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1989

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Ereignisse

  • 1989: Nobelpreis für Chemie an: Sidney Altman
  • 1989: Nobelpreis für Medizin an: Harold E. Varmus
  • 1989: Abkommen von Taif dient als Basis für einen Frieden im Libanon.
  • 1989: Massive Wellen russischer Einwanderer bringen 700 000 Menschen nach Israel.
  • 1989: Regelung bezüglich Taba zwischen Ägypten und Israel
  • 1989: Gründung der Siedlung Talmon im Westjordanland (Region Binjamin, ca. 1800 Einwohner im Jahr 2004)
  • 1989: Gründung der Siedlung Ofarim im Westjordanland (Region Benjamin, ca. 870 Einwohner im Jahr 2004)
  • 1989: Gründung der Siedlung Bat Ajin im Westjordanland (Region Gusch Etzion, ca. 800 Einwohner im Jahr 2004); im Jahr 2002 versuchte eine israelische Terror-Organisation aus dieser Siedlung – Anhänger von Meir Kahane – einen Sprengstoffanschlag auf eine palästinensische Mädchenschule in Jerusalem
  • 1989: Gründung der Siedlung Tzufim im Westjordanland (Region Samaria, ca. 1050 Einwohner im Jahr 2004)
  • 1989: Der Terror in Nahost erreichte neue Höhepunkte. Die israelische Armee entführte im Libanon einen schiitischen Geistlichen, Scheich Obeid (und erschoss bei der Entführungsaktion einen Unbeteiligten), worauf libanesische Extremisten den in ihrer Gewalt befindlichen amerikanischen Oberstleutnant William Higgins ermordeten. Weiteren Geiseln im Libanon (noch befanden sich 16 Menschen aus Westeuropa oder den USA in der Gewalt von Extremisten) wurde der Tod angedroht. Verhandlungen führten vorerst ins Leere.
  • 1989: Jerusalem. Neueröffnung des Stadtmuseums von Jerusalem im Davidsturm in der in die Altstadtmauer eingefügten Zitadelle im Jaffator
  • 1989: die grössten Tageszeitungen in Israel:
  • 20.1.1989-20.1.1993: George Bush (George H. W. = Herbert Walker Bush) 41. US-Präsident (Vater von George W. Bush, des 43. Präsidenten)
  • 26. Januar 1989: Der ägyptische Präsident Hosni Mubarak in der Jerusalem Post: „Die palästinensische Forderung des „Rechts auf Rückkehr“ ist in höchstem Masse unrealistisch. Das Flüchtlingsproblem hätte mittels finanziellen Ausgleichs und der Umsiedelung der Flüchtlinge in arabische Länder gelöst werden müssen.“
  • 14.2.1989: Im zehnten Jahr seiner religiösen und weltlichen Herrschaft über den Iran schockiert Ayatollah Khomeini 1989 die gesamte nichtislamische Welt; der Schiitenführer fordert die Moslems in einer "Fatwa" auf, den Schriftsteller Salman Rushdie zu töten, einen britischen Staatsbürger indischer Abstammung; Khomeini wirft dem erfolgreichen Autor vor, in seinem Roman "Die satanischen Verse" den Propheten Mohammed mit Homosexualität und Prostitution in Verbindung gebracht zu haben; für die Ermordung des Schriftstellers lässt Khomeini ein Kopfgeld in Millionenhöhe aussetzen; im englischen Bradford, Rushdies Wohnort, werden bei einer moslemischen Protestkundgebung Bücher des Autors öffentlich verbrannt; in Pakistan trampeln Teilnehmer einer Anti-Rushdie-Kundgebung mehrere Menschen zu Tode; Verleger des Rushdie-Buches erhalten Morddrohungen; auf eine Forderung der Londoner Regierung, den Mordbefehl gegen den Schriftsteller zurückzunehmen, reagiert Teheran mit Abbruch der diplomatischen Beziehungen; Rushdie lebt seitdem in einem unbekannten Versteck; Chomeini stirbt am 3.6.1989
  • Februar 1989: Die Sowjetunion zieht ihre letzten Truppen nach über 9 Jahren aus Afghanistan ab; die Bilanz: 15 000 gefallene, 40 000 verwundete Sowjetsoldaten, auf afghanischer Seite mehr als 1 Mio. Tote, über 1 Mio. Verstümmelte
  • Frühjahr 1989: Der Platz des Himmlischen Friedens im Zentrum von Peking wird, beginnend im Frühjahr 1989, zum Schauplatz und Schlachtfeld eines Volksaufstandes für mehr Demokratie; bis zu einer Million Studenten, Arbeiter und Angestellte fordern in spontanen Demonstrationen von der kommunistischen Regierung Diskussionsbereitschaft, Aufhebung der Pressezensur und die Absetzung korrupter Parteifunktionäre, tausende Studenten gehen in den Hungerstreik, am 3. und 4. Juni 1989 schlägt die „Volksbefreiungsarmee“ im Auftrag der chinesischen Führung zu und geht mit Panzern und Maschinengewehren gegen unbewaffnete Zivilisten vor: Mehrere Hundert Menschen werden erschossen oder von Armeefahrzeugen niedergewalzt oder von den Soldaten erschlagen
  • Juni 1989: Ungarn beginnt als erstes Land des ehemaligen Ostblocks mit dem Abbau des „Eisernen Vorhangs“ an seiner Westgrenze und ermöglicht damit DDR-Bürgern die Massenflucht nach Österreich
  • 7.7.1989: Einem Terroranschlag auf einen israelischen Bus auf der Strecke Tel Aviv-Jerusalem fallen 14 Menschen zum Opfer, 27 weitere werden verletzt.
  • 23.7.1989: Daniel Radcliffe (Daniel Jacob Radcliffe) in Fulham, London, geboren, britischer Schauspieler; bekannt und zum reichsten Teenager Englands wurde er durch die Verkörperung des Harry Potter in den Verfilmungen der gleichnamigen Romane von Joanne K. Rowling; sein Vater ist der aus Nordirland stammende protestantische Literaturagent Alan George Radcliffe, seine Mutter die jüdische Casting-Agentin Marcia Jeannine Gresham (geborene Jacobson); "Gresham" ist eine Anglisierung von "Gershon"; Daniel Radcliffe selbst ist Atheist
  • 10.8.1989: Ben Sahar in Holon geboren, israelischer Fussballspieler; er hat aufgrund der Herkunft seiner Mutter auch einen polnischen Pass; der Stürmer, der als eines der grössten Talente Israels gilt, stammt aus der Jugend von Hapoel Tel Aviv; im Jahr 2006 holte der FC Chelsea Sahar nach einem zweimonatigen Probetraining in seine Jugendabteilung; mit 17 Jahren war er der jüngste israelische Nationalspieler aller Zeiten, ehe er durch Gai Assulin abgelöst wurde
  • 24. August 1989: Tadeusz Mazowiecki erster nichtkommunistischer Ministerpräsident Nachkriegspolens
  • 4. Oktober 1989: Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Belgien, Joseph Wybran, stirbt nach einem Mordanschlag in Brüssel. Zu dem Attentat bekennt sich die proiranische Terrorgruppe "Soldaten der Wahrheit".
  • 22. Oktober 1989: Das Taif-Abkommen leitet die Beendigung des Libanesischen Bürgerkriegs ein.
  • 10. November 1989: Die Mauer fällt. Seit der Öffnung der deutsch-deutschen Grenze durch die DDR in der Nacht zum 10. November 1989 hat die Berliner Mauer, an der seit ihrem Bau 1961 80 Flüchtlinge ums Leben kamen, ihren Schrecken verloren; innerhalb weniger Tage schaffen DDR-Bausoldaten neue Übergänge für den freien Verkehr zwischen Ost und West, beseitigen Teile der Mauer und bekommen dabei sehr schnell ungebetene Hilfe durch so genannte Mauerspechte, die die Mauer stückweise an sich nehmen: Ein schwunghafter Handel mit Mauerresten – gross oder klein – beginnt, in den dann auch die DDR selbst einsteigt. Für die Juden in Deutschland brachte der Fall der Mauer Konsequenzen mit sich, die vorher kaum jemand erahnen konnte. Die jüdische Gemeinschaft in der Bundesrepublik stagnierte damals bei einer Mitgliederzahl von unter 30 000, die Gemeinden in der DDR hatten weniger als 400 Mitglieder - Tendenz in beiden Staaten fallend. Hätte 1989 jemand vorausgesagt, in Deutschland würden 20 Jahre später etwa 200 000 Juden zu Hause sein, man hätte ihn schlichtweg für verrückt erklärt. Mit dem Fall der Mauer und dem Zerfall der Sowjetunion hatten nun die über zwei Millionen Juden in der ehemaligen UdSSR die Möglichkeit, das Land zu verlassen. Über eine Million ging nach Israel, einige Hunderttausende nach Amerika. Doch nicht alle wollten ins heilige, aber auch konfliktgebeutelte Land ziehen, und nicht alle konnten in die Goldene Medine, denn diese hatte gerade ihre Einwanderungsbestimmungen verschärft. Deutschland war wohl das einzige Land, das aufgrund seiner Geschichte nicht dichtmachen konnte, wenn Juden an seine Türe klopften. Der Bundestag war sich einig wie selten, als Ende 1990 über die jüdische Zuwanderung aus der Sowjetunion diskutiert wurde. So kam im Laufe der nächsten beiden Jahrzehnte etwa eine Viertelmillion sogenannter "Kontingentflüchtlinge" nach Deutschland. Wie viele von ihnen im strengen halachischen Sinn Juden waren, ist nicht genau zu bestimmen. Doch auch wenn viele nichtjüdische Familienangehörige darunter waren, einige ihre jüdische Identität gefälscht hatten und manche sich weigerten, einer Gemeinde beizutreten - die Zahl der Mitglieder in den deutschen Gemeinden vervierfachte sich in kurzer Zeit. In den GUS-Staaten war es nun plötzlich "in", Jude zu sein, denn so konnte man ausreisen. Welche Ironie der Geschichte für Russland - aber auch für Deutschland. Das Land, in dem nach dem Zweiten Weltkrieg eigentlich keine Juden mehr leben sollten, wurde nach 1989 zu dem Staat mit der am schnellsten wachsenden jüdischen Bevölkerung in der Diaspora. Der Integrationsprozess war zwar auch für die "alteingesessenen" Gemeindemitglieder nicht immer einfach, doch eines steht fest: Ohne diese Zuwanderung gäbe es heute nur noch wenige jüdische Gemeinden in Deutschland.
  • 25.12.1989: Nicolae Ceauşescu bei Târgovişte nördlich von Bukarest von einem eilig zusammengestellten Militärgericht im Schnellverfahren zum Tode verurteilt und erschossen (gemeinsam mit seiner Frau Elena)
  • seit 1989: Seit 1989 sind etwa eine Million Juden nach Israel eingewandert. Die Mehrheit von ihnen, etwa 80 Prozent, kam aus der ehemaligen Sowjetunion. Seit 1989 übersteigt die Zahl der Einwanderer nach Israel die Zahl der Auswanderer deutlich.

Bücher

  • The Collective Catalogue of Hebrew Manuscripts, hrsg. v. The Institute of Microfilmed Hebrew Manuscripts, The Department of Manuscripts, The Jewish National and University Library Jerusalem, Jerusalem 1989
  • Imre Kertész, „Kaddisch für ein nicht geborenes Kind“
  • Jane E. Gilbert, „Ich musste mich vom Hass befreien. Eine Jüdin emigriert nach Deutschland“ (Jane Gilbert, geb. 23.4.1947, war aus Amerika nach Deutschland übergesiedelt, in ihrem Lebensbericht schreibt sie von ihrer Begegnung mit dem „Feindesland“)
  • Max Wurmbrand, Cecil Roth, Das Volk der Juden – 4000 Jahre Kampf ums Überleben, Wiesbaden 1989
  • Peter Freimark, Arno Herzig (Hrsg.), Die Hamburger Juden in der Emanzipationsphase 1780-1870, Hamburg 1989
  • Claudia Prestel, Jüdisches Schul- und Erziehungswesen in Bayern, 1804-1933, Göttingen 1989
  • Falk Wiesemann, Bibliographie zur Geschichte der Juden in Bayern, München 1989
  • Marsha L. Rozenblit, Die Juden Wiens 1867-1914, Wien/Köln/Graz 1989
  • Robert Solomon Wistrich, The Jews of Vienna in the Age of Franz Joseph, Oxford 1989
  • Dieter Kastner, Der rheinische Provinziallandtag und die Emanzipation der Juden im Rheinland 1825-1845. Eine Dokumentation, 2 Bde., Köln 1989
  • Jean-Claude Favez, Das Internationale Rote Kreuz und das Dritte Reich - War der Holocaust aufzuhalten?, Zürich 1989
  • Hendrikje Kilian, Die jüdische Gemeinde in München 1813-1871, München 1989
  • Jacob H. Sinason, The Gaon of Posen. A Portrait of Rabbi Akiva Guens-Eger, Jerusalem und New York 1989
  • Julia Wood Kramer, This, Too, Is For the Best. Simon Kramer and His Stories, New York 1989
  • Walter Laqueur, A History of Zionism, New York 1989
  • Arthur Hertzberg, The Jews in America, New York 1989
  • Jonathan D. Sarna und Nancy H. Klein, The Jews of Cincinnati, Cincinnati 1989
  • Gene Bluestein, Anglish/Yinglish. Yiddish in American life and literature, 1989
  • Gershon Shafir, Land, Labour and the Origins of the Israel-Palestinian Conflict, 1882-1914, Cambridge 1989
  • Uri Milstein, The History of the Independence War, Tel Aviv 1989 (hebr.)
  • Rosemarie Schuder, Rudolf Hirsch, Der gelbe Fleck, Wurzeln und Wirkungen des Judenhasses in der deutschen Geschichte. Essays, Berlin 1989
  • Francis R. Nicosia, Hitler und der Zionismus. Das 3. Reich und die Palästina-Frage 1933 - 1939, Leoni am Starnberger See 1989

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