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1883

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Ereignisse

  • 7.3.1883: Der „cand. iur. Theodor Herzl“ beantragt als „inactiver Bursch“ die Entlassung aus der „Wiener Akademischen Burschenschaft Albia“ wegen dortiger antisemitischer Vorkommnisse im Zusammenhang mit dem kürzlich stattgefundenen „Richard-Wagner-Commers“ (kurz darauf wird er aus der Mitgliederliste gestrichen).
  • 23.9.1883-25.8.1936: Grigori Sinowjew (Gregor Sinowjew / Grigorij Jewsejewitsch Sinowjew, russ.: Григорий Евсеевич Зиновьев, eigentlich: Gerson Apfelbaum / Owsej-Gerschen Aronowitsch Radomyschelski-Apfelbaum; einige Quellen bestreiten den Namen "Apfelbaum" überhaupt), geb. in Nowomirgorod im Gouvernement Cherson (allerdings übersiedelten seine Eltern bereits in seiner frühesten Kindheit nach Jelisawetgrad, heute Kirowohrad, Ukraine, wo er bis zu seinem 20. Jahr lebte; im Übrigen wurde im Jahr 1923 Jelisawetgrad zu seinen Ehren auf Sinowiewsk umbenannt); hingerichtet in Moskau, war hervorragender bolschewistischer Politiker, bedeutender Organisator der kommunistischen Partei, talentvoller Redner; seit 1903 Bolschewik; in der Schweiz lernte er Lenin kennen, zu dessen vertrautesten Mitarbeitern er bald gehörte, besonders durch sein Schreibtalent, das er Lenin ausgiebig zur Verfügung stellte; bis zur Revolution 1917 lebte er meistens im Ausland als Emigrant und beteiligte sich publizistisch an den Organen der bolschewistischen Partei, kehrte 1917 mit Lenin nach Russland zurück und war seit dem Sieg der Bolschewistenpartei in Russland bis Anfang 1926 Vorsitzender des Sowjets von Petersburg, Mitglied des "Politischen Büros" der russischen Kommunistischen Partei und Vorsitzender der Exekutive der Kommunistischen (Dritten) Internationale, wodurch er besonders im Ausland bekannt wurde; nach dem Tode Lenins 1924 war Sinowjew einer der drei Parteiführer, die die tatsächlichen Beherrscher Sowjetrusslands wurden (seine zahllosen Reden bestanden fast ausschliesslich aus Variationen der Gedankengänge von Lenin); von 1921 bis 1926 war Sinowjew Mitglied des Politbüros des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Russlands (dem Vorgänger der KPdSU); ursprünglich ein enger Weggefährte von Stalin, wurde er im Zuge der stalinistischen "Säuberungen" hingerichtet; Sinowjew, jüdischer Abstammung, mit ursprünglichem Familiennamen Radomyslski (Радомысльский), blieb enger Vertrauter Lenins; trotz seines gemeinsam mit Kamenew offen geäusserten Widerspruchs zu einigen Ansichten Lenins behielt er dessen Vertrauen und blieb sein engster Mitarbeiter und Sprecher; als Vorsitzender des Leningrader Sowjets und Chef der Komintern erlangte er grossen Einfluss; nach Lenins Erkrankung und Tod bildete er zusammen mit Stalin und Kamenew zunächst das sogenannte Triumvirat, den engsten Machtzirkel der Kommunistischen Partei, um den gemeinsamen innerparteilichen Kontrahenten Leo Trotzki, den militärischen Führer der Revolution und Volkskommissar für Armee und Flotte, von der Macht fernzuhalten; im Rechenschaftsbericht des ZK der KPR(B) von 1923 vermerkte Sinowjew: „Wir sind gezwungen, die Weisungen Lenins durch kollektive Arbeit zu ersetzen“; wohlweislich verschwieg er allerdings, dass Lenin bereits Ende 1922 einen Brief an den Parteitag verfasst hatte, in dem er den derzeitigen Mitgliedern des Politbüros die Eignung als seine Nachfolger abgesprochen und insbesondere vor Stalin gewarnt hatte; erst 1924, nach Lenins Tod, verlas Sinowjew diesen Brief, aber, um Widerstand zu ersticken, nur jeder Delegation einzeln; gleichzeitig betrieb Sinowjew jedoch, von der zunehmenden Machtfülle Stalins beunruhigt, im Geheimen dessen Sturz; 1923 traf er sich mit anderen führenden Funktionären zu einer geheimen Beratung im Kaukasus, um geeignete Massnahmen sowohl gegen Stalin als auch gegen Trotzki zu besprechen; der Plan scheiterte am Widerstand einiger Stalin-Anhänger und wurde dem Generalsekretär zugetragen; Stalin vergass das nicht, und Sinowjew bezahlte es später mit seinem Leben; im Bestreben, sich zu rehabilitieren, forderten Sinowjew und Kamenew den Parteiausschluss Trotzkis, der weiter gegen das Triumvirat opponierte; Sinowjew über Trotzki vor dem ZK: „Warum duldet ihr diesen Hundekadaver im Politbüro?“ Stalin sah seine Chance gekommen, sich aller Widersacher zu entledigen, indem er sie gegeneinander ausspielte; auf einem Plenum 1925 distanzierte er sich offiziell von Sinowjew, Kamenew und deren Forderung, entzog aber gleichzeitig Trotzki seinen Posten als Armeechef; Sinowjew sah seinen Fehler zu spät ein; ein Zweckbündnis mit Kamenew und Trotzki ab 1926, um dem "Diktator" Einhalt zu gebieten, wurde von anderen Funktionären vereitelt; Sinowjew verlor seine Funktionen als Vorsitzender der Komintern und als Leningrader Parteichef, wurde als angeblicher Drahtzieher einer Verschwörung aus dem Politbüro, 1927 aus der Partei ausgeschlossen, später unter Reuebezeugungen wieder aufgenommen, erneut ausgeschlossen und nach Sibirien verbannt; unter erzwungener öffentlich bekennender Abkehr von jeglicher Opposition durfte er 1933 in die Partei zurückkehren und wurde Anfang 1934 zum Rektor der Universität in Swerdlowsk (Ural) ernannt, während Stalin schon dessen definitive Vernichtung plante; hierfür konstruierte Stalin die Verschwörungstheorie, es gäbe einen trotzkistisch-sinowjewschen Block, die er später - mit Blick auf die Abstammung der Beklagten - noch durch antisemitische Ausfälle erweiterte; 1936 wurde Sinowjew entgegen Stalins Zusagen unter absurden, unter Folter erpressten „Geständnissen“ (er musste sich u. a. selbst als Faschisten bezeichnen) zusammen mit anderen in einem ersten inszenierten Moskauer Schauprozess zum Tode verurteilt und in der Moskauer Lubjanka erschossen; die Urteile waren, wie Chruschtschow später berichtete, schon vor dem Prozess von Stalin persönlich abgesegnet worden; die Familienangehörigen Sinowjews und der anderen Ermordeten wurden in Gulags deportiert oder ebenfalls umgebracht; der Name Sinowjew ist auch verbunden mit dem "Sinowjew-Brief" (1924) an die Kommunistische Partei Grossbritanniens; dieser Brief, der einen Aufruf zum offenen Aufruhr enthielt, belastete die eben erst hergestellten diplomatischen Beziehungen zwischen der Sowjetunion und Grossbritannien schwer (die Autorschaft von Sinowjew ist jedoch umstritten)
  • 28.12.1883-22.1.1945: Alfred Wolfenstein, geb. in Halle (Saale) (nach anderen Quellen geb. am 28.12.1888); Selbsttötung in Paris, bedeutender expressionistischer Lyriker, Dramatiker, Übersetzer (u. a. Shelley) und Essayist ("Jüdisches Wesen und deutsche Dichtung", 1922); er zog mit seiner Familie 1901 nach Berlin; studierte an der Berliner Universität Rechtswissenschaften, legte das Staatsexamen ab und wurde 1915 zum Gerichtsreferendar ernannt; Alfred Wolfenstein heiratete 1916 Henriette Hardenberg, gestand jedoch später ein, homosexuell zu sein; die Ehe scheiterte und wurde 1930 geschieden; bereits 1912 erschien Wolfensteins erstes Gedicht in der durch Franz Pfemfert herausgegebenen Zeitschrift "Die Aktion"; durch diese Veröffentlichung bezog Wolfenstein nicht nur literarisch, sondern auch politisch Stellung, denn diese Zeitschrift bot neben expressionistischen Künstlern auch Politikern links der SPD ein bekanntes Forum; Wolfenstein veröffentlichte weitere Gedichte - sein wohl bekanntestes Gedicht, "Städter", erschien 1914 - und gab mit dem zweibändigen Werk Die Erhebung (1919/1920) die wichtigste theoretische Sammlung der expressionistischen Bewegung heraus; 1922 kehrte er aus München, wo er seit 1916 gelebt hatte, wieder nach Berlin zurück; 1930 erhielt er für seine Rimbaud-Übersetzungen den ersten deutschen Übersetzerpreis; Wolfenstein übersetzte auch Paul Verlaine, Gérard de Nerval und Werke des französischen sozialkritischen Schriftstellers Victor Hugo; aus dem Englischen übertrug Wolfenstein Gedichte Victor Hugos und Werke Emily Brontës; in den Jahren der Weimarer Republik trat Wolfenstein auch als Dramatiker in Erscheinung und verfasste 1929 ein gegen die Todesstrafe gerichtetes Theaterstück, "Die Nacht vor dem Beil"; Wolfenstein bekannte sich weiter zum Pazifismus; nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde Wolfenstein gewarnt, er stehe auf der "schwarzen Liste"; er verliess Böhmen nach dem Münchener Abkommen und flüchtete nach Paris; bei dem Versuch, sich den Besatzungstruppen 1940 erneut zu entziehen, wurde er in Loire verhaftet und drei Monate im Pariser Gefängnis La Santé festgehalten; nach dreimonatiger Haft lebte Wolfenstein unter anderem mit dem Decknamen Albert Worlin in Südfrankreich; in den Verfolgungsjahren hatte sich Wolfenstein eine schwere Herzerkrankung zugezogen, derentwegen er nach Paris zurückkehrte; am 22. Januar 1945 nahm er sich in Paris das Leben; der in den Kriegsjahren verfasste Gedichtzyklus "Der Gefangene" erschien erst in den 1970er Jahren
  • 1883–1947: Fischel Lachower, neuhebräischer Schriftsteller, Kritiker und Literarhistoriker

Bücher

Zeitungen und Zeitschriften

  • 1883-1886: In den Jahren von 1883 bis 1886 erscheint in Mainz die antisemitische Zeitschrift Die Wucherpille

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