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1889

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Ereignisse

  • 1889: Lessmann Verlag (Berlin SW 68, Lindenstr. 69) gegründet von Max Lessmann, verlegte hauptsächlich Zeitschriften
  • 1889: B’nei Mosche, ein zunächst geheimer elitärer jüdisch-nationaler Verein, 1889 in Odessa von Achad Haam gegründet, mit dem Ziel, das jüdische Volk durch die Kolonisation Palästinas für die geistige und körperliche Wiedergeburt zu erziehen; die Zentrale kam 1890 nach Warschau und wurde 1893 nach Jaffa verlegt; nach Herzls Auftreten und der Gründung der zionistischen Organisation löste der Verein sich 1897 auf
  • 1889: Rosa Luxemburg flieht vor einer drohenden Verhaftung in die Schweiz.
  • 1889: Friedrich Ollendorff geboren, jüdischer Sozialpolitiker
  • 1889: Eduard Heimann geboren, Volkswirtschaftler
  • 1889: Felix Langer geboren, Schriftsteller (Dramen)
  • 1889: Friedrich Raff geboren, Schriftsteller (Dramen, Gedichte)
  • 1889: Fritz Schiff geboren, Mediziner (Blutgruppenforschung) in Berlin
  • 1889: Walter Hirschberg geboren, Komponist; Spätromantiker
  • 1889: Willibald Gurlitt geboren, Musikhistoriker
  • 1889: Hans Behrendt in Berlin geboren, Regisseur (u. a. „Die Hose“) (umgekommen 1942 auf einem Transport von Paris nach Auschwitz)
  • 1889: Otto Gutfreund geboren, jüdischer Bildhauer in Prag
  • 1889: Waldo David Frank geboren, US-amerikanisch-jüdischer Schriftsteller
  • 1889: Nathan Altman in Winniza (Ukraine) geboren. Maler, Graphiker und Bildhauer, suchte eine Verbindung ostjüdischer Volkskunst mit modernen Tendenzen.
  • 1889: Eleasar Lipa Sukenik (auch: Elieser / Eliezer Lipa Sukenik) in Bialystok geboren, jüdischer Archäologe in Jerusalem, Ersterwerber der ersten Qumran-Rollen, Vater Jigael Jadins; E. L. Sukenik starb 1953 in Jerusalem
  • 10.1.1889–8.1.1972: Paul Nettl, geb. in Hohenelbe/Böhmen, gest. in Bloomington 1972, Musikologe, Dr. iur. et phil., 1915-1918 Kriegsdienst bis zum Leutnant, 1924 Prof. in Prag, 1933-1939 Musikdirektor des deutschen Rundfunks in Prag, dann in die USA emigriert, wo er erst in Princeton lehrte, 1946-1959 Prof. der Univ. of Indiana in Bloomington, publizierte besonders über Mozart (1955 ff.): Mozart als Freimaurer und Mensch, 1956 (engl. 1957); Mozart und der Tanz, 1960; aber u. a. auch über Händel, 1958; weitere Werke: Alte jüdische Spielleute und Musiker, 1923; Mozart in Böhmen, 1940; Story of Dance Music, 1947; Luther and Music, 1948; Tanz und Musik, 1962; Folk and Traditional Music of the Western World, 1965; - Paul Nettl war zusammen mit seinem Bruder Anton 1915 zum Katholizismus konvertiert, schloss sich später jedoch der tschechoslowakischen nationalen Kirche (Hussiten) an; nach der Emigration in die USA besuchte er gelegentlich presbyterianische Gottesdienste
  • 15.1.1889–Aug. 1942: Walter Serner (eigentlich Walter Eduard Seligmann), geb. in Karlsbad, Böhmen; ermordet in einem Lager bei Minsk, Essayist, Schriftsteller und Dadaist; sein Manifest Letzte Lockerung gilt als einer der wichtigsten Dada-Texte; er schrieb auch unter anderen Pseudonymen: Seinen ersten Prosatext unterzeichnete er mit Wladimir Senakowski, einen Brief an seinen Verleger mit A. D., eine Rezension seines eigenen Geschichtenbandes Zum blauen Affen unter dem Namen seines Freundes Christian Schad; der junge Walter Seligmann konvertierte kurz nach seinem Abitur 1909 vom Judentum zum Katholizismus und nahm den Nachnamen Serner an; im selben Jahr begann er ein Jurastudium in Wien und veröffentlichte parallel Beiträge zu Theater und bildender Kunst in der väterlichen Karlsbader Zeitung; 1912 siedelte er nach Berlin um und schloss 1913 sein Studium an der Universität Greifswald ab (Dr. iur.); zu dieser Zeit publizierte er bereits regelmässig in der Berliner Zeitschrift Die Aktion; 1914, kurz nach seiner Übersiedlung in die Schweiz, arbeitete er zuerst an der Zeitschrift Der Mistral mit; die letzte Ausgabe erschien unter seiner Leitung; anschliessend gab er eine eigene Publikation unter dem Titel Sirius heraus; seit seiner Übersiedlung nach Zürich hatte er vereinzelt Kontakt zu den Dadaisten; nach Hugo Balls Abschied von den Dadaisten und nachdem Tristan Tzara die Bewegung übernahm, verstärkte sich Serners Mitarbeit, er pendelte zwischen Italien, Paris, Genf und Zürich, schrieb Geschichten und Romane und verfasste 1918 das dadaistische Manifest Letzte Lockerung manifest dada, laut Jörg Drews eine „glänzende Analyse des Zeitalters des vollendeten Nihilismus“; 1920 wird das Manifest veröffentlicht; im selben Jahr wird Serner von einigen der Hauptvertreter des Dadaismus wie Tzara als „grössenwahnsinniger Aussenseiter“ bezeichnet; am 9. April 1919 trug Serner Teile aus Letzte Lockerung vor; dabei kam es auf der Dada-Soiree Non plus ultra in Zürich zu einem Aufruhr des Publikums, und Serner wurde von der Bühne gejagt; sein Manifest steht in eindeutigem Zusammenhang mit dem von Tristan Tzara verfassten Manifest Dada 1918 – jedoch hatte Serner sein Manifest bereits vor dem Erscheinen von Tzaras Text verfasst; wer wen wie beeinflusste, lässt sich letztlich nicht mehr nachweisen; nach seiner Abkehr von der dadaistischen Bewegung wandte sich Serner dem Schreiben von Kriminalgeschichten zu; sein Roman Die Tigerin erschien 1925 (verfilmt von Karin Howard 1992) und sorgte aufgrund des zwielichtigen Milieus und der sexuell offensiven Sprache für einen kleinen Skandal; nur ein Gutachten von Alfred Döblin verhinderte, dass das Buch der Zensur zum Opfer fiel; seine Erzählsammlung Der Pfiff um die Ecke wurde zeitweise beschlagnahmt; sein nächster Erzählband Die tückische Straße erschien zuerst als Privatdruck, ebenso sein „Gauner-Stück“ Posada oder der große Coup im Hotel Ritz, das am 6. März 1927 zum ersten (und letzten) Mal aufgeführt wurde: im Berliner Theater am Zoo; 1925 gab es erste antisemitische Anwürfe gegen Serner, der einen tschechischen Pass hatte und sein Reiseleben über die nächsten Jahre kontinuierlich fortsetzte; seine Bücher befanden sich zum Teil auf der „Liste der Schund- und Schmutzschriften“ und wurden nur privat per Post vertrieben; nach 1933 wurden Serners Arbeiten in Deutschland endgültig auf die „Liste 1 des schädlichen und unerwünschten Schrifttums“ der Reichsschrifttumskammer gesetzt; ab 1927 zog Serner sich ins Privatleben zurück; 1938 heiratete er Dorothea Herz und lebte mit ihr in Prag; ab 1939 betrieb er mehrere Versuche, nach Shanghai auszuwandern; am 10. August 1942 – Serner arbeitete inzwischen als Sprachenlehrer im Prager Ghetto – wurde er zuerst nach Theresienstadt, wenige Tage später nach Minsk deportiert und dort ermordet; Werke (Auswahl): Letzte Lockerung. manifest dada, 1920; Zum blauen Affen. Dreiunddreißig hanebüchene Geschichten, 1921; Der elfte Finger. Fünfundzwanzig Kriminalgeschichten, 1923; Der Pfiff um die Ecke. Zweiundzwanzig Spitzel- und Detektivgeschichten, 1925; Die Tigerin. Eine absonderliche Liebesgeschichte, 1925; Die tückische Straße. Neunzehn Kriminal-Geschichten, 1926; Posada oder Der Große Coup im Hotel Ritz. Ein Gauner-Stück in drei Akten, 1926; Letzte Lockerung. Ein Handbrevier für Hochstapler und solche die es werden wollen (erweiterte Ausgabe, 1927); Angst. Frühe Prosa, 1977; Hirngeschwür. Texte und Materialien. Walter Serner und Dada, 1977; Wong fun. Kriminalgeschichte, 1991
  • 22.1.1889–7.7.1985: Guido Kisch, geb. in Prag, gest. in Basel, Rechtshistoriker, o. Prof. in Halle seit 1922, verfasste auch Werke zur Geschichte der Juden in Deutschland (Kisch ist böhmisch-jüdische Familie aus Chiesch bei Eger); Guido Kisch war Vetter zweiten Grades des "rasenden Reporters" Egon Erwin Kisch
  • 1.2.1889–20.9.1956: Iwan Katz, geb. in Hannover, gest. in Castagnola, Schweiz, radikal-kommunistischer Politiker, exzessiver Redner, Dr. iur.; 1911 "wissenschaftlicher Hilfsarbeiter" im Statistischen Amt der Stadt Hannover, seit 1915 dort Ratsbibliothekar, 1921-1924 Mitglied des Preussischen Abgeordnetenhauses, 1924-1928 MdR für die KPD, er schied dann aus der Partei aus, blieb aber in der Kommunalverwaltung in Berlin tätig, versuchte, zwischen der SED, der er später angehörte, und der SPD (auch ihr sollte er später angehören) zu vermitteln; 1950 unterstützte er die titoistische Unabhängige Arbeiterpartei Deutschlands UAPD; er überlebte das KZ Auschwitz, während seine Frau in Ravensbrück umkam
  • 7.2.1889–16.6.1946: Ludwig Winder, geb. in Schaffa/Mähren, gest. in Baldock/England, Schriftsteller, war Chefredakteur der Bohemia in Prag, erhielt 1934 den Staatspreis der Tschechoslowakei, emigrierte 1939 nach England; Hauptwerke: "Die rasende Rotationsmaschine", 1917 (Roman); "Kassai", 1920 (Roman); "Die jüdische Orgel", 1922 (Ghettoroman); "Die nachgeholten Freuden", 1927 (Roman); "Doktor Guillotin", 1924 (Drama); "Der Thronfolger Franz Ferdinand", 1938 (Biographie); "One Man's Answer", 1944; "Die Pflicht", 1949
  • 8.2.1889-26.11.1966: Siegfried Kracauer (eigentlich: Krakauer), geb. Frankfurt a. M., gest. New York, Soziologe, Journalist und Schriftsteller, sicherlich einer der bedeutendsten Kulturphilosophen des 20. Jhdts.; ursprünglich Architekt (Dr.-Ing. 1914; arbeitete als Architekt bis 1920 u. a. in Osnabrück, München und Frankfurt/M.); ab 1920 bis 1933 (leitender) Film- und Literaturredakteur der Frankfurter Zeitung in Frankfurt, dann ab 1930 in Berlin (Zusammenarbeit mit Walter Benjamin und Ernst Bloch), 1933 Emigration (zunächst nach Paris, dann, 1940, nach grossen Schwierigkeiten, in die USA [New York; US-Staatsbürgerschaft 1946; wo er blieb, er wollte nicht zurückkehren nach Deutschland, zu den "Spukgestalten von damals", in eine "verpestete Luft", wo "man nicht weiss, wem man die Hand gibt"]); 1941-1943 wissenschaftlicher Mitarbeiter der Museum of Modern Art Film Library; während des Krieges und auch danach Mitarbeiter der "Voice of America"; 1952-1958 tätig für das "Bureau for Applied Social Research" an der Columbia University; - Gesellschaftsanalysen und Romane über die Mittelschicht der Intellektuellen, der Angestellten und die sie umgebende Halb- und Oberflächenwelt; als Quellen und Dokumente dienten Operette, Revue, Boulevard, Reklame und Film, in deren Strukturen sich die Gesellschaft (auch die präfaschistische) spiegelt; Werke (u. a.): „Soziologie als Wissenschaft“, 1922; „Ornament der Masse“, 1927 (man erkennt die Auseinandersetzung mit Max Weber sowie seinem Lehrer Georg Simmel); Roman über den ersten Weltkrieg "Ginster", 1928; Die Biographie als neubürgerliche Kunstform, 1930; „Die Angestellten. Aus dem neuesten Deutschland“, 1930; "Orpheus in Paris" (über Jacques Offenbach), 1937; Kracauer blieb vor allem im Gedächtnis der Nachwelt durch seine filmtheoretischen Schriften (u. a. auch eine Geschichte des deutschen Films): From Caligari to Hitler, A psychological history of the German film, 1947; Theory of the film, 1960; -- Strassen in Berlin und anderswo, 1964; The last things before the last, 1969; Adorno sah in Kracauer einen der wichtigsten Anreger für seine eigenen kulturphilosophischen Arbeiten; auch Tucholsky schätzte Kracauers Schriften als erstklassiges wissenschaftliches Erzeugnis; von Kracauer stammt der Begriff der "Zerstreuungsfabrik", mit der die herrschende Schicht das breite Publikum in die Irre leite
  • 8.2.1889–7.1.1970: Fritz Heinemann, geb. in Lüneburg, gest. in Oxford, Philosoph, 1922 Dozent, 1930-1933 Prof. an der Universität Frankfurt am Main, ging in die Türkei ins Exil, war 1939-1956 Prof. in Oxford/England; Hauptwerke: Plotin, 1921; Neue Wege der Philosophie, 1929; Odysseus oder die Zukunft der Philosophie, 1939; David Hume, 1940; Existenzphilosophie, 1954 (mehrere Auflagen, Übersetzungen in viele Sprachen); Jenseits des Existenzialismus, 1957; Die Philosophie im 20. Jahrhundert, 1959 (als Hrsg.)
  • 13.2.1889–19.5.1974: Leontine Sagan, geb. (als Leontine Schlesinger) in Budapest, gest. in Pretoria, Südafrika; österreichisch-jüdische Bühnen- und Filmregisseurin; sie wollte eigentlich Schauspielerin werden, absolvierte dann jedoch eine Ausbildung zur Bühnenregisseurin; nachdem sie eine Reihe von Bühnenstücken weiblicher Autoren inszeniert hatte, verarbeitete sie Christa Winsloes Internatsdrama „Gestern und heute“, das sie für Barnowsky bereits als Bühnenstück inszeniert hatte, zu einem Film: „Mädchen in Uniform“ (1931) mit Hertha Thiele und Dorothea Wieck in den Hauptrollen wurde ein ausserordentlicher Erfolg und Kassenschlager, ist noch heute ein Lesbenklassiker und besitzt unter Lesben Kultstatus; ihren zweiten Film, „Men of Tomorrow“ (ein Ehefilm im Wissenschaftlermilieu), drehte Leontine Sagan in England für Alexander Kordas Produktionsgesellschaft London Films, mit Kordas Bruder Zoltan als Co-Regisseur; anschliessend kehrte Leontine Sagan zur Bühnenarbeit zurück; 1939 übersiedelte sie mit ihrem Mann zeitweilig nach Südafrika, wo sie an der Gründung des südafrikanischen Nationaltheaters in Johannesburg beteiligt war
  • 21.2.1889–30.10.1944: Otto Wallburg, geb. in Berlin (als viertes Kind eines Bankiers), vergast im KZ Auschwitz, deutsch-jüdischer Schauspieler; er begann als 20-jähriger beim Deutschen Theater in Berlin; zum Kriegsdienst eingezogen, erhielt er das Eiserne Kreuz an der Ostfront; der mit bürgerlichem Namen geborene Otto Maximilian Wasserzug wurde 1926 vom legendären Theaterproduzenten Max Reinhardt an das Deutsche Theater verpflichtet; im gleichen Jahr trat Wallburg auch erstmals in einem Film auf mit dem Titel "Die keusche Susanne" (1926); schon bald etablierte sich Wallburg als beliebter Filmschauspieler und trat mit fast allen Grössen dieser Zeit - meist in Nebenrollen – auf; zu Beginn seiner Karriere wurde er als jugendlicher Held eingesetzt, und als er nach dem ersten Weltkrieg stark an Leibesfülle gewann, hielt er seine Darsteller-Karriere für beendet; deshalb wendete er sich der Regie zu; doch seine Befürchtungen waren unbegründet; schon bald entdeckte man sein komödiantisches Talent, und er wurde als der komische Dicke frech-schnodderig in Szene gesetzt und zu einem der populärsten und höchst bezahlten Schauspieler; in den 20er Jahren agierte er u. a. in den Filmen "Der Himmel auf Erden" (1927), "Grand Hotel" (1927), "Der rote Kreis" (1928) und "Kolonne X" (1929); die 30er Jahre boten Wallburg weiterhin interessante Rollen; seiner verwaschenen, überstürzten Sprechweise wegen wurde er auch liebevoll "Der Blubberer" genannt; die Nazi-Zeit machte auch Otto Wallburg das Leben schwer; sein Antrag zur Aufnahme in die Reichskulturkammer wurde abgelehnt, die Spielerlaubnis wurde dem Publikumsliebling entzogen; 1934 emigrierte er nach Wien, wo er bei Joe Pasternak's Universal-Produktion Arbeit fand; 1937 floh er über Frankreich nach Amsterdam in die Niederlande, wo er gemeinsam mit Kurt Gerron und Rudolf Nelson am Theater „Joodsche Schouwberg“, einem jüdischen Kabarett, tätig war; ein Jahr später wurde ihm in einer öffentlichen Bekanntmachung die deutsche Staatsbürgerschaft entzogen; die Sicherheit, die Wallburg in den Niederlanden fand, währte nicht lange; 1940 marschierte die deutsche Wehrmacht auch dort ein; ein Leben im Untergrund begann; 1943 konnten sich Otto Wallburg und seine vierte Ehefrau Ilse Rein einer Verhaftungswelle entziehen, fielen aber anfangs 1944 einer Denunziation zum Opfer und wurden verhaftet; eine Ausreise in die USA hatte er in Betracht gezogen, aber zu spät vorbereitet; ein achtmonatiger Leidensweg begann; der stark abgemagerte und zuckerkranke Otto Wallburg wurde ins KZ Westerborg Hooghalen gebracht, anschliessend via KZ Theresienstadt (31.7.1944) nach Auschwitz (28.10.1944) deportiert; dort wurde er zwei Tages später ermordet; weitere Filme mit Otto Wallburg: Derby (1926); Die Abenteuer eines Zehnmarkscheines (1926); In der Heimat, da gibt's ein Wiedersehn! (1926); Die leichte Isabell (1927); Die Geliebte des Gouverneurs (1927); Dr. Bessels Verwandlung (1927); Mein Freund Harry (1927); Die Vierte von rechts (1928); Liebe im Kuhstall (1928); Das letzte Souper (1928); Der moderne Casanova (1928); Die Frau, die jeder liebt, bist du (1929); Das närrische Glück (1929); Der lustige Witwer (1929); Männer ohne Beruf (1929); Der Narr seiner Liebe (1929); Trust der Diebe (1929); Sein bester Freund (1929); Ehe in Not (1929); Die Nacht gehört uns (1929); Der Witwenball (1930); Es gibt eine Frau, die Dich niemals vergisst (1930); Es gibt noch Kavaliere (1930, Siegfried Dessauer); Heute Nacht - eventuell (1930); Hokuspokus (1930, Gustav Ucicky); Das Lied ist aus (1930); Der Hampelmann (1930); Seitensprünge (1930); Die Königin der Nacht (1930); Ihre Majestät die Liebe (1930) ...und das ist die Hauptsache (1931, Joe May) Wenn die Soldaten... (1931); Hilfe! Überfall! (1931); Salto Mortale (1931); Opernredoute (1931); Das verlorene Paradies (1931); Die Frau, von der man spricht (1931); Wer nimmt die Liebe ernst? (1931); Der kleine Seitensprung (1931); Bomben auf Monte Carlo (1931, Hanns Schwarz); Der Kongress tanzt (1931, Erik Charell; Adjutant des Zaren Bibikoff); Weekend im Paradies (1931); Der Hochtourist (1931); Lügen auf Rügen (1931, Victor Janson); Ronny (1931); Yorck (1931); Zwei Herzen und ein Schlag (1932); Das Lied einer Nacht (1932); Das schöne Abenteuer (1932); Der schwarze Husar (1932); Wie sag ich's meinem Mann? (1932, Reinhold Schünzel); Strich durch die Rechnung (1932); Friederike (1932); Der grosse Bluff (1932); Marion, das gehört sich nicht (1932); Wenn die Liebe Mode macht (1932); Madame wünscht keine Kinder (1932); Die kleine Schwindlerin (1933); Die Regimentstochter (1933); Sag' mir wer Du bist (1933); Gruss und Kuss Veronika (1933); Was Frauen träumen (1933); Das hässliche Mädchen (1933); Wege zur guten Ehe (1933); Kind, ich freu' mich auf Dein Kommen (1933); Der Zarewitsch (1933, Victor Janson); Inge und die Millionen (1933, Erich Engel); Konjunkturritter (1934, Fritz Kampers); Peter (1934, Henry Koster); Ball im Savoy (1934, István Székely); Bretter, die die Welt bedeuten (1935); Kleine Mutti (1935); Alles für die Firma (1935, Rudolf Meinert); 4 1/2 Musketiere (1935, László Kardos); Katharina - die Letzte (1936, Henry Koster); Heut' ist der schönste Tag in meinem Leben (1936, Richard Oswald); Mircha/Bubi (1936, Béla Gaál); Carrefour (1938, Kurt Bernhardt); Otto Wallburg war u. a. verheiratet mit der Schauspielerin Lina Brosso (ein Sohn: Reinhard), mit der Tochter eines Druckereibesitzers, Anna Luise Theis (zwei Töchter) und – im Amsterdamer Exil – mit Ilse Rein
  • 4.3.1889–3.3.1893: Benjamin Harrison 23. US-Präsident
  • 9.3.1889–16.2.1957: Siegfried Marck, geb. in Breslau, gest. in Chicago/Ill., Philosoph; Kriegsteilnehmer; war seit 1917 Dozent, seit 1924 Prof. in Breslau; 1934-1939 in Dijon, 1940-1945 in Chicago; Stadtverordneter (SPD) in Breslau, 1932 Mitglied des Provinziallandtags, 1933 entlassen, 1935 ausgebürgert; bis zu seiner Emeritierung lehrte Marck am YMCA-College in Chicago als Professor für Philosophie; er beschrieb seine philosophische Richtung als kritischen Idealismus, seine politische als freiheitlichen Sozialismus; Werke: Deutsche Staatsgesinnung, München 1916; Imperialismus und Pazifismus als Weltanschauungen, Tübingen 1918; Hegelianismus und Marxismus, Berlin 1922; Marxistische Staatsbejahung, Breslau 1924; Zu Max Adlers Sozialphilosophie, Berlin 1925; Substanz- und Funktionsbegriff in der Rechtsphilosophie, 1925; Reformismus und Radikalismus in der deutschen Sozialdemokratie, Berlin 1927; Die Dialektik in der Philosophie der Gegenwart, 2 Bde., Tübingen 1929/1931; Sozialdemokratie, Berlin 1932; Der Neuhumanismus als politische Philosophie, Zürich 1938; Grosse Menschen unserer Zeit. Portraits aus drei Kulturkreisen, Meisenheim 1954; Vernunft und Sozialismus, Berlin 1956
  • 19.3.1889: Uraufführung des Lustspiels "Wilddiebe" am Burgtheater in Wien (von Herzl gemeinsam mit Hugo Wittmann verfasst; es wurde in der Folge auf vielen bedeutenden Bühnen gegeben und war – ausnahmsweise – auch ein finanzieller Erfolg); auch ein harmlos-lustiger Einakter, "Der Flüchtling", den Herzl 1887 in wenigen Tagen zur Finanzierung seiner Italienreise geschrieben hatte, wurde Anfang Mai 1889 mit gutem Erfolg im Burgtheater erstaufgeführt
  • 27.3.1889–13.1.1962: Fritz Beckhardt, geb. in Wallertheim (Rheinland-Pfalz), gest. in Wiesbaden, er war ein höchstdekorierter deutsch-jüdischer Kriegsflieger im 1. Weltkrieg; schon als Knabe in der Deutschen Turnerschaft mit dem Geist des Nationalismus der Kaiserzeit infiziert, gehört er zu Beginn des 20. Jhdts. zur assimilierten patriotischen Mehrheit unter den deutschen Juden; machte eine Lehre als Textilkaufmann, 1909-1911 Militärdienst bei der Infanterie im Elsass; zu Beginn des 1. Weltkriegs arbeitete er bei einem Onkel in dessen Tuchfabrik in Marseille; seit August 1914 im Kriegsdienst (zunächst noch in der Infanterie; erhielt bis 1916 u. a. das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse); seit 1917 zur Fliegertruppe abkommandiert; ab Februar 1918 bei der Jagdstaffel 26, fliegt er später im neu gegründeten Jagdgeschwader 3 unter der Führung von Bruno Loerzer an der Seite von Hermann Göring; als Glückszeichen malte er sich ein Hakenkreuz auf seine Flugzeuge (Beckhardt ist der einzige Jude, der dieses Symbol im 1. Weltkrieg benutzt); in seiner von der SS verfassten Häftlingsakte im KZ Buchenwald wird er mit 17 Abschüssen als Jagdflieger geführt; am Kriegsende ist er (vermutlich) der höchst dekorierte jüdische Flieger; nach dem Krieg wurde er Mitglied im Reichsbund jüdischer Frontsoldaten (RjF); 1926 ist er einer der Mitgründer der EDEKA (Einzelhandelsverbund) im Rhein-Main-Gebiet; bis 1934 lebte er in Wiesbaden Sonnenberg als Kaufmann; nach dem Boykott gegen jüdische Geschäfte (1.4.1933) muss er sein Geschäft schliessen; 1937 wird er denunziert und wegen "Rassenschande" angeklagt, am 14. Dezember 1937 "nur" zu einem Jahr und neun Monaten Gefängnis verurteilt (strafmildernd rechnete man ihm seine "Kriegsverdienste" an), wird im Anschluss auf Anordnung der Gestapo in Schutzhaft genommen und in das Konzentrationslager Buchenwald verbracht, wo er als Jude und Rasseschänder in die Strafkompanie eingewiesen wird; im März 1940 wird er als Häftling mit der Nr. 8135 aus dem KZ entlassen (vermutlich hatte Göring das bewirkt) und konnte (mit seiner Frau Rosa Emma) über Portugal nach England emigrieren, wo bereits seine Kinder lebten, die 1939 Deutschland mit einem Kindertransport verlassen hatten; 1950 kehrt der deutsche Patriot in die Bundesrepublik Deutschland zurück und erhält nach mehrjährigen Prozessen im Zuge der Wiedergutmachung einen Teil seines arisierten Eigentums zurück; 1955 eröffnet er das erste Lebensmittel-Selbstbedienungsgeschäft im Grossraum Wiesbaden; 1962 stirbt er nach mehreren Schlaganfällen; am Ende seines Lebens war er verbittert und enttäuscht, als er erst sehr spät die ablehnende, teils offen feindselige Haltung realisiert, die ihm als jüdischem Rückkehrer seitens eines Teils der Bevölkerung und der Behörden entgegengebracht wird; er war Träger der höchsten militärischen Orden und Ehrenzeichen des Kaiserreichs, als ausserordentlich seltene Auszeichnung erhielt er den Hohenzollern'schen Hausorden mit Schwertern als Inhaberkreuz für Unteroffiziere und Mannschaften, ausserdem wurden ihm verliehen: das Eiserne Kreuz (s. o.), die Hessische Tapferkeitsmedaille, das Badische Militärverdienstkreuz, das Verwundetenabzeichen, das Bayerische Militärverdienstkreuz III. Klasse, das Flugzeugführerabzeichen, der Ehrenbecher für den Sieger im Luftkampf, der Hessische Ernst-Ludwig-Orden (genannt "der blutige Ludwig") und das Frontkämpferabzeichen
  • 13.4.1889–6.2.1966: Walter Meckauer, geb. in Breslau, gest. in München, Schriftsteller (Prosa, Essays, Theaterstücke), Weltreisender (u. a. 1910-1911 in China), Dramaturg; studierte Philosophie und promovierte in Breslau; 1918-1922 Leiter der schlesischen Ullstein-Redaktion, danach Dramaturg an mehreren deutschen Bühnen; er emigrierte 1933 über die Schweiz nach Italien und 1939 nach Frankreich, 1942 wieder in der Schweiz, 1947-1952 nach New York, kehrte 1952 in die Bundesrepublik zurück und lebte bis zu seinem Tod als freier Schriftsteller in München; besonderen Erfolg hatten seine China-Romane "Die Bücher des Kaisers Wutai" (1928) und "Die Sterne fallen herab" (1949) sowie der Oder-Roman "Viel Wasser floss den Strom hinab" (1957; "ein schlesischer Wilhelm Raabe"); autobiographische Romane: "Venus im Labyrinth" (1953) und "Gassen in fremden Städten" (1959); eine Medaille für Versöhnung wurde 1969 nach Walter Meckauer benannt
  • 16.4.1889–25.12.1977: Charlie Chaplin, Sir (1975) Charles Spencer Chaplin, geb. in London, gest. nahe Vevey, Schweiz, weltberühmter Regisseur, Produzent, Schauspieler, Komiker und Komponist, erster Weltstar des Films; lange Zeit wurde behauptet, er entstamme einer ostjüdischen Einwandererfamilie, seit 1910 in Amerika; seit 1952 in Europa, meist in der Schweiz; erste Filme (einaktige Grotesken) 1912; „The Kid“, 1920; „Der Tramp“, 1915; „Pilgrim“, 1922; „Goldrausch“, 1925; „Zirkus“ 1927; „Lichter der Grossstadt“, 1931; „Moderne Zeiten“, 1936; „Der grosse Diktator“, 1940; „Monsieur Verdoux“, 1947; „Rampenlicht“, 1952; „Ein König in New York“, 1957; „Die Gräfin von Hongkong“, 1967; Die Geschichte meines Lebens“, 1964
  • 21.4.1889–22.2.1985: Efrem Zimbalist, geb. in Rostow am Don, gest. in Reno, Nevada, US-amerikanischer Komponist, Musikpädagoge und Dirigent russisch-jüdischer Herkunft sowie einer der berühmtesten Konzertviolinisten der Welt; sein Vater war Dirigent; bereits im Alter von neun Jahren war er erster Geiger im Orchester seines Vaters; im Alter von zwölf Jahren trat er in das Sankt Petersburger Konservatorium ein und wurde von Leopold Auer unterrichtet; nach seinem Abschluss debütierte er 1907 in Berlin (mit einem Konzert von Johannes Brahms) und London und 1911 in den USA mit dem Boston Symphony Orchestra; danach übersiedelte er in die USA; er heiratete die berühmte amerikanische Sopranistin Alma Gluck, mit der eine Zeit lang gemeinsam auf Konzertreisen ging und auftrat; ihr gemeinsamer Sohn Efrem Zimbalist Jr. und ihre Enkelin Stephanie Zimbalist wurden später bekannte Schauspieler; Alma Gluck starb 1938; ab 1928 unterrichtete Zimbalist am Curtis Institute of Music in Philadelphia; 1938 heiratete er Mary Louise Curtis Bok, die Gründerin dieser Musikschule, deren Direktor er dann von 1941 bis 1968 war; zu seinen Schülern gehörte u.a. Oscar Shumsky; 1949 beendete er seine Karriere als Violinist, hatte jedoch 1952 ein Comeback zur Uraufführung eines Violinkonzerts von Gian Carlo Menotti, das ihm gewidmet war; 1955 zog er sich dann endgültig zurück; 1962 und 1966 war er in der Jury des Tschaikowski- Klavierwettbewerbs (Tchaikovsky piano competition); zu seinen eigenen Kompositionen zählen das Violinkonzert American Rhapsody und die Tondichtung Daphne und Chloe
  • 26.4.1889–29.4.1951: Ludwig Wittgenstein (Ludwig Josef Johann Wittgenstein), geb. in Wien, gest. in Cambridge (GB), österreichisch-britischer Philosoph aus der alten österreichischen (vermögenden jüdischen Industriellen-) Familie Wittgenstein (er wurde jedoch katholisch erzogen); er lieferte bedeutende Beiträge zur Philosophie der Logik, der Sprache und des Bewusstseins; seine beiden Hauptwerke "Logisch-philosophische Abhandlung" (Tractatus logico-philosophicus, 1921) und Philosophische Untersuchungen (1953, postum) wurden zur Grundlage zweier philosophischer Schulen, des Logischen Positivismus und der Analytischen Sprachphilosophie; berühmtes Zitat Wittgensteins: "Was sich überhaupt sagen lässt, lässt sich klar sagen; und wovon man nicht reden kann, darüber muss man schweigen"; zeitweise hatte Wittgenstein dieselbe Realschule in Linz besucht wie Adolf Hitler
  • 27.4.1889–2.11.1965: Marta Karlweis (auch: Martha; Pseudonym: Barbara Vogel), geb. in Wien, gest. in Lugano (auf einer Reise in die Schweiz), Erzählerin, Essayistin, Psychoanalytikerin, Witwe von Jakob Wassermann (sie war seine zweite Frau), sie schrieb seine Biographie ("Jakob Wassermann. Bild, Kampf und Werk", Amsterdam 1935), lebte 1939 bis zu ihrem Tod 1965 als Psychoanalytikerin im Exil in Kanada; übersetzte aus dem Französischen und schrieb Lustspiele und Romane wie "Amor und Psyche auf Reisen", Berlin 1928, und "Ein österreichischer Don Juan", Leipzig-Zürich 1929; weiter u. a. "Der Zauberlehrling", 1911 (Erzählung); "Die Insel der Diana", 1919 (Roman); "Eine Frau reist durch Amerika", Berlin, 1928; "Das Gastmahl auf Dubrowitza", Berlin 1929; "Schwindel", 1931 (Roman)
  • 3.5.1889–25.2.1972: Gottfried Fuchs, geb. in Karlsruhe, gest. in Montreal, Québec, deutsch-jüdischer Fussballspieler und Torkönig; die meisten Tore in der deutschen Nationalmannschaft wurden nicht von Gerd Müller oder Uwe Seeler geschossen, sondern von Gottfried Fuchs; er spielte als Stürmer für den Karlsruher FV, war von 1911 bis 1913 sechs Mal für Deutschland aktiv und erzielte insgesamt 14 Tore; dies ist bis in die Gegenwart (2006) die beste Quote (2,33) eines deutschen Nationalspielers; bei den Olympischen Spielen 1912 in Stockholm erzielte er im Länderspiel gegen Russland zehn Tore; diese Zahl von Toren in einem Länderspiel eines deutschen Nationalspielers ist bis heute unübertroffen, auch international war sie nur 1908 vom Dänen Sofus Nielsen erreicht worden; Gottfried Fuchs emigrierte 1937 nach Kanada
  • 28.5.1889–6.6.1929: Richard Réti, geb. in Pezinok nahe Pressburg, gest. in Prag, war ein berühmter deutschsprachiger österreichisch-ungarischer Schachmeister, nach dem Zerfall der Donaumonarchie tschechoslowakischer Schachgrossmeister; Rétis Vater Dr. Samuel Réti (1853-1904) war ein jüdischer Arzt, der sich auf die Behandlung von Geschlechtskrankheiten spezialisiert hatte; 1890 kam die Familie von Pezinok nach Wien, wo Réti nach seinem Abschluss am Gymnasium ein Mathematikstudium begann; bald widmete er jedoch dem Schachspiel mehr Zeit als dem Studium; als er im Wiener Café Central seine Seminararbeit vergass und nicht mehr wiederfand, gab er die Mathematik endgültig auf und wurde professioneller Schachspieler; Tartakower sagte über diese Zeit: Réti studiert Mathematik, ohne trockener Mathematiker zu sein, vertritt Wien ohne Wiener zu sein, ist gebürtiger Alt-Ungar ohne Ungarisch zu können, redet ungemein rasch, um desto bedächtiger zu handeln und wird noch der beste Schachspieler, ohne Weltmeister zu sein. Er ist eben ein forschender Künstler, der sich mehr mit dem „Warum“ der Dinge als mit deren Wesen beschäftigt... Im Gegensatz zu anderen Schachmeistern war Réti trotz unbestrittenen Talents kein „Wunderkind“, sondern musste für seine späteren Ergebnisse sehr viel arbeiten; durch Selbststudium und Praxis steigerte er seine Spielstärke von 1908 bis 1912 beträchtlich; in seinem ersten internationalen Turnier (Wien 1908) erreichte er lediglich 3 Remis aus 19 Partien, im zweiten waren es 5,5 Punkte von 10; in den folgenden Jahren schloss er eine enge Freundschaft mit dem sehr begabten Gyula Breyer, einem der späteren „Mitstreiter“ der Hypermodernen Schachschule; während des Ersten Weltkrieges stand das internationale Schachleben still, Réti war nur bei lokalen Turnieren aktiv. Ende des Krieges zog er nach Prag und wurde 1920 in Göteborg 1. Preisträger. Réti kritisierte ähnlich wie sein Zeitgenosse Aaron Nimzowitsch die dogmatische Spielweise der älteren Meister; dabei ging Réti allerdings nicht so aggressiv vor wie Nimzowitsch, der sich publizistische Fehden mit Siegbert Tarrasch, dem Verfechter des alten, dogmatischen Stils, lieferte; Rétis Sieg gegen Weltmeister Capablanca in New York 1924 - er spielte die heute nach ihm benannte Eröffnung (1.Sg1-f3 d7-d5 2.c2-c4) - war ein wichtiger Schritt in der Propagierung der Hypermodernen Ideen im Schach; die Réti-Eröffnung ist seitdem viel gespielt worden, und die ihr zugrunde liegenden Ideen der indirekten Kontrolle des Zentrums gehören heute zum Wissen jedes guten Schachspielers; im Jahr 1925 stellte Réti einen Weltrekord im Blindsimultan an 29 Brettern auf; er gewann 21 Partien, hielt 6 remis und verlor nur 2. Réti leistete beachtliche Beiträge zur Schachtheorie und war Autor von mehreren Schachbüchern: Die neuen Ideen im Schachspiel (1922) und Die Meister des Schachbretts (1930) sind Klassiker. Seine beste historische Elo-Zahl betrug 2710. Diese erreichte er im Dezember 1920. Im Alter von nur 40 Jahren starb Réti in Prag an Scharlach.
  • 2.6.1889–25.3.1933: Hanussen (Erik Jan Hanussen; sein Künstlername seit 1918), geb. in Wien-Ottakring, ermordet in Berlin; Pseudonym für den als „Hellseher“ und Nazisympathisanten bekannt gewordenen österreichisch-jüdischen Trickkünstler Hermann Chajm Steinschneider; Hermann (Herschel) Steinschneider wurde in ärmlichen Verhältnissen geboren und verlor seine Mutter im Alter von zehn Jahren; sein Vater Siegfried (1858-1910), ein aus Prossnitz in Mähren stammender und als Handelsreisender bzw. Wanderbühnenschausteller tätiger Arztsohn aus jüdischem Hause, heiratete bald darauf eine Witwe, die zwei weitere Kinder mit in die Ehe brachte; drei Jahre später brach Steinschneider die Schule ab und rückte von zu Hause aus; in Wien machte er später auf sich aufmerksam, als er sich als Gesellschaftsreporter versuchte, der wohlhabende Bürger mit Kolportagen in Klatschblättern erpresste; einen betrügerischen Hellseher spionierte er aus, indem er sich dessen Vertrauen erwarb; dann veröffentlichte er dessen Tricks, die er später dann selbst adaptierte und anwandte; als Kunstreiter und Reckakrobat trat er dann im „Grand Zirkus Oriental“ auf und betrieb das „erste elektrische Kettenkarussell der Welt“ (das in Wirklichkeit von verborgenen Kindern angetrieben wurde); in dieser Zeit schlug er sich über Jahre hinweg auf mehr oder weniger legale Weise in Schmierentheatern und Zirkussen durch, mit so genannten „Experimental-Psychologen“, Hypnotiseuren und Varietékünstlern oder auf andere Weise; unter dem Namen des „Tenor Titto Ruffo“ erschwindelte er sich ein Engagement in einem Opernensemble; im ersten Weltkrieg machte er sich als „Fronthellseher“ unentbehrlich, was ihm gefährliche Einsätze ersparte (wobei er dank guter Kontakte zur Feldpoststelle seines Regiments phänomenale Treffer hatte: Die Briefe wurden erst zugestellt, wenn er sie für seine Auftritte ausgewertet hatte; der verfeinerte Trick sollte ihm später in Berlin zum Verhängnis werden: Die Informanten von der SA, denen er die genaue Kenntnis der politischen Lage verdankte, liessen nicht mit sich spassen); das österreichische Militär bildete er im Wünschelrutengehen aus; in Berliner Gaststätten versuchte er sich auf der Suche nach Gelegenheitsarbeit erfolglos als klassischer Zauberkünstler; er kopierte die „Gedankenlese“-Darbietung einer Varietékünstlerin namens „Frau Magda“ (was genau genommen ein verstecktes und verabredetes „Muskellesen“ war) und trat in Kleinstadtvarietés in Europa als scheinbar „echter“ Hypnotiseur auf; später kopierte er die Show des als „stärkster Mann der Welt“ gefeierten, übrigens ebenfalls jüdischen Kraftartisten Breitbart (1893-1925), wobei es Steinschneiders zarter Assistentin „unter Hypnose“ gelang, gleichfalls Ketten zu zerreissen u. ä., da beide die gleichen Tricks anwendeten; der in der Presse ausgetragene Konkurrenzkampf der ungleichen Rivalen erregte so viel Aufsehen, dass beide nach New York engagiert wurden; inzwischen nannte er sich – nach einer Vielzahl von Pseudonymen, Deck- und Künstlernamen – Erik Jan Hanussen und rühmte sich dänischer Herkunft; wieder in Europa zurück, zeigte er Fakirkunststücke und präsentierte u. a. eine Hungerkünstlerin; obwohl er sich in seinem autobiographischen Buch „Meine Lebenslinie“ selbst als Hochstapler enttarnt und sogar seine Tricks veröffentlicht hatte, fand er – oder musste er – wieder zu seinem Metier zurück; viele Jahre versuchte er auch, eine eigene „Schule des Okkultismus“ zu gründen, was ihm aber nicht gelang; er perfektionierte das klassische Hellsehkunststück „Zettellesen“ und machte in der Presse spektakuläre Vorhersagen, wobei er häufig falsch lag, Zufallstreffer jedoch gross herausstellte; mit okkultistischen „Beratungsgesprächen“ verdiente Hanussen nicht nur Geld, sondern erwarb sich auch auch nützliche gesellschaftliche Kontakte; im Jahre 1931 wurde Hanussen vor dem Kreisgericht in Leitmeritz (Böhmen) des hundertfachen Betruges angeklagt, weil er – so der damalige Gesetzestext – „den Schwachsinn“ von Gutgläubigen ausgenutzt habe; nach einigen Monaten Dauer des Prozesses, der bis in die USA verfolgt wurde, sprach man Hanussen frei, weil die Richter es schliesslich doch den Kunden eines Hellsehers überliessen, an dessen Fähigkeiten zu glauben oder nicht; der Weg zu einer grandiosen Karriere wurde damit erst geebnet, Hanussen wurde ein „Okkult-Superstar“, der als intelligent geltende Hanussen besass mehrere eigene Zeitungen, mit denen er genau wie in seinen begehrten Sprechstunden mit einzelnen Kunden die Sehnsüchte der Leser bediente; „Hanussens bunte Wochenschau“ war zeitweise eine der auflagenstärksten Zeitungen Berlins; durch „astrologische Börsentipps“ beeinflusste er sogar Aktienkurse, seine Hellseh-Shows wurden in Berlin Tagesgespräch und füllten schliesslich zweimal täglich die Berliner Scala; Hanussen verkaufte allerlei okkulte Produkte und wurde so reich, dass er sich unter anderem eine Luxus-Yacht leistete und in Berlin ein Gebäude als „Palast des Okkultismus“ (Lietzenburger Strasse 16) ausbauen liess; obwohl er Jude war (was er lange verbergen konnte), suchte er ab 1930 die Nähe zum Nationalsozialismus und unterstützte in seinen „astropolitischen“ Zeitungen (in denen er den Sieg „der Bewegung“ und die „Machtergreifung“ „voraussagte“) den Aufstieg Hitlers; seine dann nur einen Tag später eintreffende Voraussage des Reichstagsbrands wurde mit seinen sehr guten Kontakten zur SA-Führung erklärt, in der er sich gewisse von Hitler auffällig protegierte Mitglieder durch Finanzierung ihrer Spielschulden und andere, insbesondere sexuelle Dienstbarkeiten, zu verpflichten wusste; wie und durch wen genau Hanussen aber zu dem Wissen über den bevorstehenden Reichstagsbrand kam, ist bis heute unklar; durch seine Spenden an die SA und seinen grosszügigen Geldverleih erwarb er sich viele Freunde, so auch den späteren Polizeipräsidenten von Berlin, Wolf-Heinrich Graf von Helldorf, der ihm sogar eine SA-Gruppe zur Verfügung stellte, um das Lokal seines grössten Konkurrenten (eines „arischen“ Hellsehers, das „Romanische Cafe“) zu stürmen und diesen zum Hitlergruss zu zwingen; dann wurde den Nazis (durch den Journalisten Bruno Frei) die jüdische Herkunft „Hanussens“ bekannt; Hitlers Machtübernahme wurde zwar auf der Titelseite des Hanussen-Blattes überschwänglich gefeiert, samt Porträtfoto des neuen Kanzlers in der Mitte des astrologischen Tierkreises; geholfen hat ihm diese Ergebenheitsadresse aber nicht mehr; im Mai 1932 hatte das kommunistische Kampfblatt „Berlin am Morgen“ eine Hetzkampagne gegen Hanussen eröffnet und im August auch dessen jüdische Herkunft publik gemacht, munitioniert offenbar von einem früheren, ebenfalls jüdischen Sekretär des Hellsehers; im weiteren Verlauf wurden sogar bei jüdischen Gemeinden Informationen über Hanussen eingeholt und abgedruckt; kurz nach der Machtergreifung, am 8. April 1933, wurde im Grünewald, einem Waldgebiet zwischen Zossen und Baruth südlich von Berlin, Hanussens von Wildfrass gezeichnete und verweste Leiche gefunden; zwei Wochen zuvor, in der Nacht vom 24. auf den 25. März 1933, war er in einer Polizeikaserne in Berlin-Schöneberg/ Tempelhof (Kaserne der Feldpolizei, General-Pape-Strasse) durch ein dreiköpfiges SA-Kommando ermordet und zur Vertuschung des Mordes seine Leiche in jene versteckte Tannenschonung gebracht worden (der Mordbefehl kam von SA-Führer Karl Ernst, dem Nachfolger des Grafen Helldorf); offenbar wusste der „Hellseher“ zu viel über die Vorgänge hinter den Kulissen der SA; dass man zugleich einen Gläubiger los wurde, kam den Mördern und deren Auftraggebern sicher gelegen; - es gibt mehrere Verfilmungen dieses merkwürdigen Schicksals, u. a. 1988 mit Klaus Maria Brandauer in der Titelrolle (Regie István Szabó); auch Hanussen selbst produzierte während seiner grossen Zeit in Österreich (heute verschollene) Filme, in denen er Hypnotiseure spielte: „Hypnose“, 1919; „Der rätselhafte Tod“, 1921
  • 25. Juni 1889: Herzl heiratet in Reichenau an der Rax Julie Naschauer (geb. 1.2.1868 Budapest), sie war die Tochter eines sehr vermögenden Fabrikanten und Unternehmers, kapriziös und launisch bis zur Hysterie. Die Ehe wurde ziemlich unglücklich, Julie war angeblich verschwendungssüchtig, machte ihm zeitweise lautstarke Auftritte und Skandale, innerhalb der Ehe machte sie ihm das Leben zur Hölle. Die Ehe blieb unglücklich und lieblos. Julie Herzl verstarb drei Jahre nach dem frühen Tode ihres Mannes in einer psychiatrischen Klinik.
  • 26.6.1889–3.10.1966: Richard van Dyck, geb. in Bremen, gest. in Marmaroneck, New York, Journalist; Offizier im ersten Weltkrieg, 1923-1933 am Acht-Uhr-Abendblatt in Berlin, emigrierte 1933 nach Paris, Mitherausgeber der Pariser Tageszeitung, später in Lissabon, war bis zum Beginn des 2. Weltkriegs französischer Soldat, bis 1944 Krankenwärter in New York; seit 1942 in New York, wo er an der Staatszeitung (bis 1959), 1954-1958 als Redakteur am Aufbau tätig war; Hauptwerke: Marokko, Land ohne Zeit, 1932; The Jewish Influence on Journalism, 1950; Mitarbeit am "Lexikon des Judentums" (1967)
  • 25.7.1889–12.8.1952: David Hofstein (auch: Dawid Hofstein oder Dovid Hofstein oder Hofshteyn); geb. in Korostischew, Gouvernement Kiew; exekutiert in der Lubjanka in Moskau in der Nacht der ermordeten Dichter vom 12. auf den 13. August 1952, jiddischer Schriftsteller; er gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der jiddischen Lyrik der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg und veröffentlichte mehrere Gedichtbände, Theaterstücke sowie Übersetzungen aus dem Russischen und Ukrainischen und war auch Redakteur verschiedener literarischer Sammelbücher und Publikationen (u. a. der in Moskau herausgegebenen jiddischen Monatshefte unter dem Titel Strom, der letzten freien jiddischen Publikation der Sowjetunion; bis zum 17. Lebensjahr studierte er den Talmud und hebräische Literatur, anschliessend Naturwissenschaften, bevor er sich auf eine Reise in den Kaukasus begab; daran schloss sich ein Studium am psychoneurologischen Institut in Petersburg und schliesslich ein Studium an der Handelshochschule in Kiew; als Neunzehnjähriger schrieb er Lieder in Hebräisch, später in Ukrainisch und Russisch; nach der Oktoberrevolution, die er begeistert begrüsste und unterstützte, schrieb er zunächst ausschliesslich in Jiddisch und gehörte zu den bekanntesten und geschätztesten Mitgliedern der so genannten Kiewer Gruppe; die Mitunterzeichnung eines Aufrufs gegen die Verfolgung der hebräischen Sprache in Sowjetrussland und der sich daraus ergebende Konflikt mit den jüdischen Kommunisten zwang ihn vorübergehend zum Verlassen der Sowjetunion; so lebte er 1922 als freier Schriftsteller in Berlin, seit 1923 in Palästina als Mitarbeiter an hebräischen Journalen, schrieb dort aber auch verschiedene Dramen; 1926 kehrte er nach Kiew zurück, war in der Folge aber gezwungen, die Kommunistische Partei glorifizierende Gedichte zu schreiben; er besang den Kommunismus und seine Errungenschaften, den Führer Stalin, die kommunistischen Symbole Hammer und Sichel usw.; die Gründung des Staates Israel wurde von ihm freudig begrüsst; noch im selben Jahr, als Stalin seine ursprüngliche Unterstützung für Israel revidierte, wurde David Hofstein, gemeinsam mit Kwitko, Markisch und anderen Mitgliedern des Jüdischen Antifaschistischen Komitees, verhaftet, zunächst nach Moskau, dann nach Sibirien deportiert, um dann 1952, wie viele weitere hervorragende Exponenten der jiddischen Kunst und Kultur, ein Opfer des stalinistischen Säuberungswahns zu werden; nach Stalins Tod wurde David Hofstein rehabilitiert, eine Auswahlausgabe seiner Werke in russischer Übersetzung erschien 1958; -- Werke (Auswahl): Zwischen 1911 und 1919 erschienen die Zyklen Felder; Berge; Wald; Schnee (allesamt idyllische Naturgesänge); Beim Weg, Kiew 1919 (Liedersammlung); Rotes Blut, Kiew 1920 (Liedersammlung); Kinderjahre, Kiew 1920 (Prosaband); Sonnenschleifen, Kiew 1921 (Liedersammlung); Trauer, Kiew 1922 (Liedersammlung); Strassensteine, Kiew 1922 (Liedersammlung); In der Wandtafel, Berlin 1923 (Liedersammlung); Gesammelte Werke, 1923 (nur der 1., Hofsteins Lyrik enthaltende Band dieser Prachtausgabe ist erschienen); Scha'ul, der lezter Meilech fun Jisruel, 1924 ("Saul, letzter König Israels", dramatisches Poem); Meschiechs Zaitn, 1925 ("Messianische Zeiten", expressionistisches Drama); Lider, 1935 (autobiographische Beschreibung seines Weges von der religiösen Jugendzeit bis zum kämpferischen Marxisten)
  • 4.8.1889–12.10.1969: Dr. phil. Fritz Leopold Steinthal, geb. in Charlottenburg, gest. in Buenos Aires, deutscher Rabbiner; 1919-1938 Rabbiner der jüdischen Gemeinde Münster; gleichzeitig fungierte er an der dortigen Marks-Haindorf-Stiftung als Studiendirektor; infolge des Antisemitismus verliess Steinthal 1938 Münster gen Argentinien; dort gründete er 1939 die liberale Culto Israelita de Belgrano; 1969 starb Steinthal im Exil in Argentinien
  • 5.8.1889–14.8.1956: Hans Ludwig Hamburger (Vater: Karl Hamburger, Jurist; Mutter: Margarete Hamburger, geborene Levy), geb. in Berlin, gest. in Köln, Mathematiker, evangelisch getauft, studierte 1907-1914 in Berlin, Lausanne und Göttingen sowie bei Alfred Pringsheim in München (dort 1914 promoviert); nach dem Kriegsdienst 1915-1918 habilitierte er sich in Berlin; dort seit 1919 Dozent, 1922-1924 Prof., dann ab 1924 Prof. in Köln; 1927 heiratete er Malla Jessen (später geschieden); er lebte – ausgewiesen – 1939-1947 in England, seit 1941 als Lecturer in Southhampton an der späteren Universität; 1947-1953 als Prof. in Ankara; 1956 heiratete er Vera Schereschewsky, starb aber bereits wenige Monate später am 14. August in Köln; er arbeitete u. a. über Differentialgleichungen, das Stieltjesche Momentanproblem, lineare Transformationen, die Riemannsche Zetafunktion
  • 14.8.1889–Juni 1940: Willi Münzenberg (Wilhelm Münzenberg), geb. in Erfurt, gest. in Saint-Marcellin, Dépt. Isère, im Südosten Frankreichs, einflussreicher Kommunist, Verleger und Filmproduzent; er lebte 1910-1918 in Zürich und lernte dort Lenin kennen; seit 1919 Vorsitzender der Kommunistischen Jugendinternationale; mit seinem "Neuen Deutschen Verlag" und den auflagenstarken Zeitungen "Welt am Abend" (Berlin, Chefredakteur Paul Friedländer), "Berlin am Morgen" (Chefredakteur Bruno Frei) und "Arbeiter Illustrierte Zeitung" (AIZ) war Münzenberg einer der mächtigsten Vertreter und faktisch der Leiter der Propaganda der KPD in der Weimarer Republik ("Münzenberg-Konzern"); er war Mitgründer der kommunistischen Internationale und gründete 1921 die "Internationale Arbeiterhilfe", 1924-1933 war er Abgeordneter für die KPD im Reichstag; nach dem Hitler-Stalin-Pakt 1939 nahm er allerdings eine strikt antikommunistische Position ein; seit 1933 lebte er in Frankreich; mit dem "Braunbuch" über Reichstagsbrand und Hitlerterror (1933), dem Weissbuch über die Erschiessungen zum 30.6.1934 (1934) und "Das braune Netz" (1935) bekämpfte er das Hitler-System; 1937 wurde er wegen Kritik an Stalin aus der KPD ausgeschlossen; ab 1938 gab er die Zeitschrift "Die Zukunft" und Bücher linker Emigranten heraus; nach seiner Flucht aus einem französischen Internierungslager wurde er im Oktober 1940 erhängt aufgefunden, bis heute ist unklar, ob er sich selbst erhängte, ob er durch die Gestapo oder durch sowjetische Agenten des NKWD umkam; -- Zitat Münzenbergs: "Alle Nachrichten sind Lügen und alle Propaganda wird als Nachrichten getarnt"; Literatur: Babette Gross [seine Lebensgefährtin], Willi Münzenberg. Eine politische Biographie, Stuttgart 1967
  • 19.8.1889–9.7.1946: Fritz Jessner, Schauspieler, Regisseur, Schwager von Leopold Jessner, geb. in Stolp (Pommern), arbeitete als Schauspieler in Königsberg, München, Hamburg und Berlin; 1925 Direktor vom Neuen Spielhaus in Königsberg; 1933 Bühnendirektor des Jüdischen Kulturbundes in Berlin; 1936 Bühnendirektor Stadttheater Bern; während des zweiten Weltkriegs gab er Schauspielunterricht in Amerika; er starb 1946
  • 2.9.1889: Isaak Grünewald (Isaac Grünewald) in Stockholm geboren, schwedisch-jüdischer expressionistischer Maler, Schüler Henri Matisses in Paris, entwickelte sich, zumal als Bildnismaler, zu einem starken Gestalter der modernen europäischen Malerei; er starb am 22.5.1946; - Literatur: André Warmod: Isaak Grünewald, 1928
  • 24.9.1889–30.7.1970: Erna Engel-Baiersdorf, geborene Baiersdorf de Erdősi, geb. in Wien, gest. in Vancouver, Kanada, war Malerin, Bildhauerin, renommierte anthropologische Rekonstrukteurin und Mitarbeiterin der Naturhistorischen Museen Wien und Budapest sowie Kuratorin des Naturgeschichte-Museums in Pécs, Ungarn, wo zahlreiche ihrer Arbeiten aufbewahrt werden, darunter die seinerzeit als Standard geltende Rekonstruktion des Neandertalers. Sie war (in 2. Ehe) verheiratet mit Robert Engel de Jánosi, dem zweiten Sohn des Josef Engel de Jánosi (1851-1939). Während des Krieges (1944) war sie u. a. in Auschwitz Birkenau und in Buchenwald interniert
  • 6.10.1889–5.10.1974: Shneur Zalman Shazar (geboren Schneiur Salman Rubashow, aus den Initialen SchSR den Namen gebildet), Salman Schasar, Wissenschaftler, Schriftsteller, Redner, erster Erziehungsminister und dritter Präsident des Staates Israel. - Shazar wurde in Russland als Sohn einer Chabad-Familie geboren. In jungen Jahren verliess er den Pfad des Chassidismus zugunsten des Zionismus. Er behielt immer ein starkes emotionales Verhältnis zum Chassidismus und baute in seinen späteren Jahren einen engen persönlichen Kontakt mit dem Rebben der New Yorker Lubawitscher auf. Shazar begann seine zionistischen Aktivitäten noch als Jugendlicher, und im Alter von achtzehn Jahren hatte er schon einen zweimonatigen Gefängnisaufenthalt für seine Tätigkeit in der Poalei Zion Bewegung in Russland hinter sich. Er begann das Studium der jüdischen Geschichte und gleichzeitig eine Karriere als Redakteur russischer und amerikanischer jiddischer Zeitungen. Sein Interesse für jüdische Geschichte brachte ihn 1912 zur Fortsetzung seiner Studien nach Deutschland. Er entwickelte sich zu einem Historiker und Schriftsteller, dessen Spezialgebiete die Geschichte der osteuropäischen Juden, die Sabbatäer Bewegung und Bibelkritik waren. Der Student und Gelehrte Shazar blieb auch während seiner Zeit in Deutschland für die Poalei Zion Bewegung tätig. 1924 liess er sich in Palästina nieder und kombinierte sein schriftstellerisches Talent mit dem Zionismus als Chefredakteur der Histadrut Tageszeitung "Dawar" und später als Herausgeber im Histadrut Verlag „Am Owed". Er schrieb auch Gedichte, Essays, einen autobiographischen Roman, Biographien und wissenschaftliche Artikel. In Anerkennung seiner enormen intellektuellen Leistungen und seiner umfassenden zionistischen Aktivitäten ernannte ihn die israelische Regierung 1949 zum ersten Minister für Erziehung und Kultur. 1963 wählte ihn die Knesset zum Präsidenten des Staates Israel, eine Position, die er bis zu seinem Ruhestand, 1973, innehatte
  • 7.10.1889–25.10.1967: Heinrich Eduard Jacob, geb. als Henry Edward Jacob in Berlin-Friedrichstadt, gest. in Salzburg, deutscher und amerikanischer Journalist und Schriftsteller mit grosser Bandbreite der behandelten Themen, ein wahrer Enzyklopädist, oft als "Vater des Sachbuchs" bezeichnet, einer der letzten hommes de lettres; er schrieb auch unter den Namen bzw. Pseudonymen Henry E. Jacob und Eric Jens Petersen; innige Freundschaften verbanden ihn später mit anderen Exilanten wie Thomas Mann, Karl Jaspers, Heinrich Marcuse, Stefan Zweig, Kurt Tucholsky und Albert Einstein, mit denen er einen ausgiebigen Briefwechsel pflegte; seine umfangreichen Schriften werden erst langsam in ihrer Bedeutung erkannt bzw. überhaupt erst gesichtet; als amerikanischer Staatsbürger bereiste er nach 1945 den alten Kontinent und erlebte im Nachkriegsdeutschland seine Renaissance als"Sachbuchautor", eine Bezeichnung, die ihm sicher nicht gerecht wird, da sie zu eng greift; - doch der Reihe nach: Heinrich Eduard Jacob war der Sohn des Bankdirektors und Chefredakteurs der „Deutschen Konsularzeitung“ Richard Jacob (Breslau, 1847-Berlin 1899) und dessen Ehefrau Martha geborene Behrendt (Deutsch-Eglau 1865-KZ Theresienstadt 1943), Tochter eines Rittergutsbesitzers; nach der Scheidung der Eltern 1895 heiratete die Mutter im selben Jahr den Wiener Bankier Edmund Lampl; die Übersiedlung nach Wien erfolgte 1898; mit seinem älteren Bruder Robert Jacob (Berlin 1883-Berlin 1924) und seiner Halbschwester Alice Lampl (Berlin 1898-Wien 1938; sie wurde wegen Betrugs zu zwei Jahren schweren Kerkers verurteilt und nahm sich ein halbes Jahr später das Leben, auch die Mutter erhielt eineinhalb Jahre Haft) wuchs Jacob in einer Bildungsbürgerfamilie der alten deutsch-jüdischen Geisteswelt auf; nach dem Besuch von Gymnasien in Berlin und Wien legte Jacob 1909 sein Abitur am Askanischen Gymnasium in Berlin ab, wo er durch seinen Lehrer Otto Gruppe (1851-1921) altphilologisch geprägt wurde, und begann an der Königlichen Friedrich-Wilhelm-Universität zu Berlin Germanistik, Literatur-, Geschichte und Musikwissenschaft zu studieren; bereits während des Studiums stand er in Verbindung zum Berliner Kreis der Frühexpressionisten; mit Georg Heym, dessen erste Gedichtveröffentlichungen er im Berlin-Charlottenburger Wochenblatt „Herold“ vornahm, verband ihn eine Freundschaft; ab April 1912 war er Theaterkritiker der Deutschen Montagszeitung; in den zwanziger Jahren arbeitete Jacob vor allem als Journalist und Feuilletonist; im September/Oktober 1926 nahm er als Delegierter und Sonderkorrespondent des Berliner Tageblatts am internationalen Filmkongress in Paris teil, der auf Veranlassung des Völkerbundes einberufen wurde und sich mit dem neuen Medium Film als Propagandainstrument befasste; als Beispiel eines verhinderten „Hetzfilms“ variierte Jacob einen 1924 produzierten und am 2. Juli 1926 in den Kinos angelaufenen Film über einen korsischen Räuberhauptmann, „Romanetti. Le Roi du maquis“ (Regie: Gennaro Dini); in seinem Roman „Blut und Zelluloid“ (der ein Bestseller wurde) verarbeitete Jacob den Pariser Filmkongress sowie den Film über den Räuberhauptmann; von 1927 bis 1933 war er Leiter des „Mitteleuropäischen Büros“ des „Berliner Tageblatts“ in Wien; daneben veröffentlichte er eine Reihe von Romanen, Erzählbänden und Theaterstücken; in fast allen seinen Werken kann man Jacob als Autor kennenlernen, der die Krisenerscheinungen der modernen und der alten Welt präzise diagnostiziert; nach dem Aufkommen der Nazis verlor Jacob im März 1933 seine Stellung beim „Berliner Tageblatt“; er lebte nunmehr als freier Schriftsteller in Wien und konzentrierte seine literarische und literaturwissenschaftliche Wahrnehmung neben Biographien vor allem auf das Sachbuch; anlässlich des XI. Internationalen PEN -Kongresses in Ragusa (Dubrovnik) stritt er in vorderster Reihe gegen die nationalsozialistisch eingestellten Schriftsteller und trug damit zur Spaltung des österreichischen PEN bei; während seiner anschliessenden Bemühung - gemeinsam mit Raoul Auernheimer, Paul Frischauer u.a. -, die „Völkischen“ zum Austritt aus dem PEN zu bewegen, kam es zur Kontroverse mit Stefan Zweig, der sich sehr zögerlich zeigte; obwohl seine erzählerischen Werke während der Zeit des Nationalsozialismus auf der Liste unerwünschter Bücher standen, konnte der Berliner Rowohlt-Verlag 1934 dennoch mit Erfolg sein erstes Sachbuch verlegen; Jacobs Romane erschienen allerdings nur noch in schweizerischen bzw. niederländischen Exilverlagen; nach dem „Anschluss“ Österreichs wurde Jacob am 22. März 1938 verhaftet, seine umfangreiche Bibliothek und Privatkorrespondenz, aber auch sein sonstiges Hab und Gut, beschlagnahmt; der Autor wurde in Schutzhaft genommen; man brachte ihn zunächst mit dem 1. Wiener Transport von „Schutzhäftlingen“, dem sogenannten Prominententransport, in das Konzentrationslager Dachau, später, am 23. September 1938, nach Buchenwald; durch die ständigen Bemühungen seiner späteren Frau Dora Angel-Soyka (Wien 1889-Berlin 1984), Schwester des österreichischen Dichters Ernst Angel (1894-1986) und in erster Ehe mit dem Wiener Schriftsteller Otto Soyka (1881-1955) verheiratet, sowie mit Hilfe eines amerikanischen Onkels, Michael J. Barnes, ein Bruder der Mutter von Jacob, gelang es, Jacobs Ausreise zu ermöglichen; am 10. Januar 1939 wurde er aus Buchenwald entlassen, heiratete am 18. Februar 1939 in Wien Dora Angel und gelangte mit ihr über Grossbritannien in die Vereinigten Staaten, wo er sich in New York niederliess; die Mutter Martha stirbt am 5. Februar 1943 in Theresienstadt, Jacob selbst erfährt es trotz langjähriger Nachforschungen über das Rote Kreuz nie; am 15. Dezember 1942 wurde die Mutter von Berlin aus mit dem Transport I/80, Bahnhof Berlin-Grunewald, in Theresienstadt eingeliefert; - trotz all seiner schlimmen Erfahrungen und Erlebnisse blieb Jacob stets um Versöhnung und Ausgleich mit den in Hitler-Deutschland verbliebenen Kolleginnen und Kollegen - mit den Deutschen insgesamt – bemüht; in den Vereinigten Staaten schrieb Jacob für deutschsprachige Exilzeitschriften wie z.B. für die jüdische Wochenzeitung Aufbau, aber auch für die New York Times; daneben entstanden weitere Sachbücher, vorwiegend für den englischsprachigen Markt; am 28. Februar 1945 erlangte Jacob die amerikanische Staatsbürgerschaft; im Sommer 1953 kehrte er wieder nach Europa zurück und hielt sich zeitweise auch in Deutschland auf; insgesamt war sein Leben seit 1938 jedoch von grosser Rastlosigkeit geprägt, er lebte mit seiner Frau quasi von Hotel zu Pension; seine angegriffene Gesundheit, vor allem bedingt durch die Internierung in den Konzentrationslagern, verhinderte ab 1959 die Entstehung weiterer literarischer Werke; die Ruhestätten von Heinrich Eduard Jacob und seiner Frau Dora befinden sich mittlerweile auf dem Jüdischen Friedhof Heerstrasse in Berlin-Charlottenburg ; - Werke: Das letzte Abenteuer Alexanders (Novelle, 1906); Das Leichenbegängnis der Gemma Ebria (Novellen), Berlin 1912; Reise durch den belgischen Krieg (Tagebuch), Berlin 1915; Das Geschenk der schönen Erde (Idyllen), München 1918; Der Zwanzigjährige (Roman), München 1918; Beaumarchais und Sonnenfels (Schauspiel), München 1919; Die Physiker von Syrakus (Dialog), Berlin 1920; Der Tulpenfrevel (Schauspiel), Berlin 1920; Das Flötenkonzert der Vernunft (Novellen), Berlin 1923; Der Untergang von dreizehn Musiklehrern (Erzählung), Stuttgart 1924; Dämonen und Narren (Novellen), Frankfurt am Main 1927; Jacqueline und die Japaner (Roman), Berlin 1928; Blut und Zelluloid (Roman), Berlin 1929; Die Magd von Aachen (Roman), Berlin ... 1931; Liebe in Üsküb (Roman), Berlin etc. 1932; Ein Staatsmann strauchelt (Roman), Berlin etc. 1932; Sage und Siegeszug des Kaffees (Kultursachbuch), Berlin 1934 (letzte Neuauflage unter dem Titel "Kaffee. Die Biographie eines weltwirtschaftlichen Stoffes", 2006); Treibhaus Südamerika (Novellen), Zürich 1934; Der Prinzinger Taugenichts (Roman), Amsterdam 1935; Bernadotte. Der Mann, der nicht der Zweite sein konnte (Romanbiographie), ca. 1935-38; Johann Strauss und das neunzehnte Jahrhundert (Biographie), Amsterdam 1937; Haustheater bei Doktor Lehner (Roman), ca. 1940 (gemeinsam mit Dora Jacob); Der grosse Nebel über Belgien (Roman), 1941; Per Kristian sucht sein Regiment (Roman), ca. 1941, unvollendet; Deborahs Siegesreigen (Tanzpantomime), ca. 1942; Six thousand Years of Bread. Its Holy and Unholy History (Kultursachbuch), New York 1944; Astor (Romanbiographie), ca. 1944 (behandelt die Geschichte des in Amerika zu grossem Reichtum gekommenen Johann Jacob Astor, 1763-1848); Estrangeiro (Theaterstück), ca. 1945; Fräuleins (Roman), 1946; The World of Emma Lazarus (Biographie), New York 1949 (wurde sehr gut aufgenommen, sogar im amerikanischen Kongress gelobt); Joseph Haydn. His Art, Times, and Glory (Biographie), New York 1950; Fashions of Love (Film Treatment), ca. 1950, gemeinsam mit Ernst Angel; Estrangeiro (Roman), Frankfurt am Main 1951; Babylons Birthday oder ein Fest in New York (Roman), Erstfassung ca. 1953; Sechstausend Jahre Brot (Kultursachbuch), Hamburg 1954; Mozart oder Geist, Musik und Schicksal (Biographie), Frankfurt am Main 1955; Felix Mendelssohn und seine Zeit (Biographie), Frankfurt am Main 1959; Die Tiroler in Narvik (Erzählung), Berlin-Köpenick 1991 (unter dem Pseudonym Jens Eric Petersen); Mit dem Zeppelin nach Pernambuco (Reisebericht), Berlin-Köpenick 1992; Stationen dazwischen (Essay über Alfred Döblin), Berlin-Köpenick 1993; - (Co-) Herausgeberschaft: Der Feuerreiter. Blätter für Dichtung, Kritik, Graphik, Berlin 1921 ff.; Verse der Lebenden. Deutsche Lyrik seit 1910, Berlin 1924; Deutsch-Französische Rundschau (Organ der „Deutsch-Französischen Gesellschaft“), Berlin 1928 ff.; daneben Übersetzungen und zahlreiche Publikationen gemeinsam mit anderen oder für Anthologien
  • 19.10.1889: Fanny Hurst (Fannie Hurst) in Hamilton (Ohio) geboren, amerikanisch-jüdische Schriftstellerin; Romane: "Humoresque" (Schicksal einer jüdischen Mutter) u. a.; sie starb am 23.2.1968
  • 23.10.1889–28.4.1957: Frieda Fromm-Reichmann, geb. in Karlsruhe, gest. in Rockville, Maryland, amerikanische Ärztin, Psychoanalytikerin und Psychotherapeutin deutsch-jüdischer Herkunft; sie gilt als Pionierin der analytisch orientierten Psychotherapie von Psychosen und als Vertreterin der "Neopsychoanalyse"; Frieda Fromm-Reichmann wurde als älteste Tochter in eine Bankiersfamilie geboren; weil ihre Eltern, Alfred und Klara Reichmann, keine Söhne hatten, erlaubten sie ihrer Ältesten mehr als andere jüdisch-orthodoxe Frauen zu jener Zeit durften; ihr Vater ermutigte sie, Medizin zu studieren; Frieda schrieb sich 1908 an der Medizinischen Fakultät von Königsberg ein, wo sie 1911 das Staatsexamen und die Promotion zum Dr. med. bestand; 1914 erhielt sie ihre Approbation; während des Ersten Weltkrieges behandelte sie als Assistentin des Psychologen Kurt Goldstein an der Nervenklinik der Universität Königsberg gehirnverletzte deutsche Soldaten; von 1918-1920 arbeitete sie in Frankfurt am Main, bis 1923 im Privatsanatorium Weisser Hirsch in Dresden und anschliessend in Berlin; sie liess sich zur Psychoanalytikerin ausbilden und eröffnete in Heidelberg ein privates Sanatorium, in dem sie auch psychotische Patienten behandelte; 1926 heiratete sie den Psychoanalytiker Erich Fromm und gründete 1929 mit ihm zusammen das Frankfurter Institut für Psychoanalyse; um 1930 gehörte sie mit Franz Alexander, Otto Fenichel, Erich Fromm, Georg Groddeck, Karen Horney, Melanie Klein, Sandor Rado, Hanns Sachs und René A. Spitz zur Berliner psychoanalytischen Vereinigung; 1931 kam es zur Trennung von Erich Fromm; 1933 emigrierte Frieda Fromm-Reichmann über Strassburg und Palästina in die USA, wo sie als Psychotherapeutin in der von Dexter M. Bullard geleiteten Psychiatrischen Klinik Chestnut Lodge in Rockville, Maryland arbeitete; dort lernte sie Harry Stack Sullivan kennen, von dessen interpersoneller Theorie sie stark beeinflusst wurde; 1943 gründete sie mit Harry Stack Sullivan, Erich Fromm, Clara Thompson und Janet Riochwrote das William Alanson White Institute of Psychiatry, Psychoanalysis and Psychology; sie lehrte an der Washington School of Psychiatry und arbeitete als Director of Psychotherapy in Chestnut Lodge bis zu ihrem Tode; ihre bekannteste Patientin war die spätere Schriftstellerin Joanne Greenberg, die unter dem Pseudonym Hannah Green das autobiografische Buch "Ich hab dir nie einen Rosengarten versprochen" über ihre Krankheit und den therapeutischen Heilungsprozess mit Frieda Fromm-Reichmann schrieb; Fromm-Reichmanns Schülerin Hilde Bruch erreichte als Spezialistin für Essstörungen einen weltweiten Bekanntheitsgrad; Frieda Fromm-Reichmann gilt als Pionierin in der Therapie der Schizophrenie; unter dem Einfluss der Theorien von Sullivan, Fromm und Horney und ihrer eigenen Therapieerfahrungen entfernte sie sich in den 1930er Jahren von Freuds Auffassung, dass Psychosen für die Psychoanalyse nicht überwindbar seien, sowie von den Ansichten der traditionellen Psychiatrie, für die Schizophrenie genetisch bedingt und unheilbar war; sie näherte sich damit Alfred Adlers Individualpsychologie, die den Menschen und seine Psyche als unteilbares Ganzes und deshalb als therapierbar ansah; sie verfasste zahlreiche Schriften zur Nervenheilkunde und Psychotherapie; in ihrem Aufsatz "Über die Einsamkeit" wies sie auf die Bedeutung der Einsamkeit für die Entwicklung psychischer Störungen und Geisteskrankheiten hin; dieser Einsamkeit stellte sie die Arzt-Patienten-Beziehung als heilende zwischenmenschliche Begegnung gegenüber: Der Therapeut sollte dem Patienten eine Brücke bauen, über die er aus der grossen Einsamkeit seiner eigenen Welt zu Realität und menschlicher Wärme gehen kann; im Rahmen ihrer Forschungen zur Entstehung und Therapie der Schizophrenie befasste sie sich auch mit der manisch-depressiven Psychose; während sie die Störungen beim Schizophrenen in der Säuglingszeit vermutete, wenn der Säugling noch nicht zwischen sich und der Mutter unterscheiden konnte, ortete sie die Entstehung der Schwierigkeiten der Manisch-Depressiven im Zusammenhang mit Müttern, die die wachsende Unabhängigkeit des Kindes als Bedrohung erleben; Fromm-Reichmann befasste sich eingehend mit dem psychotherapeutischen Prozess und der Persönlichkeit des Therapeuten; 1950 beschrieb sie die von ihr entwickelte Therapieform der Intensiven Therapie im Werk Principles of Intensive Psychotherapy; sie war der Ansicht, dass eine Therapie nur gelingen kann, wenn der Therapeut an die Möglichkeit psychischer Veränderung bei sichselbst und bei anderen glaubt; die Psychotherapie muss - gemäss Fromm-Reichmann - dem Menschen, um ihn zur Selbstverwirklichung zu befähigen, allgemeine Werte wie Wachstum, Liebes- und Arbeitsfähigkeit usw. vermitteln; Ziel der Therapie mit Schizophrenen war für Fromm-Reichmann die Erforschung der Dynamik der Angst, die bei der Schizophrenie eine zentrale Rolle spielt; es war ihr Anliegen, den Patienten zu befähigen, die Psychose in sein Leben zu integrieren, wie es Joanne Greenberg in ihrem Buch auf beeindruckende Weise beschrieben hat
  • 27.10.1889–23.8.1931: Arthur Sakheim, geb. in Libau, gest. in Berlin, Schriftsteller und Dramaturg in Hamburg und (seit 1926) Frankfurt/M.; Dr. phil.; Pilger und Spieler, 1915; Essays über Expressionismus, 1919; Das jüdische Element in der Weltliteratur 1924; Chassidim-Drama "Der Zaddik" (nach einem Fragment An-skis), 1929; er übersetzte Molière, Goldoni und Lermontow
  • 27.10.1889–19.12.1953: Rudolf Leonhard, geb. in Lissa (heute Leszno, Polen), gest. in Berlin, DDR, deutscher Schriftsteller und Kommunist, er entstammte einer jüdischen Rechtsanwaltsfamilie und studierte selbst Rechtswissenschaften und Philologie in Berlin und Göttingen; 1914 nahm er als Kriegsfreiwilliger am Ersten Weltkrieg teil, wandelte sich jedoch im Kriegsverlauf von einem Befürworter zu einem entschiedenen Gegner des Krieges und kam vor ein Kriegsgericht; 1918 trat er in die USPD ein und beteiligte sich 1918/19 als Anhänger von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg aktiv an den revolutionären Kämpfen, 1919 trat er der KPD bei, die er 1921 wieder verliess, um sich der linkskommunistischen KAPD anzuschliessen, aus der er nach einem Jahr wieder austrat; 1918 heiratete Leonhard die Schriftstellerin Susanne Köhler, die Ehe wurde nach einem Jahr wieder geschieden; seit 1919 freischaffend, war er Autor der Weltbühne und arbeitete für den Verlag "Die Schmiede" als Lektor und Herausgeber zweier bedeutender Reportagereihen „Aussenseiter der Gesellschaft“ und „Berichte aus der Wirklichkeit“; Ende November 1925 initiierte und leitete er die "Gruppe 1925", in der u.a. Bertolt Brecht, Alfred Döblin, Albert Ehrenstein, Leonhard Frank, Walter Hasenclever, Walter Mehring und Kurt Tucholsky vertreten waren; nach Differenzen über das Profil der Gruppe erklärte Leonhard im Januar 1927 seinen Austritt; im März 1928 übersiedelte er auf Einladung seines Freundes Walter Hasenclever nach Paris und lebte dort bis 1934 in dessen Wohnung; im April 1933 beteiligte sich Leonhard an der Gründung der „Ligue des Combattants de la Paix“ und wurde mit Albert Einstein Präsident der deutschen Sektion; nachdem am 31. Juli 1933 der „Schutzverband Deutscher Schriftsteller“ im „Reichsverband Deutscher Schriftsteller“ aufgegangen war, erfolgte auf Initiative Leonhards am 30. Oktober 1933 die Gründung des „Schutzverbandes Deutscher Schriftsteller im Ausland“, dessen französischer Sektionsvorsitzender Leonhard wurde; seine Erlebnisse im Spanischen Bürgerkrieg 1937 verarbeitete er im Erzählungsband „Der Tod des Don Quijote“; 1939 bis 1944 wurde er im Lager Le Vernet, später in Castres interniert, konnte allerdings flüchten, wurde zurückgebracht und flüchtete erneut und lebte daraufhin im Untergrund in Marseille; 1944 kehrte er nach Paris zurück; er nahm 1947 am Ersten deutschen Schriftstellerkongress teil und übersiedelte 1950, bereits schwer erkrankt, nach Berlin-Ost; als sogenannter Westemigrant und mutmasslicher Vater von Wolfgang Leonhard spielte er im literarischen Leben der DDR trotz Fürsprache zahlreicher Freunde und des Eintritts in die SED nur eine untergeordnete Rolle; er schrieb zunächst expressionistische Lyrik, später realistische Lyrik, Dramen und Erzählungen, ferner Essays und Übersetzungen; Werke: Angelische Strophen, 1913; Der Weg durch den Wald (Gedichte), 1913; Barbaren (Balladen), 1914;Über den Schlachten (Gedichte), 1914; Äonen des Fegefeuers (Aphorismen), 1917; Bemerkungen zum Reichsjugendwehrgesetz, 1917; Beate und der grosse Pan (Roman), 1918; Katilinarische Pilgerschaft (Gedichte), 1919; Kampf gegen die Waffe (Rede), 1919; Briefe an Margit (Gedichte), 1919; Das Chaos (Gedichte), 1919; Die Vorhölle (Tragödie), 1919; Gedichte über das Thema ‚Mutter‘, 1920; Alles und Nichts! (Aphorismen), 1920; Spartakus-Sonette, 1921; Die Ewigkeit dieser Zeit. Eine Rhapsodie gegen Europa, 1924; Segel am Horizont (Drama), 1925; Das nackte Leben (Gedichte), 1925; Das Wort. Ein sinnliches Wörterbuch der deutschen Sprache, 1932; Der Tod des Don Quijote. Geschichten aus dem Spanischen Bürgerkrieg, 1938; Le Vernet (Gedichtzyklus, entstanden 1939-1944); In derselben Nacht (Das Traumbuch des Exils, entstanden 1939-1944); Geiseln (Tragödie, 1945, dt. 1946); Unsere Republik (Aufsätze und Gedichte, 1951); Werkausgabe in vier Bänden, 1961 ff.
  • 20.11.1889–4.11.1982: Karl Joel (Karl Amson Joel), geb. in Colmberg (Mittelfranken), gest. in Nürnberg, war ein deutscher Textilkaufmann und -fabrikant jüdischer Abstammung, der mit seiner Frau in den 1930er Jahren das zweitgrösste deutsche Versandhaus aufbaute, bis ihn die Nazis ruinierten und ausser Landes trieben; der Sohn eines Textilhändlers gründete 1928 in Nürnberg einen Versandhandel für Haushaltstextilien und Bekleidung, 1929 begann er mit deren Fabrikation; als erster Versand bot er auch aktuelle Modeartikel an, und bald gehörte sein Wäsche- und Konfektionsversandhaus neben Quelle, Witt Weiden und Schöpflin zu den Grossen der Branche; nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten war er aufgrund seiner jüdischen Herkunft zunehmend abstrusen Anschuldigungen und diffamierenden Angriffen des fränkischen Gauleiters Julius Streicher in dessen Zeitung "Der Stürmer" ausgesetzt; deshalb zog er 1934 nach Berlin, wo er 1935 auf dem Osram-Gelände in Wedding Gebäude anmietete und neue Geräte für die Verpackung und den Transport anschaffte; die Verlegung seiner Nürnberger Näherei mit 150 Mitarbeitern wurde ihm allerdings untersagt; als Folge der Nürnberger Rassengesetze nahmen jedoch auch in Berlin die Behinderungen (z. B. Kennzeichnung der Pakete mit "J") und Boykottmassnahmen (etwa durch "arische" Zulieferfirmen) sowie der Druck, das Unternehmen zu „arisieren“, immer mehr zu; schliesslich musste er am 11. Juli 1938 sein Unternehmen weit unter Wert an NSDAP-Mitglied und Arisierungsprofiteur Josef Neckermann verkaufen, der daraus den Neckermann Versand schuf und sich auch nicht davor scheute, Zwangsarbeiter in "seinem" Unternehmen einzusetzen; den ursprünglich vereinbarten Kaufpreis von 2,3 Millionen Reichsmark korrigierte Neckermann zunächst auf 1,14 Millionen nach unten; er zog noch offene Verbindlichkeiten des Unternehmens ab, zudem sei das Inventar ursprünglich angeblich zu hoch bewertet gewesen (statt 200 000 nur 5 300 RM!), und weitere 500 000 Mark wolle er zunächst als Sicherheit für eventuell noch bestehende Forderungen zurückhalten; Neckermann hatte den reduzierten Kaufpreis (1 079 961 RM) auf ein Treuhandkonto beim Bankhaus Hardy & Co. in Berlin entrichtet; Verfügungsberechtigter war Josef Neckermann; Karl Joel war im Juli mit seiner Frau Meta in die Schweiz geflüchtet, wo sein Sohn Helmut (nannte sich später Howard und kehrte zunächst als GI am Ende des Krieges nach Deutschland zurück) in einem St. Galler Schulinternat war; dort wartete er aber vergeblich auf sein Geld, und eine Klage gegen die Bank wurde mit der Begründung abgewiesen, er sei „Devisenausländer“; während Neckermann mit seiner Familie in Joels Berliner Villa einzog, lebte Karl Joel mit seiner Familie mittellos in einer Zürcher Einzimmerwohnung; im August 1938 wurde ihm die deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt und einen Monat darauf sein Unternehmen enteignet; über Frankreich und England floh er nach Kuba; schliesslich gelang es ihm, in die USA einzureisen, wo er 1942 in New York mit der Herstellung von Haarschleifen begann; nach Wiederherstellung rechtsstaatlicher Verhältnisse in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg gelang es Joel 1957, von Neckermann eine Entschädigung in Höhe von 2 Millionen DM für den Verkaufspreis seines Unternehmens zu erstreiten – ein lächerlicher Bruchteil des ursprünglichen Wertes und ohne Kompensation für entgangene Gewinne; 1964 kehrte er gemeinsam mit seiner Frau Meta (gest. 10. September 1971) nach Nürnberg zurück; Karl Joel war der Grossvater des Musikers Billy Joel und dessen Halbbruders, des Dirigenten Alexander Joel
  • 23.11.1889–8.2.1963: Jakob Altmaier, geb. in Flörsheim am Main (Hessen, später verlieh ihm die Stadt die Ehrenbürgerwürde), gest. in Bonn, SPD-Politiker, in der Partei seit 1913; 1914-1917 Soldat mit EK, ab 1918 Journalist, ab 1919 auch Auslandskorrespondent in Paris und London, 1933-1946 emigriert, u. a. nach Belgrad, Athen und Kairo; 1949-1963 Mitglied des Bundestages, ab 1950 auch Europarat; Altmaier gilt als Initiator des deutsch-israelischen Wiedergutmachungsabkommens von 1952 („Luxemburger Abkommen“)
  • 28.11.1889: Rudolf Kayser in Parchim geboren, Schriftsteller (Essays), 1922-1933 Herausgeber der "Neuen Rundschau"; schrieb die Legende "Moses Tod" (1921); "Spinoza", 1934
  • 11.12.1889–1942: Paul Kornfeld, geb. in der Prager Neustadt (Nähe Wenzelsplatz), ermordet im Ghetto Litzmannstadt (Lodz) im Frühjahr 1942, aggressiv-geistreich-drastischer Dramatiker, Dramaturg, Schriftsteller (aus dem literarischen Umfeld Werfel/Brod; gemeinsame spiritistische Sitzungen etc.); Urenkel des berühmten Aron Kornfeld (1795-1881): Seine Vorfahren waren Rabbiner und Talmudgelehrte; seit 1914 in Frankfurt a. M.; er begann als Expressionist ("Die Verführung", Tragödie, 1916; "Himmel und Hölle", Tragödie, 1919); Erfolge errangen auch seine mit sarkastischem Witz versehenen Charakterkomödien ("Palme oder der Gekränkte", 1924; "Kilian oder die Gelbe Rose", 1926); er war seit Januar 1918 Leiter der von Max Reinhardt herausgegebenen Literatur- und Theater-Zeitschrift "Das junge Deutschland", seit 1925 Dramaturg bei Max Reinhardt in Darmstadt und Berlin; Dezember 1932 wieder nach Prag, wo er im Oktober 1942 durch die SS verhaftet wurde; 1918 hatte er die Bekenntnisschrift "Der beseelte und der psychologische Mensch" veröffentlicht; Erzählung "Legende", 1918; Schauspiel "Sakuntala des Kalidasa", 1925; Tragödie "Der ewige Traum", 1922; Tragödie "Jud Süss", 1929; Komödie "Smither kauft Europa", 1929; Roman "Blanche oder Das Atelier im Garten", 1957 (aus dem Nachlass, es gelang ihm, das Manuskript von einer Tschechin verstecken lassen); im Jahr 1918 hatte Paul Kornfeld die Schauspielerin Fritta Brod geheiratet, von der er sich 1926 scheiden liess; ein Namenszug in der Prager Pinkas-Synagoge erinnert an Paul Kornfeld
  • 19.12.1889–7.2.1943: Arthur Rosenberg, geb. in Berlin, gest. in New York, marxistischer Historiker und Politiker, evangelisch getauft, kam aus der jüdischen Jugendbewegung, habilitierte sich 1914 in Berlin über antike Geschichte, wurde Prof. an der Universität Berlin und wandte sich der neuesten Geschichte zu (Entzug des Lehrauftrags durch die Nazis 1933); seit 1918 Mitglied der USPD; 1924-1928 war er MdR für die KPD, von der er sich 1927 abwandte (danach fraktionsloser Abgeordneter); 1933 emigrierte er über die Schweiz und Grossbritannien in die USA, wo er ab 1937 in New York lehrte; -- Werke (Auswahl): Demokratie und Klassenkampf im Altertum, 1921; Die Entstehung der deutschen Republik 1871–1918 (Berlin 1928); Entstehung und Geschichte der Weimarer Republik, 1928-1935 (auch englisch); Geschichte des Bolschewismus, 1932 (auch englisch, italienisch, norwegisch, hebräisch und französisch); Der Faschismus als Massenbewegung: sein Aufstieg und seine Zersetzung, Karlsbad 1934; Geschichte der deutschen Republik, Karlsbad 1935; Demokratie und Klassenkampf, 1938 (auch englisch); Demokratie und Sozialismus, Amsterdam 1938; -- Zitat: Das Reich der Bolschewiki gleicht dem Lande des Kaisers in dem unsterblichen Märchen von Andersen. Der Kaiser kann nackt spazieren gehen, weil jeder moralisch verfemt ist, der die angeblichen Kleider des Kaisers nicht sieht. So schreitet der Kaiser durch das bolschewistische Reich, und rechts und links von ihm gehen die Parteibeamten und schliessen jeden aus, der den Ruf wagt: "Der Kaiser ist ja nackt!" (aus "Geschichte des Bolschewismus")
  • 1889–1914: Alfred Lichtenstein, Schriftsteller (Lyrik, Prosa)
  • 1889–1917: Naaman Belkind (Ne'eman Belkind), NILI-Mitglied (vgl. bei Aaron Aaronsohn: 1876-1919); der Neffe des BILU Gründers Israel Belkind und Sohn des BILU Pioniers Schimschon Belkind, Naaman, wurde in Eretz Israel geboren; er wuchs in der BILU Gemeinde von Gedera auf und arbeitete später in den Weinkellern von RischonLeZion; mit seinem Cousin Avschalom Feinberg und seinem Bruder Eitan Belkind schloss er sich der Spionagegruppe NILI an, die 1915 gegründet worden war, um die Briten gegen die Türken zu unterstützen; die Unternehmungen der Gruppe stiessen auf heftigen Widerstand, teilweise auch von britischer Seite, hauptsächlich aber von Seiten des Jischuw, für den diese Spionagetätigkeit subversiv war und die jüdischen Siedlungen gefährdete; auch ihre Unabhängigkeit von der Haupttendenz der zionistischen Politik isolierte sie, aber die Gruppe beharrte auf ihren Aktivitäten; im September 1917 machte sich Belkind auf den Weg nach Ägypten, um die Umstände, die zu Feinbergs Tod geführt hatten, zu untersuchen; er wurde von Beduinen im Sinai gefangengenommen, den Türken übergeben und nach Damaskus gebracht; kurz danach wurden die NILI-Führer verhaftet, und die Gruppe handlungsunfähig; Belkind wurde der Spionage überführt und am 16. Dezember 1917 gemeinsam mit dem NILI-Führer Josef Lischansky in Damaskus gehängt; Belkind wurde später in RischonLeZion bestattet
  • 1889–1918: Alfred Lemm (Lehmann), Schriftsteller (Prosa, Essays)
  • 1889–1944: Georg Flatow, geb. in Berlin, umgekommen in Auschwitz, Arbeitsrechtler, 1915 Dr. iur., 1920 im Reichsarbeitsministerium, 1927 Ministerialrat im Preussischen Ministerium für Handel und Gewerbe, schuf den Begriff der "Betriebsvereinbarung" und (mit Joachim) die Theorie der Schlichtung in der Schlichtungsverordnung von 1923; seine Berufung als Prof. an die Universität Berlin wurde durch Nationalsozialisten vereitelt; er emigrierte 1939 nach Amsterdam und wurde nach der deutschen Besetzung deportiert; Hauptwerke: Kommentar zum Betriebsräte-Gesetz, 1920 (unzählige Auflagen, der führende Kommentar); Kommentar zum Arbeitsgerichtsgesetz, 1928; redaktioneller Mitherausgeber der Entscheidungen des Reichsarbeitsgerichts und der Landesarbeitsgerichte
  • 1889–1944: Arthur Spanier, geb. in Magdeburg, gest. im KZ Bergen-Belsen, Judaist, 1920 Dr. phil., Kriegsteilnehmer, war 1921-1935 in der preussischen Staatsbibliothek Leiter der Abteilung für Judaica und Hebraica, Mitarbeiter am Jüdischen Lexikon, 1937 Dozent für Talmud an der "Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums" in Berlin (in dieser Zeit u. a. Publikationen über die Tosefta und über masoretische Akzente), 1938 mehrere Wochen im KZ Sachsenhausen, erhielt einen Ruf in die USA, ging nach Holland, um dort die Einwanderungserlaubnis abzuwarten, fiel in die Hände der Besatzer und wurde nach Bergen-Belsen deportiert, wo er umkam oder ermordet wurde
  • 1889–1945: Janos Garay, ungarisch-jüdischer Säbelfechter, gewann u. a. drei Olympia-Medaillen (Silber mit der Mannschaft, Paris 1924, und Gold mit der Mannschaft und Bronze im Einzel, Amsterdam 1928); noch kurz vor Ende des zweiten Weltkriegs kam er im Lager Mauthausen um
  • 1889–1957: Sabine Kalter (eigentlich Sabine Aufrichtig), geb. in Jaruslau / Jaroslaw (Galizien, Österreich-Ungarn), gest. in London, Opernsängerin; seit 1915 als Mezzosopranistin am Hamburger Stadttheater engagiert, wo sie alle grossen Rollen ihres Faches singt; trotz bereits früh einsetzender antisemitischer Anfeindungen Anfang der dreissiger Jahre (noch vor Machtantritt der Nationalsozialisten) kann sie aufgrund ihrer grossen Popularität bis zum Januar 1935 an der Oper bleiben; im selben Jahr noch emigriert sie nach Grossbritannien, kommt jedoch 1937 noch einmal zu einem Konzert des Jüdischen Kulturbundes nach Nazi-Deutschland, ehe sie sich endgültig in ihrer Exilheimat London niederlässt
  • 1889–1963: Y. Kaufmann, Bibel- und Talmudkundiger. Durch ihn kam es an der Hebräischen Universität Jerusalem zu interessanten Neuansätzen und alternativen Theorien. Doch blieb Kaufmanns Wirken sehr einseitig auf die Bekämpfung J. Wellhausens und der protestantischen Bibelwissenschaft fixiert, und ausserdem vertrat er eine nationalistische Geschichtsauffassung im Sinne des revisionistischen Zionismus.
  • 1889–1965: Otto Löwenstein, Psychologe und Neurologe
  • 1889–1967: Oberrabbiner Dr. Hartwig (Naftali) Carlebach, Badener (Österreich) Oberrabbiner seit 1931, zuvor Rabbiner in Berlin (Sohn von Salomon Carlebach, 1845-1919)
  • 1889–1969: Walter Sulzbach, geb. in Frankfurt a. M., gest. in Kilchberg bei Zürich, Soziologe und Bankier, geriet 1914 bei einer Studienreise durch Afrika in englische Gefangenschaft und war bis 1920 interniert; ab 1921 Dozent, später Prof. in Frankfurt a. M.; emigrierte 1937 in die USA, wo er an verschiedenen Orten lehrte; seit 1956 wieder Prof. in Frankfurt; lebte seit 1960 in der Schweiz; Hauptwerke: Begriff und Wesen der Nation, 1923; Rassenabstammung und Antisemitismus, 1923; Nationales Gemeinschaftsgefühl und wirtschaftliches Interesse, 1929; National Consciousness, 1943
  • 1889–1971: Stefan Goldschmidt, Chemiker; Stefan Goldschmidt studierte unter v.Baeyer in München Chemie und promovierte 1912 bei Dimroth mit einer Arbeit "Über den Abbau der Laccainsäure", einem Farbstoff des Stocklacks; seinem Doktorvater folgt er auch kurz darauf nach Greifswald; 1913 erscheinen seine erste Publikationen über das Phenyldiimin und Phenyldichloramin, beides nicht ganz ungefährliche Arbeitsgebiete; nach einer Kriegsteilnahme als Artillerieoffizier von 1914-1918 gibt es 1919 einen neuen Start und einen Umzug nach Würzburg; der Habilitation im Jahr 1920 folgen grundsätzliche Untersuchungen über das Auftreten von radikalischen Zwischenstufen bei Oxidationsreaktionen; 1923 wird Goldschmidt an die Technische Hochschule Karlsruhe berufen, wo er 1927 ordentlicher Professor und 1929 Direktor des Organisch-chemischen Laboratoriums wird; 1935 wird Goldschmidt als "Nichtarier" aus dem Hochschuldienst entlassen und arbeitet noch kurze Zeit mit Hilfe der Industrie in einem Privatlaboratorium; 1938 emigriert er nach Holland, wo er eine Stellung als Forschungsleiter der niederländischen Organon in Nijmegen findet, hier entwickelt er eine mit kriegsbedingt einfachen Mitteln gut durchführbare Synthese von Vitamin C; im Nachkriegsjahr 1946 wird er als Nachfolger von Fischer an die Technische Hochschule in München berufen, wo er die schwere Aufgabe hat, das Institut, zum grössten Teil ein Trümmerhaufen, wieder aufzubauen; Mitte der 50er Jahre können auch apparativ anspruchsvollere Arbeiten aus der Pharmakologie aufgenommen werden: Der Abbau der Barbitursäurederivate Veronal und Phanodorm in vitro und in vivo wird aufgeklärt; die neu aufkommende Isotopenmarkierungstechnik setzt Goldschmidt zu Arbeiten über die Biosynthese von Fettsäuren und über den Zuckerabbau im Organismus ein
  • 1889–1974: Hermann Mannheim, geb. in Libau, gest. in Orpington, Strafrechtler, Kriegsteilnehmer, war Kammergerichtsrat, seit 1924 Dozent an der Universität Berlin, seit 1929 Prof., emigrierte 1934 nach England; Hauptwerke: Revision, 1925; Prozessrecht, 1927; Voruntersuchung, 1929, Falscheid, 1930; War and Crime, 1941, Criminal Justice and Social Reconstruction, 1946; Mitherausgeber des British Journal of Criminology 1950-1966 sowie von Comparative Criminology, 2 Bde. 1965 (deutsch 1974)
  • 1889–1977: Robert Held, geb. in Nürnberg, gest. in Starnberg, Rechtsanwalt, in Starnberg 1919-1928, in München 1928-1938, Kriegsteilnehmer, verwundet, Dr. iur., emigrierte 1938 in die USA, wo er 1945 Bachelor of Laws wurde, in den 60er Jahren Rechtsanwalt, spezialisiert auf Entschädigungs-, Rückerstattungs- und Wiedergutmachungsrecht, kehrte 1971 nach Deutschland zurück
  • 1889–1984: Baba Sali, auch Rabbi Yisrael Abuhatzeira, geb. in Marokko, gest. in Netiwot, Israel, war ein bekannter orientalischer Rabbiner und Kabbalist und eine sehr wichtige Person der marokkanisch-jüdischen Gemeinde; später wanderte er nach Israel aus, wo er sich in Netiwot niederliess; seine Grabstätte wird jährlich von Tausenden Pilgern besucht

Bücher

  • Lewy, Ein Wort über die Mechilta des Rabbi Simon, Breslau 1889
  • S. Buber, Textausgabe Samuel b. R. Nissim Masnut Ma'ajan Gannim ... al Sefer Ijob, Berlin 1889
  • The survey of Eastern Palestine, 2 Bde., 1889
  • Henry Baker Tristram, The Natural History of the Bible, 8 Bde., London 1889
  • Names and Places in the Old and New Testament with their modern identification, London 1889

Zeitungen und Zeitschriften

  • 1889: Der Jiddische Progress, in Baltimore herausgegebenes jiddisches Blatt (parteilos)
  • 1889: El Sabado Segreto, in Mexiko in Spaniolisch erscheinende Zeitschrift
  • Seit 1889: The Jewish Quarterly Review, in Philadelphia, Pa., vierteljährlich in englischer Sprache erscheinende wissenschaftliche Zeitschrift (später [1907 ff.? 1910 ff.?] hrsg. vom Dropsie College?), Red. u. a. A. I. Katsch, S. Zeitlin
  • Seit 1889: Der Afrikaner Israelit, in Johannesburg erscheinendes jiddisches Blatt
  • 1889–1891: Monatsschrift für Literatur und Wissenschaft des Judentums, in Wien monatlich in deutscher Sprache erscheinende wissenschaftliche Zeitschrift
  • 1889–1891: Austad, in Smyrna/Türkei erscheinende Zeitschrift in türkischer Sprache (aber geschrieben mit hebräischen Lettern)
  • 1889–1891: Der Menschenfreund, in New York wöchentlich herausgegebene jiddische Literaturzeitschrift
  • 1889–1895: Al Bostan, in Tunis in arabischer Sprache erscheinendes Blatt
  • 1889–1899: Ha-Pisgah, 1889-1899 von Wolf Schur in Chicago herausgegebene hebräische Zeitschrift, in der hervorragende zeitgenössische Schriftsteller, u. a. Tschernichowsky, veröffentlichten
  • 1889–1908: Mitteilungen der österreichisch-israelitischen Union, in Wien monatlich in deutscher Sprache erscheinendes Organ

1889 in Wikipedia


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