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Der Tagesspiegel

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Dieser Artikel behandelt eine Berliner Zeitung. Zum Begriff Tagesspiegel siehe auch Tagespolitik.
Der Tagesspiegel
Tagesspiegel-Logo
Beschreibung Tageszeitung
Sprache Deutsch
Verlag Verlag Der Tagesspiegel GmbH
Erstausgabe 27. September 1945
Erscheinungsweise täglich
Verkaufte Auflage (IVW 4/2014, Mo–So) 110.057 Exemplare
Chefredakteur Stephan-Andreas Casdorff, Lorenz Maroldt
Herausgeber Hermann Rudolph, Giovanni di Lorenzo, Pierre Gerckens
Weblink tagesspiegel.de
Artikelarchiv 1996 ff.

Der Tagesspiegel ist eine 1945 gegründete Berliner Abonnementzeitung. Das Blatt erscheint von Montag bis Sonntag mit einer verkauften Auflage von 110.057 Exemplaren.[1] Damit ist der Tagesspiegel die Berliner Abonnementzeitung mit der dritthöchsten Auflage (nach Berliner Zeitung und Berliner Morgenpost). Er wird im Unterschied zur Berliner Zeitung vor allem in den westlichen Bezirken der Stadt gelesen.

Geschichte

Die erste Ausgabe der von Erik Reger, Walther Karsch, Heinrich von Schweinichen und Edwin Redslob gegründeten Tageszeitung erschien nach dem Zweiten Weltkrieg am 27. September 1945 unter der Lizenz der Information Control Division der amerikanischen Militärregierung. Das Blatt war zunächst in Berlin und Brandenburg verbreitet, bis 1948 die Blockade den Vertrieb auf West-Berlin beschränkte. Für die Gründung der Zeitung stellte der Geschäftsmann und ehemalige Papierhändler Heinrich von Schweinichen seinen Mitgesellschaftern das Gründungskapital in Höhe von 5000 Reichsmark zur Verfügung und finanzierte die Zeitung aus eigener Tasche in den ersten Monaten ihres Bestehens. Im Juni 1946 wurde von Schweinichen aus bisher nicht restlos geklärten Gründen die Lizenz von der amerikanischen Besatzungsmacht entzogen.[2] Während die übrigen Gründungsherausgeber noch heute im Impressum des Tagesspiegels genannt werden, bleibt der Name von Schweinichens unerwähnt.

Datei:TiergartenPotsdamerStraßeTagesspiegel.jpg
Von 1954 bis 1. Oktober 2009: Verlagssitz in der Potsdamer Straße
Datei:Kreuzberg Askanischer Platz Tagesspiegel-Gebäude.JPG
Seit 2. Oktober 2009: Verlagssitz am Askanischen Platz

Der Tagesspiegel wurde von den Alteigentümerfamilien F. K. Maier und Dannenberger ab 1992 sukzessive an die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck verkauft.[3] Mit Wirkung zum 1. Juni 2009 hat die von Dieter von Holtzbrinck neu gegründete Dieter von Holtzbrinck Medien GmbH (DvH Medien) alle Anteile der Tagesspiegel-Gruppe von der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck übernommen.[4] Am 2. Oktober 2009 ist der Tagesspiegel aus dem seit 1954 genutzten Verlagsgebäude an der Potsdamer Straße in ein neues Domizil am Askanischen Platz in Berlin-Kreuzberg umgezogen.[5]

Zwischen regional und überregional

Verlagsintern wurde der Tagesspiegel im Jahr 2001 den überregionalen Zeitungen zugerechnet.[6] Dementsprechend bezeichnet er sich auf seiner Titelseite als „Zeitung für Berlin und Deutschland“. 2002 wurde anlässlich des schließlich abgelehnten Antrags beim Bundeskartellamt auf Zulassung des Zusammenschlusses der Verlagshäuser Holtzbrinck und Berliner Verlag geltend gemacht, eine marktbeherrschende Stellung auf dem Berliner Zeitungsmarkt sei durch den Zusammenschluss nicht zu erwarten. Der Tagesspiegel bediene einen anderen Markt, indem er einen höheren Qualitätsanspruch als die beiden anderen Berliner Abonnementzeitungen Berliner Zeitung und Morgenpost verfolge, und er stehe stärker als diese mit großen überregionalen Blättern im Wettbewerb.[7] Allerdings wurden damals außerhalb des Kernverbreitungsgebiets weniger als sieben Prozent der Auflage abgesetzt, wenngleich dieser Anteil höher lag als bei den anderen Berliner Abonnementzeitungen.[8] 2007 war der Tagesspiegel nach eigener Angabe die seit mehreren Jahren meistzitierte Hauptstadtzeitung.[9] 2009 kündigte Verleger Dieter von Holtzbrinck an, dem Tagesspiegel langfristig weiter zunehmende überregionale Bedeutung zu verschaffen.[10]

Layout und Gliederung

Seit 1946 steht unter einer Weltkugel im Kopf der Zeitung das lateinische Motto: rerum cognoscere causas. Das Zitat stammt von Vergil und kann mit „Die Ursachen der Dinge erkennen“ oder freier mit „Den Dingen auf den Grund gehen“ übersetzt werden.[11]

Der Tagesspiegel erschien zunächst im Rheinischen Format, ursprünglich vierspaltig gesetzt, später fünfspaltig. Nach Umstellung der Produktionstechnik (Nordisches Format, Abschied vom Bleisatz) folgte ein durchgreifendes und klares Redesign von Mario Garcia, das sich durch aufwendige Startseiten der Wochenend-Beilagen und die Brotschrift Gulliver auszeichnete. Sparerfordernissen folgend wurde das Design unter dem Chefredakteur Giovanni di Lorenzo reduziert und später durch ein erneute Neugestaltung abgelöst, das den Tagesspiegel bis heute prägt.

Für sein Layout ist der Tagesspiegel mit dem World's Best-Designed Newspapers Award 2004 der Society for News Design in New York ausgezeichnet worden.[12]

Einer der Herausgeber des Tagesspiegels, Giovanni di Lorenzo, beschrieb seine Auffassung des Blattes und Layouts mit den Worten: „Zwischen Sein und Schein kann sich eine Qualitätszeitung nur für das Sein entscheiden.“

Der Tagesspiegel gliedert sich in die klassischen Ressorts Politik, Wirtschaft, Sport, Kultur, Vermischtes sowie den Berlin-Brandenburg-Teil zwischen Politik und Wirtschaft. Sonnabends enthält die Zeitung einen Teil mit Autoanzeigen sowie einen Immobilienteil. Sonntags erscheint neben dem Stellen- und Reisemarkt die Magazinbeilage Sonntag, die stets ein großes Interview enthält.

Herausgeber und Chefredaktion

Als Herausgeber der Zeitung fungieren derzeit Hermann Rudolph, Giovanni di Lorenzo, Gerd Appenzeller und Pierre Gerckens, Chefredakteure sind Stephan-Andreas Casdorff und Lorenz Maroldt.

Weitere leitende und im Impressum[13] aufgeführte Redaktionsmitglieder sind u. a.:

Weitere bekannte Mitarbeiter

Redakteure


Kolumnisten

Freie Mitarbeiter

Ehemalige

Mitherausgeber, Chefredakteure

  • Hellmuth Karasek – 1996 bis 2004 Mitherausgeber und Feuilletonchef.
  • Günter Matthes – (Kürzel: thes) bildete mit Karl-Heinz Brinkmann und Hans von Przychowski die Redaktionsleitung bis in die beginnenden 1990er Jahre. Er war von 1952 bis zu seinem Tod 1995 Kolumnist („Am Rande bemerkt“) und einer der herausragenden Journalisten in Berlin nach dem Zweiten Weltkrieg.
  • Lothar C. Poll – 1984 bis 1993 Verleger und Herausgeber
  • Günther Rühle – 1990 bis 1995 Feuilletonchef.
  • Hans Scholz – 1963 bis 1976 Feuilletonchef.
  • Wolf Jobst Siedler – war Feuilletonchef.
  • Karl Silex – 1955 bis 1963 Chefredakteur, von vielen als „letzter Chefredakteur der alten Schule“ angesehen

Redakteure

Reporter

  • Günter Prinz – nach dem Krieg Polizeireporter.
  • Jana Simon – 1998 bis 2004, Schriftstellerin und Journalistin.

Volontäre

Autoren

  • Holger Schück – war Sportjournalist, der sich u.a. auch mit dem Thema Doping befasst hat.

Kolumnisten

  • Suzan Gülfirat – machte Ende der 1990er mit der Veröffentlichung eines Kleinen Türkischkurses im Tagesspiegel auf sich aufmerksam, ihr wöchentlicher Gazeteler Rückblick ist eine Art Pressespiegel türkischer Zeitungen in Deutschland.
  • Uwe Johnson – begründete die tägliche Kolumne mit Rezensionen zum Fernsehen der DDR.
  • Klaus Mertes – Rektor des Jesuitengymnasiums Canisius-Kolleg Berlin und Buchautor.
  • Bodo Mrozek – Journalist, Historiker und Buchautor
  • Christian Ulmen – für Beilage über Fußball.


Freie Mitarbeiter

Archiv

Das Online-Archiv des Tagesspiegels ist zum Teil kostenlos zugänglich und enthält Teile der Online-Ausgabe ab 1. Januar 1996. Weitere unter tagesspiegel.de publizierte Artikel können über die Suchmaske eines separaten, kostenpflichtigen Archivs der vom Tagesspiegel den überregionalen „Mantel“ und das Layout nutzenden Potsdamer Neueste Nachrichten abgerufen werden.[14]

Ältere Print-Artikel können zudem kostenpflichtig angefragt werden.[15] Die von Nachrichtenagenturen übernommenen Texte fehlen jedoch.

Literatur

  • Der Tagesspiegel. Zeitung für Berlin und Deutschland. Verl. Der Tagesspiegel, Berlin 1.1945,1 (27. Sept.) ff.

Einzelnachweise

  1. laut IVW, viertes Quartal 2014, Mo–So (Details und Quartalsvergleich auf ivw.eu)
  2. Wolfgang Schivelbusch: Vor dem Vorhang. Das geistige Berlin 1945–1948. München 1995, S. 254 ff.
  3. Frank Kautter: Der Verleger als Erfolgsfaktor der Tageszeitung'', Dissertation an der FU Berlin, 2007, S. 87, Abgerufen am 1. November 2009
  4. Machtwechsel in der Familie Holtzbrinck, meedia.de, 26. März 2009
  5. Der Tagesspiegel hat ab heute eine neue Adresse, Tagesspiegel vom 2. Oktober 2009, Abgerufen am 1. November 2009
  6. Siehe Pressemitteilungen http://www.presseportal.de/pm/52422/1377091/verlagsgruppe_georg_von_holtzbrinck_gmbh; http://www.pressrelations.de/new/standard/result_main.cfm?r=61824&sid=&aktion=jour_pm&quelle=0&n_firmanr_=100515&pfach=1&detail=1&sektor=pm&popup_vorschau=0.
  7. Gutachten der Monopolkommission zur Ministererlaubnis nach Ablehnung durch das Bundeskartellamt (http://www.monopolkommission.de/sg_36/text_s36.pdf, Tz. 86, 121)
  8. http://www.bundeskartellamt.de/wDeutsch/download/pdf/Fusion/Fusion02/B6_98_02.pdf, S. 18
  9. Tagesspiegel bleibt meistzitierte Hauptstadtzeitung. Der Tagesspiegel, 11. Januar 2008, abgerufen am 8. März 2009.
  10. http://www.dnv-online.net/medien/detail.php?rubric=Medien&nr=32196.
  11. Vgl. Vergil, Georgica II, 490: „felix, qui potuit rerum cognoscere causas“ – „Glücklich wer die Ursachen der Dinge hat erkennen können.“
  12. 26th Edition Winners. Society for News Design, 4. März 2005, abgerufen am 8. März 2009 (englisch).
  13. Impressum. Tagesspiegel.de, abgerufen am 8. Juli 2010 (deutsch).
  14. archiv.pnn.de
  15. www.tagesspiegel.de/suche/recherche/

Weblinks

 Commons: Der Tagesspiegel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien


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