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Löwen

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Dieser Artikel befasst sich mit der belgischen Stadt Löwen; zu weiteren gleichnamigen Bedeutungen siehe Löwen (Begriffsklärung).
Löwen
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Löwen (Erde)
Löwen
Löwen
Staat Belgien
Region Flandern
Provinz Flämisch-Brabant
Bezirk Löwen
Koordinaten 50° 53′ N, 4° 42′ O50.8791666666674.7019444444445Koordinaten: 50° 53′ N, 4° 42′ O
Fläche 56,63 km²
Einwohner (Stand) 96.942 Einw. (1. Jan. 2011)
Bevölkerungsdichte 1712 Einw./km²
Postleitzahl 3000 (Löwen)
3001 (Heverlee)
3010 (Kessel-Lo)
3012 (Wilsele)
3018 (Wijgmaal)
Vorwahl 016
Bürgermeister Louis Tobback (sp.a)
Adresse der
Stadtverwaltung
Stadhuis
Grote Markt 9
3000 Leuven
Webseite www.leuven.be
lblelslh

Löwen (niederländisch  Leuven?/i, französisch Louvain) ist eine belgische Stadt in der Region Flandern. Sie ist Hauptstadt der Provinz Flämisch-Brabant und Hauptort des Arrondissements Löwen.

Löwen ist vor allem bekannt für seine Universität, die Katholieke Universiteit Leuven, als Unternehmenssitz der Brauereigruppe Anheuser-Busch InBev und für seine Architektur, die mit dem gotischen Rathaus und dem Alten Markt einige der schönsten Beispiele flämischer Baukunst aufweist.

Geographische Lage

Löwen liegt circa 20 Kilometer östlich von Brüssel am Fluss Dijle in der Provinz Flämisch-Brabant. An Löwen grenzen (im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden) die Gemeinden Rotselaar, Holsbeek, Lubbeek, Bierbeek, Oud-Heverlee, Bertem, Herent und Haacht.

Seit Januar 1977 umfasst Löwen die Teilgemeinden Heverlee (21.429 Einwohner), Löwen (30.169), Kessel-Lo (27.476), Wijgmaal (3.505) und Wilsele (9.358).

Namensherkunft

Der heute gebrauchte Name „Leuven“ taucht erstmals in Schriften aus dem 16. Jahrhundert auf. Davor waren vor allem die Formen „Loven“, „Lovenne“ und „Loevenne“ verwendet worden.[1] Welche Herkunft der Name „Leuven“ hat, ist umstritten. Es gibt zahlreiche Theorien zu dieser Frage, von denen jedoch einzelne deutlich legendäre Züge tragen.

So soll nach einer Erklärung der Name „Loven“ von einem schottischen Prinzen namens „Lupus“ abstammen, der die Stadt gestiftet haben soll,[2] wofür es aber keinerlei Beweise gibt.[3] Nach einem anderen Ansatz rührt der Name „Loven“ daher, dass auf dem Löwener Gebiet früher ein Tempel stand, in dem ein heidnischer Gott verehrt wurde[4] (das niederländische „loven“ bedeutet „preisen“). Auch für diesen Ansatz lassen sich aber keinerlei Beweise anführen.[3] Teilweise wird auch vermutet, dass der Name Loven durch die Normannen aus Skandinavien mitgebracht wurde, erst der Dijle gegeben wurde und anschließend auf die benachbarte Siedlung überging.[5]

Die Erklärung, der heute der Vorzug gegeben wird, ist die, dass der Name „Loven“ die beiden Worte „Lo“ (Wald) und Ven (Sumpf) miteinander verknüpft, so dass ein sumpfiger Wald oder ein Wald im Sumpf beschrieben wird.[6] Die Lage der Stadt im früher feuchten und sumpfigen Dijletal und die damalige Nähe des Waldes bestärken dies.

Geschichte

Frühzeit und Römerzeit

Bereits um 130.000 v. Chr. war die Gegend um Löwen besiedelt, wie archäologische Funde belegen. Die ersten Niederlassungen datieren allerdings erst aus der Zeit um 3500 v. Chr. Um 1600 v. Chr. lebten die Nervier und die Eburonen im Löwener Gebiet. Letztere wurden bei der Unterwerfung Galliens durch Gaius Iulius Caesar ausgelöscht. Ausgrabungen belegen, dass der historische Stadtkern Löwens um 50 v. Chr. bebaut gewesen sein muss. Die Lage der Siedlung an der Dijle und am Handelsweg zwischen Tienen und Elewijt (heute Teilgemeinde von Zemst) war ausgesprochen günstig. Nachdem im 3. Jahrhundert n. Chr. die Germanen einfielen, wurde die Einwohnerzahl der kleinen Siedlung wieder stark reduziert.

Erste Erwähnung und Grafschaft Löwen

Im 8. Jahrhundert wurde die Bevölkerung der Löwener Region zum Christentum bekehrt, wobei Hubertus von Lüttich eine wichtige Rolle spielte. Aus dieser Zeit stammt vermutlich auch bereits die heutige Kirche Sint Pieter. Im Jahre 891 (nach anderen Quellen bereits 884) wird „Loven“ zum ersten Mal erwähnt, als eine Wikingerarmee vom römisch-deutschen Kaiser Arnulf von Kärnten geschlagen wurde („Schlacht von Löwen“). Der Legende nach soll während der Schlacht soviel Blut geflossen sein, dass beide Ufer der Dijle rot vom Blut waren. Dies solle die Flagge der Stadt (weiß mit zwei roten Streifen) symbolisieren.

Seit 870 war Löwen die Hauptstadt einer Grafschaft Löwen. Deren Grafen stammten von den Karolingern ab und wählten Löwen vermutlich wegen seiner günstigen Lage an der Dijle und an der Römerstraße zwischen Boulogne-sur-Mer und Köln als Hauptsitz. Ein urkundlich erwähnter Graf von Löwen war Lambert I., der auch Markgraf von Lothringen war und durch eine Heirat eine Grafschaft aus dem Gau Brabant hinzuerlangte. Zuvor wurde schon Sieghard, Graf im Lüttich- und Hennegau auch hier als Gaugraf erwähnt. 1085/1086 erhielt der Löwener Graf Heinrich III. eine zweite Grafschaft aus diesem Gebiet als Lehen hinzu. Die Landgrafschaft wurde 1183 zum Herzogtum erhoben, was heute als Grundlage für die Entstehung des Herzogtums Brabant gesehen wird.

Auch das Aussehen Löwens veränderte sich zu dieser Zeit. Der heutige Stadtkern war besiedelt und die Grafen von Löwen trugen durch zahlreiche Stiftungen zur Erweiterung bei. So gründete Gottfried I. von Löwen im Südosten der Stadt die Parkabtei und ließ auch eine neue Sint Pieterskirche erbauen. 1080 wurde das erste Krankenhaus gestiftet und 1150 wurde mit dem Bau einer Stadtmauer begonnen.

Blütezeit und Niedergang

Obwohl Brüssel 1267 Hauptstadt des Herzogtums wurde, war Löwen doch noch lange Zeit bedeutender. Die Geldnot der Herzöge, die im Austausch gegen Kredite von den Städten Vorrechte an diese vergaben, führte dazu, dass Löwens Macht wuchs. Auch die Bevölkerungszahlen wuchsen auf einige tausend Einwohner an, was zum Bau einer Reihe neuer Gebäude (unter anderem der heutigen Lakenhalle) führte. Auch zahlreiche kirchliche Orden zogen nach Löwen, so z.B. die Franziskaner (1233), die Augustiner (1248) und die Magdalenerinnen (1248). Auch die beiden Beginenhöfe stammen aus dieser Zeit.

Ab 1350 begann Löwen gegenüber dem wachsenden Brüssel an Bedeutung zu verlieren. Soziale Spannungen, der Niedergang der Wollindustrie und der Ausbruch des Brabanter Erbfolgekriegs, der eine neue kostspielige Stadtmauer erforderlich machte, bescherten Löwen eine schwierige Periode.

Gründung der Universität

Erst die Ansiedelung neuer Industriezweige, wie z. B. der Leinenweberei, sorgte für neuen Aufschwung. 1425 wurde die Universität durch eine Bulle von Papst Martin V. gegründet. Zwischen 1439 und 1469 wurde das gotische Rathaus erbaut, welches mit seinen unzähligen Ornamenten und Figuren Zeugnis ablegt von der blühenden Bildhauerkunst des 15. Jahrhunderts. Für Löwen bedeutete dies eine kurze goldene Ära, die bereits 1475 durch Geldsorgen und einige Aufstände wieder endete. 1578 wütete die Pest in der Stadt und dezimierte die Bevölkerung drastisch. Löwen war im 16. Jahrhundert mehrfach das Opfer von Belagerungen und schließlich musste die Universität geschlossen werden.

Österreichische Herrschaft und Wiederaufbau

Auch wenn die Bevölkerungszahlen ab 1650 wieder stiegen, blieb Löwen doch wirtschaftlich bedeutungslos. Erst ab 1750, unter österreichischer Herrschaft, blühte Löwen wieder auf. Die Industrie kam zurück und breite Straßen wurden angelegt, die Löwen mit Brüssel verbanden und den Handel stimulierten. Auch ein Kanal wurde gegraben, der eine Verbindung nach Antwerpen herstellen sollte. Der Erfolg dieses Projekts schlug sich anschließend im enormen Zuwachs des Bierexports nieder. 1764 hatte Löwen 52 Brauereien, in denen insgesamt 120 Arbeiter beschäftigt waren.

Löwen gehörte, wie ganz Belgien und Luxemburg, unter dem Namen „Österreichische Niederlande“ von 1714 bis 1798 zum Habsburger-Reich.

Französische Herrschaft

Als Frankreich die Herrschaft übernahm, war die Löwener Bevölkerung demgegenüber zunächst positiv eingestellt, doch schlug die Stimmung schnell um. Die Universität wurde dazu verpflichtet Tribut zu zahlen und die Wehrpflicht wurde eingeführt. Kirchen wurden geschlossen, Kunstschätze wegtransportiert, die Universität schließlich geschlossen. Der Kanal wurde nicht länger unterhalten, Gilden, Handwerk und Klöster verschwanden und Löwen verlor wieder an Bedeutung. Erst unter Napoleon besserte sich die Situation leicht, so dass er bei seinem Besuch in Löwen entsprechend herzlich empfangen wurde.

Niederländische Herrschaft und Belgische Revolution

Unter Wilhelm I. der Niederlande erhielt Löwen schließlich einige Kunstschätze zurück und auch die Universität wurde im Oktober 1817 wiedereröffnet. Als 1830 die Belgische Revolution ausbrach, wurde Löwen zwar noch einmal durch die Holländer belagert, doch diese konnten mithilfe von Bauern aus dem Umland vertrieben werden. Schließlich wurde die Vorläufige Regierung gebildet, unter deren Mitgliedern sich auch der Löwener Sylvain Van de Weyer befand.

Während des Zehn-Tage-Feldzugs 1831 lag Löwen in der Schusslinie. Am 12. August wurde die Stadt umzingelt. Allerdings rückten französische Truppen nach und schließlich wurde in Pellenberg, einem Ort bei Löwen (heute Teil von Lubbeek) der Waffenstillstand unterzeichnet.

Nach der Unabhängigkeit

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Blick auf Löwen (circa 1890-1900)
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Löwen nach der Zerstörung im Jahre 1915

Nach der Unabhängigkeit Belgiens blühte Löwen wieder auf. Die Stadt erhielt einen Eisenbahnanschluss, der Bahnhof wurde gebaut, und Löwen wurde zum wichtigen Eisenbahnknotenpunkt. Auch die Industrie – insbesondere die Brauereien, Textilfabriken und metallverarbeitenden Betriebe – verzeichnete Zuwachs. Hierdurch wuchs auch die Bevölkerung und Krankheiten wie Typhus und Cholera brachen aus.

Der Erste Weltkrieg

Hatte die Stadt noch größere Pläne gehabt, so wurde sie an deren Ausführung durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs gehindert. Am 4. August 1914 griffen die deutschen Truppen gemäß dem Schlieffen-Plan das neutrale Belgien an, um eine rasche Entscheidung im Westen zu erzwingen. Die Besetzung Löwens am 19. August war zunächst ruhig verlaufen, doch am 25. August kursierten Gerüchte, dass belgische und britische Truppen auf die Stadt marschieren und deutsche Soldaten berichteten, dass sie unter Beschuss genommen worden seien.

Die Furcht vor Überraschungsangriffen und die irrtümliche Annahme, dass auf sie geschossen würde, waren der wichtigste Auslöser für Repressalien gegen die Zivilbevölkerung. Diese basierte auf Erfahrungen im Krieg 1870/71 und den Franktireuren.

Löwen wurde Ende August 1914 ein Ort solcher Furcht, die die Deutschen Soldaten zum Ausführen eines Kriegsgräuels führte. Sie waren hier einquartiert, andere fluteten vor einem Ausfall der belgischen Armee aus Antwerpen zurück oder marschierten, wie die 17. Reserve-Division am Abend des 25. August, auf dem Weg zum ersten Fronteinsatz durch Löwen, als sich irgendwo ein Schuss löste und eine Panik sich in einer wilden Schießerei Bahn brach.[7]

In der Folge beschloss die deutsche Heeresleitung offenbar, an Löwen ein Exempel zu statuieren und die Universitätsstadt niederzubrennen. Die Soldaten drangen in die Häuser ein, aus denen angeblich geschossen worden war, töteten alle bewaffneten Personen und steckten die Gebäude in Brand. Die Strafaktionen dauerten einige Tage, bis am 29. August die Bevölkerung Löwen verlassen musste und die ganze Stadt in Brand gesteckt wurde. Große Teile des Stadtkerns wurden vollständig zerstört, nur das gotische Rathaus blieb verschont. Insgesamt brannten 1081 Häuser nieder und 248 Bürger starben.

Auch die Sint Pieterskirche litt unter den Flammen und zahlreiche ihrer Kunstschätze gingen verloren. Den größten Verlust aber stellte die Universitätsbibliothek dar, wo 1000 Handschriften, 800 Inkunabeln und 300.000 Bücher, die in 500-jähriger Arbeit angesammelt worden waren, verbrannten. Diese Tat löste Bestürzung aus. Während etwa die Neue Freie Presse aus Wien zunächst (am 28. August 1914) billigend von einer „Züchtigung der Stadt Löwen“ sprach, erregte sich die Londoner Times vom 29. August darüber, dass sich die deutschen „Hunnen“ am „belgischen Oxford“ vergriffen hätten. Der Fall von Löwen wurde letztlich zu einer moralischen und propagandistischen Katastrophe der Mittelmächte, der Begriff Rape of Belgium wurde geprägt, wie auch The Crucified Soldier und Kadaververwertungsanstalt. Vergeblich antworteten am 11. Oktober 1914 deutsche Intellektuelle mit einem „Aufruf an die Kulturwelt“. Carl Zuckmayers Erzählung Engele von Löwen spielt im Löwen zur Zeit des Ersten Weltkriegs.

Es dauerte lange, bis Löwen danach wiederhergestellt war. Das Gebäude der Universitätsbibliothek wurde aufgrund von Spenden aus den USA rekonstruiert und am 4. Juli 1928 eingeweiht. Der Artikel 247 des Versailler Vertrags hatte Deutschland verpflichtet, der Universität Löwen „Handschriften, Inkunabeln, gedruckte Bücher und Sammlungsgegenstände in gleicher Zahl und in gleichem Wert zu liefern, wie sie durch den von Deutschland … angelegten Brand zerstört wurden“.

Der Zweite Weltkrieg

Der Zweite Weltkrieg hatte an der Westfront mit dem sogenannten Sitzkrieg begonnen. Am 10. Mai 1940 begann die Wehrmacht den Westfeldzug und rückte unerwartet schnell - und unerwartet durch die Ardennen - mit starken Panzerverbänden vor (Näheres hier).

Löwen wurde am 13. Mai 1940 unter deutschen Beschuss genommen. Die britische Expeditionsarmee (BEF) - sie hielt zuvor den Abschnitt zwischen Löwen (25 km östlich von Brüssel) und Wavre (25 km südlich von Löwen) - verließen die Stadt am 16. Mai und einen Tag später besetzten Truppen der deutschen Wehrmacht Löwen. Bei einem Artilleriegefecht zwischen deutschen und britischen Einheiten wurde wieder die Universitätsbibliothek getroffen. 900.000 Bücher, die durch Spenden aus der ganzen Welt seit dem Wiederaufbau gesammelt worden waren, wurden von den Flammen vernichtet, darunter auch die päpstliche Stiftungsbulle aus dem Jahr 1425. Im Frühjahr 1944 wurde Löwen heftig von den Alliierten bombardiert, wodurch die Sint Pieterkirche und die filigrane Fassade des Rathauses beschädigt wurden. Am 6. Juni 1944 landeten die Alliierten in der Normandie. Nach der Kapitulation von Paris (25. August 1944) stießen die alliierten Truppen schnell vor. Ein rascher Vorstoß britischer Panzerdivisionen aus der Gegend um Lille erreichte am 3. September 1944 Brüssel und am 4. September die wichtige Hafenstadt Antwerpen. Kurz zuvor räumte die deutsche 15. Armee unter chaotischen Umständen auch Löwen. Der folgende Wiederaufbau dauerte lange. Zum Beispiel zog sich die Renovierung des Rathauses bis 1982 hin.

Demografische Entwicklung


  • Quellen: NIS und Stadt Löwen – Anmerkung: 1806 bis 1970= Volkszählungen; ab 1977= Einwohnerzahl am 1. Januar
  • 1977: Eingliederung der bis dahin selbstständigen Gemeinden Heverlee, Kessel-Lo, Wilsele, dem Weiler Wijgmaal von der Gemeinde Herent sowie Gebietsteilen von Korbeek-Lo und Haasrode

Verkehr

Durch die Autobahnen A2 und A3 ist die Stadt Richtung Westen an Brüssel angebunden und Richtung Osten an Genk und Lüttich.
Löwen besitzt außerdem einen wichtigen Bahnhof an der Zugstrecke 36 (IC A: Ostende – Brügge – Gent – Brüssel–Löwen–Lüttich-Guillemins–Verviers–Welkenraedt–Eupen). Mit 30.000 Reisenden pro Tag ist der Bahnhof Löwen an fünfter Stelle der meistfrequentierten Bahnhöfe in Belgien. Der Bahnhof hat 13 Gleise und Bahnsteige, wovon 4 Gleise in Löwen enden. Vorgesehen ist eine Anbindung an die geplante S-Bahn „GEN Brüssel“.
Den Busverkehr in Löwen betreibt das Verkehrsunternehmen De Lijn.

Sehenswürdigkeiten

Rathaus

Die bekannteste Sehenswürdigkeit Löwens ist das gotische Rathaus von Löwen (erbaut von 1439 bis 1468) von Sulpitius van Vorst und Matheus de Layens. Es gilt als eines der schönsten Bauwerke der Spätgotik in Europa und ist eines der berühmtesten Rathäuser der Welt. Das Rathaus steht am Großen Markt (Grote Markt) direkt gegenüber der Sint Pieterskirche. Vorbild war ursprünglich das Brüsseler Rathaus gewesen, wie Quellen aus dem 15. Jahrhundert belegen, anschließend wurde das Vorbild aber an Figurenreichtum übertroffen.

Tafelrond

Weitere Sehenswürdigkeit am Grote Markt, links neben dem Rathaus, ist der gotische Tafelrond. Er wurde zwischen 1480 und 1487 von Matheus de Layens erbaut und diente ursprünglich als Versammlungshaus der Gilden der Rhetoriker und Schützen, später auch als Festsaal. Nachdem das Gebäude im 19. Jahrhundert stark heruntergekommen war, wurde es schließlich 1818 abgerissen und durch einen neoklassizistischen Bau ersetzt. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde beschlossen, das ursprüngliche Gebäude wieder aufzubauen, was bis 1928 verwirklicht wurde. Danach beherbergte der Tafelrond die Nationalbank. In die Nischen der Fassade wurden Statuen der Bankdirektoren im gotischen Stil gesetzt. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude beschädigt, anschließend jedoch wieder vollständig restauriert.

Sint Pieterskirche

Gegenüber dem Rathaus am Grote Markt befindet sich die Sint Pieterskirche, die als eines der Hauptwerke der brabantischen Gotik gilt. Ursprünglich befand sich an dieser Stelle eine romanische Kirche, gestiftet von Graf Gottfried I. von Löwen, die jedoch im 15. Jahrhundert ersetzt wurde durch den heutigen gotischen Bau. Der genaue Baubeginn ist umstritten, da die Archive der Kirche verloren gegangen sind. Fest steht jedoch, dass sie – wie Rathaus und Tafelrond – von Sulpitius van Vorst begonnen und nach dessen Tod von Matheus de Layens fortgeführt wurde. Die Bauarbeiten zogen sich bis ins 17. Jahrhundert hin, wo Joost Massys das Werk beendete. Trotzdem ist die Kirche bis heute unvollendet geblieben. Ursprünglich waren drei hohe Türme vorgesehen gewesen, einer von 150 m Höhe, die beiden anderen von 120 m Höhe. Diese Pläne scheiterten jedoch an schlecht ausgearbeiteten Berechnungen und ungünstigen Bodenverhältnissen. 1604 stürzte einer der unvollendeten Türme teilweise wieder ein, so dass die Kirche bis heute ohne nennenswerten Turm geblieben ist.

Die Sint Pieterskirche ist im Laufe der Löwener Geschichte immer wieder Opfer von Plündereien geworden. Im Ersten Weltkrieg litt sie schwer bei einem Brand, dem ein großer Teil ihrer Kirchenschätze zum Opfer fiel. Während des Zweiten Weltkriegs wurde sie in einem Feuergefecht beschädigt.

In der Kirche befindet sich eine Schatzkammer, in der das Triptychon der Abendmahlsaltar von Dierick Bouts bewundert werden kann, sowie das Gemälde „Das Martyrium des heiligen Erasmus“. Zudem befinden sich in der Kirche ein gotisches Sakramentshaus, entworfen von Mathaeus de Layens, die Krypta der romanischen Kirche, sowie zahlreiche andere Gemälde und Standbilder.

Hortus Botanicus Lovaniensis

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Orangerie des Kruidtuin

Der Hortus Botanicus Lovaniensis (auch als „Kruidtuin“ bekannt) wurde im Jahr 1738 angelegt und ist somit der älteste Botanische Garten Belgiens. Ursprünglich umfasste er nur Kräuter und Heilpflanzen, diente also in erster Linie der medizinischen Forschung. Später wurde der Garten um Zierpflanzen, Nutzpflanzen, seltene Pflanzenarten und Arboreta erweitert. Heute befindet sich auf den 2,2 ha des Gartens eine große Sammlung von Bäumen und Sträuchern, sowie im Gewächshauskomplex eine Vielzahl von Kräutern, Wasserpflanzen und tropischen Gewächsen.

1976 wurde der Hortus Botanicus Lovaniensis durch königlichen Beschluss in den Rang einer „Landschap“ erhoben und die Orangerie zum „Monument“ erklärt.

Großer Beginenhof

Der Große Beginenhof in Löwen ist mit 3 ha bebauter Fläche einer der größten noch bestehenden Beginenhöfe in Flandern. Seit dem 31. März 2000 gehört er zum UNESCO-Weltkulturerbe. Der Große Beginenhof entstand im frühen 13. Jahrhundert und erlebte seine zwei Blütezeiten im 13. Jahrhundert und später gegen Ende des 16. Jahrhunderts, als die Zahl der Beginen auf über 360 anstieg. Im Jahre 1960 erklärte sich die Katholieke Universiteit Leuven bereit, den damals heruntergekommenen Beginenhof zu restaurieren, um dort Studenten und Gastprofessoren unterzubringen. In zwei Phasen wurde in den 1960er/70er Jahren und in den 1980er Jahren der komplette Hof renoviert.

Der Löwener Beginenhof ist ein typischer Stadtbeginenhof mit zahlreichen kleinen Straßen und Plätzen, sowie drei Brücken über die Dijle, die den Hof durchfließt. Eine Anzahl Häuser stammt aus dem 16. Jahrhundert; der Großteil der Bebauung wurde 1630-1670 errichtet. Die Architektur ist traditionell, mit vereinzelten barocken Verzierungen. Die Sint Jan de Doper-Kirche ist frühgotisch mit einigen romanischen Elementen, in deren Innenraum während der Restauration zahlreiche alte Wandmalereien freigelegt wurden.

Sint Kwintenskirche

Sint Kwinten ist eine Kirche aus dem 15. Jahrhundert im Stile der Brabanter Hochgotik. Bereits im 11. Jahrhundert stand an dieser Stelle eine kleine Kapelle, vermutlich errichtet in der Zeit von Lambert I. von Löwen. Dieser Bau wurde im 13. Jahrhundert erweitert und im 15. Jahrhundert schließlich bis auf den Turm vollständig durch den heutigen gotischen Bau ersetzt. Die Sint Kwintenskirche ist ein schlichtes Gebäude, springt jedoch durch ihre erhöhte Position auf einer Anhöhe am Rande der Naamsestraat sofort ins Auge. Justus Lipsius bezeichnete sie als die schönste aller Löwener Kirchen. Im Innenraum sind zahlreiche Gemälde der Brüder Jan Jozef und Pieter Jozef Verhaghen zu besichtigen.

Universität

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Universitätsbibliothek

Löwen ist Sitz der ältesten Universität Belgiens und der Benelux-Staaten, der Katholieke Universiteit Leuven. Seit ihrer Gründung im Jahre 1425 gehört sie zu den bedeutendsten europäischen Universitäten und brachte durch die Jahrhunderte zahllose namhafte Wissenschaftler und Persönlichkeiten wie Adriaan van Utrecht (Papst Hadrian VI.), Matthias Wesenbeck, Erasmus von Rotterdam, Justus Lipsius, Andreas Vesalius, Gerhard Mercator, und Georges Lemaître hervor. An dieser Universität wird auch der Nachlass des Philosophen Edmund Husserl verwaltet.

Im Jahre 1968 wurde Löwen eines der Zentren des belgischen Sprachenstreits, in dem die gegenüber der dominierend frankophonen Oberschicht wirtschaftlich und politisch aufholenden niederländischsprachigen Provinzen politische und kulturelle Autonomie innerhalb Belgiens forderten. Obwohl die Universität zu dieser Zeit offiziell zweisprachig (französisch/niederländisch) war, wurde der De-facto-Zustand wachsender französischsprachiger Studentenzahlen am Anfang des Zeitalters der Massenuniversität von den niederländischsprachigen Studenten zunehmend als unzumutbar empfunden. Nach zum Teil heftigen Auseinandersetzungen zwischen Studenten und den Behörden kam es schließlich zu einer Aufteilung der K.U. Leuven in eine niederländischsprachige (KUL) und eine französischsprachige (UCL) Universität. Löwen blieb daraufhin Sitz der niederländischsprachigen KUL, während die französischsprachige Université catholique de Louvain in den neu gegründeten Ort Louvain-la-Neuve im wallonischen Landesteil verlegt wurde.

Neben der Universität sind in Löwen auch verschiedene Fachhochschulen angesiedelt sowie eine wissenschaftliche theologische Privathochschule, die Evangelische Theologische Faculteit.

Das Stadtbild Löwens wird stark vom studentischen Leben geprägt (2006: 31205 Studenten, davon 3849 Ausländer). Im Stadtinnern befinden sich viele Bars und Kneipen. Einer der größten Arbeitgeber der Stadt neben der Universität ist die Brauerei InBev, die zu den weltweit größten Brauereien zählt.

Im Ortsteil Heverlee, im Süden der Stadt gelegen, befindet sich das Forschungszentrum IMEC (Interuniversity Microelectronics Centre).

Söhne und Töchter der Stadt

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Sylvain van de Weyer
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Charles Auguste de Bériot

Städtepartnerschaften

Löwen unterhält Städtepartnerschaften mit Rennes in Frankreich (seit 1980), ’s-Hertogenbosch in den Niederlanden (seit 1984), Lüdenscheid in Deutschland (seit 1987) und Krakau in Polen (seit 1991). Außerdem wurden offizielle Freundschaftsverträge mit der taiwanischen Stadt Tainan und der südafrikanischen Stadt Stellenbosch abgeschlossen. Löwen hat zudem im August 1990 eine Patenschaft für die rumänische Gemeinde Cristian übernommen, für die seither regelmäßig Hilfsaktionen durchgeführt werden.

Quellen

  1. Torfs, Geschiedenis van Leuven van den vroegsten tijd tot op heden, S. 22.
  2. Divaeus, Rerum lovaniensium libri IV, I, 1, S. 2.
  3. 3,0 3,1 Lipsius, Leuven - Beschrijving van de stad en haar universiteit, S. 51; Torfs, Geschiedenis van Leuven van den vroegsten tijd tot op heden, S. 23.
  4. Divaeus, Rerum lovaniensium libri IV, I, 1, S. 1.
  5. Torfs, Geschiedenis van Leuven van den vroegsten tijd tot op heden, S. 26 f.
  6. Lipsius, Leuven - Beschrijving van de stad en haar universiteit, S. 53; Torfs, Geschiedenis van Leuven van den vroegsten tijd tot op heden, S. 24.
  7. Peter Schöller: Der Fall Löwen und das Weissbuch. Eine kritische Untersuchung der deutschen Dokumentation über die Vorgänge in Löwen vom 25. bis zum 28. August 1914; Köln & Graz, Verlag Böhlau, 1958

Literatur

Allgemein

Geschichte

  • Aerts, Kristof/De Vos, Luc/Abts, Jan: Leuven: de bevrijding 1944-1945, Löwen 1994
  • De Vos, Luc/Steurbaut, Werner/Arnout Wouters: Leuven in de tweede wereldoorlog, Löwen/Brüssel/Heverlee
  • Divaeus: Rerum lovaniensium libri IV, in: Opera Varia, Löwen 1757
  • Lipsius, Justus: Leuven – Beschrijving van de stad en haar universiteit. Latijnse tekst met inleiding, vertaling en aantekeningen, Übers.: Papy, Jan, Löwen 2000, ISBN 90-5867-055-4
  • Torfs, J. A.: Geschiedenis van Leuven van den vroegsten tijd tot op heden, Löwen 1899
  • Schediwy, Robert: Löwen – die düsteren Geheimnisse der Vergangenheit, Wiener Zeitung 9. April 1999
  • Van Even, Edward: Louvain dans le passé et dans le présent, Löwen 1895, ISBN 2-87723-578-5

Einzelnes

  • De Universiteit te Leuven, Leuven 1976, ISBN 90-6186-034-2
  • Mellaerts, David: De Sint-Pieterskerk te Leuven – Architectuur en kunstpatrimonium, Löwen 1998, ISBN 90-334-3879-8
  • Schivelbusch, Wolfgang: Eine Ruine im Krieg der Geister. Die Bibliothek von Löwen August 1914 bis Mai 1940, Frankfurt am Main, 1993, ISBN 3-596-10367-3
  • Uytterhoeven, Rik: Het Groot Begijnhof van Leuven, Löwen 1996, ISBN 90-6152-930-1

Weblinks

 Commons: Leuven – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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