Jewiki unterstützen. Jewiki, die größte Online-Enzyklopädie zum Judentum.

Helfen Sie Jewiki mit einer kleinen oder auch größeren Spende. Einmalig oder regelmäßig, damit die Zukunft von Jewiki gesichert bleibt ...

(Spendenkonto siehe Impressum). Vielen Dank für Ihr Engagement!

Armin-Paul Hampel

Aus Jewiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Armin-Paul Hampel (2014)

Armin-Paul Hampel (eigentlich Armin-Paulus Hampel;[1] * 23. Juli 1957 in Bielefeld) ist ein deutscher Journalist, Filmautor und Politiker der rechtspopulistisch-nationalistischen Alternative für Deutschland. Seit 2013 ist er Landesvorsitzender der AfD Niedersachsen und seit 2017 Mitglied des Deutschen Bundestags. Hampel gehört der Goslarer Runde an, einem rechten Parteinetzwerk innerhalb der AfD.[2]

Leben

Journalistischer Werdegang

Hampel begann seine journalistische Karriere als freier Mitarbeiter beim Bonner Generalanzeiger. Für RTL und Sat.1 war er Parlamentskorrespondent in Bonn, bevor er 1991 als Chefreporter zum neu gegründeten MDR wechselte. Ab 1999 war Hampel Parlamentskorrespondent im Gründungsteam des neuen ARD-Hauptstadtstudios in Berlin und von 2003 bis 2008 als Auslandskorrespondent Leiter des Südasien-Studios der ARD in Neu-Delhi. Seitdem ist er freier Produzent und Medienberater. 2013 kehrte er nach Deutschland zurück. Seine Reportage aus Afghanistan für den Westdeutschen Rundfunk erhielt 1998 wegen der nach Ansicht der Teilnehmerinnen des jährlichen Medienfrauentreffens mangelnden Thematisierung von Frauen den von ihnen vergebenen Negativpreis (nach seinem ARD-Kollegen Fritz Pleitgen 1995 und vor Sabine Christiansen 1999) Saure Gurke.[3] Seine ARD-Reportage Indische Höllenfahrt über den Verkehrswahnsinn auf der GrandTrunk Road (Delhi-Kalkutta) wurde 2006 vom Spiegel gelobt: „Ohne überheblichen Unterton, ohne soziale Anklage, ohne dramatisches Getue, … was kann eine Dokumentation mehr leisten?“.[4]

Hampel wurde zweimal für den Tagesthemen-Award der ARD nominiert.

Politik

Im Alter von 16 Jahren war Hampel nach eigener Aussage für einige Wochen Mitglied der Jungen Union.[5][6] 2013 wurde er Mitglied der neu gegründeten Partei Alternative für Deutschland (AfD). Am 23. November 2013 wurde er Landesvorsitzender der AfD Niedersachsen und seitdem zweimal wiedergewählt. Bei der Europawahl 2014 kandidierte er für die AfD auf Listenplatz 9.[7] Seit dem Parteitag vom Juli 2015, auf dem er 59,1 Prozent der Stimmen bekam, ist er als Beisitzer Mitglied des Bundesvorstands der AfD. Bei der Aufstellungsversammlung für die Bundestagswahl 2017 wählten ihn die niedersächsischen Mitglieder mit knapp 90 % zum Spitzenkandidaten.[8] Über die Landesliste wurde er damit in den Bundestag gewählt.[9]

Hampel tritt für eine radikale Reform der Steuer- und Sozialpolitik ein und äußerte unter anderem den Vorschlag, in Syrien und dem Irak Schutzzonen für Flüchtlinge einzurichten, die durch ein robustes Mandat der Vereinten Nationen auch von NATO-Truppen gesichert werden müssen. Ergänzend dazu, so Hampel, sollte Deutschland eine Wehrpflicht für alle irakischen und syrischen Männer im Alter zwischen 18 und 45 Jahren einführen, die, nach einer infanteristischen Ausbildung, zum Schutz dieser Zonen an der Seite ihrer NATO-Kameraden eingesetzt werden können. Er nannte seinen Vorschlag „ungewöhnlich“, aber durchaus „überlegenswert“.[10]

Der ehemalige Journalist bekennt sich als vehementer Kritiker der etablierten Medien, denen er Kritikfähigkeit abspricht sowie Parteilichkeit und zu große Minderheitenfreundlichkeit vorwirft.[11] Hampel besuchte einen Vortrag des rechten Publizisten Jürgen Elsässer und hielt selbst einen Vortrag beim Arbeitskreis für deutsche Politik, der in einem schleswig-holsteinischen Verfassungsschutzbericht mit dem Merkmal „rechtsextreme Bestrebungen“ versehen wurde. Er gehört laut dem Journalisten und Buchautor Andreas Speit zum „weit rechten Klientel der AfD“.[12]

Ermittlungsverfahren

Hampel wurden finanzielle Ungereimtheiten innerhalb seines Landesverbandes vorgeworfen. Der damalige Landesschatzmeister Bodo Suhren behauptete, es hätten Belege zu von Hampel getätigten Ausgaben für Kamera-Equipment gefehlt. 2013 fertigte Hampel im Auftrag der AfD Niedersachsen ein Videoporträt über den damaligen Parteichef Bernd Lucke an. Hampel wurde vorgeworfen, für diese Tätigkeit doppelt Geld verlangt und erhalten zu haben. Aufgrund dieser Vorwürfe wurde im Frühjahr 2017 von einem ehemaligen AfD-Mitglied bei der Staatsanwaltschaft Lüneburg Strafanzeige gegen Hampel wegen des Verdachts auf Untreue und Steuerhinterziehung gestellt.[13]

Im September 2017 wurde Hampel von AfD-Bundesvorstandsmitglied Bodo Suhren, dem stellvertretenden AfD-Bundesschatzmeister, wegen Beleidigung, übler Nachrede, Verleumdung sowie übler Nachrede und Verleumdung gegen Personen des politischen Lebens angezeigt. Hampel hatte Suhren am 19. August 2017 vorgeworfen, eine Finanzkonstruktion geschaffen zu haben, die den niedersächsischen AfD-Landesverband nicht lebensfähig erhalten hätte, und Suhren die Absicht zugeschrieben, besagtem Landesverband zu schaden. Suhren bezeichnete Hampels Angaben als „freche Lügen“.[14]

Am 9. Oktober 2017 wurden Hampels Haus und eine Geschäftsstelle der AfD Niedersachsen von der Staatsanwaltschaft Lüneburg wegen Verdachts auf Betrug zum Schaden seiner Partei durchsucht.[15] Die Ermittlungen wurden allerdings bereits wenige Tage später eingestellt, da sich der Verdacht nicht bestätigt hatte.[16] Die Ermittlungen seien eingestellt worden, „da die Durchsuchung zum Auffinden entlastenden Beweismaterials geführt hatte“, hieß es in einer Erklärung der Staatsanwaltschaft. Sie führte weiter aus: „Soweit zunächst ein Anfangsverdacht gegen Armin Paulus Hampel bestand, hat sich dieser durch die unter allen rechtlichen Gesichtspunkten geführten und schnellstmöglich abgeschlossenen Ermittlungen nicht bestätigt“.[17] Hampel selbst wertete die Hausdurchsuchung als politische Kampagne. Er mutmaßte, die damalige Justizministerin Niedersachsens Antje Niewisch-Lennartz (Die Grünen) habe versucht, durch „Missbrauch der Justiz“ missliebige Parteikonkurrenz auszuschalten. Die Staatsanwaltschaft habe die Möglichkeit gehabt, ihn stattdessen zu einem Gespräch vorzuladen und ihm so zu ermöglichen, die benötigten Unterlagen vorzulegen. Die zeitliche Übereinstimmung zwischen der Hausdurchsuchung und der Landtagswahl am 15. Oktober 2017 hielt er für auffällig.[18][17]

Familie und Sonstiges

Hampels Eltern waren Heimatvertriebene. Die Mutter stammte aus Königsberg, der Vater aus Breslau. In der Schule wurde er von Lehrern nach eigenen Angaben als „Rucksackdeutscher“ bezeichnet.[19] Er ist Vater von vier Kindern.[20]

Bei der Bundeswehr bekleidet er den Dienstgrad eines Kapitänleutnants der Reserve.[19]

Dokumentarfilme (Auswahl)

  • Typen, Tender und Torpedos SDR (1987)
  • Auftrag Bosnien MDR (1994)
  • Gandhis Enkel – 50 Jahre Unabhängigkeit in Indien ARD (1997)
  • Die Scheckbuch-Maharadschas: Von Südasiens Neu(en)-Reichen ARD (1997)
  • Wo die Spice Girls Pfeffer kriegen ARD (1997)
  • Die Rückkehr der Saris ARD (1998)
  • Gesichter Asiens – Der geliebte Feind (2004)
  • Die indische Höllenfahrt WDR (2005)
  • Wenn die Goetter reden könnten Geheimnisvolle Riten im Himalaja ARD (29. April 2006)
  • Schätze, Schiffe, Maharadschas ARD (2006)
  • Drogen, Terror, Taliban – verlorene Siege am Hindukusch ARD (2007)

Weblinks

 Commons: Armin-Paul Hampel – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. Liste der Wahlbewerber zur Europawahl 2014 auf der Website des Bundeswahlleiters (PDF)
  2. Kurs auf Spitzenposition: Ersatz für Petry - Björn Höcke will AfD-Parteivorstand werden, Focus, 7. Oktober 2017
  3. Saure Gurke: Gewinner
  4. Die indische Höllenfahrt. In: Der Spiegel. Nr. 1, 2006, S. 77 (online).
  5. Junge Freiheit: „Das hat mich erschüttert“, 21. März 2014
  6. Hannoversche Allgemeine: AfD-Chef Niedersachsens. Hampels Sorge um die Heimat, 6. Januar 2015, Abgerufen 1. Februar 2015
  7. AfD Niedersachsen: Armin-Paul Hampel auf Platz 9 gewählt, 1. Februar 2014. (Link nicht mehr abrufbar)
  8. Klaus Wieschemeyer: Hampel wird AfD-Spitzenkandidat in Niedersachsen. In: noz.de. 4. Februar 2017, abgerufen am 22. April 2017.
  9. Dirk Müller: „Risikopotenzial wie in jeder anderen Partei“. In: Deutschlandfunk. 25. September 2017 (Interview).
  10. Frankfurter Allgemeine Zeitung: Niederlage für AfD-Bundesvorstand, 28. November 2015
  11. http://uebermedien.de/4463/weniger-schwule-mehr-glueckliche-familien-das-afd-wunschprogramm-fuer-ard-und-zdf/
  12. Wie "rechts" ist Niedersachsens AfD-Chef Hampel?, ndr.de, 2. April 2017
  13. Die Welt: Streit in AfD Niedersachsen: „Er gebärdet sich zunehmend als Chef-Intrigant der AfD“, 23. April 2017, Abgerufen 23. April 2017
  14. Matthias Kamann: Strafanzeige gegen AfD-Bundesvorstand Hampel aus eigenen Reihen. Welt online vom 2. September 2017
  15. Matthias Kaman, Uwe Müller: Hausdurchsuchung bei AfD-Bundesvorstand Hampel. Welt online vom 9. Oktober 2017
  16. Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungsverfahren gegen Hampel ein. Welt online, 13. Oktober 2017
  17. 17,0 17,1 Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungen gegen Paul Hampel ein, Spiegel Online, 13. Oktober 2017
  18. AfD-Landeschef wertet Hausdurchsuchung als politische Kampagne, WeltN24, 10 Oktober 2017.
  19. 19,0 19,1 Die Tageszeitung: Ex-Journalist bei der AfD: Der Heimatlose, 24. Oktober 2015
  20. Landesvorsitzender Armin Paul: Der Mann, der die AfD retten möchte, haz.de, 29. Mai 2015


Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Armin-Paul Hampel aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.