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1892

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Ereignisse

  • 1892: Die Erfolge antisemitischer Agitation beeinflussten die Konservative Partei: Diese nahm 1892 einen Teil antisemitischer Forderungen in ihr Parteiprogramm auf. Auch die katholische Zentrumspartei liess – nicht zuletzt wegen der Haltung von Papst Pius IX., der Juden 1872 der Neigung zu Anarchismus und Freimaurerei bezichtigte – zunächst einige antijüdische Abgeordnete auf ihren Listen kandidieren. Der Zentrumsführer Ludwig Windthorst setzte sich jedoch öffentlich für die Rechte der Juden ein und liess den preussischen Abgeordneten Cremer, der sich der antisemitischen „Berliner Bewegung“ angeschlossen hatte, aus der Fraktion und der Partei ausschliessen. Über die „Kölnische Volkszeitung“ liess er antijüdische Ausfälle in katholischen Presseorganen rüffeln. Danach blieb die Zentrumspartei weitgehend frei von antisemitischem Gedankengut und verteidigte Juden, etwa 1887, als Antisemiten im Bündnis mit Tierschützern das Schächten verbieten lassen wollten. Dies trug dazu bei, dass die Radauantisemiten Splittergruppen blieben, aber bleibende Aufmerksamkeit für ihr Thema erreichten. Die antisemitischen Verbände bejahten die Staatsordnung und überwiegend auch die nationalistische, kolonialistische und imperialistische Regierungspolitik, obwohl diese ihre antijüdischen Forderungen nur zum Teil umsetzte. Der gemässigte Antisemitismus der nationalliberalen und konservativen Parteien begünstigte diese Übereinstimmung. Im Kaiserreich belegte der Begriff „Antisemitismus“ vor allem die politische Zielsetzung, einen vermeintlich übergrossen jüdischen Einfluss zurückzudrängen. Auch einige Sozialisten äusserten sich in diesem Sinne, so Johann Baptist von Schweitzer, Präsident des ADAV, und die Redakteure sozialdemokratischer Zeitungen Wilhelm Hasselmann und Richard Calwer. Franz Mehring, enger Freund der Jüdin Rosa Luxemburg und Parteihistoriker, sprach oft abfällig und feindselig über Juden. In sozialdemokratischen Unterhaltungsblättern – z. B. dem „Wahren Jakob“, „Süddeutschen Postillon“ oder der „Neuen Welt“ – tauchten ab 1890 in Witzen, Karikaturen und Alltagsgeschichten jene judenfeindlichen Klischees auf, die sich in den vergangenen Jahrzehnten als soziale Normalität etabliert hatten: Juden werden als vom Profitstreben gelenkte, gerissene Schacherer und Wucherer, Börsenjobber und Händler ohne Geschäftsmoral dargestellt. Die Klischees unterschieden sich nicht von denen, die bürgerliche Literatur wie „Der Jude“ von Karl Spindler, „Der Büttnerbauer“ von Wilhelm von Polenz, Soll und Haben von Gustav Freytag, „Rembrandt als Erzieher“ von August Julius Langbehn u. a. damals unter das Volk brachten. Die SPD nahm jedoch seit ihrer Gründung nie antisemitische Forderungen in ihr Programm auf und war die einzige Partei im Kaiserreich, die dieser Ideologie offen widersprach. Typisch für ihren Fortschrittsglauben war aber, dass ihre Führer den verachteten „Radauantisemitismus“ weit unterschätzten. So erklärte Wilhelm Liebknecht 1893: „Ja, die Herren Antisemiten ackern und säen und wir Sozialdemokraten werden ernten. Ihre Erfolge sind uns also keineswegs unwillkommen.“ August Bebel, für den Antisemitismus „der Sozialismus der dummen Kerls“ war, glaubte, sie hätten „nie Ausssicht, irgendeinen massgebenden Einfluss auf das staatliche und soziale Leben auszuüben.“
  • 1892: Gründung der jüdischen Studentenorganisation österreichisch-schlesischer Hochschüler Ivria in Wien (Herzl war dort Ehrenmitglied)
  • 1892: Eröffnung der Eisenbahnstrecke Jaffa-Jerusalem, die Fahrt dauerte drei Stunden
  • 1892: Harry Rosenthal geboren, Ernst L. Freud geboren, jüdische Architekten, in Berlin tätig
  • 1892: Melchior Palyi geboren, Volkswirtschaftler
  • 1892: Gottfried Salomon geboren, Volkswirtschaftler
  • 1892: Edgar Salin geboren, jüdischer Volkswirtschaftler in der Schweiz (Universität Basel)
  • 1892: Werner Lipschitz geboren, Pharmakologe in Istanbul
  • 1892: Hans Sochaczewer geboren, Schriftsteller (Romane)
  • 1892: Victor Emanuel van Vriesland geboren, niederländisch-jüdischer Schriftsteller
  • 1892: Elmer Rice geboren, US-amerikanisch-jüdischer Schriftsteller
  • 1892: Erich Auerbach geboren, Romanist
  • 6.1.1892–18.5.1969: Ludwig Berger (eigentlich Ludwig Bamberger), geb. in Mainz (als Sohn des Bankiers Franz Bamberger und seiner Ehefrau Anna Klara, geborene Lewino), gest. in Schlangenbad (Hessen), mehrfach ausgezeichneter Regisseur und Schriftsteller (Erzählungen, Biographien, Romane, Autobiographisches), er gehörte zu den Pionieren des Fernsehspiels; Dr. phil., kam 1919 nach Berlin an das Deutsche Theater, später an das Staatstheater; 1921-1925 bei der Ufa; er war ein erfolgreicher Shakespeare- und auch Film-Regisseur (Auswahl): Das Aschenbrödelthema Der verlorene Schuh, 1923; Ein Walzertraum, 1925; Pygmalion 1937; The thief of Bagdad, 1940; zur Hitlerzeit war er in Hollywood, seit 1955 leitete er die Abteilung Theater der Akademie der Künste in Berlin; weitere Filme: Ein Glas Wasser (1923); Die Sünden der Väter (1928; mit Jannings); Ich bei Tag und du bei Nacht (1932; Ufa-Tonfilm-Operette); Walzerkrieg (Musical, 1933, über den Komponisten Johann Strauss); Der Meister von Nürnberg (1927); Walzertraum (mit Mady Christians); Autobiographie "Wir sind vom gleichen Stoff, aus dem die Träume sind. Summe eines Lebens", 1953; Wenn die Musik der Liebe Nahrung ist, 1957; Das Irdische und das Unvergängliche. Musiker der Romantik, 1963; Die unverhoffte Lebensreise der Constanze Mozart, 1955; Ludwig Berger erhielt u. a. 1966 das Bundesverdienstkreuz
  • 11.1.1892- März 1978: Valeska Gert (eigentlich Gertrud Valesca Samosch), geb. in Berlin, gest. Kampen auf Sylt, Tänzerin, Kabarettistin, Schauspielerin, Autorin, bereits in jungen Jahren nimmt sieTanzunterricht, eine Grundlage für ihre spätere Karriere; während des Ersten Weltkrieges schliesst sie sich einer Berliner Tanzgruppe an, kreiert erste Tanzsatiren und nennt sich ab 1916 Valeska Gert; es folgt ein Engagement an das Deutsche Theater, wo sie grossen Erfolg in exzentrischen Rollen für Avantgardestücke verzeichnen kann; der sowjetische Regisseur Sergej Eisenstein holt sie nach Moskau, um das Agitprop-Theater zu beleben; neben ihrer tänzerischen Tätigkeit schreibt sie auch Artikel für die Weltbühne und die Berliner Tageszeitung; ab Mitte der 20er Jahre widmet sich Valeska Gert auch der Arbeit beim (Stumm-) Film und dreht 1925 "Ein Sommernachtstraum", "Die freudlose Gasse" (mit Greta Garbo), danach "Alraune" (1927) und 1929: "Tagebuch einer Verlorenen"; die Jüdin Valeska Gert kann ihre Karriere in Deutschland nach 1933 nicht mehr fortsetzen; sie tanzte fortan in Paris, Budapest und London und heiratet in zweiter Ehe einen englischen Schriftsteller; nach ihrer Emigration in die Vereinigten Staaten 1938 bemüht sie sich vergeblich um Arbeit, lebt von der Unterstützung eines jüdischen Flüchtlingskomitees, arbeitet als Tellerwäscherin und Aktmodell und eröffnet die Beggar Bar (einer ihrer Kellner ist der später als Dramatiker berühmt gewordene Tennesse Williams), die die Sängerin und Schauspielerin Judy Garland als "das einzige Lokal in New York, das anzusehen sich lohnt" bezeichnet; 1947 kehrt sie nach Deutschland zurück, tritt zum ersten Mal bei Guy Walter in Baden-Baden auf und leitet in Berlin das Kabarett Hexenküche; in den 60er Jahren feiert Valeska Gert ihr Comeback beim Film; mit der erfolgreichen italienischen Produktion Giulietta degli spiriti - Julia und die Geister (1965, mit Giulietta Masina, Regie: Federico Fellini) empfiehlt sie sich in den 70er Jahren einigen jungen deutschen Regisseuren, die ihrerseits Filmgeschichte schreiben; sie spielt z. B. in Rainer Werner Fassbinders Serie "Acht Stunden sind kein Tag: Franz und Ernst" (1972) sowie in "Der Fangschuss" (1976) unter der Regie von Volker Schlöndorff, der von Gerts Persönlichkeit so fasziniert ist, dass er 1977 beschliesst, einen Film von ihr zu machen; mit einem Team fährt Schlöndorff auf die Insel Sylt, wo Valeska Gert seit über 20 Jahren in einer Kate lebt, im "Ziegenstall": Wohnstätte - Kneipe - Kabarett; mit "Nur zum Spass, nur zum Spiel..." dreht er ein Kaleidoskop über das abenteuerlich-extravagante Leben der Valeska Gert; weitere Filme mit Valeska Gert: Nana (1926), Takovy je zivot - So ist das Leben (1929), Menschen am Sonntag (1930), Die 3-Groschen-Oper (1931), Pett and Pott (1934), La bonne dame - Die gute Dame (1968), Die Betörung der blauen Matrosen (1975); --- Literatur (Auswahl): Valeska Gert: Ich bin eine Hexe. Kaleidoskop meines Lebens, 1968; Frank-Manuel Peter: Valeska Gert:Tänzerin, Schauspielerin, Kabarettistin, 1985
  • 22.1.1892–17.4.1986: Marcel Dassault, geb. in Paris als Marcel Bloch, gest. Neuilly-sur-Seine, französischer Flugzeugbauer und Luftfahrtunternehmer; er war einer der ersten Luft- und Raumfahrtstudenten Frankreichs, entwickelte im ersten Weltkrieg 1917 für die französische Luftwaffe einen sehr effizienten Holz-Propeller unter der Bezeichnung „éclair“ („Blitz); 1930 gründete er das Luftfahrtunternehmen Avions Marcel Bloch; nach der Niederlage Frankreichs im zweiten Weltkrieg 1940 sollte Bloch als so genannter „Wirtschaftlich Wertvoller Jude“ (WWJ) für die Deutschen arbeiten und wurde deshalb am Leben gelassen, von der Gestapo verhaftet und in das KZ Buchenwald deportiert; dort trat er zum katholischen Glauben über, verweigerte jede Kooperation mit der deutschen Luftfahrtindustrie, überlebte mit Hilfe des deutschen Widerstandes um den ehemaligen Admiral Wilhelm Canaris; 1949 veränderte er seinen Namen in Dassault (zurückgehend auf das Pseudonym „Chardasso“ seines Bruders General Darius Paul Bloch, der in der französischen Résistance aktiv war, „Chardasso“ wiederum leitet sich ab vom französischen Wort für Angriffspanzer / char d’assaut ); Dassault war später an der Entwicklung von Kampfflugzeugen (Mystère, Mirage) beteiligt und leitete das Unternehmen S.A. Avions Marcel Dassault-Breguet Aviation mit 16 000 Mitarbeitern bis zu seinem Tode; er war auch Alterspräsident der französischen Nationalversammlung und ist der Vater von Serge Dassault, Verleger und einer der reichsten Männer Frankreichs
  • 28.1.1892-30.11.1947: Ernst Lubitsch, deutsch-jüdischer Filmregisseur, geb. in Berlin als Sohn des jüdischen Damenschneiders Ssimcha (Simon) Lubitsch und dessen Frau Anna, geb. Lindenstaedt; gest. in Hollywood; machte zunächst eine Lehre als Stoffhändler; Schauspieler bei Max Reinhardt; da Lubitsch keine geeigneten Rollen für sich findet, schreibt er gemeinsam mit Freunden eine Serie von Einaktern (darunter "Fräulein Seifenschaum" von 1914), die er inszeniert und in denen er gleichzeitig die Hauptrolle spielt; er inszenierte dann mit Pola Negri, Henny Porten und Emil Jannings die ersten UFA-Grossfilme im Deutschen Reich: „Carmen“, 1918 (eine spannende Dreiecksgeschichte); „Die Augen der Mumie Ma“, 1918 (ein Abenteuerstreifen um eine junge Araberin); „Austernprinzessin“, 1919; „Madame Dubarry“, 1919 (darin spielt Pola Negri jene einfache Näherin, die zur Mätresse Ludwigs XV. aufsteigt und während der Französischen Revolution hingerichtet wird); „Die Puppe“, 1919; „Anna Boleyn“, 1921 (in dem Historienfilm spielt Henny Porten die Ehefrau des englischen Königs Heinrich VIII., dieser verkörpert von Emil Jannings, um derentwillen Heinrich mit dem Papst - der ihm die Scheidung von seiner Frau Katharina verweigert - bricht und die anglikanische Kirche begründet; da Anna ihm keinen Thronerben schenkt, wendet sich der Monarch von ihr ab und lässt sie unter dem Vorwurf des Ehebruchs hinrichten); 1922 Heirat mit der Schauspielerin Helene Kraus; 1923 Übersiedlung in die USA; ab 1924: Eine Reihe von Gesellschaftskomödien (darunter "The Marriage Circle" und "So is Paris") entsteht, deren Sujets vorwiegend aus der europäischen Literatur stammen; die Filme, hauptsächlich Dreiecksgeschichten, weisen einen engen stofflichen und stilistischen Zusammenhang auf; mit Rücksicht auf die strenge Zensur entwickelt Lubitsch eine ironische Technik der Andeutungen, Aussparungen und des indirekten Kommentars, die als "Lubitsch Touch" in die Filmgeschichte eingeht und mit der er die weitere Entwicklung der amerikanischen Filmkomödie stark prägt; 1929 erster Tonfilm „The Love Parade“; 1930 Scheidung von seiner Frau und Heirat mit der Künstleragentin Vivian Gaye (eigentlich: Sania Bezencenet), von der er 1943 geschieden wird, aus der Ehe geht eine Tochter hervor; 1935 Produktionschef von Paramount (1938 Wechsel zu MGM); ab 1937 enge Zusammenarbeit mit dem Filmkomponisten Werner Richard Heymann (1896-1961); Heymann, der vor 1933 in Deutschland grosse Erfolge mit den Filmmusiken zu u. a. "Die drei von der Tankstelle" oder "Der Kongress tanzt" feierte, aufgrund seiner jüdischen Abstammung aber aus Deutschland emigrieren musste, steuert die Filmmusik für insgesamt sechs Lubitsch-Filme bei, darunter "Ninotschka" und "To be or not to be", für den er eine Oscar-Nominierung erhält; 1939: In dem Film "Ninotschka" mit Greta Garbo in der Hauptrolle verbindet Lubitsch die politische Satire mit einer frivolen Liebesgeschichte; 1942: Der Film "To be or not to be", der sowohl eine Abrechnung mit dem Nationalsozialismus als auch eine Hommage an das Theater ist, wird sehr zwiespältig aufgenommen; 1943: Lubitschs letzter Film "Heaven can wait" entsteht; allen Filmen liegt Lubitschs Anschauung zugrunde, dass das Publikum nicht nach dem wirklichen Leben, sondern nach einer Welt des schönen Scheins verlangt; am 30. November 1947 stirbt Ernst Lubitsch in Hollywood an einem Herzinfarkt, bereits 1946 hatte er einen ersten Herzinfarkt erlitten, von dem er sich nie mehr vollständig erholte; Lubitsch war als autokratischer Regisseur bekannt, der seinen Darstellern wenig Interpretationsraum liess; sowohl Mary Pickford als auch seine Regiekollegen Josef von Sternberg und Clarence Brown meinten, die Schauspieler würden auf der Leinwand „Lubitsch spielen“, statt ihre eigene Persönlichkeit zu zeigen
  • 28.1.1892–1949: Willy Rosenstein in Wiesbaden geboren, Frontflieger im Ersten Weltkrieg (über 180 Einsätze, 9 Abschüsse); er erhielt 1912 seine Pilotenlizenz (Nr. 170) nach einer Ausbildung an der berühmten Flugschule Johannisthal; er wurde Fluglehrer, Test-Pilot und nahm erfolgreich an Fliegerwettbewerben teil; sein fliegerisches Können machte ihn landesweit bekannt; nach der Kriegserklärung 1914 meldete er sich zur fliegenden Truppe, flog erst Zweisitzer (Erkundung und Luftkampf), dann vermutlich Einsitzer; von Februar bis Dezember 1917 war er Mitglied der Jagdstaffel 17 (nach anderen Quellen 27) unter dem Kommando Hermann Görings; Ende 1917 machte Göring in Anwesenheit mehrerer Personen, unter denen auch Rosenstein sich befand, eine antisemitische Äusserung; Rosenstein verlangte eine Entschuldigung, aber Göring weigerte sich, so dass Rosenstein um seine Versetzung bat; bei der Jagdstaffel 40 setzte Rosenstein seine erfolgreiche Tätigkeit fort und wurde stellvertretender Staffelführer; er wurde mehrfach ausgezeichnet; 1936, als sich die Lebensbedingungen für Juden in Deutschland zunehmend verschlechterten, emigrierte er nach Südafrika; Göring, der öfters Juden aus seinem persönlichen Umfeld half, half auch hier wieder; Rosenstein musste mehrere Schicksalsschläge ertragen: Seine Frau verliess ihn; in Südafrika wurde er als möglicher Staatsfeind interniert, dann fiel sein Sohn 1945 im 2. Weltkrieg als Pilot der Royal Airforce; vier Jahre später kam Willy Rosenstein bei einem Flugzeugabsturz ums Leben
  • 2.3.1892–17.3.1949: Felix Bressart (Felix Breslau?), geb. in Eydtkuhnen/Ostpreussen (heute: Černyševskoe, Russland), gest. in Los Angeles; jüdischer Schauspieler; 1915 erhält er sein erstes Engagement als 1. Chargenspieler am Stadttheater Würzburg; 1920 Verpflichtung an das Deutsche Theater, Hannover; 1922 an das Neustädter Schauspielhaus (Albert-Theater) in Dresden; 1925 spielt er unter der Intendanz von Max Reinhardt am Theater in der Josefstadt, Wien; 1926-1931 an den Barnowsky-Bühnen in Berlin tätig und macht sich schnell einen Namen als versierter Charakter-Komiker; zu seinen grossen Erfolgen zählt die Rolle des Kompanieschreibers Lipinski in Maxwell Andersons pazifistischem Schauspiel "What Price Glory" (Rivalen) unter der Regie von Erwin Piscator im Theater an der Königgrätzer Strasse; Herbert Ihering urteilt: "Felix Bressart ... war der einzige, der dem Film nahekam mit seiner greifenden, langenden, torkelnden Körperkomik" (Berliner Börsen-Courier, 21.3.1929); 1932 wechselt Bressart an das Deutsche Künstlertheater in Berlin, ab 1933 spielt er im Komödienhaus und im Kabarett der Komiker; seit 1928 tritt er auch in Filmen auf, vor allem in Lustspielen und in den beliebten Militärklamotten der frühen 1930er Jahre; "Drei Tage Mittelarrest", in dem er die Hauptrolle des Füsiliers Franz Nowotni verkörpert, zählt zu den erfolgreichsten Filmen der Saison 1930/31; er ist dabei der komische Kontrapunkt, der dem Publikum erleichtern soll, die reaktionäre Botschaft der Filme anzunehmen; aber Bressarts Komik entzieht sich weitgehend dieser Vereinnahmung; sie ist widerspenstig, Unruhe stiftend; Mitte 1931 erklärt er in der Presse, in Zukunft an Produktionen dieser Art nicht mehr mitwirken zu wollen; 1933 emigriert er über die Schweiz und Österreich, wo er in einigen österreichisch-ungarischen Co-Produktionen mitwirkt, via Paris in die USA (1938); auch in Hollywood findet seine schlaksige Körperkomik bald Beachtung; in zahlreichen Filmen spielt er mittlere und kleine Rollen: oft den närrischen "Philosophen", den melancholischen Aussenseiter "with floppy hair, soulful eyes, and a big nose" (James Robert Parish); besonders Lubitsch nutzt Bressarts Kunst, zwischen grotesker Übertreibung und schwermütigem Innehalten zu balancieren; neben zahlreichen Komödien wirkt er auch in Anti-Nazi-Filmen mit; u.a. spielt er den Schauspieler Greenberg in Lubitschs "To Be or Not To Be", Mr. Werner in Richard Thorpes "Above Suspicion" und Poldi Schlamm in Fred Zinnemanns "The Seventh Cross", nach dem antifaschistischen Roman von Anna Seghers; 1941/1942 beteiligt er sich an Künstlerabenden des German-Jewish-Club in Los Angeles; neben der Schauspielerei wirkt Bressart als Heilpraktiker und medizinischer Berater seiner Schauspielerkollegen; Felix Bressart, der mit Frieda Lehner verheiratet ist, stirbt am 17. März 1949 in Hollywood an Leukämie; Bressart war im Leben genau das, was er im Film darstellte: ein schüchterner, verschlossener, etwas ungeschickter Mensch; seine Tapsigkeit im Leben und vielleicht auch im Film war von einer gewissen Tragik umwittert; doch das Publikum fand ihn einfach komisch - es lachte nicht so sehr über das, was Felix Bressart auf der Leinwand zustiess, als dass es ihn auslachte mit der Roheit von Kindern, die Menschen, die stottern, komisch finden; - weitere Filme (Auswahl): Die drei von der Tankstelle (1930); Ich schenk Dir mein Herz (1932); Und wer küsst mich? (1933); Ninotschka (1939); The shop around the corner (1940); Sein oder Nichtsein (1942)
  • März 1892: Herzl versucht seine Eltern davon zu überzeugen, dass sie zu ihm nach Paris übersiedeln; von seiner Frau Julie lebte er schon getrennt
  • 30.3.1892–14.3.1968: Erwin Panofsky, geb. in Hannover, gest. in Princeton, war einer der bedeutendsten Kunsthistoriker des 20, Jhdts., der die Ikonologie wesentlich weiterentwickelte; er promovierte 1914 bei Wilhelm Vöge in Freiburg über Dürers Kunsttheorie und lehrte ab 1921 als Privatdozent, ab 1927 dann als Prof. an der Universität Hamburg; 1933 wurde er von den Nationalsozialisten zur Aufgabe seiner Professur gezwungen und emigrierte in die USA; bis 1935 lehrte er an der New York University, später am Institute for Advanced Studies in Princeton (New Jersey); in Hamburg begründete Panofsky zusammen mit Aby Warburg und Ernst Cassirer die Hamburger kunsthistorische Schule; er stand dem Warburg Institut sehr nahe, sein hauptsächliches Interesse galt der Erforschung der Bedeutung in der Kunst, womit nicht nur der dargestellte Inhalt, sondern auch seine jeweils zeitgenössische Rezeption gemeint war, also das Verstehen des historischen Kontextes und daher auch der gewählten Formen und Motive; damit setzte sich Panofsky von der damals noch vorherrschenden Herangehensweise der Kunstgeschichte ab, die mittels Stilkritik in erster Linie eine formale, qualitative, zuschreibungsorientierte und chronologische Einordnung ihrer historischen Gegenstände betrieb; er entwickelte für das, was er Ikonologie nannte, ein dreistufiges Modell, das einer immer komplexer werdenden Interpretation gerecht werden sollte; 1955 veröffentlichte Panofsky eine Sammlung von Aufsätzen in einem Sammelband unter dem Titel "Meaning in the Visual Arts", der inzwischen zu den Klassikern der kunsthistorischen Literatur gehört; weitere Werke: Idea, über Kunsttheorie, 1924; Studies in iconology, 1939; Dürer, 2 Bde., 1943; Gothic architecture and scholasticism, 1951 (spanisch 1959); Early Netherlandish painting, 2 Bde., 1953; Pandora's box, 1956; Renaissance and renascences in Western art, 1960; Tomb sculptures, 1964
  • 7.4.1892–1943: Julius Hirsch, der jüdische Pionier des deutschen Fussballs. Geb. in Achern in der Nähe von Baden-Baden, umgekommen 1943 in Auschwitz. Spielte für den Karlsruher FV (1910 deutscher Fussballmeister), ab 1913 für die SpVgg Fürth. Mit den Franken, deren Kapitän er war, wurde er 1914 durch einen 3:2-Sieg nach Verlängerung in Magdeburg gegen den VfB Leipzig erneut Deutscher Meister; 1919 wechselte er nach Karlsruhe zurück, wo er 1925 seine Fussballkarriere beendete. Julius Hirsch war Soldat im ersten Weltkrieg und wurde mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Von Beruf war er Kaufmann, vor 1933 war er kaufmännischer Direktor eines grossen Sportartikelherstellers. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde Hirsch wegen seiner Zugehörigkeit zum Judentum verfolgt und schliesslich umgebracht. Als die Sportvereine 1933 ihre jüdischen Mitglieder ausschlossen, schrieb Julius Hirsch „seinem“ Karlsruher FV, dem er schon seit Kindesbeinen angehörte: „Ich lese heute im Sportbericht Stuttgart, dass die grossen Vereine, darunter auch der KFV, einen Entschluss gefasst haben, dass die Juden aus den Sportvereinen zu entfernen seien. Leider muss ich nun bewegten Herzens meinem lieben KFV, dem ich seit 1902 angehöre, meinen Austritt anzeigen. Nicht unerwähnt möchte ich aber lassen, dass es in dem heute so gehassten Prügelkinde der deutschen Nation auch anständige Menschen und vielleicht noch viel mehr national denkende und auch durch die Tat bewiesene und durch das Herzblut vergossene deutsche Juden gibt.“– Hirschs Schicksal ist das vieler national gesinnter Juden, die sich nie vorstellen konnten, dass der Staat ihnen als kaisertreuen Deutschen und noch dazu als Frontsoldaten des ersten Weltkrieges nach dem Leben trachten würde. Er verdrängte wie viele seiner Glaubensgenossen die Gefahr so lange, bis keine Flucht mehr möglich war. Julius Hirsch wurde am 1. März 1943 nach Auschwitz deportiert, sein genaues Todesdatum ist unbekannt. Im Jahr 2005 rief der Deutsche Fussball-Bund den Julius-Hirsch-Preis ins Leben. Erster Preisträger war der FC Bayern München.
  • 8.4.1892–16.4.1970: Richard Neutra (Richard Joseph Neutra), geb. in Wien, gest. in Wuppertal, österreichischer Architekt, der vor allem in Südkalifornien tätig war und insbesondere innerhalb der USA als wichtiger Vertreter der "klassischen Moderne" und des "Internationalismus" in der Architektur gilt; seit 1929 US-amerikanischer Staatsbürger; Neutra ist Ehrenbürger der Stadt Wien, und im Stadtteil Leopoldau ist seit 1974 die Richard-Neutra-Gasse nach ihm benannt; auch eine Schriftfamilie trägt seinen Namen; nach Richard Neutras Tod setzte sein Sohn Dion Neutra das Werk des Vaters fort
  • 1.5.1892–5.2.1929: Ernst Günther Frh. von Hünefeld, geb. in Königsberg, gest. in Berlin (jüdischer Abstammung, Mutter geb. Lachmann), erste Atlantiküberquerung in Ost-West-Richtung am 12.4.1928 mit Köhl und Fitzmaurice (beides Nichtjuden)
  • 12.5.1892-22.7.1970: Fritz Kortner (eigentlich: Fritz Nathan Kohn), geb. in Wien, gest. (nach langer Krebserkrankung) in München, österreichisch-jüdischer Schauspieler, Film- und Theaterregisseur, ein virtuoser Charakterdarsteller jener Schauspielkunst, die heute ihresgleichen sucht; einer der bekanntesten Schauspieler seiner Zeit; Protagonist des deutschen expressionistischen Theaters mit dämonisch-hintergründiger Darstellungskraft (seine grössten Erfolge hat er mit den Titelrollen in Hamlet, Othello und Dantons Tod; doch über allem steht der Shylock in Shakespeares „Kaufmann von Venedig“; sie wird für ihn zur Lebensrolle); Fritz Kortner absolvierte von 1908-1910 ein Studium für Musik und darstellende Kunst an der K. K. Akademie unter Professor Ferdinand Gregori; als dieser zum Intendanten des Nationaltheaters Mannheim ernannt wurde, verpflichtete er Kortner ebenfalls an das Mannheimer Theater; dort debütierte er Ende 1910 als Maximilian in Kleists "Das Käthchen von Heilbronn"; in nur fünf Monaten spielte er in 17 weiteren Rollen, bevor er dann seinen Vertrag wieder auflöste und von Max Reinhardt nach Berlin an das Deutsche Theater engagiert wurde; in den folgenden Jahren arbeitete er an vielen deutschen Bühnen; in den expressionistischen Inszenierungen Leopold Jessners ist Kortner die treibende Kraft; 1915 war das Jahr des Filmdebüts Kortners; er wurde, wie schon viele vor ihm, von Harry Piel für den Film entdeckt und spielte gleich in mehreren seiner Filme die Hauptrolle; auch in diesem Metier konnte Kortner schnell Fuss fassen und feierte schon bald grosse Erfolge; drei Jahre später, 1918, führte er erstmals selber Regie für den Film "Gregor Marold"; während der Stummfilm-Ära agierte Fritz Kortner in Filmen wie "Police Nr. 1111" (1915), "Die Brüder Karamasoff" (1920), "Katharina die Grosse" (1920), "Satanas" (1920), "Luise Millerin" (1922), "Orlacs Hände" (1924) und "Mata Hari" (1927); mit dem Tonfilm erweiterten sich seine Möglichkeiten der Ausdrucksfähigkeit; er schrieb zusammen mit Alfred Polgar das Drehbuch zu "Der brave Sünder" (1931) und führte auch zugleich seine erste Regiearbeit für den Tonfilm; in den 30er Jahren musste auch Kortner sich den Angriffen der Nationalsozialisten ausgesetzt sehen; in Goebbels Propagandablatt "Der Angriff" wurde geschrieben: "Man hat sich für die Rolle in 'Gott, Kaiser und Bauer' (1932) den Juden Kortner-Kohn engagiert, der im Berliner Theaterleben eigentlich längst ausgespielt haben sollte. Er ist so ziemlich der schmierigste und übelste Typ, der je auf einer deutschen Bühne gestanden hat" (29.12.1932); Kortner musste die Konsequenzen ziehen und ging ins Exil (er hatte allerdings vorgesorgt: Schon im Frühjahr 1932 hatte er seinen Wohnsitz nach Ascona verlegt), zuerst über Wien (1933), dann 1934 nach London, schliesslich 1937 nach New York und vier Jahre später nach Hollywood; in dieser Zeit führte Kortner keine Regie mehr; er wurde als Schauspieler eingesetzt, oft in Anti-Nazi-Filmen wie "Der seltsame Tod des Adolf Hitler" (1943), für den Kortner auch das Drehbuch schrieb, und "The Hitler Gang" (1944); 1947 kehrte Kortner wieder nach Deutschland zurück; zwei Jahre später war er wieder im Theater zu sehen, in den 1950er Jahren wird er zur Regie-Ikone des Theaters der Bundesrepublik Deutschland, obwohl er nie Intendant eines Theaters war; seine künstlerische Heimat werden die Münchener Kammerspiele unter Intendant Hans Schweikart und das Berliner Schillertheater unter Intendant Boleslaw Barlog; an den Kammerspielen inszeniert er bis 1967 siebzehn Stücke; auch beim Film fand er wieder Arbeit und konnte ab 1954 auch erneut Regie-Arbeiten übernehmen; ein grosser Erfolg wurde dabei der Film "Die Sendung der Lysistrata" (1961); Fritz Kortner war seit 1924 mit der Schauspielerin Johanna Hofer (1896-1988) verheiratet, die ihn bis an sein Lebensende begleitet; weitere Filme mit Fritz Kortner (Darsteller): “Manya, die Türkin“ (1915); „Im Banne der Vergangenheit“ (1915); „Das Geheimnis von D. 14“ (1915); „Die grosse Gefahr“ (1915); „Das zweite Leben“ (1916); „Der Brief einer Toten“ (1917); „Der Märtyrer seines Herzens“ (1918); „Der Stärkere“ (1918); „Das andere Ich“ (1918); „Frauenehre“ (1918); „Sonnwendhof“ (1918); „Das Auge des Buddha“ (1919); „Ohne Zeugen“ (1919); „Else von Erlenhof“ (1919); „Gerechtigkeit“ (1920); „Christian Wahnschaffe: Weltbrand“ (1920); „Die Nacht der Königin Isabeau“ (1920); „Der Schädel der Pharaonentochter“ (1920); „Die Lieblingsfrau des Maharadscha“ (1920); „Das Haus zum Mond“ (1920); „Die Verschwörung zu Genua“ (1921); „Das Haus der Qualen“ (1921); „Haschisch, das Paradies der Hölle“ (1921); „Landstrasse und Grossstadt“ (1921); „Aus dem Schwarzbuch eines Polizeikommissars“ (1921); „Der Eisenbahnkönig“ (1921); „Hintertreppe“ (1921); „Am roten Kliff“ (1921); „Die Jagd nach Wahrheit“ (1921); „Die Finsternis und ihr Eigentum“ (1922); „Sterbende Völker“ (1922); „Der Ruf des Schicksals“ (1922); „Der Graf von Essex“ (1922); „Am Rande der Grossstadt“ (1922); „Peter der Grosse“ (1922); „Nora“ (1923); „Arme Sünderin“ (1923); „Schatten“ (1923); „Ein Weib, ein Tier, ein Diamant“ (1923); „Dr. Wislizenus“ (1924); „Armes kleines Mädchen“ (1924); „Moderne Ehen“ (1924); „Dürfen wir schweigen?“ (1926); „Beethoven“ (1927); „Primanerliebe“ (1927); „Alpentragödie“ (1927); „Die Ausgestossenen“ (1927); „Die Geliebte des Gouverneurs“ (1927); „Maria Stuart“ (1927); „Mein Leben für das Deine“ (1927); „Frau Sorge“ (1928); „Marquis d'Eon, der Spion der Pompadour“ (1928); „Revolutionshochzeit“ (1928); „Somnambul“ (1929); „Die Nacht des Schreckens/Die stärkere Macht“ (1929); „Giftgas“ (1929); „Die Frau, nach der man sich sehnt“ (1929); „Die Büchse der Pandora“ (1929); „Die Frau im Talar“ (1929); „Das Schiff der verlorenen Menschen“ (1929); „Atlantik“ (1929); „Norwegen“ (1929); „Menschen im Käfig“ (1930); „Dreyfus“ (1930); „Der Andere“ (1930); „Die grosse Sehnsucht“ (1930); „Der Mörder Dimitri Karamasoff“ (1931); „Danton“ (1931); „Little Friend“ (1934); „Evensong – Abendlied“ (1934); „Chu Chin Chow“ (1934); „The Crouching Beast - Das erniedrigte Tier“ (1935); „Abdul the Damned - Abdul Hamid“ (1935); „Midnight Menace - Die mitternächtliche Drohung“ (1937); „The Purple V“ (1943); „The Wife of Monte Christo - Die Gräfin von Monte Christo“ (1946); „Somewhere in the Night - Irgendwo in der Nacht“ (1946); „The Razor's Edge - Auf Messers Schneide“ (1946)“ „The Brasher Doubloon - Die Brasher-Doublone“ (1947); „The Vicious Circle/Woman in Brown“ (1948); „Berlin Express“ (1948); „Der Ruf“ (1949); „Epilog - Das Geheimnis der Orplid“ (1950); „Blaubart“ (1951); „Das letzte Band“ (1962); „Der Kaufmann von Venedig“ (1968); „Der Vater“ (1969); „Der Sturm“ (1969); „Clavigo“ (1970); weitere Filme von Fritz Kortner (Regie): „Else von Erlenhof“ (1919); „So ein Mädel vergisst man nicht“ (1933); „Die Stadt ist voller Geheimnisse“ (1954); „Um Thron und Liebe/Sarajewo“ (1955); „Androklus und der Löwe“ (1958); „Der eingebildete Kranke“ (1964); „Leonce und Lena“ (1964); weitere Filme von Fritz Kortner (Drehbuch): „Der Märtyrer seines Herzens“ (1918); „Die Geliebte des Gouverneurs“ (1927); „So ein Mädel vergisst man nicht“ (1933); „Der Ruf“ (1951); „Die Stimme des Anderen/Unter den tausend Laternen“ (1952); „Die Stadt ist voller Geheimnisse“ (1954); „Die Sendung der Lysistrata“ (1961); - Autobiographie unter dem Titel „Aller Tage Abend“, 1959; - "Letzten Endes. Fragmente" (posthume Autobiographie, hrsg. von Johanna Kortner 1971)
  • 15.5.1892: Nathan Birnbaum schreibt in der "Selbst-Emancipation" (V, 10, Wien): " ... die Araber in Palästina sind auch als Feinde nicht blutdürstig, sie sind harmloser Natur und beugen sich im Allgemeinen vor der jüdischen Geistesüberlegenheit"
  • 26.5.1892-6.2.1954: Maxwell Bodenheim, Schriftsteller
  • 9.6.1892: Armand Lunel geboren in Aix-en-Provence, französischer Schriftsteller; Roman "Niccolo Peccavi ou l'affaire Dreyfus à Carpentras" (deutsch 1929)
  • 22.6.1892–16.5.1982: Hans Herzfeld, ursprünglich deutschnationaler Historiker, geb. in Halle/Saale, gest. in Berlin, 1921 Promotion in Halle (Dissertation: Die deutsch-französische Kriegsgefahr von 1875), 1923 Habilitation, 1929 a. o. Prof. für mittlere und neue Geschichte in Halle; 1938 wurde ihm die Lehre untersagt und der Professorentitel aberkannt, 1943 sechs Wochen in Gestapohaft, die er nur äusserst knapp überlebte; 1946-1950 Prof. in Freiburg im Breisgau, 1950-1960 an der Freien Universität Berlin; Hauptwerke: Die deutsche Rüstungspolitik vor dem Weltkriege, 1923; Deutschland und das geschlagene Frankreich, 1924; Die deutsche Sozialdemokratie und die Auflösung der nationalen Einheitsfront im Weltkriege, 1928; Biographie J. v. Miquels, 2 Bände, 1933; Die moderne Welt 1789-1945, 1952 (6. Aufl. 1970); Die Weimarer Republik, 1966; Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts, 1968; Berlin in der Weltpolitik, 1973
  • 22.6.1892–5.1.1992: Dr. jur. Max Zweig, deutsch-jüdischer Dramatiker, geb. Prossnitz in Mähren, gest. Jerusalem, Vetter von Stefan Zweig, lebte in Berlin, Wien und Prag, ab 1938 in Tel Aviv im unfreiwilligen Exil – Hebräisch hat er dennoch nie gelernt, aus Angst, durch die intensive Beschäftigung mit einer anderen Sprache seine literarische Ausdrucksfähigkeit im Deutschen einzubüssen; er verfasste 22 Dramen, die aber kaum noch bekannt sind, darunter: "Die Marranen", 1938; "Tolstois Flucht", 1946; "Ghetto Warschau", 1947; "König Saul", 1951; "Aufruhr des Herzens", 1956; "Die Entscheidung Lorenzo Morenos", 1965; "Davidia", 1972
  • Juli 1892: Herzl hat für sich selbst den Entschluss gefasst, seine Theater-Schriftstellerei zu beenden.
  • 15.7.1892–26.9.1940: Walter Benjamin (Walter Bendix Schoenflies Benjamin), geb. in Berlin-Charlottenburg, Suizid in Port Bou an der spanisch-französischen Grenze auf der Flucht vor der Gestapo, deutsch-jüdischer Philosoph, Gesellschaftstheoretiker, Literaturkritiker, Literaturhistoriker (u. a. europäische Literatur des 20. Jhdts.: Proust, Joyce ... ) und Übersetzer; Schwager von Hilde Benjamin, Cousin von Gertrud Kolmar und Günther Anders; seit 1915 mit Gershom Scholem befreundet, über den er nicht nur seine spätere Frau Dora Pollak kennen lernte, sondern mit dem er auch zahlreiche Diskussionen über jüdische Tradition und Wissenschaft führte; Benjamin verband als Kultursoziologe Einsichten des historischen Materialismus mit jüdischer Mystik und entwickelte einen eschatologisch-messianischen Geschichtsbegriff; übersetzte u. a. Baudelaire und Proust; promovierte 1919 in Bern über Kunstkritik summa cum laude, edierte 1924 Goethes Wahlverwandtschaften; schrieb 1929 den Artikel "Goethe" für die Sowjetenzyklopädie, 1932 über Haschisch; emigrierte 1933 nach Paris, dort Mitarbeit an verschiedenen Exilzeitschriften und 1935 Mitglied des Instituts für Sozialforschung; nach dreimonatiger Internierung (Sammellager bei Nevers) Flucht nach Südfrankreich, nach gescheitertem Versuch, die spanische Grenze zu überschreiten, Freitod in Port Bou (durch Morphin?); Hauptwerke: "Der Begriff der Kunstkritik in der deutschen Romantik" (1920); „Ursprung des deutschen Trauerspiels“, 1928 (als Habilitationsschrift 1925 von der Universität Frankfurt nicht angenommen bzw. von ihm selbst zurückgezogen, um einer Ablehnung zuvorzukommen); „Einbahnstrasse“, 1928 (Aphorismen); Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, 1936; „Berliner Kindheit um 1900“, 1932/1933; „Das Passagenwerk“, 1927 (unvollendet). – Gesammelte Schriften, 12 Bände, 1980
  • 28.7.1892: Franz Janowitz geboren, er gehörte wie sein Bruder Hans zu den Dichtern des Prager Kreises und war eine grosse lyrische Begabung; er wurde von Max Brod gefördert und war einer der wenigen, deren Talent Karl Kraus schätzte; der expressionistische Lyriker fiel sehr jung im Ersten Weltkrieg
  • 2.8.1892-1978: Die Produktionsgesellschaft Warner Brothers (Warner Bros. Pictures Inc.) brachte 1927 den ersten Tonfilm "The Jazz Singer" in die Kinos und ist bis heute eine feste Grösse im amerikanischen Filmgeschäft; treibende Kraft des Unternehmens war Jack L. Warner, der das Studio 1922 zusammen mit drei seiner elf Brüder, nämlich mit Harry M., Albert und Sam, gründete; Jack Warner wurde am 2.8.1892 als John Eichelbaum in Kanada geboren, er starb 1978 im Alter von 86 Jahren in Los Angeles
  • 31. August 1892: Theodor Herzl fasst seine Meldungen und Berichte über die antisemitischen Vorgänge in Frankreich in einer grossen Korrespondenz zusammen, die unter dem Titel „Französische Antisemiten“ in seiner Zeitung (Neue Freie Presse) erschien; sie ist die erste öffentliche resümierende Äusserung Herzls zur Judenfrage.
  • 4.9.1892: Darius Milhaud geboren in Marseille, Komponist, Hauptvertreter moderner französischer Musik seiner Zeit; Ballette; Oper "Columbus" (Berlin 1930), auch jüdische und hebräische Lieder; gest. 22.6.1974 in Genf
  • 4.9.1892–12.6.1985: Helmuth Plessner (auch Helmut Plessner oder Hellmut Plessner), geb. in Wiesbaden, gest. in Göttingen; deutscher Philosoph und Soziologe, Hauptvertreter der philosophischen Anthropologie; seit 1926 Prof. in Köln, seit 1939 in Groningen/Holland, seit 1951 in Göttingen; Hauptwerke: Die Einheit der Sinne, 1923; Die Stufen des Organischen und der Mensch, 1928; Die verspätete Nation, 1935; Lachen und Weinen, 1941; Diesseits der Utopie, 1966; Philosophische Anthropologie, 1970
  • 7.9.1892–21.6.1944: Fritz Fränkel, Arzt und Psychologe; verfasste mit dem Buch "Suchtmediziner" eines der Standardwerke seiner Zeit; war Gründungsmitglied der KPD; - nach einem Medizin- und Psychologiestudium meldete sich der jüdische Berliner Fritz Fränkel 1915 freiwillig zum Kriegsdienst wie viele andere; die Erfahrungen als Militärarzt gingen in seine Dissertation über Kriegsneurosen ein, mit der er 1919 promovierte; politisch war Fränkel zu diesem Zeitpunkt bereits als Spartakus-Delegierter auf dem Gründungskongress der KPD Ende 1918 in Erscheinung getreten; ausserdem engagierte er sich Anfang der zwanziger Jahre im Verein Sozialistischer Ärzte und im "Proletarischen Gesundheitsdienst"; als sich Fränkel nach Anstellungen in verschiedenen Kliniken 1925 mit einer Praxis als Nervenarzt in Berlin niederliess, machte er durch mehrere grundlegende Untersuchungen zur Drogensucht auf sich aufmerksam; später begleitete er als medizinischer Sachverständiger die Haschisch-Experimente Walter Benjamins; zusammen mit dessen Schwester Dora veröffentlichte Fränkel die Erkenntnisse aus der Fürsorgearbeit mit Alkoholkranken in Berlin-Kreuzberg; am 21. März 1933 verhaftete die SA-Feldpolizei Fränkel in seiner Wilmersdorfer Wohnung und inhaftierte ihn im Gefängnis Papestrasse; während er dort von den SA-Leuten schikaniert und geprügelt wurde, begegnete er dem durch Misshandlungen schwer gezeichneten Mithäftling und Arztkollegen Arno Philippsthal, der kurz darauf seinen Verletzungen erlag; Fränkel konnte am 23. März das SA-Gefängnis verlassen; er flüchtete sofort in die Schweiz, der ersten Station seines Exils, das ihn über Frankreich und Spanien, wo er für die Internationalen Brigaden als Arzt tätig war, schliesslich nach Mexiko führte; dort starb er am 21. Juni 1944
  • 28.10.1892–11.8.1953: Ludwig Strauss (Pseud. Franz Quentin), geb in Aachen, gest. in Jerusalem, deutsch-jüdisch-israelischer Schriftsteller und Literaturwissenschaftler, bekannt geworden als führender Hölderlinforscher; Kaufmannssohn, schon als Schüler erste Veröffentlichungen in Zeitschriften und aktiv in zionistischen Vereinen; Studium der Germanistik, Literaturgeschichte und Philosophie in Berlin und München; Kriegsdienst; nach dem Krieg 1919 erzwungener Studienabbruch wegen einer kriegsbedingten Nervenerkrankung; 1925 heiratet er die Tochter Martin Bubers; nach Tätigkeit als Lektor 1925/26 Dramaturg am Düsseldorfer Schauspielhaus; 1928 Promotion über ‘’Hölderlins Anteil an Schellings frühem Systemprogramm’’ in Frankfurt am Main, 1929 Habilitation in Aachen: ‘’Das Problem der Gemeinschaft in Hölderlins Hyperion’’, gedruckt 1933; seitdem Privatdozent an der TH Aachen; zahlreiche Arbeiten und Aufsätze zu Hölderlin; 1933 als Jude vom Dienst beurlaubt (behielt aber dank der Initiative des Rektors Paul Röntgen sein Privatdozenten-Stipendium, aufgrund der "Frontkämpferklausel" durfte er ab 1934 wieder Vorlesungen abhalten), 1935 mit der Familie nach Palästina ausgewandert; lebte zuerst in Jerusalem, danach im Kibbuz Hasorea, schliesslich 1938 Lehrer im von Siegfried Lehmann gegründeten Jugenddorf Ben Shemen; wegen der körperlichen Belastung musste er jedoch kündigen und ging 1949 wieder nach Jerusalem, dort Dozent für vergleichende Literaturwissenschaft an der Hebräischen Universität; Ludwig Strauss schrieb seine Gedichte auch in hebräisch; er ist auch der Verfasser des berühmten jüdischen Lesebuches "Sendung und Schicksal"; die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen hat zu seinen Ehren am Germanistischen Institut die Ludwig-Strauss-Professur für deutsch-jüdische Literaturgeschichte eingerichtet; Werke: Übersetzungen ostjüdischer Liebeslieder und von Gedichten Bialiks; "Der Mittler" (Novelle, 1916); "Nachtwache". Gedichte 1919-1933, 1933; "Botschaft" (Novelle, 1934); "Heimliche Gegenwart. Gedichte 1933-1950", 1952; Aphorismen: "Wintersaat", 1953; "Dichtungen und Schriften", München 1963; Briefwechsel Martin Buber - Ludwig Strauss 1913-1953. Hrsg. von Tuvia Rübner und Dafna Mach. Frankfurt a.M. 1990; "Das verpasste Verbrechen und andere Prosa". Aachen 1990; "Land Israel. Gedichte". Aachen 1991; "Gesammelte Werke" (4 Bde.), Göttingen 1998-2001; Ludwig Strauss gab auch die "Gesammelten Schriften" von Fritz Mordechai Kaufmann heraus
  • 2.11.1892–6.5.1960: Paul Abraham (Pál Ábrahám), geb. in Apatin, Österreich-Ungarn (heute Serbien), gest. in Hamburg, ungarisch-jüdischer Operetten-Komponist, später auch Filmmusiken; emigrierte 1933 von Berlin nach Wien, ab 1938 wieder in Budapest, dann in Kuba, später in New York (bis 1956), wo er 1946 geisteskrank wurde, 1956 die USA verlassen musste, ging dann nach Hamburg, wo er in einem Sanatorium lebte; 1960 starb er in Hamburg an den Folgen einer Knieoperation; wichtigste Werke: „Victoria und ihr Husar“, 1930; „Die Blume von Hawaii“, 1931; „Ball im Savoy“, 1932; „Märchen im Grand-Hotel“, 1934; „Dschainah, das Mädchen aus dem Tanzhaus“, 1935; „Roxy und ihr Wunderteam“, 1937
  • 13.11.1892–8.7.1952: Karl Jakob Hirsch (Karl Jacob Hirsch), geb. in Hannover, gest. in München, Schriftsteller und expressionistischer Künstler (Grafik, Gemälde, Bühnenbilder, Kostüme), Arztsohn, emigrierte 1934 über die Schweiz in die USA, wo er in New York Redakteur der Neuen Volkszeitung war; seit 1967 gibt es ein Karl-Jakob-Hirsch-Archiv in der Akademie der Künste in Berlin; Hauptwerke: Kaiserwetter, 1931 (Roman); Hochzeitsmarsch in Moll, 1938; Heute und Morgen, 1939; Tagebuch aus dem Dritten Reich, 1941; Autobiographie: Heimkehr zu Gott, Briefe an meinen Sohn [Schilderung seiner Konversion zum Protestantismus], 1946; Literatur: Ausstellungskatalog der Akademie der Künste Berlin, 1967
  • November 1892: Kontakt Herzls zu Hugo von Hofmannsthal, Wien
  • 26.11.1892: Bildung (Statutengenehmigung) des Verbandes "Zion": "Zion. Verband der österreichischen Vereine für die Colonisation Palästinas und Syriens"; treibende Krafe war Nathan Birnbaum (nach seiner Agitationsreise quer durch Galizien)
  • 27.11.1892–1945: Fritz Kleczewski, geb. in Berlin, gest. in Brüx (Böhmen), Lehrer, leitete Ortsgruppen im Landesverband Berlin und in der Mark Brandenburg des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten und die Jugendgruppen des R.J.F. "Gross-Berlin"; 17.3.1943 deportiert nach Theresienstadt, 1944 nach Auschwitz, 1945 ins Arbeitslager Brüx, wo er im April 1945 starb
  • 28.11.1892–8.5.1939: Robert Lachmann, geb. in Berlin, gest. in Jerusalem, deutsch-jüdischer Musikethnologe, Bibliothekar und Orientalist, einer der Mitbegründer der Berliner Schule für Vergleichende Musikwissenschaften; im ersten Weltkrieg Dolmetscher in einem Kriegsgefangenenlager mit Soldaten aus Afrika; 1927-1933 in der Musikabteilung der Preussischen Staatsbibliothek; nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten verlor er seine Stellung an der Preussischen Staatsbibliothek und emigrierte schliesslich im April 1935 nach Palästina; auf Einladung von Judah Leon Magnes nahm er eine Tätigkeit an der Hebräischen Universität Jerusalem auf, wo er das Zentrum und Archiv für Orientalische Musik ins Leben rief, die sich insbesondere auch der jüdischen Musik widmeten; Werke: Die Musik in den tunisischen Städten, 1922; Musik des Orients, 1929; Jewish Cantillation and Song in the Isle of Djerba, 1940; 1933 bis 1935 war er Herausgeber der Zeitschrift für vergleichende Musikwissenschaft (Gesellschaft zur Erforschung des Musik des Orients) (die Ztschr. musste 1935 eingestellt werden)
  • 3.12.1892: Lola Landau (eigentlich Leonore Landau) in Berlin geboren, Autorin, zunächst Lehrerin, bis 1933 in Berlin, ging 1936 nach Palästina, lebte dann in Jerusalem; Gedichte: "Schimmernde Gelände", 1916; "Lied der Mutter", 1918; "Noch liebt mich die Erde"; "Kind im Schatten", 1931; Jugendbuch: "Das Mädchen, das immer nein sagte", 1959; Novellen: "Variationen der Liebe", 1973; Memoiren, 1980; sie starb 1990 in Jerusalem
  • 7.12.1892–1.10.1944: Max Ehrlich, geb. Berlin, ermordet im KZ Auschwitz, erfolgreicher deutsch-jüdischer Kabarettist, Schauspieler und Filmregisseur, ging nach Wien, weil er nicht in die „Reichsfachschaft Film“ aufgenommen wurde, auch dort wurden seine Auftritte gestört, er ging in die Schweiz, dann nach Holland; vom Heimweh getrieben, kehrte er 1935 nach Deutschland zurück, wo er im Rahmen des Jüdischen Kulturbundes unter eingeschränkten Bedingungen weiter auftreten konnte; nach weiterer Verschärfung der Situation ging er im Frühjahr 1939 nach Amsterdam; in den Niederlanden 1943 verhaftet, Durchgangslager Westerbork (auch hier noch Darbietung von Bühnenprogrammen), mit dem letzten Deportationszug wurde er nach Auschwitz gebracht, wo er in der Gaskammer starb
  • 11.12.1892: Bildung des hebräischen Sprach- und Sprechklubs "Safah berurah" mit Nathan Birnbaum als gewähltem "Obmann"
  • 27.12.1892: Herzl, Paris, an Benedikt, Wien: „Ueberhaupt denke ich mir die rettende That nur über die Köpfe der Juden hinweg. „Wenn ich dich liebe, was geht es dich an?“ (Goethe). Und wenn man ihnen helfen will, so brauchen es die Juden gar nicht zu wissen. Denn sie sind ein durch Druck verkommenes, entmanntes, vom Geld verwirrtes, in allerlei Hürden domesticirtes Volk …“
  • Nach dem 27.12.1892: Herzl, Paris, an Benedikt, Wien: „Die antisemitische Bewegung halte ich nicht für durchaus schädlich. Sie wird den Uebermuth der Geldprotzen, die Gewissenlosigkeit und den Cynismus jüdischer Finanzmacher brechen und vielfach zur Erziehung der Juden beitragen … Ich halte die Religion für alle Schwächezeiten der Menschen als unentbehrlich. Es gibt Menschen, die immer schwach sind im Willen, in Geist und Gemüth, denen muss also dauernd die Religion gesichert sein. Andere, die Normalmenschen, sind nur in der ersten Jugend und im Alter schwach. Danach hat also die Religion als Erziehungs- respective Trostmittel zu dienen. Dass sie ein Trost ist, daran wurde nie gezweifelt. Ihr Erziehungswerth wurde vom Liberalismus nicht immer genügend erkannt. Gott ist eine prachtvolle Abbreviatur für einen ungeheuren Complex von Sittlichkeits- und Rechtsnothwendigkeiten, die scheinbare Lösung von Räthseln, die Antwort auf alle Kinderfragen. Welche Religion, welcher Gott als Lehrer angestellt wird, ist wahrhaftig gleichgiltig. Es sträubt sich also in mir, der ich mich als den modernen Durchschnittsjuden ansehe, nichts dagegen, zum Christenthum formaliter überzutreten. Ich billige die Taufe jedes einzelnen Juden, der Kinder hat …“
  • 1892–30.12.1953: Eliyahu Eliezer Dessler, geb. in Homel, Russisches Reich; gest. in Bne Brak, Rabbiner, Talmud-Gelehrter und jüdischer Philosoph; er spielte eine bedeutende Rolle innerhalb der "Mussar"-Bewegung (jüdische Ethik)

Bücher

  • S. Buber (Hrsg.), Midrasch Tehillim, Wilna 1892 (Nachdruck Jerusalem 1966)
  • A. Wünsche, Midrasch Tehillim oder haggadische Erklärungen der Psalmen, Trier 1892 (Nachdruck Hildesheim 1967)
  • L. Grünhut, Kritische Untersuchung des Midrasch Kohelet Rabba, Quellen und Redaktionszeit, Frankfurt am Main 1892
  • W. Bacher, Die Bibelexegese der jüdischen Religionsphilosophen des Mittelalters vor Maimûni, Budapest 1892
  • M. R. James, The Testament of Abraham, Cambridge 1892
  • Gustav Heinrich Fall, Die rechtliche Stellung der Juden in Oesterreich, Wien 1892
  • K. Th. von Inama-Sternegg, Die persönlichen Verhaeltnisse der Wiener Armen, Wien 1892
  • Mayer Kayserling, Gedenkblätter. Hervorragende jüdische Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts, Leipzig 1892
  • Ch. Bäumker (Hrsg.), Avencebrolis (Ibn Gebirol) Fons Vitae ex arabico in latinum translatus, Münster 1892-1895

Zeitungen und Zeitschriften

  • 1892: Freies Blatt gegründet, Blatt des Wiener "Vereins zur Abwehr des Antisemitismus"
  • 1892: Allgemeine Jiddische Folkszeitung (jiddische Tageszeitung, in Frankreich gegründet von Moses Zuckermann; sie überlebte das Gründungsjahr nicht)
  • Seit 1892: Israelitische Hausfrauenzeitung, in Leipzig wöchentlich in deutscher Sprache erscheinende Frauenzeitschrift
  • 1892: Przyszlosc, Halbmonatsschrift als Organ des Lemberger Vereins Zion, erscheint ab Oktober 1892

1892 in Wikipedia


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