Jewiki unterstützen. Jewiki, die größte Online-Enzyklopädie zum Judentum.

Helfen Sie Jewiki mit einer kleinen oder auch größeren Spende. Einmalig oder regelmäßig, damit die Zukunft von Jewiki gesichert bleibt ...

(Spendenkonto siehe Impressum). Vielen Dank für Ihr Engagement!

Jeremy Corbyn

Aus Jewiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Jeremy Bernard Corbyn (* 26. Mai 1949 in Chippenham, Wiltshire) ist ein britischer Politiker der Labour Party, für die er seit 1983 den Wahlkreis Nord-Islington im britischen Unterhaus vertritt. Nach dem Rücktritt von Ed Miliband wurde Corbyn am 12. September 2015 zum neuen Parteivorsitzenden gewählt.

Leben

Jeremy Corbyn wurde 1949 in Chippenham, Wiltshire als Sohn des Elektroingenieurs David Corbyn und dessen Ehefrau Naomi, einer Mathematiklehrerin an der Stafford Girls’ High School (heute: King Edward VI High School), geboren. Seine Eltern (gestorben 1986 und 1987) waren Friedensaktivisten, die sich während einer Kampagne gegen den Spanischen Bürgerkrieg kennengelernt hatten.[1]

Corbyn wuchs mit seinem jüngeren Bruder Piers in Newport, Shropshire auf. Er besuchte die dortige Adams’ Grammar School. Nach dem Schulabschluss im Alter von 18 Jahren arbeitete er zunächst zwei Jahre im Voluntary Service Overseas (VSO)[2] in Jamaika, bevor er Funktionär der Gewerkschaft National Union of Public Employees (NUPE) (Gewerkschaft für die Beschäftigten im Öffentlichen Dienst) wurde.[3]

Nachdem er kurze Zeit am North London Polytechnic (heute: University of North London; Teil der London Metropolitan University) studiert hatte, brach er das Studium ab und arbeitete als Funktionär für die Gewerkschaft National Union of Tailors and Garment Workers (NUTGW).

1974 wurde er in den Rat (Council) des Londoner Stadtbezirks von Haringey gewählt (Councillor), in den er mehrmals wiedergewählt wurde und bis 1984 blieb.[4]

Corbyn arbeitete 1981 in Tony Benns Wahlkampagne für den Posten des stellvertretenden Parteivorsitzenden der Labour Party mit. 1983 wurde er erstmals für die Labour Party in Islington (Wahlkreis: Islington-Nord) ins britische Unterhaus gewählt.[5]

Am 12. September 2015 wurde Corbyn in einer Urwahl unter den etwa 600.000 Mitgliedern sowie weiteren Unterstützern mit 59,5 % im ersten Wahlgang zum neuen Vorsitzenden der Labour-Partei gewählt. Die Wahlbeteiligung lag bei 72,3 %.[6]

Corbyn ist zum dritten Mal verheiratet. Im Jahre 1974 heiratete er Jane Chapman, eine ehemalige Stadträtin und Universitätsprofessorin in Medienwissenschaft.[7] Die Ehe wurde 1979 geschieden. 1987 heiratete er in zweiter Ehe Claudia Bracchitta, eine chilenische Exilantin. Aus dieser Ehe, die 1998 geschieden wurde, gingen drei Söhne hervor. Die Scheidung von seiner zweiten Ehefrau kam zustande, da Corbyns Ehefrau sich weigerte, seinen Sohn die lokale Gesamtschule besuchen zu lassen und ihn an einem Gymnasium (Grammar School) anmeldete.[8]

2013 schloss Corbyn seine dritte Ehe mit der Mexikanerin Laura Álvarez.[9]

Politische Positionen

Datei:Jeremy Corbyn No More War crop.jpg
Jeremy Corbyn bei der No More War Kundgebung auf dem Parliament Square (2014)

Corbyn, der sich selbst als demokratischen Sozialisten bezeichnet, gilt als „ein klassischer Linker der Achtzigerjahre“[10] und steht der britischen Monarchie, New Labour sowie der Austeritätspolitik Camerons ablehnend gegenüber. Er befürwortet einen NATO-Austritt, eine pazifistischere Außenpolitik sowie die Abschaffung der Studiengebühren.

In Bezug auf die britische Monarchie äußerte Corbyn, er sei im Herzen Befürworter einer Republik, wisse aber, dass die Popularität der Königsfamilie eine Änderung der Staatsform unwahrscheinlich mache. Das Thema Republik habe für ihn keine Priorität, da er vor allem sozialpolitisch tätig sein wolle.[11]

Corbyn befürwortet umfangreiche Verstaatlichungen von Unternehmen im Energie- und Versorgungsbereich sowie Investitionen in die Infrastruktur. Die finanziellen Mittel dafür sollen einerseits durch höhere Steuern für Unternehmen und Wohlhabende, andererseits geldpolitisch durch eine Ausweitung der Geldmenge aufgebracht werden. Auch tritt er dafür ein, die Forderung nach einer „Verstaatlichung der Produktionsmittel“ wieder in die Statuten der Labour Party aufzunehmen.[12]

In der Vergangenheit war Corbyn einer der schärfsten Kritiker des New-Labour-Projekts von Tony Blair, Gordon Brown und Peter Mandelson und lehnte sowohl deren Wirtschaftspolitik als auch deren außenpolitische Ausrichtung ab. Als Vorsitzender der Stop the War Coalition trat er auf Demonstrationen gegen den Irak-Krieg auf und unterstützte frühzeitig die Forderung nach einer Untersuchungskommission über die Gründe des Kriegsbeginns. Nachdem Umfrage-Ergebnisse eine Wahl Jeremy Corbyns zum Parteivorsitzenden im Sommer 2015 möglich erscheinen ließen, wurde er von Tony Blair publizistisch massiv angegriffen: Unter Führung Corbyns drohe der Labour Party bei der nächsten Wahl die „Auslöschung“; Corbyns Politik sei in einer „Parallelwelt wie bei Alice im Wunderland“ angesiedelt, so Blair.[13]

Im Jahr 2015 warf der Guardian Corbyn seine guten Kontakte zu islamistischen Antisemiten vor. Corbyn hatte sich 2009 seiner freundschaftlichen Beziehungen zu Hamas und Hizbollah, die er auch ins britische Parlament einlud, gerühmt. Nach wie vor hält er es für geboten, beide Organisationen, die er mit rechten israelischen Parteien vergleicht, in den Friedensprozess im Nahen Osten einzubinden.[14]

Weblinks

 Commons: Jeremy Corbyn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Simon Hattenstone: Jeremy Corbyn: ‘I don’t do personal’. Interview in: The Guardian, 17. Juni 2015, abgerufen am 13. September 2015.
  2. Homepage des VSO
  3. 1993 verschmolz diese Gewerkschaft mit NALGO – The National and Local Government Officers Association – und COHSE – The Confederation of Health Service Employees – zur UNISON
  4. Jeremy Corbyn MP. Westminster Parliamentary Record, abgerufen am 13. September 2015.
  5. Jeremy Corbyn: About me, abgerufen am 13. September 2015.
    Westminster Parliamentary Record: Jeremy Corbyn MP
    Jeremy Corbyn MP Islington North, Labour. BBC – Democracy live, abgerufen am 13. September 2015.
    Who is Jeremy Corbyn? Labour leadership contender guide. BBC, 30. Juli 2015.
    Who is Jeremy Corbyn? Everything you need to know about Labour’s most left-wing leadership hopeful. Mirror, 3. Juni 2015.
  6. Britische Opposition: Jeremy Corbyn ist neuer Labour-Chef. In: Spiegel Online. 12. September 2015, abgerufen am 12. September 2015.
  7. Homepage von Jane Chapman
  8. Andy McSmith: How a point of principle tore our lives apart. The Guardian, 16. Mai 1999, abgerufen am 13. September 2015.
  9. Rosa Prince: Jeremy Corbyn: full story of the lefty candidate the Tories would love to see elected as Labour leader. The Daily Telegraph, 22. Juli 2015, abgerufen am 13. September 2015.
  10. Kritik am britischen Labour-Star Jeremy Corbyn: Zu links, zu verbohrt, zu verdammt erfolgreich. In: Spiegel Online. 30. August 2015, abgerufen am 11. September 2015.
  11. Michael Wilkinson: What does Jeremy Corbyn stand for? In: telegraph.co.uk. 7. September 2015, abgerufen am 11. September 2015 (englisch).
  12. Sebastian Borger: Der Alptraum der Neoliberalen. Frankfurter Rundschau, 13. August 2015.
  13. Rowena Mason: If Jeremy Corbyn wins leadership Labour faces ‘annihilation’, says Tony Blair. The Guardian, 13. August 2015, abgerufen am 13. September 2015.
    Tony Blair: Jeremy Corbyn’s politics are fantasy – just like Alice in Wonderland. The Guardian, 29. August 2015, abgerufen am 13. September 2015.
  14. Lukas Egger: Kein Herz für Israel. In: jungle-world.com. 20. August 2015, abgerufen am 11. September 2015.


Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Jeremy Corbyn aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.