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Stalinismus

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Als Stalinismus bezeichnet man

  1. die Herrschaft Josef Stalins (1924–1953) in der Sowjetunion und in der Komintern,
  2. die von Stalin geschaffene theoretische und praktische Ausprägung des Marxismus-Leninismus,
  3. die darauf aufbauende Form des Totalitarismus,
  4. einen mithilfe marxistischer Argumente begründeten kritischen Begriff.

Die Bezeichnung wurde bereits vor Stalins Tod geprägt.

Nach der Kritik der Stalinschen Ära auf dem XX. Parteitag der KPdSU 1956 gab es einen Prozess der Entstalinisierung[1], der jedoch nach 1964 unter Leonid Breschnew teilweise wieder zurückgenommen wurde.

Von vielen Analytikern wird der Stalinismus als Teil des Marxismus-Leninismus verstanden. Dies wird mit Verweis auf die Stalin-Kritik nach 1956 in den kommunistischen und Arbeiterparteien und den damaligen sozialistischen Staaten angezweifelt, da diese sich auch nach der Abkehr von Stalin zum Marxismus-Leninismus bekannten.

Auch Formen des Personenkults und der politischen Machtausübung in der Volksrepublik China (Maoismus) oder in Nordkorea (Juche-Ideologie) werden häufig als stalinistisch beschrieben.

Stalinismus als Bezeichnung für die Herrschaft Josef Stalins

Durch Trotzkis Kritik an den politischen Verhältnissen in der Sowjetunion und durch Veröffentlichungen dissidenter Kommunisten[2] wurde der Begriff Stalinismus im westlichen Ausland, in der Sozialwissenschaft und in der Alltagssprache zum Synonym für den ideologischen Dogmatismus und Totalitarismus der Machtpolitik Stalins und der KPdSU in der Kommunistischen Internationale. Kontroversen gibt es darüber, ob das politische System der nach 1945 entstandenen realsozialistischen Staaten als stalinistisch bezeichnet werden kann. Nach Trotzki entstand unter Stalin eine neue privilegierte Schicht […] die, gierig nach der Macht, gierig nach den Gütern des Lebens, Angst hat um ihre Positionen, Angst vor den Massen – und jegliche Opposition tödlich hasst.

Die Stalinistischen „Säuberungen“

Die angenommene Verschärfung des Klassenkampfes wurde zur Legitimation der „Stalinistischen Säuberungen“, deren Opfer ermordet oder in die von der Hauptverwaltung der Besserungsarbeitslager betriebenen sowjetischen Zwangsarbeitslager gebracht wurden. Die Zahl der Opfer ist unbekannt, die Schätzungen liegen innerhalb des einstelligen Millionenbereichs bis zu mehr als 20 Millionen.

Die Ermordung von Sergei Mironowitsch Kirow, der als Stalins „Gegenspieler“ galt, lieferte den Vorwand für die Politik der berüchtigten „Säuberungen“ (russisch „Tschistka“). 90 Prozent derjenigen Parteigenossen, die 1934 am „Parteitag der Sieger“ als Delegierte teilgenommen hatten, wurden in öffentlichen Schauprozessen (Moskauer Prozesse) zum Tode verurteilt, darunter auch der Großteil der Funktionäre und Minister. Stalin allein entschied, welche Minister und Funktionäre oder auch ganze Städte seiner Meinung nach nicht hinter seiner Politik standen und überließ Jeschow, der während der Zeit des Großen Terrors der Chef der Geheimpolizei NKWD war, die Durchführung seiner Instruktionen. Diese liefen meist darauf hinaus, dass die betreffenden Personen zumindest verhaftet und häufig erschossen wurden. Die von der Geheimpolizei verwendeten Straftatbestände wegen antisowjetischen Verhaltens, trotzkistischer oder anderer Opposition gegen die KPdSU sowie einer Vielzahl anderer Verschwörungstheorien waren allesamt Verstöße gegen den Paragraphen 58 des Strafgesetzbuches der Sowjetunion, der die rechtliche Grundlage für die Verfolgungen bildete. Zwischen September 1936 und Dezember 1938 wurden schätzungsweise etwa 1,5 Millionen Menschen umgebracht.

Umstritten bleibt in der Forschung, inwieweit die Verfolgungen – von zum Teil treuen Anhängern – einen rationalen Kern hatten oder ob man von reinen Wahnvorstellungen Stalins reden muss. Das Ergebnis der Säuberungen war, dass Stalin nach 1938 wirklich die absolute Macht in der Sowjetunion innehatte. Nach dem Ende der Säuberungen und der Ersetzung Jeschows durch Lawrenti Beria wurden die willkürlichen Verhaftungen zwar nicht gestoppt, die verhafteten Menschen wurden aber meist nicht hingerichtet, sondern zu Haftzeiten in Straflagern verurteilt, deren Dauer 10 und durch eine Gesetzesänderung im Jahr 1949 25 Jahre betrug.

1950 bis 1951 kam es erneut zu „Säuberungen“. Auch Geistliche, Angehörige nichtrussischer Völker und zahlreiche vermeintliche und wirkliche politische Gegner, wie „Wurzellose Kosmopoliten“ (d. h. Juden) und „Westler“, wurden inhaftiert und mitunter der Folter ausgesetzt, wobei viele Unschuldige sich dem Vorwurf von Spionage oder „konterrevolutionärer Tätigkeit“ ausgesetzt sahen.

Die Verhöre in der Stalinzeit – und teilweise auch noch danach – waren geprägt von demütigenden Durchsuchungen, Schlafentzug, Prügel, Hunger, Durst und Einschüchterung.

Zwangskollektivierungen in der Landwirtschaft

Stalin trieb die Zwangskollektivierung der Landwirtschaft ab 1928 unnachgiebig voran. Dabei brach er rücksichtslos den Widerstand der Bauern, die er als „Kulaken“ diffamierte. Von 1929 bis 1933 gab es Repressionsmaßnahmen zur sogenannten Entkulakisierung durch Verhaftungen, Enteignungen, Hinrichtungen und Verschleppungen. Folge, aber auch durchaus erwünschtes Hilfsmittel der Kollektivierung war eine riesige Hungersnot an der Wolga, in der Ukraine und im ganzen Land. Sie kostete mehrere Millionen Menschen das Leben, jedoch sind genaue Opferzahlen nicht bekannt. Einzelne Schätzungen geben bis zu 15 Millionen Tote an. Die damalige Hungersnot in der Ukraine ist unter dem Begriff Holodomor bekannt geworden.

Personenkult

Der Personenkult um Stalin nahm in dieser Zeit immer größere Ausmaße an. Zu Lobpreisungs- und Ergebenheitswerken in Literatur und bildender Kunst gesellte sich eine allgegenwärtige öffentliche Präsenz, so wurden in fast allen Sowjetrepubliken und Ostblockstaaten einige Städte in Stalingrad bzw. Stalinstadt umbenannt, daneben öffentliche Gebäude, Straßen, Werke, Sportstätten und anderes mehr.

Wichtige und ergebene Mitarbeiter Stalins waren u. a. Lazar Kaganowitsch, der Volkskommissar für innere Angelegenheiten und NKWD-Chef Lawrenti Beria, Trofim Lyssenko und Michail Kalinin.

Zweiter Weltkrieg und Nachkriegszeit

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Denkmal "Den Opfern des Stalinismus", Berlin-Charlottenburg, Steinplatz

1939 schloss Stalin einen Nichtangriffspakt mit Hitler, den Hitler-Stalin-Pakt, der auch ein Geheimabkommen zur Aufteilung Polens und Osteuropas zwischen den beiden Staaten enthielt. Nach dem deutschen Angriff auf Polen erfolgte am 17. September 1939 der Angriff sowjetischer Truppen auf Polen und die sowjetische Besetzung Ostpolens und im Juni die der Staaten des Baltikums und des rumänischen Bessarabiens bis zur Donau, die im Hitler-Stalin-Pakt der Sowjetunion zugesprochen worden waren. Dabei kam es zu Kriegsverbrechen, wie der Ermordung von 20.000 gefangenen polnischen Offizieren in Katyn. Stalin war 1940 auch Sieger im Winterkrieg gegen Finnland.

Während des Krieges gegen die Sowjetunion, nachdem Hitler einen unter dem Vorwand eines Präventivschlages[3] geführten Angriff auf die Sowjetunion begann, war Stalin auch Oberbefehlshaber der Armee. Ihm gelang es durch Appelle an den Patriotismus und die allgemeine Wut auf die deutsche Aggression große Teile der Bevölkerung hinter die Partei und sich zu scharen. Auch durch die Parole: „Mehr Angst von hinten als von vorn“, das heißt Rotarmisten, die zurückwichen, wurden häufig liquidiert, konnten massive Reserven organisiert werden. Unter Stalins Führung wurde die Elektrifizierung und Schwerindustrialisierung des bäuerlichen Russlands vorangetrieben - eine Voraussetzung für den Sieg der Sowjetunion über das Deutsche Reich.

Millionen von Menschen, ganze Völker und Volksgruppen, wie die Krimtataren, die Russlanddeutschen oder die Tschetschenen wurden in dieser Zeit als potentielle Kollaborateure zur Zwangsarbeit in die unwirtlichen Permafrostgebiete nach Sibirien deportiert, wo es unter den Deportierten große Verluste an Menschenleben gab. Auch die Armenier waren von diesen Zwangsumsiedlungen betroffen. Die baltischen Staaten verloren so etwa zehn Prozent ihrer Einwohner.

Stalin ließ ein System von Strafarbeitslagern, das unter dem Namen Gulag bekannt wurde, aufbauen. Es umfasste Internierungs- und Arbeitslager oder „Besserungsanstalten“ für politische Gefangene. Der Paragraph 58 des Strafgesetzbuches ermöglichte es, den Begriff des politischen Gefangenen sehr weit auszudehnen: So war zum Beispiel das Stehlen von Äpfeln aus einem Kolchosgarten „konterrevolutionäre Sabotage“. Die genauen Zahlen über die Anzahl der Gefangenen und der Todesopfer des Lagersystems sind seit Öffnung der russischen Archive Gegenstand historischer Forschung und äußerst umstritten: So schwankt die geschätzte Zahl der Gefangenen zwischen 3,7 und 28,7 Millionen.

Neben dem Nationalsozialismus gehört der Stalinismus und für zahlreiche Experten darüber hinaus der Maoismus zu den drei Regimen des zwanzigsten Jahrhunderts, die die meisten Menschenopfer gefordert haben.

Stalinismus als Theorie

Ursprünglich bezeichnete der Begriff des Stalinismus in den 1920er-Jahren in der Sowjetunion die Auffassungen der von Josef Stalin geführten Mehrheit in der KPdSU (Bolschewiki) im Kampf um die politische und theoretische Nachfolge Lenins – hauptsächlich in Auseinandersetzung mit dem Trotzkismus. Damals ironisierte Stalin die Begriffsbildung noch, 'Stalinismus' sei eine besonders energische Verteidigung des Leninismus. Anzumerken ist auch, dass der Begriff Marxismus-Leninismus auf Stalin und seine ideologische Prägung zurückzuführen ist.

Um Stalins 55. Geburtstag 1934 herum erhob ein Prawda-Artikel von Karl Radek die Ideen und die Politik Stalins zu einer eigenständigen Leistung, und es setzte sich die Formel vom Marxismus-Leninismus-Stalinismus durch. Ausdruck dessen war unter anderem, dass ausgewählte Reden und Schriften Stalins zuerst zusammen mit einigen Werken Lenins in „Lenin-Stalin“ - Ausgewählte Werke in einem Bande veröffentlicht wurden. 1938 erschien sein vom Zentralkomitee der KPdSU herausgegebenes Schulungswerk Geschichte der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (Bolschewiki), kurzer Lehrgang und darin seine Schrift Über Dialektischen und Historischen Materialismus, die eine Weiterentwicklung des Leninismus darstellen sollte. 1946 wurde sogar eine 16-bändige Gesamtausgabe der Werke Stalins vom Marx-Engels-Lenin-Institut beim Zentralkomitee der KPdSU (B) herausgegeben.[4]

Eckpfeiler der stalinistischen Theorie waren die Entwicklung des Sozialismus in einem Lande und die Verschärfung des Klassenkampfes bei der Entwicklung. Die Verschärfung des Klassenkampfes wurde zur Legitimation von Repressionen und Stalinistischen Säuberungen. Seine Ideologie, die nicht im geringsten infrage gestellt werden durfte, gilt heute als mechanische Rezeption des Gedankenguts von Marx, Engels und Lenin. Sie diente lediglich zur Rechtfertigung politischer Verfolgungen von sogenannten Renegaten, d. h. „Verrätern“ der reinen Lehre.

Nach der Stalin-Kritik auf dem XX. Parteitag der KPdSU und der danach in den sozialistischen Ländern und den kommunistischen Parteien einsetzenden Entstalinisierung wurde auch der theoretische Beitrag Stalins zum Marxismus-Leninismus neu eingeschätzt. Stalin wurde nicht mehr in einem Atemzuge mit Marx, Engels und Lenin genannt, auch das damals übliche propagandistische Viererporträt wurde auf Marx, Engels und Lenin reduziert. Die chinesische Kommunistische Partei hingegen berief sich weiterhin auf Stalin, wobei Mao Zedong postulierte, 70 % des Gedankengutes und der Praxis Stalins – insbesondere im Zweiten Weltkrieg – seien „gut“ gewesen, 30 % aber schädlich. In Abgrenzung zur „revisionistischen“ UdSSR erschienen Plakate, auf denen als fünftes Portrait dasjenige Mao Zedongs verbreitet wurde.

Unter westlichen Intellektuellen fand der Stalinismus nach dem Tod Stalins nur sehr wenige Anhänger, während zu Stalins Lebzeiten sich große Teile der Linken nicht vom Stalinismus distanziert hatten. Nach der 68er-Studentenbewegung bildeten sich in Westeuropa sogenannte Kommunistische Parteien – kurzlebige Splittergruppen, die sich teilweise auch auf Stalin beriefen.[5]

Marxistische Analysen des Stalinismus

Der undogmatische marxistische Philosoph Leo Kofler wandte sich frühzeitig gegen den Stalinismus. 1951, kurz nachdem er die DDR verlassen hatte, erschien seine Broschüre über die „Verfälschung der marxistischen Lehre durch die stalinistische Bürokratie“. 1970 veröffentlichte er eine größere Untersuchung Stalinismus und Bürokratie. Er interpretierte den Stalinismus als „Kaderbürokratie“, die auf der Grundlage einer nachgeholten ursprünglichen Akkumulation herrschte. Er setzte sich mit Georg Lukács auseinander und dessen Verurteilung durch die Stalinanhänger.[6] Aus marxistischer Sicht grenzt sich der Soziologe und Volkswirt Werner Hofmann vom Stalinismus ab. Sein Werk Stalinismus und Antikommunismus. Zur Soziologie der Verblendung erschien 1967. Josef Elleinsteins Geschichte des Stalinismus, wegen der er aus der französischen KP ausgeschlossen wurde, erklärt den Stalinismus aus der russischen und sowjetischen Geschichte heraus.[7]

Georg Lukács, der linke ungarische Philosoph und Literaturwissenschaftler, nahm eine ambivalente Haltung gegenüber Stalin ein. Wenige Jahre vor seinem Tod schrieb er 1968: „Aus dem unvollkommen verstandenen Leninismus ist Stalinismus geworden…“ Das Besondere und Neue in den Werken Stalins sei unter anderem die Priorität der Taktik vor der Strategie und erst recht vor den Gesamtentwicklungstendenzen der Menschheit gewesen[8](S. 93). Lukács sah in Stalin den schlauen, berechnenden, überlegenen Taktiker. Dazu gehöre aber auch, dass er diesen Sieg (über Leo Trotzki und andere sogenannte Abweichler) als den der „richtigen Lehre Lenins“ über deren Entstellungen darzustellen wusste. Zum Wesen seiner Persönlichkeit gehörte demnach, dass er nach dem Sieg nicht mehr bloß als treuer Ausleger und Schüler Lenins öffentlich fungieren wollte, sondern allmählich – oft taktisch sehr geschickt – Situationen zustande brachte, in denen er bereits als der echte Nachfolger der allseitig überlegenen „Führerpersönlichkeit“ seines großen Vorgängers ins öffentliche Bewusstsein trat […] Dabei sei er nicht mehr als ein sehr kluger Mensch und ein äußerst raffinierter Taktiker gewesen.[8](S. 85)

Der marxistische Theoretiker Jürgen Kuczynski verwendete als Synonym des Stalinismus oft den Begriff Stalinzeit. Er verstand darunter die Gesamtheit der geistigen und realen Geschehnisse während der Stalinschen Herrschaft und zwar ausdrücklich sowohl die positiven wie auch die negativen Auswirkungen. Die Verurteilung Stalins und die anschließende Negierung Stalins lehnte er als „Fortsetzung des Stalinismus“ ab. Es sei nicht zu akzeptieren, Stalin nicht mehr zu erwähnen, nachdem er in Ungnade gefallen war. Kuczynski sah zwei große Leistungen Stalins: Er hätte die Industrialisierung mit dem Aufbau einer Schwerindustrie im bäuerlichen Russland realisiert. Diese sei eine der Voraussetzungen des Sieges über das Deutsche Reich gewesen. Außerdem habe er das Vertrauen des sowjetischen Volkes besessen. Die Verehrung seiner Person und seine Reden gaben dem Volk und den Soldaten moralische und Kampfeskraft, postulierte Kuczynski. Kritisch bemerkte er, dass Stalin dieses Vertrauen missbraucht habe, indem er seine Diktatur brutal durchsetzte. Seine laut Kuczynski unzweifelhaft vorhandenen propagandistischen Fähigkeiten setzte Stalin ein, um Dogmen zu etablieren und echten „wissenschaftlichen“ Meinungsstreit abzutöten.

Persönlich war Kuczynski in Stalins „Säuberungen“ involviert, als er Hermann Duncker die Nachricht von der Hinrichtung dessen Sohnes nicht nur überbringen, sondern ihn auch noch, nach eigener Aussage, „überzeugen musste“, dass die „Sowjetjustiz auch hier keine Fehler mache“.[9] Seiner Darstellung zufolge hat er darunter gelitten, wider besseres Wissen die Fehlerlosigkeit der Politik Stalins zu unterstreichen. Diese apologetische Haltung haben zu Stalins Lebzeiten zahlreiche damalige Kommunisten und teilweise auch linke Intellektuelle eingenommen.

In der Sowjetunion und den mit ihr verbundenen sozialistischen Staaten unter Führung der jeweiligen Kommunistischen Parteien wurde die Kritik des Stalinismus nach dem 20. Parteitag der KPdSU 1956 lange Zeit als Ablehnung des Personenkultes um Stalin verstanden. Nach der teilweisen Rehabilitierung Stalins unter Breshnew wurde nur der Personenkult kritisch propagiert, um vom totalistischen Charakter des Stalinismus abzulenken.

Erst in den 1970er-Jahren und nach 1989 verurteilten die euro- und postkommunistischen Parteien den Stalinismus in seiner Ausprägung als System.

Heutzutage werden Stalin und der Stalinismus am entschiedensten von maoistischen Gruppierungen verteidigt. In seinem Buch Stalin anders betrachtet versucht der belgische Historiker Ludo Martens, Anführer der maoistischen Partei der Arbeit (PvdA/PTB), verbreitete Argumente gegen den Stalinismus zu widerlegen. Allerdings konzentriert sich Martens hierbei auf den aus seiner Sicht „konterrevolutionären“ und „revisionistischen“ Trotzkismus und schreibt nichts zu Lukács, Korsch und anderen prominenten Kritikern des Stalinismus.[10]

Siehe auch

Literatur

  • Bini Adamczak: GESTERN MORGEN. Über die Einsamkeit kommunistischer Gespenster und die Rekonstruktion der Zukunft. 2. Auflage, edition assemblage, Münster 2011, ISBN 978-3-942885-08-9
  • Anton Antonow-Owssejenko, Stalin Porträt einer Tyrannei, München 1983, ISBN 3-492-02760-1
  • Balázs Ápor, Jan C. Behrends u.a. (Hrsg.): The Leader Cult in Communist Dictatorships. Stalin and the Eastern Bloc, Palgrave, New York 2004
  • Jörg Baberowski: Verbrannte Erde. Stalins Herrschaft der Gewalt. C.H. Beck, München 2012, ISBN 978-3-406-63254-9
  • Jörg Baberowski: Der rote Terror. Die Geschichte des Stalinismus, DVA, München 2003.
  • Charles Bettelheim: Die Klassenkämpfe in der UdSSR. Oberbaumverlag, Berlin 1975.
  • Isaac Deutscher: Stalin. Eine politische Biographie, Stuttgart 1962. Vollständige deutsche Ausgabe, 2 Bde., Berlin 1976
  • Josef Elleinstein: Geschichte des Stalinismus, VSA, Berlin 1979
  • Marc Grosset, Nicolas Werth: Die Ära Stalin. Leben in einer totalitären Gesellschaft. (Aus d. Franz. übersetzt v. Enrico Heinemann). Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2008
  • Klaus Heller und Jan Plamper (Hrsg.): Personality Cults in Stalinism - Personenkulte im Stalinismus, V&R unipress GmbH, Göttingen 2004 ISBN 3-89971-191-2
  • Werner Hofmann: Was ist Stalinismus? in: Stalinismus und Antikommunismus. Zur Soziologie des Ost-West-Konflikts. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1967.
  • Hannelore Horn: Der Stalinismus und seine Ursachen. In: Uwe Backes/Eckhard Jesse (Hrsg.): Jahrbuch Extremismus & Demokratie, 9. Jahrgang, Baden-Baden 1997, S. 65-96.
  • Alexander Jakowlew: Die Abgründe meines Jahrhunderts. Faber und Faber, Leipzig 2003, ISBN 3-936618-12-7
  • Günter Judick/Kurt Steinhaus (Hg.): Stalin bewältigen. Sowjetische Dokumente der 50er, 60er und 80er Jahre, Edition Marxistische Blätter, Düsseldorf 1989
  • Wolfgang Leonhard: Die Revolution entläßt ihre Kinder, Kiepenheuer & Witsch, ISBN 3-462-03498-7
  • Roy Medwedew, Das Urteil der Geschichte Stalin und Stalinismus, Bde 1 bis 3, Dietz Verlag, Berlin 1992
  • George Orwell: Farm der Tiere: Ein Märchen. Diogenes Verlag, Januar 2002, ISBN 3-257-20118-4 beschäftigt sich als Fabel mit der Oktoberrevolution und dem Stalinismus an sich.
  • Kurt Pförtner und Wolfgang Natonek: Ihr aber steht im Licht. Eine Dokumentation aus sowjetischem und sowjetzonalem Gewahrsam. Tübingen: Franz Schlichtenmayr 1962.
  • Karl Schlögel: Terror und Traum. Moskau 1937.Carl Hanser Verlag, München 2008, ISBN 978-3-446-23081-1
  • Boris Souvarine: Stalin – Anmerkungen zur Geschichte des Bolschewismus; Bernard & Greafe Verlag München 1980, ISBN 3-7637-5210-2
  • Ulf Wolter: Grundlagen des Stalinismus. Die Entwicklung des Marxismus von einer Wissenschaft zur Ideologie, Berlin 1975
  • Stalinismus und das Ende der ersten Marx-Engels-Gesamtausgabe (1931-1941). Dokumente über die politische Säuberung des Marx-Engels-Instituts 1931 und zur Durchsetzung der Stalin'schen Linie am vereinigten Marx-Engels-Lenin-Institut beim ZK der KPdSU aus dem Russischen Staatlichen Archiv für Sozial- und Politikgeschichte Moskau. Argument, Hamburg 2001 (Beiträge zur Marx-Engels-Forschung. Neue Folge. Sonderband 3) (darin Kurzbiografien S. 398-434) ISBN 3-88619-684-4
  • Orlando Figes: "Die Flüsterer. Leben in Stalins Russland", Berlin 2008, ISBN 978-3-8270-0745-2

Weblinks

 Wiktionary: Stalinist – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wiktionary: Stalinistin – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. dtv-Lexikon in 24 Bänden. Band 21, Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München, Genehmigte Sonderausgabe Oktober 2006, ISBN 978-3-423-59098-3, S. 38 f.
  2. beispielsweise Arthur Koestler
  3. „Zur Abwehr der drohenden Gefahr aus dem Osten ist die deutsche Wehrmacht am 22. Juni drei Uhr früh mitten in den gewaltigen Aufmarsch der feindlichen Kräfte hineingestossen.“ – Radio-Sondermeldung des Oberkommando der Wehrmacht eine Woche später, am Sonntag 29. Juni, eingeleitet mit der sog. Russland-Fanfare
  4. J. Stalin Werke, Band 1, Dietz Verlag GmbH, Berlin 1950, Vorwort zur deutschen Ausgabe S. V
  5. Andreas Kühn: Stalins Enkel, Maos Söhne. Die Lebenswelt der K-Gruppen in der Bundesrepublik der 70er Jahre, Campus Verlag, Frankfurt/New York 2005, ISBN 3-593-37865-5
  6. Leo Kofler: Marxistischer oder stalinistischer Marxismus? Eine Betrachtung über die Verfälschung der marxistischen Lehre durch die stalinistische Bürokratie. Verl. f. Publizistik, 47 S. Köln 1951; ders.: Der Fall Lukács. Georg Lukács und der Stalinismus, 1952. Stalinismus und Bürokratie. Neuwied: Luchterhand 1970.
  7. VSA Berlin 1979 ISBN 3-936618-12-7
  8. 8,0 8,1 Lukács, Georg: Demokratisierung heute und morgen (1968), Budapest 1985.
  9. Jürgen Kuczynski: Dialog mit meinem Urenkel - Neunzehn Briefe und ein Tagebuch, Aufbau-Verlag Berlin und Weimar 1983, 8. Auflage 1987, S. 77-81, ISBN 3-351-00182-7
  10. Ludo Martens:Stalin anders betrachtet


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