Jewiki unterstützen. Jewiki, die größte Online-Enzyklopädie zum Judentum.

Helfen Sie Jewiki mit einer kleinen oder auch größeren Spende. Einmalig oder regelmäßig, damit die Zukunft von Jewiki gesichert bleibt ...

(Spendenkonto siehe Impressum). Vielen Dank für Ihr Engagement!

Alfred Flechtheim

Aus Jewiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Alfred Flechtheim um 1910. Porträtfotografie von Jacob Hilsdorf

Alfred Flechtheim (geb. 1. April 1878 in Münster, Westfalen; gest. 9. März 1937 in London) war ein deutscher Kunsthändler und Verleger.

Leben

Flechtheim wurde in Münster als Sohn des Getreidehändlers Emil Flechtheim geboren und absolvierte eine Kaufmannslehre in Paris, London, Liverpool und Südrussland. Danach wurde er Galerist und Kunsthändler. 1913 eröffnete er in der Düsseldorfer Königsalle eine eigene Galerie; Depandancen in Frankfurt, Köln und Berlin (Bleibtreustr. 15) sowie Wien folgten. 1921 siedelte er nach Berlin über, wo er die Kunstzeitschrift Der Querschnitt gründete. In Berlin entstanden auch die Porträts von Otto Dix und Frieda Riess, die Flechtheim in seiner Berufung als Kunsthändler zeigen.

Künstlervertretung als Galerist

Datei:Bildnis Alfred Flechtheim.jpg
Hanns Bolz: Porträt Alfred Flechtheim, 1910 - Reiff-Museum Aachen

Flechtheim war Mitbegründer des Sonderbundes und dessen Schatzmeister und handelte zunächst mit Werken der Düsseldorfer Malerschule. Später vertrat er Arnold Böcklin, Paul Cézanne, Lovis Corinth, Gustave Courbet, Paul Gauguin, Vincent van Gogh, Ferdinand Hodler, Max Liebermann, Édouard Manet, Claude Monet, Odilon Redon, Pierre-Auguste Renoir, Paul Signac, Max Slevogt und Wilhelm Trübner sowie Georges Braque, Erich Heckel, Henri Matisse, Alexej von Jawlensky , August Macke, Edvard Munch und Pablo Picasso. Auch den Impressionisten galt sein Interesse. Im Sommer 1914 stellte er erstmals deutsche Künstler aus dem Kreis des „Café du Dôme“ - Rudolf Grossmann, Rudolf Levy und Wilhelm Lehmbruck in der Ausstellung „Der 'Dome'“ in Düsseldorf aus. Während des Ersten Weltkrieges gab Flechtheim seine Galerie auf, die Bestände wurden 1917 in der ersten Auktion mit zeitgenössischer Kunst in Deutschland bei Paul Cassirer und Hugo Helbing in Berlin versteigert.

Der Neuanfang setzte mit der Ausstellung „Expressionisten“ ein. Bis 1933 fanden über 150 Ausstellungen in seinen Galerien statt, zum Kundenkreis gehörten viele bedeutende deutsche Kunstmuseen. Zu den von ihm vertretenen Künstlern gehörten Pablo Picasso, Georges Braque, Paul Klee, George Grosz, Max Beckmann, Peter Janssen, Arno Breker, Aristide Maillol, Hanns Bolz, Hans Breinlinger, Eberhard Viegener u. a. Im März 1933 gründete Alex Vömel eine eigene Galerie in den früheren Geschäftsräumen der Galerie Flechtheim. Flechtheim war auch als Verleger sehr bedeutend: 1921 Herausgabe der „Mitteilungen der Galerie Flechtheim“, später „Der Querschnitt. Marginalien der Galerie Flechtheim“; 1931/32 die Zeitschrift „Omnibus“.

Zeit ab 1933

Vor den Nationalsozialisten floh Flechtheim wegen seiner jüdischen Abstammung im Oktober 1933 über Paris und Zürich nach London. Flechtheim schrieb am 1.10.1933 an Oskar Reinhardt: "Ich habe gestern Berlin u. zwar für immer verlassen. Meine Galerie da und in D'dorf werden geschlossen. Hofer, Kolbe u. wahrsch. auch Renée sind diffamiert! Was soll ich noch tun? [...] Hätte ich mich nicht mit Hofer, Kolbe, Renée, Klee, mit den Franzosen beschäftigt, kümmerte man sich nicht um mich! Ja, man hat mir angedeutet, daß, wenn ich auf diese Künstler verzichte, ich ruhig weiter Kunsthändler sein dürfte!!! Dann lieber richtig arm im Ausland als Verräter!" Bis zur Emigration 1935 wiederholte Aufenthalte in Deutschland, Frankreich, Italien und der Schweiz. Ende 1936 stürzte Flechtheim bei Glatteis in London und zog sich eine Blutvergiftung zu, in deren Folge ihm ein Bein amputiert wurde. Am 9. März erlag Flechtheim den Folgen der schweren Operation in einem Londoner Krankenhaus.

In der Düsseldorfer NS-Propaganda Ausstellung "Entartete Kunst" wurde 1938 posthum ein großes Foto von Flechtheim gezeigt, das ihn und die von ihm vertretene Kunst mit dem Kommentar „Der Jude, der Großmanager dieser Kunst“ diffamierte. Weitere posthume Diffamierung (neben anderen) durch Wolfgang Willrich „Säuberung des Kunsttempels. Eine kunstpolitische Kampfschrift zur Gesundung deutscher Kunst im Geiste norddeutscher Art“ (1937).

Um 1934 schrieb Alfred Flechtheim an George Grosz: „…jetzt bin ich so zieml. über ½ Jahr draußen. Meine deutschen Galerien sind finanziell völlig zusammengebrochen u. nur mit Mühe und viel Aufregung ist es meinem Liquidator gelungen, einen Concours zu vermeiden. Meine Gläubiger bekommen 20 %. Es ist ihm gelungen mich vor voelligem Concurs zu retten. Meine sämtlichen Bilder habe ich meiner Masse zugeführt. Ich verkaufe sie für Rechnung der Gläubiger in London, wo ich jetzt 2 Monate weilte u. hoffe, irgendwie festen Fuß zu fassen…- In Deutschland ist alles aus für mich ein fremdes Land ohne Geld in diesen Zeiten! Du kannst Dir denken, wie meine Frau und ich leiden."

Zitat

Ein Grund dafür, daß die Kunst der Lebenden nicht als Kapitalsanlage gilt, ist, daß während der Inflationszeit wahllos von unverständigen Menschen Werke aller möglichen Dilettanten als Sachwerte gekauft wurden und daß Bilder lebender Maler zu tausenden von Dollars heraufgetrieben wurden, zu Preisen, die dann später selbst von den Händlern dieser Maler nicht gehalten wurden. Im Bankgewerbe nennt man das eine faule Emission.

Alfred Flechtheim, 1931

Literatur

  • Hans Albert Peters: Alfred Flechtheim – Sammler, Kunsthändler, Verleger. 1937, Europa vor dem 2. Weltkrieg. Ausstellungskatalog. Kunstmuseum, Düsseldorf 1987
  • Ralph Jentsch: Alfred Flechtheim – George Grosz. Zwei deutsche Schicksale. Weidle Verlag, Bonn 2008
  • Alfred Flechtheim: "Nun mal Schluß mit den blauen Picassos". Gesammelte Schriften (herausgegeben von Rudolf Schmitt-Föller, mit einem Vorwort von Ottfried Dascher), Weidle Verlag, Bonn 2010, ISBN 978-3-938803-21-9.
  • Ottfried Dascher: Flechtheim und Dortmund. Eine Spurensuche, in: Verlust der Moderne. Kunst und Propaganda in Dortmund 1933/45. Dortmund 2008, Heft 2, 31-37
  • Eduard Plietzsch: "...heiter ist die Kunst", Erlebnisse mit Künstlern und Kennern. Mit Tafeln und Vignetten. Bertelsmann Verlag. Gütersloh 1955. S. 125-129.
  • Reichshandbuch der Deutschen Gesellschaft. Das Handbuch der Persönlichkeiten in Wort und Bild. 1. Bd. Hg. Deutscher Wirtschaftsverlag Berlin 1930
  • Christian Zervos: Entretien avec Alfred Flechtheim, feuilles volantes, Beiblatt der Zeitschrift Cahiers d'Art, Paris 1927, Nr.10.
  • Flechtheim Tagebuch 1913, abgedruckt in: Neue deutsche Hefte 135/19. Jg., Heft 3, 1972

Weblinks


Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Alfred Flechtheim aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.