Jewiki unterstützen. Jewiki, die größte Online-Enzyklopädie zum Judentum.

Helfen Sie Jewiki mit einer kleinen oder auch größeren Spende. Einmalig oder regelmäßig, damit die Zukunft von Jewiki gesichert bleibt ...

(Spendenkonto siehe Impressum). Vielen Dank für Ihr Engagement!

1900

Aus Jewiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Portal Geschichte | Portal Biografien | Aktuelle Ereignisse | Jahreskalender

| 18. Jahrhundert | 19. Jahrhundert | 20. Jahrhundert |
| 1870er | 1880er | 1890er | 1900er | 1910er | 1920er | 1930er |
◄◄ | | 1896 | 1897 | 1898 | 1899 | 1900 | 1901 | 1902 | 1903 | 1904 | | ►►

Ereignisse

  • Um 1900: Buenos Aires. Zumeist vermittelt durch jüdische Zuhälter/innen bzw. Frauenhändler/innen, landeten Tausende von Frauen aus dem Zarenreich und der k.u.k.-Monarchie in den Bordellen Europas und vor allem Lateinamerikas. In Buenos Aires waren um 1900 mehr als 4000 Jüdinnen als Prostituierte registriert, womit sie rund ein Viertel aller in diesem Gewerbe tätigen Frauen ausmachten.
  • 6.3.1900–18.5.1973: Avraham Shlonsky, israelischer Schriftsteller und Übersetzer
  • 16.6.1900: Herzl besucht Vámbéry in Tirol und schreibt darüber in seinen Tagebüchern: „Ich habe einen der interessantesten Menschen kennen gelernt in diesem hinkenden 70jährigen, ungarischen Juden, der nicht weiss ob er mehr Türke oder Engländer ist, deutsch schriftstellert, 12 Sprachen mit gleicher Perfection spricht u. 5 Religionen bekannt hat, wovon er in zweien Priester war. Bei der intimen Kenntniss so vieler Religionen musste er natürlich Atheist werden. Er erzählte mir 1001 Geschichte [sic] aus dem Orient, von seiner Intimität mit dem Sultan etc. Er fasste sofort volles Vertrauen zu mir u. sagte mir unter Ehrenwort, er sei englischer u. türkischer Geheimagent. Die Professur in Ungarn ein Aushängeschild, nachdem es lange eine Marter gewesen inmitten einer judenfeindlichen Gesellschaft. Er zeigte mir eine Menge geheimer Schriftstücke, allerdings in türkischer Sprache, die ich nicht lesen, nur bewundern kann. U. A. eigenhändige Aufzeichnungen des Sultans. Hechler schickte er gleich schroff weg er wollte mit mir allein sein. Er begann: „Ich will kein Geld haben ich bin ein reicher Mann. Goldene Beefsteaks kann ich nicht essen. Eine viertel Million hab’ ich, ich brauche nicht die Hälfte meiner Zinsen. Wenn ich Ihnen helfe ist’s wegen der Sache.“ Er liess sich von mir alle Details unseres Planes, Geld etc. sagen. Er vertraute mir an, der Sultan habe ihn gerufen, um in den europäischen Blättern Stimmung für ihn zu machen. Ob ich da mithelfen könne? Ich antwortete evasiv. Zwischendurch kam er immer wieder auf die Denkwürdigkeiten seines Lebens zurück, die allerdings gross waren. Durch Disraeli wurde er Agent Englands. In der Türkei begann er als Sänger in Kaffeehäusern, anderthalb Jahre später war er Intimus des Grossveziers. Er könnte in Yildiz [in den Gemächern des Sultans] schlafen, meint aber, man könne ihn da ermorden. Er isst an des Sultans Tisch – in der Intimität mit den Fingern aus der Schüssel – aber er kann den Gedanken der Vergiftung nicht loskriegen. Und hundert andere solche pittoreske Sachen. Ich sagte ihm … schreiben Sie dem Sultan er möge mich empfangen, 1. weil ich ihm in der Presse Dienste leisten kann, 2. weil die blosse Thatsache meines Erscheinens ihm seinen Credit hebt. Am liebsten wäre mir, wenn Sie der Dolmetsch wären. Aber er fürchtet die Strapazen der Sommerreise. Meine Zeit war um. Es blieb im Ungewissen, ob er was thun wird … Aber er umarmte und küsste mich, als ich Abschied nahm … „
  • 19.11.1900–1.6.1983: Anna Seghers, Schriftstellerin, bürgerlich Netty Radványi, gebürtig Reiling, das Pseudonym „Seghers“ entlieh sie dem von ihr geschätzten niederländischen Radierer und Maler Hercules Pieterszoon/Pietersz Seghers (ca. 1590 – ca. 1638, auch: Segers); Anna Seghers wurde geboren in Mainz und starb in Berlin Ost; sie war das einzige Kind des Mainzer Kunsthändlers Isidor Reiling und seiner Frau Hedwig (geb. Fuld); die Familie bekannte sich zum orthodoxen Judentum; allerdings war das abgegriffenste Buch in der Familienbibliothek der Reilings die Lutherbibel; sie heiratete einen ungarischen Sozialisten, 1928 Mitglied der KPD; als Emigrantin seit 1933 in Frankreich und Mexiko; seit 1947 in Ostberlin, dort Nationalpreisträgerin und Präsidentin des Schriftstellerverbands; gegenüber dem Unrecht, vom DDR-Regime begangen an Walter Janka, dem Leiter des Aufbau-Verlags, der auch ihre Bücher verlegte, an Heiner Müller, an Wolf Biermann und vielen anderen, blieb sie stumm; ihre Parteitreue und unverhohlene Stalin-Begeisterung irritiert; Erzählungen und Romane (Auswahl): „Der Aufstand der Fischer von St. Barbara“, 1928; „Die Rettung“, 1937; „Das siebte Kreuz“, 1942; „Transit“, spanisch 1944, deutsch 1948; „Der Ausflug der toten Mädchen“, 1946; „Die Toten bleiben jung“, 1949; „Die Entscheidung“, 1959; „Das Vertrauen“, 1969; „Überfahrt“, 1971; „Steinzeitliche Wiederbegegnung“, 1977

Bücher

  • Salomon Bamberger, Historische Berichte über die Juden in der Stadt und des ehemaligen Fürstbistums Aschaffenburg, Strassburg 1900

Zeitungen und Zeitschriften

  • 1900–1934: Jüdische Volksstimme; Herausgeber: Max Hickl (1900-1920), Gustav Kohn (1920) u.a.; Redaktion: Jakob Fingermann, Isaak Zandner, Arnold Hickl u.a.; erschien seit Februar 1900 wöchentlich im Brünner Verlag von Max Hickl; zur Jahresmitte 1934 wurde das Blatt eingestellt; die "Jüdische Volksstimme" war 1900 von dem Brünner Verleger Max Hickl (1874-1924) ins Leben gerufen worden und fand ihr Hauptabsatzgebiet zunächst vor allem in den östlichen Regionen der k.u.k. Monarchie Österreich-Ungarn; neben Herzls "Welt" (1897-1914) wurde die Zeitschrift bald zum zweiten überregionalen Organ, das sich mit grosser Resonanz der Unterstützung des zionistischen Programms widmete; die Wochenschrift, die mit Änderung des Verlagsorts kurzzeitig unter dem Titel "Wiener Jüdische Volksstimme" erschien, richtete sich insbesondere an die jüdische Arbeiter- und Handwerkerschaft; berichtet wurde über alle Lebensbereiche und Tagesereignisse, die das Judentum bzw. den Zionismus bzw. den militanter werdenden Antisemitismus betrafen; einen besonderen Schwerpunkt bildete die Berichterstattung über das Ostjudentum, dessen gefährdete Existenz dem weitgehend assimilierten Westen vermittelt werden sollte

1900 in Wikipedia