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Leonardo Olschki

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Leonardo Olschki (geboren 15. Juli 1885 in Verona; gestorben 7. Dezember 1961 in Berkeley) war ein italienischer Romanist, Italianist, Orientalist und Literaturwissenschaftler deutsch-jüdischer Abstammung mit späterer US-amerikanischer Staatsbürgerschaft.

Leben und Werk

Olschkis Eltern waren 1883 aus dem Deutschen Reich nach Italien gezogen, wo sein Vater Leo S. Olschki in Verona ein Buchantiquariat gründete. Er wuchs dort, in Venedig (1890 bis 1897) und Florenz zweisprachig auf und studierte ab 1903 in Florenz und in Rom. 1905 ging er nach Deutschland (München, Straßburg, Heidelberg), promovierte bei Karl Vossler über G.B. Guarinis „Pastor Fido“ in Deutschland (Heidelberg 1908) und habilitierte sich 1913 ebenfalls in Heidelberg mit Der ideale Mittelpunkt Frankreichs im Mittelalter in Wirklichkeit und Dichtung (Heidelberg 1913). Dort wurde er 1918 zum außerordentlichen und 1924 zum ordentlichen Professor für Romanische Philologie ernannt.

Auf einer Gastprofessur in Italien erfuhr er, dass er von den Nationalsozialisten wegen seiner jüdischen Abstammung am 21. August 1933 in den Ruhestand versetzt war. Olschki fand eine Arbeit als Dozent an der Sapienza im Rom, emigrierte aber angesichts der Italienischen Rassengesetze 1939 in die USA. Dort waren die Stationen der schwierigen Integration wie folgt: Johns Hopkins University, Baltimore (schlecht bezahlter „lecturer“), Sweet Briar College, Virginia (1940/41 Substitute teacher of Spanish), Cambridge, Massachusetts, und Harvard (Privatgelehrter), Eugene, Oregon (1943 Army language training program), Kalifornien (1944, Olschkis Ehefrau arbeitet in einer Fabrik), 1945 amerikanische Staatsbürgerschaft; Berkeley, Department of Oriental Languages (research associate) und 1948 lecturer.

1950 Entlassung wegen Ablehnung des Loyalty Oath im Second Red Scare, vorübergehende Rückkehr nach Italien, 1952 Aufhebung der Entlassung und Rückkehr in die USA. 1953 wurde er von der Universität Heidelberg wieder in die Rechte eines emeritierten Professors eingesetzt. Seit 1955 war er korrespondierendes Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften.[1]

Olschki veröffentlichte seine Aufsätze auf Latein, Italienisch, Deutsch, Englisch und Französisch, schrieb aber ab 1933 nicht mehr in deutscher Sprache. Im Alter von 65 lernte er fünf Jahre lang Chinesisch.

Schriften (Auswahl)

  • Paris nach den altfranzösischen nationalen Epen, 1913
  • Herausgabe von Dante, La Divina Commedia, Heidelberg 1918
  • Geschichte der neusprachlichen wissenschaftlichen Literatur [Vom Mittelalter bis zu Galilei], 3 Bde., Leipzig 1919, 1922, 1927
  • Giordano Bruno, Bari 1927
  • Die romanischen Literaturen des Mittelalters, Potsdam 1928; 1932
  • Manuscrits français à peintures des bibliothèques d’Allemagne, Genève 1932
  • La poesia italiana del cinquecento, Firenze 1933
  • Struttura spirituale e linguistica del mondo neolatino, Bari 1935
  • Storia letteraria delle scoperte geografiche, Firenze 1937 (Nachdruck Firenze 1999)
  • Marco Polo’s Precursors, Baltimore 1943; New York 1972
  • Guillaume Boucher. A French artist at the courts of the Khans, Baltimore 1946; New York 1969
  • The Genius of Italy, New York 1949, London 1950 (Italienisch 1953, deutsch Italien: Genius und Geschichte, Darmstadt 1958)
  • The Myth of Felt, Berkeley 1949 cf minix.ch (PDF; 424 kB)
  • Dante „Poeta veltro“, Firenze 1953
  • L’Asia di Marco Polo, Firenze 1957 (engl. Berkeley 1960)
  • Il castello del Re Pescatore e i suoi misteri nel “Conte del Graal” di Chrétien de Troyes, Roma 1961 (englisch Manchester und Berkeley 1966)

Literatur

  • Richard Baum: Leonardo Olschki und die Tradition der Romanistik. In: Hans Helmut Christmann, Frank-Rutger Hausmann (Hrsg.): Deutsche und österreichische Romanisten als Verfolgte des Nationalsozialismus, Tübingen 1989, S. 177–200
  • Ettore Brissa: Le patrie di Leonardo Olschki. In: Daniela Giovanardi, Harro Stammerjohann (Hrsg.): I Lettori d’Italiano in Germania, Tübingen 1996, S. 91–98
  • Anke Dörner: La vita spezzata. Leonardo Olschki: ein jüdischer Romanist zwischen Integration und Emigration. Tübingen 2005
  • Christoph Hoch: Die italienische Renaissance als Paradigma der deutschen Kulturgeschichtsschreibung – Anmerkungen zum Werk des Romanisten Leonardo Olschki. In: Anna Comi, Alexandra Pontzen (Hrsg.): Italien in Deutschland / Deutschland in Italien. Die deutsch-italienischen Wechselbeziehungen in der Belletristik des 20. Jahrhunderts. Berlin 1999, S. 357–388.
  • Utz Maas: Verfolgung und Auswanderung deutschsprachiger Sprachforscher 1933-1945. Eintrag zu Leonardo Olschki (abgerufen: 15. April 2018)
  • Olschki, Leonardo. In: Lexikon deutsch-jüdischer Autoren. Band 17: Meid–Phil. Hrsg. vom Archiv Bibliographia Judaica. De Gruyter, Berlin u. a. 2009, ISBN 978-3-598-22697-7, S. 368–372.
  • Werner Röder, Herbert A. Strauss (Hrsg.), International Biographical Dictionary of Central European Emigrés 1933-1945, Vol II, 2 München : Saur 1983 ISBN 3-598-10089-2, S. 874
  • Salomon Wininger: Große jüdische National-Biographie. Band 7. Czernowitz 1927, S. 357
  • Kürschners Deutscher Gelehrten-Kalender, 1931
  • Anke Dörner: „Dieses auferzwungene Schicksal“. Emigration und Remigration deutscher Romanisten nach 1933, in "Grenzgänge. Beiträge zu einer modernen Romanistik." 12. Jg. 2005, H. 24, Schwerpunktheft: Romanisten im Exil ISSN 0944-8594[2]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Mitglieder der HAdW seit ihrer Gründung im Jahr 1909. Leonardo Olschki. Heidelberger Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 18. Juni 2016.
  2. Zum Problem der Integration deutscher Romanisten in den Wissenschaftsbetrieb der USA, sowie ihre Bemühungen um Rehabilitierung in den späten 1950er und den 1960er Jahren in der BRD und um Remigration.


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