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1897

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Ereignisse

  • 1897: Schekel; der vom ersten Zionistenkongress eingeführte jährliche Mitgliedsbeitrag für die zionistische Organisation; der Name wurde von der alten jüdischen Münze genommen (Gewichtseinheit, altisraelitische Silbermünze, seit der Makkabäerzeit geprägt, der halbe Schekel war die vorgeschriebene Tempelabgabe), später dann Währung im Staat Israel
  • 1897: Gründung der Deutschen Palästinabank als Zweig der Deutschen Orientbank; Niederlassungen in Jerusalem, Jaffa, Haifa und Beirut
  • 1897: Vereinigung traditionell-gesetzestreuer Rabbiner Deutschlands, gegründet 1897 von Israel Hildesheimer, Berlin, förderte durch Gedankenaustausch und gemeinsame Unternehmungen die Interessen des überlieferten Judentums in den deutschen Gemeinden
  • 1897: Manoli. Name einer deutschen Zigarettenfabrik, von Jakob Mandelbaum gegründet (zunächst als "Zigaretten-Fabrik Argos"), seit 1897 unter dem Namen Manoli; seit 1898 machte auf einem Gebäude am Berliner Alexanderplatz das so genannte Manoli-Rad mit einem Radius von zweieinhalb Metern Leucht-Werbung für eines der grössten Tabak-Häuser in Deutschland, es war nach der Ehefrau seines Gründers und Besitzers Jakob Mandelbaum benannt, sie hiess Ilona M. - rückwärts gelesen: Manoli; nach dieser bisher unbekannten Leuchtwerbung, bei der im Logo die Buchstaben einen bunten Lichtkreis durchwanderten, entstand die Redensart "du bist wohl manoli" für überdreht, verrückt
  • 1897: Alexander Hirschl (Kaufmann in Belgrad, entfernter Verwandter Theodor Herzls) in Belgrad zum Vorsteher der aschkenasisch-serbischen Gemeinde gewählt
  • 1897: Judenverfolgungen in Algerien
  • 19.1.1897-13.3.1976: Max Tau, Humanist, Philosoph und Dichter, Literaturwissenschaftler und Lektor, geb. in Beuthen (Oberschlesien), gest. in Oslo, 1935 aus der Reichsschrifttumskammer ausgeschlossen, 1938 Übersiedlung nach Norwegen, ab 1945 Cheflektor in Oslo; Herausgeber der „Friedensbücherei“, 1950 der erste Preisträger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels, gilt als Entdecker vieler namhafter Schriftsteller wie Marieluise Kaschnitz, Luise Rinser und Wolfgang Koeppen; setzte sich in der „Deutsch-Norwegischen Gesellschaft“ unermüdlich für die skandinavisch-deutsche Völkerverständigung ein
  • 24.3.1897-3.11.1957: Wilhelm Reich, österreichisch-US-amerikanischer Psychiater, Psychoanalytiker, Sexualforscher und Soziologe
  • 11.5.1897 - Ende 1944: Kurt Gerron (eigentl. Gerson), geb. in Berlin, umgebracht in Auschwitz (am 28.10.1944, andere Quellen nennen andere Daten, darunter den 15.11.1944), deutsch-jüdischer Schauspieler und Regisseur; er wurde in eine wohlhabende Berliner Kaufmannsfamilie geboren und war ein Einzelkind; nachdem er mit 17 Jahren erfolgreich das Abitur abgelegt hatte, wollte er Medizin studieren, musste dann aber nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges an die Front und wurde dort so schwer verletzt, dass er "kampfuntauglich" wurde; daraufhin begann er sein Medizin-Studium, das man ihm abkürzte, damit man ihn wiederum in den Krieg schicken konnte, diesmal als Lazarettarzt; nachdem er während seiner Militärzeit weitere Verwundungen erlitten und später seine Arbeit als Arzt aufgegeben hatte, wandte er sich 1920 der Schauspielerei zu; von 1920 bis 1925 war er unter anderem an den Berliner Reinhardt-Bühnen engagiert; daneben trat er in Revuen und Kabaretts auf; seit den frühen 20er-Jahren war er auch in Nebenrollen im Stummfilm zu sehen; durch seine Kriegsverletzungen, die eine Drüsenfunktionsstörung mitt sich brachten, litt er an zunehmendem Übergewicht, und seine dadurch massige, derb bis grotesk wirkende körperliche Erscheinung trug massgeblich dazu bei, dass er zu seinem Leidwesen praktisch nur für undurchsichtige oder fragwürdige Charaktere besetzt wurde; ab 1926 führte Gerron zusätzlich Regie und setzte sich ab 1931 auch im Tonfilm durch; Berühmtheit erlangte er durch seine Darstellungen und Gesangsvorträge in der 1928 sensationell erfolgreich uraufgeführten Dreigroschenoper von Bert Brecht und Kurt Weill; er spielte darin den Moritatensänger, der „Die Moritat von Mackie Messer” vortrug, sowie die Rolle des Londoner Polizeichefs Tiger Brown; nach dem Machtantritt der Nazis wurde Gerron gezwungen, seine Regiearbeit an dem UFA-Film „Kind, ich freu' mich auf Dein Kommen“ (1933) aufzugeben; mit seiner Frau Olga und seinen Eltern floh Gerron nach Paris, von dort über Österreich und Italien nach Amsterdam; nach der Besetzung der Niederlande durch Hitler-Deutschland spielte Gerron noch eine Weile an der „Schouwburg“, die nun „Joodsche Schouwburg“ hiess, bis das gesamte Ensemble in das KZ Theresienstadt deportiert wurde; 1941 fielen er und seine Familie der Gestapo in die Hände; sie wurden in das holländische Durchgangslager „Westerbork” und später ebenfalls nach Theresienstadt deportiert; Gerrons Freund Peter Lorre sowie Marlene Dietrich hatten noch versucht, ihn rechtzeitig nach Hollywood zu holen; doch Gerron lehnte ab, wohl, weil ihm die deutsche Sprache zum Arbeiten notwendiges Handwerkzeug war; möglicherweise hoffte er auch auf einen Umschwung in Deutschland wie viele der Juden, die nicht weiter als in die benachbarten Niederlande emigrierten; in Theresienstadt erkannte ein SS-Mann Gerron, der in einem Nazi-Propagandastreifen durch Ausschnitte aus seinen Filmrollen als Prototyp des „minderwertigen Juden“ vorgeführt worden war, und schlug den ihm arglos Entgegentretenden brutal zusammen; später agierte Gerron auf der Bühne des Ghetto-Kabaretts von Theresienstadt, welches wie andere dortige Einrichtungen dem Zweck diente, den erwarteten Besuchern vom Roten Kreuz ein „Musterlager“ vorspiegeln zu können und die Weltöffentlichkeit über die elende Situation der eingesperrten Juden zu täuschen; nachdem dieses Falschspiel Erfolg gehabt hatte, wurde Gerron von der SS gezwungen, seine immense Schauspielerfahrung in die Inszenierung des vorgeblich dokumentarischen Filmes „Theresienstadt“ einzubringen, mit welchem die Weltöffentlichkeit über die Unnatur der Konzentrationslager belogen werden sollte; dieser Film, der während des Krieges nicht mehr zur Aufführung kommen sollte, wurde später unter dem Titel „Der Führer schenkt den Juden eine Stadt“ bekannt; einige Überlebende kreideten Gerron seine Mitwirkung an diesem Propagandafilm an, andere, vor allem solche, die er durch Besetzung für den Film vor der Deportation nach Auschwitz zu retten suchte, zeigten Verständnis für seine Pseudo-Kollaboration; Gerron selbst scheint geglaubt zu haben, dass ihn einzig seine Theater- und Filmkompetenz und seine bereitwillige Mitwirkung an diesem Film würden davor bewahren können, von den Nazis ermordet zu werden; nach Abschluss der Filmarbeiten wurde Kurt Gerron mit anderen an diesem Film Beteiligten im Oktober 1944 mit der Anweisung „Rückkehr unerwünscht“ nach Auschwitz transportiert, wo er in der Gaskammer ermordet wurde; --- Filmografie. - Als Darsteller im Stummfilm: 1920: Spuk auf Schloss Kitay (Regie: Paul Legband); 1920/21: Die Präriediva (Regie: Carl Boese); 1921: Die Apotheke des Teufels (Regie: Bruno Eichgrün); 1921/22: Der Held des Tages (Regie: Rudi Bach); 1921/22: Wege des Lasters (Regie: Franz Hofer); 1922: Frau Sünde (Regie: Fred Sauer); 1924: Fräulein Puppe, meine Frau; 1925: Die Schmiede (Regie: Martin Berger); 1925: O alte Burschenherrlichkeit (Regie: Helene Lackner, Eugen Rex); 1925: Varieté (Regie: Ewald André Dupont); 1925: Halbseide (Regie: Richard Oswald); 1925/26: Vorderhaus und Hinterhaus (Regie: Richard Oswald); 1926: Der goldene Schmetterling (Regie: Michael Kertesz – der spätere Michael Curtiz); 1926: Die Tragödie eines Verlorenen (Regie: Hans Steinhoff); 1926: Wien – Berlin (Regie: Hans Steinhoff); 1926: Die drei Mannequins (Regie: Jaap Speyer); 1926: Die Kleine und ihr Kavalier (Regie: Richard Löwenbein); 1926: Annemarie und ihr Ulan (Regie: Erich Eriksen); 1926: Im weissen Rössl (Regie: Richard Oswald); 1926: Der Soldat der Marie (Regie: Erich Schönfelder); 1926: Der Mädchenhandel (Regie: Jaap Speyer); 1926/27: Eine tolle Nacht (Regie: Richard Oswald); 1927: Die schönsten Beine von Berlin (Regie: Willi Wolff); 1927: Einbruch (Regie: Franz Osten); 1927: Die Dame mit dem Tigerfell (Regie: Willi Wolff); 1927: Üb' immer Treu und Redlichkeit (Regie: Reinhold Schünzel); 1927: Sein grösster Bluff (Regie: Harry Piel); 1927: Glanz und Elend der Kurtisanen (Regie: Manfred Noa); 1927: Pique Dame (Regie: Alexander Rasumny); 1927: Feme (Regie: Richard Oswald); 1927: Gefährdete Mädchen (Regie: Heinz Schall); 1927: Die weisse Spinne (Regie: Carl Boese); 1927: Ein Tag der Rosen im August... da hat die Garde fortgemusst (Regie: Max Mack); 1927: Ein schwerer Fall (Regie: Felix Basch); 1927: Gehetzte Frauen (Regie: Richard Oswald); 1927: Die Pflicht zu schweigen (Regie: Carl Wilhelm); 1927: Das Frauenhaus von Rio (Regie: Hans Steinhoff); 1927: Ramper. Der Tiermensch (Regie: Max Reichmann); 1927: Das tanzende Wien (Regie: Friedrich Zelnik); 1927: Der grosse Unbekannte (Regie: Manfred Noa); 1927: Wer wirft den ersten Stein (Regie: Erich Eriksen); 1927: Dr. Bessels Verwandlung (Regie: Richard Oswald); 1927: Benno Stehkragen (Regie: Trude Santen); 1927/28: Manege (Regie: Max Reichmann); 1927/28: Liebe und Diebe (Regie: Carl Froelich); 1928: Heut' tanzt Mariett (Regie: Friedrich Zelnik); 1928: Vom Täter fehlt jede Spur (Regie: Constantin J. David); 1928: Casanovas Erbe (Regie: Manfed Noa); 1928: Die Yacht der Sieben Sünden (Regie: Jakob Fleck, Luise Fleck); 1928/29: Unmoral (Regie: Willi Wolff); 1928/29: Die Regimentstochter (Regie: Hans Behrendt); 1928/29: Wir halten fest und treu zusammen (Regie: Herbert Nossen); 1929: Nachtgestalten (Regie: Hans Steinhoff); 1929: Aufruhr im Junggesellenheim (Regie: Manfred Noa); 1929: Die Flucht vor der Liebe (Regie: Hans Behrendt); 1929: Adieu Mascotte (Regie: Wilhelm Thiele); 1929: Die weisse Hölle vom Piz Palü (Regie: Arnold Fanck, Georg Wilhelm Pabst); 1929: Tagebuch einer Verlorenen (Regie: Georg Wilhelm Pabst); 1929: Menschen am Sonntag (Regie: Robert Siodmak, Edgar G. Ulmer); 1929: Liebe im Ring (Regie: Reinhold Schünzel; dieser Film wurde nachträglich synchronisiert); Als Darsteller im Tonfilm: 1930: Der blaue Engel (Regie: Josef von Sternberg); 1930: Die vom Rummelplatz (Regie: Carl Lamac); 1930: Die Drei von der Tankstelle (Regie: Wilhelm Thiele); 1930: Dolly macht Karriere (Regie: Anatole Litvak); 1930: Einbrecher (Regie: Hanns Schwarz); 1930: Die Marquise von Pompadour (Regie: Willi Wolff); 1930: Ihre Majestät die Liebe (Regie: Joe May); 1931: Der Weg nach Rio (Regie: Manfred Noa); 1931: Salto Mortale (Regie: Ewald André Dupont); 1931: Bomben auf Monte Carlo (Regie: Hanns Schwarz); 1931: Eine Nacht im Grandhotel (Regie: Max Neufeld); 1931/32: Vater geht auf Reisen (Regie: Carl Boese); 1931/32: Man braucht kein Geld (Regie: Carl Boese); 1932: Zwei in einem Auto (Regie: Ewald André Dupont); Als Regisseur: Der Liebe Lust und Leid (Uraufführung: Oktober 1926); Der Stumme von Portici (Uraufführung: 13. Mai 1931); Meine Frau, die Hochstaplerin (Uraufführung: 18. September 1931); Es wird schon wieder besser (Uraufführung: 6. Februar 1932); Ein toller Einfall (Uraufführung: 14. Mai 1932); Der weisse Dämon (Uraufführung: 19. November 1932); Heut' kommt's drauf an (Uraufführung: 17. März 1933); Kind, ich freu' mich auf dein Kommen (beendet durch Erich von Neusser; Uraufführung: 26 Juni 1933); Une femme au volant (Frankreich 1933); Incognito (Frankreich 1933); Bretter, die die Welt bedeuten (Österreich; Uraufführung: 1. Februar 1935); Het mysterie van de Mondscheinsonate (Niederlande; Uraufführung: 7. November 1935); Merijntje Gijzen's jeugd (Niederlande; Uraufführung: 17. September 1936); Eeen dag bij de A.V.R.O. (Dokumentarfilm; Niederlande 1936); Drie wenschen (Niederlande; Uraufführung: 9. Dezember 1937); Theresienstadt. Ein Dokumentarfilm aus dem jüdischen Siedlungsgebiet inoffiziell auch bekannt unter dem Titel „Der Führer schenkt den Juden eine Stadt“ (Beteiligung bis zum Abtransport nach Auschwitz, dort ermordet); Dokumentarfilme über Kurt Gerron: „Kurt Gerrons Karussell“ von Ilona Ziok D. 1998 mit Ben Becker, Ute Lemper, Max Raab, Roy Kift und anderen; „Kurt Gerron - Gefangen im Paradies“ / „Prisoner of paradise“ von Malcolm Clarke und Stuart Sender, USA 2002 (schlechte Kritiken, enthält historische Unrichtigkeiten); -- Literatur: Karl Prümm; Barbara Felsmann: Kurt Gerron (1897-1944) Gefeiert und gejagt. Das Schicksal eines deutschen Unterhaltungskünstlers. Berlin 1992; Zaich, Katja B. „Ein Emigrant erschiene uns sehr unerwünscht.“ K. G. als Filmregisseur, Schauspieler und Cabaretier in den Niederlanden In: Exilforschung – Ein internationales Jahrbuch. Hrsg. Claus-Dieter Krohn, Lutz Winckler, Irmtrud Wojak, Wulf Koepke, Band 21: Film und Fotografie, München 2003
  • 22.5.1897-3.1.1975: Robert Neumann, geb. in Wien, gest. in München, Schriftsteller und Literaturkritiker, bekannt durch äusserst geistreiche, oft polemisch-satirische Literaturparodien und Romane ("Sintflut", 1929); er veröffentlichte weit mehr als hundert Bücher, zahlreiche Theaterstücke, Hörspiele und auch Drehbücher; er studierte in Wien (Medizin, Chemie, ein Semester Germanistik), war zuerst in der Wirtschaft tätig (ohne grossen Erfolg), auch kurze Zeit Matrose und Frachtaufseher auf einem Hochseeschiff; er schrieb die Parodien "Mit fremden Federn", 1927 (neu 1955-1957), und "Unter falscher Flagge", 1932; 1934 entkam er nach England, lebte nach dem Krieg in Locarno und arbeitete u. a. für die ARD, die "Zeit" und gelegentlich auch für den "Spiegel"; weitere Werke (Auswahl): Roman "Die Macht", 1932; "Struensee, der Favorit der Königin", 1935; "Eine Frau hat geschrien", 1938 (neu mit dem Titel "Die Freiheit und der General", 1958); "By the waters of Babylon", 1939 (deutsch 1954); "The Inquest", 1944 (deutsch "Bibania Santis", 1950); 15 Bände Gesammelte Werke, 1959-1972; Autobiographie "Mein altes Haus in Kent", 1957; "Ein leichtes Leben", 1963; weiter: "Children of Vienna", 1946; "Der Tatbestand, oder der gute Glaube der Deutschen", 1965; Robert Neumann war viermal verheiratet (mit: Stefanie "Stefie" Grünwald ab 1919, bis 1941; Franziska Karola "Rolly" Stern, geschieden 1952; Evelyn Milda Wally Hengerer, Pseud. Mathilde Walewska, Heirat 1953; Helga Heller, Heirat 1960); -- Durch seine Parodiensammlungen Mit fremden Federn (1927, von Thomas Mann zum besten Buch des Jahres gekürt) und Unter falscher Flagge (1932) gilt Robert Neumann als Begründer der "Parodie als kritischer Gattung in der Literatur der 20er Jahre"; "Der Ruhm von zwei schmalen Bändchen hat ein erzählerisches Werk von 25 Bänden erschlagen", so Rudolf Walter Leonhardt
  • Juli 1897: "Protesterklärung" des Deutschen Rabbinerverbandes gegen den Zionismus
  • 29.8.1897-31.8.1897: Erster zionistischer Weltkongress in Basel, an dem 204 festlich gekleidete Vertreter des Judentums aus allen Ländern der Welt teilnehmen; Verabschiedung des Basler Programms mit dem Ziel, „eine öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte des jüdischen Volkes“ in Palästina zu schaffen. – Herzl hatte es auch verstanden, die würdige Atmosphäre des Kongresses dadurch zu steigern, dass er „Frack und weisse Halsbinde“ zumindest für die Eröffnungssitzung vorschrieb, Nordau musste er förmlich überreden und ihn bitten, ihm – Herzl – zu Liebe sich entsprechend umzuziehen: „Er liess sich umstimmen, wofür ich ihn dankbar umarmte. Nach einer Viertelstunde kam er im Frack wieder“; Nordau hielt dann eine grandiose Rede beim ersten Kongress: „Ich [Herzl] gab Nordau das Wort. Er sprach herrlich. Seine Rede ist u. bleibt ein Denkmal aus unserer Zeit. Als er wieder zum Präsidialtisch hinaufkam ging ich ihm entgegen u. sagte ihm: Monumentum aere perennius“ [„ein Monument, dauerhafter als Erz“, nach einem bekannten Horaz-Vers“]; - nach Abschluss des Kongresses schrieb Herzl in sein Tagebuch die denkwürdigen (und prophetisch zutreffenden!) Worte (3.9.1897, Wien): „Fasse ich den Baseler Congress in ein Wort zusammen – das ich mich hüten werde öffentlich auszusprechen – so ist es dieses: in Basel habe ich den Judenstaat gegründet. Wenn ich das heute laut sagte, würde mir ein universelles Gelächter antworten. Vielleicht in fünf Jahren, jedenfalls in fünfzig wird es Jeder einsehen.“ Das "(engere) Actionscomité" war gebildet aus: Dr. Herzl, Dr. Schnirer, J. Kremenezky, Kokesch, Dr. Mintz; - am ersten Kongress nahmen auch 14 Frauen teil: Rachel Alcalay (Belgrad), Blanche Bahar (Paris), Ernestine-Esther Ehrenpreis (Djakovar), Sara Gitelewitz (Marjapol), Klara Hirschensohn (Jassy), Dr. Wilhelmine Kornblüh (Freistadt), Bertha Markus (Meran), M. Reinus (Zürich), Klara Schapira (Heidelberg), Esther Schlaposchnikow (Charkow), Maria Sokolow (Warschau), Rosa Sonnenschein (New York), Hulda Tomaschewsky (Berlin), Antonia Zimmern (Ashfore) – ; Israel Zangwill fasste seine Eindrücke vom ersten Zionistenkongress in die Worte: "Die Juden sassen an den Flüssen Babylons und haben geweint, als sie an Zion dachten. Am Rhein bei Basel haben sie beschlossen, nicht mehr zu weinen"; die deutsche Delegation verfasste einen Kongressbericht, den sie auch dem Kaiser zuschickte; Wilhelm II. notierte eigenhändig darauf: "Ich bin sehr dafür, dass die Mauschels nach Palästina gehen, je eher sie dorthin gehen, desto besser. Ich werde ihnen keine Schwierigkeiten in den Weg legen"; - von 1897-1901 wurden jährliche, danach zweijährliche Versammlungen der Delegierten aller zionistischen Teilorganisationen und Parteien veranstaltet; zwischen 1939-1946 mussten sie entfallen, seither findet der „World Jewish Congress“ nach Bedarf statt
  • 29.8.1897-31.8.1897: Während des ersten Zionistenkongresses wurde u. a. auch die hebräische Literaturkommission gegründet, sie bestand aus folgenden Mitgliedern: Elieser Ben Jehuda, Marcus Ehrenpreis, Achad Ha'am, Armand Kaminka und Nahum Sokolow; zur Kommission für praktische Kolonisation gehörten: Willy Bambus, Armand Kaminka, Alexander Mintz, Schlomo Ben Zion Rubenstein und Moses Schnirer
  • 29.8.1897-31.8.1897: Teilnehmer am Ersten Zionistenkongress war auch Dr. Alexander Mintz, dessen Lebensdaten nicht ermittelt sind: Er war Wiener Rechtsanwalt und aktives Mitglied der Wiener Chowewe Zion, zum Zeitpunkt des ersten Kongresses Mitglied im Programmkomitee, auch ins Engere Aktionskomitee gewählt (die rechtlich korrekte Bezeichnung für das Engere Actionscomitee war übrigens ab 31.10.1897: "Erez Israel. Bureau des Zionisten-Congresses"); vor dem 2. Kongress verliess er die Bewegung; später schloss er sich der antizionistischen österreichischen "Israelitischen Union" an, deren Vize-Präsident er wurde
  • 22. Oktober 1897: Brief Herzls an Kaiser Wilhelm II. in Berlin: [Bitte um Audienz] " ... Blätter verschiedenster Richtung ... stimmten darin überein, dass eine solche Conferenz [zur Judenfrage] nötig sei. Abgesehen davon, dass mit der Judenfrage auch ein Stück Orientfrage gelöst würde, wäre eine coloniale Ableitung des nicht resorbirbaren Theiles der Judenschaft eine Erleichterung für die meisten Länder, wo die Juden entweder in schwerem materiellen Elend verkommen, oder durch die gesellschaftliche Aechtung den Umsturzparteien zugedrängt werden, oder endlich den Finanzverkehr in einer von uns Nicht-Geldjuden selbst tief bedauerten Weise beherrschen ... Unsere heute schon weit verbreitete Bewegung hat überall einen erbitterten Kampf mit den Umsturzparteien zu bestehen, die in ihr mit Recht einen Feind wittern. Wir brauchen eine Ermuthigung, wäre es auch nur eine sorgfältig geheimzuhaltende. Ich setze alle Hoffnung auf den Kaiser, der mit weltweitem Blick über die Meere schaut und von dessen Thaten die Geschichte gerade diejenigen am höchsten preisen wird, die von kleinen Leuten der Gegenwart nicht verstanden werden. Wann und wohin immer Ew. Majestät mich zur Audienz befehlen, werde ich unverzüglich zur Stelle sein ..."
  • 31. Oktober 1897: Frankfurter Konferenz [in Frankfurt am Main] der deutschen Zionisten, auf der sich aus der in Bingen gegründeten "National-Jüdischen Vereinigung für Deutschland" die "Zionistische Vereinigung für Deutschland" konstituierte; dies geschah auf Anraten Hermann Schapiras: "Ich habe ... den Freunden in Köln den Antrag gestellt, sie mögen ihre Benennung "National-jüdische Vereinigung", welche ganz sinnlose Wuth veranlasst, ohne irgend welchen Nutzen zu bringen und ohne, dass der Ausdruck in dem vom Congress sanctionierten Programm enthalten ist, fallen lassen und dafür lieber etwa "Zionistische Vereinigung" anzunehmen (Brief Schapiras vom 15.10.1897 an Herzl)
  • 29.11.1897: Herzl erhält Brief vom Grossherzog von Baden, in dem dieser ihm mitteilt, der deutsche Kaiser könne Herzl nicht empfangen, würde sich aber freuen, dessen Schrift über den Basler Congress zu lesen; Herzl schickt daraufhin seine für den Kaiser bestimmte Broschüre „Der Baseler Congress“ mit Brief vom 1. Dezember an Friedrich Karl Hermann von Lucanus, den Chef des Zivilkabinetts von Kaiser Wilhelm II.
  • 5.12.1897-21.2.1982: Gershom Scholem (geb. Gerhard Scholem), geb. in Berlin, gest. in Jerusalem, jüdischer Gelehrter, Erforscher der jüdischen Mystik und der eigentliche Wiederentdecker der Kabbala (die weitgehend vergessen war und von der Judaistik missachtet wurde), schrieb in Ivrith, Deutsch und Englisch; 1933-1965 Professor in Jerusalem (Lehrstuhl zur Erforschung der jüdischen Mystik an der Hebräischen Universität); Schriften (Auswahl): „Das Buch Bahir“, 1922; „Die jüdische Mystik in ihren Hauptströmungen“, 1941, deutsch 1957; „Zur Kabbala und ihrer Symbolik“, 1960 (diese Sammlung machte die Kabbala auch unter Nichtjuden bekannt und veranlasste viele, sich mit jüdischer Mystik zu befassen); „Von der mystischen Gestalt der Gottheit“, 1962; „Ursprung und Anfänge der Kabbala“, 1962; „Judaica“ 4 Bände, 1963-1983; „Sabbatai Zwi“, 1973, deutsch 1992; Scholem war der vierte Sohn von Betty und Arthur Scholem, entstammte einer weitgehend assimilierten jüdischen Familie; er besuchte 1904-1915 das Luisenstädtische Realgymnasium in Berlin; seine Entscheidung für den Zionismus, die er als ganz junger Mensch traf, entzweite ihn mit seinem Vater, einem Druckereibesitzer; seit 1912 war Scholem aktiv in der jüdischen Jugendbewegung, verliess diese jedoch wegen ihrer Haltung zum Ersten Weltkrieg; 1915 begegneten sich Scholem und Walter Benjamin, sie schlossen eine Freundschaft, die bis zu Benjamins Tod 1940 andauerte; 1917 lernte er in Berlin aktive Zionisten aus Ost-Europa kennen; im Juni 1917 wurde Scholem zum Militär eingezogen, stellte sich aber erfolgreich geisteskrank und wurde nach drei Monaten entlassen und im Januar 1918 dauerhaft freigestellt; er widmete sich einem gründlichen Verständnis der jüdischen Geschichte, Religion und Kultur, des Hebräischen und der jüdischen Quellen; er war mit Chaim Nachman Bialik, Schmuel Josef Agnon und Zalman Shazar befreundet, die alle drei die traditionelle ostjüdische Kultur repräsentierten und sich während des Ersten Weltkrieges in Deutschland aufhielten; nachdem er zunächst Mathematik und Philosophie in Jena studiert hatte, wechselte er zum Philosophiestudium nach München, wo er seine Dissertation über das Buch Bahir verfasste; darin übersetzte und kommentierte er diesen frühesten kabbalistischen Text, der zugleich einer der kompliziertesten ist; diese Doktorarbeit und viele weitere Texte machten die Kabbala zu einer akademischen Disziplin; von 1918-1922 studierte er orientalische Sprachen und Philosophie an der Universität Bern; 1922 in München promoviert, verliess er Deutschland im September 1923; seine Auswanderung nach Palästina war eine Entscheidung für den politischen Zionismus und eine Entscheidung gegen den Versuch, als Jude in Deutschland zu leben, er konnte und wollte als Jude kein Deutscher bleiben, nach seiner Ansicht waren alle Versuche der jüdischen Assimilation in Deutschland kläglich gescheitert; 1923 ging Scholem an die Hebräische Universität, bis 1927 als Bibliothekar, ab 1925 hielt er Vorlesungen; in Palästina lebte er – politisch links orientiert – als gläubiger, nicht aber als orthodoxer Jude; von Anfang an bemühte er sich um eine Verständigung zwischen Juden und Arabern in Palästina, von 1925-1933 war er Mitglied von Brith-Shalom („Friedensbund“, der einen binationalen Staat in Palästina zum Ziel hatte, in dem Juden und Araber gleichberechtigt miteinander leben, eine gesellschaftliche Gruppierung, die die „Wiedergeburt“ des jüdischen Volkes erstrebte und mit einer Politik der Verständigung verbinden wollte); 1931 wurde diese Gruppe offiziell vom Zionistenkongress ausgeschlossen; 1933 wurde Scholem Professor an der Hebräischen Universität (bis 1965), er war ein angesehener Bürger Israels, Freund der ersten Präsidenten und Premierminister, Präsident der israelischen Akademie der Wissenschaften und Ehrenbürger von Jerusalem; Scholems Bruder, der aus der KPD ausgeschlossene ehemalige KPD-Reichstagsabgeordnete Werner Scholem, wurde 1940 im KZ Buchenwald ermordet; nach dem Zweiten Weltkrieg hat Gerschom Scholem gemeinsam mit Adorno Benjamins Werke veröffentlicht, er reiste in dieser Zeit auch oft nach Deutschland, um von den Nationalsozialisten geraubte jüdische Bibliotheken und Sammlungen zu suchen, sowie auf der Suche nach weiteren Quellen für die Edition von Benjamins gesammelten Schriften; für Scholem war die Massenvernichtung der Juden konsequent aus der deutschen Geschichte hervorgegangen und markierte eine historische Trennlinie; das so genannte „deutsch-jüdische Gespräch“ nannte er einen „Mythos“, weil „mit den Toten kein Gespräch mehr möglich ist“; Scholem war ein sorgfältiger Analytiker mit tiefen philosophischen Einsichten und profundem historischem Verständnis; 1958 wurde er mit dem Israel Preis ausgezeichnet

Bücher

  • L. Goldschmidt, Der babylonische Talmud, 12 Bände, Berlin 1897-1935 (Nachdruck 1965)

Zeitungen und Zeitschriften

  • 1897: Gut Woch, in Berlin wöchentlich [geplant] in deutscher Sprache erscheinendes antizionistisches Witzblatt (nur 1 Nr. erschienen)
  • 1897: Der Zionist, in New York erscheinende zionistische Monatsschrift in jiddischer Sprache
  • 1897: Toleranz, in New York erscheinendes zionistisches Blatt in jiddischer Sprache

1897 in Wikipedia