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1990

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Ereignisse

  • 1990: Nobelpreis für Physik an: Jerome I. Friedman
  • 1990: Wirtschafts-Nobelpreis an: Harry Markowitz
  • 1990: Wirtschafts-Nobelpreis an: Merton H. Miller
  • 1990: Fields-Medaille an: Vladimir Drinfeld
  • 1990: Fields-Medaille an: Edward Witten
  • 1990: Die Sowjetunion erlaubt ihren jüdischen Bürgern, nach Israel auszuwandern. Früher hatte die Sowjetunion ca. 3 Millionen ausreisewilligen jüdischen Bürgern die Emigration verweigert. Gleich nach der Auflockerung der Bestimmungen emigrierten einige Hunderttausend nach Israel. In Israel wurden von einigen traditionellen Juden Zweifel daran erhoben, ob es sich wirklich bei allen Emigranten um Juden im Sinne des jüdischen Gesetzes handelte.
  • 1990: Jerusalems Bevölkerung: 378 200 Juden, 131 800 Muslime, 14 400 Christen
  • 1990: Der amerikanische Kongress erklärt in einer Resolution: „Jerusalem ist die Hauptstadt des Staates Israel und soll es auch bleiben.“
  • 1990: Der Irak besitzt biologische Sprengköpfe mit Milzbrand- und Botulismuserregern und steht kurz vor dem Abschluss seines Nuklearwaffenprogramms.
  • 1990: Intrafada: Palästinenser töten Palästinenser. Seit Anfang 1990 ging die Zahl der Palästinenser, die in Kämpfen mit den Israelis fielen, um mehr als die Hälfte zurück. In der gleichen Zeit wurden mehr Palästinenser von anderen Palästinensern in der so genannten Intrafada ermordet. 1991 nahmen diese innerpalästinensischen Morde noch zu; in diesem Jahr stieg die Zahl der Opfer der Intrafada von 156 auf 238, das sind mehr als drei Mal so viel, wie durch die Hand der Israelis starben (Near East Report); 1992 wurden fast 200 Palästinenser von ihren palästinensischen Brüdern getötet. Angst und Schrecken waren gross. In der New York Times (12.6.1991) war zu lesen, dass viele Palästinenser, die spät abends ein Klopfen an der Haustür hörten und öffneten, erleichtert waren, wenn sie einen israelischen Soldaten vor sich sahen und nicht einen maskierten Palästinenser. Selbst nachdem die Intifada nach der Unterzeichnung der Prinzipienerklärung von 1993 im Sande verlief, wurde der innerpalästinensische Krieg fortgesetzt.
  • 19.1.1990: Palästinenser töten Palästinenser. Die PLO ging traditionell gegen „Kollaborateure“ vor und kündigte auch über die Medien Anschlagswellen gegen „Kollaborateure und Verräter“ an, jede Form von Sympathie oder konstruktiver Zusammenarbeit mit Israel und dessen Behörden sollte bedroht und verhindert werden. Detaillierte Dokumente wurden entdeckt, die beweisen, dass die PLO lokale Killer angeheuert hatte, um andere Palästinenser ermorden und „militärische Massnahmen“ gegen Israelis durchführen zu lassen. In einem dieser Dokumente ist beschrieben, wie die PLO die Schuld an den Anschlägen frei erfundenen terroristischen Splittergruppen in die Schuhe schieben wollte, um ihren Dialog mit den Amerikanern nicht zu gefährden (vgl. New York Times, 24.10.1989). Jassir Arafat verteidigte („Al-Mussawar“, 19.1.1990) die Ermordung von Arabern, die „der Kollaboration mit Israel“ verdächtigt wurden. Er delegierte die Befugnis für die Vollstreckung von Hinrichtungen an die Anführer der Intifada. Nach den Morden pflegte die lokale PLO-Todesschwadron einen Bericht darüber an die PLO zu schicken. Arafat: „Wir haben die Fälle der Hingerichteten genau überprüft und festgestellt, dass nur zwei der 118 Personen, die hingerichtet wurden, unschuldig waren.“ Die unschuldigen Opfer wurden von der PLO zu „Märtyrern der palästinensischen Revolution“ erklärt. Palästinenser wurden erstochen, mit Beilen zerhackt, erschossen, erschlagen und mit Säure verbrannt, Ohren und Glieder wurden abgeschnitten, Brustwarzen herausgeschnitten usw. Die Rechtfertigungen für die Morde variierten, manchmal reichte es schon aus, bei der Zivilverwaltung in der Westbank und im Gazastreifen angestellt zu sein. In anderen Fällen zog der Kontakt mit Juden ein Todesurteil nach sich. Im Oktober 1989 wurde z. B. ein palästinensischer Vater von sieben Kindern in Jericho mit dem Messer erstochen, weil er Blumenschmuck an Juden verkauft hatte, die eine Sukka bauen wollten. Manchmal wurde der Vorwurf der „Kollaboration“ mit Israel auch einfach als Vorwand für persönliche Racheakte benutzt. Zu den Opfern gehören auch Frauen, die sich angeblich „unmoralisch“ verhalten hatten (vgl. Wall Street Journal, 21.2.1990)
  • 8.2.1990: Der neue DDR-Ministerpräsident Hans Modrow betont in einer Erklärung an den Jüdischen Weltkongress und die Regierung Israels, dass die DDR die Verantwortung des gesamten deutschen Volkes für die Verbrechen des Hitlerfaschismus am jüdischen Volk anerkenne. Der Weltkongress sprach von einem "wichtigen ersten Schritt". Der damalige stellvertretende Verteidigungsminister Benjamin Netanjahu legte der DDR-Regierung nahe, sich an den westdeutschen Traditionen der historischen Aufarbeitung zu orientieren. Doch die von Israel geforderte materielle Wiedergutmachung von etwa 1,5 Milliarden D-Mark sahen die Regierung Modrow wie auch die erste frei gewählte DDR-Regierung unter Lothar de Maizière als unrealistisch an. Man musste sich zunächst den enormen eigenen Wirtschaftsproblemen zuwenden. Die aus den ersten freien DDR-Wahlen hervorgegangene Regierung Lothar de Maizères setzte allerdings die von Modrow eingeschlagene Linie fort und begann nach ihrem Amtsantritt am 14. April 1990 mit Wiedergutmachungsverhandlungen, die an dem Muster der Verhandlungen zwischen Israel und der Bundesrepublik ausgerichtet waren. Mit der Währungsunion vom 1. Juli und der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 nahm dann das vereinte Deutschland die Pflicht auf sich, sich den von der DDR nicht entschädigten Opfern zuzuwenden. Kurz vor ihrer Auflösung nahm die DDR-Fluggesellschaft Interflug auch den Flugverkehr nach Israel auf. Zudem spielte die Übergangsregierung in der DDR die Rolle des Initialzünders bei der Ausreise sowjetischer Juden. Die ersten 2650 von ihnen gelangten noch in den letzten Tagen der souveränen DDR nach Ost-Berlin.
  • 8.2.1990: Am Morgen des 8. Februar 1990 erlitt Rabbiner Chaskel Werzberger in Williamsburg einen Kopfschuss, dem der prominente Angehörige der Satmar-Chasidim vier Tage später erlag. Erst 22 Jahre später wird die Wahrheit über den Todesfall bekannt. Werzberger hatte eben seinen Wagen gestartet, als ein bewaffneter Mann auf ihn zustürmte, einen Schuss aus einer Pistole auf ihn abgab und aus dem Auto zerrte. Der Täter fuhr anschliessend davon. Wie sich bei der Ermittlung herausstellte, war der Auschwitz-Überlebende Werzberger zufällig Zeuge eines fehlgeschlagenen Raubüberfalls geworden: Der Täter hatte es eigentlich auf einen Diamanten-Kurier abgesehen, der gerade seinen Wagen bestieg. Doch dieser konnte ihn anfahren und danach entkommen. Während die Satmar-Gemeinschaft auf rasche Aufklärung drängte, veranstaltete die Polizei von Brooklyn eine Grossfahndung. Nachdem inhaftierte Informanten den Verdacht auf einen vorbestraften Kleinkriminellen namens David Ranta gelenkt hatten, wurde dieser des Mordes angeklagt und im Mai 1991 zu 37 Jahren und sechs Monaten Haft in einem Hochsicherheitsgefängnis verurteilt. Im Lauf des Prozesses waren dem Richter zahlreiche Unstimmigkeiten bei der Beweisführung der Anklage aufgefallen. Dennoch sah dieser von der Abweisung des Falles ab und erhob auch keinen Einspruch, als die Jury Ranta schuldig sprach. Mitte der 1990er Jahre widerriefen einige Zeugen ihre Aussagen gegen Ranta. Aber der gleiche Richter sah dennoch keinen Grund, das Urteil aufzuheben. Der Verurteilte hatte im Gerichtsssaal erklärt, Opfer eines Justiz-Irrtums zu sein. Später dann hat Rantas neuer Anwalt Pierre Sussman weitere Belege für die Unschuld seines Mandanten zusammengetragen und den wahren Täter mit Hilfe dessen damaliger Freundin identifiziert. Der mehrfach wegen Raubes vorbestrafte Mörder war wenige Tage nach der Tat auf der Flucht vor der Polizei tödlich in seinem Auto verunglückt. Sussman konnte zudem nachweisen, dass der damalige Chefermittler Zeugen beeinflusst und Beweise gegen Ranta gefälscht hatte. Der Fall wurde jedoch erst 2012 neu aufgerollt, nachdem der damalige Staatsanwalt Charles Hynes eine Kommission zur Untersuchung fragwürdiger Verurteilungen gegründet hatte. Danach sprach Sussman den Beamten an und Hynes veranlasste die Überprüfung des Verfahrens. Der seinerzeit federführende Polizeidetektiv zeigte gegenüber der Times keine Reue. David Ranta erklärte der Zeitung, der Fall habe sein ganzes Leben zerstört. Am zweiten Tag in Freiheit erlitt David Ranta, der bei seiner plötzlichen Entlassung kaum hatte sprechen können, einen schweren Herzanfall.
  • 20. März 1990: Präsident George Bush an Teddy Kollek: „Wir bleiben grundsätzlich bei unserer Haltung, dass Jerusalem nie mehr geteilt werden darf. Wir haben den Status von vor 1967 niemals gutgeheissen und sind keinesfalls dafür, jetzt zu ihm zurückzukehren.“
  • 2. April 1990: Der irakische Präsident Saddam Hussein: „Ich schwöre bei Gott, dass unser Feuer die Hälfte Israels verzehren wird, falls Israel versuchen sollte, den Irak anzugreifen.“ Saddam behauptete, die Kampfstärke seiner chemischen Waffen werde nur noch von den USA und der Sowjetunion übertroffen, und kündigte an, dass er jeden, der den Irak mit einer Atombombe bedrohe, mit der „binären chemischen Waffe“ auslöschen werde. Wenige Tage später liess Saddam verlauten, dass der Krieg mit Israel so lange nicht zu Ende sei, bis alle von Israel besetzten Gebiete sich wieder in arabischen Händen befinden, und fügte hinzu, dass der Irak von mehreren Stellungen aus chemische Waffen gegen Israel einsetzen könne. Darüber hinaus machte er die alarmierende Aussage, dass seine Offiziere, falls Israel den Irak angreife, die Freiheit hätten, Israel ohne Rücksprache mit ihrem Oberkommando anzugreifen. Der Oberkommandierende der irakischen Luftwaffe sagte später, er habe den Befehl zum Angriff gehabt, falls der jüdische Staat den Irak oder ein anderes arabisches Land angreifen würde.
  • Mai 1990: Eine antisemitische Schandtat, begangen auf dem jüdischen Friedhof der Stadt Carpentras, mobilisierte den Protest von hunderttausenden Franzosen: Sie nahmen an Kundgebungen gegen die Gefahr des Antisemitismus teil. Präsident Mitterand warnte vor Rassismus, Jacques Chirac (Präsident des gaullistischen RPR) sprach von einer "Verantwortung, die uns alle betrifft". Der Führer des rechtsextremen Front National, Le Pen, versäumte es als einziger Politiker, der jüdischen Gemeinde sein Beileid auszusprechen. Auf dem jüdischen Friedhof der südfranzösischen Stadt Carpentras waren 34 Gräber verwüstet und der Leichnam eines eines erst kürzlich bestatteten Mannes geschändet worden. Die antisemitische Tat löste allerdings nicht nur verurteilende Demonstrationen aus, sondern in Einzelfällen auch weitere Schändungen an jüdischen Friedhöfen. Und dies nicht nur in Frankreich, sondern auch in anderen europäischen Ländern.
  • 20. Mai 1990: Ein junger (vermutlich geistesgestörter) Israeli erschiesst bei Tel Aviv acht palästinensische Arbeiter. Das Massaker löst in den israelisch besetzten Gebieten Unruhen aus, die blutig unterdrückt werden und zu vielen weiteren Todesopfern führen.
  • 25.5.1990: Jassir Arafat behauptet auf einer Pressekonferenz in Genf, Israels Zehn-Agora-Münze trage die Karte eines erweiterten Israels, das ganz Jordanien und den Libanon sowie grosse Teile des Irak, Syriens, Saudi-Arabiens und Ägyptens umfasse. In Wirklichkeit handelt es sich um eine Nachprägung einer alten jüdischen Münze aus der Zeit des Hasmonäerkönigs Mattathias. Die moderne israelische Münze zeigt die antike Prägung, die natürlich in 2000 Jahren etwas gelitten hat. Dieser leicht verformte Umriss auf einer antiken Münze aber soll, wie Arafat versichert, eine geheime „Karte“ des auf eine Erweiterung seiner Grenzen hin arbeitenden Israel darstellen.
  • 18. Juni 1990: Saddam Hussein erklärte auf einer islamischen Konferenz in Bagdad, „Palästina sei den Arabern gestohlen worden“, und rief die arabische Welt auf, „die usurpierten Rechte in Palästina zurückzuerobern und Jerusalem aus der zionistischen Knechtschaft zu befreien.“ Saddams Drohung erfolgte unmittelbar nachdem herausgekommen war, dass England und die Vereinigten Staaten einen Versuch vereitelt hatten, in Amerika hergestellte Zünder für Nuklearsprengköpfe des Typs „Kryton“ in den Irak zu schmuggeln.
  • 2.8.1990: Beginn des 2. Golfkriegs: Irak marschiert in Kuwait ein, was einen Krieg des Irak gegen eine grosse Gruppe von Alliierten unter der Führung der USA („Operation Wüstenschild“ bzw. „Operation „Wüstensturm“) zur Folge hatte, die die Annexion des Kuwait rückgängig machte (Kapitulation des Irak am 3.3.1991). Saddam Hussein versuchte die öffentliche Meinung in den arabischen Staaten anzuheizen, indem er Israel mit 39 Scudraketen angriff, um damit die arabischen Staaten aus der Kriegskoalition (und eventuell auf seine Seite) zu drängen. Arafat stellte sich öffentlich auf die Seite Saddam Husseins. Unter dem Druck der USA verzichtete Israel auf Gegenschläge, stattdessen wurde akzeptiert, dass die USA die Angriffe abzuwehren versuchten. Israel leistete den USA dennoch vielerlei Hilfe auf militärischem Gebiet (z. B. Minenräumfahrzeuge, mobile Brücken für die Marine, Unterstützung beim Softwarebetrieb der Patriots, bei der Ausrüstung der F-16-Flugzeugflotte, Zielelektronik der Cobra-Hubschrauber, Hilfe bei Entwicklung und Einsatz der Tomahawk-Rakete, Lieferung von Nachtsichtgeräten, spezielles Warnsystem für die Blackhawk-Hubschrauber, Belieferung mit Ausrüstungsgegenständen, darunter Gasmasken und Sandsäcke, usw.). Die PLO, Libyen und der Irak waren die Einzigen, die die Resolution der Arabischen Liga, die den Rückzug des Irak aus Kuwait forderte, ablehnten. Die Führung der Intifada schickte Saddam Hussein ein Glückwunschtelegramm, in dem die Invasion Kuwaits als erster Schritt zur „Befreiung Palästinas“ bezeichnet wurde. Der PLO-Führer Jassir Arafat spielte eine entscheidende Rolle bei der Torpedierung eines arabischen Gipfeltreffens, das in Saudi-Arabien stattfinden sollte und dessen Teilnehmer sich mit der Invasion befassen wollten. Arafat, so berichtete die New York Times, lenkte die Aufmerksamkeit von dem geplanten Treffen ab und half mit, es scheitern zu lassen, indem er plötzlich mit einem „Friedensplan“ in Ägypten auftauchte, den sich der libysche Diktator Muammar Qaddafi ausgedacht hatte. Nach einem Augenzeugenbericht von Ibrahim Nafei, dem Herausgeber der Zeitung Al-Ahram, legte Arafat sich auf dem im August stattfindenden Treffen der Arabischen Liga schwer ins Zeug, um einen wie auch immer gearteten anti-irakischen Beschluss zu verhindern. Er „ging von Delegation zu Delegation, Arm in Arm mit dem irakischen Aussenminister Tariq Aziz, der einigen Delegierten der Golfstaaten und anderer arabischer Länder offen drohte, dass der Irak in ihren Ländern keinen Stein auf dem anderen lassen würde“, schrieb Nafei. In der jordanischen Hauptstadt Amman kündigte ein PLO-Sprecher an, dass palästinensische Kämpfer im Jemen eingetroffen seien, die Selbstmordanschläge gegen amerikanische Truppen in Saudi-Arabien durchführen sollten, falls die Amerikaner den Irak angriffen. „In Kuwait und im Irak stehen über 50 000 palästinensische Kämpfer, die die irakischen Interessen verteidigen werden.“
  • 12. August 1990: In Jenin marschierten am 12. August ca. 1 000 Palästinenser auf und skandierten: „Unser Held Saddam, greif Israel mit chemischen Waffen an.“
  • 8. Oktober 1990: 1990 wollte eine Gruppe jüdischer Extremisten, die so genannte „Temple Mount Faithful“, an Sukkot zum Tempelberg marschieren und dort den Grundstein für den Dritten Tempel legen. Die Polizei befürchtete, dass diese Demonstration die Muslime verärgern und die durch die Intifada und die Ereignisse am Persischen Golf ohnehin bereits angespannte Situation zum Eskalieren bringen könnte, und verbot ihr Vorhaben. Diese Entscheidung wurde vom israelischen Obersten Gerichtshof bestätigt und das Urteil unverzüglich den muslimischen Religionsführern und der arabischen Presse mitgeteilt. Obwohl es keinen Grund zur Annahme gab, dass die „Heiligkeit der Moschee“ (Kollek) angetastet werden könnte, bestanden die muslimischen Anführer und die Intifada darauf, ihre Gläubigen dennoch zur Konfrontation aufzuhetzen. U. a. schleppten Kinder Steine, die als Wurfgeschosse dienen sollten, in ihren „Schultaschen“ auf den Tempelberg. Nach Steinwürfen von Palästinensern gegen betende Israelis und den daraufhin ausbrechenden Unruhen am 8. Oktober 1990 erschiesst die israelische Polizei 21 Palästinenser, mehrere hundert Menschen werden verletzt. Der UNO-Sicherheitsrat verurteilt in einer Resolution die "Gewaltakte der Polizei gegen waffenlose Palästinenser". Die Regierung weist die Resolution zurück.
  • Oktober 1990: Im Oktober 1990, als die Aufmerksamkeit des Westens ganz auf Kuwait gerichtet war, stürmten syrische Truppen die Festung des christlichen Rebellengenerals Michel Aoun in Beirut. Dabei forderte nicht nur der Überfall selbst viele Opfer, sondern es wurden auch noch etwa 700 Personen ermordet. Mit diesem Blitzschlag löschte Damaskus die einzige noch verbliebene Bedrohung für seine Hegemonie im Libanon aus.
  • Dezember 1990: Verurteilung der von Israel angeordneten Ausweisung von vier Hamas-Aktivisten aus den besetzten Gebieten durch den Sicherheitsrat. Die Ausweisungen erfolgten mehrere Tage nach den Morden an drei israelischen Zivilisten in einer Fabrik in Jaffa durch eine Todesschwadron der Hamas. Jerusalem sah in den vier Personen, die ausgewiesen wurden, die Verantwortlichen für diese Eskalation der Gewalt. Die entsprechende UN-Resolution, die bedauerlicherweise sogar von den USA unterstützt wurde, verlor kein Wort über die Rolle der Hamas, die hinter unzähligen Gewalttaten steckt. Stattdessen wurden die Bündnispartner der Genfer Konvention aufgerufen, dafür zu sorgen, dass Israel sich an die in der Konvention festgelegten Bedingungen halte. Dies war überhaupt das erste Mal, dass das Gremium die Bündnispartner zu einer Versammlung einberief: Weder die Menschenrechtsverletzungen während Idi Amins Schreckensherrschaft in Uganda noch die Grausamkeiten im von den Sowjets kontrollierten Afghanistan, die Vergewaltigung des Libanon durch Syrien oder die Ausweisung zehntausender Palästinenser aus Kuwait hatten den Sicherheitsrat zu einem solchen Schritt bewegen können.
  • Dezember 1990: Saddam Hussein: „Wenn die Vereinigten Staaten gegen den Irak vorgehen, wird unser nächster Schlag Tel Aviv gelten, ganz gleich, ob Israel an diesem Krieg beteiligt ist oder nicht.“

Bücher

  • Albert Reinhold, Geschichte der Juden im Grabfeld, Kleineibstadt 1990
  • Werner J. Heymann (Hrsg.), Kleeblatt und Davidstern. Aus 400 Jahren jüdischer Vergangenheit in Fürth, Emskirchen 1990
  • Jürgen Stude (Hrsg.), Geschichte der Juden im Landkreis Karlsruhe, Karlsruhe 1990
  • Klaus Pohlmann, Vom Schutzjudentum zum Staatsbürger jüdischen Glaubens: Quellensammlung zur Geschichte der Juden in einem deutschen Kleinstaat (1650-1900), Lemgo 1990
  • Robert Gellately, The Gestapo and German Society: Enforcing Racial Policy, 1933-1945, Oxford University Press 1990 (auch in Deutsch und Spanisch)
  • Fred Grubel (Hrsg.), Leo Baeck Institute New York. Catalog of the Archival Collections, Tübingen 1990
  • Gershon Rivlin (Hrsg.), Olive-Leaves and Sword: Documents and Studies of the Hagana, Tel Aviv 1990 (hebräisch)
  • David Kretzmer, The Legal Status of Arabs in Israel, Boulder 1990

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