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Palästinenser

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Als Palästinenser (arabisch ‏فلسطينيون‎, DMG Filasṭīnīyūn) galten ursprünglich alle Bewohner des gesamten britischen Mandatsgebiets Palästina. Heute wird diese Bezeichnung vor allem für die Arabisch sprechenden Bewohner im Westjordanland und dem Gazastreifen sowie für im Ausland lebende Angehörige gebraucht. Sie verstehen sich als ein arabisches Volk. Für jüdische Bewohner Israels ist diese Bezeichnung inzwischen nicht mehr gebräuchlich, selbst wenn es sich um „Sabre“ (in Palästina geborene Juden) aus der Mandatszeit handelt. Araber mit israelischen Bürgerrechten werden, manchmal fallweise variierend, als israelische Palästinenser oder als arabische Israelis bezeichnet. Von offizieller Seite wird in Israel der zweite Begriff für seine Bürger bevorzugt und Palästinenser eher für die Bürger der Autonomiegebiete verwendet.

Die meisten arabischen Palästinenser sind Muslime (schafiitischer Richtung), eine signifikante Minderheit von etwa 20 % ist christlich und gehört vorwiegend der Orthodoxen Kirche (Patriarch von Jerusalem) an. Die arabischen Drusen zählen sich, ebenso wie Teile der arabischen Beduinen Palästinas, nicht zu den Palästinensern.

Begriffsgeschichte

Der Begriff „Palästina“ stammt von der griechischen Bezeichnung Philistia ab und wurde von den Briten als Bezeichnung für ihr Mandatsgebiet nach Ende des Ersten Weltkriegs aufgegriffen. Erste nationale Unabhängigkeitsbestrebungen für das Gebiet Palästina gab es von jüdischer Seite seit Ende des 19. Jahrhunderts, von arabischer Seite seit Anfang des 20. Jahrhunderts. Im Faisal-Weizmann-Abkommen von 1919 wurden diese Bestrebungen einvernehmlich formuliert.

Der Begriff „Palästinenser“ in seiner jetzigen Bedeutung existiert erst seit der Charta[1][2] der PLO von 1964.[3] In UNO-Resolutionen war nur von „Palästinaflüchtlingen“ die Rede. Doch die diesbezüglichen Bestimmungen des Hilfswerks der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) beeinflussten die Definition des Begriffs „Palästinenser“. In offiziellen Dokumenten der Bundesrepublik Deutschland kamen die Palästinenser damals nicht vor.

Erste Ansätze zu Staatenbildung im Mandatsgebiet

Am 25. März 1923 wurde das Mandatsgebiet Palästina östlich des Jordans (78 % des gesamten Mandatsgebiets) halbautonom, und dadurch für jüdische Ansiedelungen unzugänglich. Am 22. März 1946 wurde dieses Gebiet als Transjordanien ein unabhängiger arabischer Staat. Das restliche Mandatsgebiet westlich des Jordans wurde nicht vollständig zu einem jüdischen Staat. Beeinflusst vom immer stärker eskalierenden arabisch-jüdischen Konflikt kam es zu mehreren verschiedenen Teilungsvorschlägen in einen arabischen und einen jüdischen Staat, der dann in den UN-Teilungsplan mündete. Nach dem Ende des britischen Mandats über Palästina im Jahr 1948 kam es nicht zu der geplanten Bildung zweier unabhängiger Staaten. Es kam lediglich zur Gründung Israels durch ansässige sowie eingewanderte Juden im Westteil des Landes, während die arabische Seite den Teilungsplan der Vereinten Nationen ablehnte. Jordanien annektierte daraufhin das Westjordanland, der Gazastreifen fiel unter ägyptische Verwaltung (siehe Hauptartikel: Nakba). Seit 1967 steht das Westjordanland unter israelischer Kontrolle mit begrenzter arabisch-palästinensischer Autonomie (siehe Hauptartikel: Palästinensische Autonomiegebiete).[4] Der Gazastreifen wurde 2005 von Israel geräumt und wird derzeit von der islamistischen Hamas kontrolliert.

Verhältnis zum Panarabismus

Anfang des 20. Jahrhunderts hatte noch die Idee des Panarabismus (Anbindung Palästinas an die Nachbarstaaten) unter den arabischen Palästinensern größere Bedeutung, welche im Verlauf des Jahrhunderts jedoch immer mehr abnahm[4]. Nach der Gründung Israels versuchte die syrisch kontrollierte as-Sa'iqa unter Zuheir Mohsen die Palästinensergebiete an den syrischen Staat anzuschließen, was ebenfalls misslang. Heute verstehen sich viele Palästinenser als einer palästinensischen Nation zugehörig. Zeichen dieser Identität ist häufig die Flagge der palästinensischen Autonomiebehörden.

Im Exil, in Jordanien wie in den Golfstaaten spielten Christopher Hitchens zufolge die Palästinenser anfangs eine positive Rolle.[5] Zwar hatten sie mit Ausnahme Jordaniens nie die kompletten Bürgerrechte, sie waren aber gut gebildet, säkular orientiert und scherten sich wenig um Vorgaben bezüglich Alkoholkonsum, Musik, Kultur und Beschränkungen der Meinungsfreiheit.[5] Hitchen zufolge war es zwischenzeitlich Mode bei einigen arabischen Reportern, die Palästinenser in der Diaspora als Juden des Mittleren Ostens positiv zu beschreiben. Dies endete abrupt mit der Vertreibung der Palästinenser aus Kuwait 1991.[5]

Rolle Jassir Arafats

Eine maßgebliche Rolle bei der Schaffung eines breiten palästinensischen Nationalbewusstseins spielte der Bauunternehmer und Politiker Jassir Arafat. Unter seiner Führung wurden die Palästinenser von den Vereinten Nationen zu einem Völkerrechtssubjekt erklärt. Zudem erreichte Arafats PLO die Gründung der Palästinensischen Autonomiebehörde, die heute einen Beobachterstatus innerhalb der UN besitzt, jedoch keinen Staat im eigentlichen Sinne darstellt.

Arafats Unterstützung für Saddam Husseins Invasion Kuwaits löste die Vertreibung der Palästinenser aus Kuwait 1991 aus.[6] Unmittelbar nach dem Zweiten Golfkrieg wurden die etwa 450.000 in Kuwait lebenden Palästinenser nahezu vollständig vertrieben, weitere Palästinenser in den Golfstaaten wurden ebenso ausgeschlossen und diskriminiert.[6] Vermögensverluste in Milliardenhöhe und der Einbruch der Unterstützung für die PLO in den Golfstaaten waren die Folge.[7] Der damit einhergehende Machtverlust der PLO und ihrer stärksten politischen Fraktion, der Fatah stärkte die aus der ägyptischen Muslimbruderschaft hervorgegangene, islamistische Hamas. Diese Bewegung steht im Konflikt mit Zielen der Fatah, die nach wie vor in der Gründung eines säkularen und von den arabischen Nachbarstaaten unabhängigen Staates Palästina bestehen.[8]

Demographie

Die Ermittlung zuverlässiger Bevölkerungszahlen der Palästinenser gestaltet sich schwierig, da sich deren höchste Bevölkerungsdichte zwar mittlerweile in den palästinensischen Autonomiegebieten findet, die Mehrheit der Palästinenser aber als Emigranten anderswo lebt. Folgende Schätzungen stammen von der Palestinian Academic Society for the Study of International Affairs (PASSIA) aus dem Jahre 2001 und beschreiben die Situation nach der Vertreibung der Palästinenser aus Kuwait 1991.

Land/Region Bevölkerung
Westjordanland und Gaza-Streifen 3 700 000
Israel[Anm. 1] 1 213 000
Jordanien 2 598 000
Libanon 388 000
Syrien 395 000
Saudi-Arabien 287 000
Golfstaaten 152 000
Ägypten 58 000
Andere arabische Staaten 113 000
Vereinigte Staaten von Amerika 216 000
Andere Länder 275 000
Gesamt 9 395 000
  1. Die 200.000 Palästinenser, die in Ost-Jerusalem leben, sind in der o. a. Bevölkerungszählung möglicherweise doppelt erfasst, da sie auch zur Region Westjordanland und Gaza-Streifen gezählt wurden.

Laut UNRWA sind 3,7 Millionen Palästinenser als Flüchtlinge anerkannt. Das sind Personen, die aus ihren angestammten Gebieten vertrieben worden oder geflohen sind, sowie deren Nachkommen.[9]

Von den jordanischen Behörden werden allerdings keine offiziellen Statistiken darüber herausgegeben, wie viele Bewohner palästinensischer Abstammung sind. Schätzungen gehen von 50 % bis 80 % aus.

Das palästinensische Statistikamt gab am 20. Oktober 2004 die offizielle weltweite Anzahl an Palästinensern mit 9,6 Millionen bekannt, 2001 waren es laut Statistik 8,8 Millionen.

Palästinensische Nationalsymbole

Datei:HandalaBilin.JPG
Handala auf einer Mauer in Bil'in
  • Die schwarz-weiße Kufiya, das von Jassir Arafat berühmt gemachte Palästinensertuch.
  • Der Olivenbaum ist die wichtigste Einnahmequelle in der Landwirtschaft.
  • Die Flagge, die lange Zeit durch Israel verboten war.
  • Der Schlüssel ist das Zeichen für die Flüchtlinge, die oft noch den Schüssel der Häuser besitzen, aus denen sie einst vertrieben wurden.
  • Handala, eine Figur des Cartoonisten Nadschi al-Ali, die den kleinen ohnmächtigen Palästinenserjungen darstellt.

Palästinensische Persönlichkeiten

Schriftsteller

Bühne und Film

Musik

Bildende Kunst

Sport

Politiker

PLO

Fatah

Hamas

Weitere

Diverse Aktivisten

Religion

Islam

Christentum

Wissenschaftler

Sonstige Persönlichkeiten

Palästinensische Familien

Siehe auch

Literatur

  • Édouard Atiyah, Henry Cattan: Palästina. Versprechungen und Enttäuschungen. Rastatt 1970.
  • Johannes Gerloff: Die Palästinenser. Volk im Brennpunkt der Geschichte. Scm Hänssler 2012, ISBN 978-3-7751-5337-9.
  • Gerrit Hoekmann: Zwischen Ölzweig und Kalaschnikow. Geschichte und Politik der palästinensischen Linken. ISBN 3-928300-88-1.
  • Dar al Janub (Hrsg.): … und wo ist Palästina? Eine Reise in die palästinensischen Flüchtlingslager im Libanon. Wien 2006. ISBN 3-9502184-0-8.
  • Walid Khalidi: Das Palästinaproblem. Ursachen und Entwicklung 1897–1948. Rastatt 1970.
  • Irit Neidhardt (Hrsg.): Mit dem Konflikt leben!? Berichte und Analysen von Linken aus Israel und Palästina. ISBN 3-89771-010-2.
  • Fabio Maniscalco: Protection, conservation and valorization of Palestinian Cultural Patrimony. Monographic collection Mediterraneum, n. 5. Massa Publisher 2005.
  • Marlène Schnieper: Nakba – die offene Wunde. Die Vertreibung der Palästinenser 1948 und die Folgen. Rotpunktverlag, Zürich 2012 ISBN 978-3-85869-444-7

Weblinks

 Wiktionary: Palästinenser – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Palästinenser – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. The Palestinian National Charta, 1964. Gesehen 18. Januar 2009.
  2. Statement of Proclamation of the Organization, PLO, Jerusalem, 28. Mai 1964. Online auf den Seiten der „Permanent Observer Mission of Palestine to the United Nations“. Gesehen 18. Januar 2009..
  3. Ulrich W. Sahm nach E. Hausen: „Journalist Sahm: "Israelis haben kein Problem mit uns"“, Israelnetz.com, Nachrichten vom 16. Januar 2009.
  4. 4,0 4,1 Palestine. Encyclopædia Britannica. Abgerufen am 29. Januar 2011.
  5. 5,0 5,1 5,2 Arafat's Squalid End How he wasted his last 30 years. Slate, Christopher Hitchens, 17. November 2004
  6. 6,0 6,1 [1], Angry welcome for Palestinian in Kuwait BBC News, 30. März 2001 Referenzfehler: Ungültiges <ref>-Tag. Der Name „bbc“ wurde mehrere Male mit einem unterschiedlichen Inhalt definiert.
  7. Palästinenser – In den Sand getreten Kuweit vertreibt die letzten Palästinenser, Jordanien leidet unter der Flüchtlingslast. Der Spiegel, 8. Juni 1992
  8. http://www.usahm.info/Dokumente/Hamasdeu.htm
  9. http://www.un.org/unrwa/publications/pdf/figures.pdf


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