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Amos Oz

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Amos Oz (2005)

Amos Oz (hebr. ‏עמוס עוז‎‎, geboren als Amos Klausner am 4. Mai 1939 in Jerusalem; gestorben am 28. Dezember 2018 in Tel-Aviv) war ein israelischer Schriftsteller und Journalist. Er war ein Mitbegründer der politischen Bewegung Peace Now.

Leben

Amos Oz wurde 1939 im Jerusalemer Stadtviertel Kerem Avraham, das hauptsächlich von osteuropäischen Einwanderern jüdischen Glaubens bewohnt war, geboren und wohnte zuletzt in Arad in der Negev-Wüste.

Er war der Großneffe des zionistischen Gelehrten Joseph Gedalja Klausner. Seine Großeltern flüchteten 1917 von Odessa nach Vilnius und wanderten 1933 von dort mit ihrem Sohn Jehuda Arie (1910 – 11. April 1970), Amos’ Vater, nach Palästina aus. Seine Mutter Fania Klausner, geborene Mußmann (1913 – 6. Januar 1952), kam 1934 nach Palästina.

Nach dem Suizid seiner Mutter trat der Sohn 1954 dem Kibbuz Chulda bei und nahm den Namen Oz an (dt. „Kraft, Stärke“). Während des Studiums der Literatur und Philosophie an der Hebräischen Universität von 1960 bis 1963 veröffentlichte Oz seine ersten Kurzgeschichten in der Literaturzeitung Keshet (dt. „Regenbogen“).[1] Seine Schwägerin Laura Janner-Klausner ist die Oberrabbinerin des Reformjudentums im Vereinigten Königreich.

Amos Oz (2013)

Von 1987 bis 2005 war Oz ordentlicher Professor für hebräische Literatur an der Ben-Gurion-Universität des Negev in Be’er Scheva. 1993 erhielt er dort den Agnon-Lehrstuhl für moderne hebräische Literatur.

Oz erlag im Dezember 2018 im Alter von 79 Jahren den Folgen eines Krebsleidens.[2]

Werk

Amos Oz hat eine Reihe von Romanen und Erzählungen, einige Essaybände und drei Kinderbücher verfasst, darüber hinaus zahlreiche in Zeitschriften erschienene Artikel und Essays. Seine Arbeiten wurden in 36 Sprachen übersetzt, was ihn noch vor Ephraim Kishon und Uri Orlev zum meistübersetzten israelischen Autor macht.[3]

Von seinen ersten Erzählungen zu Beginn der 1960er Jahre an standen die sozialen und politischen Spannungen in Israel im Mittelpunkt von Oz’ Werk. Insbesondere das Leben im Kibbuz mit seinen sozialen und familiären Konflikten wurde durch ihn in einer zuvor nicht dagewesenen Form dargestellt. Dies und Oz’ beständiger Einsatz für linksgerichtete politische Bewegungen in Israel führten dazu, dass sein Werk sowohl im Inland wie im Ausland in erster Linie unter dem soziopolitischen Aspekt wahrgenommen wurde. Oz wies allerdings wiederholt darauf hin, dass er die Probleme des menschlichen Lebens nicht auf die Gesellschaftsordnung zurückführt, sondern auf tieferliegende urmenschliche Antriebe und Bedürfnisse. Immer wieder werden die Protagonisten seiner Werke auf Reisen geschickt, in denen sie diese existenziellen Antriebe erforschen, zu verstehen und mit ihnen zu leben versuchen.[4]

Laut Yair Mazor ist Oz’ Werk von zwei gegensätzlichen Polen bestimmt: einem streng logischen, disziplinierten Rationalismus, der sich auch in seinen prägnanten, kontrollierten und genau beobachteten Essays zeigt, und einer dunklen, dämonischen Welt ungezügelter Leidenschaften, die häufig in die saubere, klare Gegenwelt einzudringen droht.[5] Gila Ramras-Rauch spricht davon, dass Oz in seinen Werken sowohl seine psychologischen als auch seine politischen Dämonen exorziere. Die Werke könnten gleichzeitig auf eine materialistische und eine mythische Art gelesen werden.[6] Dabei betonte Oz, dass er nicht nur über jüdische Sorgen schreiben wolle, sondern auch über die Bedeutung des Menschseins, die Kraft der Liebe und die prägenden Einflüsse durch Landschaften. Trotz widriger individueller Umstände nehmen seine Geschichten oft einen versöhnlichen, hoffnungsvollen Ausgang.[7]

Politische Ansichten

Oz war nach 1967 ein prominenter Befürworter der „Zwei-Staaten-Lösung“ im Nahostkonflikt. Er nahm am Sechstagekrieg und am Jom-Kippur-Krieg teil und gründete in den 1970er Jahren mit anderen Schalom Achschaw (Peace Now), eine Organisation, die zur israelischen Friedensbewegung zählt. In seinen Reden und Essays attackierte Oz häufig die anti-zionistische Linke beziehungsweise warf ihr Selbstaufgabe vor:

„Das Konzept von Zivilisationen, die über ihren Territorien Fahnen flattern lassen, kommt mir archaisch und mörderisch vor. In der Hinsicht haben wir Juden jahrtausendelang vorgeführt, was ich gerne als die nächste Phase der Geschichte sähe: eine Zivilisation ohne territoriale Grenzen, beziehungsweise zweihundert Zivilisationen ohne einen einzigen Nationalstaat. Aber als Jude kann ich mir solche Illusionen nicht mehr leisten. Ich habe zwei Jahrtausende ein Beispiel gegeben, doch niemand folgte.“[8]

Im Jahr 2006 verteidigte Oz in einem Artikel in der Los Angeles Times den Krieg gegen die Hisbollah im Libanon[9] und 2008 in der Bild-Zeitung den Krieg gegen die Hamas im Gazastreifen.[10][11] Er revidierte seine Einstellung zur israelischen Offensive im Libanon jedoch im Laufe der Operation und rief zwei Wochen nach Beginn des Gaza-Krieges zu einem Waffenstillstand auf: „Hamas ist verantwortlich […] aber die Zeit ist gekommen, um einen Waffenstillstand anzustreben.“[12]

Anders als einige Vertreter von Peace Now befürwortete Oz die Sperranlage zwischen Israel und dem Westjordanland. Er trat aber dafür ein, dass die Grenze annähernd auf der so genannten Grünen Linie verlaufen sollte.

Oz war einer der Initiatoren der linksgerichteten Liste „Die neue Bewegung-Meretz(Hatnua Hahadasha), die bei den israelischen Parlamentswahlen im Februar 2009 angetreten ist.[13][14]

Auszeichnungen

Werke

Romane

Erzählungen

  • Der Berg des bösen Rates. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1993 (übersetzt von Ruth Achlama), ISBN 3-51840-519-5.
  • Sehnsucht. Drei Erzählungen. Insel, Frankfurt am Main/Leipzig 1994 (übersetzt von Ruth Achlama), ISBN 3-45816-636-X.
  • Herr Levi. Erzählungen. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1996 (übersetzt von Ruth Achlama), ISBN 3-51822-206-6.
  • Dem Tod entgegen. Zwei Erzählungen. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1997 (übersetzt von Ruth Achlama), ISBN 3-51840-821-6.
  • Plötzlich tief im Wald. Ein Märchen. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2007 (übersetzt von Mirjam Pressler), ISBN 3-51841-748-7.
  • Geschichten aus Tel Ilan. Erzählungen. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2016 (übersetzt von Mirjam Pressler), ISBN 978-3-518-46209-6.
  • Unter Freunden. Erzählungen. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2013 (Originaltitel: Ben cḥaverim, übersetzt von Mirjam Pressler), ISBN 978-3-518-42364-6.
  • Wo die Schakale heulen. Erzählungen. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2018 (Originaltitel: Arzot ha-Tan, übersetzt von Mirjam Pressler), ISBN 978-3-518-42594-7.

Sachbücher, Essays und Vorträge

  • Amos Oz, Avraham Shapira: Gespräche mit israelischen Soldaten. Joseph Melzer, 1970 (Originaltitel: Siach Lochamim), OCLC 164672940. Erweiterte Neuauflage: Man schießt und weint. Gespräche mit israelischen Soldaten nach dem Sechstagekrieg. Westend, Frankfurt am Main 2017, ISBN 978-3-86489-159-5.[23][24]
  • Israel: die Trümmer einer Illusion. In: Zeitgeschichtliche Dokumentation. Nr. 26, SDZ, Münster 1982, ISBN 3-88780-026-5.
  • Im Lande Israel. Herbst 1982. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1984, ISBN 3-51837-566-0.
  • Bericht zur Lage des Staates Israel. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1992, ISBN 3-51838-692-1.
  • Die Hügel des Libanon. Politische Essays. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1995, ISBN 3-51811-876-5.
  • So fangen die Geschichten an. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1997, ISBN 3-51840-914-X.
  • Das Schweigen des Himmels – über Samuel J. Agnon. Jüdischer Verlag, Frankfurt am Main 1998, ISBN 3-63354-147-0.
  • Israel und Palästina: ein Zweifamilienhaus? Politische Essays. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2001, ISBN 3-51812-232-0.
  • Amos Oz, Izzat Ghazzawi: Wie man Fanatiker kuriert. Tübinger Poetik-Dozentur 2002. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-51812-309-2.
  • Israel und Deutschland. Vierzig Jahre nach Aufnahme diplomatischer Beziehungen. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-51806-798-2 (Sonderdruck).
  • Amos Oz, Fania Oz-Salzberger: Juden und Worte. Jüdischer Verlag, Berlin 2013, ISBN 978-3-633-54268-0.
  • Jesus und Judas – Ein Zwischenruf. Patmos Verlag, Ostfildern 2018, ISBN 978-3-843-61051-3.
  • Liebe Fanatiker. Drei Plädoyers [25]. Suhrkamp, Berlin 2018, ISBN 978-3-518-42802-3.
  • Deutschland und Israel. Suhrkamp, Berlin 2018, ISBN 978-3-8445-3023-0.

Kinder- und Jugendbücher

  • Abenteuer in Jerusalem. Huber, Frauenfeld/ Stuttgart 1981, ISBN 3-71930-814-6.
  • Sumchi. Eine wahre Geschichte über Liebe und Abenteuer. Hanser, München 1993 (übersetzt von Mirjam Pressler), ISBN 3-44617-391-9 (Aus dem Hebräischen von Mirjam Pressler, illustriert von Quint Buchholz).
  • Panther im Keller. C. Hanser, München 1997 (übersetzt von Vera Loos, Naomi Nir-Bleimling), ISBN 3-44618-566-6 (Aus dem Hebräischen von Vera Loos und Naomi Nir-Bleimling).

Literatur

Filme

  • Amos Oz: Von Wüste und von Hoffnung. Gespräch mit Video-Einspielungen, Frankreich, Deutschland, 2013, 43 Min., Moderation: Vincent Josse, Produktion: arte France, Redaktion: Square, Erstsendung: 24. März 2013 bei arte, Inhaltsangabe von arte.
  • Amos Oz. Die Natur der Träume. Dokumentarfilm, Israel, Deutschland, 2009, 72 Min., Buch und Regie: Masha und Yonathan Zur, Produktion: ZDF, arte, Inhaltsangabe von arte.

Weblinks

 Commons: Amos Oz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Abraham Balaban: Between God and Beast. An Examination of Amos Oz’s Prose. Pennsylvania State University Press, University Park 1993, ISBN 0-271-00851-2, S. 253 (Bibliography).
  2. Israelischer Schriftsteller Amos Oz gestorben. Oz starb mit 79 Jahren an einem Krebsleiden. In: deutschlandfunkkultur.de. 28. Dezember 2018, abgerufen am 28. Dezember 2018.
  3. Amos Oz is most translated Israeli author. In: ynetnews.com. 31. Dezember 1999, abgerufen am 28. Dezember 2018.
  4. Abraham Balaban: Between God and Beast. An Examination of Amos Oz’s Prose. Pennsylvania State University Press, University Park 1993, ISBN 0-271-00851-2, S. 1–3. (via Questia)
  5. Yair Mazor: Somber Lust. The Art of Amos Oz. State University of New York Press, Albany 2002, ISBN 0-7914-5308-1, S. 1–2.
  6. Gila Ramras-Rauch: Oz, Amos. In: David Patterson, Alan L Berger, Sarita Cargas (Hrsg.): Encyclopedia of Holocaust literature. Oryx Press, Westport 2002, ISBN 1-57356-257-2, S. 139.
  7. Patrick M. O’Neil: Great World Writers: Twentieth Century. Volume 9. Marshall Cavendish, New York 2004, ISBN 0-7614-7477-3, S. 1165. (via Questia)
  8. Fred Viebahn: Ein Tag bei Amos Oz. In: Freie Jüdische Stimme. Nr. 8, Juli 1980.
  9. Amos Oz: Caught in the crossfire. In: Los Angeles Times. 19. Juli 2006, archiviert vom Original am 18. Januar 2010, abgerufen am 28. Dezember 2018.
  10. Amos Oz: Israel muss seine Bürger verteidigen. In: Bild (Zeitung). 28. Dezember 2008, abgerufen am 28. Dezember 2018.
  11. The war in Gaza—vicious folly of a bankrupt government. In: Gusch Schalom. 29. Dezember 2008 (englisch).
  12. Amos Oz: Hamas responsible for outbreak of Gaza violence. In: Haaretz. 30. Dezember 2008, abgerufen am 4. Mai 2009.
  13. Neue Linksbewegung kandidiert bei Knesset-Wahlen. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Israelnetz. 23. Dezember 2008, ehemals im Original, abgerufen am 28. Dezember 2018.
  14. Meretz, Hatnua Hahadasha finalize merger, lists. In: The Jerusalem Post. 23. Dezember 2008, abgerufen am 28. Dezember 2018 (englisch).
  15. friedenspreis-des-deutschen-buchhandels.de
  16. Onlineauftritt Literatur im Nebel Literaturfest 2007 für und rund um Amos Oz
  17. Pressemitteilung der Stadt Düsseldorf vom 13. Dezember 2008: Heine-Preis für Amos Oz: Richard von Weizsäcker hielt Laudatio. Festakt am 13. Dezember / Jury: Oz vereint literarische Kreativität, politische Sensibilität und humanistisches Engagement. (Memento vom 7. Februar 2009 im Internet Archive)
  18. Website des Pieter Gillis Zentrums der Universität Antwerpen
  19. Roland Kaufhold: Amos Oz und Sari Nusseibeh erhalten den Siegfried Unseld Preis. In: haGalil. 4. Oktober 2010. (Abgerufen am 12. Dezember 2010.)
  20. Honorary Degrees 2013-14. In: Trinity College Dublin. Abgerufen am 30. Juli 2014.
  21. Gerrit Bartels: Verräter können Veränderer sein. In: Der Tagesspiegel. 29. Juni 2015.
  22. Jerusalem: Kirchlicher Friedenspreis für Amos Oz | domradio.de. Abgerufen am 17. Juli 2017 (deutsch).
  23. Barbara Galaktionow: "Ich habe einen Familienvater getötet - da zerreißt es dich". In: sueddeutsche.de. 5. Juni 2017, abgerufen am 7. November 2018 (Rezension).
  24. Kevin Zdiara: Selbstreflexion in Israel ein Megabestseller: Amos Oz’ und Avraham Shapiras Aufzeichnungen von Gesprächen nach dem Sechstagekrieg: Sprechen über Krieg. In: taz.de. 3. Juni 2017, abgerufen am 7. November 2018.
  25. Tobias Krause: Denn sie wissen nur, wie man bis eins zählt – Amos Oz über Fanatiker. In: NZZ. 4. September 2018, abgerufen am 7. November 2018 (Rezension).


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