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1985

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Ereignisse

  • 1985: Nobelpreis für Chemie an: Herbert A. Hauptman
  • 1985: Nobelpreis für Chemie an: Jerome Karle
  • 1985: Nobelpreis für Medizin an: Michael Stuart Brown
  • 1985: Nobelpreis für Medizin an: Joseph L. Goldstein
  • 1985: Wirtschafts-Nobelpreis an: Franco Modigliani
  • 1985: Freihandelsabkommen (Free Trade Agreement, FTA) zwischen Israel und den USA
  • 1985: Gründung der Siedlung Betar Illit im Westjordanland, südwestlich von Jerusalem (die Stadt hatte ca. 26 000 Einwohner im Jahr 2006, grösstenteils ultra-orthodoxe Juden)
  • 1985: Gründung der Siedlung Chaschmonajim im Westjordanland (Region Binmamin, ca. 2 240 Einwohner im Jahr 2004)
  • 1985: Gründung der Siedlung Etz Efra'im im Westjordanland (Region Samaria, ca. 630 Einwohner im Jahr 2004)
  • 1985: Tunesien. Am Simchat Tora-Fest im Jahre 1985 eröffnet einer der eigentlich für die Sicherheit der Al-Ghriba-Synagoge (Djerba) verantwortlichen Polizisten das Feuer auf die feiernden Gottesdienstbesucher und tötet dabei drei Menschen, darunter ein Kind.
  • 1985: Die Hisbollah beginnt in Beirut und anderen libanesischen Städten mit der Entführung westlicher Touristen auf offener Strasse. Von Anfang an war klar, dass die Syrer und ihre iranischen Kollaborateure jederzeit die Freilassung dieser Geiseln hätten anordnen können. Die meisten Geiseln wurden im Bekaa-Tal oder in den Vorstädten von Beirut gefangen gehalten. Beide Gebiete werden von Syrien kontrolliert
  • 26.1.1985: Erstmals seit Ende des 2. Weltkriegs tagt der Jüdische Weltkongress in Wien
  • 11.3.1985: Michail Gorbatschow neuer Chef der KPdSU als Nachfolger des verstorbenen Konstantin Tschernenko
  • 6.4.1985: Sturz des sudanischen Staatspräsidenten Numeiri
  • 21.4.1985: Palina Rojinski in Leningrad geboren, deutsche Moderatorin, hauptsächlich bekannt durch ihre Rolle in der Fernsehshow MTV Home und die Werbung von MTV Entertainment; im Alter von knapp sechs Jahren zog sie im März 1991 mit ihren jüdischen Eltern und ihrer Schwester aus St. Petersburg nach Berlin; sie errang zweimal den deutschen Meistertitel in rhythmischer Sportgymnastik
  • 25.4.1985: Der deutsche Bundestag verabschiedet das umstrittene Gesetz gegen die so genannte Auschwitz-Lüge
  • 5. Mai 1985: Umstrittener Besuch von US-Präsident Reagan auf dem Soldatenfriedhof Bitburg: US-Präsident Ronald Reagan und Bundeskanzler Helmut Kohl legen auf dem Friedhof in Bitburg, auf dem sich auch Gräber von Angehörigen der Waffen-SS befinden, einen Kranz nieder
  • 8.5.1985: Anlässlich des 40. Jahrestages der deutschen Kapitulation erklärt Bundespräsident Richard von Weizsäcker im Bundestag: "Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung"; im Ausland findet die Rede grosse Beachtung
  • Mai 1985: Gefangenenaustausch - drei Israelis gegen 1150 Araber. Ein grossangelegter Gefangenenaustausch wurde im Mai 1985 zwischen Israel und den Palästinensern abgewickelt. Drei israelische Soldaten wurden aus der Gewalt der prosyrischen Palästinensergruppierung "Volksfront zur Befreiung Palästinas-Generalkommando" entlassen, und im Gegenzug liess Israel nicht weniger als 1150 gefangengehaltene Palästinenser frei. Der Austausch fand an mehreren Schauplätzen statt. In Genf wurden 394 Palästinenser und die drei Israelis Vertretern des IKRK übergeben. Eine weitere Gruppe von Palästinensern wurde von Israel an der Grenze zu Syrien entlassen, und im besetzten Cisjordanien erlangten weitere 600 Palästinenser die Freiheit. In Israel war die Aktion umstritten. Einerseits wurde das zahlenmässige Ungleichgewicht bemängelt, andererseits auch darauf hingewiesen, dass gefährliche Terroristen in die Freiheit entlassen würden. Zu ihnen zählte Kozo Okamoto, der Urheber eines Massakers im Flughafen von Tel Aviv, das im Mai 1972 28 Todesopfer und 70 Verletzte gefordert hatte.
  • 6.6.1985: Bei São Paulo wird die Leiche des Auschwitz-"Arztes" Josef Mengele exhumiert
  • Juni 1985: Endgültiger Abzug aus dem Libanon; davon ausgenommen blieb lediglich eine kleine Zone unmittelbar nördlich der israelischen Grenze, die die Städte und Dörfer im Norden Israels vor Angriffen schützen sollte. Jerusalem hatte wiederholt betont, dass Israel nicht einen einzigen Zoll libanesischen Bodens in seinen Besitz bringen wollte. Israel bot immer wieder an, sich ganz aus dem Libanon zurückzuziehen, sobald es gelungen sein sollte, an der Nordgrenze eine stabile, sichere Lage zu schaffen.
  • 30. Juni 1985: Die letzten 39 Geiseln des TWA-Flugs 847 werden freigelassen. Ein Kommando einer der Hisbollah nahestehenden Organisation hatte das Flugzeug am 14. Juni entführt.
  • 1.7.1985: Israels Regierung verkündet einen drastischen Notstandsplan zur Sanierung der durch die Militärausgaben ruinierten Wirtschaft: Entlassung von 10 000 Staatsbediensteten, Einsparungen im Haushalt, Lohn- und Preisstopp, Abwertung des Schekel; die Gewerkschaften rufen zum Generalstreik auf
  • 2.7.1985: Der dienstälteste Aussenminister der Welt, Andrej Gromyko, wird zum Staatspräsidenten der UdSSR gewählt
  • 13.7.1985: Das von Bob Geldof und Bill Graham veranstaltete Gross-Konzert „Live Aid“ (parallel in London und Philadelphia), eine Benefizveranstaltung für die Opfer der äthiopischen Hungerkatastrophe, die grössten Shows in der Geschichte des Rock, über 70 Pop-Stars treten 16 Stunden lang zeitversetzt auf, 172 000 Live-Zuschauer, zwei Milliarden Menschen an den Fernsehschirmen in 160 Ländern, Einnahmen über 100 Mio Euro
  • 27. Juli 1985: Bei einem Militärputsch in Uganda wird Staatspräsident Obote gestürzt
  • Sommer 1985: Iran-Contra-Affäre: Beginn des Verkaufs amerikanischer Waffen an den Iran durch Israel mit Billigung von US-Präsident Reagan. Die Beteiligung Israels ging auf das Betreiben des iranischen Waffenhändlers Manucher Ghorbanifar und eines Mitarbeiters des nationalen Sicherheitsrates (NSC), Michael Ledeen, zurück, der für den nationalen Sicherheitsberater Robert McFarlane arbeitete. Als Ledeen Ministerpräsident Shimon Peres um Unterstützung bat, erklärte sich der israelische Politiker bereit, auf Bitten der USA Waffen an den Iran zu verkaufen in der Annahme, der Verkauf sei von höchster Ebene abgesegnet, was wohl auch zutraf. Im Dezember 1985 hatte der amerikanische Präsident dann entschieden, dass weitere Verkäufe an die Iraner direkt aus den amerikanischen Beständen erfolgen sollten. Erstmals im November 1985 wurden Gelder aus dem Iranhandel am Kongress vorbei zur Finanzierung der nicaraguanischen Widerstandsbewegung verwendet, was angeblich auf einen Vorschlag Ghorbanifars zurückging! Verwickelt in diese Geschäfte zum Zweck der Unterstützung antikommunistischer Widerstandsgruppen waren auch der saudische Öl- und Waffenmilliardär Adnan Kashoggi und evtl. auch der saudische König Fahd (Geheimabkommen Riad-Washington?). – Am 25.11.1986 wegen der Iran-Contra-Affäre Rücktritt des US-Sicherheitsberaters Admiral Poindexter; sein Mitarbeiter Oliver North wird, nachdem er noch tagelang den Reisswolf mit geheimen Dokumenten gefüttert hatte, entlassen
  • 1. August 1985: Israel wird per Gesetz als „Staat des jüdischen Volkes“ definiert, was die Kluft zwischen Säkularen und Religiösen weiter vertiefte, vor allem aber die nichtjüdische Bevölkerung (die ca. ein Fünftel ausmachte zu diesem Zeitpunkt) irritieren musste
  • 20. August 1985: Kairo. Albert Atrakchi, Angehöriger der israelischen Botschaft, in seinem Auto erschossen. Seine Frau und ein Botschaftssekretär verwundet. Der islamische Jihad Ägyptens übernahm die Verantwortung für das Attentat.
  • 4.9.1985: Einführung des Neuen Israelischen Schekel (NIS)
  • 22.9.1985: Axel Springer stirbt mit 73 Jahren; er war der umstrittenste, weil doktrinärste unter den deutschen Verlegern ("Springer-Presse" als Negativ-Schlagwort), machte sich aber für die Sache Israels und der deutschen Einheit stark
  • 1. Oktober 1985: israelischer Luftangriff auf das PLO-Hauptquartier bei Tunis (dabei kommen mehr als 70 Menschen ums Leben)
  • 8.10.-11.10.1985: Israels Staatspräsident Chaim Herzog bezeichnet den Besuch des Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker in Israel als historische Wende in den Beziehungen beider Länder
  • Oktober 1985: Vier Palästinenser bringen im Oktober 1985 vor dem ägyptischen Hafen Port Said das mit 511 Menschen besetzte Kreuzfahrtschiff „Achille Lauro“ in ihre Gewalt und lösen damit wenig später eine umstrittene Luftaktion der Amerikaner aus; die Kaperer fordern die Freilassung von fünfzig in Israel inhaftierten Palästinensern; als Israel ablehnt, erschiessen die Terroristen den in einem Rollstuhl sitzenden 69-jährigen jüdischen Geschäftsmann Leon Klinghoffer aus New York und werfen anschliessend die Leiche ins Meer, bevor sie nach Zusicherung freien Geleits in Port Said an Land gehen; am 10. Oktober startet abends von einem nahen Militärflughafen aus eine Boeing 737 der EgyptAir, um die vier Terroristen, zusammen mit zwei PLO-Unterhändlern und 15 ägyptischen Sicherheitsbeamten nach Tunis zu bringen; gleich darauf fangen die Amerikaner mit vier von ihrem Flugzeugträger „Saratoga“ in der Adria gestarteten F-14 Tomcat-Jägern die ägyptische Maschine ab und zwingen den Piloten zur Landung auf Sizilien
  • 27. Oktober 1985: Die israelische Luftwaffe attackiert in der libanesischen Bekaa-Ebene einen palästinensischen Stützpunkt.
  • 31.10.1985: Die Frankfurter Uraufführung des auch antijüdische Passagen enthaltenden Theaterstücks von Rainer Werner Fassbinder, „Der Müll, die Stadt und der Tod“, das sich mit einem jüdischen Grundstücksspekulanten beschäftigt, provoziert in der Folge eine tagespolitische Antisemitismusdebatte; die erfolgreiche Uraufführung wurde verhindert, weil Angehörige der Jüdischen Gemeinde die Bühne besetzten; - das Stück wurde dann erst am 16. April 1987 in New York erstmals in voller Länge aufgeführt
  • November 1985: Im November 1985 verhaftete das FBI den amerikanischen Juden Jonathan Pollard, einen Mitarbeiter des amerikanischen Marine-Geheimdienstes, unter der Anklage, Geheimmaterial an Israel verkauft zu haben. Um seiner Verhaftung zuvorzukommen, hatte Pollard in der israelischen Botschaft Asyl für sich und seine Frau beantragt, die Botschaft hatte dies jedoch verweigert (!), so dass Pollard schliesslich doch verhaftet werden konnte. Pollard wurde im März 1987 zu lebenslanger Haft verurteilt, seine Frau Anne zu fünf Jahren Gefängnis wegen Beihilfe. Unmittelbar nach Pollards Verhaftung entschuldigte sich Israel und erklärte, dass die Operation nicht genehmigt gewesen sei. „Angesichts der engen und besonders freundschaftlichen Beziehung“ zwischen den beiden Ländern „enthält sich Israel jeglicher Geheimdienst-Tätigkeiten in den Vereinigten Staaten“, lautete die offizielle Stellungnahme der israelischen Regierung. Ministerpräsident Shimon Peres erklärte: „Spionage in den Vereinigten Staaten ist mit unserer Politik unvereinbar.“ Die Vereinigten Staaten und Israel arbeiteten bei der Untersuchung der Pollard-Affäre eng zusammen. Die israelischen Nachforschungen ergaben, dass Pollard weder für den israelischen militärischen Abschirmdienst noch für den israelischen Geheimdienst Mossad arbeitete, sondern für eine kleine, unabhängig agierende wissenschaftliche Geheimdiensteinheit, und dass der Kontakt zu den Israelis von Pollard hergestellt wurde. Die Operationsebene hatte die Rekrutierung Pollards ohne Absprache mit der politischen Ebene und ohne deren direkte oder indirekte Billigung beschlossen. Die israelische Regierung wurde wegen der mangelhaften Überwachung der betreffenden Geheimdiensteinheiten von der von der Knesset beauftragten Kommission heftig kritisiert. Wie den USA versprochen, wurde die Spionageeinheit, mit der Pollard zusammen gearbeitet hatte, aufgelöst, die Verantwortlichen bestraft und die Dokumente zurückgegeben. Pollard bestritt, „gegen die USA spioniert zu haben“. Seiner Aussage nach hatte er lediglich Informationen geliefert, die seiner Ansicht nach lebenswichtig für die Sicherheit Israels waren und vom Pentagon zurückgehalten wurden. Dazu gehörten Daten über sowjetische Waffenlieferungen an Syrien, über die Herstellung chemischer Waffen in Syrien und im Irak, über das pakistanische Atombombenprojekt und über libysche Luftverteidigungssysteme. Pollard wurde der Spionage überführt. Sein Urteil – er bekam lebenslänglich – war die höchste Gefängnisstrafe, die je für Spionage für einen Verbündeten verhängt wurde, und weit höher als die Durchschnittsstrafe für Spionage für die Sowjetunion und andere Feinde der Vereinigten Staaten. Obwohl dies ursprünglich bestritten wurde, gab die Regierung Benjamin Netanyahus später zu, dass Pollard tatsächlich für den israelischen Geheimdienst gearbeitet hatte, und verlieh ihm die israelische Staatsbürgerschaft (1996). Netanyahu bat während der Nahost-Friedensgespräche auf der Wye-Plantage in Maryland im Jahr 1998 um Nachsicht für Pollard. Auch Pollards Unterstützer in den Vereinigten Staaten reichten regelmässig Begnadigungsgesuche ein. Präsident Clinton zog eine Begnadigung angeblich in Erwägung, doch das Verteidigungsministerium und der Geheimdienst lehnten sie entschieden ab. Am 21. Oktober 2006 wurde Pollard von der israelischen Ortschaft Beit El (jüdische Siedlung im Westjordanland) die Ehrenbürgerschaft verliehen.
  • 27. Dezember 1985: Bei einem Terroranschlag am Flughafen Wien-Schwechat werden drei vor dem Schalter der israelischen Fluggesellschaft El Al wartende Passagiere getötet und mehr als 30 teils schwer verletzt. Am selben Tag werden bei einem Terroranschlag am Flughafen Rom-Fiumicino 16 Personen getötet und 80 verletzt.
  • 1985-1988: Schiitische Amal-Milizen, die eng mit Syrien verbunden sind, töteten bei Angriffen auf palästinensische Flüchtlingslager Hunderte von Zivilisten.

Bücher

  • Helga Fremery-Dohna und Renate Schoene, Jüdisches Geistesleben in Bonn 1786-1945, Bonn 1985
  • Robert Liberles, Religious Conflict in Social Context: The Resurgence of Orthodox Judaism in Frankfurt am Main, 1838-1877, Westport, Mass., 1985
  • Yehuda Reinharz (Hrsg.), The Jewish Response to German Culture, Hanover N. H. 1985
  • Avraham Palmon, Die jüdische Gemeinde Wiens zwischen den zwei Weltkriegen, Jerusalem 1985
  • Felix D. Posen, The Posen Family, London 1985
  • Bernhard Post, Judentoleranz und Judenemanzipation in Kurmainz 1774-1813, Wiesbaden 1985
  • Eberhard Jäckel, Jürgen Rohwer (Hrsg.), Der Mord an den Juden im Zweiten Weltkrieg. Entschlussbildung und Verwirklichung, Stuttgart, 1985
  • Henri Michel, Oranienburg-Sachsenhausen, 1985
  • W. Roger Louis und Robert S. Stookey (Hrsg.), The End of the Palestine Mandate, London 1985
  • Netiva Ben-Yehuda, Between the Knots, Jerusalem 1985 (hebräisch)
  • Shabtai Teveth, Ben-Gurion and the Palestinian Arabs: From Peace to War, New York 1985

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