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1879

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Ereignisse

  • 12.8.1879-4.6.1965: Jonas Fränkel, geb. in Krakau, gest. in Riedegg bei Thun, sehr engagierter Literaturwissenschaftler (Germanist), der in seinem Leben viel Unrecht erleiden musste; Studium der Literaturgeschichte in Wien und Bern, 1902 Promotion, 1921-1949 a.o. Prof. für Literaturgeschichte an der Universität Bern; 1964 Ehrendoktorat der Schilleruniversität in Jena; Bearbeiter der offiziellen vom Kanton Zürich veranstalteten Gottfried-Keller-Ausgabe; literarischer Vertrauter und Ratgeber Carl Spittelers und somit Mitwirkender beim Entstehen neuer Grosswerke der Poesie; von der eingenommenen hohen Warte aus waltete Fränkel aber auch als Richter seines kritischen Amtes, unerbittlich, hart, oft auch mit Sarkasmen und selbst Hohn seine Opfer bedenkend, ein Mann, der keine Kompromisse einging, ein Feind aller lauwarmen Temperatur, so schuf er sich eine heimlich grollende, immer stärker anwachsende Gegnerschaft in einer Zeit allgemeinen Duckmäusertums; Kellers Nachlass durchforschend und bearbeitend, wich Fränkel von der landläufigen Auffassung ab, welche unter dem Dichter Keller vorab den Schöpfer des "Grünen Heinrich" und der Novellen versteht, stattdessen rückte er dessen Lyrik in den Vordergrund; die Gesamtausgabe war auf über 20 Bände veranschlagt; kaum aber hielten die Leser Kellers die von Fränkel herausgegebenen 17 Bände in Händen, lobpreisend, glücklich ob dem aus der Gruft des Nachlasses gehobenen, von den Schlacken der "Textverwitterung" gereinigten Schatz, so änderte sich die Szenerie, und Schatten zogen über die Bühne: Fränkel wurde vom Kanton Zürich die Herausgeber-Befugnis entzogen und gar seine vor Gericht geltend gemachten Urheberrechte abgesprochen; vielleicht ausgelöst durch Fränkels Buch "Gottfried Kellers politische Sendung", das zu schreiben er sich verpflichtet fühlte, als das berüchtigte Nazitreiben auch in der Schweiz mehr und mehr Bewunderer fand; mit Spittelers Werken machte Fränkel nur zögernd nähere Bekanntschaft; der Ton der biblischen Sprache im "Prometheus und Epimetheus" gemahnte ihn zu sehr an den von ihm bewunderten Zarathustra "und wirkte sich auf meine Aufnahmebereitschaft distanzierend aus", bekennt Fränkel in seinem Buch "Spittelers Recht. Dokumente eines Kampfes"; bis er in einer entscheidenden glücklichen Stunde doch am Pandorakapitel des Prometheus Feuer fing; "Seit jener Stunde", bekennt Fränkel, "war ich an Spitteler verloren. Es war die stärkste geistige Revolution, die mich in meinem Leben heimsuchte"; so angefeuert, las Fränkel auch den "Olympischen Frühling", der damals nur in der ersten Fassung vorlag; alsbald liess er in Hardens "Zukunft" eine Studie über Spitteler erscheinen, die so einsichtsvoll auf das Phänomen Spitteler einging, dass dieser sofort in Fränkel seinen Bruder im Geiste erkannte und ihn einlud, "ihm seine Sorgen und Nöte bei der Umarbeitung des Olympischen Frühlings . . . zu schlichten"; die Mitwirkung Fränkels an dieser Umgestaltung war intensiver und weitreichender als es die Gegner Fränkels wahrhaben wollen; Spitteler gestand in einem Vortrag, dass er den zweiten Teil "Hera die Braut" "ohne die Fürsprache Fränkels" aus dem Werke habe beseitigen wollen; auch wo sein Jugendfreund Widmann Bedenken hatte, hielt Spitteler an dem "hundertmal bewährten fabelhaft poetisch gescheiten Urteil" Fränkels fest; ohne dieses Urteil Fränkels besässen wir denn auch die grandiose unvergessliche Hochzeitsnacht des Zeus im II. Teil des Olympischen Frühlings nicht; an Emil Lohner in Bern schrieb Spitteler am 19. Mai 1916: "Seit Jahren veröffentliche ich kein Buch, das ich nicht zuvor der Begutachtung, keine Zeile, die ich nicht vorher dem Urteil Dr. Fränkels unterbreitet hätte"; und Dr. Bodmer, dem Präsidenten des Lesezirkels Hottingen, gegenüber erklärte Spitteler, Fränkel hätte von ihm ein für allemal jede Vollmacht erhalten, in seinen Angelegenheiten alles zu tun, was er für gut finde; dergleichen Zeugnisse und Erklärungen Spittelers finden sich immer wieder in Briefen; auch dass Spitteler 1919 den Nobelpreis erhielt, war der unermüdlichen Initiative Fränkels mitzuverdanken; nach Spittelers Tod wurde Fränkel von den Erbinnen (die in ihrer Entscheidung allerdings auch nicht frei und unbeeinflusst waren) nach und nach beiseite gedrängt; die Gesamtausgabe der Werke wurde der Eidgenossenschaft als Geschenk angeboten, schliesslich wurde Fränkel sogar der Zutritt zum Nachlass, an dem er selber 15 Jahre massgeblich mitgearbeitet hatte, untersagt; ein (zeitlich nicht einzuordnender) Aufsatz aus der "Literaturszene Schweiz" beschreibt die Vorgänge folgendermassen: "Als Will Vesper, Hitlers ergebenster Literat, im September 1936 in der Neuen Literatur forderte, die wissenschaftliche Gottfried-Keller-Ausgabe müsse "den störrischen Händen des jüdischen Herausgebers entwunden werden", da rannte er in der Schweiz quasi offene Türen ein. Er war unter helvetischen Fachgenossen von Anfang an verhasst gewesen, der aus Krakau stammende, seit 1909 als Privatdozent in Bern lebende Jonas Fränkel, hatte er doch die Autorisation der Zürcher Regierung nur erhalten, weil die Editionen von Ermatinger, Maync und Nussberger wissenschaftlich indiskutabel waren. Zugang zum Keller-Nachlass bekam er aber auch dann erst, als er sich verpflichtete, Ermatingers Edition der Keller-Briefe nicht zu kritisieren! Fränkel arbeitete, durch dauernde Rechtsstreitigkeiten zermürbt, langsamer als seine Vorgänger - 1939 lagen von insgesamt 24 erst 17 Bände fertig vor -, aber er war sachlich derart unanfechtbar, dass man ihm nur mit persönlichen Angriffen beikommen konnte. 1912 bereits war er im Basler "Samstag" als "Literaturjude" und "hergewehter Asiate" beschimpft worden, von dem man sich die grossen Schweizer Dichter nicht vermitteln lassen wolle. Als dann 1933 draussen im Reich der Antisemitismus hoffähig wurde, stellte man sich nicht etwa schützend vor den unflätig Beschimpften, sondern vollzog auf kaltem Wege, was der Führer befahl. Martin Bodmers Corona z. B. legte 1938 dem Heft mit dem Briefwechsel Keller-Vieweg einen Zettel bei, auf dem sie sich vom Herausgeber Fränkel distanzierte. Im Zürcher Kantonsrat fiel Regierungsrat Hafner am 24.11.1941 über Fränkels mutiges Buch Gottfried Kellers politische Sendung her und zitierte das ominöse Wort von der "hebräischen Bosheit". Professor Max Nussberger aber, der unterlegene Konkurrent von 1921, durfte am 9.5.1942 im Zürcher Volksrecht ungestraft schreiben, mit seiner Edition arbeite Fränkel "seit 20 Jahren daran, die Werke Kellers ins Hebräische zu übersetzen!" So kam denn alles, wie es kommen musste. Die Zürcher Regierung zwang Fränkel zum Verzicht auf die Herausgeberschaft und setzte 1942 den im Reich unverdächtigen Carl Helbling zu seinem Nachfolger ein. Und nicht viel anders erging es Fränkel mit der Spitteler-Werkausgabe, welche ihm der Dichter noch selbst übertragen hatte. Nach jahrelangen Intrigen betraute Bundesrat Etter 1944 nicht Fränkel, sondern dessen Gegenspieler Altwegg, Faesi und Bohnenblust mit der "ehrenvollen nationalen Aufgabe". 1927, es ging um die Benützung des Keller-Archivs durch Fränkel, befürwortete SSV-Präsident Moeschlin Karl Naef gegenüber die völlige Freigabe: "Sonst behält der Kerl schliesslich noch das moralische Recht auf seiner Seite." - Eine Befürchtung, die sich voll bewahrheitet und der Schweizer Germanistik der ersten Jahrhunderthälfte eine schwere, noch immer nicht abbezahlte Hypothek hinterlassen hat"; allerdings war Jonas Fränkel tatsächlich ein Polemiker von einer Schärfe, einer Treffsicherheit und einer argumentativen Virtuosität, wie es ihn in der Schweiz vor ihm nicht gegeben hat und wie es ihn leider, leider auch heute nicht mehr gibt; und tatsächlich wird der tödliche Hass, mit dem ihn die Ordinarien von Zürich und Basel, Ermatinger und Nussberger, sowie deren Schüler, Freunde und Günstlinge verfolgten, nur verständlich, wenn man Fränkels kritische Essays über deren editorische und biographische Bemühungen kennt, in denen ihnen auf überzeugende und unwiderlegbare Weise jegliche Befähigung für ihr Tun abgesprochen worden ist; zur Folge hatte dies aber u. a., dass Fränkels akademische Karriere zu Ende war; wo immer sich Fränkel, mehrfach von Carl Spitteler empfohlen und unterstützt, um eine Professur bewarb, wurde er "seines polemischen Temperaments wegen" abgewiesen, obwohl es damals kaum einen amtierenden Lehrstuhlinhaber gab, der ihm fachlich-wissenschaftlich das Wasser hätte reichen können; was Fränkel, der in ebenso unschweizerischer wie undiplomatischer Weise frank und ohne Rücksicht auf Verluste alles, was er für richtig erkannt hatte, offen heraussagte, nicht hinderte, weiterhin kritisch tätig zu sein; am brillantesten, vernichtendsten und folgenreichsten im Jahre 1928 im 29. Band der Zeitschrift "Euphorion", wo er die Keller-Ausgaben der Professoren Emil Ermatinger (Zürich), Max Nussberger (Basel) und Harry Maync (Bern) derart materialreich und überzeugend als dilettantische Fehlleistungen entlarvte, dass die philologische Kompetenz und die berufliche Reputation der selbsternannten Keller-Spezialisten für Eingeweihte endgültig kompromittiert war
  • 17.8.1879-31.1.1974: Samuel Goldwyn, US-amerikanischer Filmproduzent und Hollywood-Pionier

Bücher

  • Carl Brisch, Geschichte der Juden in Cöln und Umgebung, Mülheim a. Rh. 1879
  • Isaac Gastfreund, Die Wiener Rabbinen seit den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart, Wien 1879
  • Stern, Die Lehrsätze des neugermanischen Judenhasses
  • A. Schwarz, Die Tosifta des Tr. Sabbath, in ihrem Verhältnis zur Mischna, Karlsruhe 1879
  • J. Guttmann, Die Religionsphilosophie des Abraham Ibn Daud, Göttingen 1879

Zeitungen und Zeitschriften

  • 1879: El Sol, in Istanbul in Spaniolisch erscheinend
  • 1879: New York: Gründung The American Hebrew, Wochenblatt unter der Leitung von Philip Cowen, unterstützte den orthodoxen Standpunkt gegen Bestrebungen des Reformjudentums, erschien 1879-1945, letzter Redakteur war Isaac Landman

1879 in Wikipedia