Jewiki unterstützen. Jewiki, die größte Online-Enzyklopädie zum Judentum.

Helfen Sie Jewiki mit einer kleinen oder auch größeren Spende. Einmalig oder regelmäßig, damit die Zukunft von Jewiki gesichert bleibt ...

(Spendenkonto siehe Impressum). Vielen Dank für Ihr Engagement!

1885

Aus Jewiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Portal Geschichte | Portal Biografien | Aktuelle Ereignisse | Jahreskalender

| 18. Jahrhundert | 19. Jahrhundert | 20. Jahrhundert |
| 1850er | 1860er | 1870er | 1880er | 1890er | 1900er | 1910er |
◄◄ | | 1881 | 1882 | 1883 | 1884 | 1885 | 1886 | 1887 | 1888 | 1889 | | ►►

Ereignisse

  • 26.4.1885-5.7.1940: Carl Einstein, deutsch-jüdischer Kunstkritiker (setzte sich als einer der ersten Wissenschaftler mit der "Kunst der Primitiven" und mit dem Kubismus auseinander, vor allem mit Georges Braque) und Schriftsteller, geb. in Neuwied (Rheinland-Pfalz), Selbsttötung bei Pau als Flüchtling in Südfrankreich nahe der spanischen Grenze beim Einmarsch deutscher Truppen; aufgewachsen in Karlsruhe, wo der Vater Direktor am Israelitischen Landesstift war, später Mitarbeiter der „Aktion“; expressionistischer Erzähler und Dramatiker; in der Zerstückelung seiner Texte antizipierte er surrealistische Elemente; nachdem er 1928 nach Paris gegangen war, beschäftigte er sich zunehmend auch mit dem Surrealismus, insbesondere mit der Gruppe um Georges Bataille und Michel Leiris; daneben war er innerhalb der politischen Linken aktiv; zum Ende des ersten Weltkriegs beteiligte er sich an der Räterevolution und wurde in den Vorsitz des belgischen Soldatenrates gewählt (1918); nach der Niederschlagung kehrte er nach Deutschland zurück und gab gemeinsam mit George Grosz das politische Satiremagazin "Der blutige Ernst" heraus, von welchem allerdings jede Ausgabe der Zensur zum Opfer fiel, weshalb es nach nur 6 Ausgaben mangels Geld wieder eingestellt wurde; die Weltwirtschaftskrise und die nationalsozialistische Machtergreifung trieben den freien Schriftsteller und Kunsthändler in den Ruin; er ging ins Exil, zunächst nach Paris; 1936 nahm er in der Colonna Durruti aktiv am spanischen Bürgerkrieg teil; 1939 floh Einstein wieder nach Paris und wurde als deutscher Staatsangehöriger bis zur Flucht vor den Nationalsozialisten im Jahr 1940 interniert; obwohl Einstein mit seiner "Kunst des 20. Jahrhunderts", die 1931 in der dritten Auflage erschienen war, zunächst grossen Erfolg hatte, geriet er in Deutschland in Vergessenheit; - Werke: "Neue Blätter", 1912; "Bebuquin oder die Dilettanten des Wunders", Roman, 1912 (begründete die akausale, "absolute Prosa", zu seiner Zeit eine philosophisch-literarische Sensation); "Wilhelm Lehmbrucks graphisches Werk", 1913; „Negerplastik“, Leipzig: Verlag der weissen Bücher, 1915; "Der Unentwegte Platoniker", 1918; "Afrikanische Plastik", 1921; "Die schlimme Botschaft", 1921; "Der frühere japanische Holzschnitt", 1922; "Afrikanische Märchen und Legenden, hrsg. von Carl Einstein", 1925; „Die Kunst des 20. Jahrhunderts“, 1926; "Entwurf einer Landschaft", 1930; "Giorgio di Chirico", 1930; "Georges Braque", 1934; Gesammelte Werke, 1962; der posthum herausgegebene Entwurf "Die Fabrikation der Fiktionen" (1970) ist der Versuch einer Theorie über künstlerisches Schaffen auf der Grundlage des dialektischen Materialismus; Werke in drei Bänden, 1980-1985; Werke. Berliner Ausgabe, 6 Bände, 1992-1996
  • 14.5.1885-6.7.1973: Otto Klemperer, geb. in Breslau, gest. in Zürich, bedeutender Dirigent und Komponist, 1927-1933 an der Staatsoper Berlin, Vorkämpfer für moderne Musik; ab 1933 Berufsverbot (als "Kulturbolschewist" diffamiert); im selben Jahr emigrierte er in die USA und kehrte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nach Europa zurück, wo es ihm gelang, an seine ehemaligen denkwürdigen Erfolge anzuknüpfen
  • 8.7.1885-4.8.1977: Ernst Bloch (Ernst Simon Bloch), neo-marxistischer Philosoph, geb. Ludwigshafen am Rhein, gest. Tübingen, 1917-1919 in der Schweiz; in "Vom Geist der Utopie" (1918) erklärt er, Christentum und Marxismus verhiessen dem Menschen Befreiung aus dem Elend, besonders "Thomas Münzer als Theologe der Revolution" (1922); in den 20er-Jahren trat er der KPD bei; 1933 ausgebürgert, emigrierte er in die CSR, 1938 in die USA (blieb dort bis 1949); 1949-1957 Professor in Leipzig; gibt in seinem Hauptwerk „Das Prinzip Hoffnung“ (3 Bände, entstanden im amerikanischen Exil 1938-1947; publiziert 1954-1959) eine im Anschluss an Marx und in Auseinandersetzung vor allem mit Hegel entwickelte Philosophie des Kommenden. Die Hoffnung an der Grenze zwischen säkularisiertem Judentum und utopischem Sozialismus auf eine künftige diesseitige Aufhebung aller Widersprüche findet Ausdruck in der "konkreten Utopie". Wegen seiner kritischen Haltung zur SED-Politik wurde er 1957 zwangsemeritiert, seine Schüler waren Verfolgungen ausgesetzt. Von einem Aufenthalt in der Bundesrepublik kehrte Bloch 1961 nicht in die DDR zurück und lehrte seither in Tübingen. Nationalpreis der DDR 1955. Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 1967. Weitere Werke u. a.: Durch die Wüste (1923); Spuren (1930); Erbschaft dieser Zeit (1935); Subjekt-Objekt (über Hegel; 1951); Gesamtausgabe, 17 Bde., 1959-1978; Naturrecht und menschliche Würde (1961); Verfremdungen (2 Bände; 1962/1964); Über Karl Marx (1968); Atheismus im Christentum. Zur Religion des Exodus und des Reichs (1968); - die zionistische Utopie Herzls hat Bloch, wie andere Marxisten auch, als kleinbürgerlich-nationalistische Regression abgetan – als Jude fühlte er sich in der Nachfolge der Propheten zum universalistischen Engagement für den Sozialismus verpflichtet; seit 1934 (bis zu seinem Tod) war Ernst Bloch mit Karola Bloch (geb. Karola Piotrowska) verheiratet
  • 4. November 1885 -29. November 1973: Felix Braun, österreichischer Schriftsteller
  • 1885 ff.: so genannte Polenausweisungen

Bücher

  • B. Niese (Hrsg.), Flavii Josephi Opera, 7 Bände, Berlin 1885-1895 (Nachdruck 1955)
  • S. Buber, Midrasch Tanchuma, Wilna 1885 (Nachdruck Jerusalem 1964)
  • H. Hirschfeld, Das Buch al-Chazari aus dem Arabischen ... übersetzt, Breslau 1885

Zeitungen und Zeitschriften

1885 in Wikipedia