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1895

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Ereignisse

  • 1895: 1895 gründeten Heinrich Loewe und Max Bodenheimer in Berlin den Verein jüdischer Studenten, der vor allem Mitglieder aus Russland und Polen anwarb.
  • 1895: Reichsverband der jüdischen Lehrervereine, gegründet 1895 zur Wahrung und Förderung der rechtlichen, sozialen und wirtschaftlichen Interessen der jüdischen Lehrer, Pflege der pädagogischen Aufgaben der jüdischen Schule; angeschlossen waren 7 Landes- und Provinzialvereine; Berlin C 25, Kaiserstrasse 29
  • 1895 Perl, Antiquariat in Berlin
  • 1895 Zürich: Gründung der thoratreuen Israelitischen Religionsgesellschaft durch Abspaltung von der Israelitischen Cultusgemeinde als Reflex auf als zu weitreichend empfundene liturgische Reformen
  • 1895: Jewish Lad's Brigade, jüdische Jugendorganisation mit militärischer Erziehung, 1895 in London begründet (angeregt durch Col. Albert E. W. Goldsmid, 1846-1904), hatte "Provinzregimenter" in Grossbritannien, Kanada, Südafrika
  • 1895: In Frankreich wurde der Offizier Alfred Dreyfus nach einem Prozess mit antisemitischen Begleiterscheinungen zu Unrecht als Spion verurteilt. Diese Dreyfus-Affäre hat heftige Kontroversen provoziert und schliesslich den Anstoss zur Gründung der Zionistischen Weltbewegung gegeben. Man griff auch das von antisemitischer Seite gebrauchte Schlagwort vom „internationalen Weltjudentum“ auf und gründete von nun an tatsächlich regional übergreifende Organisationen zur Vertretung jüdischer Interessen. Die Dreyfus-Affäre zeigte, wie stark der Antisemitismus im französischen Militär und in der Justiz verankert war: Reaktionäre Offiziere und Richter, unterstützt von Monarchisten und strenggläubigen Katholiken, verurteilten den Hauptmann Alfred Dreyfus, Elsässer und Jude, aufgrund gefälschter Papiere wegen Landesverrats. Als die Fälschung bekannt wurde, verweigerte man ihm jahrelang die Rehabilitation. Journalisten wie Emile Zola, die sich öffentlich für Dreyfus einsetzten, wurden gerichtlich verfolgt. Die Affäre liess Theodor Herzl zu dem Schluss kommen, dass die Assimilation der Juden in Europa gescheitert und jüdisches Leben auf Dauer nur in einem eigenen jüdischen Staat möglich sei. Sein Buch „Der Judenstaat“ (1896) begründete den politischen Zionismus. Nachdem Dreyfus 1905 schliesslich rehabilitiert wurde, war der Antisemitismus in Frankreich gesellschaftlich und politisch diskreditiert. Nach dem ersten Weltkrieg flackerte er unter dem Einfluss von Charles Maurras nochmals kurz auf.
  • 1895 Tuschijja, hebräischer Verlag, 1895 in Warschau von A. Ben-Avigdor gegründet, brachte hauptsächlich schöne Literatur, naturwissenschaftliche Bücher und Schulbücher in Originalsprache und jeweiliger Übersetzung heraus
  • 1895: Wolf-Trio / Wolf-Duo / Gebrüder Wolf. Waren Musiker, Komiker und Varietéstars, Gesangshumoristen aus Hamburg Neustadt, die im frühen 20. Jhdt. international bekannt wurden. Sie galten zu ihrer Zeit als Inbegriff der „Jungs von der Waterkant“; die Presse nannte sie u. a. „das beste deutsche humoristische Herren-Gesangs-Terzett“; die drei Söhne des Schächters Isaac Joseph Isaac: 1) Ludwig Isaac (1867-1955, eher der künstlerische Kopf), 2) Leopold Isaac (1869-1926, eher der Manager; einer seiner Söhne: James Iwan) und 3) James Isaac (1870-1943, war bis 1906 dabei), die sich wegen des zunehmenden Antisemitismus „Wolf-Trio“ (und nicht etwa Gebrüder Isaac) nannten, traten bereits seit 1895 in Hamburg auf; unter dem Namen Wolf-Trio, Wolf-Duo und Gebrüder Wolf nahmen die Brüder sowie später teilweise auch ihre Söhne die zu ihrer Zeit enorme Zahl von über 60 Tonträgern mit damals populären Couplets mit witzig-derben Texten („Mariechen, das süsse Viehchen“) auf, die bei Auftritten mit entsprechender Kostümierung, meist in Hafenarbeiterkluft als „Fietje“ und „Tetje“, dargeboten wurden; 1912/1913 grosser Erfolg durch Auftritte im „Neuen Operetten-Theater“ am Spielbudenplatz auf St. Pauli als Teil der Revue „Rund um die Alster“; in der Folge Konzentration auf plattdeutsche Couplets („Döntjes“), erfolgreiche Stücke (u. a.): „Snuten un Poten“ (ein norddeutsches Gericht), „Jung mit’n Tüdelband“ (von Ludwig Wolf, 1911, wurde zu Hamburgs heimlicher Hymne); Stummfilmproduktion „Die Glückspilze“ (der Film ist verschollen); internationale Tourneen; die Brüder wurden wohlhabend (und konnten u.a. das Operettentheater am Spielbudenplatz und das Varietétheater „Hammonia“ am Besenbinderhof käuflich erwerben, betrieben auch eine Nährmittelfabrik „Wolf & Franzen“); im ersten Weltkrieg Auftritte in der Revue „Hamburg im Krieg“ am Neuen Theater; 1924 nahmen alle Isaac-Brüder den Künstlernamen Wolf als bürgerlichen Namen an; 1926 starb Leopold, für ihn sprang sein Sohn James Iwan ein, in dieser Besetzung waren die Gebrüder Wolf bis 1933 erfolgreich, danach wurde es wegen der politischen Verhältnisse immer schwieriger aufzutreten, bis 1939 ein vollständiges Auftrittsverbot erteilt wurde – dennoch wurden ihre Lieder zu „deutschem Liedgut“ erklärt – offiziell ohne Autoren; zwischen 1931 und 1934 erschienen drei UFA-Filme mit Liedern und Motiven der Gebrüder Wolf; James Iwan wurde im KZ Sachsenhausen interniert, konnte aber mit seinem Bruder Donat 1939 nach Shanghai entkommen, 1947 flohen sie vor den rotchinesischen Truppen nach New York, liessen sich dann in San Diego bzw. San Francisco nieder; James Wolf wurde 1942 in das KZ Theresienstadt deportiert und dort 1943 ermordet; Ludwig überlebte nicht zuletzt dank seiner Popularität und seiner nichtjüdischen Ehefrau in Hamburg; nach dem Krieg trat er als Solokünstler wieder auf, er starb 1955
  • 1895: Jankel Adler in Lodz geboren, Maler expressionistischer Richtung und bewusst jüdischer Färbung, bis 1933 in Düsseldorf tätig, danach in Paris; er starb 1949 bei London
  • 1895: Leo Ornstein geboren, jüdischer Komponist in Amerika
  • 1895: Antoni Slonimski geboren, polnisch-jüdischer Schriftsteller
  • 1895: Joseph Schillinger geboren, jüdischer Komponist in Russland
  • 1895: Erich Brill geboren, Maler
  • 1895: Hans Neisser geboren, Volkswirtschaftler
  • 1895: Gabriel Szegö geboren, Mathematiker (Königsberg)
  • 1895: Mario Castelnuovo-Tedesco geboren, jüdischer Komponist in Italien
  • 1895: Hildebrand Gurlitt geboren, Kunsthistoriker (vgl. bei Louis Gurlitt, 1812-1897)
  • 1895: Julius Lewy geboren, Orientalist
  • 1895: Louis Golding geboren, englisch-jüdischer Romancier
  • 1895: Maurice Samuel geboren, US-amerikanisch-jüdischer Schriftsteller
  • 7.1.1895–7.12.1960: Clara Haskil, geb. in Bukarest, gest. in Brüssel, Pianistin, studierte in Wien, wo sie die ersten Erfolge hatte, lebte seit 1942 in der Schweiz, wo ein Preis beim International Music Festival nach ihr benannt wurde; sie war Beethoven-, Schubert-, Schumann-, vor allem aber führende Mozart-Interpretin, Konzertpartnerin u. a. von Casals, Enescu, Stokowski und Ysaye; Clara Haskil war ein musikalisches Wunderkind und verblüffte schon als Dreijährige am Klavier; zu Beginn ihrer Karriere hatten häufige Krankheiten, extremes Lampenfieber sowie die politische Situation in Europa zunächst grössere Erfolge verhindert; erst 1949 während einer Reihe von Konzerten in den Niederlanden erhielt sie die ihr gebührende Anerkennung; 1951 gelang ihr mit triumphalen Erfolgen bei Pariser Konzerten der internationale Durchbruch, seither war sie eine der gefragtesten internationalen Konzertpianistinnen; sie starb an den Folgen eines Sturzes auf einer Bahnhofstreppe in Brüssel
  • 27.1.1895–17.10.1985: Joseph Rosenstock (Josef Rosenstock), geb. in Krakau, gest. in New York, polnischer Dirigent und Komponist, Generalmusikdirektor u. a. in Darmstadt, Wiesbaden, New York, Mannheim; er arbeitete in der Staatsoper in Wiesbaden, bevor er 1928 von der Metropolitan Opera in New York als Ersatz für Artur Bodanzky verpflichtet wurde; allerdings bekam er dermassen schlechte Kritik, dass er sehr bald kündigte; er ging nach Deutschland zurück, diesmal nach Mannheim; seit 1933 Wirken innerhalb des "Kulturbundes deutscher Juden" Berlin; später zog er nach Japan, wo er den Standard des NHK Symphony Orchestra wesentlich zu heben vermochte; dort brachte er ausserdem Roh Ogura bei, Beethovens Symphonien zu dirigieren; von 1948 bis 1956 kehrte er schliesslich nach New York zurück und debütierte bei der New York City Opera mit Le nozze di Figaro
  • 4.2.1895–13.1.1973: Ernst Friedlaender (auch: Ernst Friedländer), geb. in Wiesbaden, gest. in Köln, deutscher Publizist; er studierte Philosophie in Tübingen, Leipzig, Berlin, Bonn und Köln; im Ersten Weltkrieg war er Soldat; zwischen 1929 und 1931 war er Co-Direktor der I.G. Farben-Tochter Agfa in den USA, emigrierte 1931 mit seiner Familie in die Schweiz und war von 1934 bis 1945 wohnhaft in Liechtenstein; von Oktober 1946 bis Juli 1950 war er stellvertretender Chefredakteur der ZEIT; politisch setzte sich Friedlaender vor allem für die europäische Integration ein; im Mai 1954 wurde er Vizepräsident des Deutschen Rates der Europäischen Bewegung, als deren Präsident er dann von September 1954 bis 1958 fungierte; mit Friedlaender stand einer der bekanntesten deutschen Journalisten an der Spitze des Deutschen Rates, der europapolitisch aber stärker auf den Kurs der Westintegration Adenauers setzte als sein Vorgänger im Amt Eugen Kogon; von 1954 bis 1957 war Friedlaender zudem Präsident der Europa-Union Deutschland; verheiratet war Ernst Friedlaender mit der Ärztin Franziska Schulz; die Tochter Katharina Focke war sozialdemokratische Politikerin und von 1972 bis 1976 Bundesfamilienministerin
  • 9.2.1895–18.10.1933: Albert Hensel (seine Mutter war jüdisch), geb. Berlin, gest. Pavia, Italien (Lombardei), Steuerrechtler, der aber auch staatsrechtlich bedeutende Arbeiten lieferte, 1923 Prof. in Bonn, 1929-1933 Ordinarius für Öffentliches Recht in Königsberg; nach seiner zwangsweisen Beurlaubung im April 1933 als Folge des "Arierparagraphen" reiste er zu Studienzwecken nach Pavia, wo er an einem Herzleiden starb; andere Quellen berichten von einer Selbsttötung im Zug von Königsberg nach Berlin; Hauptwerke: Der Finanzausgleich im Bundesstaat, 1922; Steuerrecht, 1924; Die Grundrechte der Weimarer Verfassung, 1929; - er war der Sohn des bekannten Mathematikprofessors Kurt Hensel (1861-1941); zu seinen Vorfahren zählten der Philosoph Moses Mendelssohn und die Schwester des Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy, Fanny Hensel; von der Deutschen Steuerjuristischen Gesellschaft wird seit 1981 jährlich der Albert-Hensel-Preis an einen jungen Wissenschaftler verliehen, der einen wesentlichen Beitrag zur Erforschung oder Weiterentwicklung des Steuerrechts geleistet hat
  • 14.2.1895–7.7.1973: Max Horkheimer (Wininger: Horckheimer), geb. in Zuffenhausen bei Stuttgart (Wininger: Cronberg im Taunus) als Sohn des Textil-Fabrikanten Moses Horkheimer, gest. in Nürnberg, deutsch-jüdischer Philosoph und Soziologe, Kopf der neomarxistischen "Frankfurter Schule", 1917-1918 Teilnahme am Ersten Weltkrieg, 1919 Abitur nachgeholt, 1919-1922 Studium der Psychologie und Philosophie in München, Freiburg i. Br. und Frankfurt am Main, 1922 Promotion bei Hans Cornelius ("Antinomie der teleologischen Urteilskraft"), 1925 Habilitation in Frankfurt a. M. ("Kants Kritik der Urteilskraft als Bindeglied zwischen theoretischer und praktischer Philosophie"), seither dort Dozent und Engagement in radikal-marxistischen Studentengruppen; 1926 Heirat mit Rosa Riekher (sie starb 1969); 1930-1933 Professor für Sozialphilosophie in Frankfurt am Main, 1931 Direktor des Instituts für Sozialforschung (das er gemeinsam mit Erich Fromm und Herbert Marcuse gegründet hatte, finanziell unterstützt von Felix Weil, ursprünglich gemeinsame Leitung des Instituts mit Carl Grünberg), im Zusammenhang mit der Tätigkeit des Instituts gab Horkheimer seit 1932 die "Zeitschrift für Sozialforschung" heraus (die nach seiner Emigration bis 1939 in Paris weiter erschien); 1933-1948 Emigration (Genf, USA), lehrte in den USA an verschiedenen Universitäten; 1940-1942 Herausgeber der "Studies in Philosophy and Social Science" als Fortsetzung der "Zeitschrift für Sozialforschung"; 1943-1949 Direktor der wissenschaftlichen Abteilung des American Jewish Committee; leitete ein umfangreiches Forschungsprojekt zum Antisemitismus und gab die darauf basierenden fünfbändigen "Studies in Prejudice" heraus (1949 f.); schrieb mit Adorno die Dialektik der Aufklärung 1944-1947 (Querido-Verlag, Amsterdam; Erstveröffentlichung in Deutschland 1969); 1949-1964 wieder Professor in Frankfurt am Main (1951-1953 Rektor der Universität); Wiedereröffnung und Ausbau des Instituts für Sozialforschung; 1954-1959 Vorlesungen an der Universität Chicago; nach seiner Emeritierung 1959 zog er sich nach Montagnola/Tessin zurück; - er befasste sich besonders mit den Problemen der Autorität, der Ideologienlehre sowie einer dialektischen Anthropologie und der Kritik des Spätkapitalismus; beeinflusste die antiautoritäre Studentenbewegung; Vertreter der kritischen Theorie der so genannten Frankfurter Schule; in seiner späten Philosophie erkennt man eine gewisse Rückkehr zur Theologie und Gottesfragen bzw. auch Fragen nach der Bedeutung der leidvollen Gegenwart; Hauptwerke: „Anfänge der bürgerlichen Geschichtsphilosophie“, 1930; „Zum Problem der Wahrheit“, 1935; "The eclipse (= Verfinsterung) of reason", 1947, = deutsch „Zur Kritik der instrumentellen Vernunft“, 1967; "Social Sciences in Western Germany", 1952; „Kritische Theorie“ (Herausgeber A. Schmidt), 2 Bände 1968; Gesammelte Schriften, 19 Bände, 1985-1996; Max Horkheimer ist Ehrenbürger der Stadt Frankfurt am Main und liegt begraben auf dem Jüdischen Friedhof Bern
  • 16.2.1895–16.9.1969: Elsa Margot Hinzelmann (Pseudonym: Margrit Hauser), geb. in Leipzig; gest. in Aarau, Schriftstellerin, die vor allem Jugendbücher verfasste; sie lebte überwiegend in der Schweiz; Jugendbücher: Ma-Re-Li, 1930; Mariannes Londoner Jahr, 1949; Gladys kommt in die Schweiz, 1953; Gabys Welschlandjahr, 1956; Conny reist nach Israel, 1965; Romane: Die Schwestern Burglin, 1941; Die Glücksritter, 1945; Vom sicheren und unsicheren Leben; 3. Aufl. 1945; Gaston B. und Christine, 1952; Die Trauung, 1959; Frauenbetplatz Nr. 9, 1968 (auch dänisch)
  • 22.3.1895: Erste Film-Vorführung mittels des von den Brüdern Lumière erfundenen Cinématographen; ob die Brüder Lumière (Auguste Marie Louis Nicolas, 1862-1954; Louis Jean, 1864-1948) jüdisch waren, ist fraglich, wird aber diskutiert
  • 30.3.1895–12.2.1975: Carl Lutz. Die wohl wichtigste Person neben Raoul Wallenberg in der Rettungstätigkeit für ungarische Juden war der Schweizer Diplomat Carl Lutz, geboren 1895 in Walzenhausen (Appenzell). Carl Lutz rettete über 60 000 Menschen, rund die Hälfte aller überlebenden ungarischen Juden, vor den nationalsozialistischen Vernichtungsaktionen. Nach einer kaufmännischen Lehre verbrachte er viele Jahre in Amerika. 1920 wurde er Mitarbeiter an der Schweizer Gesandtschaft in Washington. Es folgten Versetzungen nach Philadelphia und St. Louis, bevor er 1935 nach Palästina kam. Dort vertrat er unter anderem auch deutsche Interessen. Dieses war ihm später in Budapest von Nutzen. 1940 kehrte Lutz in die Schweiz zurück, wurde im Januar 1942 Leiter der Schutzmachtabteilung an der schweizerischen Gesandtschaft in Budapest. Es entwickelte sich eine Zusammenarbeit mit Moshe Krausz, dem Vertreter der Jewish Agency. Gemeinsam bemühten sie sich um die Auswanderung von Juden nach Palästina. Carl Lutz wurde von den Schweizer Anweisungen sehr eingeengt. So bekam er keine Erlaubnis, gegen die Deportationen im Mai 1944 vorzugehen. Nachdem Lutz erfahren hatte, dass das Palästinaamt für 8 000 jüdische Familien Einwanderungsbewilligungen nach Palästina erhalten hatte, nahm er Kontakt mit dem ungarischen Aussenministerium und mit dem Ministerpräsidenten Sztójay auf. Nach langen Verhandlungen akzeptierte Ungarn, dass die Inhaber von Palästinazertifikaten unter dem Schutz der Schweiz standen und vom Arbeitsdienst ausgenommen waren. Lutz organisierte die Auswanderungsaktion in der ehemaligen amerikanischen Botschaft am Szabadság-Platz. Nachdem dieses Gebäude von auswanderungswilligen Juden umlagert wurde, eröffnete Lutz ein zusätzliches Haus in der Vadászgasse. Raoul Wallenberg nahm nach seiner Ankunft in Budapest gleich Kontakt zu Lutz auf und liess sich von Lutz über dessen Tätigkeit informieren. Lutz erhielt aus Bern keine Erlaubnis, individuelle Pässe auszustellen. Lutz verhandelte mit Eichmann und Veesenmayer. Letzterem wurde vom Auswärtigen Amt in Berlin mitgeteilt, er solle Lutz im Rahmen des Möglichen entgegenkommen in Anbetracht von Lutz Verdiensten um die Vertretung der deutschen Interessen in Palästina. Nach dem Pfeilkreuzlerputsch stellte Lutz auch Schutzpässe aus und versuchte eine maximale Zahl von Juden zu retten, musste aber, um die Gesamtaktivität nicht zu gefährden, selbst „Selektionen“ vornehmen, worunter er sehr gelitten hat, nicht zuletzt, weil es dabei zu herzzerreissenden brutalen Situationen kam. Als Carl Lutz Ende Mai 1945 in Genf eintraf, erwartete ihn kein Dank für seine Tätigkeit. Stattdessen wurde ihm vorgeworfen, seine Kompetenzen überschritten zu haben. Erst 1958 erfolgte die Rehabilitation. Kurz vor seiner Pensionierung im Jahre 1961 wurde er zum Ehrenkonsul ernannt. Dieses geschah aber nur halbherzig, so wurde sein Gehalt nicht angepasst. Carl Lutz starb am 13.2.1975 in Bern. 16 Jahre später wurde zu seiner Erinnerung ein Denkmal in Budapest enthüllt.
  • 13.4.1895–16.5.1970: Ludwig Goldschmidt, geb. u. gest. in Kassel, Richter in Kassel 1925-1938, 1921 Dr. jur., 1925 Rechtsanwalt, später auch Notar, 1933-1939 im Vorstand der Israelitischen Gemeinde Kassel, leitete ihr Wohlfahrtsamt, emigrierte 1939 nach London, kehrte 1948 zurück, war bis 1951 Oberlandesgerichtsrat, bis 1966 Senatspräsident des Oberlandesgerichts Frankfurt/M., 1960-1966 Vize-Präsident des Hessischen Staatsgerichtshofes, erhielt 1965 das grosse Bundesverdienstkreuz
  • 24.5.1895–21.4.1984: Marcel Janco, geb. in Bukarest, gest. in Tel Aviv, rumänisch-jüdischer Künstler und Schriftsteller; er gründete 1916 zusammen mit Hugo Ball, Tristan Tzara, Hans Arp und anderen in Zürich das Cabaret Voltaire und ist damit einer der Urväter des Dadaismus; 1922 ging er nach Rumänien zurück und arbeitete dort als Architekt und Maler bis 1941; aufgrund des zunehmenden Antisemitismus während des Zweiten Weltkrieges emigrierte er nach Israel; auf Jancos Initiative geht die 1953 gegründete Künstlerkolonie in En Hod in Nord-Israel zurück; Marcel Janco schrieb unter anderem für die Zeitschrift Contimporanul
  • Juni 1895: erster Kontakt Herzls zum Oberrabiner Wiens, Dr. Moritz Güdemann, dieser schwankte zunächst zwischen Begeisterung und Lauheit gegenüber der zionistischen Sache, um dann zum Gegner Herzls zu werden; publizierte 1897 vor dem ersten Kongress eine Gegenbroschüre (auch bei Max Breitenstein erschienen) unter dem Titel „Nationaljudenthum“, um darin zu beweisen, dass es das nicht bzw. schon lange nicht mehr gebe: Das Judentum sei nur noch eine Weltreligion, es bestehe ein vollständiger Gegensatz zwischen der Religion Israels und der nationalen Idee; Herzls Antwort erschien in der Oesterreichischen Wochenschrift (23.4.1897) unter dem Titel: "Das Nationaljudenthum von Dr. Güdemann"; eine weitere, scharfe Erwiderung erschien in der zweiten Nummer der "Welt" (11.6.1897) als Leitartikel, verfasst von Nordau, unter dem Titel "Ein Tempelstreit"
  • 2. Juni 1895: Pfingstsonntag, 2.6.1895: Zusammentreffen Herzls mit Baron Moritz von Hirsch in Paris
  • 2. Juni 1895: Herzl beginnt mit der Niederschrift seines zionistischen Tagebuches, das er dann bis zu seinem Lebensende fortsetzen wird: "Ich arbeite seit einiger Zeit an einem Werk, das von unendlicher Grösse ist. Ich weiss heute nicht, ob ich es ausführen werde. Es sieht aus wie ein mächtiger Traum. Aber seit Tagen und Wochen füllt es mich aus bis in die Bewusstlosigkeit hinein, begleitet mich überallhin, schwebt über meinen gewöhnlichen Gesprächen, blickt mir über die Schulter in die komisch kleine Journalistenarbeit, stört mich und berauscht mich. Was daraus wird, ist jetzt noch nicht zu ahnen. Nur sagt mir meine Erfahrung, dass es merkwürdig ist, schon als Traum, und dass ich es aufschreiben soll – wenn nicht als ein Denkmal für die Menschen, so doch für mein eigenes späteres Ergötzen oder Sinnen. Und vielleicht zwischen diesen beiden Möglichkeiten: für die Literatur. Wird aus dem Roman keine That, so kann doch aus der That ein Roman werden. Titel: das gelobte Land!"
  • 12. Juni 1895: Herzl: „Selbstverständlich werden wir Andersgläubige achtungsvoll dulden, ihr Eigenthum, ihre Ehre und Freiheit mit den härtesten Zwangsmitteln schützen. Auch darin werden wir der ganzen Welt ein wunderbares Beispiel geben.“
  • 12.6.1895–13.5.1961: Paul Zsolnay (Paul von Zsolnay), geb. in Budapest, gest. in Wien, Verleger, gründete 1924 in Wien einen Verlag für zeitgenössische belletristische (Roman-) Literatur und brachte auch englische und US-Autoren in ersten deutschen Übersetzungen heraus; 1938 (der Verlag wurde "arisiert") emigrierte er nach England und betrieb den Verlag Star Editions; 1946 kehrte er nach Wien zurück und baute die Zsolnay-Verlag GmbH mit Filialen in Hamburg, Paris und London wieder auf
  • 15. Juni 1895: Herzl zur Sprachenfrage im Judenstaat: „Vielleicht denkt jemand, es werde eine Schwierigkeit sein, dass wir keine gemeinsame Sprache mehr haben. Wir können doch nicht hebräisch miteinander reden. Wer von uns weiss hebräisch genug, um in dieser Sprache ein Bahnbillet zu verlangen? Das gibt es nicht. Die Sache ist aber sehr einfach. Jeder behält seine Sprache. Ich bin ein deutscher Jude aus Ungarn, und kann nichts anderes mehr sein als ein Deutscher. Jetzt erkennt man mich nicht als Deutschen an. Das wird schon kommen, bis wir erst drüben sind. Und so soll jeder seine erworbene Nationalität behalten, die Sprache reden, welche die liebe Heimat seiner Gedanken geworden ist. Wir sehen ja in der Schweiz, dass ein Föderativstaat verschiedener Nationen existieren kann. Übrigens glaube ich dass die Hauptsprache die deutsche sein wird. Ich folgere das aus unserem verbreitetsten Jargon dem Jidenteutsch. Nur werden wir uns auch diese Ghettosprache drüben abgewöhnen. Es war die verstohlene Sprache von Gefangenen. Unsere Volkslehrer werden darauf achten. Wir erkennen uns eigentlich nur noch am väterlichen Glauben als zusammengehörig. Werden wir also am Ende eine Theocratie haben? Nein! Der Glaube hält uns zusammen – die Wissenschaft macht uns frei. – Wir werden daher theokratische Velleitäten unserer Geistlichen gar nicht aufkommen lassen. Wir werden sie in ihren Tempeln festzuhalten wissen, wie wir unser Berufsheer in den Kasernen festhalten werden. Heer und Clerus sollen so hoch geehrt werden, wie es ihre schönen Functionen erfordern und verdienen. In den Staat der sie auszeichnet und besoldet haben sie nichts dreinzureden, denn sie würden uns äussere und innere Schwierigkeiten bereiten. Jeder ist in seinem Bekenntniss oder in seinem Unglauben so frei und unbeschränkt, wie in seiner Nationalität. Und fügt es sich, dass später auch Andersgläubige, Andersnationale unter uns wohnen, werden wir ihnen einen ehrenvollen Schutz gewähren … „
  • 16.6.1895: "Ich glaube, für mich hat das Leben aufgehört und die Weltgeschichte begonnen", Tagebucheintrag von Theodor Herzl. An diesem Tag stellte er sein Buch "Der Judenstaat" fertig. Zwei Jahre später fand der erste Zionistische Weltkongress in Basel statt.
  • 18.6.1895: "Den Juden ist vorläufig noch nicht zu helfen. Wenn Einer ihnen das gelobte Land zeigte, würden sie ihn verhöhnen. Denn sie sind verkommen. Dennoch weiss ich, wo es liegt: in uns. In unserem Kapital, in unserer Arbeit und in der eigenthümlichen Verbindung Beider, die ich ersonnen habe. Aber wir müssen noch tiefer herunterkommen, noch mehr beschimpft, angespuckt, verhöhnt, geprügelt, geplündert und erschlagen werden, bis wir für diese Idee reif sind" – Aus einem Brief Theodor Herzls an Baron Maurice de Hirsch, einen Tag nach Vollendung seines prophetischen Werkes "Der Judenstaat". Herzls Vision von der Notwendigkeit eines eigenen Staates für das jüdische Volk wurde von der Mehrheit seiner Zeitgenossen als verrückt abgetan.
  • 19. Juni 1895: Herzl schreibt an Fürst Otto von Bismarck in Friedrichsruhe (im März 1890 war „der Lotse von Bord gegangen“ und starb im Juli 1898) und bittet um eine Audienz, um seine Pläne zur Lösung der Judenfrage vortragen und eventuell Bismarcks Unterstützung gewinnen zu können. Vermutlich erhielt Herzl nie eine Antwort. Herzl verehrte Bismarck sehr, hielt ihn zwar für „nicht ganz so gross wie Napoleon“, aber für das „gesündere Genie“. – Wie sich später herausstellte (Sommer 1896), waren Herzls Pläne für Bismarck nur eine „melancholische Schwärmerei“.
  • 24.6.1895–31.5.1983: Jack Dempsey ("The Manassa Mauler"), geb. in Manassa, Colorado, gest. in New York City, war ein populärer US-amerikanischer Boxer mit teilweise jüdischen Wurzeln, Weltmeister im Schwergewicht von 1919-1926; er verfügte über ein hohes Aggressionspotential und eine enorme Schlagkraft; seine Kämpfe waren Publikumsmagneten und machten den Boxsport zum allgemeinen Thema
  • 28. Juni 1895: Herzl schreibt an Albert Rothschild in Wien und formuliert den Wunsch, ihm die dem deutschen Kaiser zugedachte Denkschrift zur Lösung der Judenfrage vorzutragen. – Herzl erhielt keinerlei Antwort
  • 4.7.1895–23.12.1949: Felix Kaufmann, geb. in Wien, gest. in New York, Rechtsphilosoph, Dr. iur. et phil., seit 1922 Dozent in Wien, seit 1936 an der New York School of Social Research, entwickelte Kelsens reine Rechtslehre auf der Basis der Phänomenologie weiter; Hauptwerke: Die Kriterien des Rechts, 1924; Das Unendliche in der Mathematik und seine Ausschaltung, 1930; Methodenlehre der Sozialwissenschaften, 1936
  • 10.7.1895–29.8.1982: Nachum Goldmann (Nahum Goldmann), Botschafter des Weltjudentums. - Nachum Goldmann wurde in Litauen (Wischnewo, heute Weissrussland) geboren und wuchs in einer traditionellen jüdischen Familie in Deutschland (Frankfurt/M.) auf. Er studierte an verschiedenen deutschen Universitäten Philosophie und Jura und promovierte in Freiburg, lebte 1915-1933 in Berlin. Schon früh war er mit zionistischem Gedankengut verbunden. Als er im Ersten Weltkrieg in der jüdischen Abteilung des Deutschen Aussenministeriums arbeitete, versuchte er, die Unterstützung des Kaisers für die zionistische Idee zu gewinnen. In den Zwanzigerjahren war Goldmann an der Herausgabe einer zionistischen Zeitschrift und an dem Projekt einer deutsch-jüdischen Enzyklopädie beteiligt. Zwölf Bände dieses Lexikons, zehn in deutscher und zwei in hebräischer Sprache, erschienen, bevor die Nazis an die Macht kamen und das Projekt stoppten. Goldmann gab diese Idee nicht auf und war in den Sechzigerjahren eine der Schlüsselfiguren hinter der englischsprachigen Encyclopaedia Judaica. In der Mandatszeit war Goldmann mit verschiedenen zionistischen Angelegenheiten befasst, darunter Verhandlungen mit den Briten über die Verwirklichung der Idee eines jüdischen Staates. Er unterstützte die Teilung Palästinas mit dem Argument, Souveränität sei wichtiger als Territorium. 1935, als ihm die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt wurde und er gezwungen war, Deutschland zu verlassen, ging er zuerst nach Honduras und dann nach New York. Er setzte seine Arbeit für den Zionismus fort und repräsentierte einige Jahre die Jewish Agency in New York. Zusätzlich zu seiner zionistischen Tätigkeit setzte sich Goldmann für andere jüdische Interessen ein. Goldmann war der Ansicht, dass ein jüdischer Staat nicht in der Lage sein würde, die Bedürfnisse aller Juden zu befriedigen, und dass eine starke Diaspora immer eine Realität sein werde, wenn nicht sogar ein Ideal. 1936 half er beim Aufbau des Jüdischen Weltkongresses (World Jewish Congress WJC) und wurde der erste Vorsitzende des Vorstandes. Später war er viele Jahre lang der Präsident (1953-1977). 1956-1968 war er Präsident der Zionistischen Weltorganisation. Goldmann war ein wichtiger Verbindungsmann bei den Verhandlungen über die deutschen Reparationszahlungen an Überlebende der Schoah. Er gründete die Konferenz der Jüdischen Organisationen (Claims Conference, 1951, wiederholt persönliche Verhandlungen mit Adenauer) und war massgeblich beteiligt an den Angelegenheiten der sowjetischen Juden, an jüdischer Erziehung und jüdischer Kultur. Goldmann glaubte, die Zukunft des Weltjudentums hänge in erster Linie von einem erfolgreichen Kampf gegen Assimilation ab und von der Entwicklung kraftvoller jüdischer Institutionen in der Diaspora. 1962 wurde Goldmann Bürger des Staates Israel, liess sich aber niemals dauernd in Israel nieder, sondern kam auf Besuch, seine Zeit zwischen der Schweiz und Israel aufteilend. Er kritisierte Israels übertriebenes Vertrauen in seine militärischen Kräfte und die „Lobhudeleien“. Nach 1967 beklagte er, dass Israel gegenüber den Arabern keine versöhnlichere Haltung an den Tag legte. Trotz seines Glaubens an die Zentralität Israels für das jüdische Volk war er auch davon überzeugt, dass Israel von der Unterstützung des Weltjudentums und der ganzen Welt abhängig sei. Seine Kritiker sahen in dieser in ihren Augen irrenden Haltung eine Mentalität, die ihrem Wesen nach in die und zur Diaspora gehört. Nachum Goldmann starb in Bad Reichenhall; im Laufe seines Lebens hatte er sieben Staatsangehörigkeiten besessen; Schriften: "Die Generation der Vernichtung und Erlösung", 1966; "60 years of jewish life" 1969 (Autobiographie; deutsch: Staatsmann ohne Staat, 1970); "Das jüdische Paradox", 1978; "Mein Leben als deutscher Jude", 1979; "Mein Leben. USA-Europa-Israel", 1982
  • 20.7.1895–24.11.1946: László Moholy-Nagy, geb. in Borsod/Ungarn, gest. in Chicago, bildender Künstler, zuerst Dr. iur. (Jurastudium 1913-1918), dann Maler, Graphiker, Bühnenbildner, Fotograf, Publizist und Regisseur; in Berlin 1920-1923 und 1928-1935; 1923-1928 war er einer der bedeutendsten Lehrer am Staatlichen Bauhaus in Weimar und Dessau, besonders für industrielle Formgebung, Raumgestaltung und Gebrauchsgraphik, und Herausgeber der Bauhaus-Bücher; er vertrat eine auf rationalen Methoden und abstrakten Elementen aufgebaute Gestaltungslehre, die besonders Graphik, Typographie, Fotografie und die Didaktik beeinflusst hat; 1935 emigrierte er über Amsterdam und London in die USA, wo er 1937 in Chicago "The New Bauhaus" gründete; Hauptwerke: Die Bühne am Bauhaus, 1925; Malerei, Fotografie, Film, 1925; Vom Material zur Architektur, 1929; The new vision, 1931, Vision in motion, 1947
  • 16.8.1895–17.10.1981: Albert Cohen, geb. auf Korfu, gest. in Genf, Schweizer Schriftsteller französischer Sprache; seine Familie war französischer Herkunft und Sprache, lebte jedoch in Griechenland; die Mutter war Louise, geb. Ferro, eine Italienerin; der Vater war Marc Cohen, ein Industrieller; Albert Cohen war dreimal verheiratet; die Familie zog 1900 nach Marseille, wo er aufwuchs und Freundschaft mit Marcel Pagnol schloss; 1915-1919 Jurastudium in Genf; 1919 nahm er die Schweizer Staatsbürgerschaft an; von 1926 bis 1932 arbeitete er in der diplomatischen Abteilung der Internationalen Arbeitsorganisation in Genf, 1939 als Rechtsberater des "Intergouvernementalen Rates für Flüchtlinge"; nach einem Aufenthalt in Paris war er von 1940 bis 1946 Vertreter der Jewish Agency for Palestine in London; zurück in Genf war er von 1947 bis 1954 Direktor des "Dienstes für den juristischen und diplomatischen Schutz der Flüchtlinge" bei der UNO; weitere politische Ämter lehnte er ab zugunsten der Schriftstellerei; sein Werk umfasst zum einen Teil persönlich gefärbte Schriften, wie die autobiografische Trilogie Le Livre de ma mère, 1954; O vous, frères humains, 1972, und Carnets 1978; dazu zählt auch das Theaterstück Ezéchiel, 1933 an der Comédie Française aufgeführt; andererseits verfasste Cohen Romane in einem heroisch-komischen Stil, wie Solal, 1930; Mangeclous, 1938; und Les Valeureux, 1969; die "Solal-Tetralogie" wird von manchen als sein Hauptwerk betrachtet; auf eine satirische Weise beschreibt er darin eine Gesellschaft, die sich in Auflösung befindet; die lustvolle Ironisierung der Leidenschaft, die als Mythos betrachtet wird, geht einher mit einer lyrischen Anbetung der Frau; in allen Werken Cohens spielt das Judentum eine wichtige Rolle
  • 21.8.1895–25.3.1973: Alexander Michailowitsch Orlow (eigentlich Leiba Lasarewitsch Felbing), geb. in Babrujsk, Weissrussland, gest. in Cleveland, Ohio; führender Mitarbeiter des sowjetischen NKWD, der 1938 in die USA überlief und Trotzki vor einem bevorstehenden Attentat warnte; Orlow besuchte das Lasarewsky-Istitut in Moskau und wechselte nach zwei Semestern an die Lomonossow-Universität; sein Studium der Rechtswissenschaften brach er ab, als er während des Ersten Weltkrieges in die Russische Zarenarmee eingezogen wurde; mit Beginn des Russischen Bürgerkriegs trat er in die Rote Armee ein und führte als Tschekist an der polnischen Front nahe Kiew Sabotageaktionen durch; später diente er der GPU (Staatspolizei in der Zeit zwischen Tscheka und KGB) in Archangelsk; 1921 verliess er die Rote Armee, um weiter zu studieren; einige Jahre arbeitete er für Krylenko im Justizministerium; 1924 wechselte er zu seinem Cousin Sinowi Katznelson, der der Leiter der Wirtschaftsabteilung der OGPU, dem EKU, war; unter seinem seit 1920 geführten Namen Lew Nikolski trat er als Offizier in die Finanzabteilung 6 der Geheimpolizei ein; als Katznelson zum Leiter der transkaukasischen OGPU-Truppen ernannt wurde, nahm Nikolski mit seiner Frau dessen Angebot an, nach Tiflis zu ziehen; er kommandierte eine Grenzeinheit; seine Tochter erkrankte an rheumatischem Fieber; Nikolski bat seinen Freund und früheren Kollegen Artur Artusow um eine Tätigkeit, bei der europäische Ärzte sie behandeln könnten; 1926 wechselte er deshalb zur INO, einer Abteilung des NKWD für Auslandsoperationen, deren Leiter Artusow war; dieser sandte ihn, als Léon Nikolaeff und Mitglied einer sowjetischen Handelsdelegation, nach Paris; ein Jahr später zog er nach Berlin und kehrte Ende 1930 nach Moskau zurück; mit dem Auftrag, Kontakt zu seinen Verwandten herzustellen und einen amerikanischen Pass zu erlangen, um frei in Europa reisen zu können, wurde er in die USA gesandt; mit der SS Europe erreichte er von Bremen aus als "Leon L. Nikolajew" am 22. September 1932 das Zielland; nachdem er einen Pass auf "William Goldin" erhalten hatte, reiste er am 30. November d. J. mit der SS Bremen zurück; in Moskau bat er erneut um einen Auslandsauftrag zur Behandlung seiner Tochter, diesmal durch Dr. Karl Noorden in Wien; als "Nikolajew" erreichte er Wien im Mai 1933 und liess sich in Hinterbrühl nieder; drei Monate später ging er nach Prag, wechselte von seinem sowjetischen zum amerikanischen Reisepass und fuhr weiter nach Genf; Nikolski operierte unter dem Codenamen EXPRESS gegen das französische Deuxième Bureau (frz. militärische Auslandsnachrichtendienst), allerdings erfolglos; seine Gruppe bestand aus dem illegalen Alexander Korotkow, dessen Frau und dem Kurier Arnold Finkelberg; im Mai 1934 war er wieder in Wien bei seiner Familie und erhielt Anweisung, nach Kopenhagen zu gehen, um dort Ignaz Reif sowie dem in Paris lebenden Ungarn Theodor Maly zu assistieren; im Juni 1935 wurde Nikolski als Resident unter dem Namen William Goldin in London aktiv, jedoch unabhängig von Kim Philby und der Cambridge Five-Gruppe des NKWD; im Oktober 1935 kehrte er nach Moskau zurück, wurde aus dem Auslandsdienst entlassen und erhielt eine niederrangige Position als stellvertretender Leiter der Transportabteilung des NKWD; im Juli 1936 wurde er als NKWD-Verbindungsmann zum Innenministerium der Zweiten Spanischen Republik nach Madrid entsandt, wo er am 15. September 1936 eintraf; im Gegensatz zu seinem NKWD-Kollegen Grigori Syrojeschkin leitete Orlow aber keine Guerilla-Operationen auf Falange-Gebiet; er kommandierte die Operation zum Transfer des spanischen Goldes nach Moskau, mit dem Waffenlieferungen bezahlt werden sollten; Lastwagenkolonnen benötigten vier Tage, um eine Ladung von 510 Tonnen Gold aus einem Bergversteck in den Hafen von Cartagena zu bringen; auf vier verschiedenen Schiffen wurde das Gold nach Odessa gebracht; Orlow erhielt für diese Aktion den Leninorden; seine Hauptaufgabe in Spanien bestand allerdings im Kampf gegen Trotzkisten und Anarchisten, die sich einem sowjetischen Gesellschaftsmodell widersetzten; er fabrizierte Beweise, die zur Verhaftung und zum Verschwinden linkskommunistischer POUM-Führer nötig waren; NKWD-Archivunterlagen legen nahe, dass er die Entführung und Ermordung des POUM-Führers Andrés Nin plante und durchführte; in einem Report an seine Vorgesetzten vom August 1937 legte er einen Plan dar, wie der österreichische Sozialist Kurt Landau gefangenzunehmen und zu ermorden sei; sein Stellvertreter, Stanislaw Vaupschasow, entwarf und baute ein Krematorium zur spurlosen Vernichtung menschlicher Überreste; als Opfer Orlows sind auch der frühere Sekretär Trotzkis, Erwin Wolf, sowie Mark Rein, Sohn eines Menschewiken-Führers, anzusehen, die beide in Spanien "verschwanden"; auch am Verschwinden des weissrussischen Offiziers und NKWD-Doppelagenten Skoblin (Codename FARMER) war er beteiligt; obwohl Orlow der führende NKWD-Offizier in Spanien war, bestritt er später die Beteiligung an diesen und vielen anderen kriminellen Handlungen, die von seinen NKWD-Offizieren und ihren Agenten ausgeführt worden waren; 1938 sah Orlow aus der Distanz, wie im Zuge von Stalins Grosser Säuberung nach und nach seine Freunde und Verbindungsleute festgenommen und erschossen wurden; der Punkt seiner Entscheidung kam, als er zu einem Treffen mit einem ihm unbekannten NKWD-Offizier auf ein sowjetisches Schiff nach Antwerpen gerufen wurde; statt zum vereinbarten Treffen zu erscheinen, stahl Orlow 60.000 US-Dollar operative Gelder aus dem NKWD-Tresor und floh mit Frau und Tochter nach Kanada; möglich ist auch, dass er, als Diplomat getarnt, am 13. Juli 1938 an der Ermordung des Trotzki-Sekretärs Rudolf Klement beteiligt war - dem Tag, an dem er Paris verliess; in Kanada schrieb Orlow einen Erpresserbrief an den NKWD-Leiter Jeschow, in welchem er ankündigte, sowjetische Geheimdienstoperationen zu verraten, wenn man Agenten schicken würde, um ihn oder seine Familienangehörigen zu töten; in einem zweiseitigen Anhang listete er die Decknamen verschiedener Spione und "Maulwürfe", die im Westen operierten, auf; zugleich sandte er einen Brief an Trotzki, in welchem er ihn vor dem NKWD-Agenten Mark Zborowski (Deckname TULIP) im Umfeld seines Sohnes Lew Sedow warnte; Trotzki wertete den Brief als Provokation;Orlow reiste dann in die USA und lebte dort illegal; vermutlich auf Anweisung Stalins versuchte der NKWD bis 1969 nicht, ihn zu finden; kurz nach Stalins Tod im März 1953 und 15 Jahre nach seiner Flucht veröffentlichte Orlow The Secret History of Stalin's Crimes, das sofort auch auf deutsch als Kreml-Geheimnisse erschien; die Arbeit, die in gewisser Weise der Geheimgeschichte des Prokopios von Caesarea ähnelt, enthält eine Anzahl bis dahin unbekannter Anekdoten über die Geschehnisse in der Lubjanka während der Zeit des Terrors; es existieren keine Quellen- oder Dokumentenverweise, manchmal beruht sie auf Klatsch, und gelegentlich ist sie in Dialogform geschrieben; zur Zeit der Erstpublikation waren die Geschichten nicht verifizierbar, da beinahe alle Zeugen eliminiert worden waren; ein Textvergleich mit Walter Krivitsky's Buch In Stalin's Secret Service zeigt für beide Bücher, dass der Informant zur Geschichte der Moskauer Prozesse Abram Slutsky war, Leiter der NKWD-Auslandssektion; viele Historiker glauben, dass Orlows Geschichten, wenn auch nacherzählt, teils wahr sind, allerdings nicht, was seine persönliche Beteiligung an den Verbrechen betrifft; Orlow hat dennoch einen Blick für eigenwillige Details, und sein Gespür für die Charaktere der Dialoge geben den Anekdoten eine gewisse Authentizität; Orlow berichtet in seinen „Kreml-Geheimnissen“ (1953) auch von Vorkommnissen, die sich auf deutschem Boden kurz vor und nach der nationalsozialistischen Machtergreifung und auf Befehl Stalins ereignet haben sollen; dazu zählen u. a. die erpressten Aussagen von F. S. Holtzmann bei den Stalinschen Säuberungen im Rahmen des ersten Moskauer Schauprozesses vom 19. bis 24. August 1936; besagter Holtzmann sei im November 1932 in einer offiziellen Mission nach Berlin gekommen und habe sich angeblich dort in verschwörerischer Absicht mit Trotzkis Sohn Sedow getroffen; auf einer der folgenden Konferenzen hätte Sedow angeblich Holtzmann den Vorschlag gemacht, mit ihm nach Kopenhagen zu fahren, um dort den seit 1929 exilierten Trotzki im Hotel Bristol zu treffen; diese den Schauprozessberichten zu entnehmenden Einzelheiten der Vernehmung entbehren nach Orlow jedoch jedweder Authentizität, weil es in Kopenhagen im November 1932 überhaupt kein Hotel Bristol gegeben habe, und zum anderen der Sohn Trotzkis Zeugnisse vorlegen konnte, die beweisen, dass Trotzkis Sohn an den Tagen, als sein Vater in Kopenhagen weilte, Prüfungen an der Technischen Hochschule in Berlin absolviert hatte; ein weiteres Detail zeigt, wohin die Erwartungen des Verhörpersonals gingen: Der frühere Agent der Auslandsabteilung des NKWD, Valentin Olberg, hatte in Berlin im Auftrag Stalins als geheimer Berichterstatter die deutschen Trotzkisten überwacht; im Jahre 1930 hatte er auf Befehl des Residenten der OGPU in Deutschland versucht, die Stellung eines Sekretärs bei Trotzki zu erhalten; Trotzki lebte in diesen Jahren im Exil in der Türkei; doch Olbergs Plan scheiterte, weil es Orlow zufolge Olberg nicht gelang, „das Vertrauen der Trotzki-Leute zu gewinnen“, darunter der Leibgarde unter J. G. Bljumkin; in den Schauprozessen sagt Olberg auch über eine andere Person, Zoroch Friedmann, aus, dieser habe wie er als Mitglied der Berliner Trotzki-Verschwörung (gegen Stalin) angehört; die Berliner Trotzki-Sektion wird in den Schauprozessen immer wieder erwähnt; sie solle bis in die Spätzeit des nationalsozialistischen Deutschland den Plan verfolgt haben, „die Deutschen, die zum Krieg gegen die Sowjetunion schreiten“, zusammenzuführen und „den Anhängern Trotzkis zur Macht zu verhelfen“; als Preis dafür habe Trotzki der deutschen Regierung unter Hitler neben der Gewährung einer Anzahl von Wirtschaftskonzessionen auch die „Abtretung der Ukrainezugesagt“; bei einem weiteren Angeklagten, Juri Leonidowitsch Pjatakow, wird der Flughafen Tempelhof zum Tatort des Schauprozesses; für Orlow war Berlin neben Oslo und Kopenhagen nur einer von diversen westeuropäischen Tatorten einer Trotzkistischen Verschwörung aus dem Ausland zur Ermordung Stalins; daneben versucht er an vielen Stellen zu zeigen, dass Stalin dieser Schauplätze bedurfte, um an Trotzki und seinen Anhängern Rache zu nehmen; zu den eindrucksvollsten Passagen des Buches gehört die Schilderung seiner Begegnungen mit Pawel Allilujew, dem damaligen Schwager Stalins; er lernte ihn in Berlin im Jahre 1929 kennen, als kaum jemand von der sowjetischen Kolonie in der Berliner Handelsmission wusste, dass er der Schwager Stalins war; nach der Publikation der Kreml-Geheimnisse 1953 wurde Orlow vom FBI sowie zweimal von einem Unterkommitee des Senats vernommen; Orlow relativierte seine Geheimdienstaktivitäten und verschwieg weiter die Namen der Sowjetagenten im Land; CIA und FBI genierte die Entdeckung, dass über einen solch langen Zeitraum ein hoher russischer Geheimdienstoffizier (Orlow war Major) unerkannt in den USA hatte leben können; 1956 schrieb Orlow im Life Magazine den Artikel "The Sensational Secret Behind the Damnation of Stalin"; die Geschichte erzählt, dass NKWD-Agenten in zaristischen Archiven Unterlagen fanden, die bewiesen, dass Stalin früher Agent der Ochrana war; auf Basis dieses Wissens hätte der NKWD den Sturz Stalins mit Hilfe von Führern der Roten Armee geplant; Stalins Entdeckung dieses Plans hätte dann zum Geheimprozess gegen Tuchatschewski und zur Liquidation vieler Offiziere der Roten Armee kurz vor Beginn des Zweiten Weltkrieges geführt; Orlow und seine Frau lebten weiter zurückgezogen in den USA; 1963 half ihm die CIA, ein weiteres Buch zu veröffentlichen (The Handbook of Counter-Intelligence and Guerilla Warfare) und verschaffte ihm eine Stelle als Forscher am rechtswissenschaftlichen Institut der University of Michigan; er zog nach Cleveland, wo zuerst seine Frau und bald darauf er selbst starben; seinen russischen Namen Alexander Michailowitsch Orlow hatte er dem gleichnamigen russischen Diplomaten und General-Feldmarschall (1718-1783) entlehnt; Orlows letztes Buch (The March of Time) publizierte 2004 sein Unterstützer, der frühere FBI-Agent Ed Gazur
  • 16.9.1895–21.11.1954: Karol Rathaus (Karl Leonhard Bruno Rathaus, Pseudonym Leonhard Bruno), geb. in Tarnopol, Österreich-Ungarn; gest. in Flushing/New York City, österreichisch-polnischer Komponist; er begann bereits in frühester Jugend zu komponieren und begann 1913/14 ein Studium an der Akademie fürdarstellende Kunst und Musik in Wien, das jedoch durch seinen Militärdienst im Ersten Weltkrieg 1918/19 unterbrochen wurde; als einer der Lieblingsschüler Franz Schrekers folgte er diesem an die Hochschule für Musik nach Berlin, wo er Musik und Kompositionslehre weiterstudierte; nach Abschluss des Studiums bekleidete Rathaus in den 1920er Jahren die Position eines Lehrers für Komposition und Musiktheorie an der Berliner Hochschule für Musik; erste Kompositionen folgten, mit denen er für Furore sorgte und grosse Erfolge feierte; nach seiner 1930 entstandenen Oper Fremde Erde schuf Rathaus auch Filmmusiken und gehörte zu den künstlerisch herausragenden Filmkomponisten in Deutschland vor 1933; er schrieb die Musiken zu drei Filmen Fjodor Ozeps; im Jahre 1933 ging er nach Paris und lebte von 1934 bis 1938 in London, bevor er sich in New York endgültig niederliess; dort trat er eine Professur für Komposition am Queens College an; in dieser Stellung brachte er es zu Ansehen und Beliebtheit; darüber hinaus war er auch weiterhin als Komponist sehr produktiv; neben Auftragswerken schrieb er auch einige Filmmusiken; er verstarb 1954 in New York; sein kompositorisches Schaffen umfasst hauptsächlich Instrumentalwerke, wie Sinfonien, Orchesterwerke, Serenaden, Sonaten und Ballette; seine Kompositionen sah er in der Tradition von Richard Strauss, Gustav Mahler,Igor Stravinsky sowie seines Lehrers Franz Schreker; Karol Rathaus machte sich Anfang der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts bis zu seiner Emigration vorrangig als Komponist von Filmmusiken einen Namen; im Dritten Reich wurden seine Kompositionen als „entartete Kunst“ eingestuft und mit einem Aufführungsverbot belegt
  • 2.10.1895–23.12.1969: Egon Jameson (bis 1935: Egon Jacobsohn), geb. in Berlin, gest. in London, Publizist, war im Ullstein-Verlag tätig, emigrierte 1934 nach England, schrieb Lustspiele, Revuen, Hör- und Fernsehspiele; Hauptwerke: Wer ist beim Film? 1926; Millionen aus dem Nichts, 1936; Curiosities of Britain, 1937; Komm in meine Zeitung, 1951; Egon Jamesons Knigge, 1953; Reporterfibel, 1959; Kleine Weltgeschichte der Frau 1963; So macht man Wunder, 1966; Spree-Athen, 1968
  • 9. Oktober 1895: Herzls Stück „Liebelei“ hat Premiere am Wiener Burgtheater (47 mal aufgeführt).
  • 14.10.1895–20.11.1974: Hugo Gold, geb. in Wien, gest. in Tel Aviv, jüdischer Historiker, Essayist, Herausgeber und Verleger; er studierte in Wien und Brünn und war von 1924 bis 1939 Herausgeber und Redakteur bzw. Chefredakteur der Jüdischen Volksstimme und seit 1930 bis zu ihrer endgültigen Einstellung 1938 der Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei; er leitete auch den Hickl-Verlag in Brünn; seit 1940 lebte und arbeitete er in Tel Aviv und war dort Inhaber des Olamenu-Verlages; er war auch der Gründer des Zwi-Perez-Chajes-Instituts; 1967 erhielt er den Theodor-Körner-Literaturpreis; Werke (Auswahl): Die Juden und Judengemeinden Mährens in Vergangenheit und Gegenwart. Ein Sammelwerk, Brünn 1929; Die Juden und Judengemeinden Pressburgs in Vergangenheit und Gegenwart. Ein Sammelwerk, Brünn 1932; Die Juden und Judengemeinden Böhmens in Vergangenheit und Gegenwart, Brünn und Prag 1934; Geschichte der Juden in der Bukowina (2 Bde.), Tel Aviv 1958 bzw. 1962; Geschichte der Juden in Wien. Ein Gedenkbuch, Tel Aviv 1966; Max Brod, ein Gedenkbuch, 1969; Gedenkbuch der untergegangenen Judengemeinden des Burgenlandes, Tel Aviv 1970; Zwi Perez Chajes. Dokumente aus seinem Leben und Wirken, Tel Aviv 1971; Geschichte der Juden in Österreich. Ein Gedenkbuch, Tel Aviv 1971; Gedenkbuch der untergegangenen Judengemeinden Mährens,Tel Aviv 1974
  • 15.10.1895–3.10.1952: Alfred Neumann, geb. in Lautenburg (Westpreussen) als Sohn eines jüdischen Holzindustriellen, gest. in Lugano (im Exil), Schriftsteller, Autor vor allem historischer und zeitgeschichtlicher Romane; Dr. phil., war 1918-1920 Dramaturg der Kammerspiele München; sein bedeutendster Roman "Der Teufel" (über Louis XI.) analysiert die Macht, ihre Versuchung, ihren Missbrauch, 1926, in viele Sprachen übersetzt; 1926 erhielt er auch den Kleist-Preis; 1933 emigrierte er über Italien (Fiesole) und Frankreich (Nizza), 1941 in die USA (Los Angeles); 1949 Rückkehr nach Italien (Florenz); weitere Werke u. a.: "Der Patriot", 1925 (erfolgreich verfilmt mit Emil Jannings); "König Haber", 1928 (darin jüdische Hauptfigur eine Art zweiter Jud Süss; dramatisiert als "Haus Danieli"); Trilogie um Napoleon III.: "Neuer Cäsar", 1934-1952; "Es waren ihrer sechs" (Widerstand der Weissen Rose/Geschwister Scholl), 1944; "Der Pakt", 1949; "Viele heissen Kain", 1950; "Das Kind von Paris", 1952
  • 25.10.1895–26.2.1969: Levi Eschkol, dritter israelischer Ministerpräsident. "Eschkol personifizierte einen gesunden, produktiven und kreativen Zionismus, normal, nüchtern, offen und tolerant" (Yossi Sarid). – Levi Eschkol wurde in der Nähe von Kiew (als Levi Shkolnik) in eine reiche chassidische Familie geboren und erhielt eine traditionelle jüdische Erziehung. Er trat der Zionistischen Bewegung bei und liess sich 1914 in Eretz Israel nieder, wo er schnell in landwirtschaftlichen und finanziellen Angelegenheiten aktiv wurde. In Petach Tikwah rief er eine Arbeiterkommune ins Leben, und er gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Kwutza Degania Bet am Kinneret. Nachdem er sich für die Histadrut mit landesweiten Siedlungsproblemen befasst hatte, ging Eschkol 1934 nach Berlin, um den Transfer jüdischen Eigentums nach Eretz Israel zu organisieren. Im Zweiten Weltkrieg verwaltete Eshkol die Finanzabteilung der Haganah. 1949 wurde er einer der Vorsitzenden der Jewish Agency, wo er der Siedlungsabteilung vorstand. Levi Eschkol hatte grosses Interesse an der Verteidigung Israels; 1918 bis 1920 war er Mitglied der Jüdischen Legion, 1921 wurde er in das Verteidigungskomitee der Histadrut gewählt. 1922 verhaftete man ihn in Wien während einer Waffenkaufmission. In den Vierzigerjahren spielte Eschkol eine wichtige Rolle in der Entwicklung der Haganah. Sein Interesse und seine Qualitäten in der Landwirtschaft, in den Finanzen und in der Verteidigung machten aus ihm vor und nach der Staatsgründung einen aktiven politischen Führer. Nachdem er im Unabhängigkeitskriege als stellvertretender Verteidigungsminister amtiert hatte, wurde er 1951 in die Knesset gewählt und 1952 zum Finanzminister ernannt. Während seiner Amtszeit wuchs Israels Bruttonationalprodukt jährlich um zehn Prozent, Eschkol war einer der Hauptverantwortlichen für den Bau der nationalen Wasserleitung. 1963 wurde er Ben Gurions Nachfolger als Ministerpräsident und Verteidigungsminister. 1964 heiratete Ministerpräsident Levi Eschkol zum dritten Mal. Seine Auserwählte war die 34jährige Bibliothekarin der Knesset, Miriam Zelkovic. Seine Hauptaufgabe sah er in der Verbesserung von Israels Aussenpolitik. 1965 wurden mit Deutschland formelle diplomatische Beziehungen aufgenommen und jene mit den Vereinigten Staaten verstärkt. Seine Bemühungen um die UDSSR resultierten in der Erlaubnis für einige Sowjetjuden zur Auswanderung nach Israel und in kulturellen Verbindungen. Eschkol war auch der Ministerpräsident des Sechs-Tage-Krieges. Obwohl ihn die Öffentlichkeit am Vorabend des Kriegs zur Bildung einer Regierung der Nationalen Einheit drängte, konnte er sein Kabinett bis einige Zeit nach dem Krieg zusammenhalten. Er war der Ansicht, dass Israel die 1967 eroberten arabischen Gebiete ohne Lösung für den gesamten arabisch-israelischen Konflikt nicht zurückgeben sollte. 1968 erhielt Eshkol die Zusage der USA, Israel mit Kampfflugzeugen zu beliefern. Levi Eshkol starb überraschend am 26. Februar 1969 an einem Herzinfarkt. Seine Nachfolgerin wurde Golda Meir.
  • 8.11.1895–21.8.1981: Hermann Schey, geb. in Bunzlau, Schlesien, gest. in der Schweiz, gefeierter niederländischer Bass-Bariton, jüdisch-deutscher Herkunft; 1934 in die Niederlande emigriert, seine letzten Lebensjahre verbrachte er in der Schweiz
  • 3.12.1895–9.10.1982: Anna Freud, britische Psychoanalytikerin österreichisch-jüdischer Herkunft, Tochter von Sigmund Freud, geb. Wien, gest. London; emigrierte 1938 nach Grossbritannien, gründete 1947 das kinderanalytische Zentrum „Hampstead Child Therapy Course and Clinic“ in London, das sie seit 1952 leitete; wandte S. Freuds Erkenntnisse auf die Störungen des kindlichen Seelenlebens an; Anna war das jüngste von den sechs Kindern Sigmund Freuds, sie war eine treusorgende Tochter. Für Sigmund Freud war sie Sekretärin, Assistentin, organisierte seine Auftritte, pflegte den Krebskranken und vertrat ihn auf Kongressen. Ungefähr von 1925 an lebte sie mit Dorothy Burlingham-Tiffany, einer New Yorker Millionenerbin, zusammen. Beide wiesen jedoch Vermutungen auf eine homosexuelle Beziehung von sich. Freud selbst kommentierte diese Verbindung nur lakonisch mit den Worten „Gottlob, Anna ist versorgt!“ Nach Sigmund Freuds Tod im Jahr 1939 übernahm Anna das Erbe ihres berühmten Vaters, wurde zur Doyenne der Psychoanalyse und verbrachte viel Zeit auf Vortragsreisen und Kongressen.
  • 4.12.1895–27.1.1968: Dr. Sándor Gombos, ungarisch-jüdischer Fechter, gewann u. a. Gold mit der Mannschaft bei den Olympischen Spielen Amsterdam 1928, mehrere Goldmedaillen (Einzel und Mannschaft) auf europäischer Ebene
  • 7.12.1895–12.8.1952: Perez Markisch (russisch: Перец Давидович Маркиш, auch: Peretz Markisch oder Markish), geb. in Polonoje, Wolhynien, heute Ukraine; auf Berias Befehl exekutiert in der Lubjanka in der Nacht der ermordeten Dichter, war ein jiddischer revolutionärer Lyriker, der die jiddische Sprache um viele neue Ausdrücke und Wendungen bereicherte und ein bisher unerhörtes Tempo und Pulsieren in sie einführte; er war, anders als Kwitko, nicht nur überzeugter Kommunist, sondern auch bewusster Jude und stellte den jüdischen Anteil an Revolution und sozialistischem Aufbau deutlich heraus; Perez Markisch stammte aus einer ursprünglich sephardischen Familie; schon als Kind sang er im Berditschewer Synagogen-Chor, ging später in Odessa zur Schule und musste als russischer Soldat 1916 an die deutsche Front, wo er eine leichte Verletzung davontrug und vom Militärdienst befreit wurde, woraufhin er sich in Jekaterinoslaw niederliess; seit 1917 erschienen von ihm Gedichte und Aufsätze in verschiedenen Journalen; 1919 veröffentlichte er seine erste Liedersammlung unter dem Titel Schwellen; 1921 hielt er öffentliche Vorträge über moderne Dichtung und rezitierte dabei eigene Werke; sein in dieser Zeit veröffentlichtes Pogrom-Gedicht Die Kupe (etwa: "Der Trümmerhaufen") machte ihn zum - zeitweilig fanatischen - Wortführer der revolutionären jiddischen Jungdichter in Polen sowie zu einer gewichtigen Stimme der so genannten Kiewer Gruppe; fortan erschienen in vielen jüdischen Zeitschriften und Sammelbüchern in Russland, Polen und Amerika Werke von ihm; zu dieser Zeit führte er ein unstetes Leben und wechselte häufig seine Aufenthaltsorte: Warschau, Berlin, London, Paris, Rom usw.; in Paris gab er zusammen mit Oser Warschawski das expressionistische Sammelbuch Chaliastra heraus; 1924 war er einer der Mitgründer und seither auch Redakteur der Literarischen Bleter in Warschau; Peretz Markisch, der - 1926 nach Russland zurückgekehrt - dem Jüdischen Antifaschistischen Komitee angehörte, war zunächst vorgesehen als Begleiter Michoels' auf dessen Auslandsmissionen, vor allem in den USA, wurde aber durch den Dichter und NKWD-Informanten Itzik Feffer ersetzt; trotz Markischs revolutionärer Einstellung und obwohl er 1946 den Stalinpreis, die höchste zivile Auszeichnung der Sowjetunion, erhalten hatte, wurde auch er ein Opfer des stalinistischen Säuberungswahns, 1948 gefangengenommen und 1952 auf Anordnung Berias gemeinsam mit ca. 30 weiteren jüdischen Persönlichkeiten in der Nacht der ermordeten Poeten in der Lubjanka erschossen; ein Teil seiner Werke wurde von Anna Achmatowa ins Russische übersetzt; Werke (Auswahl): Schwellen, 1919; Stam, Jekaterinoslaw 1920 (2. Aufl. Warschau 1922); Pist und Pas, 1920; Inmitn Weg, Jekaterinoslaw 1920; Wohlin, Wilna 1921 (Poem); Die Kupe, Kiew 1922 (Poem über die Pogrome in der Ukraine); Chaliastre Almanach (Sammelbuch, 1922; darin u. a. das Gedicht Wochentag und der gegen die jüdischen Schriftsteller in der Emigration gerichtete Essay On Einschluss; der zweite, in Paris erschienene Band wurde von Chagall illustriert); Owentschu'en, Kiew 1922; Radio, Warschau 1923 (Poem); Sang-Gesang (Liederserie, die die vier Jahreszeiten aufgreift, ca. 1926); Der galaganer Hon, ca. 1926; Varbeige'endik, ca. 1927 (Essay-Sammlung); Brider, 1929 (episches Gedicht, Verherrlichung des Opfertodes zweier proletarischer Brüder, die ihr Leben der Revolution hingaben); Dor ois, Dor ein, 1929 (über das Kommen und Gehen der Generationen in den russischen Schtetlech); Eins oif eins, 1934 (Roman über die heldenhafte Geschichte eines jüdischen Maurers, der Amerika verlässt, um das sozialistische Russland mitaufzubauen); Poeme wegn Stalinen ("Ode an Stalin"), 1940; Milchome ("Krieg"), 1948 (sein Hauptwerk, an dem er jahrelang gearbeitet hatte: ein 20 000 Zeilen umfassendes Epos über den Zweiten Weltkrieg)
  • 11.12.1895–13.3.1961: Ruth Fischer, geb. in Leipzig (als Ruth Elfriede Fischer, gest. in Paris, deutsch-österreichische Politikerin (u. a. KPD) und Publizistin, ältere Schwester von Gerhart Eisler und Hanns Eisler, 1924-1928 Mitglied des Reichstags, gehörte ab 1923 zum radikalen Flügel der KPD, Frühjahr 1924 Parteivorsitzende; 1941 - gleichzeitig verfolgt von Nazis und Stalinisten (als "Trotzkistin" in Abwesenheit zum Tode verurteilt) - in den USA, von der Harvard University mit Forschungsarbeiten über den Kommunismus beauftragt; denunzierte dort ihre Brüder als Kommunisten, u. a. im "Komitee für unamerikanische Umtriebe"; bei der Verhandlung gegen Gerhart war sie Hauptzeugin der Anklage - Gerhart Eisler kam in Haft, Hanns Eisler wurde ausgewiesen; nach 1955 lebte sie als politische Publizistin in Paris, wo sie 1961 starb und auf dem Montparnasse beigesetzt wurde; -- Werke (Auswahl): "Stalin und German Communism", 1948; "Die Umformung der Sowjetgesellschaft", 1958
  • 14.12.1895–25.2.1965: Heinz Unger, geb. in Berlin, gest. in Toronto, Dirigent, 1919-1933 Dirigent der Berliner Philharmoniker; leitete 1921-1933 den von ihm gegründeten Cäcilienchor in Berlin; 1933-1947 lebte er in Leeds/England, wo er das Northern Philharmonic Orchestra dirigierte; über seine Erfahrungen als Dirigent des Radioorchesters Leningrad 1934-1936 schrieb er "Hammer,Sickle and Baton" (1939); 1948 ging er nach Kanada, wo er ab 1952 das Toronto Symphony Orchestra leitete; er war neben Bruno Walter einer der besten Mahler-Interpreten
  • 15.12.1895–31.1.1988: William Katz (eigentlich Wilhelm Katz), geb. in Diemerode bei Kassel; gest.1988 in Sydney, war ein deutscher Lehrer, Kantor und Rabbiner; nach Beendigung der Schule besuchte Katz ab 1912 das Lehrerseminar in Kassel; er war zeitweise Schüler von Buber und Rosenzweig; mit 26 Jahren bestand Katz das Staatsexamen summa cum laude (1921); bereits seit 1919 wirkte er als Hilfslehrer an verschiedenen jüdischen Gemeinden; von 1921 bis 1939 war er als Lehrer u. a. in Beckum (Westfalen), Mönchengladbach und Kassel tätig; ab 1929 auch als Kantor; der Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens berief Katz 1929 in den Vorstand; dieses Amt bekleidete er bis 1938, als ihn die Nationalsozialisten des Amtes enthoben; er kam ins KZ Buchenwald, wurde aber nach einiger Zeit wieder entlassen; 1939 konnte Katz nach Australien emigrieren; ab 1940 wirkte er in Sydney als Rabbiner und Rektor einer Religionsschule; mit 65 Jahren legte Katz 1960 diese Ämter nieder und ging in Pension; 1980 veröffentlichte er seine Memoiren (Ein jüdisch-deutsches Leben); im Alter von 93 Jahren starb William Katz 1988 in Sydney
  • 27.12.1895–17.8.1975: Siegfried Arno (eigentlich Siegfried Aron, ab 1940 auch Sig Arno oder Sigi Arno), geb. in Hamburg als Sohn des Kassierers Louis Aron, 1866-1947, der als Amerika-Auswanderer erst vor kurzem in seine Heimatstadt Hamburg zurückgekehrt war, und seiner Frau Emma Elise Adele Amanda, geborene Bez, 1869-1967 (Siegfrieds Bruder Bruno, geb. 1902, wurde ebenfalls als Schauspieler, Tänzer und Choreograf, später auch als Maler, bekannt), gest. in Woodland Hills, Kalifornien (nach langem Leiden an der Parkinsonschen Krankheit), grossartiger, enorm aktiver, zu Unrecht vergessener deutsch-jüdischer Schauspieler (vor allem exzellent-exzentrischer Komiker), Sänger und Tänzer; besuchte die Talmud Thora Realschule in Hamburg und absolvierte danach auf Geheiss der Eltern eine Ausbildung als Modezeichner an der Hamburger Kunstgewerbeschule; Siegfried Aron hatte schon erste Bühnenerfahrungen hinter sich, als der 1. Weltkrieg ausbrach; nach dem Krieg kam er schon bald mit dem Film in Berührung, arbeitete in Hamburg, Prag und ab 1921 in Berlin, er spielte vorerst meist komische Rollen und galt bald als „deutscher Chaplin“; Arno mit der ausgeprägten Nase war vom Aussehen her schlaksig und dünn, daher versuchte man, ihm als Partner den „dicken“ Kurt Gerron (1897-1944) an die Seite zu stellen, um als Komikerduo "Beef und Steak" aufzutreten; er trat auf bei Eric Charell am "Grossen Schauspielhaus" und wurde rasch als glänzender Komiker und Operettendarsteller populär; 1927 beispielsweise brillierte er in der Erik Charell-Produktion "Die lustige Witwe" als Partner von Fritzi Massary, in den folgenden Jahren feierte er unter anderem in den Operetten "Der liebe Augustin", "Drei Musketiere und "Casanova" Triumphe; ein nachhaltiger Erfolg war 1930 sein Auftritt in Ralph Benatzkys Singspiel "Im Weissen Rössl" mit dem ihm gewidmeten Schlager "Was kann der Sigismund dafür, dass er so schön ist"; auch im Kabarett machte sich Arno einen Namen, begeisterte beispielsweise 1932/1933 im legendären "Kabarett der Komiker", und viele seiner Lieder wie "Mensch du hast 'ne Zillefigur", "Du hast mir was versprochen Kunigunde" oder "Wenn die Elisabeth nicht so schöne Beine hätt'" sind bis heute unvergessen; trotz seiner unzähligen Auftritte in Militärklamotten konnte Siegfried Arno auch in namhaften Produktionen wie "Die Liebe der Jeanne Ney" (1926), "Die Büchse der Pandora" (1927) und "Tagebuch einer Verlorenen" (1929) sein Talent unter Beweis stellen; 1933 musste er ins Exil gehen, über Holland, Belgien, Schweiz, Italien, Spanien und Portugal kam er 1939 nach Amerika; er wurde sofort in vielen Filmen eingesetzt, u.a. in "Der Glöckner von Notre Dame" (1939), "Der grosse Diktator" (1940) und "Die ewige Eva" (1941); Sig Arno, wie er sich seit 1940 nannte, machte sich auch einen Namen als Zeichner und Porträtist; er war dreimal verheiratet, mit der Schauspielerin Lia (Caroline) Dahms (mit ihr verheiratet 1922-1932; Sohn Peter, geb. 1926), mit Barbara Kiranoff (verheiratet mit ihr 1934-1953) und der Schauspielerin Kitty Mattern (1912-1998; Heirat 1953); sowohl bei Wladimir Sokoloff als auch bei Siegfried Arno half Wilhelm Dieterle, der ebenfalls emigrierte, beim Start in den USA, wie er es bei vielen seiner Kollegen ebenfalls versuchte; weitere Filme mit Siegfried Arno (sicher nicht vollständig): „Die rote Katze“ (1920); „Barfüssele - Ein Schwarzwaldidyll“ (1924); „Vorderhaus und Hinterhaus“ (1925); „Die vertauschte Braut“ (1925); „Der Hahn im Korb“ (1925); „Die Frau von vierzig Jahren“ (1925); „Die Frau für 24 Stunden“ (1925); „Wenn der junge Wein blüht“ (1926); „Die Villa im Tiergarten“ (1926); „Vater werden ist nicht schwer“ (1926); „Der Stolz der Kompanie/Die Perle des Regiments“ (1926); „Der Soldat der Marie“ (1926); „Der Sohn des Hannibal“ (1926); „Schatz, mach' Kasse“ (1926); „Der Provinzonkel“ (1926); „Das Panzergewölbe“ (1926); „Nanette macht alles“ (1926); „Manon Lescaut“ (1926); „In der Heimat, da gibt's ein Wiedersehn!“ (1926); „Der dumme August des Zirkus Romanelli“ (1926); „Die dritte Eskadron“ (1926); „Annemarie und ihr Ulan“ (1926); „Üb' immer Treu' und Redlichkeit“ (1927); „Ein schwerer Fall“ (1927); „Der Mann ohne Kopf“ (1927); „Der Mann mit den falschen Banknoten“ (1927); „Lützows wilde verwegene Jagd“ (1927); „Leichte Kavallerie“ (1927); „Eine kleine Freundin braucht jeder Mann“ (1927); „Herkules Maier“ (1927); „Der grosse Unbekannte“ (1927); „Fürst oder Clown“ (1927); „Familientag im Hause Prellstein“ (1927); „Eins + Eins = Drei/Ehe man Ehemann wird“ (1927); „Dr. Bessels Verwandlung“ (1927); „Dollarprinzessin und ihre sechs Freier“ (1927); „Die Achtzehnjährigen“ (1927); „Moral“ (1928); „Unmoral“ (1928); „Tragödie im Zirkus Royal“ (1928); „Spelunke“ (1928); „Sigi, der eilige Bräutigam“ (1928); „Serenissimus, der Vielgeliebte, und die letzte Jungfrau“ (1928); „Polnische Wirtschaft“ (1928); „Moderne Piraten“ (1928); „Looping the Loop“ (1928); „Das letzte Souper“ (1928); „Der Ladenprinz“ (1928); „Geschichten aus dem Wiener Wald“ (1928); „Gaunerliebchen“ (1928); „Die Dame und ihr Chauffeur“ (1928); „In Werder blühen die Bäume“ (1928); „Wir halten fest und treu zusammen“ (1929); „Das verschwundene Testament“ (1929); „Das Mädel mit der Peitsche“ (1929); „Die Kaviarprinzessin“ (1929); „Jenseits der Strasse - Eine Tragödie des Alltags“ (1929); „Ihr dunkler Punkt“ (1929); „Freiheit in Fesseln/Bewährungsfrist“ (1929); „Aufruhr im Junggesellenheim“ (1929;) „Alte Kleider“ (1929); „Zapfenstreich am Rhein“ (1930); „Der Witwenball“ (1930); „Wien, du Stadt der Lieder“ (1930); „Und so ein Glück kannst du nur haben“ (1930); „Schuberts Frühligstraum“ (1930); „Im Kampf mit der Unterwelt“ (1930); „Heute nacht – eventuell“ (1930); „Die vom Rummelplatz“ (1930); „Schachmatt“ (1931); „Um eine Nasenlänge“ (1931); „Der Stumme von Portici“ (1931); „Schützenfest in Schilda“ (1931); „Die Nacht ohne Pause“ (1931); „Moritz macht sein Glück/Meier und Co.“ (1931); „Keine Feier ohne Meyer“ (1931); „Kabarett-Programm Nr. 1+2“ (1931); „Eine Freundin so goldig wie Du“ (1931); „Ein ausgekochter Junge“ (1931); „Das Geheimnis der roten Katze“ (1931); „Die grosse Attraktion“ (1931); „Der Storch streikt“ (1932); „Gado Bravo“ (1934); „The Star Maker“ (1939); „The Bridal Suite“ (1939); „This Thing Called Love“ (1940); „A Little Bit of Heaven“ (1940); „The Mummy's Hand“ (1940); „Diamond Frontier“ (1940); „Two Latins from Manhattan“ (1941); „Raiders of the Desert“ (1941); „Passport to Heaven“ (1941); „The Gambling Daughters/The Professor's Gamble“ (1941); „Dark Streets of Cairo“ (1941); „New Wine/The Great Awakening/The Melody Master - Die Unvollendete (1941); „Two Yanks in Trinidad“ (1942); „The Palm Beach Story“ (1942); „The Mummy's Tomb“ (1942); „Jukebox Jenny“ (1942); „The Devil with Hitler“ (1942); „I Married an Angel“ (1942); „Pardon My Sarong - Abbott und Costello unter Kannibalen“ (1942); „Tales of Manhattan“ (1942); „Taxi, Mister“ (1943); „Passport to Suez“ (1943); „Let's Have Fun“ (1943); „Larceny with Music“ (1943); „His Butler's Sister“ (1943); „DuBarry Was a Lady“ (1943); „Thousands Cheer“ (1943); „The Crystal Ball“ (1943); „Standing Room Only“ (1944); „Once Upon a Time“ (1944); „Song of the Open Road“ (1944); „The Great Moment“ (1944); „And the Angels Sing“ (1944); „Up in Arms“ (1944); „Showboat Serenade“ (1944); „Roughly Speaking“ (1945); „I Was a Criminal/Captain of Koepenick/Passport to Heaven“ (1945); „A Song to Remember - Polonaise/Triumph des Herzens“ (1945); „Bring on the Girls“ (1945); „One More Tomorrow“ (1946); „Holiday in Havana“ (1949); „The Great Lover“ (1949); „Nancy Goes to Rio“ (1950); „Duchess of Idaho - Die Venus verliebt sich“ (1950); „The Toast of New Orleans - Der Fischer von Louisiana“ (1950); „On Moonlight Bay“ (1951); „Diplomatic Courier - Kurier nach Triest“ (1952); Serie "My Friend Irma" (1952); „The Great Diamond Robbery“ (1953); „Fast Company“ (1953); „December Bride“ (1955); Serie "Rebound/Counterpoint: The Wedding" (1955) und als Regisseur "La gloire du régiment" (1937)
  • 1895–1902: Lord Salisbury (Robert Cecil 3rd Marquess of Salisbury, 1830-1902) Ministerpräsident von Grossbritannien
  • 1895–1938: Mordechai Bohrer, geb. in Ansbach, umgekommen im KZ Dachau, Rabbiner, ab 1927 in Gailingen-Randegg/Baden, nach den Novemberpogromen 1938 kam Dr. Bohrer, mit vielen anderen jüdischen Männern in das KZ Dachau, wo er Ende Dezember 1938 starb
  • 1895–1940: Werner Scholem, geb. in Berlin, umgebracht im KZ Buchenwald, Politiker, er studierte in Göttingen und Halle, war seit 1921 Redakteur der Roten Fahne, Mitglied des Preussischen Abgeordnetenhauses ebenfalls seit 1921; 1924-1928 MdR für die KPD; wurde 1926 aus der Partei ausgeschlossen; er wurde 1933 verhaftet und später in Buchenwald von der SS ermordet; Werner Scholem war der ältere Bruder Gershom Scholems
  • 1895–1942: Georg Benjamin, geb. Berlin, umgekommen im KZ Mauthausen, Arzt, Bruder von Walter Benjamin, seit 1926 Kommunist, heiratete die Nichtjüdin Hilde Lange, die 1933 Berufsverbot als Rechtsanwältin erhielt, seit 1945 in der DDR-Justizverwaltung tätig, 1953-1967 Justizministerin war, später Prof. für Rechtsgeschichte; vgl. bei Hilde Benjamin (1902-1989)
  • 1895–1944: Ludwig Jacobi, geb. in Nörenberg/Pommern, umgekommen in Auschwitz, Rechtsanwalt, in Berlin Dr. iur., zuletzt in der Leitung des Palästinaamtes tätig, wurde 1943 nach Theresienstadt, 1944 nach Auschwitz deportiert
  • 1895–1944: János Hoffmann, geb. in Szombathely, Ungarn; ermordet im KZ Auschwitz, jüdischer Zeitzeuge der Judenverfolgung; János Hoffmann, mütterlicherseits verwandt mit Heinrich Heine, studierte Rechtswissenschaften in Wien und Budapest und promovierte zum Dr. jur; nach seinem Militärdienst arbeitete er in der väterlichen Firma (Essigfabrik und Laden) in Szombathely, nach deren Konkurs infolge der Weltwirtschaftskrise ab 1930 im Warenhaus des Schwiegervaters in Nagykanizsa; sein Tagebuch gehört zu den wichtigen Zeugnissen jüdischen Lebens und Denkens in Ungarn vor dem Holocaust; es beginnt 1940 und beschreibt detailliert den sorgenvollen jüdischen Alltag; die Eintragungen enden kurz vor der deutschen Besetzung Ungarns (19. März 1944), der bald die Deportationen folgten; unter den allerersten Deportierten war die Familie Hoffmann: János, seine Mutter Regina, seine Frau Helén (Schütz) sowie die Kinder Sándor und Judit, die alle nach Auschwitz deportiert wurden; die einzig überlebende Tochter Judit erhielt die Aufzeichnungen 1945 von Nachbarn zurück, denen sie der Vater vor der Deportation anvertraut hatte; in einem Interview 1999 für Steven Spielbergs Shoah Foundation erwähnte Judit Varga-Hoffmann die Notizhefte ihres Vaters, was dann später zu deren Publikation in Ungarn führte („Ködkárpit“, 2001)
  • 1895–2.9.1944: Bella Chagall (Bella Rosenfeld Chagall), geb. in Wizebsk, gest. in New York, russische jiddisch-sprachige Autorin und Ehefrau Marc Chagalls; sie wurde als Tochter einer wohlhabenden jüdischen Familie in Wizebsk geboren; ihr Vater war Juwelier; 1909 lernte sie Marc Chagall kennen, den sie 1915 heiratete; im selben Jahr zog das Ehepaar Chagall nach Sankt Petersburg, im Jahr darauf wurde Tochter Ida geboren; 1918 kehrte die Familie nach Wizebsk zurück; 1922 liessen sie sich in Litauen nieder und zogen bereits im Jahr darauf, nach einem kurzen Aufenthalt in Deutschland, nach Paris; 1941 wanderte die Familie in die Vereinigten Staaten aus; 1944 starb Bella Chagall in New York an einem viralen Infekt; Bellag Chagall sass oft Modell für ihren Mann, so zum Beispiel 1917 für das bekannte Bild Bella mit dem weissen Kragen; sie veröffentlichte auch zwei Bücher: Brennende Lichter (deutsche Erstauflage 1969, englisch: Burning Lights, Schocken, New York 1946); Erste Begegnung (deutsche Erstauflage 1969)
  • 1895–1960: Oscar Hammerstein (geboren als Oscar Greeeley Clendenning Hammerstein = Oscar Hammerstein II. zur Unterscheidung von seinem Grossvater Oscar Hammerstein I., 1847-1919), US-amerikanisch-jüdischer Produzent und Musical-Texter
  • 1895–1963: Fritz Sternberg, geb. in Breslau, gest. in München, Soziologe in der denkerischen Nachfolge Rosa Luxemburgs, der später zum Marx-Kritiker unter Anwendung marxistischer Methoden wurde; zunächst an der Universität Frankfurt am Main tätig, emigrierte er 1933 in die Schweiz und nach Frankreich, 1939 in die USA, wo er Prof. an den Universitäten New York und Los Angeles war; Hauptwerke: Der Imperialismus und seine Kritiker, 1929; Der Faschismus an der Macht, 1935; Die deutsche Kriegsstärke, 1939; Kapitalismus und Sozialismus vor dem Weltgericht, 1951; Marx und die Gegenwart, 1955; Die militärische und industrielle Revolution, 1957
  • 1895–16.10.1965: Franz Victor Gruenfeld (auch: Grünfeld), geb. in Berlin, gest. in Zürich, Kaufmann, Enkel des Gründers des 1862 (vgl. dort) in Landesfeld/Schlesien gegründeten Leinenhauses Gruenfeld; Graphologe; Kriegsteilnehmer, 1920 Dr. phil. über Streiks in der schlesischen Leinen- und Baumwollindustrie, 1922 Teilhaber des Familienunternehmens; trieb erstmals Handschriftenanalyse zur Beurteilung von Angestellten, emigrierte 1938 in die USA, nach 1945 Dozent der ETH Zürich und an der Universität Frankfurt; Hauptwerke (unter dem Namen Frank Victor): Handwriting, 1952 (deutsch 1955); Beethoven, der Mensch in seiner Handschrift, 1961
  • 1895–1973: Irma Fechenbach (Fechenbach-Fey, geborene Epstein), Jüdin, Sozialistin, politische Weggefährtin ihres Mannes (Heirat 1926) Felix Fechenbach (1894-1933), sie konnte sich mit den drei Kindern durch die Flucht ins Schweizer Exil dem Zugriff der Nationalsozialisten entziehen; in der Schweiz gab sie Bücher ihres Mannes neu heraus, schrieb Artikel für Zeitungen und erzog unter schwierigsten Lebensumständen (zu arbeiten war ihr verboten) ihre Kinder, 1946 übersiedelte sie in die USA, wirkte dort als Krankenschwester, verbrachte ihren Lebensabend aber wieder in der Schweiz (seit 1953); 1973 verunglückte sie mit dem Fahrrad tödlich
  • 1895–1977: Raw Jisrael Alter, "Bes Jisrael", geb. in Gur (Polen), gest. in Jerusalem, scharfsinniger jüdischer Gelehrter in Gur und Warschau, seit 1948 in Jerusalem, geistiges Oberhaupt des dortigen Chassidut Gur
  • 1895–23.3.1986: HaGaon Rabbi Moshe Feinstein, weltberühmter litauischer orthodoxer Rabbi, halachische Kapazität, zu seinen Lebzeiten de facto die höchste rabbinische Autorität der Orthodoxie Nordamerikas, geb. 7. Adar 5655 in Uzda nahe Minsk, Belarus; gestorben in New York City; er studierte zunächst mit seinem Vater, Rabbi David Feinstein, dann in Jeschibot in Slutsk, Schklow und Amstislav, bevor er Rabbiner in Luban wurde, wo er sechzehn Jahre tätig war; wegen der stärker werdenden Repressionen des Sowjetregimes übersiedelte er mit seiner Familie 1936 in die Vereinigten Staaten, nach New York City, dort verbrachte er dann sein ganzes Leben; er wurde Schulhaupt der Mesivta Tiferes Jerusalem-Jeschiba, wovon später noch ein Ableger in Staten Island, New York, von ihm gegründet wurde; auch seine Söhne, Rabbiner Reuven Feinstein und Rabbiner David Feinstein, waren in diesen Ausbildungsstätten aktiv; Moshe Feinstein war Vorsitzender der Union of Orthodox Rabbis of the United States and Canada, ebenso präsidierte er der Moetzes Gedolei HaTorah der Agudath Israel of America seit den 1960er Jahren bis zu seinem Tod; darüber hinaus war er einer der führenden Köpfe in Israels Chinuch Atzmai; der Steipler Gaon, Rabbi Yonasan Steif, Rabbi Eliyahu Lopian, Rabbi Aharon Kotler, Rabbi Yaakov Kamenetsky und Rabbi Yosef Shalom Elyashiv verehrten Moshe Feinstein und verliehen ihm den Titel „Gadol Hador“ („grösster Tora-Weiser der lebenden Generation) – obwohl viele von ihnen bedeutend älter waren als er; weltweit genoss er höchstes Ansehen und wurden ihm die kompliziertesten halachischen Fragen zur Entscheidung vorgelegt; an seiner Beerdigung, an der auch – neben vielen anderen – der Satmarer Rebbe zu den Trauernden sprach, nahmen etwa 300 000 Menschen teil; Rabbi Feinstein genoss ein derart hohes Ansehen, dass Rabbi Shlomo Zalman Auerbach, selbst ein Tora-Gigant, Talmid Chacham und Posek, es ablehnte, zu Feinsteins Ehren zu sprechen, indem er sagte „Wer bin ich, dass ich zu seinen Ehren sprechen könnte? Ich studierte seine Bücher, ich war sein Schüler“; Rabbi Feinstein ist begraben auf dem Har HaMenuchot-Friedhof neben seinem Lehrer, Rabbi Isser Zalman Meltzer in der Nähe des Grabes des Belzer Rebben; Feinsteins Hauptwerke: „Igros Moshe“ (8 Bände halachische Responsen), „Dibros Moshe“ (elf Bände), „Darash Moshe“ (posthum); einige von Feinsteins frühen Ausarbeitungen, darunter ein Kommentar zum Talmud Jeruschalmi, wurden von den Sowjets vernichtet
  • 1895–1989: S. W. Baron. Schrieb „A Social and Religious History of the Jews“ (18 Bände bis zur Emanzipationszeit), suchte den Ausgleich zwischen zionistischer Geschichtsschreibung und diasporajüdischer Sicht.

Bücher

  • J. Nacht, Tobia ben Elieser's Comm. zu Threni, mit einer Einleitung und Anmerkungen, Berlin 1895
  • H. Klüger, Über Genesis und Composition der Halachasammlung Edujot, Breslau 1895
  • Eisik Weiss, Zichronothai (Sichronotaj) (Lebenserinnerungen), Warschau 1895
  • Kol Schire Adam u-Mikhal, 6 Bände, Wilna 1895
  • G. D. Smith, The Historical Geography of the Holy Land, 3. Aufl., London 1895
  • Lazar Münz, Rabbi Eleasar, genannt Schemen Rokeach, Trier 1895
  • Leo Baeck, Baruch Spinozas erste Einwirkungen auf Deutschland, 1895 (Dissertationsschrift)
  • Leopold Löwenstein, Geschichte der Juden in der Kurpfalz, Frankfurt/M. 1895
  • Theodor Herzl, Das Palais Bourbon, Bilder aus dem französischen Parlamentsleben, Leipzig 1895
  • Paul L. Léger, L'Histoire de l'Autriche-Hongrie, Paris 1895

Zeitungen und Zeitschriften

  • 1895: erscheint in New York das kurzlebige deutschsprachige Blatt Der Jude
  • 1895: Jarchon hachasanim, in Warschau monatlich in hebräischer Sprache erscheinendes Kantoren-Blatt
  • 1895: The Light, in Kapstadt halbwöchentlich in englischer Sprache erscheinendes Blatt
  • Seit 1895: Berliner Vereinsbote. Central-Organ für die jüdischen Vereine Berlins; Redaktion: Emil Flanter; erschien seit 1895 in wöchentlichen Abständen; nach dem sechsten Jahrgang wurde der "Vereinsbote" 1901 mit der "Israelitischen Rundschau" vereinigt, die ihrerseits 1902 in der "Jüdischen Rundschau" aufging; der "Berliner Vereinsbote" ist eines der beiden Vorgängerblätter der seit 1902 erscheinenden "Jüdischen Rundschau", die rasch zur auflagenstärksten jüdischen Wochenzeitung Deutschlands avancierte; im Anschluss an Kurzreferate zu politischen oder sozialen Fragen berichtete der "Berliner Vereinsbote" schwerpunktmässig über das städtische Gemeinde- und Vereinsleben; Familien-Nachrichten, Hinweise zu kulturellen Veranstaltungen sowie erbauliche Erzählungen und ein umfangreicher Anzeigenteil waren weitere Bestandteile des Blattes
  • Seit 1895: Jüdischer Volkskalender, Lemberg, begründet und herausgegeben von Emil Silberstein
  • Seit 1895: Le Journal de Salonique, in Saloniki/Griechenland in französischer Sprache erscheinende zionistische Zeitschrift
  • Seit 1895: Der Jude, in New York herausgegebene Wochenschrift in deutscher Sprache
  • Seit 1895: Minnikes Jontowblatt, in New York in zwangloser Folge in Jiddisch herausgegeben
  • Seit 1895: Zukunft, in New York monatlich in jiddischer Sprache erscheinende sozialistische Zeitschrift
  • Seit 1895: The Jewish Criterion, in Pittsburg, Pa., wöchentlich in englischer Sprache herausgegebene reformerische Zeitschrift
  • Seit 1895: The Jewish Ledger, in New Orleans, La., wöchentlich in englischer Sprache herausgegebene (parteilose) Zeitschrift
  • Seit 1895: The Emanuel, in San Francisco, Calif., wöchentlich herausgegebenes (parteiloses) Blatt (in englischer Sprache)
  • 1895–1896: Karmel, in Philippopel in spaniolischer und französischer Sprache wöchentlich erscheinende zionistische Zeitschrift
  • 1895–1896: The Australian Hebrew, in Sydney erscheinende Wochenschrift
  • 1895–1898: Jüdische Chronik, in Saaz/Teplitz monatlich erscheinende chowewe-zionistische Zeitschrift, in deutscher Sprache
  • 1895–1899: Zion, in Berlin monatlich in deutscher Sprache erscheinende zionistische Zeitschrift
  • 1895–1899: Die Gegenwart, in Philadelphia erscheinende Monatsschrift in jiddischer Sprache demokratischer Richtung
  • 1895–1904: Israelitischer Jugendfreund, in Berlin halbmonatlich in deutscher Sprache erscheinende Jugendzeitschrift
  • 1895–1910: Die Fraje Gesellschaft, in New York erscheinende anarchistische Monatsschrift in jiddischer Sprache
  • 1895–1922: Im Deutschen Reich. Zeitschrift des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (Berlin); hg. vom Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens; erschien von 1895 bis 1922 monatlich im hauseigenen Verlag; mit publizistischen Mitteln zielte "Im Deutschen Reich" darauf, "der Erweiterung der Kenntnisse, der Stärkung der Überzeugungstreue, der Hebung des Selbstbewusstseins und der Vertiefung der Liebe zu Deutschtum und Judentum" zu dienen, um so die volle staatsbürgerliche Emanzipation der jüdischen Bevölkerung und deren Integration in den deutschen Kulturkreis durchzusetzen

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