Jewiki unterstützen. Jewiki, die größte Online-Enzyklopädie zum Judentum.

Helfen Sie Jewiki mit einer kleinen oder auch größeren Spende. Einmalig oder regelmäßig, damit die Zukunft von Jewiki gesichert bleibt ...

(Spendenkonto siehe Impressum). Vielen Dank für Ihr Engagement!

1898

Aus Jewiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Portal Geschichte | Portal Biografien | Aktuelle Ereignisse | Jahreskalender

| 18. Jahrhundert | 19. Jahrhundert | 20. Jahrhundert |
| 1860er | 1870er | 1880er | 1890er | 1900er | 1910er | 1920er |
◄◄ | | 1894 | 1895 | 1896 | 1897 | 1898 | 1899 | 1900 | 1901 | 1902 | | ►►

Ereignisse

  • August 1898: Herzl beendet das gesellschaftskritische Lustspiel „Unser Käthchen“ (unter dem Arbeitstitel „Die Fleischtöpfe Ägyptens“ hatte er an dieser bitteren, nicht ganz von autobiographischen Elementen freien Ehekomödie seit Juni 1891 immer wieder gearbeitet); am 3.2.1899 wurde es im Wiener Deutschen Volkstheater uraufgeführt (nachdem es kurz zuvor im Kaiserlichen Burgtheater Wien verboten worden war) und im Juni 1899 auch in Prag gespielt
  • 30. August 1898: Major Hubert Joseph Henry gesteht, die Unterlagen gefälscht zu haben, die den angeblichen Landesverrat von Dreyfus „bewiesen“ hatten; am folgenden Tag nimmt sich Henry das Leben.
  • 2. September 1898: Herzl mit Hechler beim Grossherzog von Baden auf Schloss Meinau (zweistündige gute, „hochpolitische“ Unterredung)
  • 16. September 1898: Herzl bei Philipp Eulenburg
  • 16.9.1898–24.3.1973: Chajim Hasas, israelischer Schriftsteller.
  • 18. September 1898: Herzl bei Bernhard von Bülow, dem deutschen Minister des Auswärtigen
  • 27. September 1898: Herzl war es gelungen, über den Grossherzog Friedrich von Baden Zugang zum deutschen Kaiser zu erhalten. Wilhelm II. liess ihm im September 1898 (Brief Eulenburgs aus Rominten/Ostpreussen 27.9.1898 und „Geheime Nachschrift“ vom 28.9.1898) durch den Grafen Philipp Eulenburg, damals Botschafter in Wien, seine Bereitschaft zusichern, ihn auf seiner bevorstehenden Reise nach Konstantinopel und Palästina zu empfangen, sich beim Sultan für ihn bzw. für die zionistische Sache zu verwenden und selbst das Protektorat über die für die Besiedlung des Landes zu gründende Landgesellschaft zu übernehmen.
  • 7. Oktober 1898: Herzl bei Eulenburg auf dessen Rittergut Liebenberg (Mark Brandenburg, nördlich von Berlin); Eulenburg versichert nochmals, dass er den Kaiser für die zionistische Sache „warm gemacht“ habe, der Kaiser „wünsche eine Deputation der Zionisten in Jerusalem zu empfangen“
  • 8. Oktober 1898: Herzl bei von Bülow, wird dort dem Reichskanzler Fürsten Hohenlohe vorgestellt
  • 14. Oktober 1898: Herzl reist mit dem Zug nach Konstantinopel; von Ben-Jehuda hatte er eine Warnung erhalten, man könne in Palästina Herzl nach dem Leben trachten
  • Oktober 1898: Kaiser Wilhelm II. nimmt bei seinem Palästinabesuch die Grundsteinlegung der Dormitio (-Sanctae-Mariae) Kirche in Jerusalem vor (der Name knüpft an eine Überlieferung, dass Maria an diesem Ort entschlafen sei), die dann in den Jahren 1901 bis 1910 in romanischem Stil erbaut wurde; sie wurde und wird von Benediktinern betreut; das Grundstück der „Dormition“, auf dem sie errichtet wurde – ein Teilstück des Jerusalemer Zionsbergs – hatte Sultan Abd ul-Hamid dem deutschen Kaiser geschenkt, der es seinerseits den deutschen Katholiken überliess
  • 18. Oktober 1898: Herzl wird am Nachmittag in Stambul von Kaiser Wilhelm II. in Privataudienz empfangen. Bülow ist auch zugegen. Die Unterredung dauerte eine knappe Stunde. Der Kaiser erklärt Herzl, dass und warum ihm die „zionistische Bewegung“ (eine Vokabel, die er schon flüssig und selbstverständlich benutzt) zusage; Bülow ist dagegen, darf aber nicht „Nein“ sagen, weil der Kaiser dafür ist. Das in freier Atmosphäre geführte Gespräch bot Herzl Gelegenheit, alle seine Argumente auszubreiten und den Kaiser für sich einzunehmen. Wolffsohn hatte draussen im Wagen in nervöser Aufregung gewartet. Im Hôtel de Londres warteten Schnirer, Seidener, Bodenheimer ebenfalls in grosser Aufregung auf den Ausgang dieser wichtigen Unterredung.
  • 27. Oktober 1898: Ankunft der Delegation (Herzl, Wolffsohn, Bodenheimer, Joseph Seidener, Moses Schnirer) in Rischon le Zion. Die Reise per Schiff hatte folgende Route gehabt: von Konstantinopel über Smyrna, Piräus nach Alexandria und von dort über Port Said nach Jaffa; Herzl sollte und durfte in Palästina nicht im Namen der Jerusalemer Juden sprechen; ein entsprechendes Schreiben hatte der Oberrabbiner von Konstantinopel (Chacham baschi Moses ha-Levi) an seinen Kollegen in Jerusalem (Elisar) geschickt; davon, Herzl offiziös zu bannen (wie Herzl befürchtete), war aber keine Rede
  • 28. Oktober 1898: erstes – eher zufälliges – Zusammentreffen des Kaisers mit Herzl in Mikwe-Israel; der Kaiser mit Gefolge zu Pferde; Herzl lässt den Schülerchor von Mikwe die „preussische Hymne“ „Heil dir im Siegerkranz“ absingen; diese kurze, nichtssagende Unterredung zwischen Herzl und dem deutschen Kaiser in Mikwe-Israel wurde fotografisch von Wolffsohn so stümperhaft festgehalten, dass man aus zwei misslungenen Bildern notdürftig eine Fotomontage erstellte. Diese diente v. a. dazu, das Ansehen Herzls unter den Juden Europas zu stärken und dort für das zionistische Anliegen zu werben. Doch inhaltlich war diese und die folgende Begegnung eine herbe Enttäuschung, der Kaiser vermied jede Aussage, die als Unterstützung des Zionismus ausgelegt werden könnte. Unter dem Eindruck des türkischen Widerstands gegen die zionistischen Pläne und beeinflusst durch den Aussenminister Bernhard von Bülow, der über die ablehnende Haltung der reichen Juden informiert war und die deutsche Aussenpolitik nicht in ein ihm darum aussichtslos erscheinendes Unternehmen verstrickt sehen wollte, blieben die Unterredungen ohne weitere Folgen. Die deutsche Aussenpolitik hat sich in den beiden folgenden Jahrzehnten den zionistischen Bestrebungen gegenüber kühl verhalten.
  • 29.10.1898: Kaiser Wilhelm II. reitet majestätisch in Jerusalem ein: in schneeweisser Paradeuniform auf einem schwarzen Hengst durch eine eigens für ihn in die mittelalterlichen Stadtmauern geschlagene Bresche am Jaffa-Tor.
  • 31.10.1898: Die deutsche evangelische Erlöserkirche, in Jerusalem unweit der Grabeskirche gelegen, wird in Gegenwart des deutschen Kaiserpaares geweiht. Herzl bleibt auf dem Hotelzimmer, um nicht von seinen jüdischen Kritikern mit diesem Ereignis in Verbindung gebracht werden zu können.
  • 2.11.1898: Am 2.11.1898 kamen Herzl (mit der Delegation) und Wilhelm II. (auch Bülow war anwesend) zum letzten Mal zusammen (die vereinbarte Audienz, bei der Herzl eine vorbereitete und zuvor in geänderter Fassung genehmigte Rede vorlas, anschliessend einige wenige Minuten unverbindliches Geplauder). Der Eindruck verstärkte sich, dass der Kaiser trotz diplomatisch freundlicher Worte mittlerweile sein Interesse am Zionismus verloren hatte, weil er sein Bündnis mit dem Osmanischen Reich nicht aufs Spiel setzen wollte.

Bücher

Zeitungen und Zeitschriften

1898 in Wikipedia