiteten Mitgliederdebatte. Tendenzen zur Aufteilung der Welt in Gut und Böse, zur Konstruktion von Verschwörungstheorien und Personalisierung abstrakter Herrschaftsverhältnisse wurden wahrgenommen, aber die Gleichsetzung jeder Kritik an Finanzmärkten mit Antisemitismus wurde zurückgewiesen.[54] Auch in anderen linken Gruppen führte Kritik etwa seitens der Antideutschen zu einer kritischen Reflexion antisemitischer Aussagen, zu ihrer Einstellung oder zur Isolation der Betroffenen innerhalb der linken Bewegung.

Viele linke Nichtregierungsorganisationen unterstützen die 2005 entstandene Kampagne Boycott, Divestment and Sanctions (BDS). Dagegen verweisen Antisemitismusforscher auf die Ziele der BDS-Gründer, den Staat Israel aufzulösen, und die historische Kontinuität zum nationalsozialistischen Judenboykott.[55]

Muslime

Ab 2002 während der zweiten Intifada griffen muslimische Jugendliche aus Zuwandererfamilien Juden in Deutschland wie überhaupt in Europa öfter an, begingen aber nur vereinzelt antisemitische Straftaten. Als Tatmotiv wurde dabei kaum die Religion festgestellt, sondern eine durch die Medienpräsenz des Nahostkonflikts verschärfte diffuse Israelfeindschaft, bei der sich die Täter mit den Palästinensern identifizieren, weil sie sich ausgeschlossen und perspektivlos fühlen, Diskriminierung und Rassismus erleben. Laut einer Studie für das Bundesinnenministerium von 2007 stimmten 15,7 % der befragten muslimischen Schüler gegenüber 7,4 % der nichtmuslimischen Jugendlichen mit Migrationshintergrund und 5,7 % der nichtmuslimischen Einheimischen dem Satz zu, dass „Menschen jüdischen Glaubens überheblich und geldgierig“ seien. Da nach anderen Umfragen seit 2002 auch etwa 20 % aller unterschiedslos befragten Deutschen Juden für geldgierig, 36 % für „zu mächtig“ in der Wirtschafts- und Finanzwelt halten, werden Unterschiede zwischen Muslimen und Nichtmuslimen in Deutschland nicht bei diesen antisemitischen Vorurteilen, sondern deren Motiven gesucht.[56] Auch eine vom Institut IFES im Auftrag des österreichischen Parlaments durchgeführte Antisemitismus-Studie kommt zum Ergebnis, dass Judenfeindlichkeit unter türkisch- oder arabischsprachigen Personen in Österreich massiv erhöht ist. In dieser Gruppe liegt der Antisemitismus bei 50 bis 70 %, während in der österreichischen Gesamtbevölkerung ein Wert von lediglich 10 % erhoben wurde.[57]

In einer Studie des Projekts „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ der Universität Bielefeld von 2010 stimmten 20,2 % der befragten deutschen Jugendlichen ohne, 26,7 % mit polnischem Migrationshintergrund der Aussage „Ich bin es leid, immer wieder von den Verbrechen an den Juden zu hören“ voll zu. Der Aussage „Was der Staat Israel mit den Palästinensers macht, ist im Prinzip nichts anderes als das, was die Nazis im Dritten Reich mit den Juden gemacht haben“ stimmten 7,2 % der befragten deutschen Jugendlichen voll, 25,5 % eher zu; anteilig etwa gleich viele aus der Sowjetunion oder Polen stammende Befragte. 40,7 % der Befragten mit muslimisch-arabischem Sozialisationskontext stimmten dieser Aussage voll, 18,7 % eher zu. Die Autoren führen diesen höheren Zustimmungsgrad auf die für muslimische Jugendliche größere Rolle des Nahostkonflikts sowie häufiger erlebte Benachteiligung und Versagenserlebnisse zurück. Letztere Faktoren korrelierten auch bei anderen Befragten mit höherer Zustimmung zu sekundär antisemitischen Stereotypen. Auch deutsche Schüler kompensierten eigene Abwertungserfahrung mit Aufwertung der eigenen Gruppe gegenüber den „Fremden“ und trugen einen islamfeindlichen Alltagsdiskurs in die Schule.[58]

Antisemitismusforscher bemerken seit etwa 2010 ein gewachsenes Medieninteresse an antisemitischen Einstellungen bei Muslimen, vor allem Jugendlichen arabischer oder türkischer Herkunft. Juliane Wetzel vermutet, dass es islamfeindliche Stimmungen bedient und eine Stellvertreterfunktion erfüllt, um sich nicht mit antisemitischen Stereotypen in der Mehrheitsgesellschaft auseinanderzusetzen. Viele Medienberichte missachteten die historische Tatsache, dass christliche Missionare und europäische Kolonialmächte Antisemitismus in die arabische Welt trugen, nicht umgekehrt. Die isolierte Betrachtung antisemitischer Tendenzen bei Muslimen könne deren Ausgrenzung verstärken. Das Thema dürfe nicht ausgepart, müsse aber als gesamtgesellschaftliches Phänomen betrachtet werden. Klaus Holz betonte schon 2006, dass es zwischen Herkunft und Antisemitismus keine monokausale Beziehung gibt und Antisemitismus unter zugewanderten Muslimen sich häufig erst wegen Erfahrungen im Einwanderungsland entwickelt.[59]

Infolge der Flüchtlingskrise ab 2015 in Deutschland wurden Probleme mit antisemitisch eingestellten Migranten befürchtet.[60] Josef Schuster (Zentralrat der Juden in Deutschland) warnte vor derartigen Tendenzen bei Flüchtlingen aus mit Israel verfeindeten Staaten und schlug vor, antisemitische Ressentiments zu einem zentralen Thema in den Integrationskursen zu machen sowie mit den Kursteilnehmern KZ-Gedenkstätten oder jüdische Museen zu besuchen.[61]

Eine im Auftrag des American Jewish Committee Berlin (AJC) 2015/16 durchgeführte Befragung von Lehrerinnen und Lehrern an 21 Berliner Schulen in acht Bezirken belegte wachsende salafistische Einflüsse und Judenfeindschaft unter Schülern mit türkischem und arabischem Migrationshintergrund. Der Hass gegen Juden sei dabei ein zentraler Bestandteil der salafistischen Ideologie.[62]

Laut einem Gutachten für den Integrationsbeauftragten der Bundesregierung führt die mit antisemitischen Motiven kombinierte Delegitimation des Staates Israel, etwa bei der jährlichen Demonstration zum Al-Quds-Tag in Berlin, die „immer wieder behauptete Unterscheidung von Zionisten und Juden ad absurdum“.[63]

Antisemitische Einstellungen

Eine sozialwissenschaftliche Studie der Universität Erlangen in den neuen Bundesländern ergab 1990 folgende Zustimmungswerte:

Aussage Prozent
„Juden arbeiten mehr mit Tricks als andere“ 11,6
„Alle Juden sollen nach Israel gehen“ 11,4
„Es gibt Fehler, die liegen den Juden im Blut“ 10,9
„Juden kümmern sich nur um das eigene Wohlergehen“ 10,8

Emnid ermittelte dagegen 1991 für andere antisemitische Items durchschnittlich nur 4 % Zustimmung bei Ostdeutschen gegenüber 16 % bei Westdeutschen. Bei fast allen Fragen außer zu Israel lag der ostdeutsche deutlich unter dem westdeutschen Wert. Dies wird auf das Nachwirken der DDR-Propaganda (Tabuisierung des Antisemitismus bei gleichzeitigem Antizionismus) zurückgeführt.[64]

Während der Serie ausländerfeindlicher Anschläge ab 1991 nahmen antisemitische Einstellungen in der Gesamtbevölkerung nicht zu, wohl aber bei ostdeutschen jungen Männern: Der Aussage „Die Juden sind Deutschlands Unglück“ stimmten 14 % der 14- bis 18-Jährigen zu, dabei 33 % Lehrlinge (weibliche 10 %), 16 % Schüler (weibliche 4 %), besonders die, die sich politisch rechts einordneten. In Sachsen und Sachsen-Anhalt fanden bei dieser Altersgruppe antisemitische Vorgaben 12 %, fremdenfeindliche 29 % und nationalistische 50 % Zustimmung. Während von 1990 bis 1996 weniger erwachsene Ostdeutsche als Westdeutsche antisemitisch eingestellt waren, lag der Anteil bei Jugendlichen in Brandenburg doppelt bis dreimal so hoch wie in Nordrhein-Westfalen (NRW), besonders bei Schülern der 8./9. Klasse (34 % / 11 %) und Lehrlingen im dritten Lehrjahr (44 % / 25 %). Gegen den Bundestrend einer Abnahme antisemitischer Vorurteile besonders in der jüngsten befragten Altersgruppe (1998: 10 % bei 14- bis 20-Jährigen) wurden die gering gebildeten, handarbeitenden und rechtsorientierten jungen Männer in Ostdeutschland immer stärker antisemitisch, ausländerfeindlich und nationalistisch. So erhielt die rechtsextreme DVU bei 18- bis 30-jährigen Männern in Sachsen-Anhalt 1998, in Brandenburg 1999 anteilig die meisten Stimmen. Dabei lässt sich der Zuwachs antisemitischer Vorurteile nur teilweise aus Faktoren wie Arbeitslosigkeit der Väter, Vereinzelung, Fremdsteuerungs- und Ohnmachtsgefühlen und fehlenden Zukunftsperspektiven erklären.[65]

Nach Allensbach-Umfragen von 1995 neigten 15 bis 25 % der Deutschen zu antisemitischen Meinungen oder vertraten sie. Bei Umfragen der Universität Potsdam von 1996 in einzelnen Bundesländern ergaben sich im Osten etwa doppelt so hohe Zustimmungswerte zu antisemitischen Aussagen (etwa zum Verständnis für Schändungen jüdischer Friedhöfe) wie im Westen. Eine repräsentative Forsa-Umfrage von 1998 ergab folgende prozentuale Zustimmungswerte:

Aussage / Frage Prozent
„Der Einfluß von Juden auf die Wirtschaft steht im Mißverhältnis zu ihrem Bevölkerungsanteil.“ 41
„Viele Juden versuchen aus der Vergangenheit ihren Vorteil zu ziehen und die Deutschen dafür zahlen zu lassen.“ 38
„Juden fühlen sich mit Israel verbunden. Sie interessieren sich wenig für die Belange ihres Heimatlandes.“ 25
„Juden haben zuviel Einfluß.“ 21
„Juden haben etwas Besonderes und Eigentümliches an sich und passen deshalb nicht zu uns.“ 18
„Man kann Juden an ihrem Aussehen erkennen.“ 18
„Durch ihr Verhalten sind Juden an ihrer Verfolgung nicht ganz unschuldig.“ 17
„Die Juden haben deswegen soviele Schwierigkeiten, weil Gott sie dafür bestraft, dass sie Jesus Christus gekreuzigt haben.“ 8
„Wäre es für uns Deutsche am besten, wenn alle Juden nach Israel gingen?“ 9

Danach waren 1998 durchschnittlich mindestens 20 % der Deutschen klare Antisemiten. Bei latenten antisemitischen Vorurteilen gab es keine Ost-West-Unterschiede mehr. Bei über 65-jährigen lagen die Anteile mit 38 % am höchsten. Unter den Jüngeren waren sie bei Hauptschülern mit 30 % gegenüber 12 % bei Abiturienten am höchsten. Unter denen, die sich „Rechts“ einordneten, lagen sie bei 24, „Mitte“ bei 20, „Links“ bei 11 %. Bei der erneuten Forsa-Umfrage 2003 äußerten sich durchschnittlich 23 % antisemitisch. 61 % stimmten der Aussage „Man soll endlich einen Schlussstrich unter die Diskussion der Judenverfolgung ziehen“ zu.[66] Das Ost-West-Gefälle bei Jugendlichen verstärkte sich: Im Jahr 2000 waren in Brandenburg im Durchschnitt 29,5 %, in NRW 11 % der Jugendlichen antisemitisch.[67]

Nach Umfragen von 2002 und 2003 nahmen antisemitische Einstellungen bei den Deutschen erheblich zu:[68]

Aussage Prozent
„Israel ist eine große Bedrohung für den Frieden in der Welt“ 65 (europaweit: 59)
„Die Juden nutzen die Holocausterinnerung zu ihrem eigenen Vorteil“ 52
„Die Juden üben einen zu großen Einfluss auf das Weltgeschehen aus“ 40
[Man kann] „gut verstehen, dass manchen Leuten Juden unangenehm sind“ 36 (1999: 20)
„Rache und Vergeltung spielen für Juden eine größere Rolle als für andere Menschen“ 35
„Juden fühlen sich mit Israel verbunden. Sie interessieren sich wenig für die Belange ihres Heimatlandes“ 35
„Der jüdische Einfluss auf die US-Politik war ein entscheidender Faktor bei der Militäraktion gegen den Irak“ 26
„Die Juden sind Schuld daran, dass wir so große Weltkonflikte haben“ 20
[Möglich,] „dass die US-Regierung die Anschläge vom 11. September selbst in Auftrag gegeben haben könnte“ 19

Die Studie des Frankfurter Sigmund-Freud-Instituts und der Universität Leipzig vom Juni 2002 ergab einen Anteil von durchschnittlich 36 % deutschen Antisemiten. Der starke Anstieg wird auch mit der Enttabuisierung judenfeindlichen Verhaltens in der von Jürgen Möllemann ausgelösten Antisemitismusdebatte erklärt.[69]

Nach einem Ländervergleich der Anti Defamation League vertraten im Jahr 2014 durchschnittlich 27 % der befragten Deutschen antisemitische Einstellungen.[70] Die Zunahme geht mit weltweit gestiegener Akzeptanz für Antisemitismus und Abwehr, Relativierung und Bagatellisierung dieses Problems einher, besonders im Internet.[71]

Antisemitische Straftaten

Die polizeiliche Kriminalstatistik-Staatsschutz (PKS-S) des Bundeskriminalamts (BKA) wies antisemitische Straftaten bis 1993 nicht aus, sondern subsumierte sie unter „fremdenfeindliche“ oder „normale“ Kriminalität. Ab Mitte 1993 wurde ein Kriminalpolizeilicher Meldedienst für versuchte und vollzogene antisemitische, fremdenfeindliche und rechtsextreme Straftaten eingerichtet. Diese Statistiken erfassen zeitnah mehr solche Delikte, geben aber keine Auskunft über die weiteren Ermittlungen.[72]

Von 1990 bis 1994 vervierfachten sich die registrierten antisemitischen Straftaten und sanken dann bis 1999 auf rund 150 % mehr als anfangs. Insgesamt stiegen sie langsamer und weit geringer als (andere) rechtsextreme Taten, die sich bis 1993 verneunfachten.[73]

Jahr Menge
1990 339
1991 388
1992 628
1993 649
1994 1366
1995 1155
1996 846
1997 976
1998 991
1999 817

Seit 2001 werden polizeilich gemeldete antisemitische Straftaten als Hasskriminalität in der Kategorie Politisch motivierte Kriminalität (PMK) erfasst. Als antisemitisch gilt „der Teil der Hasskriminalität, der aus einer antijüdischen Haltung heraus begangen wird.“[74] Dazu zählen vor allem Holocaustleugnung, die Diffamierung jüdischer Institutionen und ihrer Vertreter und Sachbeschädigungen an jüdischen Mahnmalen, Gedenkstätten und Gräbern.[75] Solche Taten gelten generell als extremistisch, können aber je nach objektiven Tatumständen und subjektiven Tatmotiven in mehrere Statistiken eingeordnet werden.

Jedoch wird in Deutschland nur ein Bruchteil antisemitischer Angriffe bekannt. 2013 hatten laut Umfragen nur 28 %, 2016 nur 23 % der Opfer die Tat angezeigt; nur für 2 % hatten andere die Tat angezeigt oder die Polizei hatte selbst ermittelt. Als Grund, die Tat nicht zu melden, nannten 47 %, dass nach einer Anzeige nichts geschehe oder sie nichts ändere, 27 %, dass solche Taten andauernd passieren, 18 %, dass eine Anzeige zu bürokratisch und zeitaufwändig sei. Antisemitische Schmierereien und andere Propagandadelikte werden oft nicht angezeigt, weil sie niemand direkt treffen. Antisemitische Straftaten bei Demonstrationen werden kaum registriert. Bei antisemitischen Angriffen, die Beleidigung, Raub, Körperverletzung und ähnliches einschließen, werden nur die am höchsten bestraften Tatanteile statistisch gezählt. Antiisraelische Straftaten werden teils als antisemitische, teils als vom Nahostkonflikt bedingte Hasskriminalität erfasst; wonach beides zu unterscheiden ist, erklärt der PMK-Themenkatalog nicht. Deutsche Polizisten kennen nicht alle Codes, Symbole und Parolen, etwa ausländischer Rechtsextremisten, und können daher antisemitische Tatmotive übersehen. Diese lassen sich bei nicht ermittelten Tätern, etwa von Schmierereien, nur vermuten. Oft vermeiden am Extremismuskonzept orientierte Polizeimeldestellen, selbst evidente politische Motive einer antisemitischen Tat anzuerkennen. Andererseits werden unspezifische Delikte (etwa ein Graffiti „Juden raus“) unbekannter Täter, für die andere Anhaltspunkte fehlen, meist als „rechtsmotiviert“ registriert. Aus all diesen Gründen wird ein großes Dunkelfeld gar nicht registrierter sowie falsch eingestufter antisemitischer Straftaten angenommen. Der vom Bundestag eingesetzte „Unabhängige Expertenkreis Antisemitismus“ betonte 2017 daher: „Man darf […] die Zahlen der PMK-Statistik nicht als Abbild der Realität missverstehen, vielmehr ist aufgrund des Aufbaus des PMK-Erfassungssystems und der Routinen der polizeilichen Erhebungspraxis mit einer systematischen Unterschätzung antisemitischer Vorfälle zu rechnen.“[76]

Das Bundesamt für Verfassungsschutz nennt in seinen Jahresberichten ab 2001 folgende Zahlen:[77]

Jahr Antisemitische Straftaten davon Gewalttaten Anti-israelische Straftaten davon Gewalttaten
2001 1.691
2002 1.771
2003 1.344
2004 1.449
2005 1.748
2006 1.809
2007 1.657
2008 1.559
2009 1.690
2010 1.268
2011 1.239
2012 1.374
2013 1.275 51 41 0
2014 1.596 45 575 91
2015 1.366 36 62 1
2016 1.468
2017 1.504

Antisemitisch sind vor allem Zerstörungsaktionen gegen jüdische Friedhöfe. Diese haben seit dem Mittelalter gerade in deutschsprachigen Gebieten eine lange Tradition. Sie geschehen auch heute noch vermehrt während der Karwoche und um den 9. November (das Hauptdatum der Novemberpogrome 1938) herum. Anders als bei anderen Grabschändungen sind jüdische Gräber nicht von zertrampelten Beeten und geraubten Blumen oder Leuchten betroffen, sondern vom Umstürzen und Zertrümmern der Grabsteine oder Grabplatten, Herausreißen von Grabbegrenzungen, Eintreten von Friedhofstoren usw. Hinzu kommen Schmähparolen als Graffitis wie „Juda verrecke“, „Tod den Juden“, „Juden raus“, „Sieg Heil“, „Blut und Ehre“, „Viertes Reich“, „SS“, „SA“, „Judenschwein“, „Judensau“.[78]

Solche Schändungen werden seit 1945 statistisch zu erfassen versucht. Registriert wurden in Deutschland bis 1990 rund 1000 gemeldete Fälle; die vermutete Dunkelziffer liegt weit höher. Von 1990 bis 2000 gab es 409 registrierte Fälle, mehr als doppelt so viel wie von 1970 bis 1990. Das Grabmal von Heinz Galinski, dem früheren Leiter des jüdischen Zentralrats, wurde 1998 zwei Mal gesprengt, so dass sein Nachfolger Ignatz Bubis sich in Israel beerdigen ließ. Nach einer Studie von Adolf Diamant aus dem Jahr 1982 konnten nur 36,5 % der bis dahin bekannten Fälle aufgeklärt werden; davon ordneten die Behörden 36,2 % eindeutig antisemitischen Tätern, den Rest meist „Jugendlichen“ ohne „politische Motive“ zu.[79] Nachfragen ergaben damals, dass die meisten Landesbehörden nicht darüber Buch führten und die angegebenen Motive auf reinen Annahmen beruhten.

Auch Synagogen und jüdische Personen sind Ziel von Anschlägen. Ebenso haben sich Graffiti-Anschläge auf Erinnerungsstätten des Holocaust seit der deutschen Einheit enorm vermehrt. Die Täter werden besonders in Deutschland nur sehr selten gefunden. Die Verfolgung von Grabschändungen wird hier meist nach fünf Monaten eingestellt. Die Aufklärungsrate liegt im europäischen Vergleich fast an letzter Stelle (siehe Weblinks).

Antisemitische Straftaten werden vor allem von Journalisten wie Anton Maegerle, Medien wie dem SPD-nahen Blick nach Rechts und Privatinitiativen registriert, etwa in Form einer regelmäßig veröffentlichten „Chronik des Hasses“. Seit 2002 erstellt die Amadeu Antonio Stiftung kontinuierlich eine Chronik antisemitischer Vorfälle, die sie auf ihrer Homepage dokumentiert.[80]

Die 2015 in Berlin gegründete Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) registriert auch strafrechtlich nicht relevante und von Opfern nicht angezeigte antisemitische Übergriffe. Sie führte 2017 allein für Berlin 947 Delikte auf, darunter 18 Angriffe, 23 Bedrohungen, 42 Sachbeschädigungen, 679 Fälle verletzenden Verhaltens (davon 325 online) und 185 weitere Propagandavorfälle. Wegen fehlender einheitlicher Kriterien riet der Unabhängige Expertenkreis Antisemitismus der deutschen Polizei und Justiz dazu, mit Nichtregierungsorganisationen zusammen ein möglichst realistisches Bild antisemitischer Straftaten zu erstellen. Im Durchschnitt kommt es mindestens viermal täglich in Deutschland zu solchen Taten.[81]

Aktuelle Tendenzen

Seit dem 11. September 2001 sprechen einige Forscher von einem „neuen“ Antisemitismus. Klaus Holz sieht das Neue in der Einigung radikaler Islamisten, Neonazis und mancher Linksextremisten auf einen antisemitischen Antizionismus: Sie alle sähen die Welt und sich selbst als Opfer irgendeiner jüdisch-zionistisch-kapitalistischen Verschwörung in Politik, Wirtschaft und Medien. Dabei stellten sie sich „die Juden“ als treibende Kräfte hinter den Kulissen vor, die zusammen mit der US-Regierung und Israel eine Weltherrschaft etablieren und die Völker zerstören wollten.[82] Auch der Sozialwissenschaftler Samuel Salzborn sieht „Verbindungslinien zwischen rechtem, linkem und islamischem Antisemitismus“. Diese Formen betrachtet er „als negative Leitidee der Moderne“. In ihnen werde der Hass auf Freiheit und Gleichheit projiziert. Ihr Weltbild schließe die abstrakten Strukturen und Logiken der modernen Gesellschaft und des bürgerlichen Staates aus. Das Gefühl hingegen richte sich in einer „kalten Instrumentalität“ nicht auf Individuen, sondern auf das „homogen phantasierte Kollektiv.“[83]

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland Dieter Graumann warnte beim Holocaustgedenktag 2014 vor einem „neuen Antisemitismus“ in Deutschland. Er verwies darauf, dass „Jude“ in manchen Schulen wieder als Schimpfwort benutzt wird, dass jüdische Menschen manche deutsche Orte nicht gefahrlos betreten und dort keine jüdischen Symbole wie Kippa oder Davidstern tragen können. Das dürfe niemand in Deutschland akzeptieren.[84] Anfang 2019 äußerte der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland Abraham Lehrer, dass es in der Bundesrepublik zusätzlich zum klassischen rechten Antisemitismus einen „abnehmenden Respekt“ der Mehrheitsgesellschaft gegenüber Juden gebe. Dies äußere sich in Schuld- und Erinnerungsabwehr, beispielsweise durch Kritik an vermeintlich „übertriebenen Formen“ des Holocaust-Gedenkens, sowie in Hass auf Israel. Die jüdische Gemeinschaft müsse „so vehement wie lange nicht“ für ihre Grundrechte kämpfen. Man mache sich Sorgen, aber lebe „nicht in Angst“, so Lehrer.[85]

Seit einigen Jahren klagen Personen des öffentlichen Lebens öfter auf Unterlassung von Antisemitismusvorwürfen, so Xavier Naidoo gegen die Amadeu-Antonio-Stiftung, Jürgen Elsässer gegen Jutta Ditfurth und „Die Bandbreite“ gegen die taz. Immer öfter entscheiden deutsche Gerichte zugunsten der Kläger, bewerten deren Persönlichkeitsrecht also höher als die Meinungs- und Pressefreiheit.[86] Josef Joffe (Die Zeit) kritisierte mit Blick auf die Debatte um Jakob Augstein, es sei heute schlimmer, „jemanden einen Antisemiten zu nennen, als einer zu sein.“[87]

Gegenmaßnahmen

Der Deutsche Bundestag empfahl die EUMC-Arbeitsdefinition ab 2008 „für die Arbeit staatlicher Behörden“.[88] Das Simon Wiesenthal Center veröffentlicht seit 2010 eine jährliche Rangliste der Top Ten Anti-Semitic/Anti-Israel Slurs. Darauf landeten bis 2013 auch Äußerungen deutscher Autoren und Journalisten.

Am 19. Januar 2015 bildete das Bundesministerium des Inneren den achtköpfigen Expertenkreis Antisemitismus,[89] darunter Werner Bergmann, Klaus Holz, Armin Pfahl-Traughber und Juliane Wetzel. Dass jüdische Wissenschaftler fehlten, wurde stark kritisiert.[90] Sein zweiter Bericht von 2017 betonte die aktuelle Bedeutung eines „Antisemitismus ohne Antisemiten“ sowie weiterer Formen und stellte Handlungsempfehlungen dazu vor.[91]

Der Antisemitismusbeauftragte Felix Klein beobachtet in Debatten über den Nahostkonflikt, dass sich auch Kirchenvertreter antisemitisch äußerten: „Wenn deutsche Juden verantwortlich für die israelische Siedlungspolitik gemacht werden – dann ist das antisemitisch, und da erwarte ich, dass die Kirchenleitungen sich davon distanzieren.“[92]

Europa

Einstellungen

Erst seit 1990 wurden wieder soziologische Erhebungen über antisemitische Einstellungen in Osteuropa möglich. Dabei zeigte sich, dass der Antisemitismus gemeinhin den Linien von der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg folgte. In Polen und der Slowakei gab es in der Bevölkerung dabei häufiger antisemitische Vorstellungen als in Tschechien oder Ungarn.

Eine Kontinuität bzw. gar ein starkes Wiederaufleben von antisemitischen Tendenzen in den osteuropäischen Ländern, die inzwischen der EU beigetreten sind,[93] wurde intensiv diskutiert; Antisemitismus war dort um das Jahr 1900 herum[94] wie nach 1989/90 (Zerfall der Sowjetunion und des Ostblocks) eng verknüpft mit Vorbehalten gegenüber liberalen Eliten und städtischen Modernisierungspionieren.[95]

In einer Umfrage der Anti Defamation League von 2009 in sieben EU-Staaten fanden durchschnittlich 44 % der Befragten und mehr als 55 % in Österreich, Polen und Ungarn, dass Juden zu oft über den Holocaust sprächen. In einer Emnid-Umfrage in acht europäischen Staaten fanden 42 % der Befragten, dass die „Juden die Vergangenheit ausnutzen, um Geld zu erpressen“. Die Abwehr der Erinnerung an die NS-Zeit und Feindseligkeit gegen Juden in Europa wachsen demnach korrelativ miteinander.[96]

Nach einer am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) durchgeführten Vergleichsstudie von 2013 meinten 28 % der befragten deutschen Muslime, man könne Juden nicht trauen (zum Vergleich: 43,4 % der Muslime in Frankreich, 56,7 % in Belgien, 64,1 % in Österreich, 36,8 % in Schweden).[97]

Antisemitismus in Ost- und Südosteuropa nach einer Umfrage im Auftrag des Pew Research Center 2015–2016[98]

Zwischen Juni 2015 und Juli 2016 führten drei Meinungsforschungsinstitute aus Großbritannien, Russland und Georgien im Auftrag des Pew Research Center eine Umfrage zu den religiösen Einstellungen von Erwachsenen in 18 Staaten Osteuropas und Südosteuropas durch. Die Teilnehmer wurden gefragt, ob sie Juden als Landsleute und Mitglieder ihrer Gesellschaft akzeptieren würden. 5 % der befragten Ukrainer, je 7 % der Bulgaren und Serben, 22 % der Rumänen, 23 % der Litauer und 32 % der Armenier verneinten dies.[98][99]

In einer repräsentativen FRA-Umfrage von 2018 mit 16.395 jüdischen Teilnehmern aus zwölf EU-Staaten über einen Zeitraum von fünf Jahren gaben 30 % der Befragten Muslime, 21 % Linke und 13 % Rechtsextremisten als Täter antisemitischer Angriffe an (in Deutschland benannten 41 % der Befragten Muslime und 20 % Rechtsextreme als Täter). In acht der beteiligten Staaten landeten extreme Muslime auf einem der ersten drei Plätze der Täterrangliste. Zugleich gaben 70 % der Befragten an, mit Sorge auf eine wachsende Intoleranz gegenüber Muslimen zu blicken.[100] Durchschnittlich 28 % (Deutschland: 41 %) gaben an, sie hätten im vergangenen Jahr eine antisemitische Erfahrung gemacht oder seien mit judenfeindlichen Belästigungen konfrontiert gewesen. 75 % der deutschen Juden gaben an, dass sie „manchmal, häufig oder immer“ auf das Tragen jüdischer Symbole in der Öffentlichkeit verzichten; fast 50 % vermieden, gewisse Gegenden in ihrer Stadt aufzusuchen. 71 % beobachteten negative Vorurteile in den Medien. 89 % nehmen den Antisemitismus am schlimmsten im Internet und in den sozialen Medien wahr. Die große Mehrheit der Befragten ist sich einig, dass Entwicklungen im Nahostkonflikt sich auf die Intensität antisemitischer Vorfälle in Europa auswirken. Für 73 % der deutschen Juden (in Belgien und Frankreich 85 %) beeinträchtigt der Nahostkonflikt ihr Sicherheitsgefühl. Überdies wenden sich Opfer von Antisemitismus nur in 25 % der Fälle an die Polizei, da sie keine Änderung erwarteten und den Vorfall nicht als schwerwiegend genug empfanden. Laut EU-Justizkommissarin Věra Jourová fallen Deutschland, Belgien, Frankreich und Polen in die Kategorie „sehr problematisch“.[101]

Antisemitische Angriffe

Den Terroranschlägen am 11. September 2001 folgten weitere islamistische Terroranschläge gegen Israel. Während der zweiten Intifada ab Frühjahr 2002 gab es eine Welle von antisemitischen Angriffen auf Juden und jüdische Einrichtungen, Schulen, Friedhöfe, Begegnungsstätten und Holocaustgedenkstätten in Europa. In Frankreich wurden sogar Synagogen angezündet. Rhetorische Bezugnahmen auf den Holocaust dienten nun oft dazu, Juden und Israel anzugreifen und für die Angriffe auf sie selbst verantwortlich zu machen. Plakate wurden ausgehängt, die Israels Ministerpräsident Ariel Scharon mit Hitler gleichsetzten und den Davidstern mit dem Hakenkreuz verknüpften. Israel wurde umso mehr beschuldigt, je mehr die Angriffe von Palästinensern auf Israel zunahmen.[102]

Während und nach den Euromaidan-Protesten in der Ukraine kam es zu Vorwürfen antisemitischer Ausschreitungen.[103][104] Dem wurde aber aus in der Ukraine ansässigen jüdischen Kreisen widersprochen.[105][106][107]

Gegenmaßnahmen

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) verständigte sich 1990 auf Rechtsstandards zum Minderheitenschutz. Sie verurteilte Antisemitismus als eigenes Problem neben „Rassenhaß“, „Haß zwischen Volksgruppen“, „Fremdenhaß und Diskriminierung“ und verpflichtete ihre Mitgliedsstaaten auf geeignete Maßnahmen dagegen.[108] 2004 verurteilte die Berliner Erklärung der OSZE anlässlich antisemitischer Anschläge in Frankreich „vorbehaltlos alle Erscheinungsformen des Antisemitismus“, konkret alle Angriffe auf Juden, Synagogen und andere religiöse Stätten, und schloss jede Rechtfertigung dafür aus, etwa mit Israels Politik und dem Nahostkonflikt. Sie verpflichtete die OSZE-Staaten, alle Lebensbereiche vor antisemitischen Übergriffen, Gewalt und Diskriminierung zu schützen, die Erinnerung an den Holocaust wachzuhalten, gegen Hassdelikte und entsprechende Propaganda in Medien und Internet vorzugehen, verlässliche, aktuelle Daten über antisemitisch motivierte Straftaten, ihre Verhütung und Bekämpfung zu sammeln und zu veröffentlichen, Verfahren zur regelmäßigen Prüfung des Problems festzulegen und dabei mit allen Expertengremien zusammenzuarbeiten.[109]

Die 1998 gegründete International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) übernahm die EUMC-Arbeitsdefinition für ihre 31 Mitgliedsstaaten. Die Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA) nahm die EUMC-Arbeitsdefinition 2013 zwar von ihrer Webseite, behielt sie praktisch aber bei. Eine FRA-Umfrage von 2013 bestätigte die Aktualität des Israel-bezogenen Antisemitismus in der EU. Bis dahin hatte die OSZE die Definition für Polizeischulung übernommen; das US-Außenministerium, britische und kanadische Parlamentskommissionen empfahlen sie.[110] 2018 veröffentlichte eine europäische Expertengruppe im Auftrag von OSZE und UNESCO praktische Richtlinien zum Erkennen und Bekämpfen von Antisemitismus, die auf die IHRA-Arbeitsdefinition zurückgreifen.[111]

Österreich

Aufgrund der von den Alliierten im Jahr 1943 in der Moskauer Deklaration angeführten Bezeichnung des Landes als „erstes Opfer des Nationalsozialismus“ war nach 1945 der Druck und die eigene Bereitschaft weit geringer als in Westdeutschland, die jüdischen Opfer zu entschädigen oder Emigranten zurückzurufen. Die jüdischen Heimkehrer und Holocaustüberlebenden wurden oftmals ausgegrenzt und der Anteil der Österreicher an den Verbrechen des Nationalsozialismus auf die Reichsdeutschen abgewälzt. So verharmloste Staatskanzler Karl Renner, der auch schon vor 1945 grob antisemitisch agiert hatte,[112] die nationalsozialistischen Verbrechen beziehungsweise den Holocaust oder meinte hinsichtlich der Wiedergutmachung, dass er es auch grundsätzlich nicht einsehe, „jeden kleinen jüdischen Kaufmann oder Hausierer“ zu entschädigen.[113] Auch Oskar Helmer war dazu maßgeblich an der Verschleppung der Entschädigungszahlungen für die Opfer des Nationalsozialismus beteiligt beziehungsweise setzte sich während seiner Zeit als Innenminister für die vorzeitige Begnadigung von verurteilten Nationalsozialisten ein. Innerhalb der Sozialdemokratie setzten sich die als bewusste Antisemiten bezeichneten Helmer und Adolf Schärf gegen die Rückkehr jüdischer Sozialdemokraten ein.[114]

Auch gab es erhebliche Anstrengungen zur Reintegration ehemaliger Nationalsozialisten in die neue Parteienlandschaft. Sozialdemokraten, Konservative sowie die 1949 gegründete Partei Verband der Unabhängigen (VDU) warben um deren Unterstützung. Die vor 1938 große Israelitische Kultusgemeinde, die nach dem Krieg nur mehr ca. 4000 Mitglieder hatte und bis 1949 nur auf 8000 Mitglieder anwuchs, wurde jedoch nicht gefördert.[115] Die von Simon Wiesenthal betriebene Suche nach NS-Verbrechern war vielen Österreichern ein Dorn im Auge. In der Zeit des Kalten Krieges und später kam es in Österreich lange Zeit zu keiner politischen, juristischen und schulischen Befassung mit der österreichischen NS-Vergangenheit und dem Antisemitismus.[116] Auf der anderen Seite ist seit 1947 nationalsozialistische Wiederbetätigung und Holocaustleugnung verboten.

In den 1970er kam es zur Kreisky-Peter-Wiesenthal-Affäre, einem heftigen persönlichen Konflikt zwischen Nazi-Jäger Simon Wiesenthal und dem österreichischen Bundeskanzler Bruno Kreisky, die beide jüdischer Abstammtung waren. Wiesenthal thematisierte die NS-Vergangenheit von Ministern der Minderheitsregierung Kreiskys und von FPÖ-Obmann Friedrich Peter. Kreisky stellte dabei den Verdacht in den Raum, Wiesenthal sei selbst ein Nazi-Kollaborateur und Gestapo-Informant gewesen.[117] Weltweite Empörung riefen Kreiskys Äußerungen in einem Interview hervor, wonach die Juden kein Volk seien, und wenn, ein „mieses Volk“.[118]

Zu heftigen öffentlichen Debatten um Antisemitismus und Österreichs NS-Vergangenheit kam es in den 1980er Jahren im Zusammenhang mit der Kandidatur Kurt Waldheims als Bundespräsident (Waldheim-Affäre) und dem Aufstieg der FPÖ unter Jörg Haider.[119]

Im Januar 2018 wurde bekannt, dass in der Burschenschaft Germania zu Wiener Neustadt bis in die 1990er Jahre ein Liederbuch mit antisemitischen und den Holocaust verulkenden Liedern („Da trat in ihre Mitte der Jude Ben Gurion: ,Gebt Gas, ihr alten Germanen, wir schaffen die siebte Million“) in Gebrauch war.[120] Zu der zum Liederbuch sich entwickelnden Debatte meinte der österreichische Bundespräsident Alexander Van der Bellen, „dass herauskommt, dass es in Österreich keinen Platz für Antisemitismus gibt. Das ist einhellige Meinung, von ganz wenigen Persönlichkeiten abgesehen. Aber wir müssen uns auch immer erinnern, wie es begonnen hat. Auschwitz ist nicht vom Himmel gefallen. Dem ging eine jahrelange systematische Diskriminierung, Entwürdigung, ich würde sagen, Entmenschlichung der jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger voraus, sodass das schlussendlich dann möglich war.“[121]

Ein am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) 2013 durchgeführtes Six Country Immigrant Integration Comparative Survey ergab, dass 64,1 % der Muslime in Österreich der Meinung sind, man könne Juden nicht trauen.[122] Eine Studie des Zentrums für Politische Bildung an der Pädagogischen Hochschule Wien ergab, dass antisemitische Vorurteile bei muslimischen Jugendlichen besonders stark verbreitet sind. Eine weitere Untersuchung des Soziologen Kenan Güngör in den Jahren 2015 und 2016 zeigte bei 47 Prozent der Jugendlichen mit muslimischem Hintergrund eine abwertende Haltung gegenüber Juden. Gügör sieht einen nach Österreich „importierten Antisemitismus unter Muslimen“.[123][124]

Der österreichische Antisemitismusbericht (Hrsg.: Forum gegen Antisemitismus des Innenministeriums) stellte für das Jahr 2015 eine markante Zunahme von Vorfällen mit islamistischem Hintergrund fest. Oskar Deutsch, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, meinte, dass der Antisemitismus von islamischer Seite stärker werde, und forderte eine bessere Integration von Zuwanderern mit einer besseren Vermittlung der österreichischen Werteordnung sowie einen Aktionsplan auf europäischer Ebene.[125] Der Psychoanalytiker und ÖVP-Nationalratsabgeordnete Martin Engelberg, ehemaliges Mitglied im Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien (IKG), stellte fest, dass jene, die heutzutage in Wien antijüdische Slogans rufen, Muslime seien. Von ihnen komme in Österreich „die wahre antisemitische Bedrohung“.[126][127]

Frankreich

Ab der Jahrtausendwende stieg die Zahl antisemitischer Übergriffe in Frankreich; zahlreiche französische Juden wanderten aus.[128] 2016 war jedes dritte Opfer einer rassistischen Straftat in Frankreich ein Jude, obwohl die jüdische Gemeinde dort nicht einmal ein Prozent der Gesamtbevölkerung stellt.[128] Laut Georges Bensoussan, Experte für jüdische Kulturgeschichte im Europa des 19. und 20. Jahrhunderts an der Pariser Shoah-Gedenkstätte wurden zwischen in den letzten Jahren vor 2017 14 Juden in Frankreich bei antisemitischen Angriffen ermordet.[128] 2012 wanderten laut Statistik des israelischen Einwanderungsministeriums etwa 1900 Juden aus Frankreich nach Israel aus („Alija“); 2013 waren es 3288;[129] 2015 bereits 7800.[130][131][132]

Laut der jüdischen Organisation SPCJ (Service de protection de la communauté juive; etwa: Schutzdienst der jüdischen Gemeinschaft) und dem jüdischen Dachverband CRIF (Conseil Représentatif des Institutions juives de France) nahm die Zahl antisemitisch motivierter Taten in Frankreich im Jahr 2012 um 58 % gegenüber 2011 zu.[133] Im Jahr 2013 verzeichnete die Beobachtungsstelle Kriminalität und strafrechtliche Verfolgung (ONDRP) in Frankreich 423 antisemitische Delikte, darunter auch Gewalttaten.[134]

Laut einer Studie der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte von 2013 beobachten 88 % der französischen Juden eine zunehmende Feindseligkeit gegenüber ihrer Religion in den vergangenen fünf Jahren, 46 % erwogen eine Auswanderung.[133]

2014 bewegte eine Diskussion um Dieudonné M’bala M’bala, der als Komiker oder Kabarettist bekannt wurde, Frankreich. Sein Programm enthielt antisemitische Äußerungen. Der damalige Innenminister Manuel Valls hielt Dieudonnés Auftritte für politische Veranstaltungen, bei denen er antisemitische und rassistische Parolen verbreitete. Ein Auftritt in Nantes und später einer in Tours wurden verboten.[133][135][136] Der Conseil français du culte musulman (CFCM) verurteilte am 8. Januar 2014 alle Provokationen unter dem Deckmantel von Humor und Spott.[137][138]

Laut einer 2013 durchgeführten Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) äußerten 43,4 % der Muslime in Frankreich, man könne Juden nicht trauen.[139]

In den Jahren gab es islamistische Anschläge und andere Gewalttaten explizit gegen Juden oder jüdische Einrichtungen, so zum Beispiel 2006 die Entführung und brutale Ermordung des 23-jährigen Ilan Halimi, 2012 den Angriff auf eine jüdische Schule im Rahmen der Anschlagsserie in Midi-Pyrénées und 2015 den Überfall auf einen koscheren Supermarkt in Paris.
2015 filmte das israelische Online-Magazin NRG in Paris, wie ein Reporter mit Kippa auf dem Kopf 10 Stunden durch verschiedene Viertel läuft und dabei beschimpft und verfolgt wird.[140][141] Die 2015/16 gedrehte Dokumentation Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa thematisierte den damaligen Antisemitismus vor allem in Deutschland, Frankreich und den von Israel besetzten Palästinensischen Autonomiegebieten.

Nach dem Mordfall Sarah Halimi (April 2017), dem Überfall auf eine jüdische Familie in der Nähe von Paris und einigen gewalttätigen judenfeindlichen Vorfällen wurde das Thema Antisemitismus in Frankreich wieder verstärkt diskutiert. Die französische Regierung bezeichnete Antisemitismus in Frankreich als großes Problem; meist würden junge Muslime Juden beschimpfen und verprügeln.[142]
Im Jahr 2018 registrierten französische Behörden 541 antisemitische Übergriffe in Frankreich, 74 Prozent mehr als 2017 (311 Übergriffe).[143][144][145] Im Jahr 2017 lebten in Frankreich etwa 456.000 Juden.[146] (2002: etwa 500.000)[147]

Großbritannien

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2016 behauptete der ehemalige Londoner Bürgermeister Ken Livingstone, Adolf Hitler habe den Zionismus, konkret die Aussiedelung der Juden nach Palästina unterstützt, bevor er verrückt geworden sei und sechs Millionen Juden umgebracht habe. Sein Parteikollege John Mann bezeichnete ihn deshalb als „Nazi-Apologeten“.[148]

Der 2015 zum Parteivorsitzenden der Labour Party gewählte Jeremy Corbyn bezeichnete die Terrororganisation Hamas und die Hisbollah als „Freunde“.[148] Bei einer Gedenkveranstaltung in Tunesien legte er einen Kranz auf dem Grab eines PLO-Terroristen nieder, der 1972 am Massaker an israelischen Sportlern bei den Olympischen Sommerspielen in München beteiligt gewesen war. Der Soziologe David Hirsh wirft Corbyn „Unterstützung für Terrorismus und Toleranz gegenüber dem Antisemitismus“ vor.[149]

Der Innenausschuss des Parlaments kam in einer Untersuchung zu dem Ergebnis, dass das Versagen der Labour Party, konsistent und effektiv auf antisemitische Vorfälle der letzten Jahre zu reagieren, Behauptungen Substanz verleihe, wonach Teile der Labour-Bewegung institutionell antisemitisch sind.[150][151][149]

Die wissenschaftliche Studie „What British Muslims really think“ ergab, dass 26 Prozent der Muslime der Meinung sind, dass Juden für die meisten Kriege in der Welt verantwortlich seien.[152][153]

Arabische und islamische Staaten

Antisemitismus im Islam stammt historisch aus Europa. Griechische Christen hatten die Ritualmordlegende um 1840 im Osmanenreich propagiert. 1908 hatte der türkische Journalist Ebüzziya Tevfik die Reformvorstöße der Jungtürken nach europäischem Vorbild auf eine jüdische Verschwörung zurückgeführt. 1926 waren die „Protokolle der Weisen von Zion“ ins Arabische übersetzt und von panarabischen Nationalisten gegen Juden benutzt worden.[154] Dabei spielte der Palästinenserführer Mohammed Amin al-Husseini, ein Freund der Nationalsozialisten und später Helfer beim Holocaust, eine wesentliche Rolle.[155] Antisemitische Stereotype blieben jedoch im Islam bis 1970 marginal. Antisemitismusforscher wie Wolfgang Benz, Klaus Holz und andere weisen die seit dem 11. September 2001 von Robert S. Wistrich, Hans-Peter Raddatz und anderen vertretene These eines für den ganzen Islam konstitutiven „islamischen Antisemitismus“ daher zurück und sprechen stattdessen vom importierten, nachträglich „islamisierten Antisemitismus“.

Erst nach Israels Staatsgründung 1948 wurden die „Protokolle“ und weitere antisemitische Schriften aus Europa und Nordamerika massenhaft im arabischen Raum verbreitet. In seiner Schrift „Unser Kampf gegen die Juden“ (1950) vereinte Sayyid Qutb deren Stereotype mit antijüdischen Motiven aus islamischer Tradition und schuf damit den antisemitischen Islamismus. Er beschrieb die Juden als Vertreter eines „seelenlosen Materialismus“ und kollektive Zerstörer der bislang moralisch intakten Gemeinschaft der Muslime.[154] Der spätere Scheich der Azhar Muhammad Sayyid Tantawi behauptete 1966 in seiner Doktorarbeit Das Volk Israel im Koran und in der Sunna, „Gier nach Leben und dem Diesseits“ und „übermäßiger Egoismus“ seien unwandelbare Eigenschaften der Juden. Sie seien für Werteverfall, die Französische Revolution und die Oktoberrevolution verantwortlich. Dazu stützte er sich auf die „Protokolle“.[156]

Nach dem Sechstagekrieg 1967 verdrängte dieser Islamismus allmählich den arabischen Nationalismus. Daher enthalten die heutigen Programme vieler islamistischer Organisationen drei aus Europa stammende antisemitische Hauptmotive: den nach Weltherrschaft strebenden jüdischen Verschwörer, die Gegenüberstellung von (hier muslimischer) Gemeinschaft und (jüdischer) Gesellschaft und die Zuschreibung einer unfassbaren, destruktiven, unendlich einflussreichen, international verzweigten Macht der Juden zum Auflösen aller Unterschiede zwischen Völkern, Rassen und Religionen („Figur des Dritten“, Klaus Holz). So verweist die Hamas-Charta von 1988 in Artikel 32 explizit auf die „Protokolle“ und beschreibt Israel als illegitimen Pseudostaat einer internationalen, heimatlosen „Wir“-Gruppe, nicht als gewöhnlichen Nationalstaat.[154] Sie beschreibt Juden als heimliche Herrscher der Welt und zugleich als armselige Feiglinge, indem sie den frühen antijüdischen Hadith zitiert: „Der jüngste Tag wird nicht kommen, bevor nicht die Muslime gegen die Juden kämpfen und sie töten, so dass sich die Juden hinter Bäumen und Steinen verstecken. Und jeder Baum und Stein wird sagen: Oh Muslim, oh Diener Gottes, da ist ein Jude hinter mir. Komm und töte ihn.“[157]

Die antisemitischen Motive des Islamismus sollen den Staat Israel als angeblich nur durch Täuschung und Fälschung zustandegekommen delegitimieren. So behauptete der iranische Staatsführer Ali Chamene’i in einer Rede zur Intifada der Palästinenser (24. April 2001), man habe „eine große Zahl nicht-jüdischer Randalierer und Strolche aus Osteuropa dazu gezwungen, nach Palästina zu emigrieren“, um Israel gründen zu können. Auch das deutschsprachige Internetportal Muslim-Markt spricht stets vom „Pseudostaat Israel“ oder vom „zionistischen Gebilde“ ohne klare Grenzen und klar bestimmbares Staatsvolk.[154]

Der Iran propagiert antisemitischen Antizionismus als Staatsideologie mit Veranstaltungen wie dem al-Quds-Tag und unterstützt Terrorgruppen wie Hamas und Hisbollah.[158] Iranische Regierungsvertreter bezeichnen Israel als zu beseitigendes „Krebsgeschwür“.[159] Die iranische Zeitung Hamschahri schrieb im Februar 2006 einen Karikaturenwettbewerb unter dem Titel „Holocaust International Cartoon Contest“ aus, der Holocaustleugnung belohnte. Der Wettbewerb wurde 2010, 2013 und 2015 wiederholt.[160] Da die staatliche Rhetorik des Iran regelmäßig eindeutig antisemitische Konnotationen und Bilder verwendet, gilt der iranische Antizionismus als nicht vom Antisemitismus trennbar.[161]

Beşir Atalay, der Vizeregierungschef der türkischen Regierung Erdogan, behauptete während der Proteste in der Türkei 2013, diese seien von der jüdischen Diaspora in der Türkei organisiert worden; auch die internationale Presse und andere „ausländische Kräfte“ hätten sich an einer „Destabilisierung“ der Türkei beteiligt.[162]

Die 2014 publizierte ADL 100 Studie der Anti Defamation League, die Ergebnisse aus Befragungen zu Einstellungen gegenüber Juden aus 100 Ländern zusammenfasst, ergab, dass das Ausmaß von Antisemitismus in mehrheitlich muslimisch geprägten Ländern zwar hoch ist, jedoch von Land zu Land stark variiert (West Bank/Gaza 93 Prozent, Irak 92, Türkei 69). Andererseits neigten mehr Befragte (67 Prozent) im christlich-orthodoxen Griechenland zu antisemitischen Einstellungen als im muslimisch geprägten Iran (56 Prozent). In Kamerun und Nigeria wiederum ist Antisemitismus unter der christlichen Bevölkerung stärker verbreitet als unter der muslimischen, im Libanon unter beiden Bevölkerungsgruppen annähernd gleich stark (82 Prozent Muslime, 75 Prozent Christen). Der Unabhängige Expertenkreis Antisemitismus kommt zu dem Schluss, dass weniger die Religion als solche als vielmehr religiöser Dogmatismus mit antisemitischen Einstellungen korreliert. Eine ebenso einflussreiche Rolle spielen familiäre und gruppenspezifische Narrative und Identitätsherstellungen.[163] Die Mehrheit (56 Prozent) der arabischen (überwiegend muslimischen) Bevölkerung in Israel hatte hingegen eine positive Meinung von Juden, 35 Prozent eine negative. Die Einstellungen von Sunniten und Schiiten zu Juden unterschieden sich kaum. Weit weniger als sie zeigen Aleviten antisemitische Einstellungen.[164]

Nach einer globalen Untersuchung von 2018 vertreten 56 % bis 83 % der jeweils befragten Muslime Antisemitismus. Bei Christen lagen die Werte zwischen 16 % und 20 %.[165]

Vereinigte Staaten von Amerika

In den 1940er Jahren waren antisemitische Vorurteile in evangelikalen Kreise der USA weit verbreitet. Populäre Prediger wie der Baptist William B. Riley verbreiteten Verschwörungstheorien, wie die, Juden würden gemeinsam mit den Illuminaten hinter dem Weltkommunismus und supranationalen Organisationen wie der UNO stecken. Ihr Ziel wäre es, eine antichristliche Weltherrschaft zu errichten, die gemäß den Prophezeiungen der Bibel der Wiederkunft Christi vorausginge. In der unausweichlichen Endschlacht würde dann die Mehrheit aller Juden ums Leben kommen. Dabei stützten sich die evangelikalen Antisemiten unter anderem auf die „Protokolle der Weisen von Zion“. Trotz der Anknüpfungsmöglichkeiten an den angeblich jüdischen Bolschewismus gingen antisemitische Tendenzen während des Kalten Krieges insgesamt aber deutlich zurück.[166]

In der sowjetischen Atomspionage gegen die USA waren linke Juden – häufig Emigranten aus Europa – überproportional vertreten: Das Ehepaar Ethel und Julius Rosenberg war hierfür ein prominentes Beispiel. Dies trug dazu bei, dass die antikommunistischen Kampagnen der McCarthy-Ära der 1950er Jahre auch antisemitische Züge trugen.[167] Die Regierungen der USA unterstützen jedoch traditionell den Staat Israel als Demokratiemodell für den Nahen Osten. Auch das Holocaustgedenken und die Holocaustforschung haben hier besonders seit 1967 einen starken Rückhalt. Das amerikanische Judentum ist stark säkularisiert: Heute heiraten ungefähr 60 % der Juden in Amerika – gegenüber weniger als 10 % vor 1914 – Andersgläubige.

Nach dem Zusammenbruch des Sowjetkommunismus nahm der Antisemitismus in den USA nicht weiter ab. Juden wurde zwar nicht mehr vorgeworfen, mit der Sowjetunion im Bunde zu stehen, dafür wurden sie nun als Vertreter inter- oder supranationaler Organisationen wie der UNO, der Weltbank oder des IWF kritisiert: Das verschwörungstheoretische Grundmuster blieb, nur die angebliche Verschwörung wurde ausgetauscht. Da die Massenverbrechen des Holocaust stärker ins öffentliche Bewusstsein traten, wurden diese Verdächtigungen aber seltener offen geäußert, sondern durch Anspielungen auf die Hochfinanz und andere Codewörter.[168] Erzkonservative Christen, Evangelikale und Fundamentalisten unterstellen teilweise bis heute, dass der „jüdische Einfluss“ der Kulturindustrie in Hollywood als Vorhut für die Schwächung der „traditionellen Familienwerte“ verantwortlich sei. In manchen Country Clubs, Nachbarschaften und Konzernen sind Juden nicht willkommen: Sie orientieren sich an der Elite der White Anglo-Saxon Protestants („WASP“), d. h. den weißhäutigen Protestanten angelsächsischer (nordwesteuropäischer) Herkunft. Einzelne Prediger der Christian Right wie Jerry Falwell[169] und John Hagee[170] haben im Rahmen ihres apokalyptischen Weltbildes den Antichrist als jüdisch bezeichnet.

Gänzlich unverstellt ist der Antisemitismus weiterhin unter amerikanischen Rechtsextremen. In der Milizbewegung, in der Christian-Identity-Bewegung, die Arier für das auserwählte Volk der Bibel und Afroamerikaner für Untermenschen erklärt, beim Ku-Klux-Klan, den Aryan Nations und anderen Befürwortern einer White Supremacy ist das Schlagwort vom „Zionist Occupied Government“ populär, der „zionistisch“ (gemeint ist: jüdisch) „besetzten Regierung“, mit dem die Regierung der Vereinigten Staaten als von einer fremden Macht ferngesteuert delegitimiert werden soll. Aus diesen Gruppen kam es seit den 1980er Jahren zu antisemitisch motivierten Gewalttaten wie der Ermordung des Radiomoderators Alan Berg durch die Terrorgruppe The Order oder den Drive-by-Shootings Benjamin Nathaniel Smiths, eines Anhängers des Creativity Movements 1999.[171]

Seit den 1980er Jahren wuchs dem amerikanischen Antisemitismus eine neue Anhängerschaft unter den Afroamerikanern zu, was große Aufmerksamkeit erregte. Namentlich die Nation of Islam vertritt bis heute antisemitische Standpunkte, wobei sie sich der religiösen, wirtschaftlichen, rassistischen und verschwörungstheoretischen Stereotype bedient, die der europäische Antisemitismus bis dahin hervorgebracht hat.[172] Zusätzlich spielt in der Polemik ihres Führers Louis Farrakhan, der etwa „jüdischen Blutsaugern“ die Schuld an der jahrhundertelangen Unterdrückung der angeblich „überlegenen schwarzen Minderheit“ gibt, noch ein entschiedener Antizionismus eine Rolle.[173]

Der Anteil der US-Amerikaner mit antisemitischen Ansichten liegt (Stand Anfang 2017) seit Jahren bei zwölf bis fünfzehn Prozent.[174]

Ende Oktober erschoss ein Mann in einer Synagoge in Pittsburgh elf Menschen. Der 46-jährige Täter war bereits zuvor in den sozialen Medien mehrfach durch antisemitische Kommentare aufgefallen. Laut Jonathan Greenblatt, dem Chef der Anti Defamation League, war es die bislang „vermutlich tödlichste Attacke gegen die jüdische Community in der Geschichte der USA“.[175]

Weiterführende Informationen

Siehe auch

Literatur

Forschung

  • Wolfgang Benz (Hrsg.): Handbuch des Antisemitismus: Judenfeindschaft in Geschichte und Gegenwart. De Gruyter / Saur
Band 1: Länder und Regionen. München 2008, ISBN 978-3-598-24071-3
Band 2: Personen. Berlin 2009, ISBN 978-3-598-44159-2
Band 3: Begriffe, Theorien, Ideologien. Berlin 2010, ISBN 978-3-598-24074-4
Band 4: Ereignisse, Dekrete, Kontroversen. Berlin 2011, ISBN 978-3-598-24076-8
Band 5: Organisationen, Institutionen, Bewegungen. Berlin 2012, ISBN 978-3-598-24078-2
Band 6: Publikationen. Berlin 2013, ISBN 978-3-11-025872-1
Band 7: Film, Theater, Literatur und Kunst. Berlin 2005, ISBN 978-3-11-025873-8

Deutschsprachige Staaten

  • Maximilian Gottschlich: Unerlöste Schatten. Die Christen und der neue Antisemitismus. Ferdinand Schöningh, Paderborn 2015, ISBN 978-3-506-78247-2
  • Dana Ionescu, Samuel Salzborn (Hrsg.): Antisemitismus in deutschen Parteien. Nomos, Baden-Baden 2014, ISBN 978-3-8487-0555-9
  • Claudia Globisch: Radikaler Antisemitismus: zur Analyse gegenwärtiger antisemitischer Semantiken von links und rechts in Deutschland. Springer VS, Wiesbaden 2013, ISBN 978-3-531-93156-2
  • Monika Schwarz-Friesel, Jehuda Reinharz: Die Sprache der Judenfeindschaft im 21. Jahrhundert. De Gruyter, Berlin 2013, ISBN 978-3-11-027768-5
  • Monika Schwarz-Friesel (Hrsg.): Aktueller Antisemitismus. Ein Phänomen der Mitte. Saur, München 2010, ISBN 3-11-023010-0
  • Klaus-Michael Bogdal, Klaus Holz, Matthias N. Lorenz (Hrsg.): Literarischer Antisemitismus nach Auschwitz. J.B. Metzler, Stuttgart / Weimar 2007, ISBN 978-3-476-05224-7
  • Birgit Schmidt: Kein Licht auf dem Galgen. Ein Beitrag zur Diskussion um KPD/SED und Antisemitismus. Unrast, Münster 2005, ISBN 3-89771-436-1
  • Arbeitsgruppe Antifaschismus / Antirassismus im Studentenrat der Universität Halle (Hrsg.): Trotz und wegen Auschwitz: nationale Identität und Antisemitismus nach 1945. Unrast, Münster 2004, ISBN 3-89771-428-0
  • Lars Rensmann: Demokratie und Judenbild. Antisemitismus in der politischen Kultur der Bundesrepublik Deutschland. Springer VS, Wiesbaden 2004, ISBN 3-531-14006-X
  • Wolfgang Benz: Was ist Antisemitismus? Beck, München 2004, ISBN 3-406-52212-2
  • Wolfgang Benz: Bilder vom Juden. Studien zum alltäglichen Antisemitismus. Beck, München 2001, ISBN 3-406-47575-2
  • Joachim Perels: Antisemitismus in der Justiz nach 1945? In: Fritz-Bauer-Institut (Hrsg.): Beseitigung des jüdischen Einflusses …: antisemitische Forschung, Eliten und Karrieren im Nationalsozialismus. Campus, Frankfurt am Main 1999, ISBN 3-593-36098-5, S. 241–252.
  • Werner Bergmann, Rainer Erb: Das Fortleben des Antisemitismus nach 1945. Antisemitismus in Deutschland 1945–1996. In: Wolfgang Benz, Werner Bergmann: Vorurteil und Völkermord. Entwicklungslinien des Antisemitismus. Herder, Freiburg im Breisgau 1997, ISBN 3-451-04577-X
  • Wolfgang Benz (Hrsg.): Antisemitismus in Deutschland. Zur Aktualität eines Vorurteils. dtv, München 1995, ISBN 3-423-04648-1
  • Werner Bergmann, Rainer Erb (Hrsg.): Antisemitismus in der politischen Kultur nach 1945. Westdeutscher Verlag, Opladen 1990, ISBN 3-531-11923-0

Linke

Muslime

Europa

Medien

Erfahrungsberichte

  • Juna Grossmann: Schonzeit vorbei: Über das Leben mit dem täglichen Antisemitismus. Droemer, 2018, ISBN 978-3-426-27775-1

Weblinks

Allgemein

Deutschland

Antisemitismus im Rechtsextremismus

Antisemitismus bei linksgerichteten Gruppen

Gegenwartsdiskussion

Statistiken

Chroniken antisemitischer Vorfälle

Einzelnachweise

  1. Antisemitismus Thematisieren: Warum und Wie? Leitfaden für Pädagoginnen und Pädagogen. (PDF;) Office for Democratic Institutions and Human Rights (ODHR); voller Wortlaut im Anhang S. 32 f.
  2. Frank Grüner: Patrioten und Kosmopoliten: Juden im Sowjetstaat 1941–1953. Böhlau, Köln 2008, ISBN 3-412-14606-4, S. 421–435
  3. Michael Wolffsohn, Tobias Grill: Israel: Geschichte, Politik, Gesellschaft, Wirtschaft. 8. Auflage, Budrich, 2016, ISBN 3-8474-0044-4, S. 175
  4. Frank Grüner: Patrioten und Kosmopoliten: Juden im Sowjetstaat 1941–1953. Köln 2008, S. 435–448
  5. Arno Lustiger: Rotbuch: Stalin und die Juden. Aufbau-Verlag, 1998, ISBN 3-351-02478-9, S. 228–246
  6. 6,0 6,1 Werner Bergmann: Geschichte des Antisemitismus. Beck, München 2002, S. 127 ff.
  7. Lettisches Okkupationsmuseum (Hrsg.): Lettland unter sowjetischer und nationalsozialistischer Herrschaft 1940–1991. Latvijas Okupācijas muzeja biedrība, Riga 1998, S. 163.
  8. Jasmin Waibl-Stockner. „Die Juden sind unser Unglück“: Antisemitische Verschwörungstheorien und ihre Verankerung in Politik und Gesellschaft. LIT, Münster 2009, ISBN 3-643-50019-X, S. 119f.
  9. Jürgen Zarusky: Timothy Snyders „Bloodlands“. Kritische Anmerkungen zur Konstruktion einer Geschichtslandschaft, VfZ 1/2012, S. 1–31, hier S. 18; David Engel: Patterns Of Anti-Jewish Violence In Poland, 1944–1946. (PDF; 203 kB) Yad Vashem Studies Vol. XXVI, 1998, S. 6. Tadeusz Piotrowski: Poland’s Holocaust: Ethnic Strife, Collaboration with Occupying Forces and Genocide in the Second Republic, 1918–1947. McFarland and Company 1998, ISBN 0-7864-0371-3, S. 130
  10. Jasmin Waibl-Stockner: „Die Juden sind unser Unglück“: Antisemitische Verschwörungstheorien und ihre Verankerung in Politik und Gesellschaft. Münster 2009, S. 121f.
  11. Dirk Hoerder: Migrationen und Zugehörigkeiten, in: Akira Irye und Jürgen Osterhammel (Hrsg.): Geschichte der Welt. 1870–1945. Weltmärkte und Weltkriege, München 2012, ISBN 978-3-406-64105-3, S. 583.
  12. Moshe Zuckermann: Zwischen Politik und Kultur – Juden in der DDR. Institut für Deutsche Geschichte Tel Aviv, Wallstein, 2002, S. 37
  13. Deutsche Volkszeitung vom 3. Juli 1945; zitiert nach Rosa-Luxemburg-Stiftung
  14. Jeffrey Herf: Divided Memory. Harvard UP, 1997, S. 111.
  15. Charles S. Maier: Das Verschwinden der DDR und der Untergang des Kommunismus. S. Fischer, Frankfurt 1999, S. 53 ff.
  16. Amadeu Antonio Ausstellung (Hrsg.): Antisemitismus in der DDR. Das Buch zur Ausstellung der Amadeu Antonion Stiftung. 2010, ISBN 978-3-940878-06-9, S. 68 ff.
  17. stiftung-sozialgeschichte.de
  18. Rainer Erb, Werner Bergmann: Antisemitismus in der politischen Kultur nach 1945. Springer VS, Wiesbaden 1990, ISBN 3-531-11923-0, S. 181 f.
  19. Angelika Königseder: Displaced Persons. In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Handbuch des Antisemitismus Band 3: Begriffe, Theorien, Ideologien. Berlin 2010, S. 57 f.
  20. Angelika Königseder, Juliane Wetzel: Lebensmut im Wartesaal. Die jüdischen DPs (Displaced Persons) im Nachkriegsdeutschland. 2. Auflage, Fischer, Frankfurt am Main 2004, S. 157
  21. Eleonore Sterling: Judenfreunde – Judenfeinde: Fragwürdiger Philosemitismus in der Bundesrepublik. Zeit, 10. Dezember 1965
  22. 22,0 22,1 22,2 Werner Bergmann: Deutschland. In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Handbuch des Antisemitismus Band 1: Länder und Regionen. Berlin 2008, S. 101
  23. Harlan-Debatte. In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Handbuch des Antisemitismus Band 4: Ereignisse, Dekrete, Kontroversen, Berlin 2011, S. 159–162
  24. Isabel Enzenbach. Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit. In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Handbuch des Antisemitismus Band 5: Organisationen, Institutionen, Bewegungen, München 2012, S. 282–284
  25. Steffen Kailitz: Politischer Extremismus in der Bundesrepublik Deutschland: Eine Einführung. Springer VS, Wiesbaden 2004, S. 94
  26. Alexander und Margarete Mitscherlich: Die Unfähigkeit zu trauern: Grundlagen kollektiven Verhaltens. (1967) Piper, München 1994, ISBN 3-492-10168-2, S. 23
  27. Brigitte Bailer: Die sogenannte „Auschwitz-Lüge“ – neue Ausdrucksformen für althergebrachten Antisemitismus. In: Jüdisches Museum der Stadt Wien (Hrsg.): Die Macht der Bilder. Antisemitische Vorurteile und Mythen. Picus, Wien 1995
  28. Sebastian Gräfe: Rechtsterrorismus in der Bundesrepublik Deutschland: Zwischen erlebnisorientierten Jugendlichen, „Feierabendterroristen“ und klandestinen Untergrundzellen. Nomos, 2017, S. 228
  29. Armin Pfahl-Traughber: Antisemitismus in der deutschen Geschichte. Berlin 2002, S. 133f.
  30. Werner Bergmann: Deutschland. In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Handbuch des Antisemitismus Band 1: Länder und Regionen. Berlin 2008, S. 102
  31. Steffen Kailitz: Die politische Deutungskultur im Spiegel des „Historikerstreits“: What’s right? What’s left? Springer, Wiesbaden 2001, ISBN 978-3-322-83371-6, S. 235.
  32. Werner Bergmann: Sind die Deutschen antisemitisch? Meinungsumfragen von 1946–1987 in der Bundesrepublik Deutschland. In: Werner Bergmann, Rainer Erb (Hrsg.): Antisemitismus in der politischen Kultur nach 1945. Westdeutscher Verlag, Wiesbaden 1990, S. 113
  33. Werner Bergmann, Rainer Erb: Wie antisemitisch sind die Deutschen? Meinungsumfragen 1945 bis 1994. In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Antisemitismus in Deutschland, München 1995, S. 52
  34. Armin Pfahl-Traughber: Antisemitismus in der deutschen Geschichte. Berlin 2002, S. 135–138
  35. Christian Fuchs, John Goetz: Die Zelle: Rechter Terror in Deutschland. Rowohlt, Hamburg 2012, ISBN 978-3-498-02005-7, s. 62
  36. Wolfgang Benz: Antisemitismus in Deutschland, München 1995, S. 86
  37. Werner Bergmann: Deutschland. In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Handbuch des Antisemitismus Band 1: Länder und Regionen. Berlin 2008, S. 102f.
  38. Folkhard Bremer: Am Anfang stand Hoyerswerda: Ausländer raus! - eine rechte Torvorlage und ein Bericht zur Lage der Nation. Peter Grohmann, 2001, ISBN 3-927340-61-8, S. 41
  39. Christoph Nonn: Antisemitismus, Darmstadt 2008, S. 96
  40. Oliver Hinz: Stadtmagazin gegen Juden? taz, 18. April 2002
  41. Martin Hohmann will mit der AfD zurück in die Politik. Spiegel online, 24. Mai 2017
  42. Wolfram Stender (Hrsg.): Konstellationen des Antisemitismus: Antisemitismusforschung und Sozialpädagogische Praxis. Springer VS, Wiesbaden 2010, ISBN 3-531-17235-2, S. 13.
  43. Christoph Nonn: Antisemitismus nach 1954. In: Antisemitismus. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2008, S. 103f.
  44. Monika Schwarz-Friesel, Evyatar Friesel, Jehuda Reinharz: Aktueller Antisemitismus – ein Phänomen der Mitte? De Gruyter, Berlin 2010, ISBN 3-11-023010-0, S. 189.
  45. Armin Pfahl-Traughber: Antisemitismus in der deutschen Geschichte. Berlin 2002, S. 138–141
  46. Andreas H. Apelt, Maria Hufenreuter (Hrsg.): Antisemitismus in der DDR und die Folgen. Mitteldeutscher Verlag, 2016, ISBN 978-3-95462-706-6, S. 184
  47. Rolf Surmann, Micha Brumlik: Das Finkelstein-Alibi: "Holocaust-Industrie" und Tätergesellschaft. Papyrossa, 2001, ISBN 3-89438-217-1, S. 145f.
  48. Andreas H. Apelt, Maria Hufenreuter (Hrsg.): Antisemitismus in der DDR und die Folgen. 2016, S. 194
  49. Martin Kloke: Linker Antisemismus. In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Handbuch des Antisemitismus Band 3: Begriffe, Ideologien, Theorien. Berlin 2008, S. 192ff.
  50. Matthias Brosch (Hrsg.): Exklusive Solidarität: Linker Antisemitismus in Deutschland: vom Idealismus zur Antiglobalisierungsbewegung. Metropol, Berlin 2007, ISBN 3-938690-28-3, S. 171, 184, 321 und öfter
  51. Thomas Haury: „… ziehen die Fäden im Hintergrund“. No-Globals, Antisemitismus und Antiamerikanismus. In: Hanno Loewy (Hrsg.): Gerüchte über die Juden. Antisemitismus, Philosemitismus und aktuelle Verschwörungstheorien. Klartext, Essen 2005, S. 71
  52. Marc Grimm, Bodo Kahmann (Hrsg.): Antisemitismus im 21. Jahrhundert: Virulenz einer alten Feindschaft in Zeiten von Islamismus und Terror. De Gruyter / Oldenbourg, München 2018, ISBN 3-11-053471-1, S. 303
  53. Tobias Jaecker: Hass, Neid, Wahn: Antiamerikanismus in den deutschen Medien. Campus, Frankfurt am Main 2014, ISBN 3-593-50066-3, S. 157 und S. 163
  54. Holger Knothe: Eine andere Welt ist möglich – ohne Antisemitismus? Antisemitismus und Globalisierungskritik bei Attac. transcript, Berlin 2009, ISBN 3-8376-1241-4, S. 8–11. Gerhard Hanloser: Attac, Globalisierungskritik und „struktureller Antisemitismus“. In: Grundrisse Nr. 13, Wien 2005 (PDF) S. 3–10.
  55. Monika Schwarz-Friesel (Hrsg.): Gebildeter Antisemitismus. Eine Herausforderung für Politik und Zivilgesellschaft. Nomos, Baden-Baden 2015, ISBN 978-3-8487-1679-1, S. 31 und 165–168.
  56. Juliane Wetzel: Moderner Antisemitismus unter Muslimen in Deutschland. Springer VS, Wiesbaden 2014, ISBN 978-3-658-04273-8, S. 3f. und 7f.
  57. Antisemitismus-Studie sieht "Kern-Bodensatz" von zehn Prozent. In: Wiener Zeitung. 1. März 2019, abgerufen am 1. März 2019 (österreichisches Deutsch).
  58. Juliane Wetzel: Moderner Antisemitismus unter Muslimen in Deutschland. Wiesbaden 2014, S. 9f.
  59. Juliane Wetzel: Moderner Antisemitismus unter Muslimen in Deutschland. Wiesbaden 2014, S. 4
  60. Abraham Cooper: Flüchtlinge in Deutschland – Viele muslimische Migranten sind antisemitisch. In: tagesspiegel.de, 6. Juni 2016, abgerufen am 2. Juni 2017; Michael Brenner: Bringen die Flüchtlinge mehr Antisemitismus nach Deutschland? In: sueddeutsche.de, 20. September 2015, abgerufen am 2. Juni 2017.
  61. Zentralrat der Juden plädiert für KZ-Besuche muslimischer Flüchtlinge. FAZ, 23. April 2017
  62. AJC-Befragung von Berliner Lehrern belegt wachsende salafistische Einflüsse und Judenfeindschaft unter Schülern Jüdische Allgemeine vom 20. Juli 2017, abgerufen am 12. Februar 2018
  63. Beispiel Al-Quds-Tag – Islamistische Netzwerke und Ideologien unter Migrantinnen und Migranten in Deutschland und Möglichkeiten zivilgesellschaftlicher Intervention. (Memento vom 23. September 2015 im Internet Archive) Gutachten von Udo Wolter für den Integrationsbeauftragten der Bundesregierung, Berlin im November 2004 (PDF; 625 kB)
  64. Armin Pfahl-Traughber: Antisemitismus in der deutschen Geschichte. Berlin 2002, S. 145
  65. Werner Bergmann: Antisemitismus in Deutschland. In: Wilfried Schubarth (Hrsg.): Rechtsextremismus in der Bundesrepublik Deutschland: Eine Bilanz. Springer VS, Wiesbaden 2001, ISBN 978-3-322-97526-3, S. 141–143
  66. Armin Pfahl-Traughber: Antisemitismus in der deutschen Geschichte. Berlin 2002, S. 148f.
  67. Dietmar Sturzbecher, Ronald Freytag. Antisemitismus unter Jugendlichen: Fakten, Erklärungen, Unterrichtsbausteine. Hogrefe, 2000, ISBN 978-3-8017-1169-6, S. 109–112
  68. Tobias Jaecker: Antisemitische Verschwörungstheorien nach dem 11. September: Neue Varianten eines alten Deutungsmusters. LIT, Münster 2004, ISBN 3-8258-7917-8, S. 176f. und Fußnoten 708–716
  69. Margret Chatwin: Die Rolle des Antisemitismus im Rechtsextremismus. In: Thomas Grumke, Bernd Wagner (Hrsg.): Handbuch Rechtsradikalismus: Personen – Organisationen – Netzwerke vom Neonazismus bis in die Mitte der Gesellschaft, Wiesbaden 2002, S. 186f.
  70. Bericht zur Tagung des Anne Frank Zentrums für den Unabhängigen Expertenkreis Antisemitismus: „Antisemitismus in Deutschland – aktuelle Entwicklungen.“ (PDF) 14. Juni 2017, S. 19
  71. Doron Rabinovici, Natan Sznaider (Hrsg.): Neuer Antisemitismus? Fortsetzung einer globalen Debatte. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2019, ISBN 3-518-12740-3, S. 224, Fn. 7
  72. Thomas Grumke, Bernd Wagner (Hrsg.): Handbuch Rechtsradikalismus: Personen – Organisationen – Netzwerke vom Neonazismus bis in die Mitte der Gesellschaft. Springer VS, Wiesbaden 2002, ISBN 978-3-322-97559-1, S. 142f. und S. 177, FN. 5
  73. Werner Bergmann: Antisemitismus in Deutschland. In: Wilfried Schubarth (Hrsg.): Rechtsextremismus in der Bundesrepublik Deutschland: Eine Bilanz. Wiesbaden 2001, S. 143
  74. Bernadette Droste: Handbuch des Verfassungsschutzrechts. Boorberg, 2007, ISBN 3-415-03773-8, S. 189
  75. Bernhard Falk: Anmerkungen zum polizeilichen Lagebild Rechtsextremismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit. In: Bundeskriminalamt (Hrsg.): Rechtsextremismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit, BKA-Herbsttagung 2000. Neuwied und Kriftel 2001, S. 55
  76. BMI / Unabhängiger Expertenkreis Antisemitismus: Antisemitismus in Deutschland – aktuelle Entwicklungen. (PDF) Frankfurt am Main 2017, S. 30–32
  77. Bundesregierung: Zahlen für 2001 bis 2013 laut Bundestagsdrucksache 18/4173 (3. März 2015, PDF S. 5).
    Zahlen für 2014ff.: Jahresberichte des Verfassungsschutzes von
    2014 (PDF)
    2015 (PDF)
    2016 (PDF)
    2017 (PDF)
  78. Silbermann, Schoeps: Antisemitismus nach dem Holocaust. 1986, S. 33–39.
  79. Adolf Diamant: Jüdische Friedhöfe in Deutschland. Eine Bestandsaufnahme. Frankfurt am Main 1982
  80. Chronologie antisemitischer Vorfälle (seit 2002), Amadeu Antonio Stiftung, abgerufen am 13. März 2012
  81. Andrej Reisin: Antisemitische Straftaten: Sind die Statistiken irreführend? NDR / Tagesschau-Faktenfinder, 26. April 2018
  82. Philipp Gessler: Die Juden als Weltfeinde. taz, 15. Dezember 2005
  83. Samuel Salzborn: Globaler Antisemitismus. Eine Spurensuche in den Abgründen der Moderne. Mit einem Vorwort von Dr. Josef Schuster. Beltz Juventa, Weinheim 2018, S. 139
  84. Eva Quadbeck: Graumann besorgt über neuen Antisemitismus. Rheinische Post, 26. Januar 2014.
  85. Antisemitismus in Deutschland: Gewalt gegen Juden deutlich angestiegen. faz.net, 13. Februar 2019
  86. Es gibt keine Antisemiten mehr. Jungleworld, 10. September 2015
  87. Josef Joffe: Zeitgeist: Antisemitismus-Knüppel. In: Die Zeit, Nr. 3/2013
  88. Antrag der Fraktionen CDU/CSU, SPD, FDP und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Den Kampf gegen Antisemitismus verstärken, jüdisches Leben in Deutschland weiter fördern. (PDF; 70 kB) Deutscher Bundestag, 16. Wahlperiode, Drucksache 16/10775, 4. November 2008
  89. BMI: Expertenkreis Antisemitismus nimmt Arbeit auf. In: bmi.bund.de, 19. Januar 2015.
  90. Expertenkreis ohne Juden. In: Jüdische Allgemeine, 10. Februar 2015.
  91. Bericht des Unabhängigen Expertenkreises Antisemitismus. (PDF) Drucksache 18/11970, Deutscher Bundestag, 17. April 2017. Alan Posener: „Antisemitismus ohne Antisemiten“ greift um sich. Welt Online / N24, 24. April 2017
  92. Klein fordert Antisemitismusbeauftragte in allen Bundesländern. Domradio, 18. Oktober 2018. Abgerufen am 16. Dezember 2018.
  93. Magdalena Marsovszky (2005): Antisemitismus in Ungarn nach 1989. Demokratiedefizit und kulturpolitische Herausforderung für Europa. (PDF; 276 kB) In: Zeitgeschichte-online, Thema: Die Debatte um den Antisemitismus in den ostmitteleuropäischen EU-Beitrittsländern: Der Fall Ungarn. Januar 2005, hrsg. von Maren Brodersen in Kooperation mit Magdalena Marsovszky
  94. Rolf Fischer: Entwicklungsstufen des Antisemitismus in Ungarn 1867–1939. Die Zerstörung der magyarisch-jüdischen Symbiose., Südosteuropäische Arbeiten 85 (1988), ISBN 978-3-486-54731-3.
  95. Magdalena Marsovszky: Der Antisemitismus in Ungarn. Nur Polit-Folklore? In: haGalil.com, 20. April 2002.
  96. Alvin H. Rosenfeld: Das Ende des Holocaust. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2015, ISBN 3-525-54042-6, S. 217
  97. Religious fundamentalism and out-group hostility among Muslims and Christians in Western Europe (Memento vom 30. August 2017 im Internet Archive) Ruud Koopmans, Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB), abgerufen am 14. Juni 2017
  98. 98,0 98,1 In some countries in Central and Eastern Europe, roughly one-in-five adults or more say they would not accept Jews as fellow citizens. Pew Research Center, 27. März 2018.
  99. Religious Belief and National Belonging in Central and Eastern Europe. Pew Research Center, 10. Mai 2017.
  100. Juden fühlen sich in EU nicht mehr sicher. Kurier.at, 10. Dezember 2018; Hasnain Kazim: EU-Studie zu Antisemitismus: Jeder dritte Jude denkt über Wegzug aus Europa nach. Spiegel online, 10. Dezember 2018
  101. Matthias Kolb: Beleidigt und beschimpft. Juden beklagen zunehmenden Antisemitismus in der EU. Süddeutsche Zeitung, 11. Dezember, S. 7
  102. Alvin H. Rosenfeld: Das Ende des Holocaust. Göttingen 2015, S. 246
  103. Ayala Goldmann: „Die Leute haben echte Angst“. In: Jüdische Allgemeine, 24. Januar 2014
  104. Susann Witt-Stahl: Juden suchen Abstand zum Machtkampf. In: neues deutschland, 6. März 2014
  105. Witalij Portnikow: „Die Juden und der Maidan“, „Levyj Bereg“ (Original), „Ukraine Nachrichten“ (deutsche Fassung), 10. März 2014
  106. Miriam Dragina: Zum Thema Juden und Nationalismus. In: Ukraine Nachrichten, 7. Februar 2014
  107. Vyacheslav Likhachev: Anti-Semitism and the Ukrainian Political Crisis. (Memento vom 21. März 2014 im Internet Archive) In: Euro-Asian Jewish Congress, 11. Februar 2014
  108. Christiane Höhn: Zwischen Menschenrechten und Konfliktprävention - Der Minderheitenschutz im Rahmen der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Springer VS, Wiesbaden 2005, ISBN 978-3-540-37626-2, S. 66 und 69
  109. Blätter für deutsche und internationale Politik 6/2004: Berliner Erklärung: Beschluss der OSZE-Antisemitismus-Konferenz vom 29. April 2004 (Wortlaut)
  110. Andrew Baker: Antisemitismus: Wo Begriffe fehlen. Jüdische Allgemeine, 12. Dezember 2013
  111. Addressing anti-semitism through education: guidelines for policymakers. (PDF) OSZE, Paris / Warschau 2018, ISBN 978-92-3-100274-8, S. 13
  112. Website des Nachrichtenmagazins Profil, Wien, 26. März 2013, abgerufen am 2. Februar 2018.
  113. Robert Knight (Hrsg.): „Ich bin dafür, die Sache in die Länge zu ziehen.“ Die Wortprotokolle der Österreichischen Bundesregierung von 1945 bis 1952 über die Entschädigung der Juden. Böhlau, Wien 2000, ISBN 3-205-99147-8, S. 85.; vgl. Gerhard Zeillinger: „Wiedergutmachung? − Das Wort kann ich schon nicht mehr hören!“ In: Der Standard,23. Dezember 2017.
  114. Saskia Stachowitsch, Eva Kreisky Jüdische Identitäten und antisemitische Politiken im österreichischen Parlament 1861–1933. 2017, S. 299.
  115. Robert Knight (Hrsg.): „Ich bin dafür, die Sache in die Länge zu ziehen.“ Wortprotokolle der österreichischen Bundesregierung von 1945 bis 1952 über die Entschädigung der Juden. Athenäum Verlag, Frankfurt am Main 1988, ISBN 3-610-08499-5, S. 60 f. Zitat aus: Richard Crossman: Palestine Mission. A Personal Record, London 1946, S. 100.
  116. Vgl. Werner Bergmann: Geschichte des Antisemitismus. C.H. Beck, München 2016, S. 126 ff.
  117. Peter Michael Lingens: Ansichten eines Außenseiters (2009), S. 148.
  118. Thomas Riegler: Im Fadenkreuz. Österreich und der Nahostterrorismus 1973 bis 1985. V&R Unipress, Wien 2013, S. 84.
  119. Peter Pulzer: Österreich. In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Handbuch des Antisemitismus. Bd. 1: Länder und Regionen. De Gruyter Saur, Berlin 2010 ISBN 978-3-11-023510-4, S. 252 (abgerufen über De Gruyter Online).
  120. Nina Horaczek: „Wir schaffen die siebte Million“. Die Burschenschaft des FPÖ-Spitzenkandidaten Udo Landbauer treibt ihre „Späße“ über die Schoah. falter.at, 23. Januar 2018.
  121. Vgl. Interview in Zeit im Bild 2 auf ORF am 1. Februar 2018.
  122. Religious fundamentalism and out-group hostility among Muslims and Christians in Western Europe (Memento vom 30. August 2017 im Internet Archive) Ruud Koopmans, Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB), abgerufen am 12. Februar 2018
  123. Starke antisemitische Vorurteile bei muslimischen Jugendlichen derstandard.at, abgerufen am 16. März 2018
  124. Jugendliche in der Jugendarbeit – Identitäten, Lebenslagen und abwertende Einstellungen. 2015–2016 (Memento vom 19. März 2018 im Internet Archive) (PDF) abgerufen am 16. März 2018
  125. diepresse.com ebenso ORF.at (Antisemitismus: Drohungen und Beleidigungen fast verdoppelt, 6. April 2016, abgerufen am 25. Februar 2018).
  126. Don’t Fixate on the Freedom Party. In Austria Today, the Real anti-Semitic Threat Is From Muslims, Not Nazis haaretz.com, abgerufen am 12. Februar 2018
  127. ÖVP-Mandatar: "Antisemitische Bedrohung kommt von Muslimen, nicht Nazis" diepresse.com, abgerufen am 12. Februar 2018
  128. 128,0 128,1 128,2 deutschlandfunk.de (abgerufen am 2. April 2018)
  129. Jüdische Einwanderer in Israel: „Ihr sollt nie mehr heimatlos sein“. In: Spiegel. 12. August 2014, abgerufen am 6. Dezember 2014.
  130. Vorort von Paris: Brutaler Überfall auf jüdisches Paar erschüttert Frankreich. In: Der Spiegel. 4. Dezember 2014, abgerufen am 6. Dezember 2014.
  131. Lieber in Israel im Bunker als am Boulevard in Paris. In: Spiegel. 23. Juli 2014, abgerufen am 6. Dezember 2014.
  132. Paris. Über 200 französische Immigranten landen an einem Tag in Israel. In: tachles, 18. Juli 2016
  133. 133,0 133,1 133,2 Paul-Nikolas Hinz: Frankreichs Juden fliehen vor dem wachsenden Hass. In: Focus, 10. Januar 2014
  134. Stefan Simons: Antisemitischer Überfall in Créteil: Frankreichs Juden in Angst. In: Spiegel Online. 4. Dezember 2014, abgerufen am 9. Juni 2018.
  135. Flore Thomasset, Laurent De Boissieu: Manuel Valls veut interdire les spectacles de Dieudonné. In: La Croix, 29. Dezember 2013
  136. Une nouvelle représentation de Dieudonné interdite. In: La Croix, 10. Januar 2014
  137. Dalil Boubakeur: Le Conseil français du culte musulman (CFCM) … condamne avec fermeté toutes provocations sous couvert de l’humour et de la dérision (Memento vom 11. Januar 2014 im Internet Archive), Communiqué des CFCM, 8. Januar 2014
  138. Affaire Dieudonné: le CFCM met en garde les jeunes musulmans. In: Le Point, 8. Januar 2012
  139. Religious fundamentalism and out-group hostility among Muslims and Christians in Western Europe (Memento vom 30. August 2017 im Internet Archive) Ruud Koopmans, WZB, abgerufen am 14. Juni 2017
  140. focus.de 17. Februar 2015
  141. taz.de
  142. focus.de abgerufen am 22. Oktober 2017
  143. Les actes antisémites en hausse de 74 % en France en 2018. lefigaro.fr, 11. Februar 2019
  144. Inquiétude européenne sur le retour de l’antisémitisme. franceculture.fr, 12. Februar 2019
  145. siehe auch Fast 70 Prozent mehr antisemitische Übergriffe. FAZ.net, 9. November 2018
  146. Combien de juifs dans le monde? tribunejuive.info
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