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Krimkrieg

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Krimkrieg
The Thin Red Line, Gemälde von Robert Gibb, von 1881, zeigt die 93rd Sutherland Highlanders im Kampf gegen russische Kavallerie bei Balaklawa
The Thin Red Line, Gemälde von Robert Gibb, von 1881, zeigt die 93rd Sutherland Highlanders im Kampf gegen russische Kavallerie bei Balaklawa
Datum 18531856
Ort Krim, Balkan, Schwarzes Meer, Ostsee, Pazifik
Ausgang Sieg der Alliierten
Friedensschluss Pariser Frieden
Konfliktparteien
Alliierte:
FrankreichFrankreich Frankreich
Vorlage:TUR-1844
Vereinigtes Konigreich 1801Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland Vereinigtes Königreich
Vorlage:IT-88-1816

Vorlage:RUS-1721
Vorlage:Linkbox Krimkrieg

Der Krimkrieg (auch Orientkrieg; russisch Восточная война, Крымская война, Transkription Wostotschnaja wojna, Krymskaja wojna) war ein militärisch ausgetragener Konflikt von eurasischem Ausmaß. In ihm standen sich von 1853 bis 1856 Russland auf der einen und das Osmanische Reich, Frankreich, Großbritannien und ab 1855 auch das Königreich Sardinien auf der anderen Seite gegenüber. Er begann als zehnter russisch-türkischer Krieg. Der Versuch Russlands, sein Gebiet zu Lasten des zerfallenden Osmanischen Reiches zu vergrößern, wurde durch den Einsatz Großbritanniens und Frankreichs verhindert.

Der Krimkrieg war als erster der modernen Stellungskriege besonders verlustreich, wobei die meisten Opfer vor allem an Seuchen und Krankheiten infolge unsachgemäßer Wundbehandlung starben. Bedingt durch die damals offensichtlich gewordene schlechte Versorgung ist der Krimkrieg auch eng verknüpft mit der einsetzenden Reform des britischen Lazarettwesens und in diesem Zusammenhang mit der weltberühmt gewordenen Krankenschwester Florence Nightingale. Da die Telegrafie es erstmals ermöglichte, Nachrichten innerhalb weniger Stunden vom entlegenen Kriegsschauplatz in die Hauptstädte Westeuropas zu übermitteln, gilt der Krimkrieg auch als Geburtsstunde der modernen Kriegsberichterstattung.

Kriegsanlass und -ursache

Datei:Grabeskirche Jerusalem.jpg
Historisches Foto des Eingangs der Grabeskirche, Jerusalem

Protektorat des Zaren über das Heilige Land

Äußerer Anlass des Krieges waren religiöse Konflikte um die Nutzung der Kirche zum Heiligen Grab in Jerusalem. Den Besitzanspruch auf diese für das Christentum als heilig geltende Stätte teilten sich bis dahin die Anhänger der verschiedenen christlichen Konfessionen. Seit Beginn des 19. Jahrhunderts hatten die griechisch-orthodoxen Christen aber ihre Stellung bei der Nutzung der Kirche ausgeweitet. Die Katholiken versuchten nun, mit Unterstützung des im Dezember 1852 zum Kaiser Frankreichs ausgerufenen Napoléon III., diese Situation zu verändern.

Ausschlaggebender Vorfall war 1847 die Entfernung des silbernen Sterns in der Geburtskirche in Bethlehem. Die Hohe Pforte unter Sultan Abdülmecid I. ersetzte zwar 1852 den Stern, konnte aber nicht verhindern, dass der russische Zar Nikolaus I. zum Schutz der orthodoxen Christen im osmanischen Reich aus diesem Anlass das Protektorat – die alleinige Schirmherrschaft über alle Christen im Heiligen Land (der Region Palästina) – verlangte. Der osmanische Sultan als politischer Interessenvertreter des Islam und – stellvertretend für die Interessen des Katholizismus – der französische Kaiser wollten sich mit einer russischen Vorherrschaft über die Christen in Palästina aber nicht einverstanden erklären.

Der „kranke Mann am Bosporus“

Die eigentliche und tiefer liegende Ursache des Krieges war jedoch der innere Zerfall des Osmanischen Reiches, das von vielen Medien der Zeit als Kranker Mann am Bosporus persifliert wurde. Russland sah darin eine Chance, seine Macht in Europa auszubauen und insbesondere einen Zugang zum Mittelmeer und zum Balkan zu bekommen. Die osmanische Herrschaft auf dem Balkan schien gefährdet, und Russland drängte darauf, die Kontrolle über die wichtigen Meerengen des Bosporus und der Dardanellen zu erhalten. Schon früher hatte der russische Zar vergeblich versucht, die Regierungen Österreichs und Großbritanniens für eine Aufteilung des Osmanischen Reiches zu gewinnen. Großbritannien und Frankreich sperrten sich aber gegen diese russische Expansion. Sie wollten nicht, dass die Schlüsselpositionen in russische Hände fielen, und unterstützten die Osmanen, um den Status quo zu erhalten und damit ihre eigene Macht in Südosteuropa an den osmanischen Grenzen zu sichern. In der sogenannten Orientalischen Frage über Sein oder Nichtsein des Reiches waren sie der Meinung, dass das Osmanische Reich, das in jener Zeit noch immer eine gewaltige Ausdehnung besaß, erhalten werden müsse. Sein Zusammenbruch hätte ein Machtvakuum verursacht. Für Großbritannien, den zur damaligen Zeit wichtigsten Handelspartner des Osmanischen Reiches, ging es außerdem darum, die Verbindungswege nach Indien zu kontrollieren und die Vormachtsbestrebungen Russlands in Asien zu unterbinden (The Great Game).

Panslawismus

Datei:Zar Nikolaus 1.jpg
Zar Nikolaus I.

Russlands Motiv, das Osmanische Reich zu zerschlagen, lag jedoch nicht allein in geopolitischen Interessen begründet. Es basierte auch auf dem in großen Teilen der russischen Gesellschaft seit Beginn des 19. Jahrhunderts verbreiteten Panslawismus und dem Wunsch, die orthodoxen slawischen Völker des Balkans von der osmanischen Herrschaft zu befreien. Meldungen über blutige Niederschlagungen regelmäßig aufflackernder Freiheitskämpfe der Balkanslawen empörten die russische Öffentlichkeit und ließen dort Rufe nach einem Eingreifen laut werden. Auch in der zeitgenössischen russischen Literatur finden sich Zeugnisse der vorherrschenden Stimmungen, so beispielsweise in Turgenews Roman Am Vorabend. Im Zeitalter der europaweit verbreiteten Nationalismen wurde Russland von vielen slawischen Bevölkerungsgruppen als natürliche Schutzmacht der Balkanslawen betrachtet.

Kriegsverlauf

Menschikows Mission

Ende Februar 1853 wurde Fürst Menschikow vom Zaren nach Konstantinopel entsandt. Menschikow überbrachte eine Reihe von Forderungen an das Osmanische Reich, wobei offensichtlich banale Forderungen mit solchen, die für den Sultan unerfüllbar waren, verbunden wurden. So wurde das Vorrecht orthodoxer Christen an den heiligen Stätten des Christentums und die Ausbesserung der Kuppel über dem Christusgrab verlangt, allerdings ohne Mitwirkung der Katholiken. Der Sultan war zunächst bereit, einen Teil dieser Forderungen zu erfüllen. Doch Russland stellte weitere Bedingungen, und Menschikow provozierte durch sein Auftreten den Abbruch der Verhandlungen. Der Sultan lehnte schließlich, unterstützt durch den britischen Botschafter, die russischen Forderungen ab. Dadurch hatte Russland den Vorwand für die militärische Eskalation des Konflikts. Menschikow reiste am 21. Mai 1853 zurück, Russland brach die diplomatischen Beziehungen zum Osmanischen Reich ab und begann mit der Besetzung der Donaufürstentümer Moldau und Walachei.

Kampfhandlungen an der Donau

Datei:Battle of Sinop.jpg
Die russische Flotte zerstört die osmanische in der Seeschlacht bei Sinope. Bild von Iwan Aiwasowski

Am 3. Juli 1853 besetzten 80.000 russische Soldaten unter Fürst Michael Gortschakow die Donaufürstentümer Walachei und Moldau. Das Osmanische Reich erklärte am 16. Oktober 1853 Russland den Krieg, nachdem mehrere diplomatische Versuche zur Beilegung des Konflikts gescheitert waren. Der osmanische General Omar Pascha rückte daraufhin gegen die russische Armee an der Donau vor und errang am 4. November einen ersten Sieg bei Oltenitza.

Am 30. November desselben Jahres griff die russische Schwarzmeerflotte mit sechs Linienschiffen, zwei Fregatten und drei Dampfern unter Vizeadmiral Nachimow den osmanischen Hafen Sinope an. Mit von Bombenkanonen abgefeuerten Sprenggranaten schossen die Russen in der Seeschlacht bei Sinope sämtliche dort liegenden Schiffe des osmanischen Vizeadmirals Osman Pascha mit 4.000 Marinesoldaten an Bord in Brand.[1] Von den osmanischen sieben Fregatten und fünf Korvetten überstand nur ein nach Konstantinopel fliehendes Schiff die Schlacht.

Napoleon III. unternahm am 29. Januar 1854 mit einem eigenhändigen Schreiben an den Zaren einen letzten Vermittlungsversuch. Diesen lehnte Nikolaus I. aber mit einem für Frankreich provozierenden Hinweis auf die Niederlage Napoléon Bonapartes im Russlandfeldzug ab. Die Stimmung der Bevölkerung in Frankreich richtete sich daraufhin gegen Russland. Am 12. März 1854 schlossen Frankreich und Großbritannien einen Kriegshilfevertrag mit dem Osmanischen Reich. Am 27. und 28. März 1854 erklärten sie Russland den Krieg, um eine russische Machtausweitung zu verhindern. Beide Länder hatten ihre Mittelmeerflotten bereits im Juni 1853 in die Einfahrt zu den Dardanellen und am 3. Januar 1854 ins Schwarze Meer entsandt.[2] Im April 1854 landeten die Alliierten bei Gallipoli ihre Expeditionstruppen an, um einen möglichen russischen Vorstoß nach Konstantinopel zu verhindern. Am 22. April beschossen alliierte Schiffe zehn Stunden lang Odessa.

Auf ausdrücklichen Wunsch von Nikolaus I. übernahm Iwan Paskewitsch im April 1854 den Oberbefehl an der Donau. Er begann am 14. April mit der Belagerung der strategisch wichtigen Festung Silistra. Omar Pascha führte am 10. Juni eine Entsatzarmee heran und war in den Kämpfen vor Silistria erneut siegreich. Paskewitsch verletzte sich zwischenzeitlich und wurde erneut durch Gortschakow ersetzt. Die osmanische Armee kämpfte, nicht zuletzt aufgrund der Reformen durch preußische Offiziere wie Helmuth Karl Bernhard von Moltke, deutlich erfolgreicher als im Russisch-Türkischen Krieg von 1828 bis 1829. Die Belagerung von Silistria musste deshalb am 23. Juni, nach 55 Tagen, von den Russen aufgegeben werden, und Omar Pascha rückte am 22. August in Bukarest ein.[3]

Österreich, das erst in der Revolution von 1848/49 mit Russlands Hilfe vor dem Zerfall gerettet worden war, „eilte die Welt mit seiner Undankbarkeit zu verblüffen“, wie ein Zeitzeuge schrieb. Am 3. Juni 1854 forderte Österreich Russland auf, sich aus den Donaufürstentümern zurückzuziehen, und besetzte diese nach dem russischen Abzug selbst. In die Kampfhandlungen griff Österreich aber nicht ein. Im Oktober 1854 wurden jedoch 300.000 Mann an der russischen Grenze zusammengezogen, wodurch erhebliche russische Streitkräfte gebunden wurden. Auf diese Weise spielte Österreich eine wichtige Rolle im Krimkrieg, obwohl es sich nicht aktiv am Kriegsgeschehen beteiligte – und verärgerte letztlich beide Parteien.[4]

Aufmarsch der Alliierten

Am 31. Mai 1854 landeten die ersten alliierten französisch-britischen Truppen bei Warna. Das französische Kontingent bestand aus vier Infanteriedivisionen, 8,5 Feldbatterien und Chasseurs d’Afrique (Jäger zu Pferde). Insgesamt umfasste die französische Armee ca. 30.000 Mann und 68 Geschütze.

Das britische Kontingent bestand aus fünf Infanterie- und einer Kavalleriedivision mit ca. 26.000 Mann und 60 Geschützen.

Schon kurz nach der Ankunft der Truppen in Warna traten die ersten Verluste bei den Verbündeten durch Krankheiten auf. Unter den schlechten medizinischen Bedingungen litten die Alliierten während des gesamten Krieges.

Am 25. Juni beauftragte Lord Raglan den Chef der leichten Kavallerie, Lord Cardigan, landeinwärts zu marschieren, um die russischen Stellungen zu erkunden. Am 29. Juni erreichten diese Truppen Karasu, um festzustellen, dass die Russen ihren Rückzug hinter die Donau, später hinter den Pruth, begonnen hatten. Cardigan kehrte daraufhin nach Warna zurück, das er am 11. Juli erreichte.

Die westlichen Alliierten waren enttäuscht vom freiwilligen Rückzug der Russen. Dieser Rückzug hatte ihren Kriegsgrund überflüssig gemacht. Aber Napoléon III. suchte einen militärischen Erfolg, um seinen Großmachtambitionen gerecht zu werden, und Premierminister Lord Aberdeen erwartete vom Krieg einen Sympathiegewinn bei der antirussisch eingestellten britischen Öffentlichkeit. Frankreich und das Vereinigte Königreich weigerten sich daher, einen Waffenstillstand ohne einen deutlichen Sieg über Russland abzuschließen. Da ein Marsch ins Innere des russischen Reiches aussichtslos erschien, beschlossen die Alliierten, die russische Festung Sewastopol auf der Halbinsel Krim anzugreifen.

Obwohl der Angriff auf die Krim schon beschlossen war, marschierten drei französische Divisionen Ende Juli in die Dobrudscha, um ein vermeintlich dort stehendes russisches Korps zu bekämpfen. Diese Expedition wurde zu einem Debakel. Nachdem die Franzosen 7.000 Mann durch die Cholera verloren hatten, kehrten sie nach Warna zurück.[6] Am 7. September schifften sich die Alliierten schließlich ein, um die Krim anzugreifen.

Kämpfe im Ostseeraum

Datei:Bombardment of Bomarsund.jpg
Beschuss von Bomarsund

Bereits am 11. März 1854 liefen die ersten britischen Kriegsschiffe unter Admiral Charles John Napier in die Ostsee aus, um russische Häfen zu blockieren (und um einer möglichen nordischen Allianz zuvorzukommen, die im Rahmen bewaffneter Neutralität zum Schutz ihres Russland-Handels eventuell die Ostseezugänge gesperrt hätte). Da die russische Flotte sich nicht zum Kampf stellte, wurden in den folgenden Wochen russische Werften und Häfen in Finnland angegriffen oder beschossen.

Im August 1854 griffen die Alliierten mit ca. 12.000 Mann Landungstruppen unter General Baraguay d'Hilliers die Festung Bomarsund (Åland-Inseln) an. Die Besatzung der Festung verfügte zwar über Hunderte von Geschützen, die Verteidigung zur Landseite war aber schwach. Zudem war die Festung noch nicht ganz fertiggestellt. Die Russen unter General Bodisco kapitulierten am 16. August; über 2.200 Russen gingen in Gefangenschaft. Nach Besetzung der Inseln wurden die Forts der Festung gesprengt[7].

1855 bombardierten die Alliierten zwei Tage lang die Docks in Suomenlinna/Sveaborg vor Helsinki. Mehr als 1.000 Geschütze feuerten über 20.000 Schuss ab.

Kämpfe im Fernen Osten

Am 18. August 1854 unternahm ein aus drei Fregatten, zwei Korvetten und einem Dampfschiff bestehender britisch-französischer Schiffsverband einen Angriff auf die russische Stadt Petropawlowsk auf Kamtschatka. Die Stadt war jedoch in den Jahren zuvor dank der Voraussicht des Fernost-Gouverneurs Nikolai Murawjow-Amurski befestigt worden. Die Russen hatten nur eine kleine Garnison aus mehreren hundert Mann und 67 Kanonen. Ihnen standen zahlenmäßig überlegene alliierte Landungstruppen und 218 Schiffskanonen gegenüber. Nach langem Beschuss landeten ca. 600 Soldaten südlich der Stadt, wurden jedoch nach schweren Gefechten von 230 Verteidigern abgewehrt und zum Rückzug gezwungen. Am 24. August landeten weitere 970 Alliierte östlich der Stadt, konnten sich aber ebenfalls nicht gegen 360 Russen durchsetzen. Danach verließen die Schiffe russische Gewässer. Die Verluste der Russen betrugen ca. 100 Mann, die der Briten und Franzosen waren ungefähr fünfmal höher.

Der Krieg auf der Krim

Schlacht an der Alma

Datei:Karte der Halbinsel Krim.jpg
Historische Karte der Halbinsel Krim, um 1888

Am 12. September 1854 erreichten die verbündeten Briten und Franzosen die Bucht von Jewpatorija nördlich von Sewastopol auf der Krim. Vom 14. bis zum 19. September landeten sie ihre Truppen. Am 19. September marschierten die Alliierten landeinwärts, wo sie am Fluss Alma von den Russen unter Fürst Menschikow, der inzwischen Oberbefehlshaber der russischen Truppen geworden war, erwartet wurden. Menschikow hatte eine gut ausgebaute Stellung bezogen. Nach Schwierigkeiten bei der Koordination des Angriffs der Alliierten zwischen den Oberbefehlshabern Marschall Arnaud und Lord Raglan konnten die Alliierten in der Schlacht an der Alma am 20. September den ersten Sieg erringen.

Am 9. Oktober begannen die alliierten Truppen mit der Einschließung Sewastopols. Die russische Schwarzmeerflotte hatte sich im Hafen der Stadt versenkt und verhinderte damit einen von See unterstützten Angriff der Alliierten. Die Befestigungsanlagen waren hauptsächlich nach Norden zur Seeseite ausgerichtet.

Aus diesem Grund entschieden sich die Alliierten, Sewastopol von Süden zu belagern, wobei eine vollständige Einschließung der Stadt nie gelang. Der deutschbaltische Ingenieuroffizier und spätere General Eduard Totleben ließ kurzfristig ein System von Feldschanzen, Batteriestellungen und Schützengräben anlegen, das die fast einjährige Verteidigung der Festung ermöglichte.

Die Belagerung war gekennzeichnet durch katastrophale medizinische Zustände bei den Alliierten. So starben der französische und der britische Oberbefehlshaber Saint-Arnaud und Raglan und der Befehlshaber der französischen Flotte Armand Joseph Bruat an der Cholera. Schon kurz nach Beginn der Belagerung musste Saint-Arnaud wegen Krankheit den Oberbefehl an General Canrobert abgeben. Er starb drei Tage danach am 29. September 1854 an Bord der Bertholet, die ihn nach Frankreich zurückbringen sollte.

Balaklawa – Der Todesritt der Leichten Brigade

Datei:Charge of the Light Brigade.jpg
Charge of the Light Brigade („Attacke der Leichten Brigade“), Gemälde von Richard Caton Woodville junior
Datei:Cossack bay.Balaklava 1855.3a06075r.jpg
Der Nachschubhafen der Briten bei Balaklawa

Ein Versuch der Russen, die Belagerung zu beenden, führte am 25. Oktober 1854 zur Schlacht von Balaklawa. Während der Belagerung von Sewastopol hatten die Briten ihre Basis in der Hafenstadt Balaklawa errichtet. Die Russen hatten eine Entsatzarmee aus Bessarabien herangeführt und sich etwa 8 Kilometer entfernt mit 25.000 Mann und 78 Kanonen unter ihrem Befehlshaber Graf Liprandi versammelt. Liprandi besetzte die Höhen, und der Weg zum Hafen schien frei zu sein. Allerdings zögerten die Russen, so dass Lord Raglan Zeit hatte, seine Truppen heranzuführen. Nach dem erfolgreichen Einsatz der schweren Kavalleriebrigade kam es zum Todesritt der Leichten Brigade (engl. Charge of the Light Brigade). Diese Attacke in ein Tal, das von drei Seiten von russischer Artillerie eingeschlossen wurde, erlangte aufgrund ihrer großen Verluste und der Verwirrungen bei der Befehlsübermittlung, die zum Angriff geführt hatten, eine tragische Berühmtheit. Die Schlacht führte nicht zur Aufhebung der Belagerung und ist damit als taktischer Sieg der Briten zu werten.

Die Schlacht von Inkerman

Am Tag nach der Schlacht von Balaklawa griffen die Russen die Stellung der britischen 2. Division bei Inkerman an, wurden aber durch heftiges Artilleriefeuer zurückgetrieben. Die Russen verloren 270 Mann, die Briten 100. Die Kämpfe gingen als Little Inkerman in die Geschichte ein, da wenige Tage später eine größere Schlacht an derselben Stelle geführt werden sollte.

Am 5. November 1854 versuchten die eingeschlossenen Russen einen Ausfall gegen die britischen Truppen, der zur Schlacht von Inkerman führte. Die Russen gingen in drei Abteilungen vor. Während General Gortschakow die Franzosen mit 22.000 Mann binden sollte, griffen General Soimonov und General Paulov die Briten mit insgesamt 35.000 Mann an. Die Russen versuchten, den Briten in die Flanke zu fallen, indem sie die Hügel am nördlichen Ende der britischen Stellung besetzten. Ca. drei Stunden lang verteidigten ungefähr 8.000 Briten ihre Stellung gegen rund 30.000 Russen in erbitterten Kämpfen. Dann griffen französische Zuaven und Fremdenlegionäre die Russen wiederum in der Flanke an und zwangen sie zum Rückzug.

Belagerung Sewastopols

Ab Oktober 1854 bombardierten die Kriegsparteien die feindlichen Stellungen mit bis dahin nicht gekanntem Munitionseinsatz. Am 9. April 1855 begann ein besonders intensiver Beschuss der Stadt. Der britische Chefingenieur John Fox Burgoyne sah das Zentrum der russischen Stellung im Fort Malakow und konzentrierte das Feuer der Alliierten dorthin.

Im Mai 1855 standen 35.000 Briten und 100.000 Franzosen auf der Krim. Ende Mai trafen dazu noch 14.000 Italiener aus dem Königreich Sardinien ein.[8] Sardinien war zuvor nach einer am 26. Januar 1855 in Turin unterzeichneten Vereinbarung auf Seiten der Alliierten in den Krieg gegen Russland eingetreten.[9] Kommandiert wurden diese Truppen von Alfonso La Marmora.

Der russische Oberbefehlshaber Menschikow wurde durch Fürst Michael Gortschakow ersetzt, der schon 1853 den Angriff auf die Donaufürstentümer und Silistria geführt hatte.

Anfang Mai unternahmen die Alliierten eine Expedition nach Kertsch im Südosten der Krim. Die britische Highland Brigade, die Rifle Brigade, die Royal Marines und 8.500 französische Soldaten wurden unter dem Kommando von Sir George Brown eingeschifft, kehrten aber zurück, ohne die Stadt anzugreifen. Der Grund dafür war ein telegraphischer Befehl des französischen Kaisers, die Reserven aus Konstantinopel abzuholen. Dafür wurden die französischen Schiffe benötigt. Das Verhältnis zwischen den Alliierten hatte durch den Abbruch der Expedition gelitten. Canrobert legte, da er trotz aller Anstrengungen keine entscheidenden Erfolge erringen und sich mit den Briten nicht verständigen konnte, am 16. Mai 1855 das Kommando nieder, um General Aimable Pélissier Platz zu machen, und übernahm erneut das Kommando des I. Korps. Pélissier stimmte einer zweiten Expedition nach Kertsch zu, um das Verhältnis zu den Briten wieder zu verbessern. Am 24. Mai startete die Expedition mit 60 Schiffen, 7.000 französischen, 5.000 türkischen und 3.000 britischen Soldaten. Diese zerstörte das Arsenal von Kertsch und mehrere russische Häfen in der Region Kertsch.

Am 28. Juni 1855 starb Lord Raglan an der Cholera, sein Nachfolger wurde Sir James Simpson und nach dessen Rücktritt am 11. November, William John Codrington. Am 11. Juli starb auch der von einem Scharfschützen tödlich verwundete Admiral Nachimow, der bis dahin die Verteidigung der Stadt und ihres Hafens geleitet hatte.

Die alliierten Flotten beherrschten das Schwarze Meer, versenkten Transportschiffe und beschossen sowohl militärische als auch zivile Objekte an der Küste. Am 16. August versuchten die Russen in der Schlacht bei Tschernaja noch einmal vergeblich, die Belagerung aufzuheben.

Der Kampf um die Festung Sewastopol erreichte nach fast einjähriger Belagerung seinen Höhepunkt und den gleichzeitigen Abschluss mit der Erstürmung des Forts Malakow. Nach dreitägiger Bombardierung der Stadt durch 775 britische und französische Geschütze griffen drei französische und zwei britische Divisionen an mehreren Stellen die Festung an. Nach der Eroberung Malakows durch Franzosen unter dem Kommando der Generale Patrice de Mac-Mahon und Pierre Bosquet am 8. September 1855 mussten die russischen Verteidiger die gesamte Stadt Sewastopol räumen. Da die Festung die Kontrolle des Schwarzmeerhafens von Sewastopol ermöglichte, sprengten die russischen Truppen die Anlagen und zogen sich zurück.

Der Krieg in Transkaukasien

Auf dem asiatischen Kriegsschauplatz, auf den die westlichen Alliierten des Osmanischen Reiches nur einige wenige Militärberater entsandt hatten, kämpften die Russen erfolgreicher. Für die Verteidigung des armenischen Hochlandes hatten die Osmanen die Armeekorps von Kleinasien, Mesopotamien und ein Teil des Korps von Syrien im Grenzgebiet konzentriert. Am 26. November 1853 schlug General Iwane Andronikaschwili mit 10.000 Mann das türkische Hauptkorps bei Suplis in die Flucht. General Bebutow siegte an der Spitze eines Korps der kaukasischen Armee am 1. Dezember 1853 bei Kadiklar über Abdi Pascha, wodurch die beabsichtigte Invasion der Türken in das russische Armenien vereitelt wurde. Der türkische Befehlshaber in Ostanatolien, Abdi Pascha, wurde daraufhin abgesetzt und vor ein Militärgericht gestellt. Sein Nachfolger wurde Achmet Pascha. Am 16. Juni 1854 war Andronikaschwili gegen 30.000 Türken bei Osurgeti erneut erfolgreich und konnte Mingrelien für Russland sichern.

Im Juli 1854 drang der russische General Wrangel ins türkische Armenien ein. Am 29. Juli schlug er eine türkische Division bei Bajesid. Der türkische Befehlshaber Zarif Mustapha Pascha griff im August mit mehr als 40.000 Mann die Russen an. Bei Kurukdere stieß er am 5. August 1854 auf Fürst Bebutow. In einer fünfstündigen Schlacht konnten die Russen die türkische Armee zwar schlagen, waren aber aufgrund ihrer eigenen hohen Verluste nicht in der Lage, den Sieg auszunutzen und die wichtige Festung Kars einzunehmen.

1855 wurde General Murawjow zum Oberbefehlshaber der kaukasischen Armee ernannt. Er marschierte im Juni 1855 im osmanischen Teil Armeniens ein und wurde dort von der Bevölkerung freudig begrüßt. Mit 40.000 Mann erreichte er Kars im Nordosten Anatoliens. Die 30.000 Verteidiger unter dem britischen Offizier William Fenwick Williams konnten den Angriff der Russen zunächst abwehren. Daraufhin führte Murawjow die Belagerung der Festung von Anfang Juni bis Ende November 1855. Omar Pascha, der in den Donau-Fürstentümern so erfolgreich war, informierte daraufhin am 11. Juli die Alliierten, dass er seine Truppen von der Krim nach Kleinasien verlegen würde. Die Alliierten waren gegen diese Entscheidung und stimmten dem Plan erst im September zu. Omar Paschas Ablenkungsangriff auf Kutaissi wurde schließlich von General Bebutow vereitelt. Am 29. November musste die osmanische Besatzung in Kars schließlich wegen der schlechten Versorgungslage kapitulieren und Murawjow konnte die Stadt einnehmen. Dieser Erfolg gestattete Russland, trotz des Verlustes von Sewastopol, moderate Friedensverhandlungen zu führen.[10]

Kriegsende

Datei:Alex2.jpg
Zar Alexander II.

Nach der Eroberung Sewastopols plante Napoléon III., ins Landesinnere vorzurücken, um durch den zu erwartenden Erfolg aus dem Schatten seines Onkels zu treten. Seine Generäle rieten aber von einem solchen Abenteuer ab. Auch die Stimmung in Frankreich war wegen der Dauer des Feldzuges und der hohen Verluste umgeschlagen. Prinz Plon-Plon, der Cousin des Kaisers, hatte überdies die Truppe verlassen, was zu Diskussionen in der französischen Öffentlichkeit führte. Napoléon III. fand sich angesichts all dessen zu Friedensverhandlungen bereit.[11]

Im November 1855 besuchte der neue russische Zar Alexander II. die Krim. Dort überzeugte auch er sich von der Notwendigkeit, Frieden zu schließen.

Am 30. März 1856 schloss Russland mit seinen Kriegsgegnern – dem Osmanischen Reich, Großbritannien, Frankreich und Sardinien sowie den nicht kriegführenden Staaten Preußen und Österreich – den Frieden von Paris oder Dritten Pariser Frieden. Darin wurde die Integrität der Türkei erklärt. Die Donaumündungen und ein Teil Bessarabiens gingen an das Fürstentum Moldau. Die Schifffahrt auf der Donau wurde freigegeben, die Kommission der Donau-Uferstaaten gegründet und das Schwarze Meer zu einem neutralen Gebiet erklärt.

Politische, militärische und publizistische Bedeutung

Politische Bedeutung

Datei:Congresso di Parigi.jpg
März 1856: Gesandte beim Pariser Kongress, der zum Pariser Frieden führte

Der Krimkrieg hatte militärhistorisch und politisch eine hohe Bedeutung für die Machtentwicklung und -verteilung unter den europäischen Staaten. Diesbezüglich bildete der Krieg bzw. das Friedensabkommen von Paris die zweite machtpolitische Zäsur des 19. Jahrhunderts in Europa nach dem Wiener Kongress von 1815.

Bedeutung für Russland

Der Krimkrieg beendete die dominierende Rolle, die Russland nach dem Ende der napoleonischen Kriege in Europa gespielt hatte. Als Reaktion auf die bei der Niederlage im Krimkrieg zutage getretene strukturelle und technische Rückständigkeit Russlands, das unter anderem durch die fortdauernde Leibeigenschaft der Kleinbauern und dem daraus resultierenden Mangel an Arbeitskräften einen erheblichen Aufholbedarf in der Industrialisierung aufwies, nahm Zar Alexander II. weitreichende Reformen in Verwaltung, Bildung und in der zarischen Armee in Angriff. Wesentlichste Bestandteile waren seit 1861 die Aufhebung der Leibeigenschaft und die Erneuerung der Militärorganisation. Alexander setzte diese Reformen gegen große Widerstände der russischen Aristokratie durch. Die vom Zaren eingeleiteten Reformen betrafen auch das durch Personalunion mit Russland verbundene Königreich Polen (sog. Kongresspolen, da es keinen unabhängigen Staat bildete und ein Konstrukt des Wiener Kongresses war). Eine Zeit der Liberalisierung setzte ein, und der polnischen Bevölkerung wurden weitergehende Rechte auf konservativer Grundlage (Adelsprivilegien) eingeräumt.

Die durch den Krimkrieg und die darauf folgenden Reformen verursachten Kosten sowie ein neues Gefühl der Verwundbarkeit waren die Gründe für den Verkauf Alaskas an die USA im Jahre 1867.

Bedeutung für das Osmanische Reich

Im Frieden von Paris wurde die territoriale Unabhängigkeit und Unverletzlichkeit des Osmanischen Reichs garantiert. Im Friedensvertrag wurde formuliert, jeden Akt und jedes Ereignis, das die Integrität des Osmanischen Reiches in Frage stellt, als Frage europäischen Interesses zu sehen.[12] Die gemachten Eroberungen wurden gegenseitig herausgegeben, doch musste Russland unter der Bezeichnung „Grenzberichtigung“ zugestehen, dass ein Teil Bessarabiens mit der Festung Ismail mit dem Fürstentum Moldau wiedervereinigt wurde. Den Donaufürstentümern Moldau und Walachei wurde die Aufrechterhaltung ihrer alten Privilegien und Immunitäten zugesichert und diese unter der Garantie der Vertragsmächte gestellt.

Bedeutung für Frankreich

Die unter Leitung des französischen Kaisers Napoléon III. stattfindenden Friedensverhandlungen in Paris verhalfen Frankreich zu einer neuen Führungsrolle unter den europäischen Mächten, die Russland infolge seiner Niederlage verloren hatte.

Frankreich war seit dem Wiener Kongress von 1815 bis zum Krimkrieg ein im diplomatischen Sinn von den Herrschern seiner einflussreicheren östlichen Nachbarländer misstrauisch beäugtes und dadurch in gewissem Sinn „kontrolliertes“ Staatswesen, das infolge der Julirevolution von 1830 und der Februarrevolution 1848 für alle europäischen Staaten als revolutionärer Unruheherd gegolten hatte. Durch den Krimkrieg trat das Land aus seiner diplomatischen Isolation heraus. Der Abschluss des Friedensvertrages in Paris war dabei von hoher symbolischer Bedeutung für das außenpolitische Gewicht Napoléons III.

Bedeutung für das Vereinigte Königreich

Die Misswirtschaft des Krimkrieges führte zu einem rapiden Verlust an Popularität der Regierung Aberdeen. Im Februar 1855 wurde sie zum Rücktritt gezwungen, und Palmerston übernahm die Bildung eines neuen Kabinetts. Der spätere britische Premierminister Disraeli erklärte den Krieg aus einer von Südasien eingenommenen Perspektive zu einem „indischen Krieg“.

Bedeutung für Italien

Die Schwächung Österreichs führte zu einer Stärkung der Position des Königreichs Sardinien, das seit den niedergeschlagenen bzw. im Ergebnis zumindest abgeschwächten bürgerlichen 1848/49er-Revolutionen eine Vorreiterrolle in der italienischen Einigungsbewegung, dem Risorgimento, innehatte. Durch die Beteiligung am Krimkrieg gelang es König Viktor Emanuel II. und seinem Premierminister Cavour, die italienische Frage auf die politische Agenda Frankreichs zu bringen, das er als Verbündeten im Kampf gegen die Großmacht Österreich als unverzichtbar erachtete. Im Juli 1858 schloss er mit Napoléon III. in Plombières-les-Bains einen Geheimvertrag. Im Bündnis mit Frankreich konnte schließlich die Einigung Italiens unter Führung Sardiniens gegen Österreich nach dem Sardinischen Krieg bis 1861 durchgesetzt und der italienische Nationalstaat als konstitutionelle Monarchie gegründet werden (vgl. Königreich Italien).

Bedeutung für den Deutschen Bund

Ein Resultat des Krimkriegs war das Ende der „Heiligen Allianz“ zwischen Österreich, Russland und dem im Krieg neutral gebliebenen Preußen. Die Beziehungen zwischen Preußen und Russland verbesserten sich. Österreichs Beziehungen zu Preußen wurden angespannter, zu Russland waren sie zerrüttet.

Österreich lief Gefahr, von Großbritannien und Frankreich unter Napoléon III., der diplomatisch ebenfalls näher an Russland heranrückte, isoliert zu werden. Damit veränderte sich die europäische Mächtekonstellation zu Ungunsten Österreichs nachhaltig; eine Konstellation, die seit dem Wiener Kongress zwischenstaatlich – trotz vieler innerer Unruhen in den jeweiligen Staaten – relativ stabil schien.

Der Aufwand für die Mobilisierung der Truppen, die zur Machtdemonstration gegenüber Russland entsandt wurden, brachte Österreich an den Rand des finanziellen Ruins. Dies führte zu nachhaltigen Einsparungen in der Armee.[13] Die bis dahin prägende Vormachtstellung Österreichs im Deutschen Bund wurde bedrängt durch die zunehmende wirtschaftliche und politische Entfaltung der preußischen Monarchie, besonders ab 1862 unter der von König Wilhelm I. eingesetzten Regierung des Ministerpräsidenten Otto von Bismarck. Schließlich kam es 1866 zum „Deutschen Krieg“, der mit dem Sieg Preußens (und Italiens) und der Auflösung des Deutschen Bundes endete. Diesen Krieg verlor Österreich nicht zuletzt wegen der zuvor gemachten Einsparungen.

Militärisch

Nach 25 Jahren des Oberbefehls von Wellington war eine Stagnation in der Ausbildung der britischen Armee zu beobachten; dies wurde im Krimkrieg deutlich. Die schlechte Organisation des britischen Heeres führte unter anderem im Februar 1855 zum Sturz der Regierung Aberdeen. Der neue Oberbefehlshaber der britischen ArmeeHenry Hardinge, 1. Viscount Hardinge – wurde von Prinz Albert aufgefordert, die Ausbildung der britischen Armee zu verbessern. So wurde das Lager Aldershot (The Home of the British Army) errichtet. Aldershot galt im viktorianischen Großbritannien als Synonym für die Ausbildung der britischen Armee.

Im rein technischen Sinn war der Krimkrieg allerdings der erste moderne Krieg der Weltgeschichte. Zum ersten Mal wurden auf britischer Seite Infanterieeinheiten eingesetzt, die durchgehend Gewehre mit gezogenen Läufen einsetzten. Es handelte sich dabei um die Enfield-Rifled Musket, einen Vorderlader vom Typ Miniégewehr mit 99 cm Lauflänge im Kaliber 0,577 Zoll (.577) bzw. 14,66 mm, der 1852 eingeführt worden war und eine wirksame Reichweite von 800 Metern aufwies, im Massenfeuer bis 1.000 Metern. Auf russischer Seite hingegen wurden noch glattläufige Musketen eingesetzt mit einer wirksamen Reichweite von etwa 200 Metern. Der Erfolg des britischen Enfield-Gewehrs führte dazu, dass Preußen und alle anderen Groß- und Mittelmächte ihre gesamte Infanterie nunmehr durchgehend mit gezogenen Gewehren ausrüsteten, was vorher den sogenannten Jägertruppen vorbehalten gewesen war. Die Wirkung dieses Gewehrs war für die Militärs dermaßen beeindruckend, dass schon kurz nach dem Krieg – bald wieder hinfällige – Überlegungen angestellt wurden, künftig auf Artillerie ganz zu verzichten.

Erstmals kamen mit Stahlplatten gepanzerte Dampfkriegsschiffe zum Einsatz, die die französische und britische Marine nach dem Krieg zu sogenannten Ironclads weiterentwickelten. Der Dampfantrieb ermöglichte eine höhere Geschwindigkeit und Unabhängigkeit vom Wind. Ebenfalls neu war die moderne Artillerie mit Explosivgranaten. Während der Belagerung von Sewastopol hatten die Briten ihre Basis in der Hafenstadt Balaklawa. Sie bauten deshalb 1855 hier die erste strategische Bahnstrecke in der Geschichte der Eisenbahn, um ihren Nachschub von Balaklawa zum Lager der britisch-französischen Belagerungsarmee vor Sewastopol zu transportieren. Der Krimkrieg war zugleich der historisch erste Graben- und Stellungskrieg. Weiterhin stellte der Krimkrieg mit dem Todesritt von Balaklawa den Einsatz der klassischen Kavallerie-Attacke in Frage, da diese sich den modernen Schnellfeuerwaffen gegenüber kaum noch durchsetzen konnte.

Zu einem großangelegten strategischen und taktischen Einsatz kam erstmals auch der elektromagnetische Telegraf. Auf russischer Seite bestanden schon vor dem Krieg mehrere optisch-mechanische Telegrafenlinien (Chappe-System), etwa von Moskau nach St. Petersburg und weiter nach Warschau, aber auch eine Linie von Moskau nach Sewastopol auf die Krim, wodurch eine einfache Nachricht in etwa zwei Tagen übermittelt werden konnte. Im Jahr 1854 begann Russland mit dem Bau von erheblich schnelleren elektromagnetischen Telegrafenlinien von Moskau aus wiederum nach St. Petersburg und Warschau und Richtung Süden nach Odessa und Sewastopol, die 1855 fertiggestellt wurden. Diese Linien erlaubten Russland, die Truppen- und Materialbewegungen zu koordinieren sowie schnellen Kontakt nach Berlin für die Bestellung von Kriegsgütern herzustellen. Auf alliierter Seite wurde das schon von London über Paris nach Bukarest bestehende elektromagnetische Telegrafennetz nach Warna am Schwarzen Meer verlängert. Im April 1855 wurde das mit 550 Kilometern Länge bis dahin längste Unterseekabel aus mit Guttapercha isoliertem Eisendraht von Warna nach Balaklawa auf der Krim in nur 18 Tagen verlegt. Damit wurde die Zeit für eine Nachricht von Paris auf die Krim von vormals zwölf Tagen bis drei Wochen auf nur 24 Stunden verkürzt. Auch wurden auf der Krim von den Franzosen und Briten erstmals Feldtelegrafen eingesetzt, wobei die Kabel mittels eines Wagens mit Pflug oder durch die Anlegung von Gräben in die Erde verlegt wurden. Unterseekabel wie Feldtelegraf erwiesen sich jedoch als kurzlebig; die Linien der Feldtelegrafen zerbrachen oft, und auch das Unterseekabel brach im Dezember 1855, kurz nach dem Fall Sewastopols, ohne dass es hätte repariert werden können. Die Bedeutung der damals neuen Kommunikationsmittel für den Kriegsverlauf ist nur wenig erforscht, zwei Aspekte auf Seiten der Alliierten werden jedoch herausgehoben: Erstens erreichten die Nachrichten von der Front die Öffentlichkeit in Frankreich und Großbritannien innerhalb kürzester Zeit, was die Kriegsführung in die Arena der Politik hineinzog. Und zweitens verlängerte sich die Kommandokette bis in die Hauptquartiere nach Paris und London. Dies wurde von den Befehlshabern im Feld als ambivalenter Fortschritt betrachtet. Sie glaubten, die Effizienz der Kriegsführung habe darunter gelitten, weil bei taktischen Entscheidungen, die bis dahin vor Ort getroffen worden waren, sich die weit vom Kriegsschauplatz entfernten Staatsoberhäupter einmischten. Der britische General Simpson soll gesagt haben: „Die Telegrafie hat alles durcheinander gebracht!“ Der französische General Canrobert legte unter anderem wegen der telegrafischen Einmischung Napoléons III. in die Führung des Krim-Feldzugs sein Kommando nieder.[14]

Insgesamt führte der Krimkrieg zu erhöhten Militärausgaben bei allen Staaten. Russland beschaffte erstmals Kanonen mit gezogenen Läufen sowie gezogene Hinterlader-Gewehre, auch aus den USA (Remington-Gewehr von 1867). Österreich-Ungarn verschuldete sich durch die Rüstungen infolge des Krimkrieges derart, dass Sparprogramme zur Auflösung ganzer Einheiten führten, was letztlich deutlich zur Niederlage in der Schlacht von Königgrätz beitragen sollte.

Publizistisch

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Zeitgenössische Zeitungsillustration der Schlacht von Inkerman, 1855
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Verwundete warten auf ihren Abtransport in Balaklava, Lithografie von William Simpson

Erstmals konnten Kriegsberichterstatter, unter ihnen der Brite William Howard Russell, der für seine Reportagen von der Krim berühmt wurde, mittels der Telegrafie ohne Zeitverlust Berichte an Zeitungen senden, etwa über die berühmt-verklärte Attacke der Leichten Brigade. Die Zeitung The Times berichtete bereits am selben Abend über die militärisch sinnlose Attacke. Die Berichterstattung Russells war teilweise so genau, dass der Zar meinte, er brauche keine Spione, er habe die Times.[15] Eine spätere Konsequenz seiner Artikel war die Einführung der Militärzensur durch den Oberbefehlshaber Codrington am 25. Februar 1856.

Noch 1854 veröffentlichte Alfred Tennyson sein Gedicht The Charge of the Light Brigade. Die Attacke der Leichten Brigade wurde später in mehreren Filmen, Musikstücken und Büchern behandelt.

Auch gab es zum ersten Mal Fotoreportagen aus einem Krieg. Das Elend und nicht mehr nur die heroische Seite konnte dargestellt werden. Die Aufnahmen von Roger Fenton sind jedoch meist arrangierte Fotos, was vor allem durch die damals langen Belichtungszeiten erklärbar ist. Anders als spätere Kriegsfotografen war er deshalb nicht in der Lage, Kampfhandlungen zu fotografieren. Die Fotos gaben trotzdem erstmals der britischen Bevölkerung ein Gefühl für die Lebensbedingungen der Soldaten vor Ort. Vor Ort arbeiteten daher auch Kriegsmaler wie der Schotte William Simpson, der seinen Eindruck in Aquarellen festhielt, die in Großbritannien als Lithografie veröffentlicht wurden.

Der Fotograf Fenton verließ die Krim noch vor Abschluss der Kampfhandlungen. Seine Arbeit wurde von James Robertson und Felice Beato fortgesetzt, deren 60 Platten unter anderem die französischen Schützengräben vor Sewastopol, die einschlagsicheren Unterstände der russischen Generäle und das unbeschreibliche Chaos nach Abzug der Russen zeigten.

Unter den Verteidigern von Sewastopol war der junge Leo Tolstoj. Er brachte in den Jahren 1855/56 drei Erzählungen über den Krimkrieg heraus, die – in der Folge unter dem Titel Sewastopoler Erzählungen (russisch: Севастопольские рассказы) zusammengefasst – sehr schnell seine Popularität in Russland begründeten: Sewastopol im Dezember (Севастополь в декабре месяце), Sewastopol im Mai (Севастополь в мае) und Sewastopol im August (Севастополь в августе). Ihre Bedeutung für die russische Literatur liegt darin, dass sie die bislang üblichen heroisierenden Beschreibungen des Krieges durch eine realistische und detaillierte Schilderung des Kriegsalltags ersetzen. In der ersten Erzählung, Sewastopol im Dezember, beschrieb er das Grauen des Krieges:

„Sie sehen hier entsetzliche, die Seele erschütternde Bilder, sehen den Krieg […] in seiner wirklichen Gestalt mit Blut, Qualen und Tod.“

Kriegsopfer und Reform des Lazarettwesens

Zu den Verlusten im Krimkrieg gibt es unterschiedliche Aussagen. Der Historiker German Werth sagte dazu: „Nach dem Krieg hatten die Historiker und die Statistiker das Wort. Wie immer wurden die Zahlen der Opfer maßlos übertrieben. Von 100.000, 500.000, ja sogar 600.000 Toten war die Rede. Es blieb bei 165.000 Opfern, davon waren 104.000 nicht an der Front, sondern an Seuchen und Krankheiten gestorben: 50.000 Franzosen (von 70.000 Toten), 17.000 Briten (von 22.000 Toten), 37.500 Russen (von 73.000 Toten).“[16] Viele Soldaten kamen nicht in den Kampfhandlungen ums Leben, sondern durch Hunger und Mangelerkrankungen sowie aufgrund fehlender Hygiene in den unzureichend ausgestatteten Lazaretten.

Russische Historiker haben im Laufe der Zeit die Verluste deutlich nach unten korrigiert. Der russische Brockhaus-Efron aus dem Jahr 1906 gab noch eigene Verluste von einer halben Million Menschenleben an. Der Schweizer Historiker Gitermann – der überwiegend mit russischen Quellen arbeitet – nannte in seiner von 1944 bis 1949 erschienenen Geschichte Russlands 300.000 Tote allein für Russland. Eine dem Krimkrieg gewidmete russische Webseite, die die russischen Forschungsergebnisse zugrunde legt – nennt folgende Zahlen: Russland verlor demnach ungefähr 256.000 Menschen, Frankreich 100.000, Großbritannien 22.700, die Türkei 30.000. Davon seien auf russischer Seite 128.700 bei Kampfhandlungen gefallen, auf Seiten der Gegner 70.000. Die übrigen seien im Wesentlichen durch Cholera gestorben oder erfroren.[17]

In mehreren modernen Quellen werden die Gesamtverluste des Krieges mit rund 500.000 Mann angegeben.

Einig sind sich die Historiker bei aller Unterschiedlichkeit der Zahlen in zwei Punkten: Die Russen erlitten von allen Kriegsteilnehmern die schwersten Verluste. Die Mehrzahl der Opfer starb nicht bei Kampfhandlungen, sondern durch mangelnde Versorgung im Allgemeinen (Hunger, Erfrieren) und Mängel bei der medizinischen Versorgung im Besonderen (Epidemien, Verwundungen).

In diesem Zusammenhang von Bedeutung ist die Betreuung der Verwundeten durch Florence Nightingale, die im Krimkrieg den Beinamen Engel der Verwundeten erhielt. Die in einer Diakonissenanstalt im preußischen Kaiserswerth ausgebildete Krankenschwester war im Vereinigten Königreich auf die erbärmliche Lage im Kriegsgebiet aufmerksam geworden. Mit 38 Krankenschwestern, medizinischen Gerätschaften und Medikamenten reiste sie ins Lazarett von Scutari (heute Selimiye Kaserne (Cesme-i Kebir Cad.), Üsküdar in Istanbul, Türkei, wo im Nordostturm, den Florence Nightingale bewohnte, inzwischen ein Museum untergebracht ist). Die Zustände, die Florence Nightingale dort vorfand, waren katastrophal. Die Verwundeten und Kranken lagen in schlecht belüfteten, rattenverseuchten Räumen nahezu ohne hygienische Einrichtungen.[18] Bedingt durch diese Zustände engagierte sie sich für die Reform des Versorgungs- und Lazarettwesens, für die sie schließlich auch von der britischen Regierung beauftragt wurde. Schon mit der Einführung einfacher Hygienemaßnahmen konnte sie die Sterblichkeitsrate in den britischen Lazaretten deutlich senken. Wenige Jahre nach dem Krieg gründete Florence Nightingale eine eigene Schwesternschule in London, wo sie die Krankenpflege zum Lehrberuf machte.

Die durch eine Reihe von Missverständnissen ausgelöste britische Attacke der Leichten Brigade auf russische Geschützstellungen gilt vor allem in der britischen Literatur bis heute als zentrales Ereignis. Bei diesem fatalen Angriff starben von der 673 Mann starken Kavalleriebrigade innerhalb von 20 Minuten durch das russische Geschützfeuer 156 Mann, 122 wurden verwundet. Das Debakel sollte als heldenhafter Todesritt von Balaklawa zum Mythos der britischen Geschichte verklärt werden.

Nach dem Krimkrieg emigrierten immer mehr Krimtataren in das Osmanische Reich, ab 1860 strömten dafür immer mehr russische und ukrainische Siedler ins Land. Dadurch sank der muslimische Bevölkerungsanteil auf der Krim. 1885 waren dort von etwa einer Million Einwohnern nur noch gut 100.000 Tataren.

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Büste von Nikolai Pirogow im Museum der Schwarzmeerflotte in Sewastopol

Im Dezember 1854 begann der bekannte russische Arzt Nikolai Pirogow im Rahmen des Krimkrieges als Militärarzt zu arbeiten. Aufgrund seiner Tätigkeit während dieses Krieges gilt er als Begründer der Feldchirurgie. Er führte unter anderem Gipsverbände zur Stabilisierung von Knochenbrüchen in die Chirurgie ein und entwickelte eine nach ihm benannte als Pirogoff-Operation bezeichnete Technik zur Amputation eines Fußes. Auch die Narkose wurde von ihm erstmals als Standardbehandlung bei Operationen im Feld eingesetzt. Die heute als Triage bezeichnete abgestufte Behandlung einer großen Zahl an Verwundeten mit einer Einteilung in fünf Schweregrade geht ebenfalls auf ihn zurück. Er maß darüber hinaus der Ausbildung von Pflegekräften große Bedeutung bei und setzte sich, ähnlich dem Wirken von Florence Nightingale, für die Bildung von organisierten Freiwilligenkorps aus Krankenschwestern ein.

Randnotizen

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Geschützbatterie der brit. Marinebrigade vor Sewastopol, zeitgenössische Zeichnung von W. Simpson R.I.

Die in den folgenden Jahren im Ruhrgebiet zur Kohleförderung errichteten Türme erhielten die Bezeichnung Malakow-Turm nach den Türmen des Fort Malakow bei Sewastopol, um das sich die entscheidende Schlacht des Krimkriegs drehte. Wegen ihrer massiven Bauweise in Ziegelstein und ihrer aus dem Festungsbau entlehnten architektonischen Elemente wurde für die Türme dieser Name gewählt. Ebenso verhält es sich mit einem Turm, der die Schleifung der Festung Luxemburg, auch Gibraltar des Nordens genannt, heil überstanden hat. Er befindet sich in Clausen, einem Vorort der Stadt Luxemburg, unweit des Flusses Alzette in der Nähe des Areals, das das heute nur noch in seinen Fundamenten erhaltene Mansfeld-Schloss beherbergt.

Ein Sturm traf die Expeditionsflotte der Franzosen und Briten schwer. Aufgrund dieses Ereignisses wurden die ersten staatlichen Wetterdienste gegründet.

Der Legende entsprechend wurde beim Friedensschluss zwischen Großbritannien und Russland, anders als bei der Kriegserklärung, vergessen, die Stadt Berwick-upon-Tweed, die in Großbritannien eine Sonderstellung hatte, mit in den Friedensvertrag aufzunehmen. Daher befand sich Berwick-upon-Tweed 113 Jahre mit Russland formell im Kriegszustand. 1966 besuchte ein sowjetischer Gesandter den Bürgermeister Robert Knox und unterzeichnete mit ihm einen formellen Friedensvertrag. Der Bürgermeister ist jedoch im Hinblick auf internationale Beziehungen nicht der Rechtsnachfolger von Königin Victoria, wodurch der Friedensvertrag genau genommen unwirksam ist. Allerdings konnte ein britischer Fernsehsender bereits in den 1970er Jahren nachweisen, dass Berwick gar nicht auf der Kriegserklärung an Russland stand, und entlarvte den „Kriegszustand“ als modernen Mythos.

In den Romanen des walisischen Autors Jasper Fforde um die Protagonistin Thursday Next führt Großbritannien seit mehr als 100 Jahren den Krimkrieg gegen das noch immer zaristische Russland.

An Bord der HMS Queen nahm das britische Marinemaskottchen Timothy the Tortoise an der Bombardierung von Sewastopol teil. Damit dürfte die am 4. April 2004 verstorbene Maurische Landschildkröte die letzte Überlebende des Krimkriegs gewesen sein.

Am Krimkrieg nahm eine Gruppe deutscher Freiwilliger auf britischer Seite als Deutsche Legion (Britisch-German Legion) teil. Die Angehörigen dieser Legion wurden nach dem Krieg als Siedler in die Kapkolonie gesandt.

Die klimatischen Bedingungen des russischen Winters hinterließen im Englischen etymologische Spuren für verschiedene Typen von Strickwaren: Der Name für Sturmhauben (balaclava bzw. balaclava helmet) stammt vom auf dem Kriegsschauplatz gelegenen Ort Balaklawa. Nach dem Earl of Cardigan wurde die Cardigan-Strickjacke benannt, nach Lord Raglan der Raglanärmel. Später verbreiteten sich diese Begriffe auch in andere Sprachen.

Im Krimkrieg wurde durch Königin Victoria 1854 das Victoria-Kreuz als höchste britische Auszeichnung für überragende Tapferkeit im Angesicht des Feindes gestiftet.

Chronologischer Überblick

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Französische Zouaven und russische Soldaten im Kampf bei der Erstürmung der Malakow-Befestigung
  • 3. Juli 1853: Besetzung der Donaufürstentümer durch russische Truppen.
  • 16. Oktober 1853: Kriegserklärung des Osmanischen Reiches an Russland.
  • 27. und 28. März 1854: Kriegserklärungen von Großbritannien und Frankreich gegen Russland.
  • 20. April 1854: Defensivallianz zwischen Preußen und Österreich für die Dauer des Krimkriegs.
  • Von Ende Juli bis September 1854: Räumung der Donaufürstentümer durch Russland auf österreichischen Druck.
  • 16. August 1854: Vorübergehende Besetzung der russischen Festung Bomarsund auf Åland in der Ostsee durch britisch-französische Marinekräfte.
  • 14. September 1854: Landung der Alliierten auf der Halbinsel Krim.
  • 20. September 1854: Schlacht an der Alma.
  • 25. Oktober 1854: In der Schlacht von Balaklawa kommt es zum Todesritt der leichten Brigade.
  • 5. November 1854: Ausfall der Russen wird in der Schlacht von Inkerman zurückgeschlagen.
  • 2. Dezember 1854: Dezemberbündnis von Wien zwischen Großbritannien, Frankreich und Österreich gegen Russland.
  • 16. Januar 1855: Kriegseintritt Sardiniens auf der Seite der Alliierten.
  • 22. Mai 1855: Erfolglose Kriegsexpedition von Einheiten der britischen und französischen Marineflotte ins Asowsche Meer.
  • 8. September 1855: Militärische Kriegsentscheidung durch die alliierte Eroberung Sewastopols nach 349 Tagen Belagerung (Schlacht um Malakow).
  • 29. November 1855: Einnahme der Festung Kars durch die Russen.
  • 30. März 1856: Offizielles Ende des Krimkriegs im Dritten Pariser Frieden, den die Teilnehmer des Osmanischen Reichs, Russlands, Sardiniens, Frankreichs, Großbritanniens, Österreichs und Preußens unterzeichnen. Rückgabe der besetzten Gebiete durch Russland. Bis auf die Preisgabe Bessarabiens bleibt das Territorium Russlands jedoch unangetastet. Die Integrität des Osmanischen Reiches wird garantiert. Das Schwarze Meer wird entmilitarisiert.

Literatur

In der Datenbank RussGUS werden über 70 Publikationen nachgewiesen (dort Suche – Einfache Suche: krimkrieg*)

  • Johann C. Allmayer-Beck, Erich Lessing: Die k.(u.)k. Armee 1848–1914. Prisma-Verlag, Gütersloh 1980, ISBN 3-570-07287-8.
  • Winfried Baumgart (Bearb.): Akten zur Geschichte des Krimkriegs. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 2000 ff (12 Bde.).
  • Winfried Baumgart: The Crimean War, 1853–1856. Arnold, London 1999, ISBN 0-340-61465-X
  • Kurt Borries: Preußen im Krimkrieg. Kohlhammer, Stuttgart 1930.
  • Ute Daniel: Der Krimkrieg 1853–1856 und die Entstehungskontexte medialer Kriegsberichterstattung. In: Dies. (Hrsg.): Augenzeugen. Kriegsberichterstattung vom 18. zum 21. Jahrhundert. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2006, ISBN 3-525-36737-6, S. 40–67.
  • Heinrich Friedjung: Der Krimkrieg und die österreichische Politik. Cotta, Stuttgart 1927.
  • Peter Gugolz: Die Schweiz und der Krimkrieg. 1853–1856. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1965.
  • Wolfgang Gust: Das Imperium der Sultane. Geschichte des Osmanischen Reiches. Nikol, Hamburg 2007, ISBN 978-3-937872-56-8 (Nachdruck der Ausgabe München 1995).
  • Nicolae Jorga: Geschichte des osmanischen Reiches. Eichborn, Frankfurt/M. 2000, ISBN 3-8218-5026-4 (5 Bde., Nachdruck der Ausgabe Gotha 1913).
  • Denis Judd: The crimean war. Hart-Davis, London 1975, ISBN 0-246-10804-5.
  • Ulrich Keller: Das Bild des Krieges: Der Krimkrieg (1853–1856), in: Europäische Geschichte Online, hrsg. vom Institut für Europäische Geschichte (Mainz), 2013 Zugriff am: 29 August 2013.
  • Alexander W. Kinglake: The invasion of the crimea.Tauchnitz, Leipzig 1863–89, (9 Bde.).
  • Götz Krusemarck: Württemberg und der Krimkrieg. Niemayer, Halle/Saale 1932.
  • Karl Marx, Friedrich Engels: Werke. Dietz-Verlag, Berlin 1995 ff.
  • John Mollo, Boris Mollo: Into the valley of death. The British cavalry division at Balaclava 1854. Windroew & Green, London 1991, ISBN 1-872004-75-X.
  • Heinz Rieder: Napoleon III. Abenteurer und Imperator („Edition Katz“). Casimir Katz Verlag, Gernsbach 2006, ISBN 3-938047-16-X.
  • Trevor Royle: Crimea, The great crimean war 1854–1856. Abacus Books, London 2003, ISBN 0-349-11284-3
  • John Sweetman: The crimean war (Osprey essential histories; Bd. 2). Osprey, Oxford 2001, ISBN 1-84176-186-9.
  • Wilhelm Treue: Der Krimkrieg. Duehrkohp & Radicke, Göttingen 2001, ISBN 3-89744-066-0 (1 CD-ROM; Nachdruck der Ausgabe Herford 1980)
  • Hermann Wentker: Zerstörung der Großmacht Rußland? (Veröffentlichungen des Deutschen Historischen Instituts London; Bd. 30). Vandenbeeck & Ruprecht, Göttingen 1993, ISBN 3-525-36315-X (zugl. Dissertation, Universität Bonn 1990/91).
  • German Werth: Der Krimkrieg. Die Geburtsstunde der Weltmacht Rußland. Ullstein, Frankfurt/M. 1992, ISBN 3-548-34949-8.
  • Duncan, John: Heroes for Victoria, 1837-1901: Queen Victoria's Fighting Forces. ISBN 978-0-946771-38-7
  • Orlando Figes: The Crimean War. A History, New York 2011. ISBN 0-8050-7460-0 (deutsch: Krimkrieg. Der letzte Kreuzzug, Berlin 2011. ISBN 978-3-8270-1028-5)

Weblinks

 Wikisource: Krimkrieg – Quellen und Volltexte
 Commons: Krimkrieg – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Nicolae Jorga: Geschichte des osmanischen Reiches, Band V, S. 437 ff.
  2. John Sweetman: The Crimean War (Osprey Essential Histories), Oxford 2001 S. 20 ff.
  3. Heinz Rieder: Napoleon III. Abenteuer und Imperator S. 209 ff.
  4. DIE ZEIT online
  5. John Sweetman: The Crimean War (Osprey Essential Histories), Oxford 2001 S. 24
  6. Trevor Royle: Crimea, London 1999, S. 173
  7. Friedrich Engels: Die Einnahme Bomarsunds; „New-York Daily Tribune“ Nr. 4174 vom 4. September 1854, Leitartikel
  8. German Werth: Der Krimkrieg S. 262
  9. Marx/Engels Gesamtausgabe
  10. Friedrich Engels: Der Krieg in Asien; „New-York Daily Tribune“ Nr. 4608 vom 25. Januar 1856, Leitartikel
  11. Heinz Rieder: Napoleon III. Abenteurer und Imperator, S. 215
  12. W. Gust: Geschichte des Osmanischen Reiches, S. 304
  13. Allmayer-Beck/Lessing – Die K.(u.)K. Armee 1848–1914
  14. Beauchamp, Ken: History of Telegraphy, Stevenage 2001 S. 103-108.
  15. Judd, Denis: The Crimean War, S. 95
  16. German Werth: Der Krimkrieg S. 309
  17. Крымская (Восточная) война
  18. Nancy Duin und Jenny Sutcliffe; Geschichte der Medizin, Verlag vgs, Köln 1993, ISBN 3-8025-1267-7, s. 79
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