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Rosa Luxemburg

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Rosa Luxemburg

Rosa Luxemburg (geb. 5. März 1871 als Rozalia Luksenburg in Zamość, Polen, damals Russisches Kaiserreich; gest. 15. Januar 1919 in Berlin) war eine bedeutende Vertreterin der europäischen Arbeiterbewegung und des proletarischen Internationalismus.

Sie wirkte vor allem in der polnischen und deutschen Sozialdemokratie als marxistische Theoretikerin und Antimilitaristin. Gegen die Kriegsunterstützung der SPD gründete sie zu Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 die „Gruppe Internationale“ und leitete mit Karl Liebknecht den daraus hervorgehenden Spartakusbund.

Als politische Autorin verfasste sie zahlreiche zeitkritische Aufsätze und ökonomische Analysen: vor 1914 u. a. in der Leipziger Volkszeitung, bis 1918 auch in der Haft und während der Novemberrevolution als Herausgeberin der Zeitung Die Rote Fahne. Am Jahreswechsel 1918/19 gehörte sie zu den Gründungsmitgliedern der KPD, deren Programm sie hauptsächlich verfasste. Nach der Niederschlagung des Spartakusaufstands wurde sie unter teils ungeklärten Umständen zusammen mit Karl Liebknecht von rechtsradikalen Freikorps-Soldaten ermordet.

Ihre theoretische und praktische Arbeit für den Sozialismus, die internationale Solidarität der Arbeiterklasse, gegen Militarismus und Krieg wirkte weit über ihre Zeit und die Grenzen Deutschlands hinaus.

Leben

Jugend, Einstieg in die Politik, Studium (1871–1897)

Über Rosa Luxemburgs Geburtsdatum besteht keine letzte Sicherheit, da ihr Geburtsschein später auf den 25. Dezember 1870 „korrigiert“ wurde, sie aber nach ihren eigenen Angaben jünger war. Seit der Biografie von Peter Nettl wird meist der 5. März 1871 als tatsächlicher Geburtstag angenommen.

Sie war das fünfte Kind einer wohlhabenden jüdischen Familie, die im damaligen zu Russland gehörenden Polen lebte. Ihre Eltern waren der Holzhändler Eliasz Luxenburg und dessen Frau Line (geb. Löwenstein). Der Familienname wurde noch zu Lebzeiten ihres Vaters durch einen behördlichen Schreibfehler zu Luxemburg, den sie dann beibehielt. Sie war körperlich klein und lebenslang gehbehindert.

Nach dem Umzug der Familie nach Warschau, welches damals zum russischen Zarenreich gehörte, besuchte sie dort seit 1880 das Zweite Mädchengymnasium. Noch in der Schulzeit engagierte sie sich ab 1886 in der polnischen Arbeiterpartei „Proletariat“, einer marxistischen Untergrundbewegung. Diese war 1882 gegründet worden und hatte schon im Jahr darauf als erste der europäischen Arbeiterparteien einen Massenstreik organisiert. Daraufhin wurden vier ihrer Anführer hingerichtet und die Partei aufgelöst. Nur im Untergrund konnten einige Teilgruppen weiterarbeiten. Einer davon schloss sich Rosa Luxemburg an.

1888 bestand sie das Abitur mit Auszeichnung. Im folgenden Jahr drohte ihr die Verhaftung, weil ihre Mitgliedschaft im verbotenen „Proletariat“ bekannt geworden war. Auf Anraten ihrer Parteigenossen floh sie nach Zürich, dem damaligen Exil vieler russischer und polnischer Intellektueller. Dort beteiligte sie sich sofort an örtlichen Arbeiter- und Emigrantengruppen und gewann rasch einen Ruf als führende Theoretikerin der polnischen Arbeiterbewegung. Sie studierte an der Universität Zürich Philosophie, Geschichtswissenschaft, Politik, Ökonomie und Mathematik. Ihre Schwerpunkte waren Staatswissenschaften (heute: Volkswirtschaftslehre und Politikwissenschaft), Mittelalter, Wirtschafts- und Börsenkrisen.

1893 gründete sie gemeinsam mit Leo Jogiches und Julian Balthasar Marchlewski die Sozialdemokratie des Königreiches Polen (SDKP, ab 1900 Sozialdemokratie des Königreiches Polen und Litauen (Socjaldemokracja Królestwa Polskiego i Litwy) - SDKPiL) als revolutionäre Alternative zur bestehenden Polnischen Sozialistischen Partei (PPS). Diese strebte Polens Unabhängigkeit und seine Umwandlung in eine bürgerliche Demokratie an. Rosa Luxemburg griff diesen Nationalismus in der Pariser Exilzeitung Sprawa Robotnicza („Arbeitersache“) scharf an und vertrat dagegen die Auffassung, dass Polen nur durch eine Revolution im Deutschen Reich, in Österreich-Ungarn und Russland unabhängig werden könne. Vorrang müsse der Kampf gegen Monarchie und Kapitalismus in ganz Europa haben; erst wenn diese überwunden seien, könne das Selbstbestimmungsrecht der Völker sich verwirklichen. Diese Überzeugung war Teil ihres späteren Streits mit Lenin, der die polnische und andere nationale Befreiungsbewegungen als Vorstufe zum Sozialismus ansah und fördern wollte.

1897 wurde Rosa Luxemburg in Zürich magna cum laude zum Thema Polens industrielle Entwicklung promoviert.

Wortführerin der Linken in der SPD (1898–1914)

Gedenktafel vor dem Haus Cranachstraße 58, in Berlin-Schöneberg

Im Jahr darauf heiratete Rosa Luxemburg den 24-jährigen Schlosser Gustav Lübeck, um die deutsche Staatsbürgerschaft zu erhalten. Sie zog nach Berlin und trat in die SPD ein, die damals innerhalb der Arbeiterbewegung als fortgeschrittenste sozialistische Partei Europas galt.[1]

1890 waren im Kaiserreich nach zwölf Jahren die bismarckschen Sozialistengesetze aufgehoben worden. Dadurch konnte die SPD bei Wahlen weitere Reichstagssitze gewinnen. Das neue Erfurter Programm von 1891 spiegelte dies, indem es die revolutionäre Umgestaltung der Gesellschaft nur noch als Fernziel festschrieb und den Alltagskampf für Reformen davon trennte. Daraufhin setzte sich die Mehrheit der SPD-Abgeordneten immer weniger für andere Produktionsverhältnisse, sondern immer mehr nur für die allmähliche Erweiterung parlamentarischer Rechte und materiellen Wohlstands ein.

Rosa Luxemburg vertrat dagegen eine konsequent klassenkämpferische und revolutionäre Haltung. Sie wurde wegen ihrer scharfen Reden und analytischen Fähigkeiten rasch zur Wortführerin des linken Parteiflügels. In dieser Rolle griff sie 1899 mit einer Artikelserie in der angesehenen Leipziger Volkszeitung in die sogenannte Revisionismusdebatte ein. Eduard Bernstein vertrat damals die These, dass Interessenausgleich und soziale Reformen die Auswüchse des Kapitalismus mildern und den Sozialismus herbeiführen würden, so dass die SPD sich auf parlamentarische Mittel beschränken könne. Dagegen bestand Rosa Luxemburg darauf, dass kommende Wirtschaftskrisen den Gegensatz von Kapital und Arbeit zuspitzen würden, so dass Sozialismus nur durch eine Machtübernahme des Proletariats und eine Umwälzung der Produktionsverhältnisse zu erreichen sei. Wegen deren Abkehr vom Parteiziel forderte sie den Ausschluss der „Revisionisten“ aus der SPD. Dieser unterblieb, aber die Parteiführung unter August Bebel und Karl Kautsky behielt den Marxismus in ihrem Programm. In der Praxis verfolgten sie jedoch einen reformerischen Kurs und versuchten vor allem, ihre Reichstagsfraktion zu vergrößern.

Seit dieser innerparteilichen Auseinandersetzung war Rosa Luxemburg als scharfzüngige und intelligente Gegnerin der so genannten „Revisionisten“ bekannt, geachtet und zum Teil auch gefürchtet. Als erste Frau übernahm sie die Chefredaktion der Leipziger Volkszeitung. Doch nachdem sie einen Redakteur des SPD-Parteiblatts Vorwärts angegriffen hatte und von Intrigen gegen sich erfuhr, trat sie von diesem Amt zurück. Sie wollte sich den autoritären, von Männern dominierten Machtstrukturen in der SPD nicht beugen. Fortan nahm sie in zahlreichen Artikeln und Parteigremien zu aktuellen ökonomischen und sozialpolitischen Problemen in Europa Stellung. Sie warnte frühzeitig vor einem kommenden Krieg der europäischen Großmächte, griff immer stärker den deutschen Militarismus und Imperialismus an und versuchte, ihre Partei zu einem energischen Gegenkurs zu verpflichten.

Im Reichstagswahlkampf 1903 sagte sie öffentlich über Kaiser Wilhelm II.: Der Mann, der von der guten und gesicherten Existenz der deutschen Arbeiter spricht, hat keine Ahnung von den Tatsachen. Darum wurde sie 1904 wegen „Majestätsbeleidigung“ zu drei Monaten Gefängnis verurteilt, von denen sie sechs Wochen verbüßen musste. 1905 reiste sie unter falschem Namen nach Russisch Polen, um die SDKPiL zur Teilnahme an der Russischen Revolution zu bewegen. Sie wurde verhaftet und ausgewiesen. Im folgenden Jahr wurde sie wegen Anreizung zum Klassenhass erneut zu zwei Monaten Haft verurteilt.

Besuch des Parteivorstandes im Jahr 1907 bei der Reichsparteischule der SPD. Dozentin Rosa Luxemburg (stehend vierte von links), August Bebel (stehend fünfter von links), Friedrich Ebert (links in der 3. Bank der rechten Bankreihe)

Um die „internationale Solidarität der Arbeiterklasse“ gegen den Krieg einzuüben, forderte sie nun von der SPD die Vorbereitung des Generalstreiks nach polnisch-russischem Vorbild (Massenstreik, Partei und Gewerkschaften 1906). Zugleich setzte sie ihr internationales Engagement fort und nahm 1907 mit Leo Jogiches am 5. Parteitag der russischen Sozialdemokraten in London teil. Dort lernte sie Wladimir Iljitsch Lenin kennen. Beim folgenden Kongress der Zweiten Internationale in Stuttgart brachte sie erfolgreich eine Resolution ein, die gemeinsames Handeln aller europäischen Arbeiterparteien gegen den Krieg vorsah.

Ab 1907 unterhielt sie eine mehrjährige Liebesbeziehung zu Kostja Zetkin.[2] Daraus sind etwa 600 Briefe erhalten.[3]

Seit 1907 lehrte sie als Dozentin für Marxismus und Ökonomie an der SPD-Parteischule in Berlin. Einer ihrer Schüler war der spätere SPD-Vorsitzende und erste Präsident der Weimarer Republik, Friedrich Ebert. Als die SPD sich beim Aufstand der Herero und Nama in Deutsch-Südwestafrika, dem heutigen Namibia, klar gegen den Kolonialismus und Imperialismus des Kaiserreichs aussprach, verlor sie bei der Reichstagswahl 1907 - den sogenannten „Hottentotten-Wahlen“ - rund ein Drittel ihrer Reichstagssitze. Doch den Generalstreik als politisches Kampfmittel lehnten SPD- und Gewerkschaftsführung weiterhin strikt ab. Darüber zerbrach 1910 Rosa Luxemburgs Freundschaft mit Karl Kautsky.

Rosa Luxemburg (rechts) mit Clara Zetkin 1910

1912 reiste sie als Vertreterin der SPD zu europäischen Sozialistenkongressen, u. a. in Paris. Mit dem französischen Sozialisten Jean Jaurès sorgte sie dafür, dass die europäischen Arbeiterparteien sich feierlich verpflichteten, beim Kriegsausbruch zum Generalstreik aufzurufen. Als der Balkankrieg 1913 fast schon den Weltkrieg auslöste, organisierte sie Demonstrationen gegen den Krieg. In Fechenheim bei Frankfurt am Main rief sie am 25. September 1913 eine Menge von Hunderttausenden zu Kriegsdienst- und Befehlsverweigerung auf: Wenn uns zugemutet wird, die Mordwaffen gegen unsere französischen oder anderen ausländischen Brüder zu erheben, so erklären wir: ‚Nein, das tun wir nicht!‘. Daher wurde sie der Aufforderung zum Ungehorsam gegen Gesetze und Anordnungen der Obrigkeit angeklagt und 1914 zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Ihre Rede vor der Frankfurter Strafkammer wurde später unter dem Titel Militarismus, Krieg und Arbeiterklasse veröffentlicht. Vor dem Haftantritt konnte sie Ende Juli noch an einer Sitzung des Internationalen Sozialistischen Büros teilnehmen. Dort erkannte sie ernüchtert: Auch in den europäischen, vor allem den deutschen und französischen Arbeiterparteien, war der Nationalismus stärker als das internationale Klassenbewusstsein.

Engagement während des Ersten Weltkrieges (1914–1918)

Am 4. August 1914 reagierte die Reichstagsfraktion der SPD auf den Ausbruch des Krieges und stimmte (in Abwesenheit von Karl Liebknecht) einstimmig mit den bürgerlichen und monarchistischen Fraktionen für die Aufnahme von Kriegskrediten. Zwei Tage zuvor hatten sich die Freien Gewerkschaften bereits auf einen Streik- und Lohnverzicht während des Krieges festgelegt. Hintergrund dieser „Burgfriedenspolitik“ war, dass die SPD-Führung unter anderem einem erneuten Parteiverbot als „Vaterlandsverräter“ vorbeugen, den mühsam erkämpften Einfluss im Reichstag bewahren und den Fortbestand der Organisationen der Arbeiterbewegung sichern wollte. Rosa Luxemburg erlebte diesen offenen Bruch der Vorkriegsbeschlüsse als persönliche Niederlage und dachte kurze Zeit sogar an Selbstmord. Aus ihrer Sicht hatte der Opportunismus, den sie immer bekämpft hatte, gesiegt und das Ja zum Krieg nach sich gezogen.

Rosa Luxemburg (ca. 1915)

Am 5. August gründete Rosa Luxemburg mit sechs anderen Parteilinken, darunter Franz Mehring und Clara Zetkin, die „Gruppe Internationale“, der sich wenig später auch Karl Liebknecht anschloss. Daraus ging 1916 die reichsweite „Spartakusgruppe“ hervor, deren Spartakusbriefe Rosa Luxemburg mit Liebknecht zusammen herausgab. Der Name bezog sich bewusst auf den Sklavenanführer Spartacus im antiken römischen Reich. Darin sammelten sich die entschiedensten Kriegsgegner der SPD, die deren Stillhaltepolitik vehement ablehnten. Sie versuchten, die Partei zur Rückkehr zu ihren Vorkriegsbeschlüssen zu bewegen und mit dem Generalstreik für Frieden auch dem Ziel der internationalen proletarischen Revolution näherzukommen.

Im Dezember 1914 lehnte Karl Liebknecht als zunächst einziger SPD-Reichstagsabgeordneter gegen die Fraktionsdisziplin weitere Kriegskredite ab. Er wurde bald darauf zum Kriegsdienst eingezogen. Rosa Luxemburg musste am 18. Februar 1915 die Haftstrafe im Berliner Weibergefängnis antreten, die sie für die in Frankfurt am Main gehaltene Rede erhalten hatte und wegen Agitation für Frieden und eine sozialistische Weltrevolution. Ein Jahr später wurde sie entlassen, aber schon drei Monate später wieder verurteilt, diesmal zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus. Im Juli 1916 begann ihre „Sicherungsverwahrung“. Sie wurde zweimal verlegt, zuerst nach Wronke nahe Posen, dann nach Breslau. Auch Liebknecht wurde wegen Hochverrates inhaftiert, nachdem er am 1. Mai 1916 auf einer Antikriegsdemonstration eine Rede gehalten hatte.

Drei Jahre und vier Monate verbrachte Rosa Luxemburg in der Zeit von 1915 bis 1918 während des 1. Weltkrieges im Gefängnis. In ihrer Zelle des Gefängnisses in Breslau sammelte sie begierig Nachrichten aus Russland, verfasste einige Aufsätze, die ihre Freunde herausschmuggelten und illegal veröffentlichten, darunter Die Krise der Sozialdemokratie unter dem Pseudonym Junius, erschienen im Juni 1916. Darin rechnete sie mit der „bürgerlichen Gesellschaftsordnung“ und der Rolle der SPD ab, deren reaktionäres Wesen der Krieg offenbart habe. Lenin kannte diese Schrift und antwortete positiv darauf, ohne zu ahnen, wer sie verfasst hatte.

Ihre gesammelten Briefe aus dem Gefängnis an ihre Freundinnen Mathilde Jacob und Sonja Liebknecht fanden später in der Weimarer Republik eine breite Leserschaft.[4]

Im Februar 1917 weckte der revolutionäre Sturz des Zaren in Russland Hoffnungen auf ein baldiges Kriegsende. Rosa Luxemburg war jedoch skeptisch über den blutigen Terror, den die neuen Machthaber Russlands zur Durchsetzung ihrer Diktatur des Proletariats einsetzten. Noch im Gefängnis schrieb sie (Zitat): "Freiheit nur für die Anhänger der Regierung, nur für die Mitglieder einer Partei - mögen sie noch so zahlreich sein - ist keine Freiheit. Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden, sich zu äußern. Nicht wegen des Fanatismus der Gerechtigkeit, sondern weil all das Belebende, Heilsame und Reinigende der politischen Freiheit an diesem Wesen hängt und seine Wirkung versagt, wenn die Freiheit zum Privilegium wird."

Die „Menschewiki“ setzten den Krieg gegen Deutschland fort. Dort kam es im März in vielen Städten zu monatelangen Protesten und Massenstreiks: zuerst gegen Mangelwirtschaft, dann gegen Lohnverzicht und schließlich gegen Krieg und Monarchie. Im April 1917 griffen die USA in den Krieg ein. Nun gründeten die Kriegsgegner, die die SPD ausgeschlossen hatte, die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands, die rasch Zulauf gewann. Obwohl der Spartakusbund die Parteispaltung bis dahin abgelehnt hatte, trat er nun der neuen Linkspartei bei. Er behielt seinen Gruppenstatus, um weiterhin konsequent für eine internationale sozialistische Revolution werben zu können. Diesem Ziel folgten nur wenige USPD-Gründer.

Während die SPD-Führung erfolglos versuchte, die Oberste Heeresleitung (OHL) zu Friedensverhandlungen mit US-Präsident Woodrow Wilson zu gewinnen, ermöglichte diese Lenin die Durchreise aus seinem Schweizer Exil nach Sankt Petersburg. Dort gewann er die Führung der Bolschewiki und bot den Russen einen sofortigen Separatfrieden mit Deutschland an. Damit gewannen die Bolschewiki eine Mehrheit im Volkskongress, doch nicht in der Duma, dem russischen Nationalparlament. Sie besetzten es, lösten es auf und setzten die Arbeiterräte (Sowjets) als Regierungsorgane ein.

Rosa Luxemburg ließ sich fortlaufend über diese Ereignisse informieren und schrieb dazu den Aufsatz Zur russischen Revolution.[5] Darin begrüßte sie Lenins Oktoberrevolution, kritisierte aber zugleich scharf seine Strategie und warnte vor einer Diktatur der Bolschewiki. In diesem Zusammenhang formulierte sie den berühmten Satz: Freiheit ist immer Freiheit des Andersdenkenden. Doch erst 1922 nach ihrem Tod veröffentlichte ihr Freund Paul Levi diesen Aufsatz.[6] - Trotz ihrer Vorbehalte rief sie nun unermüdlich zu einer deutschen Revolution nach russischem Vorbild auf und forderte eine „Diktatur des Proletariats“, grenzte diesen Begriff aber gegen Lenins Avantgardekonzept ab. Sie verstand darunter die demokratische Eigenaktivität der Arbeiter im Revolutionsprozess, Betriebsbesetzungen, Selbstverwaltung und politische Streiks bis zur Verwirklichung sozialistischer Produktionsverhältnisse.

Novemberrevolution und KPD-Gründung (1918–1919)

Rosa-Luxemburg-Denkmal in Dresden

Nach den Märzstreiks des Vorjahres kam es im Januar 1918 in vielen deutschen Rüstungsbetrieben zum wochenlangen Januarstreik, der erst mit Friedrich Eberts Eintritt in die Berliner Streikleitung beendet wurde. Doch eine Revolution nach russischem Vorbild war näher gerückt, da sich in den Betrieben nun eigenständige Arbeitervertreter, die Revolutionären Obleute, gebildet hatten.

Während sich immer mehr Deutsche nach Frieden sehnten und den Krieg nicht mehr mitzutragen bereit waren, setzte General Erich Ludendorff nochmals auf einen „Siegfrieden“. Doch seine Frühjahrsoffensive scheiterte und führte am 8. August zum Durchbruch der Entente an der Westfront. Daraufhin beteiligte die kaiserliche Regierung auf Verlangen der Obersten Heeresleitung (OHL) am 5. Oktober erstmals den Reichstag an ihren Entscheidungen. Max von Baden wurde Reichskanzler, mehrere Sozialdemokraten übernahmen in der neuen Regierung Verantwortung. Das neue Kabinett bat die Entente um Waffenstillstandsverhandlungen. Doch die Spartakisten sahen diese Verfassungsänderung als Täuschungsmanöver zur Abwehr der kommenden Revolution und stellten nun reichsweit ihre Forderungen nach einem grundlegenden Umbau der Gesellschafts- und Staatsordnung.

Nachdem der Kieler Matrosenaufstand die Novemberrevolution ausgelöst und diese am 9. November Berlin erreicht hatte und Kaiser Wilhelm II. zur Abdankung gezwungen worden war, wählte der neu einberufene Berliner Rätekongress am 10. November den sechsköpfigen „Rat der Volksbeauftragten“ mit je drei Vertretern von SPD und USPD als Übergangsregierung. Zu deren Kontrolle wurde ein ebenfalls paritätisch besetzter Vollzugsrat aus 46 Räten gebildet. Außerdem wurde ein Reichsrätekongress geplant, der eine neue Verfassung und Wahlen vorbereiten sollte. Die Umwandlung des Deutschen Reiches in eine sozialistische Demokratie wurde als Vorlage für dieses Revolutionsparlament beschlossen.

Am selben Tag traf Rosa Luxemburg, die zwei Tage zuvor aus der Breslauer Haft entlassen worden war, in Berlin ein. Der ebenfalls befreite Karl Liebknecht hatte bereits den Spartakusbund reorganisiert. Beide gaben nun gemeinsam die Zeitung Die Rote Fahne heraus, um täglich auf die Entwicklung Einfluss zu nehmen. In einem ihrer ersten Artikel forderte Rosa Luxemburg über die Amnestie für alle politischen Gefangenen hinaus die Abschaffung der Todesstrafe.

Um den geplanten Reichsrätekongress zu verhindern, beorderte Ebert zusätzliches Militär nach Berlin. Bereits am Abend des 10. November hatte er sich heimlich mit Ludendorffs Nachfolger, General Wilhelm Groener, auf eine Zusammenarbeit gegen die Revolutionäre verständigt. Am 6. Dezember kam es zu Schießereien. Vier Tage später zog die Garde-Kavallerie-Schützen-Division in Berlin ein. Da Rosa Luxemburg Eberts Bestreben vermutete, Reichswehreinheiten gegen Berliner Arbeiter einzusetzen, forderte sie nun alle Macht für die Räte, die möglichst gewaltlose Entwaffnung und die Umerziehung der heimgekehrten Soldaten.

Doch der Reichsrätekongress vom 16. bis zum 20. Dezember fand ohne die Spartakisten statt. Ein Antrag, Luxemburg und Liebknecht als Gästen Rederecht zu gewähren, wurde mehrheitlich abgelehnt. Die Versammlung stimmte dort für parlamentarische Wahlen und die Selbstauflösung der Arbeiterräte. Eine Kontrollkommission für das Militär und eine Sozialisierungskommission sollten das Regierungsprogramm noch vor den Wahlen umsetzen und die vielfach geforderte Enteignung kriegswichtiger Großindustrie beginnen.

Bei Eberts Versuch, den Berliner Vollzugsrat zu entmachten und die arbeiterfreundliche Volksmarinedivision aufzulösen, kam es am 24. Dezember erneut zu Schießereien. Daraufhin verließ die USPD fünf Tage später die Übergangsregierung. Nun beauftragte Ebert Gustav Noske mit der Aufstellung von weiteren Freikorps. Dieser zog immer mehr Militär um Berlin zusammen.

Am 1. Januar 1919 gründeten die Spartakisten und andere linkssozialistische Gruppen aus dem ganzen Reich die KPD. Rosa Luxemburg verfasste deren Programm und trug es auf der Abschlussversammlung der Delegierten vor. Darin betonte sie, dass Kommunisten die Macht niemals ohne erklärten mehrheitlichen Volkswillen ergreifen könnten und würden. Ihre Empfehlung, an den kommenden Parlamentswahlen teilzunehmen, lehnte die Parteitagsmehrheit jedoch ab.

Am 5. Januar begann der einwöchige Spartakusaufstand, der den Linken die entscheidende Niederlage im Revolutionsverlauf beibrachte. Anlass dazu war, dass die SPD-Regierung den Berliner Polizeipräsidenten Emil Eichhorn, ein USPD-Mitglied, abgesetzt hatte. Daraufhin besetzten Arbeiter auf eigene Initiative das Berliner Zeitungsviertel, um zum Generalstreik und zu Eberts Sturz aufzurufen. Waffen wurden ausgegeben und Straßen verbarrikadiert. Karl Liebknecht trat in den „Revolutionsausschuss“ ein. Zwei Tage lang wurde das Vorgehen beraten; die KPD-Vertreter versuchten vergeblich, die Unterstützung einiger Berliner Regimenter zu gewinnen. Die USPD-Vertreter verhandelten mit Ebert, bis bekannt wurde, dass der Vorwärts zur „Stunde der Abrechnung“ aufrief. Dann brach man die Gespräche ab. Daraufhin setzte Ebert die Reichswehr gegen die Aufständischen ein. Hunderte von ihnen wurden erschossen: darunter auch viele Unbewaffnete, die sich schon ergeben hatten.

Rosa Luxemburg hatte vor diesen Folgen gewarnt und Liebknecht wegen dieses verfrühten und dilettantischen Aufstandsversuchs scharf kritisiert. Die Spartakusführer mussten nun untertauchen. Flugblätter hatten schon seit Dezember 1918 zum Mord an ihnen aufgerufen. Eduard Stadtler hatte damals mit Geldern der deutschen Bank und von Friedrich Naumann eine „Antibolschewistische Liga“ gegründet, die auch Gelder aus dem am 10. Januar 1919 gegründeten Antibolschewistenfonds der deutschen Wirtschaft erhielt. Damit wurden u. a. die Anwerbung und Ausrüstung der Freikorps sowie Belohnungen zur Festsetzung und Ermordung von Spartakisten bezahlt.

Ermordung

Trauerzug im Rahmen der Beisetzung von Rosa Luxemburg

In ihren letzten Lebenstagen ging es Rosa Luxemburg gesundheitlich sehr schlecht, trotzdem verfolgte sie noch aktiv das revolutionäre Geschehen. In ihrer letzten Veröffentlichung in der Roten Fahne bekräftigte sie nochmals ihr unbedingtes Vertrauen auf die Arbeiterklasse; sie solle aus ihren Niederlagen lernen und die künftige Revolution zum Siege führen.

Am 15. Januar 1919 wurde sie mit Karl Liebknecht in einer Wohnung in der Mannheimer Straße 27 in Wilmersdorf festgenommen und der Garde-Kavallerie-Schützen-Division übergeben. Nachdem sie im Hotel Eden verhört und schwer misshandelt worden war, gab der Kommandant Waldemar Pabst den Befehl, sie zu ermorden.

Grab Karl Liebknechts und Rosa Luxemburgs 1919
Grabstätte von Rosa Luxemburg in der „Gedenkstätte der Sozialisten“ in Berlin, April 2006

Der am Seitenausgang bereitstehende Jäger Otto Wilhelm Runge schlug Rosa Luxemburg mit einem Gewehrkolben nieder. Der Freikorps-Leutnant Hermann Souchon sprang bei ihrem Abtransport kurz auf den Wagen auf und ermordete die schwerverletzte Frau mit einem aufgesetzten Schläfenschuss. Ihre letzten Worte waren: „Nicht schießen!“ Die Erschießung sollte als spontanes Attentat aus der vor dem Hotel versammelten Menge heraus wirken. Ihre Leiche wurde in den Berliner Landwehrkanal geworfen.

Eine in der Nacht zum 1. Juni 1919 an einer Schleuse im Landwehrkanal geborgene Frauenleiche wurde von den Forensikern Fritz Straßmann und Paul Fraenckel obduziert und als Rosa Luxemburg identifiziert. Am 13. Juni wurde sie neben dem Grab des mit ihr ermordeten Karl Liebknecht auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde beigesetzt. Die Identität des Leichnams wurde im Mai 2009 von dem deutschen Rechtsmediziner Michael Tsokos angezweifelt.[7]

Folgen der Morde

Nach den Morden kam es in ganz Deutschland zu bürgerkriegsähnlichen Unruhen, die bis Ende Mai 1919 anhielten. Gustav Noske ließ sie mit Freikorps und kaiserlichen Truppen gewaltsam niederschlagen; dies forderte einige tausend Tote, darunter im März Leo Jogiches, der die Aufklärung der Morde vorangetrieben hatte.

Nur Runge und Souchon wurden vor ein Kriegsgericht gestellt, aber ihre Prozesse wurden verschleppt und im Mai 1919 mit geringen Haft- bzw. Geldstrafen durch Verfügung Noskes eingestellt. Beteiligte Offiziere wurden freigesprochen, Pabst wurde nicht angeklagt, mögliche Auftraggeber wurden nicht gesucht. Dass es sich um Auftragsmorde gehandelt habe, erklärte Eduard Stadtler in seinen 1935 veröffentlichen Erinnerungen.[8] Pabst notierte in seinem 1970 entdeckten Tagebuch, er habe vor den Morden mit der Reichskanzlei telefoniert und Noskes Rückendeckung dafür erhalten.[9] Dies gilt wegen Zeugenaussagen als wahrscheinlich.[10]

Politisches Denken und Handeln

Marxismus als selbstkritische Methode der Kapitalismusanalyse

Rosa Luxemburg vertrat energisch die Ideen des Kommunistischen Manifests von Karl Marx und Friedrich Engels. Sie fasste deren Theorien jedoch nicht dogmatisch, sondern kritisch auf:

„Marxismus ist eine revolutionäre Weltanschauung, die stets nach neuen Erkenntnissen ringen muss, die nichts so verabscheut wie das Erstarren in einmal gültigen Formen, die am besten im geistigen Waffengeklirr der Selbstkritik und im geschichtlichen Blitz und Donner ihre lebendige Kraft bewahrt.“

Die Akkumulation des Kapitals oder Was die Epigonen aus der Marxschen Theorie gemacht haben. Eine Antikritik.[11]

In zwei Aufsätzen über Marx aktualisierte sie seine Grundideen ganz verschieden. Für die Marx-Biografie von Franz Mehring von 1901 schrieb sie eine Zusammenfassung des Kapital. Darin erklärte sie

  • das Entstehen des Profits aus dem Lohngesetz, das dem Arbeiter immer einen Teil des Gegenwerts seines Produkts vorenthält (Band 1);
  • die Konkurrenzgesetze des Marktes, die den Unternehmer zwingen, seinen Profit wiederum gewinnbringend zu „realisieren“, sowie das Kreditsystem, das Produktionsprozess und Warenverkehr in Gang hält (Band 2);
  • das Gesetz der „durchschnittlichen Profitrate“, das die Verteilung des gesellschaftlich produzierten Reichtums bedingt und die zwangsläufig auftretenden „Krisen“ in der kapitalistischen Ökonomie hervorruft (Band 3).

Diese Gesetzmäßigkeiten begründeten für sie die grundlegende Klassensolidarität der Kapitaleigner gegenüber den Produzenten, so dass strukturelle Ausbeutung nur durch die Aufhebung von Lohnarbeit und Klassenherrschaft überwindbar sei.

Als Parteidozentin schrieb sie seit 1907, dann 1916 in Haft auch eine allgemeinverständliche Einführung in die Nationalökonomie, die posthum 1925 erschien.

Imperialismustheorie

In ihrem Hauptwerk Die Akkumulation des Kapitals von 1913 entwickelte Rosa Luxemburg ihre Imperialismustheorie. Sie zeigte ähnlich wie früher schon John Atkinson Hobsons Unterkonsumtionstheorie, dass der Imperialismus „eine historische Notwendigkeit, die abschließende Etappe der kapitalistischen Entwicklung sei“.[12]

In kritischem Bezug auf die Marx'schen Ausführungen zum Schema der erweiterten Reproduktion (Kapitalakkumulation) im zweiten Band des "Kapital", weist sie unter anderem auch mit Bezug auf Engels' Bemerkungen zu Marx' Manuskripten nach, dass Marx diesen Punkt nicht abschließend und widerspruchsfrei ausgearbeitet hat, sondern vielmehr seiner eigenen Lösung an anderer Stelle, nämlich im dritten Band und in den Theorien über den Mehrwert, widerspricht und seine Lösung eine einfache arithmetische Konstruktion ist. Das Problem besteht dabei schon für Marx in der Frage, wer den Mehrwert, also den zusätzlichen Warenberg, bei gesamtgesellschaftlicher Akkumulation realisiert (kauft). Marx hat das Problem unter anderem mit dem von ihm zuvor verworfenem Konzept der erweiterten Geldproduktion (Bergbaukapital für Gold) zu lösen versucht, dies an anderer Stelle im Kapital jedoch als "abgeschmackt" bezeichnet. Rosa Luxemburg zeigt außerdem theoriegeschichtlich, dass bereits die bürgerliche politische Ökonomie vor Marx intensiv mit diesem Problem gerungen hat und keine Lösung für die fehlende Nachfrage nach dem Mehrprodukt im Abschluss der Akkumulation geben konnte, sondern vielmehr im Interesse der Vermeidung der Krisen die Widersprüche irgendwie politisch vermitteln wollte oder schlichtweg geleugnet hat.

Nachdem weder die Arbeiter, noch die Kapitalisten als Konsumenten für das Mehrprodukt, also zur Realisierung des Mehrwerts im Marx'schen Schema der erweiterten Reproduktion in Frage kommen, muss nach Rosa Luxemburg der Markt entsprechend erweitert werden. Das kapitalistische Wachstum wird also immer auf Kosten naturwirtschaftlicher und nichtkapitalistischer Produktionsweisen, sowohl innerhalb des eigenen Landes, als auch außerhalb, gewährleistet. Diese Erweiterung zeichnet sie anhand der Kolonialgeschichte nach: 1. bei Auflösung der Naturalwirtschaft durch zwingende Einführung von Eigentum an Boden und damit Aufteilung der gemeinschaftlich organisierten natürlichen Ressourcen, 2. durch Einführung der Warenwirtschaft, 3. durch Auflösung der Bauernschaft und damit verbunden endlich 4. durch Einführung der großkapitalistischen Produktion, vor allem mit dem Kapital der Kolonialmächte. Die mit den Enteignungen verbundenen blutigen kolonialen Konflikte zur Realisierung des Mehrwerts, wie z. B. der Opiumkrieg in China, die Kolonialisierung von Südafrika, der Sezessionskrieg und die mit ihm verbundenen Steuerlasten oder auch die nordafrikanischen und kleinasiatischen Kolonialbestrebungen des deutschen Kapitals werden von ihr dabei umfangreich als geschichtliches Material herangezogen.

Indem sie die Akkumulation des Kapitals, die dessen einziger Zweck ist, damit für nicht systemimmanent lösbar, wie z. B. Akkumulation um der Akkumulation willen, also Wachstum der Maschinenbauindustrie zur gesteigerten Produktion von Maschinen ohne abschließenden Konsum, hält, erklärt sie zusammenfassend am Ende ihrer Betrachtung zur Auflösung der einfachen Warenproduktion:

„Allgemeines Resultat des Kampfes zwischen Kapitalismus und einfacher Warenwirtschaft ist dies: Das Kapital tritt selbst an Stelle der einfachen Warenwirtschaft, nachdem es die Warenwirtschaft an Stelle der Naturalwirtschaft gesetzt hatte. Wenn der Kapitalismus also von nichtkapitalistischen Formationen lebt, so lebt er, genauer gesprochen, von dem Ruin dieser Formationen, und wenn er des nichtkapitalistischen Milieus zur Akkumulation unbedingt bedarf, so braucht er es als Nährboden, auf dessen Kosten, durch dessen Aufsaugung die Akkumulation sich vollzieht. Historisch aufgefaßt ist die Kapitalakkumulation ein Prozeß des Stoffwechsels, der sich zwischen der kapitalistischen und den vorkapitalistischen Produktionsweisen vollzieht. Ohne sie kann die Akkumulation des Kapitals nicht vor sich gehen, die Akkumulation besteht aber, von dieser Seite genommen, im Zernagen und im Assimilieren jener. Die Kapitalakkumulation kann demnach sowenig ohne die nichtkapitalistischen Formationen existieren, wie jene neben ihr zu existieren vermögen. Nur im ständigen fortschreitenden Zerbröckeln jener sind die Daseinsbedingungen der Kapitalakkumulation gegeben.“

und

„Hier beginnt aber die Sackgasse. Das Endresultat einmal erreicht - was jedoch nur theoretische Konstruktion bleibt -, wird die Akkumulation zur Unmöglichkeit: Die Realisierung und Kapitalisierung des Mehrwerts verwandelt sich in eine unlösbare Aufgabe. In dem Moment, wo das Marxsche Schema der erweiterten Reproduktion der Wirklichkeit entspricht, zeigt es den Ausgang, die historische Schranke der Akkumulationsbewegung an, also das Ende der kapitalistischen Produktion. Die Unmöglichkeit der Akkumulation bedeutet kapitalistisch die Unmöglichkeit der weiteren Entfaltung der Produktivkräfte und damit die objektive geschichtliche Notwendigkeit des Untergangs des Kapitalismus. Daraus ergibt sich die widerspruchsvolle Bewegung der letzten, imperialistischen Phase als der Schlußperiode in der geschichtlichen Laufbahn des Kapitals.“

[13]

Indem sie den Kolonialismus als zwingende Notwendigkeit des Kapitalismus nachwies, erweiterte und modifizierte sie ihn damit auch, obwohl das nicht direkt ihrer Fragestellung entsprach[14] , die Marxsche Krisentheorie.[15]

„Es [das marxsche Schema der erweiterten Reproduktion] schließt dagegen den tiefen fundamentalen Widerstreit zwischen Produktionsfähigkeit und Konsumtionsfähigkeit der kapitalistischen Gesellschaft aus, der sich gerade aus der Kapitalakkumulation ergibt, der sich periodisch in Krisen Luft macht und der das Kapital zur beständigen Markterweiterung antreibt.“

[16]

Nur so lässt sich ihrer Meinung nach überhaupt die Geschichte des Kapitalismus im 19. Jahrhundert richtig nachvollziehen.

„Das Schema setzt also eine Bewegung des Gesamtkapitals voraus, die dem tatsächlichen Gang der kapitalistischen Entwicklung widerspricht. Die Geschichte der kapitalistischen Produktionsweise wird durch zwei Tatsachen auf den ersten Blick charakterisiert: einerseits periodische sprungweise Expansion des ganzen Produktionsfeldes, andererseits höchst ungleichmäßige Entwicklung verschiedener Produktionszweige. Die Geschichte der englischen Baumwollindustrie, das charakteristischste Kapitel in der Geschichte der kapitalistischen Produktionsweise seit dem letzten Viertel des 18. bis in die 70er Jahre des 19. Jahrhunderts, erscheint vom Standpunkte des Marxschen Schemas völlig unerklärlich.“

[17]

Bekämpfung des Reformismus

Auf dem Weg zur Massenpartei wuchs in der SPD seit 1890 eine Schicht von Abgeordneten und Verwaltungsbeamten heran, die von ihren Posten lebten. Als Bernstein ab 1896 seine Artikelreihe zur Revision der Marxschen Zusammenbruchstheorie veröffentlichte, drückte er auch ihre Interessenlage aus. Er folgerte aus dem zeitweiliges Ausbleiben von Krisen, dass der Kapitalismus sich als unerwartet dauerhaft erwiesen habe. Die SPD müsse ihre revolutionären Ziele daher aufgeben und sich ganz auf Verbesserung der Lebensbedingungen der Arbeiter konzentrieren:

„Das Ziel ist mir nichts, die Bewegung ist alles.“

Rosa Luxemburgs Broschüre Sozialreform oder Revolution fasste ihre Antwort darauf zusammen:

  • Hätte Bernstein Recht, wäre die Sozialdemokratie überflüssig. Auf die automatische gerechte Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums zu warten sei jedoch Utopie und verurteile die SPD wie Don Quichotte zum Scheitern.
  • Kartelle, Trusts, Aktiengesellschaften bewiesen nicht die allmähliche Selbstkontrolle und Demokratisierung des Kapitals, sondern seien Teil seines Konzentrationsprozesses.
  • Da die Produktivität ständig wachse, während der Weltmarkt natürliche Grenzen habe, seien Krisen unausweichlich. Deren zeitweiliges Ausbleiben – das deutsche Reich erlebte damals bis 1910 eine längere Hochkonjunktur – widerlege Marx daher nicht.
  • Gewerkschaften könnten nur im Rahmen des Lohngesetzes ein möglichst großes Stück vom „Kuchen“ des Unternehmerprofits abzuschneiden versuchen, aber so die Ausbeutung nie überwinden.
  • Die Sozialdemokratie sei in der bürgerlichen Gesellschaft nur geduldet, solange sie stillhalte. Erst im Zusammenbruch des kapitalistischen Systems werde man sie an der Macht beteiligen.
  • Deshalb sei und bleibe die Revolution unbedingt notwendig. Die SPD müsse die Führung im Aufbau des nötigen Klassenbewusstseins übernehmen und die Selbsttätigkeit der Arbeiter fördern, nicht blockieren.

Diese Sätze, die einige der kommenden Entwicklungen voraussahen, wurden damals von vielen Partei- und Gewerkschaftsfunktionären abgelehnt, die sich Anerkennung durch Anpassung im Kaiserreich und Stimmengewinne durch Verzicht auf Revolution erhofften. Rosa Luxemburg stellte die Umwälzung der Produktionsverhältnisse damit nicht gegen den Alltagskampf für bessere Lebensbedingungen, sondern vertrat ein Ineinandergreifen von Reform und Revolution im proletarischen Selbstbefreiungskampf. Reformen sollten auch das politische Bewusstsein der Arbeiter bilden und eine Vereinnahmung der SPD zum Erhalt der Klasse des Bürgertums verhindern.

Kritische Solidarität mit der Oktoberrevolution

Nach dem Sturz des Zaren im März 1917 schrieb Rosa Luxemburg den Artikel Die Revolution in Russland[18]. Darin hob sie die treibende Kraft des russischen Proletariats bei den Ereignissen hervor. Seine Machtentfaltung habe zunächst die liberale Bourgeoisie an die Spitze der revolutionären Bewegung gestoßen. Seine Aufgabe sei nun, den imperialistischen Krieg zu beenden. Dazu müsse es die eigene Bourgeoisie bekämpfen, die den Krieg unbedingt brauche und fortsetzen wolle. Dieser habe Russland reif für die sozialistische Revolution gemacht. Damit sah sie voraus, dass nur eine weitere Revolution im Russischen Reich den Krieg beenden würde.

Denn die Menschewiki wollten wie deutsche und französische Sozialdemokraten weiter Vorteile für ihr Land erobern. Aber weil das städtische Industrieproletariat in Russland anteilig viel kleiner als das rückständige ländliche Kleinbauertum war, hielt Rosa Luxemburg wie Lenin eine analoge deutsche Revolution für unabdingbar, um mit dem Kriegsende zugleich die Voraussetzungen für den Sozialismus in beiden Ländern zu schaffen. Dazu wollte sie die gesamteuropäische Arbeiterbewegung nach Kräften praktisch zusammenführen.

Um den Separatfrieden durchzusetzen, löste Lenin zunächst das russische Parlament – die Duma – gewaltsam auf. Rosa Luxemburg bejahte seinen Umsturzversuch, erkannte aber, dass er nicht nur andere Parteien, sondern auch die Demokratie in der eigenen Partei zu unterdrücken begann. Dies bedrohte die unbedingt nötige Mitwirkung und Führung der Arbeiter beim Aufbau des Sozialismus. Darum kritisierte sie nach der Oktoberrevolution die Tendenz der Bolschewiki zur Diktatur mit den berühmten Sätzen:

„Freiheit nur für die Anhänger der Regierung, nur für Mitglieder einer Partei – mögen sie noch so zahlreich sein – ist keine Freiheit. Freiheit ist immer Freiheit des Andersdenkenden. Nicht wegen des Fanatismus der 'Gerechtigkeit', sondern weil all das Belebende, Heilsame und Reinigende der politischen Freiheit an diesem Wesen hängt und seine Wirkung versagt, wenn die 'Freiheit' zum Privilegium wird.[19]

Bei der Freiheit des Andersdenkenden denkt Luxemburg allerdings nicht an „Klassenfeinde“, betont der Historiker Heinrich August Winkler. Nicht eine liberale Demokratie, sondern ein sozialistischer Pluralismus habe ihr vor Augen gestanden.[20]

In einer scharfen Auseinandersetzung mit der Diktaturtheorie von Lenin und Trotzki fährt sie fort und führt aus, dass diese auf der einen Seite, wie Kautsky andererseits, den Grundfehler begehen, die Diktatur der Demokratie entgegenzustellen. Dabei wären es zwei Gegenpole, die gleich weit entfernt von der wirklichen sozialistischen Politik sind.

„Das Proletariat kann, wenn es die Macht ergreift, nimmermehr nach dem guten Rat Kautskys […] auf die soziale Umwälzung verzichten und sich nur der Demokratie widmen, ohne an sich selbst, an der Revolution Verrat zu üben. Es soll und muß eben sofort sozialistische Maßnahmen in energischster, unnachgiebigster, rücksichtslosester Weise in Angriff nehmen, also Diktatur ausüben; aber Diktatur der KLASSE, nicht einer Partei oder Clique, Diktatur der Klasse, d. h. in breitester Öffentlichkeit, unter tätigster ungehemmter Teilnahme der Volksmassen, in unbeschränkter Demokratie.[21]

Weiter führt sie aus, dass es weder um den Götzendienst an der formalen Demokratien noch am Sozialismus oder Marxismus gehe, vielmehr müsse der „herbe Kern der sozialen Ungleichheit und Unfreiheit unter der süßen Schale der formalen Gleichheit und Freiheit“ mit neuen sozialen Inhalten gefüllt werden. In diesem Sinne definiert sie den marxistischen Begriff der Diktatur des Proletariats:

„Es ist die historische Aufgabe des Proletariats, wenn es zur Macht gelangt, an Stelle der bürgerlichen Demokratie sozialistische Demokratie zu schaffen, nicht jegliche Demokratie abzuschaffen. […] Sozialistische Demokratie beginnt zugleich mit dem Abbau der Klassenherrschaft und dem Aufbau des Sozialismus. Sie beginnt mit dem Moment der Machteroberung durch die sozialistische Partei. Sie ist nichts anderes als die Diktatur des Proletariats.
Jawohl: Diktatur! Aber diese Diktatur besteht in der Art der Verwendung der Demokratie, nicht in ihrer Abschaffung, in energischen, entschlossenen Eingriffen in die wohlerworbenen Rechte und wirtschaftlichen Verhältnisse der bürgerlichen Gesellschaft, ohne welche sich die sozialistische Umwälzung nicht verwirklichen läßt. Aber diese Diktatur muß das Werk der Klasse, und nicht einer kleinen, führenden Minderheit im Namen der Klasse sein, d. h. sie muß auf Schritt und Tritt aus der aktiven Teilnahme der Massen hervorgehen, unter ihrer unmittelbaren Beeinflussung stehen, der Kontrolle der gesamten Öffentlichkeit unterstehen, aus der wachsenden politischen Schulung der Volksmassen hervorgehen.[22]

Das Dilemma, in der sie die russische Revolution im historischen Kontext sah, erklärte sie aus dem „völlige[n] Versagen des internationalen Proletariats“ – vor allem der SPD – gegenüber dem imperialistischen Krieg.[23] Trotz aller nötigen und berechtigten Kritik bleibe es Lenins Verdienst, die Revolution gewagt zu haben. Damit habe er den welthistorischen Gegensatz zwischen Arbeit und Kapital international aufgerissen und bewusst gemacht[24]. Dabei rechtfertigte sie auch seine ihr damals erst anfänglich bekannten Gewaltmaßnahmen:

„Der Sozialismus […] hat […] zur Voraussetzung eine Reihe von Gewaltmaßnahmen - gegen Eigentum […] Wer sich dem Sturmwagen der sozialistischen Revolution entgegenstellt, wird mit zertrümmerten Gliedern am Boden liegenbleiben.“

Nunmehr werde es zur „geschichtlichen Verantwortung“ der deutschen Arbeiter, ebenfalls aufzustehen, um den Krieg zu beenden.[25] Darum begrüßte sie die deutschen Januarstreiks für Frieden enthusiastisch und versuchte den Deutschen das aus ihrer Sicht latente historisches Ziel, den internationalen Sozialismus, aus dem Gefängnis heraus bewusst zu machen.

Als die deutsche Novemberrevolution den Kaiser entmachtet hatte, agitierte sie sofort wieder für die proletarische Revolution:

„Die Abschaffung der Kapitalsherrschaft, die Verwirklichung der sozialistischen Gesellschaftsordnung – dies und nichts Geringeres ist das geschichtliche Thema der gegenwärtigen Revolution. Ein gewaltiges Werk, das nicht im Handumdrehen durch ein paar Dekrete von oben herab vollbracht, das nur durch die eigene bewusste Aktion der Masse der Arbeitenden in Stadt und Land ins Leben gerufen, das nur durch höchste geistige Reife und unerschöpflichen Idealismus der Volksmassen durch alle Stürme glücklich in den Hafen gebracht werden kann.“

„Der Anfang“[26]

Nach der Entmachtung des „Vollzugsrats“ durch Ebert forderte sie die Arbeiter- und Soldatenräte am 10. Dezember 1918 zur Machtübernahme auf. Die Räterepublik sei das natürliche Programm der Revolution. Doch vom Soldaten – dem „Gendarmen der Reaktion“ – zum revolutionären Proletarier sei noch ein weiter Weg. Das Militär, das bisher dem „Vaterland“ diente, müsse erst noch lernen, seine Macht dem Gemeinwohl unterzuordnen, und dazu der politischen Kontrolle der Arbeiterräte unterstellt werden.

Eberts Geheimpakt mit Reichswehrgeneral Groener verhinderte dies in den Weihnachtsunruhen. Daraufhin gründeten die radikalen linken Gruppen die KPD. Rosa Luxemburg warb erfolglos für deren Teilnahme an den Wahlen zum Weimarer Reichstag, um auch dort auf Fortsetzung der Revolution hinzuwirken.

Dialektik des Klassenkampfs und Aufgabe der Arbeiterparteien

Rosa Luxemburg verstand Geschichte mit Marx als dauernden Klassenkampf. Darin sei eine Tendenz zur Erkenntnis der Ausbeutungsursachen und damit zur revolutionären Umwälzung der Verhältnisse angelegt[27] :

„Die moderne proletarische Klasse führt ihren Kampf nicht nach irgendeinem fertigen, in einem Buch, in einer Theorie niedergelegten Schema; der moderne Arbeiterkampf ist ein Stück in der Geschichte, ein Stück der Sozialentwicklung, und mitten in der Geschichte, mitten in der Entwicklung, mitten im Kampf lernen wir, wie wir kämpfen müssen.“

In diesem revolutionären Lernprozess trieben Spontaneität und Organisation der Arbeiterklasse sich gegenseitig vorwärts. Beide sind für Rosa Luxemburg untrennbare „Momente“ desselben Prozesses, die einander bedingen. Denn ungeplante Aktionen – z. B. wilde Streiks gegen Lohnkürzungen – reagierten auf aktuelle Herausforderungen. In diesem elementaren Kampf würden die Arbeiter allmählich die historischen Aufgaben und Ziele ihrer Klasse erkennen. Diese Einsicht werde ihren Kampf wiederum auf eine höhere Stufe heben und zur Bildung von Organisationen führen, z. B. Gewerkschaften. Diese würden ihr Handeln auf langfristig geplante Ziele hin orientieren und bündeln, z. B. Tarifverträge. Die darin enthaltene Tendenz zur Überwindung der Ausbeutung bewusst zu machen und zu fördern, sei Aufgabe der Arbeiterpartei. Sie könne sich dabei nicht von der Eigenaktivität der Arbeiter abkoppeln:

„Die Arbeiterklasse in allen Ländern lernt erst im Verlaufe ihres Kampfes kämpfen…Die Sozialdemokratie…, die nur die Vorhut des Proletariats ist, ein Teil der ganzen arbeitenden Masse, das Blut aus ihrem Blut und Fleisch von ihrem Fleische, diese Sozialdemokratie sucht und findet die Wege und besonderen Losungen des Arbeiterkampfes lediglich im Maße der Entwicklung dieses Kampfes, wobei sie aus diesem Kampf allein die Hinweise für den weiteren Weg schöpft.“

„In revolutionärer Stunde: Was weiter?“[28]

Rosa Luxemburg glaubte also: Ohne Organisation hätten spontane Streiks nur vorübergehend Erfolg, aber keine dauerhafte, die Gesellschaft insgesamt verändernde Kraft und Wirkung. Ohne Eigenaktivität der Arbeiter würden deren Organisationen ihre Stoßrichtung, das politische Ziel des Sozialismus, ebenfalls bald wieder verlieren. Anders als Engels, Kautsky und Lenin sah sie die Arbeiterpartei nicht als reine Wahlpartei noch elitäre Kaderpartei, die aus der „wissenschaftlichen“ Einsicht in den Geschichtsverlauf folgt:

„Die Sozialdemokratie ist nichts anderes als die Verkörperung des Klassenkampfes des modernen Proletariats, der vom Bewusstsein über seine historischen Konsequenzen getragen wird. Ihr eigentlicher Führer ist in Wirklichkeit die Masse selbst […] Je mehr sich die Sozialdemokratie entwickelt, wächst, erstarkt, um so mehr nimmt die aufgeklärte Arbeitermasse mit jedem Tage ihre Schicksale, die Leitung ihrer Gesamtbewegung, die Bestimmung ihrer Richtlinien in die eigene Hand. Und wie die Sozialdemokratie im ganzen nur die bewusste Vorhut der proletarischen Klassenbewegung ist, die nach den Worten des Kommunistischen Manifestes in jedem Einzelmoment des Kampfes die dauernden Interessen der Befreiung und jedem partiellen Gruppeninteresse der Arbeiterschaft gegenüber die Interessen der Gesamtbewegung vertritt, so sind innerhalb der Sozialdemokratie ihre Führer um so mächtiger, um so einflussreicher, je klarer und bewusster sie sich selbst nur zum Sprachrohr des Willens und Strebens der aufgeklärten Massen, nur zu Trägern der objektiven Gesetze der Klassenbewegung machen.“

„Der politische Führer der deutschen Arbeiterklasse“[29]

Die Partei soll das Proletariat also nicht „vertreten“ oder „führen“, sondern nur seine „Vorhut“ sein. Sie war für Rosa Luxemburg unmöglich von dessen teils spontaner, teils organisierter Eigenbewegung zu trennen, sondern ging aus ihr hervor und drückte sie bewusst aus. Sie habe den Arbeitern nur die Einsicht in die Notwendigkeit des Sozialismus voraus, aber nicht die Mittel, diesen ohne sie zu realisieren. Sie könne die Revolution nicht planen und erzwingen, wenn die Arbeiter nicht selbst dazu bereit, fähig und reif seien. Ihre Aufgabe sei es also, das Bewusstsein der Arbeiter über ihre historische Mission zu schulen, bis sie selbstständig fähig seien, die Produktionsverhältnisse umzuwälzen.

Rosa Luxemburgs marxistische Klassenkampftheorie entstand ihrerseits in Folge realer Prozesse: Um 1900 brachen in Europa, besonders in Russland und Polen immer mehr und größere Massenstreiks aus. Sie führten zur russischen Revolution von 1905, in deren Verlauf der Zar dem Volk demokratische Rechte wie die Gründung eigener Parteien zugestehen musste. Diese wiederum bereiteten die nächste Revolution vor, die 1917 den Zaren stürzte. Rosa Luxemburg versuchte, diese Kampferfahrungen für die deutschen Arbeiter fruchtbar zu machen. Darum verlangte sie seit 1905 von der SPD die entschlossene Vorbereitung des politischen Generalstreiks. Mit dieser Verkoppelung von politischer Parteiorganisation und betrieblicher Arbeiterbildung wollte sie zweierlei abwehren:

  • eine Alltagsarbeit der Arbeiterparteien und Gewerkschaften, die das Ziel der internationalen sozialistischen Revolution verliert und aufgibt („Opportunismus“, „Revisionismus“, „Reformismus“);
  • Organisationsformen, die abheben, nicht mehr die wahren Arbeiterinteressen vertreten und diktatorisch erstarren („Zentralismus“, „Bürokratismus“).

Die SED warf Rosa Luxemburg stets „Spontaneismus“ vor, der angeblich zum Scheitern der Novemberrevolution beitrug. Doch die Selbstorganisation der Räte sollte die Arbeiterparteien stärken, damit sie das Gesamtinteresse des Proletariats immer wirksamer durchsetzen können. Verlören sie den Kontakt zu ihrer Basis, müssten sie nach Luxemburgs Ansicht zwangsläufig scheitern.

Doch sie glaubte daran, dass die inneren Widersprüche des Kapitalismus, der Gegensatz von Kapital und Arbeit, immer wieder die proletarische Revolution auf die politische Tagesordnung setzen würden. Diese selbst, nicht die Partei, werde die Massen zu Revolutionären schulen: Nur im Vertrauen darauf könnten die Arbeiterparteien ihre kurz- und langfristigen Ziele bestimmen und erreichen.

„Die Geschichte ist die einzige wahre Lehrmeisterin, die Revolution ist die beste Schule des Proletariats. Sie werden dafür sorgen, dass die ‚kleine Schar‘ der Meistverleumdeten und -verfolgten Schritt um Schritt zu dem wird, wozu ihre Weltanschauung sie bestimmt: zur kämpfenden und siegenden Masse des revolutionären sozialistischen Proletariats.“

Rosa Luxemburg[30]

Bekämpfung der falschen Interessenvertretung

Eine Partei, die die Arbeiter in Parlamenten oder einem „Politbüro“ „vertritt“ und bevormundet, werde zwangsläufig nicht mehr für, sondern gegen sie handeln. Sie werde dann selbst Werkzeug derer, die die Revolution verhindern und ihre Erfolge zurückdrehen wollten. Dann müssten die Arbeiter auch eine so genannte „Arbeiterpartei“ bekämpfen.

So schrieb Rosa Luxemburg in der Roten Fahne vom 21. Dezember 1918:

„In allen früheren Revolutionen traten die Kämpfer mit offenem Visier in die Schranken… In der heutigen Revolution treten die Schutzgruppen der alten Ordnung nicht unter eigenen Schildern und Wappen der herrschenden Klassen, sondern unter der Fahne einer sozialdemokratischen Partei in die Schranken. Würde die Kardinalfrage der Revolution offen und ehrlich: Kapitalismus oder Sozialismus lauten, ein Zweifel, ein Schwanken wäre in der großen Masse des Proletariats heute unmöglich.“

Rote Fahne vom 21. Dezember 1918

Darum müssten die Arbeiter den direkten Klassenkampf in der bürgerlichen Demokratie unbedingt fortsetzen: je nach den Umständen in Parlamenten, aber auch gegen sie oder beides zugleich. Tatsächlich verhinderte 1920 nur ein Generalstreik noch einmal eine rechte Militärdiktatur, doch in den Folgejahren war die Arbeiterbewegung in zwei verfeindete Lager gespalten, die sich gegenseitig mehr als den gemeinsamen Gegner bekämpften, so dass sie letztlich nicht in der Lage waren, den Niedergang der Weimarer Republik aufzuhalten.

Glaube an die proletarische Revolution

Am Vorabend ihrer Ermordung schrieb Rosa Luxemburg[31]:

„Die Führung hat versagt. Aber die Führung kann und muss von den Massen und aus den Massen heraus neu geschaffen werden. Die Massen sind das Entscheidende, sie sind der Fels, auf dem der Endsieg der Revolution errichtet wird. Die Massen waren auf der Höhe, sie haben diese ‚Niederlage‘ zu einem Glied jener historischen Niederlagen gestaltet, die der Stolz und die Kraft des internationalen Sozialismus sind. Und darum wird aus dieser ‚Niederlage‘ der künftige Sieg erblühen. – ‚Ordnung herrscht in Berlin!‘ Ihr stumpfen Schergen! Eure ‚Ordnung‘ ist auf Sand gebaut. Die Revolution wird sich morgen schon ‚rasselnd wieder in die Höhe richten‘ und zu eurem Schrecken mit Posaunenklang verkünden: ‚Ich war, ich bin, ich werde sein!‘“

Der letzte Satz zitiert den 1848er Revolutionär Ferdinand Freiligrath, der die Revolution mit diesem ursprünglich biblischen Ausdruck[32] als wiederkehrenden „roten Faden" der Geschichte würdigte. Ihre damit verbundene Kritik an der Führung betraf nicht nur Ebert, sondern auch Hugo Haase (USPD) und Liebknecht (KPD), deren Besetzungsaktion im Januar 1919 miserabel geplant war. Eine riesige Menge wartender Demonstranten war damals bereit, die anrückenden Soldaten zu blockieren und zu entwaffnen, wurde aber von den Besetzern nicht einbezogen.

Rosa Luxemburg glaubte – anders als Kautsky und der SPD-Parteivorstand – nicht an einen Determinismus der internationalen Revolution im Gefolge der Verelendung und des Zusammenbruchs der Kapitalherrschaft durch den Krieg. Scheitere der Sozialismus, dann drohe der Menschheit ein Rückfall in unvorstellbare Barbarei. Das Bewusstsein dieses Entweder-Oder war die entscheidende Triebfeder ihres Handelns. Dabei hielt sie Rückschläge und Niederlagen des arbeitenden Volkes für dessen Lernprozess für besonders wichtig: Gerade sie könnten das historische Bewusstsein für die unvermeidbare Notwendigkeit der Revolution schärfen. Nicht erst der „Endsieg“, sondern schon der immer neue Versuch, ihn herbeizuführen, sei daher der „Stolz“ der Arbeiterbewegung.

Rosa Luxemburg vertraute also der ständigen Lernfähigkeit arbeitender Menschen, ihrer unzerstörbaren Fähigkeit, ihre Geschichte selbst zu bestimmen und zu einem Ziel zu führen, das alle, nicht nur eine Minderheit, vom Joch der Klassenherrschaft befreie. Dieses Vertrauen schöpfte sie aus den realen historischen Anläufen und sozialen Bewegungen zur Erreichung einer gerechten Weltgesellschaft.

Politische Wirkungen

In der Weimarer Zeit

Rosa Luxemburg gewann ihre proletarische Überzeugung in der Zeit der ersten Massenstreiks in Polen und fand sie bestärkt durch ähnliche Massenstreiks in Russland, Belgien und Nordeuropa um 1905. Sie versuchte, der SPD rechtzeitig den länderübergreifenden Generalstreik als politisches Kampfmittel nahezubringen: Dieser sollte den Raubkrieg im Rahmen der Zweiten Internationale praktisch verhindern. Als dies ausblieb, war sie mit Lenin einig, dass die durch den Krieg zugespitzte Krise zur Revolution führen und genutzt werden müsse. Die neuen Massenstreiks im Kriegsverlauf bestätigten ihr Vertrauen auf die Spontaneität der Arbeiterklasse, die aus ihren Niederlagen lerne: Aus den Enttäuschungen mit der SPD-Führung entstanden neue Formen der Selbstorganisation besonders bei den Arbeitern der deutschen Rüstungsindustrie.

Die Spartakisten versuchten, USPD und Rätebewegung unter dem Druck der Illegalität rechtzeitig auf gemeinsames revolutionäres Handeln hin zu orientieren. Doch in der deutschen Novemberrevolution wirkten Spontaneität und Parteiorganisationen nicht aufeinander abgestimmt, so dass im Ergebnis nur die Monarchie gestürzt und eine bürgerliche Republik begründet wurde, die damals vielleicht mögliche Vergesellschaftung der Produktionsmittel aber blieb aus.

Anfangs verehrte die junge Sowjetunion Rosa Luxemburg als eins ihrer besten Vorbilder und Verbündeten. Doch 1922 veröffentlichte Paul Levi ihren Gefängnisaufsatz zur Oktoberrevolution mit der scharfen Kritik an Lenins Partei- und Fraktionsverbot. Zugleich wurde bekannt, dass sie auch Lenins Imperialismustheorie nicht teilte. Dies wurde von deutschen Reformisten nun als antikommunistische Munition benutzt. Stalin schrieb ihr daraufhin 1931 die Erfindung von Trotzkis Theorie der „permanenten Revolution“ zu und unterstellte ihr damit nachträglich eine verschwörerische Feindseligkeit gegen Lenins Revolutionsversuch. Trotzki nahm sie dagegen 1932 in Schutz.[33] Fortan wurden ihre Positionen im Staatskommunismus meist ablehnend als „Luxemburgismus“ bezeichnet.

Rosa Luxemburg hatte immer die Einheit und Selbsttätigkeit der Arbeiterklasse und die Abhängigkeit der Arbeiterorganisationen von dieser Basis betont, um deren Verselbstständigung zu verhindern. Doch seit 1927 verteufelten Sozialdemokraten und Kommunisten einander zunehmend mit Totalitarismus- bzw. Sozialfaschismus-Thesen. Wegen der engen Bindung der KPD an die Kommunistische Internationale unter Führung Stalins wies die SPD ihre späten Angebote an eine gemeinsame „Volksfront“ gegen die Harzburger Front der erstarkenden Rechtsparteien 1931 zurück.

Zugleich veränderte Stalin den Marxismus zu einer totalitären Herrschaftsideologie und Absicherung der Ein-Parteien-Diktatur mit bürokratisch-feudalistischen Zügen, Geheimpolizei-Terror, gewaltsam erzwungener Industrialisierung, Personenkult, Arbeitslagern und Deportationen. Mit Hitlers Machtergreifung 1933, der Niederlage der Gegner Francos im Spanischen Bürgerkrieg 1936 und Stalins „Säuberungen“ 1936 bis 1938 waren sämtliche Chancen für einen Demokratischen Sozialismus in Europa, wie ihn Rosa Luxemburg gewollt hatte, nachhaltig zerstört. Die von ihr befürchtete „Barbarei“ eines neuen Weltkriegs trat ein.

Nach 1945

Gedenken: jährlich stattfindende Liebknecht-Luxemburg-Demonstration in Berlin 1978. An der Spitze gingen die Repräsentanten der Partei- und Staatsführung der DDR

Auch nach 1945 wurden die Auffassungen Luxemburgs von der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD)[34] und der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) [35] weiterhin als Luxemburgismus abgewertet und verfemt. Rosa Luxemburgs Gesamtwerk wurde in der Deutschen Demokratischen Republik erst ab 1970 veröffentlicht. Schriften, die ihre Kritik an Lenin, ihre radikaldemokratische und tendenziell pazifistische Haltung zeigten, wurden dabei stets als „Irrtümer“ zensiert.[36]

In einigen blockfreien Staaten wie dem früheren Jugoslawien unter Josip Broz Tito war der Todestag Rosa Luxemburgs ein gesetzlicher Feiertag. In den Demokratisierungsbewegungen und Reformanläufen im Ostblock spielte sie oft eine Rolle als Vorbild, auf das man sich gegen die eigenen Chefideologen berufen konnte. Je mehr die Opposition aber einen Systemwechsel anstrebte, desto mehr wurden der Marxismus insgesamt und damit auch Rosa Luxemburgs politische Ideen und Ziele abgelehnt.

Andererseits fand ihr Denken besonders in der „Neuen Linken“ der 1960er Jahre viele begeisterte Anhänger. Rudi Dutschke berief sich auf sie für sein Verständnis von Sozialismus als lebendiger, antiautoritärer, radikaler, von allen arbeitenden Menschen getragenen Demokratie, ebenso viele linke Intellektuelle in Frankreich. Aber auch Revolutionäre in Ländern der sogenannten „Dritten Welt“ bezogen sich auf ihren Marxismus, der nicht dem Kreml hörig sein und ihren Völkern eine Perspektive jenseits von Kapitalismus und sowjetischem Stalinismus eröffnen sollte. Auch die maoistische Volksrepublik China hat Rosa Luxemburg neuerdings rezipiert: Im November 2004 fand in Guangzhou ein Kongress zu ihrem Andenken statt.

Die nichtmarxistische Philosophin Hannah Arendt stützte sich in ihrer Untersuchung der Ursprünge und Elemente totaler Herrschaft auf die Imperialismustheorie Rosa Luxemburgs. Sie interpretierte den völkischen Nationalismus als Ausformung des kontinentalen Imperialismus, der den Antisemitismus rassistisch und den Rassismus antisemitisch werden ließ und in der Vernichtung der Juden und Slawen endete. Rosa Luxemburg war für Hannah Arendt auch ein positives Beispiel für die Weltzugewandtheit des Politischen: Für Rosa Luxemburg war die Welt von sehr großer Wichtigkeit, und sie interessierte sich überhaupt nicht für sich selbst. … sie konnte sich mit der Ungerechtigkeit in der Welt nicht abfinden.[37]

Die SPD hat ihr Verhältnis zu Rosa Luxemburg und zu Eberts Verhalten während der Novemberrevolution bis heute nicht geklärt. Mit dem Godesberger Programm schloss sie 1959 viele Hauptziele des Marxismus, die nach 1945 erneut plausibel erschienen waren, aus ihren Parteizielen aus. Willy Brandt und Erhard Eppler vertraten zwar auch einen „demokratischen Sozialismus“, verstanden darunter aber keine „Sozialisierung von Produktionsmitteln“ und internationale Überwindung von Klassenspaltung mehr. Nur die Jungsozialisten haben bis in die 1980er Jahre hinein marxistische Theoreme vertreten und sich dabei auch auf Rosa Luxemburg berufen. Parteilinke wie Peter von Oertzen haben die Rätebewegung der Novemberrevolution gründlich erforscht und kamen zu dem Ergebnis, dass diese Demokratisierung der Großbetriebe eine ungelenkte, aus der krisenhaften Zuspitzung der Verhältnisse geborene spontane Entwicklung war, die Rosa Luxemburgs Thesen von der „Spontaneität“ der Arbeiterklasse eindrucksvoll belegt habe.

Briefmarke der Bundespost (1974)

Eine geplante Briefmarke mit dem Porträt Rosa Luxemburgs löste 1973 eine Bundestagsdebatte aus.

Rosa Luxemburgs Leninkritik und ihr Satz von der Freiheit des Andersdenkenden wurde sowohl von SED-Dissidenten als auch von Bürgerrechtlern in der DDR verwendet, um die Alleinherrschaft und Reformunfähigkeit der SED zu kritisieren. Er stand am 17. Januar 1988 auf einem Plakat von Demonstranten bei den jährlichen offiziellen Feierlichkeiten zu ihrem Todestag, was eine Verhaftungs- und Ausweisungswelle auslöste. Der Vorfall gilt als ein Vorbote der friedlichen Revolution von 1989.[38]

Die 1990 gegründete Rosa-Luxemburg-Stiftung sieht Rosa Luxemburg als herausragende Vertreterin demokratisch-sozialistischen Denkens und Handelns in Europa. Sie wurde 1992 von der Partei PDS als parteinahe Stiftung anerkannt und steht heute der Partei Die Linke nahe.

Rosa Luxemburgs Todesdatum wurde seit den 1920er Jahren Anlass der jährlich wiederkehrenden Liebknecht-Luxemburg-Demonstration in Berlin, an der heute ein breites Spektrum linksgerichteter Gruppen, Parteien und Einzelpersonen teilnimmt. Auch die Frauen-, die antimilitaristische Friedensbewegung, die Sozialistische Jugend und die Globalisierungskritiker finden in Rosa Luxemburg ein bedeutendes Vorbild. Dabei werden oft Einzelideen aus dem Gesamtkontext ihres Denkens und Handelns herausgelöst. Ihre Vision eines klassenbewussten Internationalismus, der der Selbstvernichtung der Völker im Zwang der Kapitalverwertung wirksam widersteht, gilt ihren Anhängern als unverändert aktuell und unerfüllt.

Datei:Stele luxemburg.jpg
Rosa Luxemburg-Denkmal nach Initiative und Entwürfen von Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte am Landwehrkanal in Berlin

In der DDR wurden in zahlreichen Orten Straßen und Plätze nach Rosa Luxemburg benannt, im Weimarer Stadtteil Schöndorf nannte sich ein Wohngebiet "Rosa-Luxemburg-Siedlung", nach 1990 gibt es dort den R.-L.-Platz. Dort steht ein Denkmal, an dem bis in die Gegenwart jedes Jahr die Partei Die Linke zum Gedenken an sie einlädt. Anfang 2010 wurde im Zossener Ortsteil Wünsdorf-Waldstadt eine Straße nach Rosa Luxemburg benannt. Die Leiche der Ermordeten war 1919 im Standortlazarett am Wünsdorfer Parkring obduziert worden.[39]

Film und Theater

1969 produzierten Dieter Ertel und Gustav Strübel für den Süddeutschen Rundfunk das zweiteilige Dokumentarspiel „Der Fall Liebknecht-Luxemburg“, das die Hintergründe des Doppelmords an Karl Liebknecht und an Rosa Luxemburg behandelt. Für die Dokumentation interviewte Dieter Ertel Überlebende von 1919 und konnte auch den früheren Generalstabsoffizier Waldemar Pabst, der den Geheimbefehl zur Erschießung gegeben hatte, zu einem Interview bewegen.

1986 drehte Margarethe von Trotta den Film Rosa Luxemburg und gewann dafür den Bundesfilmpreis. Zudem erhielt Barbara Sukowa für die Titelrolle den Darstellerpreis auf dem Filmfestival in Cannes.

2008 wurde im GRIPS Theater Berlin ein Stück Rosa über Rosa Luxemburg uraufgeführt.[40]

Werkausgaben

  • Gesammelte Werke. 5 Bände Karl Dietz Verlag Berlin 1970ff.
  • Gesammelte Briefe. 6 Bände Karl Dietz Verlag Berlin 1983-1993
  • Schriften zur Theorie der Spontaneität. Rowohlt Klassiker 249, Reinbek bei Hamburg 1970, ISBN 3-499-45249-9
  • Ossip K. Flechtheim (Hrsg.): R.L.: Politische Schriften. 3 Bände, Frankfurt/Main 1966 ff.
  • Ossip K. Flechtheim: Rosa Luxemburg zur Einführung. Junius Verlag, Hamburg 1985, ISBN 3-88506-818-4
  • Frederik Hetmann (Hrsg.): Rosa Luxemburg. Ein Leben für die Freiheit – Reden, Schriften, Briefe. Fischer TB Verlag 3711, Frankfurt am Main, 1980, ISBN 3-596-23711-4
  • Fritz Keller/Stefan Kraft (Hrsg.): Rosa Luxemburg - Denken und Leben einer internationalen Revolutionärin. Promedia-Verlag, Wien 2005, ISBN 3-85371-232-0.
  • Charlotte Beradt (Hrsg.): Rosa Luxemburg im Gefängnis. Briefe und Dokumente aus den Jahren 1915–1918. Fischer TB Verlag 5659, Frankfurt am Main 1973, ISBN 3-596-25659-3
  • Günter Regneri (Hrsg.): R.L., Schriften und Reden (CD-ROM) heptagon Verlag, Berlin 2006, ISBN 3-934616-83-6

Literatur

Deutschsprachige Biografien

Anderssprachige Biografien

  • Feliks Tych: Luksemburg (Rosalia). In: Polski Slownik Biograficzny. T. III/1. Wroclaw 1973 (polnisch)
  • I. Jashborowskaja, J. Jewserow: Rosa Luxemburg. Biographische Skizze. Moskau 1974 (russisch)
  • Gilbert Badia: Rosa Luxemburg. Journaliste, Polémiste, Révolutionaire. Paris 1975 (französisch)
  • Aleksander Kochanski: Róza Luksemburg. Warschau 1976 (polnisch)
  • Richard Abraham: Rosa Luxemburg. A life for the International. Oxford [u. a.] 1989 (englisch)
  • Elzbieta Ettinger: Rosa Luxemburg. Ein Leben. (englisch; deutsche Übersetzung Bonn 1990)
  • Donald E. Shepardson: Rosa Luxemburg and the Noble Dream. Peter Lang Publications Incorporated, New York 1996, ISBN 0-8204-2739-X

Biografische Einzelstudien

  • Verena Stadler-Labhart: Rosa Luxemburg an der Universität Zürich 1889-1897. Zürich 1978
  • Sibylle Quack: Geistig frei und niemandes Knecht. Paul Levi - Rosa Luxemburg. Politische Arbeit und persönliche Beziehung. Mit 50 unveröffentlichten Briefen. Köln 1983
  • Maria Seidemann: Rosa Luxemburg und Leo Jogiches. Die Liebe in den Zeiten der Revolution. Berlin 1998
  • Hans Pfeiffer: Der Selbstmord der Rosa Luxemburg. Historische Phantasien. Leipzig 1997
  • Heinz Knobloch: Meine liebste Mathilde. Geschichte zum Berühren. (1. Auflage 1985) 5. Auflage Berlin 1995
  • Ottokar Luban: Die »innere Notwendigkeit, mithelfen zu dürfen«. Zur Rolle Mathilde Jacobs als Assistentin der Spartakusführung bzw. der KPD-Zentrale. In: IWK 29 (1993) 4, S. 421-470
  • Klaus Gietinger: Eine Leiche im Landwehrkanal – Die Ermordung der Rosa L., Verlag 1900, Berlin 2002, ISBN 3-930278-02-2

Politische Einordnungen

  • Lelio Basso: Rosa Luxemburgs Dialektik der Revolution. Aus dem Italienischen von Karin Monte, Frankfurt am Main 1969
  • Annelies Laschitza, Günter Radczun: Rosa Luxemburg. Ihr Wirken in der deutschen Arbeiterbewegung. Dietz-Verlag, Berlin(Ost) 1971
  • Udo Winkel: Rosa Luxemburg und die deutsche Sozialdemokratie. Gaiganz/Ofr. 1974
  • Georg W. Strobel: Die Partei Rosa Luxemburgs, Lenin und die SPD. Der polnische »europäische« Internationalismus in der russischen Sozialdemokratie. Wiesbaden 1974
  • Iring Fetscher: Rosa Luxemburg. In: Marxistische Porträts, S. 111-152, Stuttgart/Bad Cannstatt 1975
  • Raya Dunayevskaya: Rosa Luxemburg. Frauenbefreiung und Marx Philosophie der Revolution. (New Jersey 1982) übersetzt von Thomas Laugstien, Berlin/Hamburg 1998
  • Claudio Pozzoli/Lelio Basso/Iring Fetscher: Rosa Luxemburg oder Die Bestimmung des Sozialismus. Suhrkamp Verlag, 1984, ISBN 3-518-10710-0
  • Christel Neusüß: Die Kopfgeburten der Arbeiterbewegung oder Die Genossin Luxemburg bringt alles durcheinander. Hamburg 1985
  • Georg W. Strobel: Die Legende von der Rosa Luxemburg. Eine politisch-historische Betrachtung. In: IWK 28 (1992) 3, S. 373-394
  • Virve Manninen: Sozialismus oder Barbarei? Der revolutionäre Sozialismus von Rosa Luxemburg 1899-1919. Helsinki 1996
  • Manfred Scharrer,"Freiheit ist immer…". Die Legende von Rosa & Karl. TRANSIT Buchverlag: Berlin 2002. ISBN 3-88747-172-5
  • Frigga Haug: Rosa Luxemburg und die Kunst der Politik. Argument, Hamburg 2007, ISBN 3-88619-350-0
  • Ulla Plener: Rosa Luxemburg und Lenin: Gemeinsamkeiten und Kontroversen, Berlin 2009 ISBN 978-3-86557-191-5
  • Eckhard Jesse: Demokratie oder Diktatur? - Luxemburg und der Luxemburgismus, in: Uwe Backes/Stéphane Courtois (Hrsg.), "Ein Gespenst geht um in Europa". Das Erbe kommunistischer Ideologien, Böhlau: Köln u. a. 2002, S. 187-212 ISBN 3-412-15001-0
  • Werner Müller: Bolschewismuskritik und Revolutionseuphorie. Das Janusgesicht der Rosa Luxemburg, in: Mike Schmeitzner (Hg.): Totalitarismuskritik von links. Deutsche Diskurse im 20. Jahrhundert, Göttingen 2007. ISBN 978-3-525-36910-4

Zeitgeschichte

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 Commons: Rosa Luxemburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Rosa Luxemburg – Quellen und Volltexte

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Einzelnachweise

  1. Ossip K. Flechthiem: Rosa Luxemburg, SOAK-Einführungen im Junius-Verlag 18, 1. Auflage 1985, S. 13
  2. Rosa Luxemburg Stiftung; siehe auch: Rosa Luxemburg Lebensdaten abgerufen am 8. Januar 2010
  3. Die Zeit 5. Oktober 1984 abgerufen am 8. Januar 2010
  4. Friedrich Pfäfflin (Hrsg.): Karl Kraus – Rosa Luxemburg: Büffelhaut und Kreatur. Die Zerstörung und das Mitleiden des Satirikers, Friedenauer Presse, Berlin 2009
  5. Originaltext Zur russischen Revolution.
  6. Werke, Bd. 4, S. 359.
  7. Der Spiegel, 29. Mai 2009: Charitè: Mediziner wollen Leiche Rosa Luxemburgs entdeckt haben
  8. Eduard Stadtler: Als Antibolschewist 1918-1919, Reihe „Erinnerungen“, Neuer Zeitverlag GmbH, Düsseldorf 1935
  9. Klaus Gietinger: Eine Leiche im Landwehrkanal – Die Ermordung der Rosa L. (rezensiert von Christian Barduhn)
  10. Frederik Hetmann: Rosa L., Fischer, S. 271f
  11. Zitiert nach Rosa Luxemburg: Gesammelte Werke, Bd. 5. Ökonomische Schriften. 4. Auflage, Dietz Verlag Berlin 1990, S. 523.
  12. Paul Frölich: Rosa Luxemburg – Gedanke und Tat. Berlin 1990, S. 212.
  13. Rosa Luxemburg - Gesammelte Werke. Herausgegeben vom Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED. Band 5, Berlin/DDR. 1975, Die Akkumulation des Kapitals, S. 363f (online)
  14. Rosa Luxemburg - Gesammelte Werke. Herausgegeben vom Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED. Band 5, Berlin/DDR. 1975, Die Akkumulation des Kapitals, S. 282 (online)
  15. Tony Cliff: Studie über Rosa Luxemburg; Peripherie 26 (2006), 101/102.
  16. Rosa Luxemburg - Gesammelte Werke. Herausgegeben vom Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED. Band 5, Berlin/DDR. 1975, Die Akkumulation des Kapitals, S. 296 (online)
  17. Rosa Luxemburg - Gesammelte Werke. Herausgegeben vom Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED. Band 5, Berlin/DDR. 1975, Die Akkumulation des Kapitals, S. 292 (online)
  18. „Die Revolution in Russland“, GW 4. (online)
  19. Rosa Luxemburg: Zur russischen Revolution in: Gesammelte Werke, Band 4, Dietz Verlag Berlin (Ost), 1983, Seite 359, Anmerkung 3; Der Text Zur Russischen Revolution, IV. Kapitel ist auch online verfügbar
  20. Heinrich August Winkler: Der lange Weg nach Westen. Band I. Deutsche Geschichte vom Ende des Alten Reiches bis zum Untergang der Weimarer Republik. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2002, S. 357.
  21. Rosa Luxemburg: Zur russischen Revolution, GW 4, Seite 362 f.
  22. Rosa Luxemburg: Zur russischen Revolution GW 4, Seite 363
  23. Rosa Luxemburg: Fragment über Krieg, nationale Frage und Revolution, GW 4, Seite 366 ff.
  24. ebenda, GW 4, S. 366
  25. Rosa Luxemburg: Die geschichtliche Verantwortung, GW 4, S. 374 ff.
  26. GW 4, S. 397.
  27. GW 2, S. 465.
  28. GW 1.2, S. 554.
  29. GW 2, S. 280.
  30. GW 4, S. 478.
  31. GW 4, S. 536.
  32. Mit den drei Zeitformen von „sein“ übersetzt das rabbinische Judentum den Gottesnamen JHWH nach Ex 3,14 EU. „Schrecken und Posaunenklang“ spielt auf Ex 19,16 EU an: Dieses Motiv bezieht sich in der Bibel bis zu Offb 1,11 EU auf Gottes Endgericht.
  33. Leo Trotzki: Hände weg von Rosa Luxemburg!, 1932
  34. Klaus Kinner, Die Luxemburg-Rezeption in KPD und Komintern, UTOPIE kreativ, H. 129/130 (Juli/August 2001), S. 595-603 (Online, pdf)
  35. Von Stefan Steinberg, "Vorgeführt und lächerlich gemacht" Wie die PDS auf die Errichtung einer Statue von Rosa Luxemburg reagiert, www.wsws.org, 26. Januar 1999, (Online, pdf)
  36. Beispiel: Vorwort zu Rosa Luxemburg: Briefe aus dem Gefängnis, Dietz Verlag Berlin (Ost), 1979
  37. Hannah Arendt, Ich will verstehen S. 82.
  38. Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen: „Ich war, ich bin, ich werde sein“. Die SED und das Gedenken an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht (Podiumsdiskussion am 15. Januar 2008, Berlin).
  39. Zossener Straße nach Rosa Luxemburg benannt
  40. Rosa Schauspiel mit Musik von Volker Ludwig und Franziska Steiof, Premiere am 7. November 2008 im GRIPS Theater


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