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2006

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Ereignisse

  • 2006: Nobelpreis für Chemie an: Roger D. Kornberg
  • 2006: Nobelpreis für Medizin an: Andrew Fire
  • 2006: Fields-Medaille an: Grigori Perelman
  • 2006: Giessen, Deutschland. Yakov Gopin der erste hauptamtliche Rabbiner Giessens nach dem Krieg, er ist verheiratet und hat zwei kleine Töchter; vorherige Stationen: Chile, Argentinien, Hongkong, New York, Japan und die Ukraine
  • 2006: Rabbi David Niederman wird im Jahr 2006 das Grosse Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich verliehen; er lebt in New York und ist Präsident der UJO (United Jewish Organizations) in Williamsburg (Brooklyn); in den siebziger Jahren hat er die "International Jewish Rescue Organization" Rav Tov gegründet, die laut dem österreichischen Konsul Andreas Launer mit Hilfe der österreichischen Bundesregierung Tausenden Juden aus der ehemaligen UDSSR und dem Iran zur Emigration in die USA verholfen hat
  • 2006: Bei einer "Sommersonnenwendfeier" im Ort Pretzien in Sachsen-Anhalt werden öffentlich Bücher verbrannt, darunter auch das Tagebuch der Anne Frank
  • 2006: 35. Zionistischer Weltkongress
  • 4. Januar 2006: Ehud Olmert übernimmt faktisch das Amt des israelischen Ministerpräsidenten (offiziell Ministerpräsident seit 11.4.2006)
  • 19. Januar 2006: 21 Personen verletzt bei einem Selbstmordattentat in einem Schwarma-Restaurant in der Nähe des alten Busbahnhofs in Tel Aviv. Die „Jerusalem Battalions of the Palestinian Islamic Jihad“ übernahmen die Verantwortung für den Anschlag.
  • 21. Januar 2006: In Paris wird der 23-jährige französische Jude Ilan Halimi (er ist als Handyverkäufer in einem kleinen Geschäft angestellt) von einer arabischen Bande aus afrikanischem Einwanderermilieu mit Namen „die Barbaren“ entführt (das „Hirn der Barbaren“ war nach eigener Bezeichnung Youssouf Fofana, der dann später in Afrika/Elfenbeinküste gefasst werden konnte), anschliessend wird seine Familie erpresst. Die Entführer verlangten 450 000 Euro Lösegeld, da sie der Ansicht waren, dass alle Juden reich seien (!); Ilans Familie war jedoch nicht in der Lage zu bezahlen (Antwort der Entführer: „Dann bettelt doch in euren Synagogen“). Nach dreiwöchiger Geiselhaft liess die Bande den schwerverletzten Ilan Halimi frei, er starb noch auf der Fahrt ins Krankenhaus am 13.2.2006 an den Folgen der Misshandlungen; hier nochmals der Ablauf: Am 21. Januar wurde der 23jährige Halimi von einer 17jährigen französisch-iranischen Frau zu einem Appartmentkomplex in den Pariser Banlieues gelockt. Dort wurde Halimi von einer Jugendgang überwältigt und für 24 Tage gefangen gehalten. Während dieser Zeit folterten ihn seine Entführer, indem sie ihn mit Messern stachen und sein Gesicht und seinen Körper mit Zigaretten verbrannten. Halimi war nackt und festgebunden. Einmal kippten seine Entführer entflammbare Flüssigkeiten auf ihn und entzündeten sie. Nachbarn kamen vorbei und sahen den Folterungen zu oder beteiligten sich sogar daran. Niemand von ihnen informierte die Behörden. Am 13. Februar wurde Halimi in der Nähe einer Eisenbahnstrecke in einem Pariser Vorort gefunden. Er war nackt mit Handschellen an einen Baum gefesselt. Seine Haut war zu 80% mit Säure verätzt (vermutlich um Spuren seiner Entführer zu vernichten). Er hatte zahlreiche Stichwunden. Ein Ohr sowie ein Zeh waren ihm abgetrennt worden. Auf dem Weg zum Krankenhaus erlag Halimi seinen Verletzungen. In den folgenden Tagen nahm die französische Polizei 21 Verdächtige in Verbindung mit dem Verbrechen fest, unter ihnen die Frau, die als Köder diente. Der mutmassliche Anführer der Gruppe, Youssouf Fofana, floh in das Land seiner Eltern, die Elfenbeinküste, wo er am 23. Februar festgenommen wurde. Fofana wurde an Frankreich am 4. März 2006 ausgeliefert. Bei späteren Prozessen wurde dieser zu lebenslanger Haft und andere Bandenmitglieder zu jahrelangen Haftstrafen verurteilt, darunter die Frau, die als Lockvogel agierte, zu 9 Jahren
  • 8. März 2006: Shoshana Alter („Shoshi“) gestorben, Frankfurter Verlegerin, gab lange Jahre die „Frankfurter Jüdischen Nachrichten“ heraus
  • März 2006: An der Synagoge Lausanne werden zahlreiche Scheiben eingeschlagen.
  • Ende März 2006: Bei den Parlamentswahlen in Israel wird die Kadima-Partei stärkste Fraktion, Ehud Olmert wird mit der Regierungsbildung beauftragt.
  • 30.3.2006: Vier Personen getötet bei einem am Ortseingang von Kedumim von einem als ultra-orthodoxer Jeschiba-Student verkleideten Terroristen begangenen Selbstmordanschlag
  • 13. 4.2006: Israelische Soldaten dringen wieder in den Gazastreifen ein.
  • 17.4.2006: Ein Palästinenser sprengt sich im „Rosh Ha’ir“-Schwarma-Restaurant in Tel Aviv in die Luft und reisst elf Menschen mit in den Tod, über 60 Personen verletzt. Der Tatort ist identisch mit dem vom 19. Januar 2006! Der islamische Jihad übernahm die Verantwortung für das Attentat.
  • Juni 2006: Auszug aus einem Gespräch, das das deutsche Nachrichtenmagazin „der Spiegel“ mit dem palästinensischen Ministerpräsidenten Ismail Hanija im Juni 2006 geführt hat: Hanija: „Was muss ich tun, um von der Kanzlerin Angela Merkel eine Einladung für die Spiele der Fussballweltmeisterschaft zu erhalten?“ – Der Spiegel: „Auch dafür müssten Sie wohl Israels Existenzrecht anerkennen und der Gewalt abschwören.“ – Hanija: „Dann schaue ich mir die WM doch lieber im Fernsehen an.“
  • 7.6.2006: Charlotte Knobloch zur Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland gewählt als Nachfolgerin des verstorbenen Paul Spiegel. Am 29. Oktober 1932 wurde Charlotte Knobloch in München geboren. Die Nazizeit überlebte sie bei einer katholischen Familie in Franken, die sie als ihr uneheliches Kind ausgab. Charlottes Grossmutter Albertine Neuland, die sich anstelle ihrer Enkelin deportieren liess, starb 1942 in Auschwitz. Nach dem Krieg kehrte Charlotte Knobloch in ihre Geburtsstadt zurück, heiratete 1951 Samuel Knobloch und wurde Mutter von drei Kindern. Seit 1985 ist Charlotte Knobloch Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, seit 2003 Vizepräsidentin des Europäischen Jüdischen Kongresses, seit 2005 Vizepräsidentin des Jüdischen Weltkongresses, 2005 wurde sie Ehrenbürgerin von München. Dem unermüdlichen Einsatz und Engagement von Frau Knobloch ist es zu verdanken, dass am 9. November 2006 das neue jüdische Gemeindezentrum mit Synagoge in der Bayerischen Hauptstadt eröffnet wurde. - Im Jahr 2010 wurde Charlotte Knobloch von Dieter Graumann im Präsidium des Zentralrats der Juden in Deutschland abgelöst.
  • 9.6.2006: Ein israelisches Marineboot eröffnet das Feuer auf den Strand von Gaza-Stadt, 18 Palästinenser werden getötet.
  • 16. Juni 2006: Baltimore (USA). Ein 62-jähriger Jude wird ohne Anlass von einem muslimischen Medizinstudenten erschossen.
  • 17.6.2006: Nach dem 2:0-Sieg Ghanas gegen Tschechien bei einem Spiel der Fussballweltmeisterschaft in Köln zog Ghanas Verteidiger John Pantsil eine kleine israelische Fahne aus seinem Stutzen und lief mit ihr über das Feld. Die Zuschauer wunderten sich, bis bekannt wurde, dass Pantsil beim israelischen Vizemeister Hapoel Tel Aviv spielt. „Ich wollte meine Fans in Israel grüssen!“, erklärte der Afrikaner (und ebenso wollte er sich bei den mitgereisten israelischen Fans bedanken, die ihn durch ihre Solidarität unterstützt haben), während Ghanas Fussballverband sich umgehend von ihm distanzierte: Pantsil habe „nicht in böser Absicht gegen arabische Menschen gehandelt oder Israel unterstützen“ wollen, „er war naiv“. „Es wird nie wieder vorkommen“. Arabische Kommentatoren und Sportfunktionäre schäumten vor Wut, die Israelis dagegen waren begeistert.
  • 25.6.2006: ein palästinensischer Kommandotrupp dringt vom Gazastreifen durch einen Tunnel auf israelisches Gebiet vor, tötet zwei Soldaten und verschleppt den 19-jährigen Hauptgefreiten Gilad Schalit (Gilad Shalit) und fordert im Austausch für ihn die Freilassung von mehr als 1400 palästinensischen Gefangenen; eine Unzahl diplomatischer, kommunikativer und auch militärischer Operationen zur Befreiung Schalits folgte in den nächsten Jahren; im Juli 2009 erhielt der gefangen gehaltene Schalit die Ehrenbürgerwürde der Stadt Rom
  • 25.6.2006: Denver (USA). Ein Moslem eröffnet nach „Anweisungen von Allah“ das Feuer auf vier Kollegen und einen Polizisten. Ein Toter, 5 Verletzte.
  • 28.6.2006: Beginn der israelischen Operation „Sommerregen“. Soldaten dringen in den nun abgeriegelten Gazastreifen ein, die Luftwaffe bombardiert ein Elektrizitätswerk und legt die Stromversorgung für 700 000 Palästinenser lahm, der Beginn einer wochenlangen Serie schwerer Luftangriffe
  • 12.7.2006: Kämpfer der libanesischen Hisbollah töten in Nordisrael sieben israelische Soldaten und verschleppen zwei weitere (Ehud "Udi" Goldwasser und Eldad Regev) in den Libanon. Israel reagiert mit der Militäraktion „Angemessener Preis“: massive Luftschläge auf Ziele im Libanon, Bomben auf den internationalen Flughafen in Beirut, die Schnellstrasse nach Damaskus, zahlreiche Brücken; eine Seeblockade wird verhängt. Schon bald befinden sich mehr als eine halbe Million Libanesen in ihrem Land auf der Flucht. Tausende Ausländer werden evakuiert. – Lange Verhandlungen um die Freilassung von Ehud Goldwasser und Eldad Regev schlossen sich an; erst im Juli 2008 stellte sich heraus, dass Israel um Verstorbene verhandelt hatte, beide längst tot waren (getötet im Juli 2006), als die Leichen im Gegenzug gegen die von Staatspräsident Schimon Peres verfügte "Begnadigung" des libanesischen Terroristen Samir Kuntar (geb. 1962), eines abscheulichen Mörders, an Israel und die Trauerfamilien ausgehändigt wurden; im Januar 2009 wurde Samir Kuntar von Irans Präsidenten Ahmadinedschad mit einem Staatsakt geehrt (seine Heldentat: Kuntar drang in ein israelisches Wohnhaus ein, erschoss den Familienvater und zerschmetterte der vierjährigen Tochter den Schädel)
  • 20.7.2006: Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah lehnt eine Freilassung der entführten Soldaten ab. Israel mobilisiert Tausende Reservisten. Heftige Kämpfe von Bodentruppen im Grenzgebiet.
  • 25.7.2006: Vier UN-Blauhelme sterben durch israelische Bomben, die einen UN-Aussenposten im libanesischen Dorf Chiam treffen.
  • 28. Juli 2006: Seattle (USA). Ein amerikanischer Moslem nimmt ein kleines Mädchen als Geisel und verschafft sich Zutritt in ein jüdisches Zentrum, wo er auf sechs Frauen schießt. Eine Tote, 5 Verletzte.
  • 31. Juli 2006: Köln. Zwei Kofferbomben in deutschen Regionalzügen zünden, explodieren aber nicht. Die Täter fliehen ins Ausland und werden später als zwei libanesische Moslems identifiziert, die u.a. in Deutschland studierten.
  • 19.9.2006: Herzls Kinder: Am Mittwoch, dem 19.9.2006, finden die sterblichen Überreste zweier Kinder des Zionistenführers Theodor Herzl neben ihm auf dem Herzl-Berg in Jerusalem ihre letzte Ruhestätte. In seinem Testament hatte Herzl – er starb 1904 – bestimmt, dass dereinst alle seine nahen Angehörigen in dem neuen Staat der Juden bestattet werden sollten, wenn denn der Traum Wirklichkeit geworden sei. Tatsächlich holte der gerade ein Jahr alte Staat Israel 1949 Herzls Sarg aus seinem Grab bei Wien und bettete auch seine Eltern und seine Schwester nach Jerusalem um. Doch bei seinen Kindern gab es Widerstand. Ohne Papiere herumvagabundierend von der französischen Polizei aufgegriffen, verarmt und von der zionistischen Organisation (World Zionist Organization) im Stich gelassen, starb Herzls älteste Tochter Paulina (Pauline, 29.3.1890-Sept. 1930) rauschgiftsüchtig mit 30 Jahren im September 1930 und wurde auf dem jüdischen Friedhof von Bordeaux beigesetzt. Schon vor ihrer Rauschgiftsucht hatte sie ihr Leben lang unter schweren gesundheitlichen und psychischen Störungen gelitten. Ihr Bruder Hans (10.6.1891-1930), eng mit der Schwester verbunden, die er innig geliebt hatte, kam zu spät in Bordeaux an und konnte Paulina nur noch im Leichenhaus identifizieren. Voller Schuldgefühle beging der 39 Jahre alte Mann noch vor Paulinas Beerdigung Suizid (erschoss sich) und wurde mit ihr beerdigt (im Abschiedsbrief hatte er den Wunsch geäussert, im Sarg seiner Schwester begraben zu werden). Das jüngste Kind Herzls, Margarethe (Trude, geb. 20.5.1893 in Paris, verheiratet: Margarete Neumann), hatte zeitlebens schwere psychische Probleme und wurde im September 1942 nach Theresienstadt deportiert, wo sie am 15. März 1943 ein Opfer der Shoah wurde. Ihr Leichnam wurde verbrannt. Ihr einziger Sohn Stephan (Stephan Theodor Norman Neumann, geb. 1918, der einzige Enkel Herzls, aus der Ehe Trudes mit einem reichen Geschäftsmann stammend), der nach Amerika gelangt war (er hatte in der britischen Armee gedient und 1945 Palästina besucht, wo man ihm eine Führungsposition in der zionistischen Bewegung angeboten hatte), sprang 1946 von einer Brücke in Washington in den Tod, als er erfuhr, dass seine Eltern in den Nazi-Lagern umgekommen waren (auch er wurde später auf dem Herzlberg beigesetzt, im Dezember 2007). Herzls Familie ist damit ausgestorben. Hans Herzl war sein Leben lang bemüht, die Erwartungen des Vaters und der World Zionist Organization zu erfüllen, und hatte ebenfalls schwere seelische Probleme. Die Organisation kam auch für seine Erziehung auf, denn sein Vater starb, als er gerade dreizehn Jahre alt war. Als 1907 dann auch die Mutter starb, blieben die Waisen mittellos zurück. Hans Herzl erhielt dennoch eine gute Ausbildung, konnte in Cambridge studieren. Doch er sah sich stets im Schatten seines Vaters – als Versager. 1924 konvertierte er zum Christentum und wurde Mitglied verschiedener Sekten. Die Vision eines Judenstaats hielt er für falsch: „Die transzendentale Identität der Juden ist so ein grosses Privileg, dass sie froh sein sollten, keinen Staat zu haben“, schrieb er: „Mein Vater war ein grosser Mann, und ich liebte ihn sehr, doch er irrte, als er seinen Idealismus darauf beschränkte, einen Staat gründen zu wollen.“ Paulina und Hans Herzl sollten also nach dem letzten Willen ihres Vaters neben ihm ruhen. Doch weil Hans Christ geworden war und gegen das jüdische Gebot Selbsttötung begangen hatte, beeilte sich Israel nicht, die Geschwister nach Jerusalem zu holen. Der Widerstand konnte erst spät überwunden werden dank Premierminister Ehud Olmert und der Jewish Agency. Vor allem aber half dabei, dass der orientalische israelische Oberrabbiner Shlomo Amar davon überzeugt werden konnte, Hans sei in seinen letzten Jahren zum Judentum zurückgekehrt und habe deswegen auch auf dem jüdischen Friedhof von Bordeaux bestattet werden können.
  • 26. November 2006: Die jüdische Lauder Chabad-Schule in Wien-Leopoldstadt wird von einem 24-jährigen Touristen aus Kroatien verwüstet; weit nach Mitternacht drang er mit einer Eisenstange, die er von einer Baustelle entwendet hatte, ins Gebäude ein und liess seiner Zerstörungswut freien Lauf, 162 Fensterscheiben gingen zu Bruch, zahlreiche Türen, Toiletten- und Waschräume wurden erheblich in Mitleidenschaft gezogen; „Es sind zu viele Juden in diesem Land“, gab der Mann nach seiner Festnahme zu Protokoll
  • 11.12.2006-12.12.2006: In Teheran findet, organisiert vom Ministerium für Politische und Internationale Studien (IPIS) und mit Billigung und Unterstützung von Staatspräsident Mahmud Ahmadinedschad, eine „Holocaustkonferenz“ statt, die die „Wahrheit“ über den Holocaust herausfinden soll, in Wirklichkeit aber eine reine Show-Veranstaltung der Gemeinde der bekannten (z. B. Robert Faurisson, der frühere französische Literaturprofessor, der wegen Leugnung des Holocausts mehrfach verurteilt worden war, oder der Amerikaner David Duke, Chef des rassistischen Geheimbundes Ku Klux Klan) und unbekannten Holocaust-Leugner und -verharmloser zum Zwecke der politischen Instrumentalisierung für die merkwürdigen Absichten Irans darstellt. Stars der Veranstaltung waren fünf orthodoxe Rabbiner, Mitglieder der den Staat Israel ablehnenden Neturei Karta, überwiegend aus Amerika. Sie trugen Anhänger mit dem Motto „Jude, nicht Zionist“. Rabbi Mosche David Weiss aus New York schlug eine „friedliche Auflösung Israels“ vor. Rabbi (oder besser: Rabbinerdarsteller) Moische Ayre Friedman aus Wien, eine sehr zweifelhafte Figur, mit der die Juden Österreichs nichts zu schaffen haben wollen, der sich als „alter Freund der islamischen Republik Iran“ bekannte, sagte: „Das Land Palästina gehört nicht den Juden“. „Hunderttausende Juden auf Erden beteten für die Auflösung oder Zerstörung (sic!) Israels“. Für ihn ist der Holocaust eine „erfolgreiche historische Fiktion“. Die Versammlung in Teheran hat sich den Titel gegeben „Studium der Massenvernichtung, eine globale Perspektive“ bzw. „Studien zum Holocaust: Die Sicht der Welt“, und das Ziel der Konferenz sei die Aufdeckung „verborgener und offener Aspekte“. Dazu passt es gut, dass man Personen, die auf der Konferenz gegenteilige Meinungen äussern wollten, erst gar nicht hatte einreisen lassen oder anderweitig fernhielt. Bereits in den Monaten, die der „Konferenz“ vorangingen, hatte der iranische Präsident immer wieder die Ermordung von Millionen Juden während des Zweiten Weltkriegs in Frage gestellt. Den europäischen Staaten warf er vor, mit Hilfe des „Mythos vom Holocaust“ Israels Gründung im Jahr 1948 erzwungen zu haben.
  • 23.12.2006: Grösster Ecstasy-Händler der Welt am Strand verhaftet: Der Mann wurde per Haftbefehl in den USA, Israel, Brasilien und Uruguay gesucht. Nun wurde der 35-jährige Israeli El Al Joram verhaftet, als er einen Strandspaziergang im Nobelviertel Ipanema in Rio de Janeiro machte. Die Festnahme war das Ergebnis einer gemeinsamen Aktion der Behörden der vier Länder gewesen, teilte ein Sprecher der Bundespolizei in Rio mit. Der Drogendealer war den Angaben zufolge unter anderem für den grössten Transport von Ecstasy in die USA verantwortlich. Die US-Antidrogenbehörde DEA stellte 2004 rund 1,4 Millionen Pillen sicher. Der Israeli war bereits im Jahr zuvor in Uruguay festgenommen worden, konnte aber wenige Tage später nach Brasilien fliehen.
  • 30.12.2006: Saddam Hussein in den frühen Morgenstunden bei Bagdad durch den Strang hingerichtet, nachdem er wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zum Tode verurteilt und eine Berufung gegen dieses Urteil abgelehnt worden war. Ein illegal mitgeschnittenes Video der kompletten Exekution kursiert Stunden später im Internet und kann seither von jedermann angeschaut werden.

Bücher

  • neu bearbeitete 2. Auflage der Encyclopaedia Judaica (engl.) in 22 Bänden (1. Aufl. 1971 ff.)
  • Manfred Gerstenfeld, European-Israeli Relations: Between Confusion and Change? 2006
  • Klaus-Michael Mallmann/Martin Cüppers: Halbmond und Hakenkreuz. Das Dritte Reich, die Araber und Palästina, Darmstadt 2006; - dokumentiert u. a., dass Amin el Husseini, als offizieller Vertreter der islamischen Religion und Führer der palästinensischen Nationalbewegung, diese mit der rassistischen Ideologie des deutschen Nationalsozialismus nicht nur für vereinbar, sondern geradezu übereinstimmend erklärte
  • Michael Brenner, Emanzipation durch Muskelkraft. Juden und Sport in Europa, Göttingen 2006
  • Johannes Bähr, Die Dresdner Bank in der Wirtschaft des Dritten Reiches, München 2006
  • Alfred Schneider, Die jüdischen Familien im ehemaligen Kreise Kirchhein. Beiträge zur Geschichte und Genealogie der jüdischen Familien im Ostteil des heutigen Landkreise Marburg-Biedenkopf, 2006
  • Edward van Voolen, Paul Meijer, Hans van Agt, Willy Lindwer, Synagogen van Nederland, Amsterdam 2006
  • Sharman Kadish, Jewish Heritage in England. An Architectural Guide, Swindon 2006
  • Lloyd Ultan, Barbara Unger, Bronx Accent. A Literary and Pictorial History of the Borough, Rutgers University Press, 2006
  • Shmuel Trigano, L'avenir des juifs de France, Paris 2006
  • Heike Specht, Die Feuchtwangers: Familie, Tradition und jüdisches Selbstverständnis im deutsch-jüdischen Bürgertum des 19. und 20. Jahrhunderts, Wallstein Verlag, 2006
  • „Sansibar, einfach“ von Eyal Meged erscheint; Eyal Meged wurde in New York geboren und wuchs in Tel Aviv auf. Der Ehemann von Zeruya Shalev schreibt Romane und Gedichte sowie Kolumnen in israelischen Tageszeitungen. Sie leben zusammen in Israel
  • Ilan Pappe, The Ethnic Cleansing of Palestine – [äusserst fragwürdiges Buch]
  • John Mearsheimer, Stephen Walt, The Israel Lobby and U.S. Foreign Policy, 2006
  • Klaus Faber, Julius H. Schoeps, Sacha Stawski (Hrsg.), Neu-alter Judenhass, 2006

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