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Herbert Growald

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Herbert Growald
Herbert (Ehud) Growald, älteres Foto
Herbert Growald (5. von links) mit Bewohnern des Kibbuz Buchenwald im Gehringshof, ca. 1946
Letzte Tagung der Jugend-Alija-Leitung im August 1941 (v.l.n.r.): Lotte Kaiser, Arthur Posnanski, Hans-Wolfgang Cohn, Sonja Okun, Alfred Selbiger, Ludwig Kuttner, Kurt Silberpfennig, Jitzchak Schwersenz, Herbert Growald
(Foto © Yoav Gad)

Herbert Ehud Growald (geb. 25. Februar 1914 in Berlin; gest. 19. April 2007 in Rishon LeZion) war ein israelischer Zionist und Hachschara-Aktivist deutsch-jüdischer Herkunft.

Leben

Geboren in Berlin 25.2.1914 – verstorben in Rishon LeZion, Israel am 19.4.2007. Herbert Growald schloss sich als junger Mann den jüdisch zionistischen Bewegungen „Maccabi HaZair“ (der junge Makkabäer) und dem „HeChalutz“ (Der Pionier) an. Er gehörte zu den führenden Persönlichkeiten der Zionistischen Jugend in Deutschland. In den Jahren 1939-1943 war er im Leitungskreis des Hechalutz in Deutschland aktiv.

Zwischen 1939 und 1941 war Herbert Growald in der Zentrale des Hechalutz in Berlin, wo er Aktivitäten im Bereich von Kultur, Erziehung und Jugendausbild mitorganisierte. Im August 1940 gehörte Herbert Growald dem Dreier-Team an, das für die Organisation und Entsendung von drei Schiffen mit illegalen jüdischen Einwanderern in das damals unter dem britischen Mandat stehende Land Israel (Palästina) zuständig war.

In den Jahren 1940-1943 war er einer der leitenden Jugendleiter der jüdisch-zionistischen „Hachschara“-Bewegung in Ahrensdorf, und der de-facto-Leiter in Ahrensdorf. (Die „Hachschara“-Bewegung bildete Hunderte jüdische Jugendliche auf Internatsbasis in zahlreichen Orten bzw. Landfarmen in landwirtschaftlichen und handwerklichen Berufen aus, um sie dadurch möglichst lange vor der Vernichtung in Nazi-Deutschland zu bewahren.

Von Mai 1943 bis Mai 1945 war Herbert Growald zusammen mit den ausgebildeten jüdischen Jugendlichen nach Auschwitz deportiert und überlebte den berüchtigten „Todesmarsch“ von Auschwitz nach Deutschland, wobei er unterwegs durch mehrere Konzentrationslager gekommen war.

Von Mai 1945 bis Juli 1947 war Herbert Ehud Growald aktiv in der Bewegung der „Ha’apala“, der illegalen Einwanderung in das Land Israel im Rahmen des sogenannten „Institutes für die Zweite Alija“ („HaMossad leAlija Bet“, der Vorläufer des späteren „Mossad“, „Das Institut für Aufklärung und besondere Aufgaben“). Alle diese Aktivitäten hat Herr Growald ehrenamtlich und unter Lebensgefahr ausgeführt. Im Juli 1947 wanderte er im britischen „Palästina“ ein.

Werk und Wirkung

  • Herbert Ehud Growald gehörte der Führung der „HeChalutz“-Bewegung in Berlin in den Jahren 1939-1943 an. Dabei arbeitete er daran, jüdische Jugendliche in Deutschland unter eigener Lebensgefahr und persönlicher Aufopferung zu retten. Die Gefahr lässt sich dadurch veranschaulichen, dass der Leiter der „HeChalutz“ in Berlin, Alfred Selbiger, im November 1942 exekutiert wurde, weil er die von der Gestapo geforderte Anzahl von jüdischen Jugendlichen für den Transport nach Auschwitz nicht erfüllen wollte. Herr Growald musste jede Woche von der „Hachschara“ in Ahrensdorf und später aus Neuendorf in die Zentrale nach Berlin reisen, wobei er den gelben „Judenstern“ auf der Brust tragen musste, was ihn bewusst der Gefahr der Willkür aussetzte. In Berlin musste er über die Aktivitäten berichten und sie koordinieren. In der Zentrale des „HeChalutz“ war er für Richa Freier, die Leiterin der Jugend-Alija, zuständig. Sie ist 1940 von Berlin unter der persönlichen Bedrohung von Adolf Eichmann in das Land Israel geflohen.
  • H. Growald leitete und war in der Zeit von 1939-1941 verantwortlich für 50 jüdische Jugendliche im Alter von 14-18 in der Ausbildung in der „Hachschara“ in Ahrensdorf. Dabei unterhielt er den Kontakt mit der „Hechalutz“ Bewegung im Land Israel und mit deren Vertreter in Europa z.T. durch den Austausch von Postkarten mit geheimen Botschaften. (Exemplare einiger dieser Postkarten sind im Archiv des Kibbuz Ma‘ayan Tzvi aufbewahrt. H. Growald war zwischen 1941 bis Mai 1943 der direkte Verantwortliche für die Gruppe der jüdischen Jugendlichen in Neuendorf. Er vertrat die Gruppe gegenüber dem für Neuendorf zuständigen Gestapo-Kommandeur und der SS-Truppe , die den Platz bewachte. H. Growald wurde wegen angeblicher „Störung“ der SS zur Vernichtung deportiert. Auf Grund besonderer Beziehungen der „Hachschara“ konnte er noch vorläufig freigelassen werden.
  • H. Growald war Teilnehmer an der Organisation und der Umsetzung der Entsendung von 1000 jüdischen Jugendlichen aus Deutschland über die Donau bis zur Fahrt von Rumänien nach Haifa mit den Schiffen „Pacific“, „Milos“ und „Atlantik“, die insgesamt ca. 3.600 Juden an Bord hatten. (Viele von ihnen wurden in Haifa durch die Engländer gewaltsam auf das Schiff „Patria“ gebracht, um sie so nach Mauritius zu verbannen. Das Schiff Patria wurde durch die jüdische Hagana-Untergrund-Bewegung versenkt, um die Verbannung der 1771 auf das Schiff gebrachten jüdischen illegalen Einwanderer zu verhindern. Durch einen tragischen Fehler bei der primitiven Bombenlegung sind über 200 der Juden umgekommen. Durch die Teilnahme an der Führung der schwierigen Verhandlung gegenüber Adolf Eichmann setzte H. Growald sein Leben aufs Spiel. Es war mit hohem persönlichen Risiko verbunden. H. Growald fuhr mit seinem Partner Efraim Frank, dem Reiseleiter der Gruppe, und mit Alfred Selbiger, dem Leiter der „Hachschara“-Bewegung in Berlin, bis zur deutsch-österreichischen Grenze. A. Selbiger und H. Growald fuhren anschließend zurück zu den Jugendlichen der „Hachschara“ in Neuendorf, (ca. 45 Km südlich von Berlin). Als Frau Ruth Zariz Herrn Growald in Israel interviewte, konnte sie nur schwer begreifen, woher er die Hingabe und Entschlossenheit gehabt hatte, zu seinen „Zöglingen“ nach Neuendorf zurückzukehren, während er (Growald) eigentlich auch mit seinem Freund Efraim Frank hätte weiter bis zum Land Israel fahren können. Frank hätte als Reiseleiter ihn gerne mitgenommen.
  • Herbert Growald ging als Jugendleiter und Führungsperson an der Spitze seiner Jugendlichen zum Transport in das Vernichtungslager Auschwitz, wo sie am 19.4.1943 ankamen. Herbert Growald kümmerte sich um die Jugendlichen, war ihr Erzieher, ihr Jugendleiter, ihr Ausbilder und ihr Trainer. Er sorgte für das Wohlergehen und die Sicherheit der Jugendlichen in der „Hachschara“, die sowohl ihm als auch weiteren Jugendleitern unterstellt waren. Er hat die Jugendlichen bewusst für die unbekannte Zukunft im Glauben und mit der Auffassung vorbereitet, die unter dem Motto stand: „Einer für alle und alle für Einen“. Es war der pädagogische Einsatz für gegenseitige Hilfe und Solidarität. H. Growald sorgte dafür, dass die Jugendlichen vor der Deportation zum Transport aus der „Hachschara“ sich jeweils einen Rucksack vorbereiteten und Anleitungen mitbekamen. Er vertrat die Gruppe in jeder Situation und an jedem Ort, womit er den Jugendlichen Sicherheit und Geborgenheit in der Gruppe verliehen hat. Als sie im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau ankamen, stieg er aus dem Zug und stellte sich vor die ganze Gruppe. Es waren ca. 80 Jungen und Mädchen. Er teilte dem dort zuständigen SS-Offizier, Dr. Mengele, mit, dass es sich um starke und trainierte junge Leute handele, die für Arbeit geeignet seien. Damit trug er zu ihrer vorläufigen Errettung bei. Er machte es im klaren Bewusstsein, dass er sein Leben riskierte. H. Growald verlangte, dass alle als eine Gruppe zusammenbleiben sollten. So ist es gewesen, allerdings mit der Trennung zwischen Jungen und Mädchen. Dank der Vorbereitungen und der Ausbildung in der „Hachschara“ wussten die Jugendlichen den Kontakt miteinander zu pflegen und einander zu helfen. Kontakte, die lebensrettend waren!
  • Herbert Ehud Growald war aktiver Teilnehmer in der „Flucht-Bewegung (HaBricha)“ und bei den Aktivitäten des „Institutes für die Alija B“ (der Mossad für Alija Bet) in der Zeit zwischen Mai 1945 und Juli 1947 und aufgrund der Auswahl durch und die Bitte von Dr. Nachum Goldmann und David Ben Gurion. Nach seiner Befreiung aus dem Lager und trotz seines starken Willens, als Neueinwanderer in das Land Israel zu reisen, hat man H. Growald gebeten, in dem „Kibbuz Buchenwald“ unweit von Fulda in Deutschland zu bleiben und von dort aus die Fluchtbewegung jüdischer Flüchtlinge unter hohem persönlichen Einsatz und Risiko zu leiten und zu koordinieren. Es handelte sich um Juden aus ganz Deutschland, die nach Südfrankreich, in Richtung Marseille geschickt wurden. Dort sollten sie die Schiffe der illegalen jüdischen Einwanderung besteigen, um in das Land Israel zu reisen, das sich damals noch unter dem britischen Mandat befand. Die Lebensgeschichte von Herbert Ehud Growald ist in zahlreichen Geschichten, Schriften und Bildern dokumentiert. Der Beitrag wurde von seinem Sohn, Yoav Gad (Growald), auf Hebräisch verfasst und von Ari Lipinski übersetzt und überarbeitet.

Bildcollage

Herbert Ehud Growald – Bilder von seiner Jugend in Deutschland, von seiner Hochzeit (Bild unten rechts) mit Illa (Aliza) Löwenstein am 9.6.1946 im Kibbuz Buchenwald in Gehringshof bis zum Urlaub als Israeli, der seine tätowierte KZ-Nr. aus Auschwitz trotzig noch auf dem Arm trägt:

HERBERT-EHUD-GROWALD-SET.jpg


Erstmalige Veröffentlichung: Am 18.9.1939 antwortete das Amt des britischen P.M. Lord Neville Chamberlain auf die Bitte der Verlobten von Herbert Growald, Illa (Aliza) Löwenstein, ihn aus Deutschland zu retten. Die Briefkopie gehört Yoav Gad, dem Sohn von Illa und Herbert Growald. Er besitzt den Originalbrief. Yoav Gad erlaubt die Nutzung der Briefkopie nur, wenn dabei sein Name als Inhaber der Kopierrechte genannt werde. Initiierung und Bearbeitung der Publikation: Ari Lipinski.

18.9.1939-Antwortbrief-des-britischen-PM-Chamberlain-Amtes-auf-Bitte-Herbert-Growald-zu-retten.jpg

Literatur

  • Ruth Zariz – Flucht vor der Shoah, Emigration aus Deutschland in den Jahren 1938 – 1941, Herausgegeben von „Das Haus Lochamej haGeta’ot“ im Verlag „HaKibbuz HaArzi“ 1990, Kap. 8, Seiten 132, 134.
  • Blätter zur Erforschung der Zeit der Shoah „H, das Institut zur Erforschung der Zeit der Shoah der Universität Haifa gemeinsam mit dem Museum „Lochamei HaGettaot“, 1987, Ruth Zariz – Die Hachschara Neuendorf bis April 1943, Seite 232
  • Kibbuz Buchenwald, Judith Tidor Baumöl, Museum „Lochamei HaGettaot“, Verlag „Kibbuz HaMeuchad“, 1994, Seite 121
  • „Trotz allem“…, Eliyahu Kotti Selinger, Die Pionierjugendbewegung „HaNoar HaChaluzi“ in Deutschland in den Jahren 1933 – 1943, Herausgegeben durch „Yad Yaari“ und dem Leo-Baeck-Institut, 1998, Seiten: 146, 147, 155, 156, 157, 160, 161, 162, 163, 195, 196, 242, 269.
  • Blätter zur Erforschung der Zeit der Shoah „H, das Institut zur Erforschung der Zeit der Shoah der Universität Haifa gemeinsam mit dem Museum „Lochamei HaGettaot“, 1987, Ruth Zariz – Die Hachschara Neuendorf bis April 1943, Seiten: 141, 142 sowie die Seiten 145 bis 150.
  • Anneliese Borinski (Ora Aloni), „Erinnerungen 1940 – 1943“, niedergeschrieben im Mai 1945, Druck 1970 / 23 in Kibbuz Ma‘ayan Zvi. Seiten: 36, 37, 39, 41, 42, 43, 65
  • Ruth Zariz im Tonband-Interview mit Ehud (Herbert) Growald, 1981 im ausgedruckten Bericht auf Seiten 4 und 13.

Weblinks

Siehe auch

  • Yoav Gad, der Sohn von Herbert Ehud Growald
 Chawerim – Jüdische Selbstorganisation, Widerständigkeit und die Hachschara-Bewegung des Instituts für Neue Soziale Plastik (www.neue-soziale-plastik.org)
  • Ausstellung Brandenburg.png


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