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1886

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Ereignisse

  • 9.1.1886-16.10.1941: Dr. med. et phil. Arthur Kronfeld, geb. in Berlin, Suizid in Moskau, Pionier der Psychologie, Sexualwissenschaft und schulenunabhängigen Psychotherapie in Berlin
  • 1.11.1886-30.5.1951: Hermann Broch, österreichischer Schriftsteller, Erzähler, dessen meiste Werke jüdische Probleme berühren; geb. in Wien, gest. in New Haven, Conn. (USA); Textilindustrieller (trat 1908 in die Firma des Vaters ein und leitete sie bis 1927), katholisch getauft; studierte Philosophie, Psychologie und Mathematik; als Jude 1938 von der Gestapo verhaftet, Flucht über England in die USA, wo er an der Yale University über Massenwahntheorie arbeitete; veröffentlichte ab 1913 Schriften zur Ästhetik, Geschichtsphilosophie und Werttheorie; seine Kritik des Neopositivismus ging in die geschichtsphilosophisch fundierte Romantrilogie "Die Schlafwandler" (1930-1932) ein, in der der Zerfall der Werte der europäischen Kultur dargestellt und formal im Zerfall der Romanform reflektiert wird (er erhielt später dafür den Kleistpreis); in seinem Roman "Der Tod des Vergil" (1945) rechnete er mit der ethischen Unzulänglichkeit seines Werkes ab; Brochs 1942 entstandene "Psychische Selbstbiographie" erschien erstmals 1999; weitere Werke (Auswahl): "Die Schuldlosen", 1949; "Der Versucher", 1953; Gesammelte Werke, 10 Bände, 1952-1961; Kommentierte Werkausgabe in 13 = 17 Bänden, 1974-1981
  • 23.12.1886-8.4.1950: Albert Ehrenstein, selbstbewusst-jüdischer, aber antizionistischer österreichischer Lyriker und Erzähler, auch Übersetzer/Nachdichter chinesischer Lyrik (enttäuscht von der "teuflischen Durchschnittsethik unserer Judenchristen" hatte er sich der chinesischen Gedankenwelt zugewandt), Übersetzer auch aus dem Griechischen (Lukian), kulturkritischer Essayist; Sohn ungarisch-jüdischer Eltern (der Vater war Kassierer bei einer Brauerei, die Familie war arm; sein jüngerer Bruder war der Dichter Carl Ehrenstein, 1892-1971); Albert Ehrenstein wurde geboren im Wiener Arbeitervorort Ottakring, starb verarmt in New York; er studierte zunächst Geschichte und Philosophie (Promotion 1910 über ungarische Geschichte, nach eigenen Angaben: „kaum Universitätsstudium; aber durch fünf Jahre angeblichen Studiums sicherte ich mir die Freiheit: Zeit zu dichterischer Freiheit. Durch tolerantes Überhören an mich gerichteter Fragen und Beleidigtsein über zu leichte zog ich mir sogar den Doktortitel zu“), ab 1910 publizierte er in verschiedenen Zeitschriften („Fackel“, „Der Sturm“, „Die Aktion“, „Neue Jugend“ [dadaistisch]), 1911 Übersiedlung nach Berlin; er wurde schnell zu einer der wichtigsten Stimmen des Expressionismus, stand in engem Kontakt zu Lasker-Schüler, Benn und Franz Werfel; nicht alle mochten seine rücksichtslosen Produkte, es kursierte der Spottvers „Hoch schätzt man den Ehrensteinen, nur seine Verse stören einen“; während des Krieges lernte er die begnadete Schauspielerin Elisabeth Bergner kennen, der er mit zum Durchbruch verhalf, und verliebte sich hoffnungslos in sie, widmete ihr viele Gedichte; bei der Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 wurden auch seine Bücher auf den „Scheiterhaufen“ geworfen; er war einer jener unbestechlichen Kritiker und Freigeister, der sich sein Leben lang zwischen alle Stühle gesetzt hat, er nahm nie ein Blatt vor den Mund, wo immer er eine Anmassung, Unwahrheit oder Unrecht witterte, in Politik, Staat, Gesellschaft, in Literatur, Kunst oder Religion, darin bestand aber auch das Verhängnis seines Lebens, das ihm das Schicksal eines Aussenseiters und letztendlich den Tod im Exil beschied, er stand immer über allen Parteien und kannte keine Loyalitäten, ausser der vielleicht zur Wahrheit und zur Menschlichkeit; er wurde Ende 1932 zur Emigration in die Schweiz (Tessin) gezwungen (wo sich Hermann Hesse nicht sehr erfolgreich für ihn einsetzte), von wo er dann 1941 weiter (über England, Frankreich, Spanien) nach New York floh, lebte dort verbittert und in Armut (er fand kein Auskommen, konnte nur einige wenige Artikel für den „Aufbau“ loswerden, wurde von George Grosz finanziell unterstützt), schrieb expressionistische Gedichte und phantastische Erzählungen; 1949 kehrte er erst in die Schweiz, dann nach Deutschland zurück, fand jedoch keinen Verleger und ging dann schliesslich enttäuscht wieder nach New York; nach zwei Schlaganfällen wurde er in ein Armenhospiz auf Welfare Island verbracht, wo er am 8. April 1950 starb; nach seinem Tod sammelten Freunde Geld, damit seine Urne nach England verschifft werden konnte, wo sein Bruder Carl immer noch lebte; Ehrensteins Asche wurde schliesslich auf dem Bromley Hill Cemetery in London beigesetzt; Werke (Auswahl): „Wanderers Lied“, 1910 (ein Gedicht, das Karl Kraus in der „Fackel“ veröffentlichte, und das Ehrenstein über Nacht bekannt machte); „Tubutsch“ (durch Ehrensteins Freund Oskar Kokoschka illustriert), 1911; „Der Selbstmord eines Katers“, 1912; „Die weisse Zeit“, 1914; „Der Mensch schreit“, 1916 (gegen die Kriegsbegeisterung); „Nicht da nicht dort“, 1916; „Schinkenstern“, 1916; „Die rote Zeit“, 1917; „Bericht aus einem Tollhaus“, 1912 [2. Aufl. 1919] (Neufassung des Selbstmord-Katers); „Zaubermärchen“, 1919 (Neufassung von „Nicht da nicht dort“); „Den ermordeten Brüdern“, 1919; „Mammutbaum“, 1919; „Karl Kraus“, 1920; „Die Nacht wird. Gedichte und Erzählungen“, 1920; „Der ewige Olymp. Novellen und Gedichte“, 1921; “Wien“, 1921; „Die Heimkehr des Falken“, 1921; „Briefe an Gott. Gedichte in Prosa“, 1921; „Schi-King. Nachdichtungen chinesischer Lyrik“, 1922; „Herbst“, 1923; „Pe-Lo-Thien. Nachdichtungen chinesischer Lyrik“, 1923; „China klagt. Nachdichtungen revolutionärer chinesischer Lyrik aus drei Jahrtausenden“, 1924; „Lukian“, 1925; „Ritter des Todes“, 1926; „Menschen und Affen“, 1926; „Räuber und Soldaten. Roman frei nach dem Chinesischen“, 1927; „Mein Lied“, 1931; „Mörder aus Gerechtigkeit“, 1931 (ein recht erfolgreicher Roman nach einem chinesischen Vorbild); „Das gelbe Lied. Nachdichtungen chinesischer Lyrik“, 1933
  • 25.12.1886-10.12.1929 Franz Rosenzweig, geb. Kassel, gest. Frankfurt am Main, jüdischer Religionsphilosoph, „Bahnbrecher des jüdisch-christlichen Dialogs“, gründete in Frankfurt das Freie Jüdische Lehrhaus zur Vermittlung von Wissen über das Judentum (dort konnte man neben Rosenzweig und vielen anderen Martin Buber, Siegfried Kracauer und Erich Fromm hören), war – auch in der Auseinandersetzung mit seinen christlichen Freunden und im Sinne eines Angebots für einen interreligiösen Dialog – auf der Suche nach einer Synthese von abendländischer Philosophie mit biblisch-jüdischem Denken; begann mit Martin Buber eine bedeutende Bibelübertragung ins Deutsche; Rosenzweig wuchs in gutsituierten Verhältnissen auf, in seiner Familie wurde ein emanzipiertes, liberales Judentum gepflegt; ab 1905 Studium der Medizin in Göttingen, München und Freiburg/Breisgau; ab 1907 Studium der Geschichte und Philosophie in Freiburg und Berlin; 1912 Promotion bei Friedrich Meinecke mit einer antihegelianischen Arbeit (später angewachsen zur Habilitationsschrift „Hegel und der Staat“, 1920); 1913 beschloss er unter dem Einfluss von Freunden und bereits konvertierten Familienmitgliedern (Vetter Hans Ehrenberg), zum evangelischen Glauben überzutreten – widerrief aber diesen Entschluss und vertiefte sich in die jüdische Überlieferung; er liess sich einige Monate von Hermann Cohen in Berlin unterrichten und entschloss sich dann zum weiteren Studium des Judentums; im ersten Weltkrieg meldete er sich freiwillig und wurde als Sanitäter und bei der Artillerie eingesetzt; von der Front führte er seit 1916 einen Dialog in Feldpostbriefen mit dem christlichen (ursprünglich jüdischen) Rechtshistoriker Eugen Rosenstock-Huessy, den er 1929 unter dem Titel „Briefe eines Nichtzionisten an einen Antizionisten“ veröffentlichte; noch im Krieg begann er mit der Verfassung des „Stern der Erlösung“ (1921), seinem philosophischen Hauptwerk, das in strenger Systematik eine philosophisch-theologische Reflexion des Glaubens liefern will; 1922 erkrankte Franz Rosenzweig an der Amyotrophen Lateralsklerose (ALS), die mit starken Bewegungs- und Sprachstörungen verbunden ist (1922 erschien auch sein „Büchlein vom gesunden und kranken Menschenverstand“); er musste die Leitung des Lehrhauses aufgeben, die fortschreitende Lähmung hinderte ihn auch an der Vollendung vieler geplanter Schriften; trotz seiner Krankheit erschienen jedoch die Übersetzung der Hymnen und Gedichte des Jehuda Halevi sowie die ersten Teile der „Verdeutschung der Schrift“ (Die fünf Bücher der Weisung, 1925), an denen er gemeinsam mit seinem Freund Martin Buber arbeitete, der das Werk nach Rosenzweigs Tod vollendete; seine philosophische Abhandlung „Das neue Denken“, 1925, diktierte er – inzwischen völlig gelähmt – seiner Frau mit den Augenlidern; 1926 erschien „Zweistromland“ (Essays); bis heute wird jährlich die Buber-Rosenzweig-Medaille durch den Koordinierungsrat der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit an Personen verliehen, die sich besonders für den christlich-jüdischen Dialog einsetzen; seine Briefe erschienen 1935

Bücher

Zeitungen und Zeitschriften

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