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1880

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Ereignisse

  • 1.1.1880-10.7.1957: Schalom Asch (auch Scholem, Scholom [so unterschrieb er], Schulem, Sholem, Shulem, Shalom, Shulim, Szulim Asch usw.); in Kutnia, Warschauer Gouvernement (= Kutno, Polen), geboren (nach einigen Quellen geboren nicht am 1.1.1880, sondern am 1.11.1880); in London gestorben; bedeutender und erfolgreicher jiddischer Romancier und Dramatiker, Ehrenvorsitzender des jiddischen Pen-Klubs (seit 1932); seine Hauptwerke sind in fast alle Weltsprachen übersetzt; er war eines von zehn Kindern eines jüdischen Schankwirts und Viehhändlers (Moszek Asz, 1825-1905; Mutter: Frajda Malka, geborene Widawska), erhielt eine traditionelle jüdische Erziehung, lernte bis zu seinem 16. Lebensjahr Bibel und Talmud, wurde jedoch bald von der europäischen Kultur und Literatur angezogen, zog zuerst in die Stadt Wloclawek, ging 1899 von dort dann nach Warschau, wo er seine literarische Tätigkeit in Hebräisch und Jiddisch entfaltete; Deutsch hatte er aus der Mendelssohn'schen Bibelübersetzung gelernt; in Warschau konnte er als Schriftsteller debütieren; seine ersten Werke verfasste er in hebräischer Sprache (Novellenband, Warschau 1900); in dieser Zeit war er auch politisch aktiv, die Haskala war ihm dabei sehr wichtig; bei dieser Arbeit lernte er Jitzchok Leib Perez kennen, unter dessen Einfluss schrieb Asch fortan Jiddisch; in Warschau heiratete Schalom Asch Mathilde, eine Tochter des Schriftstellers M. M. Shapiro; mit ihr hatte er einen Sohn: Moses Asch, den späteren Gründer von Folkways Records; 1908 reiste er mit seiner Frau nach Jerusalem (seine Eindrücke legte er in einer Serie historischer Bilder "In Erez Israel" nieder) und bald nach seiner Rückkehr (1909) in die USA, ging aber 1910 abermals zurück nach Russland; den ersten Weltkrieg verbrachte Asch, ausgewandert, zusammen mit seiner Familie in New York; hier wurde er u. a. engagierter Mitarbeiter der bedeutendsten jiddischen Zeitschriften, vor allem beim "Forwerts"; 1920 wurde er amerikanischer Staatsbürger; mit seinen Theaterstücken hatte Asch Erfolg, und auch sein übriges Werk wurde positiv besprochen; 1923 kehrte Asch nach Polen zurück, emigrierte aber 1938 über Frankreich wieder in die USA; 1956 liess er sich in Bat Yam, einem Tel Aviver Vorort, nieder; sein damaliges Wohnhaus ist jetzt seinem Wunsch gemäss als Museum und Gedenkstätte ausgestaltet; Schalom Asch verfasste historische und moderne jüdische Romane, Erzählungen und Dramen, schrieb auch Essays und schilderte u. a. in romantischem Stil die ostjüdische Welt; versuchte mit seinem nicht unumstrittenen Spätwerk – biographischen Romanen über Jesus, den Apostel Paulus und über Maria -, das eine Annäherung an christliche Denkweise erkennen lässt, zur Versöhnung von Christentum und Judentum beizutragen; heftige Angriffe von orthodox-jüdischer Seite und Ablehnung breitester jüdischer Kreise waren die Folge (so konnte er als langjähriger Schreiber für den "Forward" keine Beiträge mehr dort platzieren und wurde durch den "Forward" sogar öffentlich angegriffen - während die nichtjüdische englische Presse Asch's Spätschriften teilweise enthusiastisch aufnahm) und verbitterten ihm seine letzten Lebensjahre (Gerüchte einer angeblichen Zuneigung zum Katholizismus wurden nie bestätigt); mehrfach wurde versucht, bei Asch drei verschiedene Schaffensperioden zu unterscheiden, jedoch sind alle diese Ansätze nicht überzeugend und haben sich nicht durchgesetzt; festzuhalten bleibt, dass Asch, obwohl mit der jüdischen Vergangenheit und Herkunft - speziell mit der jiddischen Tradition des Stetls - eng verbunden geblieben, die jiddische Literatur aus diesen thematisch engen Fesseln befreit und mit dem mainstream europäischer und amerikanischer Kultur verbunden hat und so zum ersten jiddischen Schriftsteller wurde, der internationale Aufmerksamkeit erhielt und der jiddischen Literatur zu grosser Popularität weltweit verholfen hat; im Alter von 77 Jahren starb Schalom Asch am 10. Juli 1957 in London; der Grossteil des Nachlasses seiner Bibliothek, darunter seltene jiddische Bücher, Manuskripte und auch Manuskripte seiner eigenen Werke, wird durch die Universität Yale betreut; Werke / Ausgaben (Auswahl): Novellen, Warschau 1900 (hebräisch); in a schlechte zait (Erzählungen), 1903; Mitn Schtrom (Mit dem Strom), 1903 (sein erstes Drama, wurde noch im selben Jahr in polnischer Übersetzung im Krakauer Stadttheater aufgeführt); Die Stadt (Roman), 1903; Meschiachs Zeiten, 1904 (Theaterstück, aufgeführt in Jiddisch vom berühmten Schauspieler und Theatermogul J. P. Adler in Amerika und in russischer Übersetzung durch den seinerzeitigen Schauspielstar Vera Komisarschewskaja; Versuch der Darstellung des auseinanderbrechenden zeitgenössischen Judentums im Rahmen einer Familiengeschichte); Dos klajne Schtetl, 1905 (gesammelte Skizzen); Der got fun nekome (Der Gott der Rache), 1905 (Drama in drei Akten; behandelt die Nöte eines jüdischen Bordellbesitzers, der seine eigene Tochter von der sie alle umgebenden Unzucht abschirmen will und dafür eine Torarolle stiftet, diese jedoch entweiht, als ihm der "Gott der Rache" seinen Wunsch nicht erfüllt; 1908 von Reinhardt in Berlin in deutscher Übersetzung aufgeführt und dadurch weit bekannt geworden; auch auf jiddischen und russischen Bühnen gespielt, löste es wegen seiner anstössigen Thematik noch 1923 am Broadway einen handfesten Skandal aus, während dessen das gesamte Ensemble wegen "Obszönität" verhaftet wurde); Die Jüngsten, ca. 1906 oder später (Roman, erschienen in Jiddisch in Warschau und New York, in deutscher Übersetzung in Berlin); Bilder aus dem Ghetto, Berlin 1907; In Erez Israel, ca. 1909; Die Familie Grossglück (Komödie in drei Akten), Berlin 1909; Amerika (Erzählung), 1910 (erschienen im in Russland herausgegebenen Fraind); Mori, 1911 (Roman); Der Landsmann, 1911 (dreiaktige Komödie); Das chorban beth hamikdosch, 1912 (Poem); Der Bund der Schwachen (Drama), Berlin 1913; Reb Schloime Nogid, 1913 (Novelle); Erde (Erzählung), Berlin 1913; Der Weg zu sich selbst (Theaterstück), 1917; Motke Ganev (oder Motke Gannew etc.), 1917 (gehört zu den bekanntesten Werken Aschs, viele weitere Ausgaben, z. B. deutsch Mottke der Dieb. Roman, München 1987, Goldmann; in diesem von Gorki beeinflussten Werk gibt Asch ein liebevoll, beinahe idealisierend gezeichnetes Bild der jüdischen Unterwelt, Motke scheitert bei seinem Versuch, eines geliebten Mädchens wegen das Verbrechermilieu hinter sich zu lassen); Sabbatai Zewi. Tragödie in 3 Akten, Berlin 1918; Onkel Moses (Zeit-Roman aus dem amerikanisch-jüdischen Arbeitermilieu), 1918, deutsch: Berlin 1929; englisch 1938; Ein Glaubensmartyrium (Erzählung über das jüdische Leben zur Zeit des Chmielnicki-Aufstandes; Originaltitel: Kiddusch haschem, 1919; englisch: 1926), Berlin 1929; Di muter (Die Mutter, Roman), 1919 (deutsch: Berlin 1930; englisch 1930); Der Psalmenjude (Roman), 1920; Die Zauberin von Kastilien (Erzählung), Berlin 1929 (jiddisches Original 1921); Kleine Geschichten aus der Bibel, Berlin 1923; Das Toidturteil (Roman, 1924, identisch mit dem "Elektrischen Stuhl"?); Joseph. Eine Hirtenlegende in 5 Bildern, Berlin 1925 (ab diesem Zeitpunkt erschienen für viele Jahre die meisten seiner Werke bei Zsolnay); Chaim Lederers Rückkehr, Berlin 1929 (Orig.: Chaim Lederers Tsurikkumen, 1927); Kohlen, 1928 (Drama); Der elektrische Stuhl (in Amerika spielender psychologisierender Mord-Krimi), Berlin 1929: Vor der Sintflut (zusammenfassender Trilogie-Titel für die folgenden drei Romane, 1929-1930; Original: "Farn Mabul", engl.: "Three Cities" [1933]; frz.: "Trois villes"; beschreibt das jüdische Leben der im Titel genannten Städte zu Anfang des 20. Jahrhunderts): 1. Petersburg (Roman), Berlin 1929; 2. Warschau (Roman), Berlin 1929; 3. Moskau (Roman), Berlin 1930; Von den Vätern, Berlin 1931; Die Kinder Abrahams. Novellen aus Amerika, Berlin 1931 (englisch 1942); Rückblick (autobiographische Skizze seines Lebens), 1931, in: Jahrbuch 1931 des Wiener Zsolnay-Verlages; Der Gefangene Gottes (Roman), Berlin 1932; Der Trost des Volkes. Roman, 1934 (weitere Ausgabe z. B. Konstanz 1961, Diana-Verlag); Der Tehillim-Jid, 1934 (engl. Titel: "Salvation", 1951); Kinder in der Fremde (Erzählungen), Amsterdam 1935 (DeLange); Der Krieg geht weiter (Roman), Amsterdam 1936; Bajm Opgrunt ("Am Abgrund"), 1937 (thematisiert die Hyperinflation der Zwanzigerjahre in Deutschland); Three novels, 1938; Gesang des Tales (Roman; Original: Dos gesang fun tol), Amsterdam 1938 (thematisiert das Leben der Chaluzim und reflektiert seinen Palästinabesuch 1936; englische Ausgabe 1939); The Nazarene, 1939 (grosser Roman über Jesus, Original jiddisch, zunächst in englischer Übersetzung erschienen, deutsch "Der Nazarener", 1950; "Jesus der Nazarener", Augsburg 1991, Weltbild-Verlag); What I believe ("An was ich glaube", Essay), New York 1941; The Apostle, 1943 (grosser Roman über Paulus; Original jiddisch, zunächst in englischer Übersetzung erschienen; deutsch 1946: "Der Apostel. Roman", Stockholm, bei Bermann-Fischer); One Destiny, 1945; East River (Roman), Konstanz 1955 (über die Juden Amerikas; Erstausgabe 1946); Der brenendiker dorn, 1946 (in der Hitlerzeit entstandene Erzählungen zur Thematik des Martyriums rund um die Schülerinnen einer jüdischen Schule in Warschau, die eine kollektive Selbsttötung durchführen, um nicht in die Hände der deutschen Truppen zu fallen); Ein Schicksal, ein Brief an die Christen (Essay), 1948; Tales of My People, 1948 (short stories); Mary, 1949 (grosser Roman über Maria, die Mutter Jesu; Original jiddisch, zunächst in englischer Übersetzung erschienen; deutsch 1950; weitere dt. Ausg.: "Maria, Mutter des Erlösers", Augsburg 2004, Weltbild-Verlag); Moses (Roman), New York 1951; A Passage in the Night, 1953 (deutsch 1956: Reise durch die Nacht); The Prophet (Roman), New York 1955 (zunächst nur englisch; zum Thema Deuterojesaja); weitere Werke: Amnon we Tamar (Theaterstück); Jephtas Tochter (Theaterstück); Wenn der Frühling kommet (Theaterstück); Gesamtausgaben und Sammelbände: Gesammelte Werke, 8 Bände, o. J. o. O.; Gesammelte Werke, 12 Bände, 1920, in Amerika anlässlich Asch's 40. Geburtstag herausgegeben durch ein Komitee, dem J. L. Magnes vorsass, mit einer Einleitung versehen von S. Niger; Kleine Geschichten aus der Bibel, aus dem Jiddischen übersetzt und bearbeitet von Dr. phil. Helene Sokolow (2. Aufl. 1924); Gesammelte Werke, 18 Bände, Warschau 1924; Gesammelte Romane, Berlin 1926
  • 18.1.1880-25.9.1933: Paul Ehrenfest, geb. in Wien, gest. in Amsterdam, österreichisch-jüdischer Physiker; Ehrenfest lehrte von 1907 bis 1912 in Sankt Petersburg und von 1912 an als Professor für Theoretische Physik an der Universität Leiden, sein Beitrag zur modernen Physik ist vor allem das nach ihm benannte Ehrenfest-Theorem (1927), ein Satz der Quantentheorie, der eine allgemein gültige Beziehung zur klassischen Physik herstellt; er war ausserdem ein Wegbegleiter und guter Freund von Albert Einstein, den er zusammen mit Niels Bohr mehrfach fotografierte; noch heute oft diskutiert ist das Ehrenfestsche Paradoxon, ein scheinbares Paradoxon der Relativitätstheorie; Ehrenfest, der an Depressionen litt, tötete sich am 25. September 1933 selbst (zuvor erschoss er seinen Sohn Wassik, der mit Down-Syndrom zur Welt gekommen war); seinen Suizid hatte er in einem Brief an seine Freunde und Kollegen Niels Bohr, Albert Einstein, James Franck, Gustav Herglotz, Abram Fjodorowitsch Ioffe, Philip Kohnstamm (1875-1951) und Richard C. Tolman angekündigt, aber dieser Brief wurde nicht verschickt
  • 3.4.1880-4.10.1903: Otto Weininger, geb. in Wien, Selbsttötung in Wien, hochbegabter, frühreifer österreichisch-jüdischer Philosoph; er wurde durch sein Werk „Geschlecht und Charakter“ berühmt sowie durch die Selbsttötung, die der erst Dreiundzwanzigjährige in Beethovens Sterbehaus in Wien verübte; Otto Weininger wurde als Sohn des jüdischen Goldschmieds Leopold Weininger und dessen Frau Adelheid in Wien geboren und entstammte einer ungarisch-jüdischen Familie; er besuchte Volksschule und Gymnasium und war vielseitig begabt, bereits mit 16 Jahren versuchte er sich an einem etymologischen Aufsatz über speziell bei Homer zu findende griechische Redewendungen; im Juli 1898 legte er die Reifeprüfung ab; an der Wiener Universität studierte er Philosophie und Psychologie, hörte aber auch naturwissenschaftliche und medizinische Vorlesungen; mit 18 beherrschte er Griechisch, Latein, Französisch, Englisch, später auch Spanisch und Italienisch; passive Kenntnis der Sprachen Strindbergs und Ibsens (Schwedisch, Norwegisch) kamen hinzu; er wurde von den Ideen Kants beeinflusst und besuchte Sitzungen der Philosophischen Gesellschaft, wo er unter anderen den Wagner-Schwiegersohn und radikalen Antisemiten Houston Stewart Chamberlain hörte; trotz oder vielleicht gerade wegen seiner Talente fügte sich Weininger nur schwer ein und galt als Aussenseiter und Querdenker; im Frühsommer 1901 hinterlegte Weininger zur Wahrung der Priorität seiner Ideen ein Manuskript in der Akademie der Wissenschaften in Wien, „Eros und Psyche. Eine biologisch-psychologische Studie“, die Erstfassung seiner späteren Dissertation; 1902 legte Weininger das erweiterte Manuskript den Professoren Jodl und Müllner an der Wiener Universität vor, das als Dissertation angenommen wurde; am 21. Juli 1902 legte Weininger seine Promotionsprüfung ab, er war nun Doktor der Philosophie; kurz nach der Promotion trat er voll Stolz und Enthusiasmus zum Protestantismus über und brach damit sowohl mit der eigenen jüdischen Herkunft in Wien als auch mit seiner katholischen Heimatstadt, verleugnete auch seine Zugehörigkeit zur Wiener Kultur; im Sommer 1902 reiste Weininger nach Bayreuth, wo er tief beeindruckt Richard Wagners Parsifal hörte; über Dresden und Kopenhagen setzte er seine Reise nach Christiana (Oslo) fort und sah zum ersten Mal auf einer Bühne Ibsens Erlösungsdrama „Peer Gynt“; Weininger schrieb dann eine lange Abhandlung zu Ibsens 75. Geburtstag, dessen Leitmotiv beschäftigte ihn zutiefst: „Wer sein Leben will behalten, der wird es verlieren, und wer sein Leben verliert um meinet- und des Evangelii willen, der wird es behalten“ (nach Markus 8,34-36); im Herbst machte er sich auf die Suche nach einem Verleger für seine Dissertation, doch Friedrich Jodl, sein Doktorvater, wollte „Eros und Psyche“ keinem Verlag empfehlen, so lange bestimmte „gedankliche und sprachliche Exzesse“ nicht korrigiert wurden; Weininger war aber zu stolz und ungeduldig, um den Ratschlägen zu folgen; er legte Sigmund Freud sein Manuskript vor, in der Hoffnung, durch dessen Empfehlung im Verlag Franz Deuticke gedruckt zu werden; Freud berichtete später, dass Weininger auf ihn einen grossen Eindruck gemacht habe (erinnerte sich an ein „ernsthaftes, schönes Gesicht, auf dem ein Hauch von Genialität schwebte“), dass er aber Weiningers Manuskript streng kritisiert habe, eine Kritik, die angesichts der späteren Buchfassung noch schärfer zu formulieren gewesen wäre; Weininger verfiel in tiefe Depressionen, ein unheilvoller Doppelgänger, den Weininger „das Ensemble aller bösen Eigenschaften des Ich“ nannte, beunruhigte ihn zutiefst; in ihm reifte ein erster Entschluss zum Tod, doch nach einem langen nächtlichen Gespräch mit seinem Freund Artur Gerber befand er die Zeit als „noch nicht reif“; Artur Gerber erinnerte sich später: „Sein Äusseres war befremdend. Die hagere Gestalt mutete steif an, entbehrte aller Biegsamkeit und Grazie. Die Bewegungen, oft nur linkisch, unbeholfen, waren meist jäh und unvermittelt“; Stefan Zweig beschrieb seine Begegnung mit Weininger als „Vorbeigehen an einem unauffälligen Menschen“: „Er sah immer aus wie nach einer dreissigstündigen Eisenbahnfahrt, schmutzig, ermüdet, zerknittert, ging schief und verlegen herum, sich gleichsam an eine unsichtbare Wand drückend, und der Mund unter dem dünnen Schnurrbärtchen quälte sich irgendwie schief herab. Seine Augen (erzählten mir später die Freunde) sollen schön gewesen sein: ich habe sie nie gesehen, denn er blickte immer an einem vorbei (auch als ich ihn sprach, fühlte ich sie keine Sekunde lang mir zugewandt): all dies verstand ich erst später aus dem gereizten Minderwertigkeitsempfinden, dem russischen Verbrechergefühl des Selbstgepeinigten“ (Berliner Tagblatt, 3.10.1926); nach Monaten konzentrierter Arbeit erschien im Juni 1903 „Geschlecht und Charakter – eine prinzipielle Untersuchung“, die das „Verhältnis der Geschlechter“ in ein „neues Licht“ zu rücken wünschte, im Wiener Verlagshaus Braumüller & Co.; es war der Text von Weiningers Doktorarbeit, noch um drei entscheidende Kapitel erweitert, in denen Weininger seine Tendenzen zum Antisemitismus, zur Misogynie und zur unbeherrschten Metaphysik ungebremst entfaltete: „Das Wesen des Weibes und sein Sinn im Universum“, „Das Judentum“, „Das Weib und die Menschheit“; auf 600 Seiten breitete Weininger die Summe seines Lebens aus, es war das Konstrukt eines Frauenhasses, dem auch das Judentum zum Opfer fiel, da es ihm „durchtränkt scheint von Weiblichkeit“; in beiden, in Frauen und Juden, erblickte Weininger eine Bedrohung: Sexualität, Schuld, nur Körper und Materie, bar jedes Geistes, jeder Seele oder jeder Sittlichkeit, beides bedrängte und quälte ihn in seinem Innersten; Erlösung versprach nur ein Genius, der Innbegriff des Männlichen, dessen höchste Form sah Weininger im Religionsstifter; das Buch wurde nicht ablehnend aufgenommen, doch die erwartete Sensation blieb aus; der Leipziger Professor Paul Julius Möbius, Autor des Buches „Über den physiologischen Schwachsinn des Weibes“, griff Weininger unter dem Vorwurf des Plagiats an; Weininger reiste enttäuscht und voll quälender Zweifel nach Italien; Aphorismen über das Böse in ihm und über sein heimliches Verbrechertum häuften sich in dieser Zeit, sein Bedürfnis nach „Strafe und Sühne“ wurde stärker; „Der anständige Mensch geht selbst in den Tod, wenn er fühlt, dass er endgültig böse wird … “ , heisst es in den Aphorismen aus dem Nachlass; nach seiner Rückkehr verbrachte Weininger die letzten fünf Tage bis zum 3. Oktober bei seinen Eltern; er händigte seinem Vater noch das abgewetzte Lederfutteral seiner Brille aus und mietete sich dann ein Zimmer in Beethovens Sterbehaus in der Schwarzspanierstrasse 15; dorthin begab er sich am Abend des 3. Oktober; in dieser Nacht schrieb er zwei Briefe, einen an seinen Vater, den anderen an seinen Bruder Richard; am Morgen des 4. Oktober wurde er sterbend in seinem Zimmer aufgefunden, er hatte sich eine Kugel ins Herz geschossen; er starb um halb elf Uhr vormittags im Wiener Allgemeinen Krankenhaus in der Alser Strasse; „in dem Gesichte des Toten war kein Zug von Güte, kein Schimmer von Heiligkeit und Liebe zu sehen. Auch Schmerz nicht; nur ein Ausdruck, der dem Gesichte des Lebenden vollkommen gefehlt hatte: Etwas Furchtbares, etwas Entsetzenerregendes, das, was ihm die Todeswaffe in die Hand gedrückt hatte: Der Gedanke an das Böse“ (Artur Gerber, „Ecce Homo“, 1922); Otto Weininger wurde auf dem evangelischen Friedhof von Matzleinsdorf begraben, wo noch heute sein Grab mit der von seinem Vater verfassten Inschrift zu sehen ist: „Dieser Stein schliesst die Ruhestätte eines Jünglings, dessen Geist hiernieden nimmer Ruhe fand. Und als er die Offenbarungen desselben und die seiner Seele kundgegeben hatte, litt es ihn nicht mehr unter den Lebenden. Er suchte den Todesbezirk eines Allergrössten im Wiener Schwarzspanierhause und vernichtete dort seine Leiblichkeit“; -- „Geschlecht und Charakter“ zählt zu den klassischen Dokumenten der Wiener Moderne, das Werk tritt, ähnlich wie Chamberlains „Grundlagen des 19. Jahrhunderts“, mit einem universalen Deutungsanspruch auf, im Mittelpunkt steht die Geschlechterproblematik; in seinem Hauptwerk offenbarte Weininger eine, trotz seiner jüdischen Abstammung, scharf ablehnende Haltung alles Jüdischen und erwies sich zugleich als Verfechter einer frauen- und körperfeindlichen Geisteshaltung; die Werte höheren Lebens seien der Frau ebenso unzugänglich wie die Welt der Ideen; je weiblicher das Weib, desto mehr verkörpere es eine rein geistlose Geilheit; erst durch den Mann empfange die Frau ein Leben aus zweiter Hand; Weininger predigt auch einen wütenden Antisemitismus: „Der Jude“, behauptet er, sei auf Grund seines „weiblichen“ Wesenskerns „stets lüstern und geil“; „der geborene Kommunist“; von Natur aus „ein Kuppler“ und nicht eigentlich fromm, denn „er kann gar nicht glauben“; dennoch dämmere eine kleine Hoffnung; die jüdische Nicht-Existenz wäre „Zustand vor dem Sein“ und daher müssten „die Juden gegen sich kämpfen, innerlich das Judentum in sich besiegen“, um Menschen, also Männer, zu werden; auch Christus „war ein Jude, aber nur, um das Judentum in sich am vollständigsten zu überwinden“; daher „ist er der grösste Mensch“, der seine „besondere Erbsünde“ – nämlich Jude zu sein – durch die „vollkommene Negation“ seines Wesens besiegt hätte; das Judentum schien Weininger durchtränkt von Weiblichkeit; daraus leitete er die Gleichung ab, dass „der Jude ein Weib“ sei; da beide, Frauen und Juden, nur Sexualität, nur Körper und Materie seien, bar jeden Geistes, jeder Seele und jeder Sittlichkeit und unfähig zur sexuellen Askese, stellten sie eine Bedrohung dar; die Gesellschaft müsse laut Weininger die weiblichen Elemente überwinden und sich an „M“ orientieren; er fordert eine neue Menschheit, die auf einer neuen Männlichkeit aufgebaut sein soll; eine Übereinstimmung von Männlichkeit und Gesellschaftsordnung wird postuliert; trotz jüdischer Abstammung und umfassender geistes- und naturwissenschaftlicher Bildung mit Vorurteilen behaftet, antisemitisch eingestellt und Verfechter einer frauen- und körperfeindlichen Geisteshaltung, sprach Weininger Frauen und Juden damit de facto die Menschlichkeit ab und befürwortete die totale sexuelle Enthaltsamkeit der Männer und dadurch implizit die Ausrottung der Juden, letzteres wie sein ebenfalls jüdischer Schriftstellerkollege Arthur Trebitsch; Weininger versuchte sich an der Definition des Männlichen und Weiblichen, und zwar vor dem Hintergrund der Annahme, dass in allen lebenden Dingen ein Anteil von beiden zu finden sei; er platzierte das Männliche an einem Ende der Skala; in der Vorstellung von Weib und Trieb einerseits und Mann und Geist andererseits ordnete er der Frau eine seelische und sittliche Minderwertigkeit zu, die Frau sei zu keiner geistigen Orientierung und schöpferischen Produktivität fähig; er wies auch verschiedensten Bewegungen und Konzepten männliche bzw. weibliche Züge zu; so war für ihn das Judentum stark weiblich dominiert, während das Christentum eher männliche Züge hatte (was hätte wohl Nietzsche davon gehalten?); die Ausführungen Weiningers zum Judentum bilden innerhalb der Geschichte des modernen Antisemitismus eine der literarisch wirkungsvollsten Versionen judenfeindlicher Ideologie; in seiner Beschreibung „des Juden“ wählt er Kategorien äusserster Negativität; Stereotype, aus der antisemitischen Propaganda übernommene oder zumindest mit ihnen gleich lautende Urteile werden herangezogen, um „das Judentum“ gegenüber „dem Christentum“ zu kennzeichnen; dabei appelliert Weininger durch seine Formulierungen häufig an antisemitische Ressentiments; so gehöre das Judentum zu den wichtigsten Störfaktoren der gesellschaftlichen Ordnung, das Christentum stelle demgegenüber die „absolute Negation“ des Judentums dar; obwohl es im Wien des Fin de Siècle immer wieder Juden gab, die sich von ihrer Religion abwandten, enthielt „Geschlecht und Charakter“ doch besonders starke, auch durch den Vater mitbeeinflusste antisemitische Tendenzen (Zitate folgen unten); - manche Ideen wurden von Karl Kraus und August Strindberg aufgegriffen und beeinflussten massgeblich das Werk von Canetti, Musil, Trakl und Ludwig Wittgenstein; Weininger ist der Erste, der die androgyne Natur des Menschen erkennt und untersucht und der Erste, der eine Theorie der körperlichen und seelischen Bisexualität ausarbeitet; die ursprüngliche Anlage des Menschen sei zweigeschlechtlich, erst das Überwiegen des männlichen oder weiblichen Elements konstituiere das, was man Mann oder Frau nennt, prozentuale Anteile der konträren Geschlechtlichkeit erhielten sich aber auch bei Erwachsenen zu verschiedenen Graden, und aus den Ergänzungsverhältnissen ergäben sich die Gesetze der sexuellen Anziehung; jedes Individuum versuche dabei, seinen unvollständigen Prozentsatz von „M“ oder „W“ zu vervollständigen, in idealtypischer Abstraktion hiesse das, dass immer ein ganzer Mann (M) und ein ganzes Weib (W) zueinander streben bzw. ihr sexuelles Komplement suchen; besteht ein Individuum also aus ¾ M und ¼ W, so wird es von einem Partner angezogen, der sich aus ¾ W und ¼ M zusammensetzt; statt die Möglichkeit der Freiheit von Geschlechterrollen und ihren Zwängen wahrzunehmen, fordert Weininger aber dessen „Überwindung“; wie der Mann seine W-Anteile ausmerzen muss, so gilt dasselbe auch für die Frau, der Grad ihrer Emanzipation hängt ab vom Grad ihrer „M-Werdung“; „Geschlecht und Charakter“ erreicht seinen Gipfel in den Formeln: „Das Weib besitzt kein Ich, das Weib ist das Nichts“; in Weiningers letzten Tagebuchaufzeichnungen heisst es: „Der Hass gegen die Frau ist nichts anderes als der Hass gegen die eigene, noch nicht überwundene Sexualität“; unter dem Zwang seines Systems steigern sich Weiningers Schuldgefühle bis zur Ausweglosigkeit; zur kritischen Beurteilung Weiningers muss man die dunklen, teils wahnhaften Tendenzen in den erhaltenen Manuskripten heranziehen; so waren seine grundlegenden Erkenntnisse über ein Zusammenspiel von männlichen und weiblichen Elementen in allen Wesen sowie manche andere Ansätze ebenso richtig und revolutionär, wie seine Schlussfolgerungen über die Art des Zusammenspiels schrecklich falsch waren; durch die zusätzlich stark antisemitische Tendenz wurde er von der akademischen Diskussion weitgehend unbeachtet gelassen, obwohl sich manche seiner Ansätze eindeutig in Werken anderer Philosophen und Psychologen wiederfinden; drei Jahre nach Weiningers Tod wurde Sigmund Freud in einen Urheberrechtsstreit verwickelt; sein Freund Wilhelm Fliess, Hals-Nasen-Ohren-Arzt zu Berlin, beschuldigte ihn, über seinen Patienten Hermann Swoboda, der auch Weiningers Freund war, das Fliess’sche Konzept der „unbedingten Bisexualität aller Lebewesen (das auch den zentralen Ausgangspunkt in Weiningers Analyse der Geschlechter darstellt) ausgeplaudert zu haben; dies traf zu, die Idee stammte ursprünglich von Fliess, wurde aber von Weininger ausgeschlachtet; Freud stritt erst ab, gab dann aber später kleinlaut das Gegenteil zu; zuvor hatte es aber einen heftigen öffentlichen Schlagabtausch zwischen Swoboda und Freud auf der einen, Fliess und Richard Pfennig auf der anderen Seite gegeben; der Konflikt entzweite die Freunde und hinterliess bei allen Beteiligten einen bitteren Nachgeschmack; nach seiner spektakulären Selbsttötung gelangte Otto Weininger schnell zu – allerdings umstrittenem – Ruhm, für geistesgestört hielt ihn die psychiatrische Fachwelt, für dubios die philosophische und für genial die literarische Welt (oder zumindest Teile davon); Weiningers Ruf verbreitete sich durch ganz Europa, „Geschlecht und Charakter“ wurde zum Kultbuch, der Autor zur Legende; Weiningers Anhängerschaft bejahte euphorisch seine Genietheorie, seine Thesen waren in aller Munde, sein Antifeminismus wurde zur modernen Charakterologie der „neuen Frau“ verklärt, er beeinflusste eine ganze Generation in ihrer misogynen Grundstimmung; der Autor von „Geschlecht und Charakter“ wurde zum Inbegriff des Weiberfeindes, Judenhassers und Keuschheitsapostels; während es neun Jahre dauerte, bis die 600 Exemplare der ersten Auflage von Sigmund Freuds „Traumdeutung“ (erschienen 1900) verkauft waren, lag „Geschlecht und Charakter“ 1909 bereits in der elften Auflage vor, bis 1932 sollten achtundzwanzig weitere folgen; der Braumüller-Verlag druckte eigene Werbeprospekte mit zahlreichen Huldigungen, darunter die von Karl Kraus, der an der Spitze der Weininger-Anhängerschaft stand; Kraus widmete Weininger auch einen Nachruf, in dem er schrieb: „Dieser Selbstmord war in einem Anfall von geistiger Klarheit begangen … Weininger hatte Gründe, metaphysische und religiöse, im Beginn einer grossen Laufbahn das Leben wegzuwerfen …“; Strindberg ehrte Weiningers Gedächtnis „als das eines tapferen männlichen Kämpfers“ und verfasste ebenfalls einen Nachruf, den Karl Kraus in der „Fackel“ abdruckte: „Unabhängig von Ansichten ist wohl das Faktum, dass das Weib ein rudimentärer Mann ist .. es war dieses bekannte Geheimnis, das Otto Weininger auszusprechen wagte; es war diese Entdeckung des Wesens und der Natur des Weibes, die er in seinem männlichen Buche mitteilte, und die ihm das Leben kostete …“; die Liste illustrer Verehrer und Bewunderer ist lang; der Schriftsteller Arthur Trebitsch war einer der konsequentesten Weininger-Epigonen, es gelang ihm sogar, seine jüdische Abstammung beinahe vollkommen zu verheimlichen; er war stolz auf sein „arisches“ Erscheinungsbild und biederte sich bei Erich Ludendorff und Ernst von Salomon an, mit denen er die Welt vor der „semitischen Gefahr“ retten wollte; für den Maler und Zeichner Alfred Kubin war Weininger „der grösste Mensch dieses Jahrhunderts“, wie er einem Freund brieflich anvertraute; viele der frühen Zeichnungen Kubins wirken wie Illustrationen zu Weiningers Werk: wollüstige, riesige, spinnenverwandte Frauenkörper, in denen Männer unter- und an denen Männer zugrunde gehen; Kubins Zeichnung „Selbstmord“ zeigt geradezu eine Seelenverwandtschaft zu Weiningers Freitod; bedeutende Denker jener Tage, Georg Simmel, Henri Bergson, Fritz Mauthner, Ernst Mach und Alois Höfler setzten sich in Kollegs und Gegenschriften mit Weiningers Gedanken auseinander; Sigmund Freud erwähnte Weininger in einer Fussnote der „Analyse der Phobie eines fünfjährigen Knaben“ aus dem Jahr 1909: „Der Kastrationskomplex ist die tiefste unbewusste Wurzel des Antisemitismus, denn schon in der Kinderstube hört der Knabe, dass dem Juden etwas am Penis – er meint, ein Stück des Penis – abgeschnitten wurde, und dies gibt ihm das Recht, den Juden zu verachten. Auch die Überhebung gegen das Weib hat keine stärkere unbewusste Wurzel. Weininger, jener hochbegabte und sexuell gestörte junge Philosoph, der nach seinem merkwürdigen Buche „Geschlecht und Charakter“ sein Leben durch Selbstmord beendigte, hat in einem vielbemerkten Kapitel den Juden und das Weib mit der gleichen Feindschaft und mit den nämlichen Schmähungen überhäuft. Weininger stand als Neurotiker völlig unter der Herrschaft infantiler Komplexe: die Beziehung zum Kastrationskomplex ist das dem Juden und dem Weibe dort Gemeinsame“; auch an der Musik gingen Weininger und seine Theorien nicht spurlos vorüber: Franz Schreker hat sich intensiv mit Weininger auseinandergesetzt; Alexander Zemlinskys Oper „Der Zwerg“ (1922) ist von Weininger beeinflusst, das Libretto dazu schrieb Georg Klaren, der auch 1924 eine Monografie über Weininger herausbrachte; „Geschlecht und Charakter“ beeindruckte auch Arnold Schönberg und Alban Berg, dessen „Herz es pochen liess“ und der zahlreiche Passagen in eine Zitatensammlung aufnahm, die später in seine Oper „Lulu“ Eingang fanden; Theodor Lessing kritisierte 1930 in seinem Buch „Der jüdische Selbsthass“ in einer Fallstudie über Weininger dessen „wildbewegtes“ Buch und dessen Lehre, „welche doch nichts ist als ein tolles Naturspiel von krankhafter Verstiegenheit und von brutaler Willkür. Ich meine die krüde und rüde Lehre vom Judentum“, sie sei der Schlüssel zu dem ungeheuren Schicksal eines tragischen Selbsthasses, schreibt Lessing und bezeichnet Weininger als „jüdischen Ödipus und herakliteische Natur in einem“; Ernst Bloch nannte Weiningers Buch „eine einzige Anti-Utopie des Weibes“, der Schriftsteller Karl Bleibtreu meinte, Weiningers Tod sei im Grunde eine „höhnische Absage an unser Zeitalter“ gewesen; der Philosoph Ludwig Wittgenstein, der Weininger als Jüngling das letzte Geleit am Matzleinsdorfer Friedhof gegeben hatte, bewahrte für Weininger ein Leben lang positive Gefühle; Oswald Spengler nennt Weininger „einen Heiligen des Judentums“, „dessen Tod in einem magisch durchlebten Seelenkampf zwischen Gut und Böse einer der erhabensten Augenblicke später Religiosität ist“; Weininger sah seine Zeit nicht nur als „die jüdischste sondern auch die weibischste aller Zeiten“, er nannte sie „die Zeit des leichtgläubigen Anarchismus, die Zeit ohne Sinn für Staat und Recht“, allein damit sicherte er sich einen unumstrittenen Platz im Vorfeld des Faschismus; dennoch beendete der Nationalsozialismus den Siegeszug des Buches, es wurde verboten, da sein Autor Jude war; Adolf Hitler erzählte eines Abends in den langen Monologen im Führerhauptquartier Wolfsschanze, sein Münchner Freund Dietrich Eckart habe ihm versichert, es gebe nur „einen anständigen Juden … den Otto Weininger, der sich das Leben genommen hat, als er erkannte, dass der Jude von der Zersetzung anderen Volkstums lebt“; auch Mussolini gab an, von Weininger viel gelernt zu haben; Weininger diente im faschistischen Italien als Instrument zur Abwehr der „jüdisch-entarteten Psychoanalyse“ (u. a. Vorlesungen an der faschistischen Universität von Bologna); danach geriet Weininger in Vergessenheit, ist heute eigentlich nur noch ein Kuriosum; 1983 kam mit „Weiningers Nacht“ (im Original: „The Soul of a Jew“) ein international erfolgreiches Theaterstück des israelischen Dramatikers Joshua Sobol zur Uraufführung, das vielfach ausgezeichnet und 1989 auch verfilmt wurde; Jacques Le Rider veröffentlichte 1985 mit „Der Fall Weininger“ die bis dahin umfassendste Biographie Weiningers; nun soll Weininger in Zitaten noch selbst zu Wort kommen, zitiert ist aus „Geschlecht und Charakter“, vierte unveränderte Auflage, Verlag Wilhelm Braumüller, Wien und Leipzig, 1905: „Die sogenannten „Frauenkenner“, d. h. solche, die nichts mehr sind als nur „Frauenkenner“, sind darum alle zum guten Teile selbst Weiber“ (S. 68/69) – „Alle wirklich nach Emanzipation strebenden, alle mit einem gewissen Recht berühmten und geistig irgendwie hervorragenden Frauen weisen stets zahlreiche männliche Züge auf, und es sind an ihnen dem schärferen Blicke auch immer anatomisch-männliche Charaktere, ein körperlich dem Manne angenähertes Aussehen, erkennbar“ (S. 80/81) – „Chopin, den man sogar als den einzigen weiblichen Musiker bezeichnen könnte – so weibisch ist er“ (S. 82) – „Der Zustand der sexuellen Erregtheit bedeutet für die Frau nur die höchste Steigerung ihres Gesamtdaseins. Dieses ist immer und durchaus sexuell. W geht im Geschlechtsleben, in der Sphäre der Begattung und Fortpflanzung, d. i. im Verhältnisse zum Manne und zum Kinde, vollständig auf, sie wird von diesen Dingen in ihrer Existenz vollkommen ausgefüllt, während M nicht nur sexuell ist“ (S. 112) – „W befasst sich … mit aussergeschlechtlichen Dingen nur für den Mann, den sie liebt, oder um des Mannes willen, von dem sie geliebt sein möchte. Ein Interesse für diese Dinge a n s i c h fehlt ihr vollständig“ (S. 112/113) – „Dem entsprechend sind es ausschliesslich weiblichere Männer, die in einem fort hinter den Frauenzimmern her sind und an nichts Interesse finden als an Liebschaften und an geschlechtlichem Verkehre“ (S. 113) – „W ist nichts als Sexualität. M ist sexuell und noch etwas darüber“ (S. 113) – „Die Frau ist nur sexuell, der Mann ist auch sexuell“ (S. 114) – „Beim Weibe ist die Sexualität diffus ausgebreitet über den ganzen Körper, jede Berührung, an welcher Stelle immer, erregt sie sexuell“ (S. 115) – „Das Weib ist fortwährend, der Mann nur intermittierend sexuell“ (S. 115) – „Der Begattungstrieb ist für M sozusagen ein pausierendes Jucken, für W ein unaufhörlicher Kitzel“ (S. 115) – „Grob ausgedrückt: der Mann hat den Penis, aber die Vagina hat die Frau“ (S. 116) – „Bei W sind Denken und Fühlen eins, ungeschieden, für M sind sie auseinanderzuhalten“ (S 128) – „M lebt bewusst, W lebt unbewusst“ (S. 130) – „Die Frauen haben, wenn auch der äussere Schein für das Gegenteil sprechen mag, in Wahrheit gar keinen Sinn für das Genie, ihnen gilt jede Extravaganz der Natur, die einen Mann aus Reih und Glied der anderen sichtbar hervortreten lässt, zur Befriedigung ihres sexuellen Ehrgeizes gleich“ (S. 132) – „kein männliches Wesen ist ganz ungenial“ (S. 147) – „Die absolute Bedeutungslosigkeit der Frauen in der Musikgeschichte“ (S. 151) – „ … Darum ist auch die Baukunst eine durchaus männliche Sache, der weibliche Baumeister eine fast nur Mitleid weckende Vorstellung“ (S. 151) – „Frauen geht jegliches Unsterblichkeitsbedürfnis völlig ab“ (S. 166) – „Von Baco bis Fritz Mauthner sind alle Flachköpfe Sprachkritiker gewesen“ (S. 176) – „Es ist also richtig, dass das Weib keine Logik besitzt“ (S. 191) – „Das Weib also ist amoralisch“ (S. 194) – „ … es gehört zwar nicht eben viel dazu, der grösste englische Philosoph zu sein, aber Hume hat auch auf diese Bezeichnung nicht den ersten Anspruch“ (S. 197) – „die Geburt der Kantischen Ethik, des heroischesten Aktes der Weltgeschichte“ (S. 209) – „ … ein Mensch hat immer so viel Arroganz, als ihm Selbstbewusstsein fehlt“ (S. 218) – „Das Denken des Weibes ist ein Gleiten und ein Huschen zwischen den Dingen hindurch, ein Nippen von ihren obersten Flächen, denen der Mann, der „in der Wesen Tiefe trachtet“, oft gar keine Beachtung schenkt, es ist ein Kosten und ein Naschen, ein Tasten, kein Ergreifen des Richtigen. Darum, weil das Denken des Weibes vornehmlich eine Art Schmecken ist, bleibt auch Geschmack, im weitesten Sinne, die vornehmste weibliche Eigenschaft, das Höchste, was eine Frau selbständig erreichen, und worin sie es bis zu einer gewissen Vollendung bringen kann. Geschmack erfordert eine Beschränkung des Interesses auf Oberflächen …“ (S. 244/245) – „Kein Weib hat wirkliches Interesse für die Wissenschaft“ (S. 250) – „ … die Phantasie des Weibes ist Irrtum und Lüge, die Phantasie des Mannes hingegen, als Künstlers oder Philosophen, erst höhere Wahrheit“ (S. 251) – „eine Frau konversiert (kokettiert) oder schnattert, aber sie redet nicht. Am gefährlichsten aber ist sie, wenn sie stumm ist: denn der Mann ist nur allzu geneigt, Stummheit für Schweigen zu nehmen“ (S. 252) – „die tiefe Verlogenheit des Weibes“ (S. 252) – „ … alles weibliche Mitleid äussert sich in körperlicher Annäherung an das bemitleidete Wesen, es ist tierische Zärtlichkeit, es muss streicheln und trösten“ (S. 256) – „Frauen haben … keine Würde – die Dame wurde ja nur erfunden, um diesen Mangel auszufüllen“ (S. 260) – „So ist denn ein ganz umfassender Nachweis geführt, dass W seelenlos ist, dass es kein Ich und keine Individualität, keine Persönlichkeit und keine Freiheit, keinen Charakter und keinen Willen hat“ (S. 269) – „Es gibt kein Rechtsinstitut weiblichen Ursprungs, alles Recht rührt vom Manne, und nur viele Sitten vom Weibe her“ (S. 290) – „Die Mutterliebe kann sittlich nicht hochgeschätzt werden“ (S. 295) – „Die Hetäre steht in gewisser Beziehung über der Mutter“ (S. 297) – „Die geistig höchstentwickelten Frauen, alles, was dem Manne irgendwie Muse wird, gehört in die Kategorie der Prostituierten“ (S. 297) – „Bedeutende Menschen haben stets nur Prostituierte geliebt“ (S. 298) – „Das Ergänzungsverhalten zum Pöbel ist geradezu konstitutiv für den Politiker. Er kann überhaupt nur Pöbel brauchen“ (S. 302) – „Liebe und Begehren sind zwei so verschiedene, einander so völlig ausschliessende, ja entgegengesetzte Zustände, dass in den Momenten, wo ein Mensch wirklich liebt, ihm der Gedanke der körperlichen Vereinigung mit dem geliebten Wesen ein völlig undenkbarer ist … Der lügt oder hat nie gewusst, was Liebe ist, der behauptet, eine Frau noch zu lieben, die er begehrt: so verschieden sind Liebe und Geschlechtstrieb“ (S. 319) – „Es gibt nur „platonische“ Liebe. Denn was sonst noch Liebe genannt wird, gehört in das Reich der Säue. Es gibt nur eine Liebe: es ist die Liebe zur Beatrice, die Anbetung der Madonna“ (S. 319/320) – „In aller Liebe liebt der Mann nur sich selbst“ (S. 324) – „Liebe ist Mord. Der Geschlechtstrieb negiert das körperliche und das psychische, die Erotik noch immer das psychische Weib. Die ganz gemeine Sexualität sieht im Weibe einen Apparat zum Onanieren oder eine Kindergebärerin; man kann gegen das Weib nicht niedriger sein, als wenn man ihm seine Unfruchtbarkeit vorhält, und ein erbärmlicheres Zeugnis kann einem Gesetzbuch nicht ausgestellt werden, als wenn es die Sterilität eines Weibes als legalen Grund der Ehescheidung anführt“ (S. 334) – „Das Weib ist unfrei: es wird schliesslich immer bezwungen durch das Bedürfnis, vom Manne, in eigener Person wie in der aller anderen, vergewaltigt zu werden; es steht unter dem Banne des Phallus und verfällt unrettbar seinem Verhängnis“ (S. 377) – „Frauen haben keine Existenz und keine Essenz, sie sind nicht, sie sind nichts. Man i s t Mann oder man i s t Weib, je nachdem ob man wer i s t oder nicht“ (S. 388) – „Das Weib ist verlogen“ (S. 389) – „einen wahrhaft bedeutenden Menschen, der im Koitus mehr sähe als einen tierischen, schweinischen, ekelhaften Akt, oder gar in ihm das tiefste, heiligste Mysterium vergötterte, wird es, kann es niemals geben“ (S. 390) – „ … ob die Frauen überhaupt noch Menschen seien? Ob sie … nicht eigentlich unter die Tiere oder die Pflanzen gerechnet werden müssten?“ (S. 393) – „das Bedürfnis der Frau ist vielmehr, nur als Körper begehrt, und nur als fremdes Eigentum besessen zu werden“ (S. 396/397) – „Das Weib hat keine Möglichkeit einer Entwicklung, ausser durch den Mann“ (S. 400) – „Der höchste Augenblick im Leben des Weibes, der, in dem sein Ursein, die Urlust, sich offenbart, ist jener Moment, wo der männliche Same in es fliesst. Da umarmt es den Mann stürmisch und presst ihn an sich: es ist die höchste Lust der Passivität, stärker noch als das Glücksgefühl der Hypnotisierten“ (S. 402) – „ … das Weib sündigt nicht, denn es ist selbst die Sünde, als Möglichkeit im Manne. Der reine Mann ist das Ebenbild Gottes, des absoluten Etwas, das Weib, auch das Weib im Manne, ist das Symbol des Nichts: das ist die Bedeutung des Weibes im Universum, und so ergänzen und bedingen sich Mann und Weib“ (S. 403) – „ … das höchststehende Weib steht noch unendlich tief unter dem tiefststehenden Manne“ (S. 410) – „ … die bisherigen Deduktionen beziehen sich zuvörderst auf den arischen Mann und das arische Weib“ (S. 411) – „das Judentum scheint anthropologisch mit Negern wie mit den Mongolen eine gewisse Verwandtschaft zu besitzen. Auf den Neger weisen die so gern sich ringelnden Haare, auf Beimischung von Mongolenblut die ganz chinesisch oder malayisch geformten Gesichtsschädel, die man so oft unter den Juden antrifft, und denen regelmässig eine gelblichere Hautfärbung entspricht“ (S. 411) – „ … der Zionismus ist die Negation des Judentums, in welchem, seiner Idee nach, die Ausbreitung über die ganze Erde liegt“ (S. 417) – „dem Juden wie dem Weibe fehlt die Persönlichkeit“ (S. 418) – „So wenig wie es in der Wirklichkeit eine „Würde der Frauen gibt“, so unmöglich ist die Vorstellung eines jüdischen „gentleman“. Dem echten Juden gebricht es an jener inneren Vornehmheit, welche Würde des eigenen und Achtung des fremden Ich zur Folge hat. Es gibt keinen jüdischen Adel; und dies ist um so bemerkenswerter, als doch unter den Juden jahrtausendelange Inzucht besteht“ (S. 418) – „der echte Jude hat wie das Weib kein Ich und darum auch keinen Eigenwert“ (S. 418) – „Unbewusst nur achtet jeder Jude den Arier höher als sich selbst. Erst die feste und unerschütterliche Entschlossenheit, die höchste Selbstachtung sich zu ermöglichen, könnte den Juden vom Judentum befreien“ (S. 425) – „der Dekalog, das unmoralischeste Gesetzbuch der Welt“ (S. 426) – „Der jüdische Monotheismus hat mit echtem Glauben an Gott nichts, gar nichts zu tun, er ist vielmehr seine Negation, der „Afterdienst“ des wahren Dienstes … die Homonymität des Judengottes und des Christengottes die ärgste Verhöhnung des letzteren. Hier ist keine Religion aus reiner Vernunft; eher ein Altweiberglaube aus schmutziger Angst. Warum wird aber aus dem orthodoxen Jehovah-Knecht so rasch und leicht ein Materialist, ein „Freigeist“? Warum ist das Lessingsche Wort vom „Aufkläricht“, trotz der Einrede des wohl nicht ohne guten Grund antisemitischen Dühring, wie auf das Judentum gemünzt? Hier ist der Sklavensinn gewichen und hat seiner steten Kehrseite, der Frechheit, Platz gemacht: beide sind wechselnde Phasen eines und desselben Wollens im nämlichen Menschen “ (S. 427) – „Aus diesem Mangel an Tiefe wird auch klar, weshalb die Juden keine ganz grossen Männer hervorbringen können, weshalb dem Judentum, wie dem Weibe, die höchste Genialität versagt ist“ (S. 430) – „Die spezifische Art der Intelligenz, die dem Juden wie dem Weibe nachgerühmt wird, ist freilich … nur grössere Wachsamkeit ihres grösseren Egoismus“ (S. 432) – „Ein Genie ist Spinoza nicht gewesen. Es gibt keinen gedankenärmeren und keinen phantasieloseren Philosophen unter allen singulären Gestalten der Philosophiegeschichte“ (S. 432) – „Der Jude ist humorlos“ (S. 433) – „Juden und Weiber sind humorlos, aber spottlustig“ (S. 435) – „Juden und Frauen sind nichts und können darum alles werden“ [über „gesinnungslose“ „Journalistentalente“] (S. 436) – „Mag ein Mensch an Gott glauben oder nicht, es kommt nicht alles darauf an: wenn er nur wenigstens an den Atheismus glaubt. Das aber ist es eben: der Jude glaubt gar nichts, er glaubt nicht an seinen Glauben, er zweifelt an seinem Zweifel. Er ist nie ganz durchdrungen von seinem Jubel, aber ebensowenig fähig, völlig von seinem Unglück erfüllt zu werden. Er nimmt sich nie ernst, und darum nimmt er auch keinen anderen Menschen, keine andere Sache wahrhaft ernst“ (S. 437/438) – „Der Jude ist der unfromme Mensch im weitesten Sinne“ (S. 439) – „Der Jude ist nie schwärmerisch, aber er ist auch nicht eigentlich nüchtern; er ist nicht ekstatisch, aber er ist auch nicht trocken. Fehlt ihm der niedere wie der geistige Rausch, ist er so wenig Alkoholiker, als höherer Verzückung fähig, so ist er darum noch nicht kühl, und noch in weiter Ferne von der Ruhe überzeugender Argumentation: seine Wärme schwitzt, und seine Kälte dampft. Seine Beschränkung wird immer Magerkeit, seine Fülle immer Schwulst …“ (S. 439) – „der Jude empfindet seinen Unglauben als seine Überlegenheit, als den Witz, um den nur er weiss“ (S. 440) – „Innerliche Vieldeutigkeit … ist das absolut Jüdische, Einfalt das absolut Unjüdische“ (S. 443) – „Der Erlöser des Judentums ist der Erlöser vom Judentume“ (S. 450) – „Das jüdische Wesen hat metaphysisch gar keine andere Bestimmung, als dem Religionsstifter als der Sockel zu dienen“ (S. 451) – „ … der Christ ist der Sinn der Juden. Wenn also im Juden vielleicht noch immer die höchsten Möglichkeiten, so liegen doch in ihm die geringsten Wirklichkeiten; er ist wohl der zum Meisten veranlagte, und doch zugleich der innerlich des Wenigsten mächtige Mensch“ (S. 451) – „unsere Zeit ist nicht nur die jüdischeste, sondern auch die weibischste aller Zeiten …“ (S. 452) – „das Weib will koitiert werden, es will geschlagen werden …“ (S. 460) – „dieses Buch [das Weininger-Buch „Geschlecht und Charakter“] ist die höchste Ehre, welche den Frauen je erwiesen worden ist“ (S. 462) – „Forderung der Enthaltsamkeit für beide Geschlechter“ (S. 468) – „Also widerspricht der Koitus in jedem Falle der Idee der Menschheit … darum verachtet auch der Mann das Weib augenblicklich, sobald er es besessen hat, und das Weib fühlt, dass es nun verachtet wird, auch wenn es vor zwei Minuten sich noch vergöttert wusste“ (S. 470) – „Die Erziehung des Weibes muss dem Weibe, die Erziehung der ganzen Menschheit der Mutter entzogen werden“
  • 12. November 1880: Notabeln-Erklärung
  • 19.12.1880-18.8.1957: Aharon Rokeach, vierter Belzer Rebbe
  • 1880/1881: Kantorowicz-Affäre
  • 1880/1881: Antisemitenpetition
  • 1880-1937: Doris Wittner, Schriftstellerin (Romane, Novellen)

Bücher

  • M. S. Zuckermandel, Tosephta, Pasewalk 1880 (Textausgabe, im Nachdruck Jerusalem 1935 mit kritischen Ergänzungen von S. Lieberman)
  • A. Wünsche, Bibliotheca Rabbinica, 5 Bände, Leipzig 1880-1885 (Nachdruck Hildesheim 1967)
  • M. Friedmann (Hrsg.), Pesikta Rabbati, Midrasch für den Fest-Cyclus und die ausgezeichneten Sabbathe, Wien 1880

Zeitungen und Zeitschriften

1880 in Wikipedia