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1881

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Ereignisse

  • 1881: in Wien Gründung des ersten österreichischen Vereins für Palästinakolonisation, "Ahawath Zion" (56 Mitglieder), durch Ruben Bierer; der Verein, der bald in anderen Orten Zweigvereine bildete, bestand nominell bis 1885, konnte aber nur ein Jahr – mit mässigem Erfolg – arbeiten
  • 28.1.1881-3.12.1926: Siegfried Jacobsohn, deutscher Journalist und begnadeter Theaterkritiker jüdischer Herkunft, geb. Berlin, gest. Berlin; Gründer der Zeitschrift „Die Schaubühne“ (7.9.1905), 1918 in die legendäre „Weltbühne“ umgewandelt. Jacobsohn war Tucholskys Mentor und Freund. Die Weltbühne: Wochenzeitschrift, zunächst theaterfachlich, später allgemein politisch-kulturell mit radikaldemokratisch-pazifistischer Tendenz, geleitet 1905-1926 von Jacobsohn, 1926/27 von K. Tucholsky, 1927-1933 von C. von Ossietzky; erschien nach Verbot 1933 (das Archiv wurde konfisziert und ist seither verschollen) als „Neue Weltbühne“ in Prag; Neugründung 1946 in Berlin (Ost), 1993 eingestellt; einige Werke Jacobsohns: Das Theater der Reichshauptstadt, 1904; Max Reinhardt, 1910 (5. Aufl. 1921); Das Jahr der Bühne, 1912-1921 (10 Bände Theaterkritiken); Der Fall Jacobsohn, 1913; Die ersten Tage, 1917
  • 1. März 1881: Russland. Erst unter Alexander II. durften einige reiche russische Juden ausserhalb der Ghettos wohnen und ihre Kinder auf höhere Schulen schicken. Seine Ermordung am 1. März 1881 aber löste eine Pogromwelle aus: Staatlich lancierte Gerüchte lasteten den Mord und die schlechte Versorgungslage der jüdischen Minderheit an, um den Unzufriedenen ein Ventil für das Ausbleiben einer vom Zaren versprochenen Landreform zu öffnen. In den Folgemonaten verwüsteten und plünderten arbeitslose verarmte Bauern, die sich dabei auf einen angeblichen Zaren-Befehl beriefen, über 100 jüdische Gemeinden vor allem in der Ukraine. Die Behörden blieben untätig, und die christliche Stadtbevölkerung duldete die Übergriffe. Nur wenige orthodoxe Kleriker versuchten, die Bauern von den Exzessen abzubringen. Zar Alexander III. verordnete dann am 3. Mai 1882 Knebelgesetze, die die Juden an freier Berufswahl hinderten, ihnen die Gewerbefreiheit nahmen und sie vielfach in noch grössere Armut stürzten. Der Prozentanteil jüdischer Gymnasiasten wurde auf 10 Prozent beschränkt. Diese deutliche Verschlechterung der Situation löste die erste Alija (Einwanderungswelle) von Juden nach Palästina aus. In dieser Zeit begannen einige Intellektuelle gegen die judenfeindlichen Staatsmassnahmen zu protestieren, darunter Odessas Erzbischof Nikanor. Auch der „russische Lessing“, der Religionsphilosoph Wladimir Sergejewitsch Solowjow, setzte sich neben der Wiedervereinigung von orthodoxer und katholischer Kirche für nachhaltige gegenseitige Achtung von Juden und Christen ein („Das Judentum und die christliche Frage“, 1884). Er fand die volle Zustimmung von Leo Tolstoj. Andererseits griff die judenfeindliche Hetze gerade in der Priesterschaft um sich. Bildungsrückstand und traditionelle Verbindung von staatlicher Despotie und Kirche trugen dazu bei. So fand die Ritualmordanklage im 19. Jhdt. gerade in Russland prominente Fürsprecher und Popularität. Seit 1881 kam die Gleichsetzung des Judentums mit revolutionären Umtrieben hinzu, die wegen der Bildung einer jüdischen sozialistischen Partei und dem relativ hohen Anteil von Juden in der russischen Sozialdemokratie plausibel wirkte. Die Gegenrevolutionäre vereinten sich in Gruppen wie dem „Bund des russischen Volkes“ oder dem „Erzengel-Michael-Bund“, die unter orthodoxen Priestern viel Zulauf fanden. Die Pogrome seit 1881 lösten die jüdische Amerikawanderung aus, doch ermöglichte die Auslesepolitik der Regierung das Entstehen einer russisch gebildeten jüdischen Grosskaufmann- und Akademikerschaft in den Hauptstädten, die die Führung im Kampf um die Gleichberechtigung in Russland und in der zionistischen Bewegung übernahm; der bolschewistische Umsturz, an dem auch Intellektuelle jüdischer Herkunft (manche sagen: massgeblichen oder sogar überwiegenden) Anteil hatten, bekämpfte dann die jüdische Religion ebenso wie den Zionismus, vernichtete das jüdische Bürgertum, deklassierte das jüdische Handwerk, förderte aber jüdische Industriearbeiter und (mit Hilfe des Agrojoint) Landwirte
  • 11.6.1881: Theodor Herzl schlägt als Burschenschafter der Albia seine einzig bekannt gewordene Mensur, sekundiert durch Franz Staerk, den späteren Architekten und Vizebürgermeister von Graz
  • 24.11.1881–31.3.1947: Erwin Magnus, deutscher Schriftsteller und Übersetzer für skandinavische Literatur
  • 28.11.1881-23.2.1942: Stefan Zweig, geb. in Wien, Selbsttötung in Petropolis (Brasilien, bei Rio de Janeiro), bedeutender österreichisch-jüdischer Schriftsteller, erfolgreich besonders als virtuoser Novellist; wegen seines wirtschaftlichen Erfolgs kalauernd auch der "Erwerbszweig" genannt; Vetter von Max Zweig; pazifistisch-humanistischer Mittler zwischen den Völkern; geboren als Sohn des wohlhabenden Textilunternehmers Moritz Zweig; die Eltern waren nicht religiös, Zweig selbst bezeichnete sich später als „Juden aus Zufall“; er pflegte einen grossbürgerlichen Lebensstil und reiste viel, unter anderem besuchte er 1910 Indien und 1912 Amerika, diese Reisen verschafften ihm immer wieder Kontakte zu anderen Schriftstellern und Künstlern, mit denen er oft lang anhaltende Korrespondenzen führte; Zweig wurde zum Kriegsgegner, auch unter dem Einfluss von Romain Rolland; 1917 wurde Zweig vom Militärdienst erst beurlaubt, später ganz entlassen, er zog nach Zürich und arbeitete dort u. a. als Korrespondent für die Wiener Neue Freie Presse; nach Kriegsende kehrte er nach Österreich, nach Salzburg, zurück, heiratete 1920 Friderike von Winternitz; Stefan Zweig trat vehement gegen Nationalismus und Revanchismus ein und warb für die Idee eines geistig geeinten Europas; 1928 bereiste er die Sowjetunion, wo seine Bücher auch auf russisch erschienen; 1930 widmete er sein Buch „Heilung durch den Geist“ Albert Einstein, den er in dessen Exil in Princeton in der Kirche und im Leseraum der Christian Science besuchte; 1933 Reise nach Südamerika, 1934 emigrierte Zweig nach London, 1936 wurden Zweigs Bücher in Deutschland verboten; seine erste Ehe wurde 1938 geschieden, seine zweite Ehe ging er 1939 mit Charlotte Altmann ein; nach Ausbruch des 2. Weltkrieges nahm Stefan Zweig die englische Staatsbürgerschaft an, über New York, Argentinien und Paraguay gelangte er schliesslich 1940 nach Brasilien; am 22.2.1942 beging Zweig mittels Einnahme einer Überdosis des Barbiturats Veronal Suizid; seine Frau Charlotte Altmann wartete seinen Tod ab, legte sich danach mit einer Überdosis Morphium neben ihn und starb ebenfalls; somit war der Suizid Stefan Zweigs „aus freiem Willen und mit klaren Sinnen“, aus Schwermut über die Zerstörung seiner „geistigen Heimat Europa“ wohl eine Folge seiner von ihm selbst so gesehenen Perspektivlosigkeit im Exil, seiner Verzweiflung über das NS-Regime – wie auch eine Folge seiner psychischen Labilität; Stefan Zweig begann mit Lyrik („Silberne Saiten“, 1901; „Die frühen Kränze“, 1906), Dramen („Tersites“, 1907; „Das Haus am Meer“, 1912; „Der verwandelte Komödiant“, 1913; „Jeremias. Eine dramatische Dichtung in neun Bildern“, 1917; „Legende eines Lebens“, 1919; „Ben Johnson’s Volpone. Eine lieblose Komödie in drei Akten“, 1926; „Das Lamm des Armen“, 1929) und Novellen („Die Liebe der Erika Ewald“, 1904; „Erstes Erlebnis. Vier Geschichten aus Kinderland“, 1911; „Angst“, 1920; „Amok. Novellen einer Leidenschaft“, 1922; „Die Augen des ewigen Bruders“, 1925; „Verwirrung der Gefühle. Drei Novellen“, 1927; „Der begrabene Leuchter“, 1937), entwickelte sich dann zu einem von Freud beeinflussten biografischen Essayisten; Sammelbände: „Drei Meister“, 1920; „Die Heilung durch den Geist. Mesmer – Mary Baker Eddy – Freud“, 1931; „Baumeister der Welt“, 1936; Einzelbände: „Das Herz Europas“, 1918; „Fahrten“, 1919; „Drei Meister. Balzac – Dickens – Dostojewski“, 1920; „Marceline Desbordes-Valmore“, 1920; „Romain Rolland“, 1921; „Brief einer Unbekannten“, 1922; Frans Masereel“ (mit Arhur Holitscher), 1923; „Der Kampf mit dem Dämon. Hölderlin – Kleist – Nietzsche“, 1925; „Der Flüchtling“, 1927; „Abschied von Rilke“, 1927; „Drei Dichter ihres Lebens. Casanova – Stendhal – Tolstoi“, 1928; „Joseph Fouché. Bildnis eines politischen Menschen“, 1929; „Marie Antoinette. Bildnis eines mittleren Charakters“, 1932; „Triumph und Tragik des Erasmus von Rotterdam“, 1934; „Maria Stuart“, 1935; „Castellio gegen Calvin oder Ein Gewissen gegen die Gewalt“, 1936; „Begegnungen mit Menschen, Büchern, Städten“, 1937; „Magellan. Der Mann und seine Tat“, 1938; „Brasilien. Ein Land der Zukunft“, 1941; „Balzac. Roman seines Lebens“ (postum) 1946; Opernlibretto „Die schweigsame Frau. Komische Oper in drei Aufzügen“, 1935 (komponiert von Richard Strauss); spätere Erzählwerke: „Sternstunden der Menschheit. Fünf historische Miniaturen“, 1927 (zählt bis heute zu seinen erfolgreichsten Büchern); „Ungeduld des Herzens. Roman“, 1939; „Schachnovelle“, 1942; „Legenden“ (postum) 1945; „Die Welt von Gestern. Erinnerungen eines Europäers“, posthum 1942; „Zeit und Welt. Gesammelte Aufsätze und Vorträge 1904-1940“, 1943; Tagebücher, 1984; Briefe, 4 Bände; Briefwechsel mit Friderike Zweig 1912-1942; weitere Ausgaben der Briefe; neben eigenen Erzählungen und Essays arbeitete Zweig auch als Übersetzer der Werke Verlaines, Baudelaires und insbesondere Emile Verhaerens sowie als Journalist

Bücher

  • J. Abrahams, The sources of the Midrash Echah rabbah, Dessau 1881
  • Ch. M. Horowitz, Sammlung kleiner Midraschim, I. Teil, Berlin 1881 (2. und 3. Teil: Frankfurt/M. 1881-1882)
  • C. Zander, Handbuch, enthaltend die sämmtlichen Bestimmungen über die Verhältnisse der Juden im preussischen Staate, Leipzig 1881

Zeitungen und Zeitschriften

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