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Brit Mila

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Die Brit Mila ist die Entfernung oder teilweise Entfernung der Vorhaut des männlichen Glieds (Zirkumzision) nach jüdischem Brauch.

"Alles, was männlich ist unter euch, muss beschnitten werden" (1. Mose 17,10). Nach acht Tagen muss der Vater gegenüber seinem Sohn seine erste Pflicht erfüllen: die Beschneidung des Neugeborenen.

Der Zeitpunkt der Beschneidung

Die Beschneidung muss am achten Tag stattfinden, auch am Schabbat, sogar am Versöhnungstag - ausser es bestehen Zweifel, an welchem Tag genau das Kind geboren wurde. Auch wenn es zu wenig wiegt, wenn es an Gelbsucht erkrankt ist oder wenn der Arzt die Beschneidung vorübergehend aus irgendeinem anderen Grund untersagt. Das Gebot, ein Leben zu erhalten, ist wichtiger als jedes andere Gebot der Tora. Wurde die Beschneidung wegen einer Erkrankung aufgeschoben, die sich auf den ganzen Körper des Säuglings ausgebreitet hat, wird die Beschneidung erst sieben Tage später vollzogen, wenn er wieder gesund ist: In diesem Fall gilt der Tag, an dem er gesund geworden ist, als der Tag, an dem er geboren wurde, und deshalb wartet man mit der Beschneidung noch sieben weitere Tage. Ist der Säugling dagegen nur an einer bestimmten Körperstelle erkrankt, wartet man keine sieben Tage mit der Beschneidung, sondern nimmt sie vor, sobald er gesund ist. Selbstverständlich findet eine solche aufgeschobene Beschneidung weder an einem Sabbat noch Feiertag statt. Die Beschneidung findet tagsüber, idealerweise am Vormittag oder bis zur Mittagszeit, statt. Es ist ein alter Brauch, die Beschneidung in der Synagoge durchzuführen, und zwar sofort nach dem Morgengebet.

Die Beschneidung als Zeichen

Der Akt des Beschneidens wird als "Berit", als Bund bezeichnet, da er das "Zeichen des Bundes" ist, das dem männlichen jüdischen Körper aufgedrückt wird. In der Beschreibung, wie Abraham erst sich selbst und dann seinen Sohn beschnitt, wird das Wort "Bund" nicht weniger als dreizehnmal verwendet. Das Zeichen der Beschneidung ist weder zeitlich noch räumlich begrenzt. Von seinem achten Lebenstag an trägt jeder Jude dieses Zeichen des Bundes an seinem Körper, von dem er sich nie wieder trennt. Kein anderes Zeichen hat in der Geschichte Israels die Besonderheit des Volkes Israel so gut bewahrt und Assimilierung und Verunreinigung verhindert wie das Zeichen der Beschneidung. Die Weisen haben ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es im Laufe der jüdischen Geschichte zwar immer wieder Juden gegeben hat, die das Befolgen der Toragebote ablehnten, das Volk als Ganzes in allen Generationen jedoch der Beschneidung treu geblieben ist. Es gab auch viele, die um der Erfüllung dieses Gebotes willen den Tod auf sich nahmen. Selbst in besonders schweren Zeiten, als es klar war, dass ein Jude anhand der Beschneidung identifiziert werden konnte, akzeptierten die Juden die Gefahr und verzichteten trotzdem nicht darauf, ihre Söhne zu beschneiden.

Der Vorgang der Beschneidung

Die Beschneidung findet in Gegenwart von zehn Personen statt. Kurz darauf wird eine Mahlzeit gegessen, die sogenannte Pflichtmahlzeit, die ein fester Bestandteil jeder Beschneidungszeremonie ist. Wegen der Bedeutung dieser Pflichtmahlzeit nach der Beschneidung werden keine Gäste eingeladen: Es wäre einfach unmöglich, einer Einladung zu einer so freudigen Pflichtmahlzeit nicht nachzukommen. Aus diesem Grund teilt man lediglich mit, wann und wo das Ereignis stattfinden soll. Die Beschneidungszeremonie selbst besteht aus drei Phasen, die der Mohel, ein erfahrener [gefragte Mohalim haben eine grosse Routine und viel Sachverstand, was nicht zuletzt daran erkannt werden kann, dass auch die britischen Royals, die traditionell beschnitten wurden, dies durch Mohalim und nicht etwa durch Ärzte durchführen liessen] und gottesfürchtiger Mann, der von den zuständigen Behörden die entsprechende Genehmigung zum Ausüben dieser Handlung erhalten hat, schnell hintereinander durchführt: Beschneiden, Zurückschieben und Schröpfen. Wegen der Bedeutung dieses Gebotes werden die einzelnen Handlungen unter mehrere Personen aufgeteilt. Die erste Ehre wird den so genannten Schuschbinim, den "Gevattern", zuteil (manchmal aus praktischen Gründen identisch mit dem Sandak, dem "Paten"). Dafür wählt man im Allgemeinen ein Ehepaar, ein junges Paar, dessen Heirat kurz bevor steht, oder ein Geschwisterpaar. Die Frau nimmt den Säugling aus den Armen seiner Mutter entgegen, und sie betritt mit ihm das Haus oder die Synagoge oder auch den Saal, in dem die Zeremonie stattfinden soll. Dort überreicht sie ihn dem Gevatter, der ihr Ehemann, Partner oder Bruder ist. Die Gevatter geben den Säugling am Ende der Zeremonie auch seiner Mutter zurück. Eine weitere Ehre ist es, den Säugling auf den Stuhl des Propheten Elia zu legen, der in dem Saal steht, in dem die Beschneidung gleich durchgeführt wird. Die Tradition ist bis heute lebendig, dass der Prophet Elia als unsichtbarer Zeuge anwesend ist, wenn ein Kind dem Bund Abrahams zugeführt wird. Die grösste Ehre wird dem Sandak, dem Paten, zuteil (dieses Wort kommt aus dem Griechischen und bedeutet Stützen; eine andere Bezeichnung für den Sandak ist auch: Baal Berit): Der Pate - hierfür kommen vor allem die Grossväter, aber auch andere, in Betracht - hält das Kind während der Beschneidung auf den Knien. Das Amt des Sandak gebührt, wenn er noch lebt, dem Grossvater des Kindes. Die Beschneidungszeremonie selbst lässt zu zahlreichen Ehren gelangen: das Kind vom Stuhl Elias nehmen, die Segenssprüche sagen, den Namen des soeben Beschnittenen laut sagen, das Kind während der Segenssprüche im Arm halten - jedesmal wird die Ehre einem anderen Gast oder Verwandten zuteil. Wird das Kind in den Saal getragen, stehen alle auf und sagen: "Möge das ganze Volk den Bund halten", und alle segnen es laut: "Gesegnet, der da kommt". Danach wird das Kind zu seinem Vater gebracht , der es im Arm hält und mehrere Verse sagt, die die anderen Anwesenden wiederholen. Anschliessend wird der Säugling auf den Stuhl Elias gelegt. Der Mohel bittet jetzt den Vater um Erlaubnis, seinen Sohn beschneiden zu dürfen und ihn zu seinem Vertreter zu ernennen; denn eigentlich obliegt diese Pflicht dem Vater, und nur, weil er nicht in der Lage ist, sie fachgerecht und schonend auszuführen, beauftragt er den Mohel mit der Durchführung. Das Kind wird dem Paten auf die Knie gelegt, und der Mohel führt unter Segenssprüchen die Beschneidung durch. Der Vater sagt den Segensspruch: "Gelobt seist du, Ewiger, unser Gott, König der Welt, der du uns geheiligt durch deine Gebote und uns befohlen, den Sohn in den Bund unseres Vaters Abraham aufzunehmen" - und weiter: "Gelobt seist du, Ewiger, unser Gott, König der Welt, der du uns hast Leben und Erhaltung gegeben und uns hast diese Zeit erreichen lassen." Und die Gemeinde, die um ihn herum steht, sagt den Segensspruch: "Amen! Wie er in den Bund eingeführt worden, so möge er in die Tora, in die Ehe und in die Ausübung guter Werke eingeführt werden." Die Vorhaut (Orla) wird in einen Behälter mit Sand oder Asche gegeben, der schon vorher bereitgestellt wurde, dem Vers entsprechend: "Deine Nachkommen werden zahlreich sein wie der Staub auf der Erde." Und jetzt folgen wieder Segenssprüche. Ein Gast hält den Säugling im Arm, und ein anderer Gast, oder auch der Mohel, hält einen Kelch Wein in der Hand und sagt zwei verschiedene Segenssprüche. Der die Benediktion sagt, verkündet den Namen des Neugeborenen entsprechend den Anweisungen des Vaters, der neben ihm steht. Das Recht, einen Namen für das Kind zu wählen, hat seine Mutter. Es ist im Allgemeinen üblich, dem Kind den Namen eines verstorbenen Grossvaters oder eines anderen Familienangehörigen zu geben, dessen Andenken bewahrt werden soll. In sefardisch-orientalischen Gemeinden ist es üblich, dem Kind den Namen seines Grossvaters zu geben, selbst wenn er noch lebt, und das gilt als ein grosses Vorrecht. Die Beschneidungszeremonie findet statt, während alle Teilnehmer, wie Pate, Gevatter und die anderen, in ihren Tallit gehüllt sind. Nachdem der Pate aus dem Glas getrunken hat, über das der Segensspruch gesagt wurde, lässt er auch den soeben beschnittenen Säugling davon kosten, wie er es schon vorher tat, als er das "In deinem Blut sollst du leben!" sprach. Nach dem Kaddisch (Kaddisch der Waisen) beginnt die Mahlzeit, für die ein besonderes liturgisches Gedicht verfasst wurde, dessen letzter Vers als Kehrreim gesungen wird.

Friedensgruss dem männlichen Kind

Am Schabbatabend nach der Geburt eines Sohnes versammelt man sich, noch vor seiner Beschneidung, zu einer besonderen Mahlzeit, der "Friedensgruss dem männlichen Kind"-Mahlzeit, die ihren Namen dem Friedensbund verdankt, mit dem man den neugeborenen Sohn begrüsst. Eine Sage aus dem Talmud erzählt, dass, sobald ein Kind auf die Welt kommt, ihm ein Engel leicht auf den Mund schlägt, so dass er den ganzen Talmud vergisst - damit er später aus eigener Kraft Wissen erwirbt. Als Ausdruck des Bedauerns, dass der schon völlig bereite Talmud vergessen wurde, isst man bei dieser Mahlzeit Linsen und Erbsen, die sonst im Allgemeinen Trauernden serviert werden. Ein weiterer Brauch ist es auch, kleine Kinder um das Bett des noch nicht beschnittenen Säuglings zu versammeln und mit ihnen das "Höre Israel" zu lesen, damit der Säugling schon von Anfang an an die Last der Gebote gewöhnt wird. Weiterhin ist es üblich, in der Nacht vor der Beschneidung zu wachen und sie mit dem Torastudium zu verbringen.

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