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1919

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Ereignisse

  • 31.7.1919-11.4.1987: Primo Levi (er schrieb auch unter dem Pseudonym Damiano Malabaila), geb. u. (wahrscheinlich) Selbsttötung in Turin, italienisch-jüdischer Schriftsteller und Chemiker, bekannt für sein Werk über den Holocaust; sein autobiographischer Roman „Ist das ein Mensch?“, in dem er seine Erfahrung im Konzentrationslager Auschwitz beschreibt, gehört zu den bedeutendsten literarischen Werken des 20. Jahrhunderts; er wurde 1943 nach Auschwitz deportiert; seine Romane behandeln die Ausgeliefertheit des Menschen an das namenlose Grauen einer unmenschlichen Umwelt; auch wissenschaftlich-utopische Erzählungen; Werke: „Ist das ein Mensch“, 1947, deutsch 1961; „Atempause“, 1963, deutsch 1964 (verfilmt 1996, Regie Francesco Rosi; mit John Turturro); „Das periodische System“, 1975, deutsch 1987; „Die Untergegangenen und die Geretteten“, 1986; Primo Levi wuchs in einer jüdisch-liberalen Familie in Turin auf; ab 1934 besuchte er das Massimo d’Azeglio liceo classico, eine humanistische weiterführende Schule, die bekannt war für die antifaschistische Einstellung einiger Lehrer, darunter Norberto Bobbio und Cesare Pavese; 1937 immatrikulierte sich Primo Levi für Chemie an der Universität Turin; 1938 erliess die faschistische Regierung Italiens ein Rassegesetz, das es jüdischen Bürgern verbot, staatliche Schulen zu besuchen; dennoch schaffte Levi es 1941, sein Studium mit Summa Cum Laude zu beenden; das Abschlusszeugnis trug jedoch den Hinweis „von jüdischer Rasse“; nach der Befreiung Mussolinis durch die SS und der Errichtung eines Marionettenstaates in Norditalien schloss sich Levi 1943 dem antifaschistischen Widerstand, der Resistenza, an; mit einigen Kameraden versuchte er sich in den ligurischen Alpen der Bewegung Giustizia e Liberta anzuschliessen; durch ihre militärische Unerfahrenheit wurden sie aber sehr schnell von faschistischen Kräften aufgegriffen; nachdem man seine jüdische Abstammung entdeckt hatte, wurde er in ein Gefangenenlager für Juden in Fossoli bei Modena überführt; am 11. Februar 1944 wurden die Insassen des Lagers in Viehtransportern nach Auschwitz deportiert; dort überlebte er elf Monate Lagerhaft im Konzentrationslager bis zur Befreiung des KZ Auschwitz durch die Rote Armee; von ursprünglich 650 italienischen Juden, mit denen er in Auschwitz angekommen war, überlebte er als einer von zwanzig; die durchschnittliche „Lebenserwartung“ der Neuankömmlinge betrug drei Monate; Levi hatte das Glück, als Chemiker in den Bunawerken arbeiten zu dürfen und so den kräftezehrenden Arbeitsbedingungen im Winter 1944/1945 zu entgehen; dennoch erkrankte er wenige Tage vor der Befreiung des Lagers an Scharlach und wurde in den Krankenblock überführt, was eigentlich ein sicheres Todesurteil bedeutete; doch damit entging Levi den Todesmärschen der vor der Roten Armee flüchtenden SS-Schergen; am 27. Januar wurde Auschwitz befreit; dennoch konnte Levi erst am 19. Oktober nach Turin zurückkehren, nachdem er von seinen Befreiern auf eine sinnlose Reise mit Zügen quer durch Ost- und Mitteleuropa geschickt worden war; während dieser Zeit begann er seine Erfahrungen in Auschwitz zu verarbeiten und ihnen literarisch Ausdruck zu verleihen; nach seiner Rückkehr nach Italien begann Primo Levi als Schriftsteller tätig zu werden; zwischen 1947 und 1977 war Levi wieder in der chemischen Industrie tätig; nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Arbeitsleben widmete er sich ganz dem Schreiben; am 11. April 1987 starb er bei einem Sturz in den Treppenschacht seines Wohnhauses; von Weltbedeutung ist sein autobiographischer Roman „Se questo è un uomo“ (deutsch: „Ist das ein Mensch? Erinnerungen an Auschwitz“, 1947), in dem er seine Erfahrungen in Auschwitz beschreibt und versucht, dem Phänomen der Entmenschlichung der Opfer nachzuspüren; in dem sich direkt anschliessenden, ebenfalls autobiographischen Roman „La Tregua“ (1958; deutsch: „Die Atempause“) beschreibt er seine Rückkehr nach Italien und seine Sicht auf ein zerstörtes Europa, das er während dieser Odyssee durchquert; autobiographisch ist auch der Roman „Das periodische System“, in dem er kunstvoll Episoden aus seinem Leben erzählt; ein Roman in 21 Kapiteln, die nach chemischen Elementen benannt sind; Levi nimmt als Chemiker Bezug zu den Eigenschaften des vorgestellten Elementes und setzt dies in Verbindung mit einer Anekdote aus seinem Leben, die die Eigenschaft des Elementes widerspiegelt; der 1975 erschienene Roman „Il sistema periodico“ wurde im Oktober 2006 vom Londoner Imperial College im Rahmen einer Publikumsabstimmung zum „besten populären Wissenschaftsbuch aller Zeiten“ gewählt; 1978 erschien von ihm der Roman „La Chiave a stella“ (deutsch 1992 unter dem Titel „Der Ringschlüssel“); - „La strada di Levi“, Film von Davide Ferrario, Italien 2006, über Levis Rückkehr aus Auschwitz nach Italien, die ihn 10 Monate durch das zerstörte Osteuropa führte; Myriam Anissimov, „Primo Levi. Die Tragödie eines Optimisten“ (Biographie, 1999)

Bücher

  • Moritz Stern, Salomon Kajjem Kaddisch, der erste kurbrandenburgische Landesrabbiner, Berlin 1919

Zeitungen und Zeitschriften

  • 18.6.1919: Erstausgabe von Haaretz in Jerusalem, noch unter dem Titel Chadaschot ha-Aretz, den heutigen Titel erhielt das Blatt ab Dezember 1919

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