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Cornelius Gurlitt (Kunstsammler)

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Rolf Nikolaus Cornelius Gurlitt (geb. 28. Dezember 1932[1][2] in Hamburg; gest. 6. Mai 2014 in München) war der Erbe der über 1500 Werke[3][4] umfassenden Kunstsammlung seines Vaters Hildebrand.

Leben

Gurlitt war der Sohn des Kunsthändlers, Kunsthistorikers und Museumsdirektors Hildebrand Gurlitt und Enkel seines Namensvetters, des Kunsthistorikers Cornelius Gurlitt und Urgroßneffe seines weiteren Namensvetters, des Komponisten Cornelius Gurlitt. Sein Urgroßvater war der Landschaftsmaler Louis Gurlitt. Sein Onkel war der Musikwissenschaftler Wilibald Gurlitt. Seine Mutter Helene (geb. Hanke, 1895–1967[5]) war Tänzerin und eine der ersten Schülerinnen von Mary Wigman, sie wurde unter ihrem Bühnennamen „Bambula“ bekannt. Cornelius Gurlitt wuchs im Hamburger Stadtteil Dammtor zusammen mit einer Schwester auf.[6]

Gurlitt besuchte die Volksschule in Hamburg. Seine Familie zog während des Zweiten Weltkrieges nach Dresden, wo er das Gymnasium besuchte. Von 1946 bis 1948 besuchte er das reformpädagogische Internat Odenwaldschule im hessischen Ober-Hambach.[7] Nach dem Abitur studierte er Kunstgeschichte an der Universität zu Köln, hörte auch Vorlesungen der Philosophie und Musiktheorie, brach aber sein Studium ab.[8] Er hat zumindest in den letzten Jahren in sehr zurückgezogener Weise überwiegend mit der von seinem Vater hinterlassenen Kunstsammlung und für deren Erhaltung gelebt, ohne sie jedoch durch eigene Käufe zu erweitern.[8]

Ende 2013 hatte das Amtsgericht München eine vorläufige Betreuung aus gesundheitlichen Gründen für Gurlitt angeordnet.[9][10] Sein Betreuer war der auf Betreuungsrecht spezialisierte Münchener Anwalt Christoph Edel.

Am 6. Mai 2014 starb Gurlitt in München.[11]

Sammlung Gurlitt

Hauptartikel: Schwabinger Kunstfund

Die Staatsanwaltschaft Augsburg beschlagnahmte in den Tagen vom 28. Februar bis 2. März 2012 sämtliche der bis dahin bekannten 1.280 aus dem Nachlass seines Vaters stammenden Kunstwerke, die in der Münchner Wohnung Cornelius Gurlitts lagerten. Dies wurde der Öffentlichkeit durch einen Bericht des Nachrichtenmagazins Focus am 3. November 2013 bekannt.[12] Die Augsburger Staatsanwaltschaft erklärte dazu, sie ermittle gegen Cornelius Gurlitt wegen „eines dem Steuergeheimnis unterliegenden strafbaren Sachverhalts“ und wegen des Verdachts auf Unterschlagung.[13]

Gurlitt nahm im November 2013 zu den Vorwürfen gegen ihn Stellung. In einem Interview mit dem Magazin Der Spiegel sagte er, die Justiz und die Medien stellten die Zusammenhänge falsch dar. Alle Kunstwerke seien von seinem Vater rechtmäßig erworben und an ihn vererbt worden. An eine freiwillige Rückgabe denke er nicht.[14] Sein Anwalt widersprach Ende Januar 2014 gegenüber der New York Times dieser Darstellung des Spiegels; sein Mandant sei immer an einer fairen und gerechten Lösung interessiert gewesen.[15]

Im Februar 2014 ließ Gurlitts Betreuer mehr als 60 Kunstwerke aus Gurlitts Haus in Salzburg sicherstellen, darunter Werke von Claude Monet, Pierre-Auguste Renoir und Pablo Picasso, um sie vor Einbruch und Diebstahl zu schützen; die Werke sollen auch auf ihre Herkunft untersucht werden.[16][17] Ende März 2014 gaben die Anwälte und Vertreter Gurlitts bekannt, dass der Salzburger Teil der Sammlung viermal so groß ist als bis dato angenommen und insgesamt 238 Kunstgestände - darunter 39 Ölgemälde - umfasst. Die weiteren Werke wurden bei abermaligen Inspektionen des Hauses, welches Gurlitt seit 2011 nicht mehr betreten habe, in zuvor nicht zugänglichen Teilen des Gebäudes entdeckt. Die Gesamtanzahl der bekannten Werke der Sammlung Gurlitt erhöhte sich damit auf über 1.500 Kunstwerke.[18][4]

Am 14. Februar 2014 legten Anwälte von Gurlitt beim Amtsgericht Augsburg Beschwerde gegen die Beschlagnahme der Kunstsammlung ein. Die Anwälte fordern die Rückgabe der Sammlung wegen formeller Mängel des damaligen Gerichtsbeschlusses. Die Beschlagnahme der Bilder verstoße gegen das Prinzip der Verhältnismäßigkeit.[19]

Wie am 26. März 2014 bekannt wurde, beabsichtigte Gurlitt alle Bilder, die aus jüdischem Besitz geraubt wurden, an die Eigentümer oder deren Nachfahren zurückzugeben.[4] Laut Medienberichten kam es im April 2014 zu einer Vereinbarung zwischen Gurlitt, dem bayrischen Justizministerium und der Bundesregierung. Danach stelle Gurlitt alle als belastend geltenden Werke für ein Jahr der Provenienzforschung zur Verfügung. Die Kosten dieser Recherchen sollen der Bund und das Land Bayern tragen. Auch werde Gurlitt all diejenigen Werke, auf die Dritte Anspruch erheben, in treuhänderischer Verwahrung belassen. Alle anderen Werke, laut Aussage eines Anwalts Gurlitts der weitaus größte Teil der Sammlung, sollten Gurlitt demnächst zurückgegeben werden.[20]

Bekannte Verkäufe

Das Auktionshaus Lempertz in Köln verkaufte im Sommer 2011 die Gouache-Arbeit Löwenbändiger von Max Beckmann für 864.000 Euro.[21][22] Da im Verlauf der Provenienzforschung durch das Auktionshaus der Verdacht aufkam, der jüdische Kunsthändler Alfred Flechtheim habe das Werk nach 1933 verfolgungsbedingt verkauft, einigte sich Gurlitt mit den Erben Flechtheims in einem Vergleich, den Verkaufserlös mit ihnen zu teilen.[23][24]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Die Personalien der Familie Gurlitt wurden in der Volkszählung vom 1939 aufgenommen und in einer Sonderkartei für jüdisch abstammende Familien gelagert. Eine digitale Datenbank der 1939er Volkszählung ist im US Holocaust Memorial Museum Resource Center in Washington DC und im Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde zugänglich, ebenfalls (ohne Angaben zur Quelle) auf einer Webseite der Holocaust Era Assets Restitution Taskforce.
    b) Dokument von 1948 vom Vater H. Gurlitt mit dem genauen Geburtsjahr des Sohnes.
    c) Dokument von 1945, wohl vor dem 28. Dezember erstellt.
  2. Teilnachlass des Kunsthistorikers Cornelius Gurlitt im Universitätsarchiv der Technischen Universität Dresden Nachlaß C. Gurlitt (MS Word; 1,5 MB), Referenz 26/17 Brief an seine Schwester Else Gurlitt (Dresden), 29. Dezember 1932, Mitteilungen über die Geburt eines Sohnes von Helene und Hildebrand und Gedanken zu dessen Name ‚Cornelius‘.
  3. Pannenserie Zu viele Fragen sind offen br.de, 20. November 2013, abgerufen 20. November 2013.
  4. 4,0 4,1 4,2 Gurlitt will Bilder zurückgeben. Süddeutsche.de, 26. März 2014, abgerufen am 26. März 2014.
  5. Report of Nazi-Looted Trove Puts Art World in an Uproar Report of Nazi-Looted Trove Puts Art World in an Uproar. In: New York Times. 4. November 2013.
  6. Alison Smale, Melissa Eddy: Pressure Mounts to Return Nazi-Looted Art. In: New York Times. 10. November 2013.
  7. Kate Ferguson: Phantom Collector: The Mystery of the Munich Nazi Art Trove. In: Der Spiegel. 11. November 2013.
  8. 8,0 8,1 Õzlem Gezer: Gespräche mit einem Phantom. In: Der Spiegel. 18. November 2013.
  9. Amtsgericht München stellt Gurlitt unter Betreuung Die Zeit
  10. Cornelius Gurlitt Fund und Pfand Bericht in Der Tagesspiegel vom 11. Februar 2014
  11. Tod in München: Kunstsammler Cornelius Gurlitt ist tot spiegel.de, abgerufen am 6. Mai 2014
  12. Sensationeller Kunstschatz in München. Focus, 3. November 2013, abgerufen am 3. November 2013.
  13. Münchner Kunstschatz: Behörden veröffentlichen verdächtige Werke aus Gurlitt-Fundus. In: Spiegel Online. 12. November 2013.
  14. Münchner Kunstschatz: Gurlitt will kein einziges Bild freiwillig zurückgeben. In: Der Spiegel. Heft 47/2013, abgerufen 17. November 2013.
  15. German at Center of Looted-Art Case Is Said to Consider Restitution Claims. abgerufen am 28. Januar 2014.
  16. The Washington Post: Art collector in German find: works in Austria too
  17. http://www.zeit.de/kultur/kunst/2014-02/gurlitt-kunstwerke-salzburg
  18. gurlitt.info Pressemitteilung vom 26. März 2014, abgerufen am 27. März 2014
  19. Gurlitts Anwälte fordern Rückgabe der Bilder, abgerufen am 22. Februar 2014
  20. Stephanie Lahrtz: Durchbruch im Fall Cornelius Gurlitt. In: Neue Zürcher Zeitung. 8. April 2014, abgerufen am 9. April 2014.
  21. Max Beckmann, Lempertz.com, abgerufen am 11. November 2013.
  22. Ira Mazzoni: Der Verwerter und sein Sohn (mit Foto von Beckmanns Löwenbändiger aus dem Auktionshaus-Katalog). Süddeutsche.de, 3. November 2013, abgerufen am 11. November 2013.
  23. Wem gehören die teuren Kunstwerke? In: Die Zeit. 4. November 2013, abgerufen am 11. November 2013.
  24. Frank Meyer im Gespräch mit Karl-Sax Feddersen: Wie Max Beckmanns "Löwenbändiger" in den Kunsthandel gelangte. Deutschlandradio, 4. November 2013, abgerufen am 11. November 2013.


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