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1870

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Ereignisse

  • 1870: Synagoge Hannover
  • 1870: Décret Crémieux
  • 1870: Eisernes Kreuz I. Klasse an C. Guttfeldt, L. Lang, J. Nussbaum, I. Rawitz
  • 1870: Rom. Emanzipation der Juden in Rom 1870, seither lebhafter Anteil am geistigen und politischen Leben; - Lit.: Vogelstein-Rieger, Geschichte der Juden in Rom; E. Loevinson, Roma Israelitica, 1927
  • 1870: In Amerika wird die American Palestine Exploration Society gegründet, die sich sogleich, die britischen Tätigkeiten ergänzend, an die Landvermessung und -kartographierung Ostpalästinas machte. Leider scheiterte das Vorhaben schon bald am Widerstand der Einheimischen östlich des Jordan, und die Gesellschaft löste sich nach kurzer Zeit auf. Darüber hinaus hatte die Gesellschaft, im Gegensatz zur gleichnamigen britischen Gesellschaft, eine religiöse Fundierung, ihr ging es in erster Linie um die Rechtfertigung der Bibel und darum, die Bibel als wahr zu erweisen, ein vollkommen anderer (und problematischer) Ansatz.
  • 1870: In Schweden wurden antijüdische Sondergesetze langsamer abgebaut als in anderen skandinavischen Ländern: 1870 blieben den Juden aber nur noch der Reichsrat und Ministerämter verwehrt. Ansonsten war die jüdische Emanzipation vollendet (seitdem Juden am kulturellen Leben beteiligt: Josephson, Levertin, Warburg, Grünewald)
  • 1870: Sandor Jaray geboren, jüdischer Bildhauer in Ungarn
  • 1870: Alfred Kastner geboren, virtuoser Harfenspieler
  • 1870: Henryk Glicenstein in Turek (Polen) geboren, Bildhauer und Maler, schuf symbolistische Figuren: "Messias", "Morgenland" u. a.
  • 1870: Arthur Korn geboren in Breslau, Elektrophysiker, seit 1914 Honorarprofessor der Technischen Hochschule Charlottenburg, führend auf dem Gebiet der Bildtelegraphie (1904 erste Bildübertragung, 1923 Übertragung Rom-Bar Harbour, USA), sein System seit 1928 von der preussischen Polizei benutzt
  • 1870: Chajim Tschernowitz (Pseud.: Raw zaïr, Raw Zair, "junger Rabbi") geboren, jüdischer Gelehrter (Talmud- und Traditionsforschung), Begründer der ersten modernen Jeschiwa (Odessa 1905), seit 1923 Prof. am "Jewish Institute of Religion" in New York; "Die Entstehung des Schulchan Aruch", 1915; Toledot ha-Halacha (Geschichte der Halacha), seit 1934
  • 1870: Heinrich Königswarter als Conte de Romano geadelt; er war koburg-gothaischer Diplomat in Paris ("Königswarter" = jüdische Familie aus dem tschechischen Ort Königswart stammend)
  • 1870: Ludwig Fraenkel geboren, Mediziner (Gynäkologie) in Breslau
  • 1870: Alexander Besredka geboren, Mediziner (Bakteriologe) in Paris
  • 1870: Oscar Bendiener geboren, Schriftsteller (Dramen)
  • 1870: Charles-Henri Hirsch geboren, französisch-jüdischer Prosa-Schriftsteller
  • Um 1870 (?): Georg Gronau geboren, Kunsthistoriker in Kassel
  • Um 1870: Die Tscherkessen wandern aus dem Kaukasus kommend in Palästina ein, sie bewahrten ihre Sprache und ihre Traditionen, heute leben im Norden des Staates Israel etwa 3 000 Tscherkessen. Die meisten Tscherkessen sind sunnitische Moslems; heute lebt die Mehrheit der Tscherkessen ausserhalb des Kaukasus, vor allem in der Türkei.
  • 1870: 1870 wurde die erste Landwirtschaftsschule in Palästina – Mikwe Israel – von der Alliance Israélite Universelle mit dem Ziel gegründet, Juden für die Feldarbeit zu schulen. Man begann dort mit Wein, der aus Europa importiert worden war, zu experimentieren. 1882 begann dann Baron Edmond de Rothschild mit der finanziellen Unterstützung des Weinbaues in Eretz Israel. In Rischon le-Zion und in Zichron Ja’akov wurden Weinkellereien errichtet. Beide Kellereibetriebe existieren noch, Carmel Mizrachi in Zichron Ja´akob ist der grösste Weinproduzent Israels. 1983 wurde in Katzrin der Golan Weinbaubetrieb eröffnet. Dort werden die „Yarden" „Gamla" und „Golan" Weine produziert. Auch andere Kellereien, wie Barkan oder Binjamina, bieten Weine und andere Getränke, die am nationalen wie internationalen Markt grosse Erfolge erzielen. Eine Besonderheit sind die Trauben, die im Negev angebaut und mit Salzwasser bewässert werden. Prof. Ben-Ami Bravdo von der Fakultät für Landwirtschaft in Rechovot der Hebräischen Universität experimentierte mit verschiedenen Sorten, bis eine geeignete für das Salzwasser gefunden wurde, die von Weinbauern im Negev kultiviert wird. Die ersten Ergebnisse wurden 1998 in Israel verkauft. Elisha Zurgil baut Wein im Kibbuz Sde Boker an, wo mit verschiedenen Bewässerungsarten (Süss- und Salzwasser) experimentiert wird.
  • 4.1.1870-31.1.1935: Davis Trietsch, geb. in Dresden, gest. in Tel Aviv, zionistischer Schriftsteller und Wirtschaftspolitiker, Mitherausgeber u. a. von "Ost und West"; lebte nach längeren Reisen durch Europa von 1893 bis 1899 in New York, wo er das jüdische Wanderungsproblem studierte, zu dessen Lösung er bereits 1895 die Kolonisation auf Zypern vorschlug; nach Anschluss an die zionistische Bewegung und Teilnahme am ersten Zionistenkongress als "Praktiker" stellte er ein Kolonisationsprogramm für „Gross-Palästina“ auf, das über Palästina hinaus auch Zypern und El-Arisch einschloss und das er jahrzehntelang in Büchern, Aufsätzen und Reden propagierte (Ende 1899 findet Herzl die Aktivitäten und die Idee „sehr vernünftig“, kann sich aber nicht öffentlich dafür erklären; schon Ende 1897 hielt Herzl es nicht für opportun, öffentlich darüber zu sprechen). Später lebte Davis Trietsch in Berlin; dort war er auch 1902 Mitbegründer des Jüdischen Verlages; seine schriftstellerische und publizistische Tätigkeit umfasste auch die Herausgabe von Karten und Diagrammen zur Entwicklung des jüdischen Lebens in aller Welt; - weitere Werke/Publizistik (Auswahl): Palästina-Handbuch, Berlin 1907 (5. Aufl. 1922); Bilder aus Palästina, Berlin 1912; Levante-Handbuch, 3. Aufl. Berlin 1914; Volk und Land (Zeitschrift, 1919); Palästina und die Juden. Tatsachen und Ziffern, Berlin 1919; Jüdische Emigration und Kolonisation, 2. Aufl. Berlin 1923; Atlas der jüdischen Welt, Berlin 1926; Palästina-Wirtschaftsatlas, 2. Aufl. Berlin 1926; Der Wiedereintritt der Juden in die Weltgeschichte, Mährisch-Ostrau 1926; Die Fassungskraft Palästinas, 2. Aufl. Berlin 1930
  • 8.1.1870-28.9.1942: Dr. phil. (Promotion 1894) Hermann Vogelstein, geb. in Pilsen; gest. im Exil in New York, war ein zu seiner Zeit führender liberaler Rabbiner in Deutschland; er studierte an den Universitäten Berlin und Breslau (orientalische Sprachen) und zugleich am Jüdisch-Theologischen Seminar in Breslau und an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin; in der Folge amtierte er als Prediger und Rabbinatsverweser in Oppeln (1895-1897), als Rabbiner in Königsberg (1897-1920) und Breslau (1920-1938); er war, wie sein Vater, ein entschiedener Gegner der nationaljüdischen Bewegung; 1938 emigrierte er nach England, 1939 in die USA; zusammen mit Paul Rieger schrieb er das Standardwerk Geschichte der Juden in Rom (2 Bände, Berlin 1895-96, englisch 1940); zu seinen weiteren Schriften gehören u. a. Die Landwirtschaft in Palästina zur Zeit der Mischnah – Der Getreidebau (Berlin 1894); Die Anfänge des Talmud und der Entstehung des Christentums (Königsberg 1902); Beiträge zur Geschichte des Unterrichtswesens in der jüdischen Gemeinde zu Königsberg in Preussen (1903); Der isr. Verein für Krankenpflege und Beerdigung Chewra kaddischa zu Königsberg in Preussen (1904); Militärisches aus der israelitischen Königszeit (1906); Zur Vorgeschichte des Gesetzes über die Verhältnisse der Juden vom 23. Juli 1847 (1909); Hermann Vogelstein war der erste Sohn von Heinemann Vogelstein und Bruder von Ludwig und Theodor Vogelstein sowie von Julie Braun-Vogelstein
  • 14.1.1870-29.9.1942: Ida Dehmel, geb. in Bingen, Selbsttötung in Hamburg, Lyrikerin, Frauenrechtlerin, im Kunsthandwerk tätige Unternehmerin; die als Ida Coblenz in Bingen am Rhein Geborene wurde als die zweite Ehefrau von Richard Dehmel bekannt; zuvor musste sie als Tochter einer reichen und konservativen jüdischen Familie 1895 den jüdischen Kaufmann Leopold Auerbach heiraten; diese Ehe verlief sehr unglücklich; in Bingen lernte sie Stefan George kennen; mit ihrem Mann zog sie nach Berlin und wurde im Friedrichshagener Dichterkreis heimisch; in diesem Kreis lernte sie auch Richard Dehmel kennen; nach ausgiebigen Reisen zogen beide in das als Dehmelhaus bekannt gewordene neue Domizil in Hamburg; nach dem Tod ihres Mannes gründete sie die GEDOK (Gemeinschaft deutscher und österreichischer Künstlerinnen aller Kunstgattungen); 1933 wurde sie aus diesem Kreis ausgeschlossen; immer mehr isoliert, von den Menschen enttäuscht und von schwerer Krankheit geplagt, nahm sie sich mit Schlaftabletten das Leben; vgl. Paula Dehmel (Dehmels erste Frau, 1862-1918)
  • 7.2.1870–1911: Robert Jaffé (alias Max Aram), Schriftsteller, schrieb u. a. den Roman "Ahasver"
  • 7.2.1870: Alfred Adler geboren in Rudolfsheim bei Wien, aus aschkenasischer Familie (vgl. bei Nathan b. Simeon Adler unter dem 16.12.1741), Nervenarzt in New York, Schüler Freuds, Begründer der Individualpsychologie; jüdischer Konvertit (1904 zum Protestantismus konvertiert); er starb in Aberdeen/Schottland am 28.5.1937; er sah den Hauptantrieb des Menschen im Streben nach Geltung und Macht, wobei der Mensch versucht ist, Minderwertigkeitskomplexe, die durch Benachteiligung gegenüber der Umwelt entstehen, zu kompensieren; er war seit 1929 Prof. in New York
  • 10.2.1870-24.9.1946: Max Osborn, geb. in Köln, gest. in New York, vielseitiger Kunstschriftsteller, Journalist und Publizist, 1894-1914 Hrsg. der Jahresberichte für neuere deutsche Literaturgeschichte, seit 1900 Redakteur der Berliner Nationalzeitung, seit 1910 Kritiker der Ullstein-Blätter, 1914-1923 Redakteur der Vossischen Zeitung (bis 1933 ihr Kunstreferent) und Präsident des Verbandes deutscher Kunstkritiker, 1933 Mitbegründer des Jüdischen Kulturbundes; 1938 emigrierte er nach Frankreich, 1940 in die USA; Hauptwerke: Die Teufel-Literatur des 16. Jahrhunderts, 1893; Berlin. Seine Kunststätten, 1909; Geschichte der Kunst, 1910 (70. Auflage 1933); M. Pechstein, 1922; Die Kunst des Rokoko, 1929; Memoiren: Der bunte Spiegel, 1945
  • 13.2.1870–11.11.1936: Dr. Osias Thon, polnischer Rabbiner und Zionist; organisierte die erste zionistische Jugendgruppe in Lemberg und gab dort 1888 ein erstes zionistisches Blättchen „Der Vecker“ heraus; er studierte an der Berliner Hochschule für die Wissenschaft des Judentums; 1897 wurde er Rabbiner von Krakau, was er bis zu seinem Tode blieb; er baute die zionistische Organisation in Polen auf und war polnischer Delegierter zu den Zionistenkongressen; 1919 wurde er in den Sejm, das polnische Parlament, gewählt
  • 13.2.1870-21.11.1938 Leopold Godowski (oft auch in der Schreibung Godowsky), geb. 13. Februar 1870 in der Nähe von Vilnius, heute Litauen, gest. 21. November 1938 in New York, USA, war polnisch-amerikanisch-jüdischer Pianist und Komponist; Godowsky hatte nur wenige Monate ernsthaften Klavierunterricht und war ansonsten Autodidakt; bereits im Alter von 20 Jahren war er Klavierlehrer am New York College of Music und nahm kurz darauf die US-amerikanische Staatsbürgerschaft an; später arbeitete er an den Konservatorien in Philadelphia und Chicago sowie an den Akademien in Berlin und Wien; sein bekanntester Schüler wurde Heinrich Neuhaus; 1930 setzte ein Gehirnschlag seiner Karriere ein Ende; Godowsky zählte zu den herausragenden Klaviervirtuosen seiner Zeit; nicht selten wird er sogar als „der Pianist der Pianisten“ bezeichnet; er galt aber sowohl im Konzert als auch in seinen Aufnahmen als gehemmt, sein ganzes Können zu zeigen; unter seinen Kompositionen stechen die Bearbeitungen die Originalwerke aus; einerseits sind zu nennen die 53 Studien zu den Etüden Frédéric Chopins, in ihnen wird der ohnehin schon hohe technische Anspruch dieser Werke noch erhöht, indem etwa Passagen von der rechten Hand in die linke verlegt werden, ganze Etüden ausschliesslich für die linke Hand gesetzt sind, zusätzliche Stimmen eingefügt oder gar mehrere Etüden kombiniert werden; daneben gibt es einige Paraphrasen zu Strauss-Walzern, die, ebenfalls von höchstem Schwierigkeitsgrad, mit dreihändigen Effekten glänzen (Aufteilung des Satzes so, als würden 3 Hände spielen); Arthur Rubinstein hielt ihn für einen unglücklichen Menschen, der nur (Piano) geübt, aber nicht gelebt hätte.
  • 3.3.1870-29.3.1951: Géza Maróczy, geb. in Szeged, gest. in Budapest, ungarischer Schach-Grossmeister; er spielte zunächst Fernschach; 1893/94 gewann er zusammen mit Rudolf Charousek das stark besetzte erste ungarische Fernturnier; Maróczys erster grosser Erfolg war der zweite Platz hinter Emanuel Lasker im Meisterturnier Nürnberg 1896; Anfang des 20. Jahrhunderts galt er als ernsthafter Anwärter auf den Titel des Schachweltmeisters, ein Wettkampf gegen Lasker kam jedoch aus finanziellen Gründen nicht zustande; in dieser Zeit gewann Maróczy die Turniere in Monte Carlo 1902 und 1904, Ostende 1905, Barmen 1905 und Wien 1908; in den folgenden Jahren war er schachlich wenig aktiv; aufgrund der politischen Ereignisse nach dem Ersten Weltkrieg musste Maróczy Ungarn verlassen; 1921 spielte er einen Wettkampf gegen den späteren Weltmeister Max Euwe, dessen Trainer er wurde; das Match endete unentschieden; er gewann das Turnier in Karlsbad 1923 (zusammen mit Aljechin und Bogoljubow) sowie Hastings 1924/25; bei drei Schacholympiaden (1927, 1930 und 1933) sowie bei der inoffiziellen Schacholympiade von München 1936 war er Spitzenspieler der ungarischen Mannschaft; 1950 gehörte er zu den ersten von der Weltschachorganisation FIDE ernannten Grossmeistern; er war auch schachliterarisch tätig, u. a. veröffentlichte er 1909 eine Biographie über Paul Morphy; ausserdem trainierte er die erste Frauenweltmeisterin Vera Menchik; als besonders stark galt er in der Verteidigung und im Endspiel, speziell im Damenendspiel; seine beste historische Elo-Zahl war 2820; diese erreichte er 1906; insgesamt lag er in 30 unterschiedlichen Monaten zwischen 1904 und 1907 auf Platz 1 der Weltrangliste
  • 6.3.1870-11.1.1954: Oscar Straus (Oskar Straus, eigentlich: Strauss), geb. in Wien, gest. in Bad Ischl, österreichisch-jüdischer Operettenkomponist; Oscar Straus war nicht verwandt mit der Walzerdynastie von Johann Strauss (Vater) und (Sohn); Straus schrieb um die Jahrhundertwende mehrere erfolgreiche Operetten, am bekanntesten davon ist Ein Walzertraum von 1907, und komponierte später am Broadway und in Hollywood; er lernte bei Max Bruch und hatte erste kleinere Erfolge als Kapellmeister in Brno und Teplitz-Schönau; in Berlin wirkte er beim ersten deutschen Musikkabarett, dem Überbrettl, mit, dort war auch der junge Arnold Schönberg für einige Zeit tätig; 1939 übersiedelte er nach Paris, später nach New York und Hollywood; erst nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte er nach Europa zurück; Werke (Auswahl): Die lustigen Nibelungen (Musik zur Burlesken Operette in drei Akten von Rideamus) (1904); Ein Walzertraum (Libretto von Felix Dörmann und Leopold Jacobsen) (1907); 'Eine Frau, die weiss, was sie will' (1932); Filmmusik zu La Ronde von Max Ophüls (1952)
  • 20.3.1870-14.2.1938: Arthur Eloesser, geb. u. gest. in Berlin, deutschjüdischer Literaturwissenschaftler und Journalist; Promotion 1893, die Habilitation scheiterte jedoch an den Bestimmungen des preussischen Staats, der immer noch die christliche Taufe dafür verlangte; daraufhin wandte sich Eloesser 1899 ganz dem Journalismus zu und arbeitete als Kritiker vor allem für die Vossische Zeitung; 1914 ging er als Dramaturg an das Berliner Lessing-Theater, sechs Jahre später wurde er Redakteur der „Freien Deutschen Bühne“ und unter Jacobsohn ständiger Mitarbeiter der „Weltbühne“; 1928 holte ihn Ullstein erneut in die Feuilletonredaktion der „Vossischen Zeitung“; nach der „Machtergreifung“ wechselte er zwangsweise zur „Jüdischen Rundschau“, war auch einer der Initiatoren des Jüdischen Kulturbunds; von 1934 bis 1937 ging er nach Palästina, kehrte dann aber wieder in das nationalsozialistische Deutschland, nach Berlin, zurück, wo er am 14.2.1938 starb; seine Frau Margarete Eloesser wurde 1942 nach Riga deportiert; das Grab von Arthur Eloesser befindet sich auf dem Wilmersdorfer Waldfriedhof in Stahnsdorf; Werke (Auswahl): "Das bürgerliche Drama. Seine Geschichte im 18. und 19. Jahrhundert", 1898; "Heinrich von Kleist. Eine Studie", 1905; "Die Strasse meiner Jugend", 1919 (Erinnerungen); "Thomas Mann. Sein Leben und sein Werk", 1925; "Elisabeth Bergner", 1926; "Die deutsche Literatur vom Barock bis zur Gegenwart", 1930/1931 (1300 Seiten, 2 Bände, ein Klassiker der Literaturgeschichtsschreibung, Eloesser verzichtet auf unnötige Zergliederung, auf jegliche Fussnoten und war um ein "schönes Druckbild" besorgt; der Verleger Bruno Cassirer setzte das grosse ehrgeizige Projekt kongenial um)
  • 7.4.1870-2.5.1919: Gustav Landauer, geb. in Karlsruhe, ermordet im Zuchthaus München-Stadelheim, deutsch-jüdischer Schriftsteller, Übersetzer, Sprachkritiker, Mystiker und einer der führenden Theoretiker und Aktivisten des Anarchismus in Deutschland (sog. Edel-Anarchist); befreundet mit Fritz Mauthner und Martin Buber; der Richtung Kropotkins nahestehend, beteiligte sich Landauer 1919 als Regierungsmitglied ("Beauftragter für Volksaufklärung") an der Münchner Räterepublik und wurde bei deren Niederwerfung durch Regierungstruppen nach seiner Gefangennahme ermordet, kremiert und auf dem Waldfriedhof in München bestattet; nach der Machtergreifung 1933 zerstörten die Nazis sein 1925 errichtetes Grabmal, schickten seine sterblichen Überreste der jüdischen Gemeinde von München und stellten ihr in zynischer Absicht darüber eine Rechnung; seitdem ruht er in einem Gemeinschaftsgrab zusammen mit Kurt Eisner auf dem Neuen Israelitischen Friedhof (am Münchener Nordfriedhof); - "Skepsis und Mystik", 1903; "Aufruf zum Sozialismus", 1911; "Shakespeare", 2 Bde., hrsg. von Martin Buber, 1920; Biographie von Martin Buber, 1929, der auch Hrsg. seiner Aufsätze über Sozialismus war
  • 13.4.1870-12.3.1941: Ernst Decsey (Décsey; früher: Deutsch; Pseudonym: Franz Heinrich), geb. in Hamburg, gest. in Wien, Jurist (Dr. iur. 1895), Musikschriftsteller, der führende Musikkritiker seiner Zeit, tätig in Graz (1908 Chefredakteur der Grazer Tagespost) und Wien (Neues Wiener Tageblatt); Prof.; Schüler von A. Bruckner; schrieb zahlreiche Musikerbiographien (A. Bruckner, H. Wolf, J. Strauss, Debussy usw.), Theaterstücke (Der Musikant Gottes, 1924) und 2 Opernlibretti; propagierte in seinen Schriften das "Musikland Österreich"; - Romane und Erzählungen: Du liebes Wien (Roman, 1911); Zigarettenrauch (Erzählungen, 1911); Die Insel der sieben Träume. Ein Reisebuch, 1912; Der kleine Herzog Cupidon (Roman, 1913); Die Theaterfritzl (Roman, 1915); Krieg im Stein (Erzählungen, 1915); Im Feuerkreis des Karsts (Erzählungen, 1916);Memoiren eines Pechvogels (Erzählungen, 1917); Die Stadt am Strom (Roman, 1918?); Das Theater unserer lieben Frau (Roman, 1927); Die Spieldose (Musikeranekdoten, 1928); - Theaterstücke und Libretti: Der Musikant Gottes (Co-Autor: Victor Léon), Theaterstück, 1924; Sissys Brautfahrt (Co-Autor: Gustav Holm), Lustspiel, 1931 (dieses Lustspiel wurde später Vorlage für die Operette "Sissy"); Die Kathrin, Libretto zur gleichnamigen Oper von Erich Wolfgang Korngold, 1937; Die Dame im Traum, (Co-Autor: Gustav Holm, Pseudonym für Dr. jur. Robert Weil, 1881-1950, auch als "Homunkulus" bekannt), Libretto zur gleichnamigen Oper von Franz Salmhofer, 1935
  • 17.4.1870–26.7.1923: Alexander Ellinger, Pharmakologe in Frankfurt
  • 21.5.1870–2.12.1919: Adolf Stand (Adolph Stand), Publizist, Journalist und zionistischer Propagandist, der seit 1896 an der Spitze der Lemberger Zionisten stand; 1895–1897 Herausgeber der polnisch-zionistischen Wochenschrift Przyszłość (Zukunft); er gründete auch Rocznik Zydowski (Jüdisches Jahrbuch); 1907–1911 Mitglied des österreichischen Parlaments; er war auch einige Jahre Mitglied des Grossen Aktionskomitees und von Herzls Auftreten restlos begeistert; am 17.9.1896 hatte er Herzl brieflich geraten, nicht nur an die Spitze der zionistischen Bewegung zu treten, sondern seine gleichzeitige journalistische Tätigkeit komplett aufzugeben: "Moses, Jesajas, Christus, Lasalle, Herzl, das werden Namen von Männern sein, welche Epochen schufen. Der Weg zur Unsterblichkeit steht Ihnen offen! Überschreiten Sie den Rubicon!" – Stand muss wohl auch sonst ein merkwürdiger Schwärmer gewesen sein, wie man dem Brief Herzls an Stand vom 7.3.1898 entnehmen kann: "Sehr verehrter Freund, zu Ihrer Verlobung sende ich Ihnen meine herzlichsten Glückwünsche. Ich erinnere mich dabei an die Forderung des Cölibats, die Sie einmal in einem Brief an mich aufstellten. Die Ansicht theilte ich nicht und bin überzeugt, dass unsere Bewegung Sie nicht an die Ehe verlieren wird. Mit herzlichen Zionsgrüssen für Sie und ihre liebe Braut Ihr ganz ergebener Th Herzl"
  • 27.5.1870: Israel Davidson in Janowo (Polen) geboren, bedeutender jüdischer Gelehrter, Prof. am Jewish Theological Seminary in New York; „ozar ha-schira weha-pijut“, Thesaurus of Med. Hebr. Poetry, 1925 ff.
  • 29.5.1870–26.10.1928: Felix Dörmann, Schriftsteller (Gedichte, Dramen)
  • 5.6.1870: Ferdinand Blumenthal geboren in Berlin, bedeutender Krebsforscher, 1905-1933 Prof. in Berlin, danach in Belgrad (gestorben 1941)
  • 17. Juni 1870–7.Februar 1943: Joseph Norden, geb. in Hamburg, gest. in Theresienstadt, liberaler Rabbiner, erst in Neustettin und Myslowitz/Oberschlesien, 1907-1935 in Elberfeld, Dr. phil. über Henry Home, er verbrachte den Ruhestand in seiner Heimatstadt Hamburg, wo er nach dem Pogrom 1938 wieder aktiv wurde, um den zuvor geflüchteten Rabbiner Bruno Italiener zu ersetzen; 1942 wurde Joseph Norden nach Theresienstadt deportiert, wo er 1943 umkam
  • 21.6.1870-2.5.1915: Clara Immerwahr, geb. in Polkendorf bei Breslau; Suizid in Berlin-Dahlem; deutsch-jüdische Chemikerin und engagierte Frauenrechtlerin, jüngste Tochter des Chemikers Dr. Philipp Immerwahr und dessen Ehefrau Anna Krohn; Clara Immerwahr wurde nach dem Studium 1900 als erste Frau an der Universität Breslau mit einer physikalisch-chemischen Arbeit promoviert („Beiträge zur Löslichkeitsbestimmung schwerlöslicher Salze des Quecksilbers, Kupfers, Bleis, Cadmiums und Zinks“); ihre Dissertation schrieb sie bei Richard Abegg in Breslau; im Jahr 1901 heiratete sie in Breslau den späteren Nobelpreisträger Fritz Haber (aus der Ehe ging ein Sohn hervor: Hermann, geb. 1.6.1902); als Haber im Verlauf des Ersten Weltkriegs als Abteilungsleiter die wissenschaftliche Verantwortung für das gesamte Kampfgaswesen übernahm, missbilligte Clara Immerwahr in aller Öffentlichkeit seine Unternehmungen als „Perversion der Wissenschaft“; als ihr Mann 1915 aufgrund eines „erfolgreichen“ Giftgaseinsatzes in Ypern befördert wurde, erschoss sie sich mit seiner Dienstwaffe auf der Wiese vor ihrer Villa; Haber zeigte sich davon unbeeindruckt und fuhr noch am selben Tag nach Galizien, um weitere Giftgaseinsätze vorzubereiten
  • 25.6.1870–23.12.1930: Wilhelm Spiegelberg, geb. in Hannover, gest. in München, Ägyptologe, seit 1923 o. Prof. in München
  • 30.6.1870-8.3.1955: Paul Lipke, geb. in Erfurt, gest. in Osterburg (Altmark), deutscher Schachspieler; nach 1898 begann er sich ins Berufsleben zurückzuziehen und beendete damit frühzeitig seine Meisterkarriere; Lipke war Schüler am Domgymnasium Magdeburg; nachdem er das Abiturexamen 1892 in Halle absolviert hatte, studierte er an der Universität Halle Jura und wurde 1897 Rechtsreferendar; danach arbeitete er als Rechtsanwalt in Halle (Saale) und Stendal; später verlegte er seine anwaltliche Praxis; seit Anfang Juli 1909 lebte er in Osterburg, das rund zwanzig Kilometer nördlich von Stendal liegt; Lipke erlernte das Schachspiel mit ungefähr 14 Jahren; während seiner Schulzeit wurde er Mitglied im Magdeburger Schachclub; bereits 1889 teilte er beim Breslauer Hauptturnier, das Emanuel Lasker gewann, den 5./6. Platz mit Ignaz von Popiel; Lipkes erster grosser schachlicher Erfolg war der Gewinn des Hauptturniers in Dresden im Jahr 1892, der nach den Regeln des Deutschen Schachbundes (DSB) zum Meistertitel und zur Teilnahme an den international besetzten DSB-Kongressen berechtigte; es folgten vordere Platzierungen in den Turnieren von Halle im selben Jahr (zweiter Preis) und Kiel 1893 (dritter Preis); Lipkes grösster Erfolg war der zweite Platz im internationalen Kongress zu Leipzig 1894, hinter Siegbert Tarrasch und noch vor Spielern wie Richard Teichmann und Joseph Henry Blackburne; in Eisenach kam es 1896 zu einem Wettkampf gegen Johann Berger, der nach sieben Partien (1:1, =5) unentschieden endete; beim stark besetzten „Kaiser-Jubiläums-Schachturnier“ in Wien 1898 teilte Lipke zusammen mit Géza Maróczy bei 19 Teilnehmern den achten Platz (es siegte Tarrasch nach Stichkampf gegen Harry Nelson Pillsbury, dahinter folgten Janowski und Steinitz; Lipke galt auch als starker Blindspieler und spielte bis zu zehn Partien gleichzeitig ohne Ansicht des Brettes; er war 1898 neben Berger Redakteur der Deutschen Schachzeitung und dabei für die Redaktion des Partienteils zuständig; Lipke war ausserdem Herausgeber der ab 1909 in Coburg erschienenen Deutschen Schachblätter; nachdem er sich früh vom ernsten Turnierschach abgewandt hatte, blieb Lipke in Schachvereinen aktiv, darunter (ab 1905) bei der Stendaler Schachgesellschaft; im Jahr 1927 war er Mitgründer des Osterburger Schachvereins, der bis zum Zweiten Weltkrieg bestand; auch danach beteiligte sich Lipke noch im hohen Alter am Schachleben seiner Heimatstadt; nach Berechnung seiner historischen Elo-Zahl zählte Lipke im Jahr 1894 mit einem Wert von 2725 zu den fünf besten Spielern der Welt
  • 4.7.1870-10.7.1939: Paul Rieger, geb. in Dresden, gest. in Stuttgart, jüdischer Gelehrter, Historiker und Reformrabbiner; als Rabbiner tätig in Potsdam von 1896 bis 1902, am Hamburger Tempel von 1902 bis 1916, in Braunschweig (hier Landesrabbiner) von 1916 bis 1922 und in Stuttgart (Stadtrabbiner) von 1922 bis 1939; er war deutschnational und lange Zeit auch antizionistisch eingestellt; Hauptwerke: Geschichte der Juden in Rom, 2 Bände, 1895 f. (zusammen mit Hermann Vogelstein); Hillel und Jesus, Hamburg 1904
  • 6.7.1870-1938: Alter Drujanow (auch: Alter Drujanoff oder Alter Drujanov), geb. in Druja, Litauen, gest. in Tel Aviv, hebräischer Schriftsteller und Publizist, Zionist (1899-1905 Sekretär des Odessaer Komitees, 1910-1914 in Odessa Redakteur des offiziellen Organs Haolam), Historiker des Frühzionismus und Volkskundler; nach dem Ersten Weltkrieg ging er nach Palästina, wo er u. a. gemeinsam mit Bialik mehrere Bände der hebräischen Sammelschrift für Folklore Reschummot herausgab; von Alter Drujanow stammt die erste umfassende Sammlung jüdischer Witze und Anekdoten; Werke (Auswahl): Ketawim le-toledot Hibbat Zion we Jischuw Erez Israel, 3 Bde., Bd. I Odessa 1918, Bd. II und III, Tel Aviv 1925/1932 (ausführliche Dokumentensammlung der Ära Pinsker); Sefer ha-Bedicha weha-Chidud ("Buch der Witze und Pointen"), 1922
  • 6.7.1870–16.11.1945: Jehudo Epstein (Jehuda Epstein), polnisch-jüdischer Maler; erhielt 1894 den Michael-Beer-Preis für sein Bild "Saul und David"
  • 10.7.1870-27.6.1939: Oskar Fischel, geb. in Danzig, gest. in London, deutsch-jüdischer Kunsthistoriker; er studierte Kunstgeschichte in Königsberg und bei Georg Dehio in Strassburg, wo er 1896 mit einer Dissertation über Raphaels Zeichnungen promovierte; 1900/1901 bearbeitete er die Kupferstichsammlung des Wallraf-Richartz-Museums in Köln, später die Bestände der Lipperheideschen Kostümbibliothek in Berlin; 1914 habilitierte er sich mit einer Studie über "Die bildende Kunst und die Bühne" an der Berliner Universität und wurde 1923 zum a.o. Prof. für Kunstgeschichte ernannt; die genannten Themen markieren die Spannweite seiner Interessen: Zur kunsthistorischen Forschung mit dem Schwerpunkt Raffael gesellte sich eine ebenso intensive Betätigung im Bereich der Theaterwissenschaften; eine didaktische Neuerung waren die von Fischel in Berlin eingeführten Übungen vor Originalen im Kaiser-Friedrich-Museum als Ergänzung zu den Vorlesungen an der Universität; daneben lehrte er auch an der Staatlichen Kunstschule und an der Schauspielschule von Max Reinhardt; seine pädagogischen und rhetorischen Fähigkeiten kamen bei öffentlichen Vorträgen und im Rundfunk zur Geltung; aus der engen Beziehung zu den Bühnenkünsten erwuchs der Plan zur Gründung eines Theatermuseums in Berlin; Fischel konnte dieses Vorhaben selbst nicht realisieren, doch trugen seine Ideen massgeblich zu einer Theaterausstellung in Magdeburg 1927 bei; auch mit den künstlerischen und volksbildnerischen Möglichkeiten des Films setzte er sich auseinander; seine kunstwissenschaftlich gewichtigste Leistung aber sind die grundlegenden Erkenntnisse über Raffael, die er in zahlreichen Abhandlungen brillant formulierte; auf der Flucht vor den Nazis starb Oskar Fischel in London; Werke (Auswahl): Tizian, 1904; Die Meisterwerke des Kaiser-Friedrich-Museums zu Berlin, 1912; Raphaels Zeichnungen, 8 Bände, Berlin 1913-1941; Raphael, 2 Bände, London 1948; Raphael, Berlin 1962
  • 19.7.1870: Ausbruch des Deutsch-Französischen Krieges
  • 21.7.1870-28.9.1932: Emil Orlik, geb. in Prag, gest. in Berlin, böhmischer Maler, Graphiker und Kunstgewerbler, Sohn des jüdischen Schneidermeisters Moritz Orlik und dessen Frau Anna, geborene Stein; seit 1905 Prof. an den Berliner Staatsschulen; besonders umfangreich sein grafisches Werk, das Bildnisse, Illustrationen, Reiseskizzen usw. umfasst; er entwarf auch im Auftrag des Kölner Schokoladeproduzenten Ludwig Stollwerck Sammelbilder für Stollwerck-Sammelalben
  • 29.7.1870: Leo Wolff geb. in Berlin; Kammergerichtsrat; 1924-1927 Vorsitzender, dann stellvertretender Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Berlin; Präsident des preussischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden
  • 2.8.1870-5.10.1927: Alfred Fuchs, geb. in Karolinental bei Prag, gest. in Wien, österreichisch-jüdischer Neurologe und Psychiater; von besonderer Bedeutung sind seine Untersuchungen über die Zerebrosinalflüssigkeit, die Fuchs-Rosenthalsche Zählkammer und die Messung der Pupillengrösse; Alfred Fuchs studierte an den Universitäten Prag und Wien, 1894 promovierte er zum Dr. med.; im Sanatorium Purkersdorf wurde er 1900 Assistent bei Richard von Krafft-Ebing (dessen Werke er nach dem Tod seines Lehrers herausgab) und Julius Wagner-Jauregg; 1905 habilitierte er sich in Psychiatrie und Neurologie und wurde 1912 Professor; bis zu seinem Tod war er im Obersteiner Sanatorium in Döbling tätig; Schriften: Therapie der anomalen vita sexualis bei Männern mit specieller Berücksichtigung der Suggestivbehandlung, Stuttgart 1899; Die Messung der Pupillengrösse und Zeitbestimmung der Lichtreaktion der Pupillen bei einzelnen Psychosen und Nervenkrankheiten, Leipzig 1904; Einführung in das Studium der Nervenkrankheiten, Wien 1911; Psychopathia Sexualis. Mit besonderer Berücksichtigung der konträren Sexualempfindung. Eine medizinisch-gerichtliche Studie für Ärzte und Juristen, Stuttgart 1918 (gemeinsam mit Krafft-Ebing); Die konträre Sexualempfindung u. a. Anomalien d. Sexuallebens, Stuttgart 1926
  • 12.8.1870–6.10.1931: Rudolf Goldscheid, Soziologe und Philosoph, führte den Begriff der "Menschenökonomie" ein, begründete 1909 die deutsche Gesellschaft für Soziologie
  • 19.8.1870-20.6.1965: Bernard Baruch (Bernard Mannes Baruch; Aussprache: be'ru:k), geb. in Camden, South Carolina, gest. in New York City, US-amerikanisch-jüdisches Finanz-Genie, Financier, Börsenspekulant, Wirtschaftspolitiker, jahrzehntelang finanzieller Berater des Weissen Hauses; im 1. Weltkrieg Leiter des Amts für Kriegsindustrie, er vertrat 1918/1919 die USA in der Delegation von Woodrow Wilson bei der Friedenskonferenz von Versailles; arbeitete mit Franklin D. Roosevelt den "New Deal" aus, reorganisierte 1939 die amerikanische Rüstungsindustrie, repräsentierte sein Land bei der Energiekommission der UNO; im 2. Weltkrieg kriegswirtschaftlicher Berater von F. D. Roosevelt, arbeitete 1946 den Baruch-Plan zur internationalen Kontrolle der Atomenergie aus; er liebte es, auf Parkbänken zu sitzen und mit vorbeikommenden Leuten über Regierungsangelegenheiten zu diskutieren; seine Familie war in die USA emigriert, weil sein Vater Simon Baruch 1855 der Einberufung in die preussische Armee entgehen wollte; von Bernard Baruch soll auch der Begriff "Kalter Krieg" für den Ost-West-Gegensatz nach dem Ende des zweiten Weltkrieges stammen
  • 15.9.1870-6.10.1953: Rahel Hirsch, geb. in Frankfurt am Main, gest. in London, deutsche Ärztin, sie war 1913 die erste Frau, die im Königreich Preussen zur Professorin für Medizin ernannt wurde; die von ihr entdeckte Durchlässigkeit der Schleimhaut des Dünndarms für grosskorpuskuläre Partikel in die Nierenkörperchen und die anschliessende Ausscheidung mit dem Harn wurde nach ihr Hirsch-Effekt benannt; sie wurde als eines von elf Kindern von Dr. Mendel Hirsch (1833-1900), dem Direktor der höheren Töchterschule der Israelitischen Religionsgemeinschaft in Frankfurt am Main, geboren; nach dem Abitur 1885 nahm sie ein Studium der Pädagogik auf, das sie 1889 abschloss; im Anschluss arbeitete sie bis 1898 als Lehrerin; um dem für sie unbefriedigenden Lehrerberuf zu entkommen, schrieb sie sich, weil das einer Frau in Deutschland nicht möglich war, an der Universität Zürich für ein Medizinstudium ein; kurz darauf wechselte sie nach Strassburg, wo sie im Juli 1903 ihr Staatsexamen ablegte; nach ihrer Promotion wurde sie Assistentin von Friedrich Kraus an der Berliner Charité; sie war damit nach Helenefriederike Stelzner die zweite Ärztin überhaupt in der Geschichte der Klinik; Rahel Hirsch widmete sich ausschliesslich der Forschung; ihr Interesse galt der Darmschleimhaut und dem von ihr in Experimenten beobachteten Effekt des Übergangs von Stärkekörnern vom Darmtrakt in den Harntrakt; mit ihren Befunden wurde sie im November 1907 als erste Frau eingeladen, sie der Konferenz der Gesellschaft der Chefärzte der Charité zu präsentieren; ihre Kollegen wiesen den von ihr beschriebenen und später belegten Vorgang jedoch als nicht stichhaltig zurück; gleichwohl blieb ihr medizinischer Ruf ungeschmälert; unter der Obhut von Kraus übernahm sie 1908 die Leitung der Poliklinik der II. Medizinischen Klinik der Charité und bekam 1913 als erste Medizinerin in Preussen den Professorentitel verliehen; eine Dozentur oder ein Lehrstuhl blieb ihr jedoch versagt; diese Behandlung durch die Klinik – auch in finanzieller Hinsicht, denn man zahlte ihr kein Gehalt – war der Grund, 1919 die Charité zu verlassen und sich vollständig auf ihre Praxis am Kurfürstendamm zu konzentrieren; die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten hatte für die Jüdin Hirsch zur Folge, dass ihr die Kassenzulassung entzogen wurde und sie Nichtjuden nicht mehr behandeln durfte; im Oktober 1938 gab sie ihre Praxis auf und floh im Alter von 68 Jahren nach London, wo eine ihrer Schwestern lebte; weil ihre Approbation durch die britischen Behörden nicht anerkannt wurde, hielt sie sich zunächst als Laborassistentin und später als Übersetzerin über Wasser; die letzten Lebensjahre verbrachte sie – geplagt von Depressionen, Wahnvorstellungen und Verfolgungsängsten – in einer Nervenheilanstalt am Rande Londons, wo sie am 6. Oktober 1953 im Alter von 83 Jahren verstarb; vier Jahre nach ihrem Tod griff Gerhard Volkheimer, Assistent von Hirschs früherem Kollegen Theodor Brugsch an der Charité, in seiner Habilitationsschrift die Befunde von Hirsch über die Durchlässigkeit der Nierenwand wieder auf und bestätigte sie; in Erinnerung an die Entdeckerin benannte er den bewiesenen Vorgang Hirsch-Effekt; der Staat Israel ehrte Hirsch mit der Aufnahme in die Galerie berühmter jüdischer Wissenschaftler in Jerusalem; die Charité besann sich erst sehr spät des Wirkens ihrer medizinischen Pionierin; 1995 wurde eine von Susanne Wehland gestaltete Bronzeplastik vor dem alten Hörsaal der Inneren Medizin der Klinik aufgestellt; seit 2006 heisst eine der neuen Strassen rund um den Berliner Hauptbahnhof nach ihr
  • 6.10.1870–3.4.1951: Ludwig Heilbrunn, geb. in Frankfurt am Main, gest. in Bühl/Baden (im Sanatorium), Rechtsanwalt in Frankfurt/M., Dr. iur, Justizrat, war 1907-1919 Herausgeber der Monatsschrift für Handel und Bankwesen, 1910-1918 Stadtverordneter, 1915-1918 Mitglied des Preussischen Abgeordnetenhauses (Fortschrittliche Partei), 1919-1921 Mitglied der Verfassunggebenden Landesversammlung (DDP), 1919-1933 Vorstand der Anwaltskammer Frankfurt, Ehrenbürger der Universität Frankfurt; emigrierte 1939 nach England; nach 1945 Ehrenmitglied der Anwaltskammer; Werke (Auswahl): Frankfurt im Sezessionskrieg, Frankfurt/M. 1926; Kaiserreich, Republik, Naziherrschaft, Hamburg 1947
  • 10.10.1870–10.10.1932: Hermann Küttner (seine Mutter ist eine geborene Gerson), Chirurg, o. Prof. in Breslau, Marinegeneralarzt, Militärarzt im Buren-, griechisch-türkischen und ersten Welt-Krieg; lieferte viele Arbeiten über Kriegschirurgie
  • 10.10.1870-23.4.1937: Josef Halban (früher: Blumenstock), geb. u. gest. in Wien, Gynäkologe, getauft, 1894 Promotion; 1909 a. o. Prof. an der Universität Wien, seit 1910 Vorstand der Gynäkologischen Abteilung des Krankenhauses Wieden; 1917 nobilitiert (Josef von Halban); er war verheiratet mit der Kammersängerin Selma Kurz (ebenfalls getauft), er schrieb verschiedene Abhandlungen, vor allem (gemeinsam mit Seitz) das grosse "Handbuch der Biologie und Pathologie des Weibes" (Berlin 1924-1929); "Ovar und Menstruation" (1901); "Topographie des weiblichen Uterus" (1901, mit. J. Tandler); "Gynäkologische Operationslehre" (1932)
  • 6.11.1870-5.2.1963: Sir Herbert Samuel (Herbert Louis Samuel), britischer Jude, Staatsmann und Philosoph. Herbert Samuel wurde in Liverpool geboren und in London erzogen. Seine Studien absolvierte er in Oxford. Im Alter von 18 Jahren wurde Samuel ein aktiver Liberaler. 1902 wurde er Mitglied des Parlaments, und 1906 erhielt er sein erstes ministerielles Amt im Home Office. 1909 wurde Samuel Kanzler des Herzogtums von Lancester mit einem Sitz im Kabinett, den ersten, den ein bekennender Jude innehatte. 1910 wurde er zum Generaldirektor der Post ernannt und 1914 Präsident der lokalen Regierung. Während des Ersten Weltkrieges begann Samuel an zionistischen Aktivitäten teilzunehmen. Er unterstützte Chaim Weizmann bei seinen Bemühungen, die schliesslich zur Balfour-Erklärung führten. 1920 wurde Herbert Samuel zum ersten Hochkommissar (High Commissioner) von Palästina ernannt, eine Position, die er bis 1925 innehatte. Während seiner Amtsperiode verdoppelte sich die jüdische Bevölkerung, jüdische Siedlungen wurden ausgeweitet, lokale Versammlungen organisiert, und das Hebräische als eine der drei offiziellen Landessprachen anerkannt. Dennoch, allgemein gesehen, war der Jischuw enttäuscht, da sich Samuel bemühte, die arabischen Extremisten zu besänftigen. Samuel kehrte nach England zurück und widmete sich weiterhin der Politik. 1928 wurde er wieder Abgeordneter im Unterhaus, 1931 Staatssekretär in der Ramsey MacDonald-Regierung, 1932 trat er wegen politischer Differenzen zurück. 1920 war Samuel zum Ritter geschlagen worden. 1937 wurde er Viscount. Von 1944 bis 1955 leitete er die Liberalen im Oberhaus. Samuels Interesse an der Entwicklung einer nationalen jüdischen Heimstätte schwand niemals. Er war ein immerwährender Unterstützer der Hebräischen Universität und Mitglied ihres Vorstandes. Er kämpfte gegen die antizionistische Politik, die 1939 in das Weissbuch übernommen wurde, und gegen die britische Haltung nach dem Zweiten Weltkrieg. Er starb in London.
  • 21.11.1870-28.6.1936: Alexander Berkman, geboren als Owsei Ossipowitsch Berkman in Wilna; Suizid in Nizza; Anarchist und Schriftsteller; er war ein führender Aktivist der anarchistischen Bewegung in den Vereinigten Staaten und arbeitete dort eng mit Emma Goldman zusammen, organisierte Kampagnen für Menschenrechte und gegen den Krieg; sein „ABC des Anarchismus“ wird bis heute verlegt; er wurde als Sohn eines wohlhabenden jüdischen Geschäftsmannes geboren; die Familie erhielt die Erlaubnis, sich in St. Petersburg anzusiedeln, obwohl in der damaligen Zeit der jüdische Zuzug in die Stadt unterbunden wurde; darin mag auch begründet sein, warum Berkman den russischer klingenden Namen Alexander annahm; später war er unter seinen Freunden vor allem als Sasha (die russische Kurzform für Alexander) bekannt; mit dem Tod des Vaters 1882 erlosch allerdings das Wohnrecht, und die Familie ging nach Kowno; sein Onkel Natanson führte ihn in die Gedankenwelt des Nihilismus ein; 1884 verfasste Berkman einen Schulaufsatz mit antireligiösem Inhalt und wurde zur Strafe um eine Klasse zurückversetzt; 1886 schloss er sich einer revolutionären Schülergruppe an und wurde nun der Schule verwiesen; er kam auf eine Schwarze Liste, wodurch ihm die Aufnahme an anderen Schulen und das Studium an einer Universität verwehrt blieb; als 1888 auch noch seine Mutter starb, emigrierte Berkman im Alter von 17 Jahren in die USA; in New York City wurde er Lehrling in der Druckerei von Johann Most und erlernte das Handwerk des Schriftsetzers; er beteiligte er sich an der Kampagne zur Freilassung der Betroffenen des Haymarket-Aufstands von 1887 in Chicago; 1889 lernte er Emma Goldman kennen, die eine Zeit lang seine Lebensgefährtin wurde und mit der ihn später eine lebenslange Freundschaft verband; beeinflusst von Johann Mosts Konzept der "Propaganda der Tat" versuchte Berkman 1892, den Stahlindustriellen Henry Clay Frick zu erschiessen; Frick hatte bei einem Streik in seinem Stahlwerk Streikbrecher der Pinkerton-Agentur (Detektiv-Büro) angeheuert; im Laufe der Auseinandersetzungen zwischen Streikenden und Streikbrechern wurden innerhalb eines Tages zehn Menschen getötet und sechzig verwundet, bevor schliesslich der Gouverneur von Pennsylvania das Kriegsrecht verhängte; nachdem Berkman in Fricks Büro vorgedrungen war, schoss er dreimal auf ihn und stach zweimal erfolglos mit einem vergifteten Messer zu; Berkman wurde infolge der Tat wegen Mordversuchs zu 22 Jahren Haft verurteilt, wovon er 14 Jahre (1892-1906), viele davon in Einzelhaft, im Gefängnis verbrachte; seine Freilassung hatte er dem Versuch einiger korrupter Politiker zu verdanken, inhaftierte Freunde, welche den Staat um mehrere Mio. US-Dollar betrogen hatten, durch ein Gesetz frei zu bekommen, das alle Strafen um ein Drittel zu kürzen vorsah; da die verurteilten Politiker aber Gefangene nach Bundesrecht waren, blieben sie weiter in Haft; Berkman fiel jedoch unter diese Regelung und kam am 18. Mai 1906 frei; physisch angeschlagen nahm Berkman nach der Haft wieder Kontakt zu Emma Goldman auf; von 1906 bis 1915 schrieb er Artikel für ihre Zeitung Mother Earth; die Publikation trat insbesondere für die Geburtenregelung ein, weshalb Emma Goldman zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde, so dass Berkman kurzzeitig die Redaktion der Zeitschrift übernahm; zwischen 1906 und 1914 unternahm Berkman Vortragsreisen durch die USA, wobei er immer wieder verhaftet oder auf andere Weise behindert wurde, indem z. B. seine Versammlungen aufgelöst wurden; später schloss er sich wieder mit Emma Goldman zusammen und trug zum Mother Earth Bulletin bei; in dieser Zeit setzte er seine Vortragstätigkeit fort, half dabei, Arbeiter und Arbeitslose zu organisieren und führte diverse Kampagnen für Menschenrechte durch; ab 1914 zeigten Berkman und Emma Goldman Opposition zum Ersten Weltkrieg, als die USA sich 1917 beteiligten, kämpften sie gegen Rekrutierungen, indem sie u. a. zur Kriegsdienstverweigerung aufriefen; an dem Bombenattentat auf die „Preparedness Day Parade“ vom 22.7.1916 (eine Art Kriegsparade der USA) wurde ihnen die geistige Mitschuld gegeben und beide zwischen 1917 und 1919 mehrere Male verhaftet; 1919, auf dem Höhepunkt der Palmer-Razzien, wurden Berkman, Goldman und hunderte andere Radikale mit der UST Buford in die Sowjetunion abgeschoben; sowohl Berkman als auch Goldman unterstützten zunächst die Bolschewiken; 1920 traf sich Berkman in Moskau mit Augustin Souchy; nachdem Berkman und Goldman die Folgen der Oktoberrevolution aus eigener Anschauung miterlebten, wurden sie zunehmend desillusioniert; die brutale Unterdrückung des Aufstands von Kronstadt 1921 führte endgültig zu ihrem Bruch mit dem Bolschewismus; Berkman und Goldman hatten sich für die Matrosen eingesetzt; als der Aufstand niedergeschlagen wurde, emigrierten beide über Schweden nach Berlin; ihre Versuche einer libertären Kritik am Bolschewismus waren nur mässig erfolgreich; in Deutschland sammelten sie 1922 Gelder für die inhaftierten Anarchisten in der Sowjetunion; zwar halfen sie zu verhindern, dass sich die Hauptorganisationen des internationalen Anarchismus und Syndikalismus der sowjetisch dominierten Dritten Internationalen anschlossen, die linksradikale Bewegung folgte jedoch überwiegend dem sowjetischen Weg; 1923 erlangten Berkman und Goldman durch die Unterstützung von Romain Rolland, Bertrand Russell, Thomas Mann und Albert Einstein die Einreiserlaubnis nach Frankreich; Berkman verbrachte seine letzten Jahre unter schlechten Lebensumständen als Verlagslektor und Übersetzer in St. Tropez; nachdem er die gesundheitlichen Schäden seiner Haft nie wirklich überwunden hatte, wurde er in den letzten Jahren von Prostatakrebs gequält; er litt unter konstanten Schmerzen und war auf finanzielle Hilfe seiner Freunde angewiesen; am 28. Juni 1936, zwei Wochen vor Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs, beging er Suizid mit Hilfe einer Schusswaffe; seine Freundin Emma Goldman konnte noch rechtzeitig an sein Sterbebett eilen und ging nach seinem Tod nach Spanien, um der Spanischen Republik im Kampf gegen die Franquisten zu helfen; neben seinen zahlreichen Zeitschriften-Artikeln veröffentlichte Berkman diverse Bücher; in seinen Gefängnisjahren schrieb er die „Prison Memoirs of an Anarchist“; aus den Erfahrungen mit der Oktoberrevolution entstand 1925 „The Bolshevik Myth“, ein Buch, das sowohl wegen seiner literarischen Qualitäten als auch wegen seines dokumentarischen Wertes anerkannt wurde; sein Hauptwerk, „The ABC of Communist Anarchism“ hatte er im Exil in Frankreich verfasst
  • 7.12.1870-19.3.1932: Richard Specht, geb. und gest. in Wien, österreichisch-jüdischer Lyriker, Dramatiker, Schriftsteller, Musikwissenschaftler; bekannt ist er vor allem für seine Schriften über klassische Musik und galt zu seiner Zeit als einer der führenden Musikpublizisten; er war mit Arthur Schnitzler befreundet; Richard Specht engagierte sich massgeblich für die Musik Gustav Mahlers und gehörte zu den regelmässigen Gästen im Salon von Mahlers Witwe Alma Mahler-Werfel; er war unter anderem Mitarbeiter des „Wiener Illustrierten Extrablatts“ und anderer Wiener Zeitungen, Gründer und Mitherausgeber der Wiener Halbmonatsschrift „Der Merker“ ab 1910, die er bis 1919 leitete; 1925 wurde er zum Professor an der Wiener Akademie für Musik und darstellende Kunst ernannt; Hauptwerke: Gustav Mahler, 1905; Richard Strauss und sein Werk (2 Bde.), 1920/1921; Julius Bittner, 1921; E. N. v. Reznicek, 1922; Brahms, 1928 (engl. 1930); Puccini, 1931 (engl. 1933)
  • 25.12.1870-1.4.1965: Helena Rubinstein (geborene Chaja Rubinstein), US-amerikanische Kosmetikerin und Mäzenin polnisch-jüdischer Herkunft, eine der reichsten Frauen ihrer Zeit, geb. in Krakau, gest. in New York; sie gründete in den USA das grösste Kosmetikunternehmen (Helena Rubinstein S. A.) der Welt mit dem Firmensitz in East Hills, Long Island, und leitete, selbst äusserst sparsam, das Firmenimperium bis kurz vor ihrem Tod
  • 1870/1871: Deutsch-Französischer Krieg; fast 4500 jüdische Feldzugsteilnehmer
  • Nach 1870: Paul Kent, Jurist (gewerblicher Rechtsschutz)
  • Nach 1870: Leo Grünstein, Kunsthistoriker Wien
  • Nach 1870: Grete Jacobsen, Schauspielerin
  • Nach 1870: Jurij Paen (Pän) in Nowo Alexandrowsk (Gouvernement Kowno) geboren, jüdischer Maler, der einen neuen Realismus vertrat
  • Nach 1870: J. Kahan, neuhebräischer Dichter
  • Nach 1870: D. Schimonowitz, neuhebräischer Dichter
  • Nach 1870: S. Schneur, neuhebräischer Dichter
  • Nach 1870: Gerschom Schofmann, neuhebräischer Schriftsteller
  • Nach 1870: J. Fichmann, neuhebräischer Essayist
  • Nach 1870: E. Steinmann, neuhebräischer Essayist
  • Nach 1870: Robert Pollak, Violinist
  • Nach 1870: Franz Nagelschmidt, Röntgenologe in London
  • Nach 1870: Joseph Chapiro, Theatermann, Übersetzer, bedeutender Briefwechsel (1920-1936) zwischen Gerhart Hauptmann und Chapiro, der dessen "Eckermann" war
  • Nach 1870: Templer, fromme evangelische Siedler, wanderten aus Schwaben Ende des 19. Jhdts. nach Palästiana aus, wo sie in eigenen Siedlungen wohnten
  • Seit 1870: Niederlande: Vertretung der Judenschaft der Niederlande ist die seit 1870 bestehende "Zentralkommission für die allgemeinen Angelegenheiten der niederländisch-israelitischen Kirchengenossenschaft"
  • Seit 1870: Balkanländer. Die Lebensbedingungen der Juden des Balkans verbesserten sich nach den Reformen der k.u.k.-Monarchie.
  • 1870–1872: Hahambaşı: Yakir Geron
  • 1870–7.3.1891: Moses Reines, geb. in Lida, Litauen, wo sein Vater Jizchak Jakob Reines als Rabbiner amtierte, gest. ebenfalls in Lida, war der Verfasser historischer Schriften zur jüdischen Kultur in Russland sowie zur Geschichte verschiedener Talmudhochschulen (Jeschiwot) in Russland; wichtig ist vor allem sein Werk "Dor wechachamaw" ("Geschichtsbilder aus der Gegenwart. Beitrag zur Geschichte der jüdischen Literatur"), Krakau 1890
  • 1870 (?) – 1919: Dr. Feibusch (Philipp) Awinowitzky, russischer Arzt und sehr aktiver Zionist, hatte sich zu Beginn der 1890er Jahre in Odessa niedergelassen; 1903 wurde er zum stellvertretenden Rabbiner in Odessa gewählt, von der russischen Regierung aber erst 1905 bestätigt; - erhielt Anfang 1900 vom Chef des russischen Polizeiwesens die Drohung, dieser würde „die zionistische Bude zuklappen“, Herzl sandte ihm – für den Fall der Fälle – sein, Herzls, vom Zaren Nikolaus II. positiv aufgefasstes zionistisches Exposé (das der Zar über den Grossherzog von Baden erhalten hatte)
  • 1870–um 1925: Dr. Rudolf Schauer, Rechtsanwalt und Justizrat in Bingen, später Mainz; Mitbegründer der „Nationaljüdischen Vereinigung für Deutschland“, Delegierter auf dem Ersten Zionistenkongress, einer der wenigen Duzfreunde Herzls innerhalb der zionistischen Bewegung
  • 1870–1932: Benjamin Berstein (Ibry), geb. in Staraja Uliza/Odessa, Zionist, der längere Zeit in England, in der Schweiz und in Italien lebte; vor dem ersten Weltkrieg hielt er sich in Palästina auf, um Land zu kaufen; freundlicher Kontakt zu Herzl 1897
  • 1870–1936: Bertha Juliette de Rothschild, verheiratet mit Baron D. E. Leonino (UK)
  • 1870–21.3.1937: Felice Ravenna, italienischer Rechtsanwalt, Präsident der jüdischen Gemeinde Ferrara, einer der ersten italienischen Zionisten, nahm am 2. Zionistenkongress als Besucher und ab dem dritten als Delegierter und Mitglied des Grossen Aktionskomitees und verschiedener Kommissionen teil
  • 1870–1941: Adolf Reichenthal (Adolf Abraham Isaak Reichenthal), ungarischer Rabbiner, Delegierter für Ungarn ab dem fünften Kongress, er nahm 1904 an der ersten Konferenz der Vereinigung der toratreuen Zionisten (Misrachi) in Pressburg teil
  • 1870–16.7.1943: Dr. Saul Raphael Landau (Saul Rafael Landau), geb. in Krakau, gest. in New York, Wiener Rechtsanwalt und Publizist; früh überzeugter Zionist, lieferte Beiträge für jüdische Zeitschriften, besonders für deutschsprachige und polnische Blätter, u. a. auch für Birnbaums Selbst-Emancipation; seit 1892 im Vorstand des Wiener "Admath Jeschurun"; 1893-1895 Dozent für Geschichte der Juden in Polen an der Wiener Israelitisch-Theologischen Lehranstalt; in dieser Zeit auch Mitarbeit an der "Allgemeinen Zeitung des Judenthums", an der Berliner "Jüdischen Presse" und am Organ der Lemberger Nationaljuden; Mitunterzeichner des ersten Aufrufes des Verbandes Zion (Anfang Februar 1893); trat 1895 mit Herzl in Verbindung, dessen Mitarbeiter er wurde, Anregung eines zionistischen Zentralorgans, 1897 wurde er der erste Chefredakteur der von Herzl ins Leben gerufenen zionistischen Wochenzeitschrift „Die Welt“ (blieb es bis Juli 1897); als Mitglied der Programmkommission des I. Kongresses an der Ausarbeitung des Baseler Programms beteiligt; trennte sich aber nach einem Zerwürfnis von Herzl und gründete eine selbständige zionistische Organisation der jüdischen Arbeiter und Angestellten, "Achwah" (1898 Gründung und Herausgabe der Monatsschrift "Der jüdische Arbeiter"); 1899 Mitarbeit an Blochs "Österreichischer Wochenschrift", die gegen Herzl polemisierte; schrieb gehässige, gegen Herzl und sein Werk gerichtete Artikel; Mitarbeit am nationaljüdisch-nichtzionistischen "Jüdischen Volksblatt", in seinen Überlegungen nahm Landau die Ideen des Poale-Zionismus teilweise vorweg; Landau gab dann 1907-1917 die „Neue Nationalzeitung" heraus (das ehemalige "Jüdische Volksblatt" nach Übernahme und Umwandlung); seine Erzählungen wurden in Zeitschriften veröffentlicht, „Unter jüdischen Proletariern“ war erstmals (1898) in der „Welt“ zu lesen; 1897: Sionizm (polnisch); 1907: "Der Polenklub und seine Hausjuden. Grundlinien der jüdischen Volkspolitik in Österreich"; 1937 erscheinen in Wien seine Memoiren: „Sturm und Drang im Zionismus: Rückblicke eines Zionisten vor, mit und um Theodor Herzl“ (bringt auch zahlreiche Briefe Herzls); nach dem "Anschluss" Österreichs ging Saul Raphael Landau 1939 nach London, 1941 in die USA
  • 1870–1944: David Feiwel Markus, aschkenasischer Oberrabbiner von Konstantinopel seit 1901 (ausgebildet in Russland, Köln und auf der Universität Bonn); er vereinigte dort fünf kleinere Gemeinden in eine Grossgemeinde; 1903 gründete er die vier Schulen des „Hilfsvereins der deutschen Juden“ in Konstantinopel, die er bis 1923 leitete
  • 1870–1945: Friedrich Fürst Wrede (Pseudonym: Friedrich vom Stein), österreichischer Schriftsteller, christlicher Zionist; u. a. veröffentlichte er 1900 in Buchform einen Kulturroman des modernen Judentums „Die Goldschilds“, der bereits 1898 in der „Welt“ erschienen war
  • 1870–1961: Alfred Lakos, ungarisch-jüdischer Maler
  • 1870–1965: Jacob Rosenheim (auch Jakob Rosenheim), geb. in Frankfurt am Main, gest. in Jerusalem, deutscher Verleger, Führungspersönlichkeit der selbständigen jüdischen Orthodoxie und Präsident der Agudas Jisroel, die er begründet hatte und die zur Weltorganisation des gesetzestreuen Judentums wurde; von 1906 bis 1935 war er Herausgeber des Israelit und Vorsitzender der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main; von 1940 bis 1950 lebte er im Exil in den USA und ging dann nach Israel; Werke (Auswahl): Was will Agudas Jisroel? Frankfurt am Main 1912; Was will, was ist Agudas Jisroel? Halberstadt 1919; Beiträge zur Orientierung im jüdischen Geistesleben der Gegenwart, Zürich 1920; Abrahamitisches oder mosaisches Judentum? 1924; Oholei Jakov: Ausgewählte Aufsätze und Ansprachen, 2 Bände, Frankfurt a. M. 1930; Agudistische Schriften, Frankfurt am Main 1931; Samson Raphael Hirsch's Cultural Ideal and our Times, London 1951; Erinnerungen. 1870-1920, herausgegeben von Heinrich Eisemann und Herbert N. Kruskal, Frankfurt am Main 1970; Literatur: H. Schwab, Jacob Rosenheim, 1925; Festschrift für Jacob Rosenheim anlässlich der Vollendung seines 60. Lebensjahres dargebracht von seinen Freunden, J. Kauffmann, Frankfurt am Main 1931

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Zeitungen und Zeitschriften

  • Seit 1870: Philanthropin: Einladungsschriften zu den öffentlichen Prüfungen der Real- und Volksschule der israelitischen Gemeinde zu Frankfurt a. M. - Jahresberichte über die Real- und Volksschule der israelitischen Gemeinde zu Frankfurt a. M. - Programme der Realschule und Volksschule der israelitischen Gemeinde (Philanthropin) zu Frankfurt a. M.; die 'Einladungsschriften', 'Jahresberichte' und 'Programme' des Philanthropins wurden im Auftrag der Anstaltsleitung vor bzw. nach Abschluss eines Schuljahres herausgegeben; den Direktoren Michael Hess (1782-1860), Hermann Baerwald (1828-1907), Salo Adler (1857-1919) und Otto Iwan Driesen (1875- nach 1921) war ein 'Schulrat' beigeordnet, der mehrheitlich von Vertretern der Frankfurter israelitischen Gemeinde besetzt war; die Real- und Volksschule der israelitischen Gemeinde zu Frankfurt a. M., das sog. Philanthropin, veröffentlichte in Jahresabständen Schulberichte und Programme sowie Einladungsschriften, die den Zeitraum von 1869 bis 1909 abdecken; das 1804 von Siegmund Geisenheimer (1775-1828) zur Förderung jüdischer Waisenknaben gegründete Institut entwickelte sich zu einer der bedeutendsten jüdischen Schulen Deutschlands; die Anstalt, die bald um Handwerks-, Realschul- und Mädchenklassen erweitert wurde und auch christlichen Schülern offenstand, propagierte früh einen dezidiert traditionskritischen Lehrplan, wobei insbesondere der säkularisierte Religionsunterricht in der Frankfurter israelitischen Gemeinde wiederholt für Konflikte sorgte; das Philanthropin, das in den 1870er Jahren bis zu 900 Schüler aufwies, bestand bis zu seiner Auflösung 1942 durch die Nationalsozialisten (Wiedereröffnung im Jahre 2006)
  • Seit 1870: Turkestanski Kurier, in Taschkent/Turkestan in russischer Sprache erscheinende Zeitschrift
  • 1870–1872: The Australian Israelite, in Melbourne erscheinendes Presseerzeugnis
  • 1870–1873: Revue Israélite, in Paris wöchentlich in französischer Sprache erscheinendes literarisches Blatt
  • 1870–1876: Hazofe baarez hachadascha, in New York erscheinendes Wochenblatt nationaljüdischer Richtung in hebräischer Sprache
  • 1870–1894: Israelitische Wochenschrift für die religiösen und sozialen Interessen des Judentums, in Breslau wöchentlich in deutscher Sprache erschienenes konservatives Blatt

1870 in Wikipedia