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Georg Pazderski

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Georg Pazderski (2017)

Georg Pazderski (* 6. Oktober 1951 in Pirmasens) ist ein deutscher Politiker (AfD) und ehemaliger Offizier (Oberst a. D.). Nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst trat er in die AfD ein. 2013 war er Geschäftsführer der AfD Berlin, von 2013 bis 2015 Bundesgeschäftsführer. Seit 2016 ist er Vorsitzender der AfD Berlin, Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin und Vorsitzender seiner Fraktion. Seit 2017 ist er außerdem einer von drei stellvertretenden Bundesvorsitzenden der AfD, von 2015 bis 2017 war er bereits als Beisitzer im Bundesvorstand aktiv.

Leben

Pazderski wurde als Sohn eines polnischen Vaters und einer deutschen Mutter im pfälzischen Pirmasens geboren. Laut Angaben von Pazderski wurde sein Vater während des Nationalsozialismus als Zwangsarbeiter nach Deutschland verschleppt.[1]

Georg Pazderski absolvierte eine Berufsausbildung zum Großhandelskaufmann, durchlief bei der Bundeswehr die Ausbildung zum Offizier und studierte dort Betriebswirtschaftslehre.[2][3][4] Von 1987 bis 1989 absolvierte er den 30. Generalstabslehrgang (H) an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg.[5]

Von 1990 bis 1998 war er am Aufbau der Bundeswehr in den neuen Bundesländern beteiligt. So wurde er 1992/93 im Dienstgrad eines Oberstleutnants Kommandeur des Panzergrenadierbataillons 391 in Bad Salzungen. Mitte der 1990er Jahre war er im Rahmen eines Auslandseinsatzes in Sarajevo/Bosnien und Herzegowina stationiert. 2000/01 war er Sicherheits- und Verteidigungspolitischer Berater des Ständigen Vertreters der Bundesrepublik Deutschland bei der Europäischen Union, Wilhelm Schönfelder, in Brüssel/Belgien. In Münster war er stellvertretender Chef des Stabes und Direktor für Operationen des 1. Deutsch-Niederländischen Korps.

Als einer von drei Leitern einer internationalen Planungsgruppe („Combined Planning Group“), die aus ca. 30 Stabsoffizieren aus den Partnerländern der Operation Enduring Freedom gebildet wurde,[6] diente er von 2005 bis 2010[2] unter mehreren Kommandeuren, unter anderem General David Petraeus, im Hauptquartier der USCENTCOM auf der MacDill Air Force Base in Tampa, Florida/USA. Zuletzt war er zwei Jahre als Abteilungsleiter für Logistik im Allied Joint Force Command Lisbon der NATO in Oeiras bei Lissabon/Portugal tätig. Nach insgesamt 41 Jahren als Berufssoldat schied er im Rang eines Obersten im Generalstabsdienst Ende 2012 aus dem Dienst aus.

Er ist stellvertretender Vorsitzender des gemeinnützigen Vereins Perspektive Afrika.[7]

Seit 2010 hat er mit seiner Ehefrau den Hauptwohnsitz in Berlin, da ihre beiden erwachsenen Kinder und vier Enkel ebenfalls dort wohnen.

Politik

Im Jahre 2013 trat Pazderski in die Alternative für Deutschland (AfD) ein. Er war vom 15. Mai bis 30. September 2013 Geschäftsführer der AfD Berlin und vom 1. Oktober 2013 bis 30. Juni 2015 Bundesgeschäftsführer. Seit dem außerordentlichen Parteitag in Essen im Juli 2015 ist er als sechster von sechs gewählten Beisitzern (55,9 Prozent der Stimmen gegen den Philosophen Marc Jongen, der 41,2 Prozent erhielt) Mitglied des Bundesvorstandes. 2016 übernahm er gemeinsam mit der Europaabgeordneten Beatrix von Storch den Vorsitz der AfD Berlin, nachdem er auf dem Landesparteitag ca. 56 Prozent der Stimmen erhalten hatte.[8] Beim Landesparteitag am 4. November 2017 wurde er mit 78,8 % der Stimmen zum alleinigen Vorsitzenden der AfD-Berlin gewählt.[9]

Eine Landeswahlversammlung wählte ihn im April 2016 zum Spitzenkandidaten seiner Partei für die Berliner Abgeordnetenhauswahl 2016.[10] Er zog über die Landesliste – seine Partei erhielt 14,2 Prozent der Zweitstimmen – in das Abgeordnetenhaus ein, dessen Ältestenrat er seitdem angehört. Außerdem wurde er Vorsitzender seiner Fraktion. Pazderski war Mitglied der 16. Bundesversammlung, die im Februar 2017 zur Wahl des deutschen Bundespräsidenten zusammentrat.

Bei der Bundestagswahl 2017 kandidierte Pazderski als Direktkandidat für den Bundestagswahlkreis Berlin-Pankow,[11] verfehlte jedoch den Einzug in den Bundestag mit 12,1 Prozent der Erststimmen.[12]

Beim Bundesparteitag in Hannover am 2./3. Dezember 2017 kandidierte Pazderski als Co-Vorsitzender im Bundesvorstand der AfD. In zwei Wahlgängen trat er gegen die überraschend kandidierende Doris von Sayn-Wittgenstein an, erhielt jedoch nur 47 bzw. 49 Prozent der Stimmen und blieb damit wie seine Gegenkandidatin unter den für eine Wahl erforderlichen 50 Prozent. Daraufhin zogen beide ihre Kandidatur zurück, gewählt wurde in einem neuen Wahlgang Alexander Gauland. Anschließend wurde Pazderski mit 51,2 Prozent der Stimmen zum stellvertretenden Bundesvorsitzenden gewählt.[13]

Rezeption

Alexander Häusler u. a. verorteten Pazderski in einer Studie im Auftrag der Heinrich-Böll-Stiftung im nationalkonservativen Parteiflügel.[14] Nach Einschätzung von Nicolas Šustr in der Tageszeitung Neues Deutschland verwendete Pazderski in Reden „offensichtlich rechtsextremes Vokabular.“[15]

Laut Maria Fiedler vom Tagesspiegel „gilt [Pazderski] als vergleichsweise gemäßigt und als einer der letzten Landeschefs, die es mit der Abgrenzung der AfD nach Rechtsaußen tatsächlich ernst meinen.“ Er wolle die AfD „koalitionsfähig machen“.[16] Auch Justus Bender und Markus Wehner schrieben in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Pazderski gelte „als liberalkonservativ“ und setze auf einen „pragmatischen Kurs, auf eine mittelfristige Übernahme von Regierungsverantwortung und eine klare Abgrenzung gegen Rechtsaußen.“[17]

Weblinks

 Commons: Georg Pazderski – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Frederik Bombosch: AfD-Politiker Georg Pazderski: „Meine Kandidatur steht“. In: berliner-zeitung.de. 30. November 2017, abgerufen am 15. Januar 2018.
  2. 2,0 2,1 Tina Friedrich: Angetreten, um zu stören. rbb-online.de, 18. Juli 2016.
  3. iz/dpa: 41 Jahre als Soldat: Jetzt macht AfD-Spitzenmann Pazderski Berliner Politik. focus.de, 19. September 2016.
  4. Fabian Leber: Berlins neuer AfD-Chef Georg Pazderski: Mit diesem Mann will die AfD ins Abgeordnetenhaus. In: tagesspiegel.de. 26. Januar 2016, abgerufen am 21. Mai 2016.
  5. Vgl. Hans-Heinrich Steyreiff: Bibliographie der Jahresarbeiten 1957 bis 1987. In: Detlef Bald, Wilhelm Nolte, Hans-Heinrich Steyreiff: Generalstabsausbildung zwischen Gesellschaft und Militär. Das Jahresarbeiten-Archiv. Hrsg. von der Führungsakademie der Bundeswehr und der Clausewitz-Gesellschaft, Mittler, Herford u. a. 1991, ISBN 3-8132-0375-1, S. 117.
  6. Jürgen Schönstein: Die Denkfabrik im Bündnisdorf. focus.de, 30. November 2006.
  7. Impressum. (http://www.perspektive-afrika.de/index.php/2012-06-18-08-33-45).
  8. Lorenz Vossen: AfD-Spitze hat sich auf Parteitag neu formiert. morgenpost.de, 17. Januar 2016.
  9. Berliner AfD entmachtet Beatrix von Storch. Abgerufen am 6. November 2017.
  10. Jan Menzel: Georg Pazderski zum Berliner AfD-Spitzenkandidaten gewählt (Link nicht mehr abrufbar). rbb-online.de, 23. April 2016.
  11. Ulrike Scheffer: Wahlkreisserie vor der Bundestagswahl: Pankow ist dreigeteilt. In: tagesspiegel.de. 24. September 2017, abgerufen am 19. Oktober 2017.
  12. Bundeswahlleiter: Ergebnisse der Bundestagswahl im Wahlkreis Berlin-Pankow
  13. Wahl des zweiten AfD-Vorsitzenden gelingt auch in Stichwahl nicht, WeltN24, 2. Dezember 2017.
  14. Alexander Häusler, Rainer Roeser, Lisa Scholten: Programmatik, Themensetzung und politische Praxis der Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD). Hrsg. im Auftrag der Heinrich-Böll-Stiftung, Weiterdenken – Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen, Dresden 2016, ISBN 978-3-946541-09-7, S. 56.
  15. Nicolas Šustr: Verschwörung und Hass – Seit etwas über einem Jahr ist die AfD-Fraktion Teil des Abgeordnetenhauses. Neues Deutschland, 16. November 2017, abgerufen am 17. November 2017.
  16. Maria Fiedler: AfD-Parteitag in Hannover: Wer übernimmt das Ruder bei der AfD? In: tagesspiegel.de. 2. Dezember 2017, abgerufen am 2. Dezember 2017.
  17. Justus Bender, Markus Wehner: Die AfD will reifer und klüger geworden sein, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2. Dezember 2017.
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