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Samuel Goldwyn

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Samuel Goldwyn
Publicityfoto der Paramountgründung 1916
(v. l. n. r.) Jesse L. Lasky, Adolph Zukor, Samuel Goldwyn, Cecil B. DeMille, Al Kaufman

Samuel Goldwyn (geb. 17. August 1879[1] in Warschau, Polen, Russisches Reich, heute Polen; gest. 31. Januar 1974, Los Angeles, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Filmproduzent. Er war beteiligt an der Gründung bekannter Filmstudios wie den United Artists und der Metro-Goldwyn-Mayer. Als unabhängiger Produzent prägte er viele Jahrzehnte Hollywood-Geschichte mit.

Aufstieg im Filmgeschäft

Samuel Goldwyn wurde unter dem Namen Schmuel Gelbfisz[2] als ältestes von sechs Kindern im Sommer 1879 in Warschau geboren. Seine Eltern Abram und Anna Gelbfisz[3] waren chassidische Juden. 15 Jahre später starb der Vater, und Goldwyn verließ, mittellos und gerade 16-jährig, zu Fuß seine Heimat in Richtung England. Dort lebte er bei Verwandten in Birmingham und anglisierte seinen Namen in Samuel Goldfish. Er soll sein Geld als Gehilfe eines Hufschmieds verdient haben. Anfang 1899[4] kam er nach Amerika, wo er zur Zeit der Volkszählung 1900 in Gloversville, Kreis Fulton, Bundesstaat New York nachzuweisen ist. Im selben Jahr erhielt er in der Verwaltungshauptstadt Johnstown die US-amerikanische Staatsbürgerschaft.[5] Bald wurde er ein erfolgreicher Handschuhmacher. 1910 heiratete er die Schwester des Vaudevillekünstlers und Produzenten Jesse L. Lasky, Blanche Lasky (1885-1932)[6].

Im Zuge von starken Umsatzeinbrüchen in der Handschuhindustrie um 1912 plante Goldwyn, begeistert von der rasanten Entwicklung des Kinos, in die Filmindustrie einzusteigen. Er überredete seinen Schwager Jesse L. Lasky, die Jesse L. Lasky Feature Play Company zu gründen. Lasky war Präsident, Goldwyn zuständig für die Finanzen und der bis dahin wenig bekannte Cecil B. DeMille übernahm die Funktion des Regisseurs. Gemeinsam mit Louis B. Mayer produzierten sie 1913 The Squaw Man (dt: Der Mann der Indianerin). Der Film wurde ein finanzieller Erfolg und die Gesellschaft produzierte bereits im ersten Jahr ihres Bestehens 21 Filme.

1916 kam es zu einer Kooperation mit Adolph Zukor und seiner Firma Famous Players. Es entstand die Firma Famous Players-Lasky, bei der Goldwyn für den Vertrieb der Filme zuständig war. Die ständigen Streitereien der Verantwortlichen um Einfluss führten dazu, dass Zukor und Lasky sich einigten, Goldwyn für 900.000 US$ seine Anteile abzukaufen. Mit diesem Startkapital gründete Goldwyn 1916 zusammen mit den Broadway-Produzenten Edgar und Archibald Selwyn die Filmgesellschaft Goldwyn Picture Corporation. Der Name, der aus der Kombination von Goldfish und Selwyn entstand (die andere Möglichkeit Selfish wurde aus verständlichen Gründen nicht in Betracht gezogen), wurde 1918 der offizielle Familienname. Das Unternehmen entwickelte sich, doch Goldwyn hatte immer mehr Probleme im Umgang mit Investoren und Partnern, die Arbeit in den großen Studios machte ihn unzufrieden. Markenzeichen seiner Firma wurde Leo the Lion, der im Vorspann aller Filme einen kurzen Auftritt hatte. Das Unternehmen ging 1922 beinahe Bankrott und Goldwyn wurde mehr oder weniger aus der Firma gedrängt. Seine Anteile wurden daraufhin von Adolph Zukor’s Famous Players Film Company übernommen. 1924 übernahm die prosperierende Gesellschaft Metro die Anteile von Zukor und die Metro-Goldwyn-Mayer, kurz MGM war gegründet.

Goldwyn war an dieser Entwicklung nicht mehr beteiligt und er war seitdem als freier Produzent mit der Samuel Goldwyn, Inc., die kurz darauf zu den Samuel Goldwyn Studios firmierten. Er setzte hohe Qualitätsmaßstäbe und behielt gleichzeitig den wirtschaftlichen Erfolg seiner Produktionen im Auge. Den Durchbruch hatte er seit Mitte der Dekade dank des Erfolgs von Ronald Colman und Vilma Banky, die seit 1925 und The Dark Angel, dessen Remake von 1935 Goldwyn ebenfalls produzierte, zu einem der beliebtesten Leinwandpaare aufstiegen und insgesamt sechsmal zusammen romantische Abenteuer in aufwändig produzierten Filmen erlebten. Allein The Magic Flame von 1927 kostete insgesamt 800.000 US$ und war ein Beispiel für die opulenten Produktionswerte, die Goldwyn-Filme auszeichneten. Er beschäftigte einige renommierte Drehbuchautoren und zahlte große Summen, um prestigeträchtige Romane oder Theaterstücke zu verfilmen. Den Wechsel zum Tonfilm schaffte er auch dank der Popularität von Eddie Cantor, der für Goldwyn einige sehr erfolgreiche Revuefilme drehte, darunter Whoopee!, Palmy Days und The Kid from Spain. Filme wie Arrowsmith nach dem Roman von Sinclair Lewis unter der Regie von John Ford und Dodsworth, bei der William Wyler die Regie übernahm, machten aus Goldwyn den einflussreichsten selbstständigen Produzenten der 1930er. Seine Stars waren Gary Cooper, Merle Oberon, Danny Kaye und Susan Hayward. Daneben war Goldwyn jedoch auch für einen der spektakulärsten Fehlversuche verantwortlich, einen neuen Star zu schaffen: sein Protegee Anna Sten, die er 1932 in die USA geholt hatte und mit viel Geld und noch mehr Publicity zur Antwort auf Greta Garbo und Marlene Dietrich aufbauen wollte, floppte und wurde als Goldwyn's Folly bekannt.

Beginnend mit Wuthering Heights, der Verfilmung des bekannten Romans von Emily Bronté aus dem Jahr 1939 erreichte Goldwyn einen ersten Höhepunkt seiner Karriere 1941 mit der Adaption von The Little Foxes, einen Stück von Lillian Hellman, die bereits einige Jahre vorher bei der Verfilmung von Infame Lügen für den Produzenten gearbeitet hatte. Bette Davis bekam eine Gage von 385.000 US$ und eine Oscarnominierung. 1946 wurde Goldwyn mit dem Irving G. Thalberg Memorial Award ausgezeichnet und erhielt den Oscar für den besten Film dank Die besten Jahre unseres Lebens (The Best Years of Our Lives). Unmittelbar danach begann seine Laufbahn etwas zu sinken und er produzierte neben höchst erfolgreichen Filmen mit Danny Kaye und Loretta Young auch einige Flops wie Roseanna McCoy. In den 50er-Jahren produzierte er einige Musicals, unter anderem 1955 Schwere Jungs – leichte Mädchen mit Marlon Brando. 1957 wurde er für sein humanitäres Engagement mit dem Jean Hersholt Humanitarian Award ausgezeichnet. Seinen letzten Film produzierte er 1959 mit Sidney Poitier, Dorothy Dandridge und Sammy Davis jr. sowie der Sängerin Pearl Bailey in der Adaption von George Gershwin’s Oper Porgy and Bess, die mit drei Oscars ausgezeichnet wurde.

Danach zog sich Samuel Goldwyn aus dem Filmgeschäft zurück. Er starb 1974 in seinem Haus in Los Angeles. In Beverly Hills wurde ein Kino nach ihm benannt und auf dem Hollywood Walk of Fame hat er einen Stern an der 1631 Vine Street. Die Samuel Goldwyn Studios wurden in den 80er-Jahren an Warner Bros. verkauft.

Sonstiges

  • Samuel Goldwyn war als harter Geschäftsmann mit rüpelhaften Manieren bekannt. Anlässlich des Todes seines früheren Partners Louis B. Mayer soll er gesagt haben:
Es sind deshalb so viele Leute auf seiner Beerdigung erschienen, weil sie alle sicher sein wollten, dass er wirklich tot ist.
  • In Anlehnung an Goldwyns Geburtsnamen Gelbfisz heißt einer der Protagonisten in Terry Pratchetts Scheibenwelt-Roman Voll im Bilde Thomas Silberfisch (im Original: Thomas Silverfish). Der Roman schildert ironisch übersteigert die Entstehungszeit Hollywoods und seiner Filmindustrie. Silberfisch ist dabei Chef eines der Filmstudios.[7]
  • Von Goldwyn ist eine große Anzahl von Aussprüchen und Stilblüten erhalten. Bekannte Beispiele für derartige Aussprüche:
A verbal contract isn’t worth the paper it’s written on.
Ein mündlicher Vertrag ist nicht das Papier wert, auf dem er geschrieben steht.
Lebenskunst ist zu neunzig Prozent die Fähigkeit, mit Leuten auszukommen, die man nicht mag.

Einzelnachweise

  1. lt. Kopien von Originaldokumenten des Filmarchivs Kay Weniger. Das Geburtsjahr 1879 wurde bereits 2001 in Wenigers Das große Personenlexikon des Films, Band 3, S. 311, genannt. Die Nachzeichnung der frühen Jahre im Leben Goldwyns ist von seinen eigenen Erzählungen geprägt, die bisweilen stark divergieren. Im Zensus von 1900 (Erhebung vom 11. Juni 1900) wird ein "Samuel Goldfich" unter der Berufszeichnung glove cutter geführt. Als Alter wird "20" genannt. Unter den Rubriken 'Geburtsjahr', 'Geburtsmonat' und 'Geburtsort' werden "1879", "Aug." und "Russia" (Warschau war damals Teil des russ. Zarenreichs) genannt. Er kam laut eigener Angabe 1898 ins Land. Letzte Aussage widerspricht hingegen einem Eintrag in der Passagierliste der Anfang Januar 1899 aus Liverpool ausgelaufenen "Pennland", mit der Goldfish / Goldwyn, in England zuletzt in Birmingham ansässig, am 19. Januar 1899 im Hafen von Philadelphia anlandete. Auch diesmal lautet das Alter "20". Erst einige Zeit später machte sich Goldwyn drei Jahre jünger und gab als Geburtsjahr 1882 an.
  2. mehrfach ist auch der Name Gelbfisch zu lesen
  3. lt. familieneigenem Stammbaum
  4. bereits zu diesem Zeitpunkt steht in den Schiffspapieren unter der Berufsbezeichnung "glove maker"
  5. lt. eines offiziellen US-Dokuments vom Dezember 1924, in dem er einen Pass für eine Europareise beantragt hatte
  6. wie 3
  7. http://www.thediscworld.de/index.php/Thomas_Silberfisch Eintrag im Scheibenwelt-Wiki

Literatur

Weblinks


Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Samuel Goldwyn aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.