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1986

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Ereignisse

  • 1986: Nobelpreis für Chemie an: John C. Polanyi
  • 1986: Nobelpreis für Medizin an: Stanley Cohen
  • 1986: Nobelpreis für Medizin an: Rita Levi-Montalcini
  • 1986: Friedensnobelpreis an: Elie Wiesel
  • 1986: Textfund. Wadi al-Maffjar (aramäische Dokumente und griechische Texte aus dem 4. und 2. Jhdt. v. d. Z.)
  • 1986: der Mossad entführt den israelischen Atomtechniker Mordechai Vanunu, der Informationen über das israelische Atomwaffenprogramm in Dimona an die Presse weitergegeben hatte
  • 1986: Gründung der Siedlung Har Adar im Westjordanland (Region Benjamin, ca. 2100 Einwohner im Jahr 2004)
  • 1986: Eine anhaltende Dürre liess Teile des Sees Genezareth verlanden. Im Schlamm des Sees wurde eine interessante Entdeckung gemacht: ein 2000 Jahre altes Boot. Das Holz war so morsch, dass die ganze Konstruktion zuerst mit Kunststoffschaum ummantelt werden musste, bevor man sie bergen konnte. Verschiedene Untersuchungen ergaben als Baujahr des Bootes 40 v. d. Z. plus minus 80 Jahre, d. h. das Boot ist wahrscheinlich zwischen 120 v. und 40 n. d. Z. entstanden.
  • 8.1.1986: Die seit Jahresanfang im Besitz der Deutschen Bank befindliche Firmengruppe Feldmühle Nobel will der jüdischen Organisation "Conference on Jewish Material Claims against Germany" als Entschädigung für die Beschäftigung von Zwangsarbeitern während des Zweiten Weltkriegs fünf Millionen Mark überweisen
  • 7. Februar 1986: Nach schweren Unruhen geht Haitis Diktator Duvalier („Baby Doc“) ins Exil
  • 25. Februar 1986: Nach 21 Jahren an der Macht Rücktritt des philippinischen Staatspräsidenten Marcos; Corazon Aquino, die Frau des ermordeten Benigno Aquino, wird Präsidentin der Philippinen
  • 28.2.1986: Schwedens Ministerpräsident Olof Palme wird in Stockholm erschossen
  • 2. März 1986: der erste seit 1976 eingesetzte palästinensische Bürgermeister in den israelisch besetzten Gebieten wird von Unbekannten erschossen
  • 19. März 1986: Kairo. Eti Telor, Ehefrau eines Angehörigen der israelischen Botschaft, in ihrem Auto beim israelischen Pavillon der Cairo Trade Fair ermordet. Drei Botschaftsangestellte verwundet.
  • 25. März 1986: Der Jüdische Weltkongress beschuldigt den ehemaligen UN-Generalsekretär und österreichischen Präsidentschaftskandidaten der ÖVP, Kurt Waldheim, im 2. Weltkrieg von Kriegsverbrechen auf dem Balkan gewusst und auch nachweislich an einer Aktion gegen Partisanen teilgenommen zu haben; Waldheim bestreitet die Vorwürfe; in der darauf folgenden Zeit kommen immer mehr Details ans Licht, die seine Aussagen widerlegen; Waldheim wird nach der Parole "Jetzt erst recht" am 8. Juni bei einer Stichwahl mit 54% zum österreichischen Präsidenten gewählt; der erste Gratulant aus dem Ausland ist der libysche Staatschef Gadhafi
  • 4./5. April 1986: Bombenanschlag auf die Westberliner Diskothek „La Belle“, die von vielen US-Soldaten besucht wird: 3 Todesopfer und 280 Verletzte; der libysche Staatschef wird als Drahtzieher des Attentats vermutet; die Schuld wird erst viel später vom libyschen Staat eingestanden, zuvor der Lockerbie-Anschlag (21.12.1988: 270 Tote) als Rache für die amerikanischen Bombardierungen des 15.4.1986 verübt, die wiederum eine Antwort auf den La-Belle-Anschlag darstellten
  • 13.4.1986: Besuch Papst Johannes Pauls II. in der Grossen Synagoge von Rom (der erste Besuch eines Papstes einer Synagoge überhaupt)
  • 15. April 1986: amerikanische Jagdbomber fliegen Angriffe auf die libyschen Städte Tripolis und Bengasi, versuchen, Gadhafi punktgenau zu treffen, mehr als 70 Menschen, darunter viele Kinder, kommen ums Leben; Gadhafi bleibt unverletzt und ruft im arabischen Fernsehen zur Rache gegen den „Mörder Reagan“ auf
  • 25. April 1986: Durch einen Bedienungsfehler im Block 4 des sowjetischen Kernkraftwerks Tschernobyl 130 km nördlich von Kiew kommt es zum ersten Super-GAU in der Geschichte der friedlichen Nutzung von Atomenergie
  • 28. April 1986: Das Ermittlungsverfahren gegen den ehemaligen Bürgermeister von Korschenbroich am Niederrhein, Graf von Spee, wegen des Verdachts der Volksverhetzung und der Beleidigung jüdischer Bürger wird gegen die Zahlung einer Geldbusse von 90 000 Mark eingestellt; Spee hatte gesagt, um den Haushalt auszugleichen, müsse man schon einige reiche Juden erschlagen, und sich später über das Aufsehen gewundert, das diese Äusserung erregt hat
  • 6. Juni 1986: Mit einem Artikel für die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) vom 6. Juni 1986 ("Vergangenheit, die nicht vergehen will") löst der deutsche Historiker Ernst Nolte (geb. 1923 in Witten) den so genannten Historikerstreit aus. Dem Text lagen Gedanken zu Grunde, die er bereits am 24. Juli 1980 in einem Artikel der FAZ geäussert hatte. Er erklärte darin, der Archipel Gulag habe „das logische und faktische Prius“ vor Auschwitz, das heisst, der „Rassenmord“ der Nationalsozialisten sei nur aus Furcht vor dem älteren „Klassenmord“ der Bolschewiki entstanden. Der Massenmord an den Juden, der schon in seinen älteren Thesen nicht zum Wesenskern des Faschismus gerechnet wurde, und die antisemitische Weltanschauung Hitlers seien - wie Nolte in seinem 1989 erschienenem Werk "Der europäische Bürgerkrieg 1917-1945. Nationalsozialismus und Bolschewismus" weiter ausführte - lediglich eine „überschiessende Reaktion“ auf die Bedrohungslage seit den bolschewistischen Gräueln der Oktoberrevolution und habe damit einen „rationalen Kern“. Diese These, die – gegen Noltes Absichten – die Einzigartigkeit (Singularität) der Shoa in Frage zu stellen schien, erweiterte er zur Behauptung eines „europäischen Bürgerkriegs“, der von 1917 bis 1945 getobt habe. Nolte rückt hier Faschismus, Nationalsozialismus und Kommunismus in ein enges Entsprechungsverhältnis, in dem der Bolschewismus anstossgebendes Vorbild und "Schreckbild" Hitlers gewesen sei. Auch stilisierte er den von jüdischer Seite als Reaktion auf antisemitische Ausschreitungen gestarteten Boykott deutscher Waren im Ausland und die Bekanntgabe einer "Kriegserklärung" für einen angeblichen Finanz- und Wirtschaftskrieg im Daily Express vom 24. März 1933 sowie die Loyalitätsbekundung Chaim Weizmanns von 1939 für Grossbritannien zur Kriegserklärung der Juden an das Deutsche Reich und rechtfertigte - so Micha Brumlik - die mit Kriegsbeginn einsetzende Internierung der Juden in Konzentrationslager als legitime Gegenmassnahme. Neben massiven methodischen und quellenkundlichen Vorwürfen setzte die Kritik in der Folgezeit an Noltes Verständnis der NS-Ideologie an: Bei Nolte sei deren Antisemitismus eine Abwehrideologie gegenüber einer konkreten Bedrohung, tatsächlich aber sei er von Beginn an ein entscheidendes Wesensmerkmal der nationalsozialistischen Ideologie und ihrer völkischen Vorläufer gewesen, was beispielsweise für den italienischen Faschismus in dieser Aggressivität so nicht gelte. Nolte erkläre die hier vorhandenen Unterschiede nicht und beziehe Betrachtungen, die bei faschistischen Bewegungen möglicherweise eine gewisse Plausibilität besässen, unreflektiert auf das in vieler Hinsicht andersartige völkische Wesen der NS-Bewegung. In den Jahren nach dem Historikerstreit verlor Nolte zunehmend an Rückhalt. In seinem Werk Geschichtsdenken des 20. Jahrhunderts führte er aus, es habe in besagtem Jahrhundert drei „ausserordentliche Staaten“ gegeben, nämlich die UdSSR, das geteilte Deutschland und Israel. Alle drei seien einmal „anormal“ gewesen, wobei die UdSSR und Deutschland jedoch wieder als „normal“ zu betrachten seien, - allein Israel müsse diesen Zustand noch erreichen, sonst laufe es Gefahr, der „einzige Staat nach dem Herzen Hitlers“ zu werden. Die Rezeption dieses Buches war überwiegend ablehnend. Noltes Ablehnung der Verschärfung des § 130 StGB (Strafbarkeit der Holocaustleugnung als Volksverhetzung) in einem Zeitungsartikel als „Gefahr für die geistige Freiheit“ Deutschlands stiess ebenfalls überwiegend auf Unverständnis. Sein 1998 veröffentlichtes Buch "Historische Existenz. Zwischen Anfang und Ende der Geschichte?", das er selber in einem Vortrag als sein Hauptwerk verstanden wissen wollte, intensivierte seine Thesen aus dem Historikerstreit noch einmal. Er führte aus, dass auch die Tätigkeit sowjetischer Partisanen hinter der Front als Reaktion den Massenmord an den Juden provoziert hätte. Hitler habe zudem „schwerwiegende Gründe“ gehabt, die Juden seit 1939 als feindlich gesinnt zu betrachten „und entsprechende Massnahmen zu ergreifen“, womit Nolte allerdings nicht deren Ermordung meinte. Er zog jedoch Parallelen zwischen den im Alten Testament enthaltenen Vernichtungsdrohungen für die Feinde Israels und Hitlers Vorstellungen im Zweiten Weltkrieg und billigte ihm zu, eine „bemerkenswerte Kenntnis des Alten Testaments“ gehabt zu haben, Gedankengänge, die in der Presse als Beleg des „wissenschaftlichen Niedergangs“ Noltes bewertet wurden. Im Jahre 2000 wurde ihm der Konrad-Adenauer-Preis der Deutschland-Stiftung verliehen. Angela Merkel lehnte es ab, die Laudatio auf Nolte zu halten. Diese Aufgabe wurde dann vom Direktor des Münchner Institut für Zeitgeschichte Horst Möller übernommen. Nachdem 2003/04 der CDU-Bundestagsabgeordnete Martin Hohmann wegen seiner als antisemitisch betrachteten Rede zum Tag der Deutschen Einheit aus Partei und Fraktion ausgeschlossen worden war, erklärte Nolte Hohmann zum tapferen und respektablen Streiter für Meinungs- und Gewissensfreiheit.
  • 8. Juni 1986: Waldheim wird von den Österreichern trotz der ihm angelasteten Kriegsverbrechen zum Präsidenten gewählt
  • 15. Juli 1986: König Fahd von Saudi-Arabien laut saudischer Presseagentur: „Ich rufe alle Muslime zum Dschihad auf. Sie sollen alles daran setzen, ein muslimisches Palästina wiederherzustellen und die heilige Al-Aksa-Moschee aus der Gewalt der zionistischen Usurpatoren und Aggressoren zu befreien. Die Muslime müssen sich im Widerstand gegen die Juden und die, die sie unterstützen, vereinigen.“
  • 6. September 1986: Überfall auf die Neve-Schalom-Synagoge in Istanbul - 24 Tote. Während des Sabbat-Gebets überfallen Terroristen die Synagoge und töten 22 Gläubige. Auch die beiden Attentäter kommen ums Leben. Zu der Tat bekennen sich die "Islamische Widerstandsfront" und eine "Palästinensische Racheorganisation".
  • 17. September 1986: Aus einem fahrenden Auto schleudern Terroristen am Nachmittag des 17. September 1986 eine Bombe in das Menschengewühl der Pariser Einkaufsstrasse Rue de Rennes; schreiend und blutend liegen 57 Menschen auf dem Bürgersteig, für sechs von ihnen kommt jede Hilfe zu spät; die „Verantwortung“ für den Mordanschlag übernimmt ein „Solidaritätskomitee für die politischen arabischen Gefangenen“, Ziel des Anschlags ist die Freilassung von drei in Frankreich festgenommenen Terroristen
  • 16.10.1986: Ron Arad: Eine IAF Phantom, die am 16. Oktober 1986 an einem Luftangriff gegen terroristische Stützpunkte im Libanon teilnahm, wurde abgeschossen; die Besatzung landete sicher, der Pilot wurde durch einen raschen Helikoptereinsatz gerettet, während Navigator Ron Arad auf der Suche nach einem Versteck verschwand; eine Rettung war unmöglich; Ron Arad wurde einige Stunden später von Mitgliedern der schiitischen Organisation AMAL gefangengenommen, nach Beirut gebracht und vom damaligen Sicherheitschef der AMAL, Mustafa Dirani, festgehalten. Der Führer der AMAL, Nabi Berri, teilte mit, dass er Arad gefangenhalte und schlug einen Austausch gegen schiitische und libanesische Gefangene vor; über zwei Jahre konnte der Kontakt zu Ron Arad durch Briefe und Vermittler, die über seine Freilassung verhandelten, aufrecht erhalten werden; 1988 trennte sich Dirani wegen ideologischer Differenzen von AMAL und nahm Ron Arad mit sich; Dirani bildete eine neue Gruppe, „Widerstand der Gläubigen"; Arad wurde von dieser Gruppe bis zum Beginn des Jahres 1989 festgehalten; nach Verhandlungen zwischen dem „Widerstand der Gläubigen" und dem Iran wurde er gegen eine grosse Geldsumme den iranischen „Revolutionären Garden" übergeben; Israel glaubte lange, dass Arad nach wie vor von den „Revolutionären Garden" gefangengehalten werde; nach der Ausgabe des „Jerusalem Report" vom 8. April 1993 war Arad Gefangener irgendwo im Iran; spätere Gerüchte liessen vermuten, dass er noch lebt und von einer iranischen Gruppe im Libanon festgehalten werde; der einflussreiche deutsche Unterhändler Schmidtbauer verhandelte ebenfalls für Arads Freilassung; im Jahr 2006 gab die Hisbollah Arads Tod bekannt, sein Leichnam sei "verschwunden". - Ron Arad wurde am 5. Mai 1958 als Sohn von Batja und Dov Arad geboren; Ron und seine Frau Tami haben eine Tochter, Jubal; Ron studierte am Technion in Haifa
  • 20.10.1986: Ministerpräsident Peres und Yitzhak Shamir tauschen vereinbarungsgemäss zur Halbzeit der Legislaturperiode die Ämter
  • 23.11.1986: Die Wahlen zum österreichischen Nationalrat stehen ganz im Zeichen des Konflikts um Präsident Waldheim; internationale Proteste weckt die Behauptung des ÖVP-Vorsitzenden Mock, eine "internationale jüdische Mafia" stehe hinter den Angriffen auf Bundespräsident Waldheim
  • 1986-1992: Premierminister Israel: Yitzhak Shamir
  • ab 1986: Jurek Becker Drehbuchautor für die Fernsehserie „Liebling – Kreuzberg“

Bücher

  • Jurek Becker: „Bronsteins Kinder“, 1986
  • T. R. Fyvel, And there my trouble began, London 1986
  • Hermann Arnold, Juden in der Pfalz. Vom Leben pfälzischer Juden, Landau 1986
  • Samuel Moos, Geschichte der Juden im Hegaudorf Randegg, Gottmadingen 1986
  • Österreichische Exilliteratur in den Niederlanden, hrsg. v. Hans Würzner, Amsterdam 1986
  • Harry Zohn, " " ... ich bin ein Sohn der deutschen Sprache nur ... " Jüdisches Erbe in der österreichischen Literatur", Wien/München 1986
  • Alexander Schölch, Palästina im Umbruch: 1856-1882: Untersuchungen zur wirtschaftlichen und sozio-politischen Entwicklung, Stuttgart 1986
  • Itzhak Levy, Jerusalem in the War of Independence, Tel Aviv 1986 (hebr.)
  • Ludwig Basnizki, Der jüdische Kalender. Entstehung und Aufbau, Königstein/Ts 1986
  • Lutz Zwillenberg, Zwischen Bit und Bibel - ein Brückenschlag im Zeitalter der Informatik, München 1986
  • Sidur Sefat Emet (deutsche Übersetzung von Rabbiner Dr. S. Bamberger), Basel 1986
  • Phillip Sigal, Judentum, Stuttgart etc. (Kohlhammer) 1986
  • Wolfgang Angerbauer und Hans-Georg Frank, Jüdische Gemeinden in Kreis und Stadt Heilbronn, Heilbronn 1986

1986 in Wikipedia