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Hilden

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Hilden (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Hilden
Hilden
Deutschlandkarte, Position der Stadt Hilden hervorgehoben
51.1713888888896.939444444444450
Basisdaten
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Regierungsbezirk: Düsseldorf
Kreis: Mettmann
Höhe: 50 m ü. NN
Fläche: 25,96 km²
Einwohner:

55.441 (31. Dez. 2010)[1]

Bevölkerungsdichte: 2136 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 40721, 40723, 40724
Vorwahlen: 0 2103
Kfz-Kennzeichen: ME
Gemeindeschlüssel: 05 1 58 016
Stadtgliederung: 8 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Am Rathaus 1,
40721 Hilden
Webpräsenz: www.hilden.de
Bürgermeister: Horst Thiele (SPD)
Lage der Stadt Hilden im Mettmann
Datei:Hilden Eisengasse.JPG
Reformationskirche und Fachwerkhäuser: Hildens Siedlungskern ist teilweise erhalten.

Die Stadt Hilden liegt im Bundesland Nordrhein-Westfalen, Deutschland, und ist eine mittlere kreisangehörige Stadt des Kreises Mettmann im Regierungsbezirk Düsseldorf. Hilden bildet den Knotenpunkt zwischen vier nordrhein-westfälischen Großstädten: Düsseldorf, Wuppertal, Solingen und Köln.

Geographie

Hilden liegt 10 km westlich der Stadt Solingen und 15 km südöstlich der Landeshauptstadt Düsseldorf und ist mit knapp 57.000 Einwohnern die viertgrößte Stadt im Kreis Mettmann. Das Stadtgebiet grenzt im Norden an Erkrath, im Nordosten an Haan, im Osten und Südosten an Solingen, im Süden an Langenfeld und im Westen an Düsseldorf. Der größte Teil der Stadt liegt auf einer Niederterrasse, die den Übergang vom Niederrhein in das Bergische Land markiert. Während der im Westen gelegene Bahnhof auf 48 Meter über Normalnull liegt, erhebt sich der höchste Punkt der Stadt, der Jaberg an der Grenze zu Haan, bereits auf 106 Meter. Durch das nach Osten ansteigende Relief ergeben sich Niederschlagsmengen, die mit über 800 mm pro Jahr bereits relativ hoch ausfallen.

In einer der dichtest besiedelten Städte Deutschlands sind Frei- oder Grünflächen extrem knapp. Hilden hat ein in sich stark geschlossenes Stadtgebiet, das von Autobahnen umgeben ist. Vororte oder eingemeindete Gebiete gibt es nicht, die Bevölkerungsdichte ist daher relativ hoch. Das größte unbebaute Gebiet ist der Hildener Stadtwald im Nordosten, nachdem die Giesenheide, eine der letzten großen Flächen im Hildener Norden, für die Bebauung freigegeben wurde. Da sich die Stadt sternförmig in die Haupthimmelsrichtungen ausgedehnt hat, sprechen die Hildener gemeinhin von Mitte, Nord, Süd, Ost und West, wenn sie ihre Wohngegend benennen möchten. Die teilweise in Registern geführten landschaftlichen Bezeichnungen (Meide, Karnap, Trotzhilden etc.) waren nie mehr als Flurnamen oder Einzelhöfe und werden daher meist nicht in der Bedeutung von Stadtteilen verwendet.

Geschichte

Mittelalter

Die erste urkundliche Erwähnung fand Hilden in einer Urkunde vom 3. Oktober 1074 durch den Kölner Erzbischof Anno II.. In der Urkunde heißt es Erzbischof Everger von Köln habe während seiner Amtszeit dem Kölner St. Kunibert Stift einen Zehnt aus dem Wald Hilden entzogen. Everger amtierte von 985-999.

Hilden wird in frühen Urkunden 1074 „Heldein“, 1176 „Helethen“ und 1179 „Helede“ genannt. Man nimmt an, dass dem Namen das mittelniederdeutsche Wort „helde“ zugrunde liegt. Danach hieße Hilden „an der Halde“, „am Abhang“, „eine Rodung an der Lichtung am Walde“.[2]

Der Adelssitz Haus Horst in Hilden, ursprünglich eine Wasserburg und Rittergut, wurde gegen Ende des 11. Jahrhunderts errichtet und gehörte wie die Ortschaft Hilden zusammen mit Haan über Jahrhunderte zum Einflussbereich des Kölner Erzstiftes. Die bergischen Grafen und Herzöge hatten ab etwa 1257 zwar einige Schutzvogtsrechte, Landesherr war aber der Kölner Erzbischof. Dieses führte über Jahrhunderte immer wieder zu Rechtsstreitigkeiten.[3] Erst 1802 endete diese Zuordnung zum Kölner Erzstift. 1803 wurde Hilden Gemeinde im Herzogtum Berg.

Während des Mittelalters blieb der Flecken abgesehen von den Streitigkeiten zwischen den Erzbischöfen und dem Grafen von Berg jahrhundertelang unbedeutend. Im 13. Jahrhundert wurde die romanische Kirche (heute: Reformationskirche) errichtet, die gemessen an der damaligen Einwohnerzahl von wenigen Hundert eine beachtliche Größe erreichte. Der Bereich um die Kirche herum, einschließlich des Marktes, stellt den ältesten Siedlungskern dar.

Neuzeit

In der Zeit der Reformation traten die meisten Hildener Bürger zum Calvinismus über. Heute liegen Protestanten und Katholiken zahlenmäßig nahezu gleichauf, was für das Rheinland ein relativ ungewöhnlicher Fall ist. Hier zeigten sich deutliche Einflüsse aus dem mehrheitlich protestantisch orientierten Bergischen Land, zu dem Hilden gleichwohl nur für kurze Zeit gehörte. Dies macht sich beispielsweise im völligen Fehlen typisch katholischer Objekte wie Bilderstöcke, Wegkreuze o. ä. im Stadtgebiet bemerkbar.

Hilden mit Haan waren die einzigen Gemeinden, die im Gegensatz zu allen umgebenden Gemeinden ab 1360 nicht dem Amt Monheim und dem Hauptgericht Kreuzberg hinsichtlich ihrer zuständigen Landgerichte unterstanden.[4] Dies änderte sich erst später. Von 1806 bis 1813 bestand ein Großherzogtum Berg unter französischer Herrschaft. Großherzog Joachim Murat regelte in einem Dekret vom 13. Oktober 1807 die kommunalen Zuständigkeiten in seinem Großherzogtum neu. Das bisherige Amt Monheim wurde durch den Kanton Richrath ersetzt. 1808 gehörte zu diesem Kanton als eine der vier Munizipalitäten auch Hilden zusammen mit Eller an.[5] Da Haan einer anderen Munizipalität zugeordnet wurde, endete zu diesem Zeitpunkt auch die jahrhunderte dauernde Gemeinschaft von Haan und Hilden.

Nach Ende der französischen Herrschaft wurde unter preußischer Verwaltung das Generalgouvernement Berg gebildet. Die französische Verwaltungsstruktur wurde aber beibehalten. Am 15. April 1814 wurde vom preußischen Generalgouverneur die Bildung der Samtgemeinde Benrath verfügt. Die Landgemeinde Hilden, in dieser waren damals die Kirchspiele Hilden und Eller zusammengefasst, war neben weiteren Landgemeinden im heutigen Düsseldorfer Süden Bestandteil dieser Gesamtgemeinde.[6][7] Als am 30. April 1815 die preußische Provinz Jülich-Kleve-Berg gebildet wurde, änderten sich diese kommunalen Verhältnisse nicht. 1842 schieden Eller und Hilden aus dem Verbund aus und wurden selbständige Gemeinden.[7]

Nach Aufhebung der gemeinsamen Verwaltung von Benrath und Hilden wurde der bisherige Bürgermeister von Burg an der Wupper, Eduard Freiherr von Wittenhorst-Sonsfeld, durch die Düsseldorfer Bezirksregierung zum ersten Hildener Bürgermeister ernannt. Im Herbst 1845 schied er auf eigenen Wunsch aus dem Amt.

Im Oktober 1846 ernannte die Bezirksregierung den damals 27-jährigen Hermann Clemens zum Hildener Bürgermeister. Als später eine neue Gemeindeordnung zum ersten Mal die Wahl des Bürgermeisters durch den Gemeinderat vorschrieb, erhielt Clemens nicht mehr die Mehrheit der Stimmen und verließ den Ort. Anschließend wurde er zunächst in Grimlinghausen und dann in Issum Bürgermeister.

In seine Amtszeit fällt die Bildung einer Bürgerwehr (1848). Die erste öffentliche Sitzung des Gemeinderates fand 1849 statt. Hilden hatte 1850 nur 3.600 Einwohner.

Am 18. November 1861 erhebt König Wilhelm von Preußen die Gemeinde Hilden zur Stadt. Die Gemeinde Eller wird gleichzeitig von Hilden abgetrennt.

Im Oktober 1865 wählte die Stadtverordnetenversammlung Joseph Johann Pabst, den bisherigen Kreissekretär in Simmern, zum Bürgermeister. Nach Ablauf der 12-jährigen Amtszeit lehnte die Mehrheit des Stadtrats seine Wiederwahl ab. Pabst verließ Hilden und wurde 1878 Bürgermeister in Wankum.

In seiner Amtszeit wurde das Schulwesen ausgebaut: 1870 wurde eine Höhere Knabenschule, die sogenannte Rektoratsschule gegründet; außerdem wurden 1872/1873 je eine evangelische und eine katholische Schule an der Richrather Straße errichtet.

1874 erfolgte der Ankauf eines Gebäudes an der Mittelstraße zur Benutzung als Rathaus.

1874 erhielt Hilden einen Eisenbahnanschluss (Strecke Opladen-Düsseldorf).

1875 hatte Hilden eine Einwohnerzahl von nur 6.800.

Im Oktober 1877 wurde Gustav Wachtel, Major a. D. und bisher Bürgermeister von Dormagen, durch die Stadtverordnetenversammlung mit 11 von 18 Stimmen zum Bürgermeister von Hilden gewählt. Seine Wiederwahl erfolgte 1889, diesmal einstimmig. Er starb am 3. Dezember 1894 im Alter von 64 Jahren. Wachtel ist der einzige im Dienst verstorbene Hildener Bürgermeister.

1879 erhielt Hilden eine Außenstelle des Amtsgerichts Gerresheim.

1882 wurde der Neubau der St Jakobus-Kirche eingeweiht, der 1872 begonnen wurde. Das neue Gebäude tritt an die Stelle der 1745 erbauten katholischen Kirche.

Am 19. März 1890, dem St. Josefstag, wurde das erste (katholische) Krankenhaus an der Schützenstrasse eröffnet. 1891 wurde auch der Bau einer katholischen Schule an der Düsseldorfer Straße und einer evangelischen an der Walder Straße abgeschlossen.

1884 kaufte die Stadt Hilden das Gaswerk an der Kirchhofstraße.

Bedeutend für die Infrastruktur war auch die Pflasterung der Mittelstraße, die 1888 erfolgte.

1894 wurde die Eisenbahnstrecke Düsseldorf-Hilden-Solingen in Betrieb genommen.

Einen gewaltigen Schub an Einwohnern und wirtschaftlicher Bedeutung erhielt Hilden mit der Industrialisierung. Entlang der Itter, die Hilden durchzieht, siedelten sich schon früh Betriebe der Textilindustrie an. Später folgten Lederindustrie und metallverarbeitende Betriebe, schließlich auch die chemische Industrie und der Stahlbau. Der Aufschwung führte dazu, dass Hilden bereits 1861 Stadtrechte erlangte. Es folgten der Bau von Straßenbahnlinien, die Einrichtung öffentlicher Beleuchtung und des Krankenhauses. 1900 zog die Stadtverwaltung in ein großzügiges Rathaus um und Hilden bekam sein Stadtwappen, das bis heute unverändert geblieben ist.

Karl Wilhelm Heitland, bisher Bürgermeister von Bergneustadt, trat nach einstimmiger Wahl am 28. Januar 1896 seinen Dienst in Hilden an. 1907 erfolgte seine einstimmige Wiederwahl. Im Februar 1920 legte er nach 24-jähriger Amtszeit, der längsten aller hauptamtlichen Hildener Bürgermeister (abgesehen von Bürgermeisterin Ellen Wiederhold, siehe unten), seine Amtsgeschäfte nieder.

1898/1899 erfolgte die Inbetriebnahme der Straßenbahnlinien nach Benrath, Ohligs und Vohwinkel. 1900 wurde das neue Hildener Rathaus eingeweiht. 1902 erwarb die Stadt Hilden den Stadtwald aufgrund einer testamentarischen Schenkung des Beigeordneten Lieven. 1910 folgte die Gründung einer Realschule in Hilden.

Am Ende des Ersten Weltkriegs wurde Hilden von alliierten Truppen besetzt. 1918 kam es auch zur Bildung eines Arbeiter- und Soldatenrates. Hilden zählte 1920 19.700 Einwohner.

Die rasante Industrialisierung führte zu verstärkter Zuwanderung, so dass sich neben dem alteingesessenen Bürgertum zunehmend ein breites industrielles Proletariat bildete. In den zwanziger Jahren, als Hilden auf über 20.000 Einwohner angewachsen war, zeigte sich eine Dreiteilung in gänzlich verschiedene und unversöhnlich gegenüber stehende politische Lager: Die Arbeiterklasse war kommunistisch geprägt und verschaffte der KPD regelmäßig Wahlergebnisse von über 30 Prozent. Ein weiteres Drittel wählte Zentrum, während das restliche Drittel in viele verschiedene Strömungen aufgespalten war. Die SPD wurde nach der Abspaltung der USPD im Ersten Weltkrieg bei den ersten Reichstagswahlen mit einem reichsweiten negativen Rekordergebnis bedacht und zur Ein-Prozent-Partei degradiert. Später pendelte sie sich zwischen acht und zehn Prozent ein. Erstaunlich hohe Ergebnisse erzielten rechtsliberale Splittergruppierungen, wie zum Beispiel die Wirtschaftspartei.

Im Mai 1920 trat der durch die Stadtverordnetenversammlung gewählte bisherige Beigeordnete in Oberhausen Dr. Erich Lerch sein Amt als Hildener Bürgermeister an. Ende 1931 wurde er für weitere 12 Jahre wiedergewählt, ließ sich jedoch nach der nationalsozialistischen Machtergreifung bereits zum 1. November 1933 auf eigenen Wunsch in den Ruhestand versetzen.

Während seiner Amtszeit erfolgte 1923 die Umwandlung der Helmholtz-Realschule in eine Oberrealschule. 1927 wurde ein Heimatmuseum eingerichtet.

1926 ging auch in Hilden die alliierte Besetzung zu Ende.

1928/1929 konnte Hilden die Eingemeindungswünsche der Städte Düsseldorf und Solingen abwehren und seine Eigenständigkeit behaupten.[8]

NS-Zeit und Zweiter Weltkrieg

Während der Weltwirtschaftskrise spitzte sich das politische Klima zu. Die NSDAP erhielt zwar deutlich geringere Stimmenanteile als im Reichsdurchschnitt, lieferte sich aber mit den kommunistischen Gruppierungen regelmäßige Straßenschlachten, für die sogar Gesinnungsgenossen beider Seiten aus umliegenden Gemeinden herbeigeholt wurden. Diese „Blutsonntage“ forderten regelmäßig Verletzte und selbst Tote auf beiden Seiten und unter den Polizeikräften. Als schließlich die nationalsozialistische Machtergreifung folgte, tobten sich die SA-Trupps in Hilden brutal aus.

Ein besonders schändliches Fanal erfolgte in der Reichspogromnacht vom 9. November 1938, als in Hilden die SA gezielte Jagd auf jüdische Bürger betrieb. Während die Zahl der Todesopfer im gesamten Reich etwa 100 betrug, kam Hilden allein auf sieben, was die höchste Zahl an Todesopfern war in Relation zur Einwohnerzahl aller Städte im Deutschen Reich. In der Gesamtzahl wurde es nur noch vom weitaus größeren Innsbruck übertroffen. Erst in den achtziger Jahren ließ der Stadtrat einen Gedenkstein für die Opfer des 9. November errichten. Die Ereignisse des 9. November 1938 in Hilden wurden von Manfred Franke in dem Roman "Mordverläufe"[9] verarbeitet.

Walter Schomburg, vorher Bürgermeister in Radevormwald und seit April 1933 im einstweiligen Ruhestand, wurde durch die Bezirksregierung im November 1933 zunächst kommissarisch und im Februar 1934 endgültig als Bürgermeister in Hilden eingesetzt. Am 23. April 1945 enthebt die amerikanische Besatzungsbehörde ihn seines Amtes.

Während seiner Amtszeit kommt es auch in Hilden zum Kirchenkampf, der 1934 zur Spaltung der evangelischen Gemeinde der Stadt führt.

Bedeutende Bauvorhaben wurden realisiert: 1935 erfolgte die Eröffnung des Autobahnteilstücks Köln-Hilden, 1938 wurde der Neubau des St.-Josef-Krankenhauses abgeschlossen, ebenfalls 1938 wurde die Waldkaserne eröffnet.

Neueste Entwicklung

Von Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg blieb Hilden weitgehend verschont. Am 16. April 1945 wurde Hilden von amerikanischen Truppen besetzt, die die Stadt am 15. Juni 1945 Einheiten der britischen Rheinarmee übergaben. Die britische Garnison wurde in der 1937 erbauten Hildener Waldkaserne untergebracht. Außerdem wurden für die britischen Einheiten und deren Familien eigens mehrere Siedlungen errichtet.

Das Verhältnis der Hildener zur englischen Besatzungsmacht war im großen und ganzen gut. Mit der Aufnahme der BRD in die NATO wurden ja auch aus den britischen Besatzern plötzlich Verbündete, mit denen sich freundschaftliche Beziehungen entwickelten. 1951 wurde das Waldschwimmbad durch die Besatzungsmacht freigegeben. Besonders schätzten die Hildener in den 1960er Jahren die Teilnahme eines englischen Musikkorps an den Karnevalsumzügen. Im März 1968 verließ die letzte britische Einheit die Hildener Kaserne, die darauf von der Bundeswehr übernommen wurde.

Am 27. April 1945 wurde von der amerikanischen Besatzungsbehörde der Wirtschaftstreuhänder Hermann Sayn zum Bürgermeister bestellt. Im Februar 1946 wechselte Sayn in das neugeschaffene Amt eines Stadtdirektors.

Bereits wenige Monate nach Kriegsende - im September/Oktober 1945 - erfolgte die Gründung bzw. Neugründung politischer Parteien. Am 15. Februar 1946 setzte die britische Militärregierung einer Stadtvertretung ein. Am 15. September 1946 fand die erste freie Kommunalwahl nach dem Kriege statt. Am 6. Dezember 1946 trat eine neue Gemeindeverfassung in Kraft, die auch für Hilden bestimmend wurde.

Am 15. Februar 1946 wurde der Kaufmann Otto Goldhorn (CDU) von der durch die Militärregierung eingesetzten Stadtvertretung zum ersten ehrenamtlichen Bürgermeister gewählt. Im September 1946 erfolgte seine Wiederwahl durch die erste nach dem Kriege frei gewählte Stadtvertretung. Im August 1948 legte Goldhorn sein Amt aus beruflichen Gründen nieder.

Nach dem Amtsverzicht seines Vorgängers wurde der Handelsvertreter Franz Klems (CDU) am 14. August 1948 durch die Stadtvertretung zum Bürgermeister gewählt, er übte dieses Amt jedoch nur knapp zwei Monate aus bis zu den Kommunalwahlen im Oktober 1948.

Am 1. April 1947 fand eine Protestkundgebung gegen den Hunger statt. Im Oktober 1947 wurden sechs Hildener Firmen für die Demontage-Liste benannt.

Nach der Kommunalwahl im Oktober 1948, der zweiten nach dem Kriege, wurde der Sparkassendirektor i.R. Otto Köster (CDU) vom Rat der Stadt zum Bürgermeister gewählt. Er wurde im Dezember 1950 und im November 1951 wiedergewählt.

Unmittelbar nach Kriegsende strömten verstärkt Heimatvertriebene, vor allem aus Schlesien, in die Stadt, so dass die Bevölkerung in kürzester Zeit auf über 30.000 (1952) hochschnellte. Die durch die Zuwanderungen verursachte Wohnungsnot wurde durch rege Bautätigkeit behoben, in Hilden war ein jahrzehntelanger Bauboom zu verzeichnen. Für Vertriebene und Umsiedler wurden vor allem im Süden der Stadt neue Siedlungen errichtet, in den siebziger Jahren folgten weitere Neubebauungen im Norden und im Osten.

Im Oktober 1952 wurde der erste Fernsehen in Hilden ermöglicht. Das heimische Fernsehen machte dem Kino zunehmende Konkurrenz.

Das erste Kino, das spätere "Gloria" an der Mittelstraße 37, wurde 1910 eröffnet, 1919 folgte das spätere "Alhambra" an der Gabelung und schließlich 1951 das "Corso", heute "Lux-Lichtspiele", an der Benrather Strasse 20. "Alhambra" und "Gloria" wurden in den 1970er Jahren nacheinander geschlossen. Nur die "Lux-Lichtspiele" existieren noch und planen durch Modernisierung und Umstellung auf 3-D Vorstellungen auch in Zukunft Kino-Begeisterte anzuziehen.[10]

Am 21. November 1952 wurde Robert Gies (SPD) durch den Rat der Stadt zum Bürgermeister gewählt. Schon 1933 hatte Gies dem Stadtrat angehört und war damals von Nationalsozialisten schwer misshandelt worden. Als Bürgermeister wird Gies mehrfach wiedergewählt. Bei der Wahl im November 1969 unterlag er jedoch knapp.

1961/1962 wurde die historische Straßenbahn (siehe unten) eingestellt und der öffentliche Verkehr auf Busbetrieb umgestellt.

Der Bevölkerungszunahme gemäß wurden 1966 und 1968 neue Friedhöfe im Süden und Norden der Stadt angelegt.

Hilden gewann an kommunaler Bedeutung durch die Eröffnung des Instituts für öffentliche Verwaltung am Kolksbruch im Jahre 1968.

Dem politischen Gewicht der Flüchtlinge und Aussiedler aus Schlesien in der rheinischen Stadt Hilden entsprach die Übernahme einer Patenschaft über den Kreis Wohlau im Jahre 1957.

Nach Abzug der britischen Einheiten aus Hilden sollte die 1968 vereinbarte Partnerschaft mit der englischen Stadt Warrington das freundschaftliche Verhältnis zu Großbritannien fördern. Die britische Einheit hält die Erinnerung an ihre Zeit in Hilden auf der Webseite der britischen Rheinarmee mit Fotos und zahlreichen Informationen wach (siehe auch den Wiki-Artikel Waldkaserne). [11]

Am 29. November 1969 wählte der Rat der Stadt die Fabrikantin Dr. Ellen Wiederhold (CDU) zur Bürgermeisterin. In der Folgezeit wird sie noch viermal für eine weitere Amtszeit wiedergewählt. Nach ihrem Ausscheiden aus dem Amt, das sie 25 Jahre hindurch versehen hat und damit länger als alle früheren haupt- und ehrenamtlichen Hildener Bürgermeister, wurde ihr wegen ihrer großen Verdienste um die Stadt im November 1994 das Ehrenbürgerrecht verliehen. Sie starb am 4. September 1995.

Während ihrer Amtszeit erfuhr Hilden einen bedeutenden Entwicklungsschub: wichtige Umstrukturierungen und Fördermaßnahmen für Wirtschaft und Kultur wurden vorgenommen.

1970 wurde die Itter-Regulierung auf dem Hildener Gebiet zum Abschluss gebracht. 1973 erhielt die Stadtsparkasse einen Neubau. 1979 wurde die in der Bevölkerung umstrittene Berliner Straße zur Umgehung der Innenstadt fertiggestellt. 1980 wurde die S-Bahnstrecke Düsseldorf-Flughafen - Hilden - Solingen-Ohligs in Betrieb genommen. 1987 folgte die Freigabe der Osttangente.

1973 zog das Helmholtz-Gymnasium in das Schulzentrum Holterhöfchen um, wo sich bereits je eine Haupt-, Real-und Berufsschule befanden. 1976 bildeten die Städte Hilden und Haan den Volkshochschul-Zweckverband Hilden-Haan.[12]

1986 fand die Einweihung der Bezirkssportanlage am Bandsbusch statt. 1989 wurden das Wilhelm-Fabry-Museum und die Historische Kornbrennerei eröffnet. 1993 erfolgte die Eröffnung des Sport- u. Freizeitbades „Hildorado".

1990 im Zeichen der politischen Wende in Osteuropa wurde ein Partnerschaftsabkommen mit der tschechischen Stadt Nove Mesto abgeschlossen. Drei Jahre später 1993 folgte die Einweihung des Nove-Mesto-Platzes in Hilden.

Im November 1994 wurde Günter Scheib zum Nachfolger von Ellen Wiederhold gewählt. Er war der letzte ehrenamtliche Bürgermeister Hildens. Sein Amt als SPD-Ortsvereinsvorsitzender legte er nieder, um ein "vertrauensvoller Ansprechpartner für alle Bürger zu sein", sagte er damals. Am 26. September 1999 wurde er - diesmal als erster hauptamtlicher Bürgermeister Hildens wiedergewählt. Am 26. September 2004 erfolgte seine Wiederwahl.

Unter seiner Leitung beschloss der Rat der Stadt Hilden am 13. Dezember 2000 die Bereitstellung von 100.000 DM als humanitäre Hilfe für ehemalige Zwangsarbeiter sowie 10.000 DM zur wissenschaftlichen Aufarbeitung zum Thema „Zwangsarbeit in Hilden“.[13]

Am 29. April 2001 erfolgte die Einweihung der Emir-Sultan-Moschee an der Otto-Hahn-Straße.

Am 27. März 2002 wurde das neue Service-Center der Deutschen Bundespost an der Robert-Gies Straße eröffnet. Am 9. April 2002 folgte die Gründung „Sport- und Kulturstiftung der Stadt Hilden“. Am 4. September des Jahres beschloss der Rat der Stadt Hilden einstimmig den Zusammenschluss der Stadt-Sparkasse Hilden mit den Sparkassen in Ratingen und Velbert zu einem Zweckverband ab dem 01.01.2003.

Im August 2003 fand die Präsentation der achtteiligen Tapisserie „1000 Jahre Hilden – Wege durch die Zeit“ von Katharina Gun Oehlert im Bürgerhaus statt.

Am 8. November 2003 wurde neue Jugendzentrums „Area 51“ eingeweiht. Am 22. Januar 2005 fand im „Area 51“ eine Eröffnungsparty statt zum Jugendkulturjahr 2005.

Am 6. November 2004 erfolgte die Einweihung des Kultur- und Weiterbildungszentrum „Altes Helmholtz", das die Musikschule, die VHS, das Stadtarchiv, den Stadtverband der Musiker und Sänger, die Freizeitgemeinschaft Behinderte und Nichtbehinderte sowie die Jugendkunstschule KuKuK umfasst.

Es folgten die Eröffnung des Sport- und Vereinszentrums "HAT Fit" am 15. Januar 2005 und im Jahr darauf am 29.Mai 2006 die Einweihung der neuen Tribüne auf der Bezirkssportanlage.

Am 11. November 2006 fand die Vorstellung des neuen Pflegezentrums (Hummelsterstraße) des Seniorenzentrums Hilden statt.

Am 24. September 2008 unterzeichnete Bürgermeister Scheib zusammen mit dem Vorstandsvorsitzenden der Düsseldorfer Stadtwerke Markus F. Schmidt den Kaufvertrag für 49,9% der Stadtwerke Hilden GmbH an die Stadtwerke Düsseldorf.

In seiner Amtszeit erhielt die Integrationspolitik der Stadt Hilden neue Impulse. So erstellte das Amt für Soziales und Integration eine Studie unter dem Titel "Integration ist machbar! Strategiekonzept" der Stadt Hilden.[14]

Im September 2008 kündigte Bürgermeister Günter Scheib an, dass er nicht erneut kandidieren werde. [15]

Am 21. November 2008 richtete das Sturmtief "Irmela" auch in Hilden Schäden an. Unter anderem riss eine Sturmbö ein komplettes Dach ab und schleuderte es 50 m weit auf das Dach eines Supermarktes an der Beethovenstraße. Der Supermarkt und die beiden gegenüberliegenden Grundschulen (Adolf-Reichwein-Schule und Adolf-Kolping-Schule) mussten evakuiert werden.

Mit einem Festakt im Bürgerhaus feierte der Museums- und Heimatverein Hilden e.V. am 17. Januar 2009 sein 25-jähriges Bestehen.

Nach zweieinhalb Jahren Sanierung wurde das alte Bahnhofsgebäude an der Bahnhofsallee am 25. Juni 2009 wieder eröffnet.

An der Walder Straße begannen am 07. August 2009 mit dem 1. Spatenstich die Bauarbeiten für das zweite Facharzt-Zentrum, das den Namen „Mediplus“ trägt. Das Warenhaus Hertie an der Mittelstraße schloss am 08. August 2009 seine Pforten. Es war lange Zeit das bedeutendste Kaufhaus in der Innenstadt.

In der Mittelstraße wurde am 18. September 2009 der Grundstein für den Sparkassen-Neubau gelegt.

Mit der konstituierenden Ratssitzung am 28. Oktober 2009 endete die Amtszeit von Bürgermeister Günter Scheib. Der neue Bürgermeister Horst Thiele (SPD) leistete den Amtseid. Rudolf Joseph (FDP) wurde 1. stellv. Bürgermeister, Norbert Schreier (CDU) 2. stellv. Bürgermeister.

Anlässlich des 450. Geburtstags von Wilhelm Fabry am 25. Juni 2010 (1560) beging die Stadt Hilden ein „Fabry-Jahr“: Über das ganze Jahr verteilt fanden ca. 140 Veranstaltungen rund um Fabry, seine Zeit, Medizingeschichte und Gesundheit statt. Den Höhepunkt bildete ein großer Festumzug.

Am 30. September 2010 tauft Bürgermeister Thiele den ersten von 84 neuen S1-Zügen (Näheres zum S-Bahn-Verkehr in Hilden siehe unten).

Am 18. November 2011 konnte Hilden auf 150 Jahre Stadtrecht (seit 1861) zurückblicken.[16]

Einwohnerentwicklung

Hildens Bevölkerungsentwicklung[17]

Jahr Einwohner
1850 3.600
1864 5.600
1875 6.800
1894 8.900
1920 19.700
1933 20.500
1940 22.700
1946 25.400
1948 26.400
1952 30.000
1969 47.700
1994 55.200
2010 55.441

Politik

Bürgermeister

Hildener Bürgermeister 1843-1945

  • Eduard Freiherr von Wittenhorst-Sonsfeld, Bürgermeister 1843-1845
  • Hermann Clemens, Bürgermeister 1846-1851
  • Albert Koennecke, Bürgermeister 1851-1865
  • Joseph Johann Pabst, Bürgermeister 1865-1877
  • Karl Julius Gustav Wachtel, Bürgermeister 1877-1894
  • Karl Wilhelm Heitland, Bürgermeister 1896-1920
  • Dr. Erich Lerch, Bürgermeister 1920-1933
  • Walter Schomburg, Bürgermeister 1933-1945

Hildener Bürgermeister 1945 bis heute:

  • Hermann Sayn, Bürgermeister 1945-1946
  • Otto Goldhorn (CDU), Bürgermeister 1946-1948
  • Franz Klems (CDU), Bürgermeister 1948
  • Otto Köster (CDU), Bürgermeister 1948-1952
  • Robert Gies (SPD), Bürgermeister 1952–1969, 17 Jahre
  • Dr. Ellen Wiederhold (CDU), Chefin der damaligen Lackfabriken Wiederhold, Bürgermeisterin 1969–1994, 25 Jahre
  • Günter Scheib (SPD), Bürgermeister 1994–2009, 15 Jahre.
  • Horst Thiele (SPD), 2009 bis heute.

Bei den Kommunalwahlen am 30. August 2009 setzte sich der SPD-Bewerber Horst Thiele mit 46,4 % der Stimmen deutlich gegen die CDU-Bewerberin Angelika Urban (26,1 %) sowie gegen Rudolf Joseph (FDP; 17,6 %) und Christina Krasemann-Sharma (Bürgeraktion; 10,0 %) durch. Er folgt dem seit 1994 amtierenden Bürgermeister Günter Scheib (SPD) nach. Die (ehrenamtlichen) Stellvertreter des Bürgermeisters wurden in der konstituierenden Sitzung des Stadtrates im Oktober 2009 neu gewählt, 1. Stellvertreter ist Rudolf Joseph, 2 Stellvertreter Norbert Schreier (CDU).

Stadtdirektoren

Stadtdirektoren hatte Hilden wie auch andere Städte in NRW nur begrenzte Zeit, nämlich 53 Jahre. Die Doppelspitze in der Verwaltung der Städte wurde nach dem Zweiten Weltkrieg, genau 1946, von der britischen Besatzungsmacht eingeführt und im Jahre 1999 durch eine Kommunalreform wieder abgeschafft.

Hildener Stadtdirektoren 1946-1999

  • 1946 - 1958 Hans Beaujean
  • 1958 - 1965 Hans Knop
  • 1965 - 1974 Heinz Brieden
  • 1974 - 1999 Dr. Karl-Detlev Göbel

Stadtrat

Der Stadtrat setzt sich folgendermaßen zusammen:

Partei 1999 Sitze (52) 2004 Sitze (46) 2009 Sitze (44)
Christlich-Demokratische Union (CDU) 44,7 % 23 40,2 % 18 30,2 % 13
Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) 34,2 % 18 34,5 % 16 29,5 % 13
Bündnis 90/Die Grünen (Grüne) 4,3 % 2 6,9 % 3 9,0 % 4
Bürgeraktion Hilden (BA) 4,9 % 3 8,1 % 4 10,1 % 4
Freie Demokratische Partei (FDP) 5,8 % 3 6,4 % 3 13,1 % 6
Die Unabhängigen Hilden (dUH) 6,2 % 3 3,9 % 2 8,0 % 4

Im Sommer 2010 kam es zu einem Austritt aus der CDU-Fraktion. Lothar Kaltenborn war seitdem fraktionsloses Ratsmitglied, bis er im Herbst 2011 wieder in die CDU-Fraktion zurückkehrte. Von der FDP spaltete sich zur gleichen Zeit die neu gegründete Fraktion der "Freien Liberalen" (2 Personen) ab, sodass die FDP-Fraktion nun über nur noch 4 Ratsmandate verfügt.

Im Rat gibt es seit der letzten Wahl keine formelle Koalition. Die Mehrheiten in Sachentscheidungen sind stark wechselnd.

Außerdem ist bereits seit Sommer 2000 das so genannte Jugendparlament etabliert, das sich aus gewählten Vertretern der Schulen aus den Klassen 7 bis 12 zusammensetzt. Hinzu kommt das Kinderparlament, das 1997 auf Initiative (per „Bürgerantrag“) eines einzelnen, seinerzeit zehn Jahre alten, Hildeners gegründet wurde und seitdem professionelle Unterstützung durch das pädagogische Fachpersonal des städtischen Jugendamtes erhält. Es setzt sich aus Vertretern der Dritt- bis Sechstklässler aller Hildener Schulen zusammen, die jährlich neu gewählt werden. Sitzungsleiter des Kinderparlaments ist der amtierende Bürgermeister, das Jugendparlament wählt unmittelbar nach seiner Wahl zwei gleichberechtigte Vorsitzende.

Verbandswesen

Hilden ist Sitz einer der beiden Bundesgeschäftsstellen der Gewerkschaft der Polizei. Die andere befindet sich in Berlin.

Das selbstorganisierte, ehrenamtliche Jugendverbandswesen ist in Hilden nur vergleichsweise schwach ausgeprägt. Neben zwei Pfadfinderverbänden (Europa-Scouts Hilden und Stamm Apollo im Pfandfinderverband Mosaik) tritt in der lokalen Wahrnehmung vor allem die KjG St. Konrad hervor, die mit etwa 230 Mitgliedern wohl die größte örtliche Untergliederung dieses bundesweit tätigen kirchlichen Jugendverbands ist.

Stadtverwaltung

Die hauptamtliche Verwaltungsspitze bilden seit der konstituierenden Sitzung des Stadtrates im Oktober 2009: Bürgermeister Horst Thiele (SPD), 1. Beigeordneter Norbert Danscheidt (CDU) und Beigeordneter Reinhard Gatzke (parteilos).

Sonstige Verwaltungsstellen

Öffentliche Institutionen runden das Bild ab: Außer der Stadtverwaltung mit ihren Ämtern und Einrichtungen beherbergt Hilden ein Finanzamt, das Landesprüfungsamt und das landeseigene Institut für öffentliche Verwaltung (IÖV NRW).[18]

Hilden ist Standort einer Kaserne der Bundeswehr, wegen ihrer speziellen Lage auch Waldkaserne genannt, in der das einzige Ausbildungsmusikkorps der Bundeswehr stationiert ist. In Hilden befindet sich außerdem die Stelle 31 des MAD.

Stadtwappen

Das Stadtwappen wurde als Allegorie auf die Hildener Geschichte entworfen. Die befestigten Türme auf der Wappenkrone symbolisieren die Herrschaft der Kölner Erzbischöfe (anderen Quellen zufolge weisen sie auf die Stadtrechte hin). Der rote Zinnenbalken erinnert an die Grafen von Berg, während im unteren Segment ein silbernes Band die Itter darstellt. Zu der Zeit, als Hilden das Wappen erhielt, war die Wirtschaft zu etwa gleichen Teilen von Landwirtschaft und Industrie geprägt, was durch eine Sichel und ein Zahnrad zu beiden Seiten des Flusses verdeutlicht werden sollte.

Partnerschaften

Kirchen und Religionsgemeinschaften

Hildener religiöse Gemeinden

In Hilden gibt es folgende Religionsgemeinschaften:[19]

  • Evangelische Kirchengemeinden
  • Katholische Kirchengemeinden
  • Islamische Moscheegemeinden
  • Evangelisch-freikirchliche Gemeinde
  • Apostolische Gemeinschaft e.V.
  • Neuapostolische Kirche Hilden
  • Jehovas Zeugen

Kirchliche Aktivitäten

Im Stadtzentrum befinden sich die beiden christlichen Hauptkirchen mit langer Tradition, die evangelische Reformationskirche und die katholische Kirche St. Jacobus. Die Evangelische Kirchengemeinde besteht aus den Gemeindezentren Reformationskirche, Erlöserkirche und Friedenskirche sowie aus sieben Pfarrbezirken. Die Evangelische Erwachsenenbildung betreibt mehrere soziale Projekten, darunter den Christlich-Muslimischen Dialog mit der Türkisch Islamischen Gemeinde und einen Jugendaustausch mit der Stadt Saratow an der Wolga in Russland.

Die drei katholischen Gemeinden in Hilden (St. Jacobus, St. Konrad und St. Marien) wurden zum 31. Dezember 2009 vom Erzbischof aufgelöst und am 01. Januar 2010 zu einer Pfarrei, der Katholischen Kirchengemeinde St. Jacobus, Hilden, fusioniert. Die Katholische Kirchengemeinde Hilden hat ihren Mittelpunkt im Zentrum St. Jacobus. Ihr Vorsteher ist Pfarrer Monsignore Ulrich Hennes.

Die Hildener Bürger jüdischen Glaubens werden von der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf betreut.[20]

Statistisches

Nach Angaben des Statistischen Jahrbuchs sah die Religionszugehörigkeit der Hildener im Jahre 2010 folgendermaßen aus: Gesamtbevölkerung 55.424, Protestanten 16.164, Katholiken 18.735 und Sonstige 20.525. [21]

Islamische Gemeinschaft

Mittelpunkt der Türkisch Islamischen Gemeinde ist die Emir-Sultan-Moschee, die 2001 eingeweiht wurde. Die Moschee, die sich im Industriegelände nahe der S-Bahn-Station in der Otto-Hann-Straße befindet, hat ein Minarett, Zum Freitagsgebet kommen um die 200 Gläubige. Die Hildener Moschee gehört zu einer Gruppe weiterer nach dem Sultan benannten Moscheen in Deutschland. Die Moschee wird vom Türkischen Arbeitnehmerverein betrieben. Über einen eigenen Gebetsraum verfügt auch der Marokkanische Freundeskreis in Hilden.[22]

Migration und Integration

Struktur

Der Integrationspolitik in Hilden gaben neue Strategien einen wichtigen Impuls. Das Konzept wurde im Jahre 2005 (?) in einer Studie veröffentlicht, die vom Amt für Soziales und Integration erstellt wurde.[23]

Laut obiger Studie leben in der Stadt Hilden ca. 7.000 Ausländer, Aussiedler und Flüchtlinge, was mit 12,2% die vierthöchste Quote im Kreisgebiet Mettmann bedeutet. Dabei können u. a. die Kinder aus Zuwanderungsfamilien, die seit der gesetzlichen Änderung im Jahr 2000 die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen, nicht mit einbezogen werden. Statistische Angaben liegen dazu nicht vor. Tatsächlich ist also der Anteil der Migrantinnen und Migranten höher als der konkret erfasste Anteil. Die Zahl der ausländischen Jugendlichen liegt in der Relation deutlich über dem Anteil deutscher Kinder, wohingegen die Anzahl der älteren Migranten wesentlich geringer ist, als die Zahl deutscher Senioren.

Ohne die zugewanderten Mitbürger würde somit die Altersentwicklung noch ungünstiger verlaufen. Zuwanderung ist deshalb schon allein notwendig,um der Überalterung der Bevölkerung entgegenzuwirken. Ohne Berücksichtigung der Aussiedler und Asylbewerber kommen in Hilden die zahlenmäßig größten Gruppen aus den ehemaligen Anwerbeländern.

In Hilden leben Staatsangehörige aus mehr als 100 verschiedenen Nationen. Über die Anzahl der Personen, die durch Einbürgerung Deutsche wurden, kann keine Aussage gemacht werden.

Der Anteil arbeitsloser Migrantinnen und Migranten ist überproportional hoch (6,5% Arbeitslosenquote, 18,5% Ausländeranteil), wenn auch die anderen kreisangehörigen Städte durchaus höhere Werte als Hilden ausweisen. Bislang haben in Hilden 23% der ausländischen Personen – bezogen auf alle Sozialhilfeempfänger – Hilfe zum Lebensunterhalt erhalten. Auch dieser Anteil liegt – wie bei der Arbeitslosigkeit – deutlich über dem tatsächlichen Bevölkerungsanteil ausländischer Mitbürger und Mitbürgerinnen. Über 50% aller Ausländer sind im Besitz einer unbefristeten Aufenthaltserlaubnis bzw. haben eine Aufenthaltsberechtigung, so dass ihr Aufenthalt auf Dauer angelegt ist.

Statistik

Nationalitäten Migrantenzahl
Türken 1.165
Italiener 792
Marokkaner 616
Serben/Montenegriner 459
Portugiesen 410
Polen 321
Griechen 272
Kroaten 241
Spanier 194

Die Zahlen stammen aus dem Jahre 2005 und dürften inzwischen durch neue Zuwanderung viel höher sein. Unter Berücksichtigung von Kindern und Familienangehörigen wird die Gesamtzahl auf etwa 10.000 Migrantinnen und Migranten geschätzt.

Verbände und Vertretungen

Inzwischen nehmen Migranten aktiv am gesellschaftlichen Leben der Stadt teil in den politischen Parteien, Gewerkschaften, in der Kultur und in Sportverbänden. Auch im Rat der Stadt Hilden sind sie vertreten.

Als spezielle Interessenvertretung der Spätaussiedler und Migrantengruppen wurde der Integratonsrat eingerichtet. Der gegenwärtige Integrationsrat wurde am 7. Februar 2010 gewählt. 4775 Ausländer ab 16 Jahren waren damals wahlberechtigt. Zur Wahl traten mehrere Listen - eine internationale Liste der SPD, eine Liste der Bürgeraktion Hilden, eine Liste des Beirats für Spätaussiedler und eine Liste der Türkischen Islamischen Gemeinde Hilden sowie zahlreiche Einzelkandidaten an. [24]

In Hilden gibt es momentan folgende Verbände ausländischer Migranten:

  • Türkischer Arbeitnehmerverein
  • Griechischer Club e.V. Hilden
  • Circolo Italo Tedesco Hilden e.V.
  • Uniao Portuguesa de Hilden e.V.
  • Spanischer Familienverein
  • Marokkanischer Freundeskreis Hilden e.V.
  • Slowenischer Kultur und Sportverein Maribor e. V.
  • Jugoslawisch-Deutscher Kulturverein Hilden e.V.

Begegnungsstätten:

  • „Altes Helmholtz”, Musikschule, VHS Hilden-Haan
  • Integrationsbüro im Amt für Soziales und Integration
  • Integrationsbeirat, Vorsitzende: Anabela Barata

Freizeit

Hilden bietet ein breites Freizeit-Angebot. Außer dem Stadtpark und einigen kleineren Parks und Spielplätzen besitzt Hilden zwei große Schwimmbäder: das Hildorado, ein überörtlich bekanntes Hallenschwimmbad, und das Waldbad in naturnaher Lage am Waldrand. Weiterhin gibt es ein kleines Kino mit drei Sälen, einen Minigolfplatz sowie mehrere Jugendtreffs und Kegelbahnen.

Sehenswürdigkeiten und Kultur

Datei:Hilden Kornbrennerei.JPG
Die alte Kornbrennerei, heute Wilhelm-Fabry-Museum

Hilden hat nur wenige herausragende Baudenkmäler. Darunter fallen die aus dem 13. Jahrhundert stammende Reformationskirche mit den umliegenden Fachwerkhäusern – größtenteils aus dem 16. bis 18. Jahrhundert – und dem Marktplatz. Die Mittelstraße, die in der Vergangenheit dem Verkehr als Hauptdurchgangsstraße diente und über die eine Straßenbahn fuhr, wurde als wichtigste Einkaufsmeile vollständig zur Fußgängerzone umgestaltet. Neben dem alten Rathaus (nach dem Verwaltungsneubau 1990 zum Bürgerhaus umfunktioniert) und der katholischen Kirche St. Jacobus steht dort noch eine ansehnliche Zahl von Bürgerhäusern, die um 1900 errichtet worden waren.

Interessant ist ein Besuch im Wilhelm-Fabry-Museum, das direkt neben einer historischen Kornbrennerei eingerichtet worden ist und sich sowohl dem Leben und Wirken des berühmtesten Bürgers von Hilden – Wilhelm Fabry – als auch medizinhistorischen Themen in Wechselausstellungen widmet. Regelmäßig finden dort auch künstlerische Themenausstellungen statt, die weit über Hilden hinaus Beachtung finden.

Einen guten Einblick in die zeitgenössische Sakralkunst gewährt die katholische St.-Konrad-Kirche im Hildener Süden, die in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts von Hermann Gottfried unter anderem mit einem monumentalen Altarbild und einem siebenteiligen Bilderfries ausgestaltet wurde.

Zur Weihnachtszeit kamen jahrelang hunderte Besucher, um das „Hildener Weihnachtshaus“, das Eigenheim eines ortsansässigen Unternehmers, welches zur Weihnachtszeit mit einer Lichtinstallation im amerikanischen Stil aufwändig geschmückt wird, zu bestaunen. Leider wird dieses Haus in letzter Zeit nicht mehr dekoriert.

Vom Haus Horst ist nur ein Turm im Park einer Seniorenwohnanlage übrig.

Erholung und Sport

Hildens Naherholungsgebiete sind der Stadtwald im Nordosten und das Heidegebiet Karnap-West im Südwesten, außerdem die zu Solingen gehörende Ohligser Heide im Südosten. Hier besteht die Gelegenheit zu ausgedehnten Spaziergängen. Auch der im Nordwesten auf Düsseldorfer Stadtgebiet gelegene Elbsee wird aufgrund seiner unmittelbaren Nähe von Hildenern oft zur Erholung und zum Baden aufgesucht, obwohl er nicht für das Schwimmen freigegeben ist.[25] Daneben findet sich eine Anzahl weiterer, meist künstlich entstandener Seen, die großenteils Angelvereinen verpachtet sind.

Außerdem verfügt Hilden über ein Freibad und ein Multifunktionsbad mit Wellness- und Saunabereich. Gelegenheit zur sportlichen Betätigung bieten die insgesamt 53 Sportvereine, das Tenniszentrum des Ex-Profis Wilhelm Bungert, die Bezirkssportanlage und einige privat betriebene Sport- und Fitnesszentren.

Bereits 1926 wurden am Sandberg die ersten Flugversuche unternommen. Damit ist Hilden die Wiege des Segelfluges im Rheinland und kann auf eine lange Tradition zurückblicken. Das Segelfluggelände Hilden-Kesselsweier ist ein beliebtes Ausflugsziel.

Lange Zeit klassenhöchste Fußballmannschaft war der SV Hilden-Nord, der zwar nur noch in der Niederrheinliga spielt, aber auf gelungene Auftritte auf DFB-Pokal-Ebene (2:1 gegen SC Freiburg) und das Hervorbringen eines Nationalspielers wie Michael Tarnat zurückblicken kann. Auf eine mehr als hundertjährige Geschichte kann der VfB 03 Hilden zurückblicken, der zwischen 2003 und 2005 den Durchmarsch von der Bezirks- in die Verbandsliga schaffte.

Neben Fußball hat sich, was sportlichen Erfolg angeht, eine weitere Sportart etabliert: Inline-Skaterhockey. Die Hilden Flames spielen unter dem Dach der Hildener Allgemeinen Turnerschaft und haben binnen drei Jahren den Aufstieg in die 2. Bundesliga geschafft. Dazu konnten im Nachwuchsbereich Erfolge gefeiert werden. So spielen die Flames in zwei weiteren Alterbereichen erstklassig (Stand 2007).

Erfolgreich sind neben den Sportlern des Kanu-Club Hilden auch die Leichtathleten der LG Hilden, einer Wettkampfgemeinschaft der beiden größten Hildener Sportvereine TUS 96 Hilden und Hildener Allgemeinen Turnerschaft (HAT).

Der ansonsten überwiegend breitensportlich orientierte TUS 96 betreibt leistungssportlich außerdem eine große Basketball-Abteilung, in der zurzeit sechs Erwachsenen- und acht Jugendmannschaften am Ligabetrieb teilnehmen. Die 1. Herrenmannschaft spielte bis zum Sommer 2010 in der 2. Regionalliga, der vierthöchsten Spielklasse des deutschen Basketballsports, musste zuletzt jedoch aufgrund ausbleibender sportlicher Erfolge in die nächsttiefere Oberliga absteigen.

Am Elbsee sind im „Wassersportzentrum Elbsee“, vier Hildener Wassersportvereine, die Seglergemeinschaft Hilden, der Hildener Windsurfing Club, die Ortsgruppe Hilden der DLRG und der Kanu-Club Hilden angesiedelt.

Im Schießsportzentrum der St.Sebastianus Schützenbruderschaft an der Oststr. bietet sich für Sportschützen auf einer modernen Anlage die Möglichkeit von Luftdruck bis Großkaliber allen Disziplinen des Schießsports nachzugehen.

Des Weiteren wurde dem lokalen Base- und Softballverein, den Hilden Wains, am 19. September 2007 per Ratsbeschluss die finanzielle Unterstützung und Bereitstellung eines Grundstückes zum Bau einer Ballsportanlage im Nordwesten Hildens zugesichert.[26]

Freizeitmöglichkeiten für Jugendliche bietet Hilden mit den Jugendtreffs „Area 51“ im Norden, sowie dem „Jueck“ in der Stadtmitte. Im Süden findet sich der Jugendtreff am Weidenweg („JAW“). Kinder und jüngere Jugendliche finden Anlaufstellen im „Kinder- und Jugendtreff St. Konrad“ (Hilden Süd), im „Jugendclub Mühle“ (Hilden Ost) sowie in der „Kid’s Corner St. Jakobus“ (Stadtmitte), außerdem am „Abenteuerspielplatz“, dessen Träger die „Freizeitgemeinschaft Behinderte und Nichtbehinderte e. V.“ ist.

Regelmäßige Veranstaltungen

  • Rosenmontagszug
  • Büchermarkt (im März, August und November)
  • Hildener Jazztage (im Mai/Juni)
  • Hildener Künstlermarkt (im Juni)
  • Schützenfest der St.Sebastianus Schützenbruderschaft in der Innenstadt (im Juni)
  • Starke Zeiten Jugendschutzwoche (im Oktober)
  • Schwatter Jazz (im August)
  • Autoschau (im September)
  • Herbstkirmes („Itterfest“) im Oktober
  • Festakt zum Tag der Deutschen Einheit
  • UNICEF-Gala (im Dezember)
  • Bandcontest (im November; Gemeinschaftsveranstaltung des Kreises Mettmann – Geldgeber -, der Stadt Hilden – Veranstaltungsraum „Area 51“ – und der KjG St. Konrad – Personal)
  • Hildener Genusstage (November)
  • Oldie-Night (jährlich am letzten Samstag im November)
  • Oldie-Night Open Air (alle zwei Jahre auf dem Nordmarkt)
  • Weihnachtsmarkt (Dezember)
  • Tag der offen Tür der Freiwilligen Feuerwehr Hilden (zwischen August und September)

Infrastruktur und Wirtschaft

Stadtplanung und Umwelt

Mehrfach erfolgten in neuster Zeit Eingriffe von höheren Stellen in das gewachsene Stadtbild und die Natur.

So bildete der verkehrspolitisch an sich sinnvolle Autobahnbau ab den späten 1930er Jahren eine breite Schneise durch das natürliche Waldgebiet. Er schnitt den Stadtwald in zwei Teilbereiche, einen schmalen zur Stadt hin und einen breiten in Richtung Haan und Ohligs. Für Wanderer wurde über die Autobahn am Jägersteig eine einfache Holzbrücke angelegt, die wegen ihrer geringen Stabilität manchmal schwankte und im Volksmund deshalb "Lügenbrücke" genannt wurde. Inzwischen wurde dieser Bereich der Autobahn umgebaut und mit Parkplätzen und einer Tankstelle versehen.

Die Anlage von Siedlungen für die britischen Besatzungstruppen nach dem Kriege führte zur Zerstörung von Feldern und Parkgelände in der Innenstadt. Die Anwohner sahen damals mit Schrecken, wie die großen Bagger kamen und für den Siedlungsbau ein Feld nach dem anderen zerstörten. Damals reichten die Felder in der Innenstadt bis zur Hagdornstrasse. In der Südstadt erfolgte der Bau von Siedlungen für Flüchtlinge und Übersiedler aus dem Osten auf Kosten der Natur.

Einen Eingriff in die Natur bedeutete auch der Bau der Erdölpipeline von Wilhelmshaven nach Köln-Wesseling in den 1960er Jahren, die allerdings abgesehen von Pipeline-Pfeilern kaum sichtbar war, dennoch aber das ungute Gefühl einer möglichen Schädigung durch das Öl hinterließ. Auf heftige Proteste stieß in neuester Zeit der (geplante) Bau einer CO-Pipeline der Bayer-Werke durch Hilden. Eine Bürgerinitiative drohte sogar mit Klagen vor dem Verwaltungsgericht in Münster. Ärzten warnte vor den Folgen eines Kohlenmonoxid-Ausstoßes. Auch war man besorgt um die Erdbebensicherheit der Pipelines. Unverständnis herrschte auch gegenüber der Pipelineführung, die unnötigerweise ins Rechtsrheinische zweimal den Rhein überquerte, statt den kürzeren weniger belastenden Weg linksrheinisch zu nehmen.[27]

Das noch bis in die frühen 60er Jahre landwirtschaftlich geprägte Umfeld der Stadt mit verschiedenen kleinsten dörflichen Siedlungen (Elb, Meide, Kolksbruch, Birken, Klophaus, Bolthaus, Örkhaus, Hülsen) und Höfen veränderte sich stark. Ungehemmte Bau- und Verkehrsplanung bis in die achtziger Jahre hinein veränderten das innerstädtische Bild, das den Krieg im Wesentlichen unbeschadet überstanden hatte, drastisch. Von Hausbesetzungen begleitete, vehemente Bürgerproteste haben nur einzelne wenige Bauten vor dem Abriss bewahren können. In der Schwanenstraße wurden alte Fachwerkhäuser schon in den 60er Jahren dem Verfall preisgegeben und abgerissen. Auch die damalige Apfelstraße, die von zahlreichen gründerzeitlichen Bauten gesäumt war, wurde Opfer der damaligen Verkehrsplanung.

Statt des vorgeschlagenen Baus einer großzügigen Umgehungsstraße wurde zur Entlastung des Verkehrs mit der Berliner Straße eine Hauptverkehrsader - die B 228 - ohne Rücksicht auf gewachsene Siedlungszusammenhänge mitten durch die Innenstadt geführt. In der Mittelstraße wurde die historische Bebauung rechts und links des alten Rathauses durch Neubauten ersetzt, die den historisch vorgegebenen Rahmen ignorieren. Die noch in den 70er Jahren z. T. erhaltenen dörflichen Strukturen (Felder und Gärten)im nördlichen rückwärtigen Bereich der Mittelstraße verschwanden ebenfalls beim Bau der vierspurigen Berliner Straße. Erst in den 80er Jahren wurde durch die Anlage der Fußgängerzone und den Bau von Parkhäusern und Tiefgaragen die zuvor besonders an Samstagen häufig nahezu chaotische Verkehrssituation in der Innenstadt entspannt und bürgerfreundlicher gestaltet. Verschont von Neubaumaßnahmen blieb der innerste Stadtkern um die evangelische Kirche herum, wo heute noch die letzten Fachwerkhäuser stehen und die verbliebenen Altbauten in den neunziger Jahren eine gewisse Aufwertung erfuhren.

Nicht nur die städtische Bauplanung, sondern auch die Umstellung des öffentlichen Nahverkehrs in den 70er Jahren löste in der Hildener Bevölkerung heftige Diskussionen aus. Während das benachbarte Düsseldorf und andere rheinische Städte am Schienenverkehr festhielten, wurde in Hilden 1962 der Betrieb der historischen Straßenbahn eingestellt und durch Busverkehr und später außerdem noch durch zwei S-Bahn-Linien ersetzt.

Verkehr

Hilden ist mit dem Auto über nahegelegene Autobahnen (Hildener Kreuz, A 3/A 46, Abfahrt auch an der A 59) zu erreichen. Zusammen mit der A 542 bilden die genannten Autobahnen ein Karree, das die direkt benachbarten Städte Hilden und Langenfeld umschließt.

Öffentlicher Personennahverkehr: Hilden liegt im Bereich des VRR und ist mit der Linie S1 der S-Bahn Rhein-Ruhr sowie mehreren Buslinien der Rheinbahn erreichbar. Es gibt in Hilden zwei S-Bahn-Stationen: den Bahnhof Hilden (eröffnet 1874) und den Haltepunkt Hilden Süd (seit 1979), der S-Bahn-Verkehr zwischen Düsseldorf, Hilden und Solingen wurde 1980 aufgenommen.

Früher war Hilden an das reguläre Netz der Deutschen Bundesbahn angeschlossen, das Hilden auf direktem Wege mit Düsseldorf Hbf, Solingen-Ohligs und Köln Hbf verband. Heute gibt es keine direkte Zugverbindung zwischen Hilden und Köln, auch nicht mit der S-Bahn. Man muss zuerst von Hilden nach Sohlingen-Ohligs fahren und dort in den Zug nach Köln umsteigen.

In Hilden verkehrte noch bis Anfang der 60er Jahre eine historische Straßenbahn in Meter-Spur, die von der Düsseldorfer Rheinischen Bahngesellschaft betrieben wurde. Es gab damals zwei Linien von Düsseldorf-Benrath über Hilden nach Wuppertal-Vohwinkel sowie nach Solingen-Ohligs, die nach den Zielorten benannt wurden, also Linie "V" und Linie "O". Ihr Depot befand sich in Düsseldorf-Benrath, wo auch die Düsseldorfer Straßenbahnlinien ihren Endpunkt hatten. Kurioserweise vereinte sich bei der Einfahrt ins Depot die Hildener Meterspur mit der Düsseldorfer Normalspur, so dass es so aussah, als ob die Bahn noch ein drittes Mittelgleis befahre. Der Hildener Straßenbahnbetrieb wurde 1962 eingestellt. Laut Pressemeldungen wurden die Straßenbahnwagen nach Innsbruck verkauft. Der Straßenbahnbetrieb wurde durch Linienbusse und später außerdem noch durch die S-Bahn ersetzt.

Weiterhin verfügt Hilden über ein sehr stark ausgebautes Fahrradweg-Netz. Ebenso sind in der Stadt reine Fahrradstraßen vorhanden. Zusätzlich verfügt Hilden über eine Vielzahl von Fahrradständern mit massiver Verankerung sowie durch die Stadt mietbare, vollständig umschlossene Fahrradboxen an Sammelpunkten des öffentlichen Personennahverkehrs, beispielsweise an den Bahnhöfen. Ständer und Boxen werden von der Herstellerfirma unter dem Modellnamen „Hilden“ deutschlandweit vertrieben.

Wirtschaft

Datei:Hilden Mittelstr.JPG
In der Mittelstraße konzentriert sich der Einzelhandel. Links das ehemalige Meldeamt und das Bürgerhaus, bis 1990 Rathaus.

Die einseitig industriell geprägte Wirtschaftsstruktur, die Hilden während des 20. Jahrhunderts aufwies, gehört heute der Vergangenheit an. So verließen unter anderen die Thyssen AG und Mannesmannröhren-Werke AG Hilden in Folge der schweren Wirtschaftskrise um 1980.[28] Die Spindler-Textilwerke. die drei Betriebe in Hilden unterhielten, mussten schließen. Wenige Großbetriebe sind heute noch erhalten, darunter Akzo Nobel (ehemals ICI Paints bzw. davor Hermann-Wiederhold-Werke, Lacke und Farben) und 3M. Letztere betreiben in Hilden ihr europaweit größtes Werk. Insbesondere der Niedergang der Stahl- und Metallindustrie zwang die Stadt zum gewerblichen Strukturwandel, der äußerst erfolgreich verlaufen ist. Der Schwerpunkt der Gewerbeansiedlung liegt bei kleinen und mittelständischen Unternehmen, die je nach betrieblicher Ausrichtung in Stadtrandlagen oder in der Innenstadt angesiedelt sind. Dabei wurde darauf geachtet, dass der Nachfrage nach kleinen Gewerbeeinheiten durch entsprechende Parzellierung der Gewerbeflächen Rechnung getragen wurde. Angesichts der extremen Flächenknappheit in einer der dichtest besiedelten Städte Deutschlands ist auch die Arbeitsplatzintensität ein Ansiedlungskriterium für neue Unternehmen. Im Laufe der achtziger und neunziger Jahre hat sich Hilden so als Dienstleistungs- und Technologieschwerpunkt etablieren können. Die Arbeitslosenquote betrug im Juni 2003 6,0 % und lag damit erheblich unter dem Landes- und Bundesdurchschnitt.

Zudem bewirbt das Hildener Stadtmarketing intensiv den Handelsstandort Hilden. Insbesondere der Einzelhandel ist intensiv gefördert worden, so dass der Ruf der Einkaufsstadt Hilden Nachfrage aus allen angrenzenden Kommunen anzieht. Auch der Großhandel hat in Hilden eine lange Standorttradition. Aufgrund der extrem verkehrsgünstigen Lage hat sich eine Vielzahl von Speditions- und Transportunternehmen angesiedelt.

Zu den in Hilden ansässigen Unternehmen gehören Akzo Nobel, 3M, Qiagen, JMT und ProACTIV, Eyckeler & Malt, viele Betriebe aus dem Technologie- und Logistik-Sektor sowie dem Bereich der Printmedien der Verlag Deutsche Polizeiliteratur und die Bäckerblume.

Bildung

In Hilden wird an acht weiterführende Schulen Bildung vermittelt. Dazu zählen im Einzelnen:

Das Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium und die Wilhelmine-Fliedner-Realschule bilden zusammen mit dem angeschlossenen Internat das Evangelische Schulzentrum Hilden.

Des Weiteren hat Hilden folgende Grundschulen:

  • Adolf-Kolping-Schule (Städtische katholische Grundschule)
  • Adolf-Reichwein-Schule (Städtische Gemeinschaftsgrundschule)
  • Astrid-Lindgren-Schule (Städtische katholische Grundschule)
  • Schule am Elbsee (Städtische Gemeinschaftsgrundschule)
  • Schule im Kalstert (Städtische Gemeinschaftsgrundschule)
  • Schule Schulstraße (Städtische Gemeinschaftsgrundschule)
  • Schule Walder Straße (Städtische Gemeinschaftsgrundschule)
  • Walter-Wiederhold-Schule (Städtische Gemeinschaftsgrundschule)
  • Wilhelm-Busch-Schule (Städtische Gemeinschaftsgrundschule)
  • Wilhelm-Hüls-Schule (Städtische Gemeinschaftsgrundschule)
  • Freie Christliche Schule (Private evangelische Grundschule)

In Hilden befindet sich auch das Institut für öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen.

Persönlichkeiten

Berühmte Söhne und Töchter der Stadt

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben

Einzelnachweise

  1. Amtliche Bevölkerungszahlen. Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW), abgerufen am 27. Juni 2011. (Hilfe dazu)
  2. http://www.zeitspurensuche.de/02/flur1.htm unter: Zur Bedeutung alter Orts- und Flurnamen in Haan, Hilden, Wuppertal und Umgebung.
  3. http://www.zeitspurensuche.de/02/haange1.htm unter:Zeitbereich 1801 bis 1850.
  4. Schriftreihe des Archivs der Heimatgemeinschaft Groß-Benrath; In: Band 16, S. 21.
  5. Schriftreihe des Archivs der Heimatgemeinschaft Groß-Benrath; In: Band 16, S. 25.
  6. Johann Georg von Viebahn; In: Statistik und Topographie des Reg.Bezirks Düsseldorf; 1836, Zweiter Theil, S. 70+71.
  7. 7,0 7,1 Schriftreihe des Archivs der Heimatgemeinschaft Groß-Benrath; In: Band 16, S. 28.
  8. Mitteilung des Wilhelm-Fabry-Museum, Hildener Stadtarchiv http://www.wilhelm-fabry-museum.de/
  9. Manfred Franke, Mordverläufe, Darmstadt/Neuwied 1973, ISBN 3-472-86329-3
  10. http://www.wz-newsline.de/lokales/kreis-mettmann/monheim/hildener-stadtgeschichte-bilder-flimmern-im-pferdestall-1.157491 Hildener Stadtgeschichte: Bilder flimmern im Pferdestall - Von Miriam Drescher - Vor 100 Jahren wurde mit dem „Theater lebender Photographien“ das erste Kino in Hilden eröffnet. - 26. Februar 2010.
  11. http://baor-locations.co.uk/StDavidsBks.aspx/ Hilden auf der Webseite der britischen Rheinarmee
  12. http://www.vhs-hilden-haan.de/drupal/inhalt/der-vhs-zweckverband Der Volkshochschul-Zweckverband Hilden-Haan
  13. Joachim Schröder „...und peinlichst alles vermeiden, was irgendwie gegen deutsche Ordnung, Zucht und Sitte verstößt“. Zwangsarbeit in Hilden während des Zweiten Weltkrieges. Hrsg. vom Stadtarchiv Hilden, 2001./
  14. http://www.hilden.de/media/custom/388_2833_1.PDF?1126060209/ Strategiekonzept der Stadt Hilden zu Migration und Integration
  15. Mitteilungen des Hildener Stadtarchivs, Wilhelm-Fabry-Museum, Leiter Dr. Wolfgang Antweiler, http://www.wilhelm-fabry-museum.de/
  16. http://soz-kult.fh-duesseldorf.de/members/ulrichdeinet/jahrbuch2010/ Statistisches Jahrbuch 2010, Hilden September 2011, Chronik S.15-17/
  17. Mitteilung des Wilhelm-Fabry-Museum, Hildener Stadtarchiv http://www.wilhelm-fabry-museum.de/
  18. http://www.ioev.nrw.de/wirUeberUns/index.php/ Webseite des Instituts für öffentliche Verwaltung NRW
  19. http://www.hilden.de/index.phtml?NavID=388.168 Kirchen und Religionsgemeinschaften
  20. Homepage der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf
  21. Statistisches Jahrbuch 2010, Religionstabelle S.36
  22. Emir Sultan Camii; Hilden: Alle an einem Tisch
  23. http://www.hilden.de/media/custom/388_2833_1.PDF?1126060209/ "Integration ist machbar! Strategiekonzept", Stadt Hilden
  24. http://www.rp-online.de/region-duesseldorf/hilden/nachrichten/ueber-4700-auslaender-waehlen-integrationsrat-1.918159 - Über 4700 Ausländer wählen Integrationsrat, zuletzt aktualisiert am 12. Januar 2010
  25. Immer wieder Baden Verboten, Artikel in der Rheinischen Post vom 29. August 2008
  26. Walter-Kirchhoff-Ballpark – Spendenseite der Hilden Wains zum Bau einer neuen Ballsportanlage
  27. http://www.rp-online.de/region-duesseldorf/hilden/nachrichten/co-pipeline-klaeger-gehen-bis-nach-muenster-1.1291635/ - CO-Pipeline: Kläger gehen bis nach Münster, 27.05.2011
  28. 50 Jahre Wirtschaftsgeschichte – Jubiläumsheft zum 50-jährigen Bestehen des Hildener Industrie-Verein e. V.

Weblinks

 Commons: Hilden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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