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1899

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Ereignisse

  • 15.3.1899-18.8.1988: Ernst Simon (Ernst Akiba Simon), geb. in Berlin, gest. in Jerusalem, Pädagoge, Führungspersönlichkeit der deutsch-jüdischen Jugend nach dem 1. Weltkrieg; Freund Rosenzweigs, von Else Lasker-Schüler bewundert ("Sie sind im Traum meine Wiesenschaumkrautwiese und mir nicht zu nehmen aus meinem Herzen ... "); 1916 kriegsfreiwilliger Infanterist, vor Verdun schwer verwundet, seit 1918 aktiver Zionist; Dr. phil. 1923 (promoviert bei Hermann Oncken); Redakteur der Zeitschrift "Der Jude" 1923-1928 (Zusammenarbeit mit Rosenzweig und Buber); Lehrtätigkeit in Frankfurt am Freien Jüdischen Lehrhaus; Zusammenarbeit auch mit Nehemia Nobel und Gershom Scholem; erster Palästina-Aufenthalt (ursprünglich als Auswanderung mit seiner Frau geplant) 1928-1933 (dort als Lehrer tätig, hebräisches Lehrer-Seminar, Jerusalem); 1933-1935 nach Aufforderung durch Martin Buber Rückkehr nach Deutschland zum Auf- und Ausbau der jüdischen Erwachsenenbildung ("Mittelstelle für jüdische Erwachsenenbildung" bei der "Reichsvertretung der deutschen Juden"; Ichud-Bewegung), danach in Palästina an der Universität Jerusalem als Prof. für Erziehungswesen (1935-1967); zusammen mit Buber und Scholem wurde er Mitglied im Friedensbund "Brit Shalom", der sich für die jüdisch-arabische Verständigung sowie einen binationalen jüdisch-palästinensischen Staat einsetzte; auch nach der Staatsgründung Israels gehörte er mit einigen anderen Intellektuellen zu den Kritikern der israelischen Politik; 1955 war er massgeblich an der Gründung des Leo Baeck Instituts beteiligt; Gastprofessuren und Vortragsreisen führten ihn immer wieder nach Europa und in die USA; im Alter von 89 Jahren starb Ernst Simon 1988 in Jerusalem; nach seinem Tod erwarb das Moses-Mendelssohn-Zentrum der Universität Potsdam seine 6000 Bände umfassende Bibliothek; Hauptwerke: Ranke und Hegel (Diss.), 1928; Chajim Nachmann Bialik, 1935; Pioniere der Sozialpädagogik, 1939 (hebräisch); Die Lehre Pestalozzis, 1952; Aufbau im Untergang. Jüdische Erwachsenenbildung in NS-Deutschland als geistiger Widerstand, 1959; Brücken, 1965; Hrsg. 3 Bde. M. Buber's Correspondence, 1972; Bubers lebendiges Erbe, 1977; Entscheidung zum Judentum, 1980
  • 28.4.1899: Herzl an Wolffsohn: " ... wenn ich heute von vorn anfangen sollte, würde ich genau wieder so handeln, u. alle Opfer bringen, die ich schon gebracht habe. Aber ich bin heute um so und so viele Jahre, Nervenkraft und Gulden schwächer als vor vier Jahren. Dabei wachsen aber die Anforderungen, die an mich gestellt werden, immer mehr an. Ich habe von der Bewegung nur erwartet, dass sie selbst u. allein weiterreiten wird, wenn ich sie einmal in den Sattel gesetzt habe. Indessen muss ich wie ein Reitknecht neben dem galoppirenden Pferde weiterlaufen und den hilflosen Reiter im Sattel festhalten. Und dabei, fürchte ich, wird mir der Athem ausgehen ... "
  • 5.5.1899-9.6.1947: Gurrah Shapiro, New Yorker Gangster
  • 10.5.1899-22.6.1987: Fred Astaire
  • 18.5.-29.7.1899: Herzl nimmt an der ersten Haager Friedenskonferenz teil; Bertha von Suttner nimmt im Auftrage Herzls als Korrespondentin der "Welt" an der Friedenskonferenz ebenfalls teil (Honorar dafür: 1000 fl.; zuvor hatte die Neue Freie Presse eine entsprechende Beauftragung v. Suttners abgelehnt)
  • 20. Juli 1899: erste / konstituierende Generalversammlung der Jüdischen Kolonialbank in London
  • 6.8.1899: Theodor Herzl schreibt in sein Zionistisches Tagebuch den denkwürdigen Satz: „Mein Testament für das Jüdische Volk: Machet Euren Staat so, dass sich der Fremde bei Euch wohl fühle.“
  • 7.8.-9.9.1899: zweiter Dreyfus-Prozess in Rennes (Nordau Teilnehmer als Berichterstatter für die Vossische Zeitung)
  • 12.8.1899: Herzl mit Hechler in Darmstadt beim Grossherzog von Hessen (während der allgemeinen Audienz gegen Schluss vorgelassen). Der Grossherzog zeigte Wohlwollen für die zionistischen Pläne und empfahl Herzl „einen Zeitungskrieg“ (also eine Medienkampagne). Herzl bat den Grossherzog weiterhin, auch beim Zaren, der ihn (den Grossherzog) besuchen werde, für die zionistische Sache zu wirken, was der Grossherzog gerne zusagte, aber nichts tat und sich künftig kühl verhielt.
  • 15.8.1899-18.8.1899: Dritter Zionistenkongress in Basel. Teilnahme von insgesamt 153 Delegierten. Entwicklung der Charteridee (Besiedlungskonzession). Die politischen Bemühungen Herzls stiessen bei vielen Vertretern jüdischer Siedlervereine auf Unverständnis und Widerspruch: Sie stellten dagegen die Bedeutung einer „kulturellen“ bzw. ethnischen Identität heraus. Man vereinbarte, dass der Jewish Colonial Trust sein Aufkommen nur in Palästina oder Syrien einsetzen sollte. U. a. Teilnahme von Buber. Auseinandersetzung Herzl/Moses Gaster, den Herzl widerlegen konnte. Kurz zuvor hatte Syrkin seine Ansichten über sozialistischen Zionismus dargelegt: die Annahme, das Problem der Juden der Diaspora werde auch nach der Sozialistischen Revolution ungelöst bleiben. Die einzige Lösung für die jüdische Existenz sei die Einwanderung und die Konzentration auf ein Territorium. – Kongress-Stenograph war der Reichsrats-Stenograph und Brünner Zionist Rudolf Taussig; - seit 1899 nimmt auch Max Kaufmann an den Kongressen teil, Arzt in Freiburg im Breisgau, von Anfang an einer der wichtigsten zionistischen Agitatoren im süddeutschen Raum und langjähriges Mitglied im Zentralkomitee der Zionistischen Vereinigung für Deutschland
  • 28.8.1899: Zusammentreffen Herzls mit Nouri Bey (Mehmet Nuri Bey, 1858-1908, seit 1893 bis zu seinem Tod Generalsekretär des türkischen Aussenministeriums) im Hotel Imperial in Wien. Es wird verhandelt: Nouri Bey lässt sich 10 000 frcs in bar geben, weitere 30 000 sind vereinbart für den Tag, an dem Nouri Bey Herzl eine Audienz beim Sultan verschafft. Wenig später wird die Vorauszahlung noch auf 15 000 heraufgehandelt, Herzl versteht es, dann doch nur 10 000 überbringen zu lassen (durch Kremenezky).
  • 13.9.1899: Der – von Herzl als offensichtlich geistesgestört eingeschätzte – „Anarchist“ Marcou Baruch hat sich in Florenz erschossen – aus Liebeskummer. Vom 2. bis zum 3. Zionistenkongress hatte er Herzl (weil er sich von ihm zurückgesetzt fühlte) mit Drohbriefen verfolgt; Herzl fürchtete, Baruch werde in Basel ein Attentat auf ihn versuchen.
  • 1.10.1899: aus einem Brief Herzls an Karl Friedrich Heman [Johann Friedrich Carl Gottlob Heman, 1839-1919, protestantischer Theologe, seit 1874 Sekretär der Missionsgesellschaft "Verein der Freunde Israels" in Basel, er hatte einen zum Protestantismus konvertierten jüdischen Vater] in Basel: " ... Ueber die erhabene Gestalt Jesu denke ich oft nach, und manchmal empfinde ich eine Art Chauvinismus darüber, dass er ein Jude war. Ich muss mich freilich hüten, das laut zu sagen, weil man jedes meiner Worte hässlich entstellt, seit ich diese namenlos schwere Sache unternommen habe ... mich ergreift vor allem die dichterische Schönheit seiner Gestalt. Am meisten die Stelle in Matthäus 9,15 ... Es ist abscheulich, wenn man für sich selbst ein Opportunist in Ueberzeugungen ist – in der Führung einer Sache ist es gestattet, ja nöthig ... "
  • 1899-10.8.1985: Jakow Jisrael Kaniewsky, der Steipler

Bücher

  • M. Ginsburger, Das Fragmententhargum, Berlin 1899
  • S. Buber, Midrasch Echa Rabbati. Sammlung aggadischer Auslegungen der Klagelieder, Wilna 1899 (Nachdruck Hildesheim 1967)
  • M. Gaster (Hrsg.), The Chronicle of Yerahmeel, London 1899
  • L. Wiener, The History of Yiddish Literature in the nineteenth century, London 1899 (Nachdruck mit Einführung von E. Schulman, New York 1972)
  • S. Freud, Traumdeutung, 1899

Zeitungen und Zeitschriften

  • 1. Juni 1899: "El Progreso", eine vom Aktionskomitee in Wien herausgegebene spaniolische zionistische Zeitschrift, beginnt zu erscheinen (2 x pro Monat; Herausgeber und Redakteur: Moritz J. Cohen, Wien, II., Wallensteinstrasse No. 60)

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