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Schlacht um Paris

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Schlacht um Paris
Teil von: Zweiter Weltkrieg
Fahrzeuge der 2. französischen Panzerdivision nach der Befreiung von Paris am 25. August 1944 auf den Champs-Élysées
Fahrzeuge der 2. französischen Panzerdivision nach der Befreiung von Paris am 25. August 1944 auf den Champs-Élysées
Datum 19. August25. August 1944
Ort Paris, Frankreich
Ausgang alliierter Sieg
Konfliktparteien
Befehlshaber
Omar Bradley,
Dwight D. Eisenhower,
Philippe Leclerc de Hauteclocque,
Henri Rol-Tanguy
Dietrich von Choltitz
Truppenstärke
2. Französische Panzerdivision,
4. US-Infanteriedivision,
Résistance
Stadtbesatzung
Verluste
nicht genau bekannt nicht genau bekannt

Die Schlacht um Paris fand während des Zweiten Weltkriegs im Verlauf der Operation Overlord gegen Ende August des Jahres 1944 bei und in Paris statt.

Nachdem Mitte August 1944 ein Generalstreik eingesetzt und am 19. August ein offener Aufstand der französischen Widerstandskämpfer ausgebrochen war, stießen alliierte Verbände in Richtung Paris vor, um die Stadt zu erobern. Nach einigen Kämpfen mit den Aufständischen in Paris sowie mit den alliierten Truppen außerhalb der Stadt entschloss sich der deutsche Stadtkommandant Dietrich von Choltitz zur Kapitulation.

Ausgangssituation

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Karte der Normandie und der Truppenstärken und -bewegungen (Zeichenerklärung siehe in dieser doc-Datei)

Bereits vor dem Kriegseintritt der USA im Dezember 1941 war ein Engagement am europäischen Kriegsschauplatz absehbar. In der Konferenz von Washington im Jahr 1941 bestätigten Franklin D. Roosevelt und Winston Churchill, dass eine Landung auf dem europäischen Kontinent erforderlich werden würde, und zwar über das Mittelmeer, von der Türkei aus in den Balkan oder durch Landungen in Westeuropa. Dem Krieg gegen Nazideutschland und dessen Verbündete in Europa wurde Priorität gegenüber dem Krieg im Pazifik gegen Japan eingeräumt ("Germany first").

Um die Rote Armee zu entlasten, hatte Josef Stalin die Westalliierten zur Eröffnung einer zweiten Front gedrängt. Auf der Konferenz von Teheran im November 1943 wurden daher Landungen in Nord- und Südfrankreich, die Operationen Overlord und Anvil) beschlossen. Im Gegensatz zu Winston Churchill der, angeblich aufgrund fehlender Transportmittel, auf einen Verzicht auf die Operation Anvil drängte, favorisierte Stalin die ursprünglich geplante Zangenbewegung. Die Rote Armee hatte diese Taktik schon öfter erfolgreich angewandt. Die Amerikaner hielten eine Invasion in Südfrankreich ebenfalls für sinnvoll, da die Häfen von Toulon und Marseille gute Nachschub- und Versorgungsmöglichkeiten für die alliierten Truppen in Frankreich bieten würden. Die Durchführung einer zeitgleichen Invasion in Südfrankreich (Operation Anvil) wurde aufgegeben und als Operation Dragoon zeitversetzt im August 1944 durchgeführt.

Bei der Casablanca-Konferenz wurde in Abwesenheit Stalins die Gründung eines kombinierten Hauptquartiers, des Supreme Headquarters Allied Expeditionary Force, beschlossen. Die Führung der Supreme Allied Commander sollte Dwight D. Eisenhower übernehmen. Eisenhowers Stabschef wurde, unter der Bezeichnung Chief of Staff to the Supreme Allied Commander, der Lieutenant-General (Generalleutnant) Frederick E. Morgan, der die Planung für die Operation Overlord leiteten sollte. Die Leitung über die Landeeinheiten übernahm Bernard Montgomery. Die Seestreitkräfte sollte Admiral Bertram Ramsay befehlen, die Luftstreitkräfte von Air Chief Marshall (Luftmarschall) Trafford Leigh-Mallory. Als Hauptziele waren in der Planung die Einnahme der großen Städte Caen, Bayeux, Saint-Lô und Cherbourg vorgesehen. Danach sollten die alliierten Einheiten weiter ins Inland vorrücken und Frankreich erobern.

Der alliierte Vorstoß zur Seine

Alliierter Vorstoß Richtung Paris

Nach der Einkesselung zweier deutscher Armeen durch die Alliierten bei Falaise (→ Kessel von Falaise) zogen sich die aus dem Kessel entkommenen deutschen Soldaten in Richtung Seine zurück. Am 19. August diskutierte US-General Dwight D. Eisenhower, Oberkommandierender der alliierten Streitkräfte, mit seinen Armeegruppenkommandeuren die Verfolgung des zurückweichenden Gegners. Bei dieser Diskussion nahmen sich die Alliierten vor, die deutschen Streitkräfte westlich der Seine aufzureiben.

Um dieses Ziel zu erreichen, befahl General Bernard Montgomery der kanadischen 1. Armee und der 12. Armeegruppe, die nördlichen und südlichen Seiten des von den Deutschen besetzten Gebietes zu sichern, während weitere Einheiten der 12. Armeegruppe nordwärts zur Seinemündung vorrücken sollten, um dort den deutschen Rückzug zu stoppen. Die 21. Armeegruppe sollte erst den Kessel von Falaise in alliierte Kontrolle bringen und das Gebiet von den Deutschen befreien.

Diese Verstreuung alliierter Einheiten führte kurz darauf zu einem großen Durcheinander in den alliierten Kommunikationslinien. Bereits am 19. August gab Eisenhower bekannt: „rapid advances and consequent overlapping in attacks on a converging and fluent front.“ (Deutsch: „schnelle Vorstöße und daraus folgende Überschneidungen bei den Angriffen auf einer sich annähernden und fließenden Front.“) [1].

Für die Deutschen war das Gebiet nördlich von Paris von strategisch wichtiger Bedeutung, da sich dort ihre Abschussrampen für V1- und V2-Raketen befanden. Auf der deutschen Seite wurden die Einheiten neu gruppiert: Vom Ärmelkanal bis Laigle waren die Reste der 7. Armee, von dort bis Paris-West die Reste der 5. Panzerarmee und bei Paris und an der oberen Seine die 1. Armee aufgestellt. Dem neuen deutschen Oberbefehlshaber im Westen, Generalfeldmarschall Walter Model, wurden daher wie folgt am 19. August Befehle erteilt:

1. Verhinderung des Übergangs über die Seine abwärts [südlich] von Paris, notfalls durch Heranführen von 2 SS=P[an]z[er].=Brigaden;
2. Verhinderung des feindl. Vordringens nach Norden auf dem Westufer der Seine, und zwar derart, daß äußerstenfalls die 7. Armee hinter die untere Seine zurückgeführt werden dürfte;
3. Freikämpfen der Verbindung zwischen dem Sperrgürtel von Paris und dem AOK 1 [Armeeoberkommando 1 (= 1. Armee)] durch Panzerverbände, Behauptung des Raums vorwärts Paris und dadurch Sicherstellung der Rückführung der 19. Armee.[2].

Teile der 1. und der 3. US-Armee rückten ab dem 20. August nordöstlich an der linken Seite der Seine vor, woraufhin die 3. US-Armee am selben Tag einen Brückenkopf über die Seine bei Mantes-Gassicourt aufbaute und danach mit Teilen der Armee nach Norden Richtung Vernon vorrückte. Teile der 1. US-Armee erreichten drei Tage später, am 23. August, die Stadt Évreux und weitere zwei Tage später Elbeuf, das etwa elf Meilen südwestlich von Rouen lag. Die britische 2. Armee startete ihren Vormarsch in Richtung Seine ebenfalls am 20. August und rückte bis zum 26. August nach Louviers vor. Das 2. Korps der kanadischen 1. Armee erreichte am selben Tag die Seine und traf mit amerikanischen Verbänden bei Elbeuf zusammen. General Henry Crerar, Kommandeur der kanadischen 1. Armee, ließ das zweite ihm zur Verfügung stehende Korps nahe dem Ärmelkanal in Richtung Seine vorrücken. Trotz schwerer Kämpfe bei Pont-l’Évêque und Lisieux erreichte das Korps am 27. August die Seine.

Ab dem 26. August schlossen die Alliierten die Deutschen in neuen Kesseln und Fallen zwischen Elbeuf und Le Havre ein und griffen die fliehenden Einheiten aus der Luft mit Bombern und vom Boden aus mit Panzern an. Laut dem Buch „United States Army in World War II – European Theater of Operations: The Supreme Command“ von Forrest C. Pogue drückten deutsche Generale später aus, dass sie überrascht waren, überhaupt irgendetwas über die Seine transportieren zu können [1].

Der Kampf um Paris

Ursprünglich sahen die alliierten Planer vor, die Stadt zu umgehen und erst später zu erobern. Die Pariser Bevölkerung sowie auch die alliierten Soldaten erwarteten jedoch, dass die Stadt erobert werden würde.

Nachdem die Pariser Bevölkerung im Jahr 1944 auf dem Schwarzmarkt die Lebensmittel zum größten Teil nicht mehr bezahlen konnte, stieg die Anzahl der Hungernden an. Die Pariser schlossen sich daraufhin in immer größeren Scharen der Résistance an.

Französischer Widerstand

Nach dem schnellen alliierten Vorstoß in Richtung Paris traten seit dem 10. August die Pariser U-Bahn sowie die Gendarmerie und die Polizei, die auf Druck der Résistance und auch aus freien Stücken teilnahmen, in den Streik, dem sich später auch die Postboten anschlossen. Die Deutschen reagierten darauf, indem sie in der Nacht des 16. August 35 französische Jugendliche beim Carrefour des Cascades erschossen. Als sich weitere Arbeiter der Streikbewegung anschlossen, kam es am 18. August, am Tag als alle Résistants zur Mobilmachung aufgefordert wurden, zum Generalstreik. Französische Widerstandskämpfer nahmen einige Straßen und Gebäude ein, so auch das Rathaus. Die Widerstandskämpfer setzten alte, erbeutete oder provisorische Waffen, wie beispielsweise Molotow-Cocktails, ein.

Eingreifen der alliierten Streitkräfte

Am Abend des 22. August befahl daraufhin Dwight D. Eisenhower General Omar Bradley Paris zu erobern. Nach immer heftigeren Kämpfen zwischen den Widerstandskämpfern und den Deutschen waren am 24. August etwa drei Viertel von Paris in der Hand der Résistance, das Zentrum behaupteten jedoch immer noch die Deutschen. Die Alliierten gaben der 2. Französischen Panzerdivision unter General Leclerc den Befehl, in Paris einzurücken. Seine Truppen stießen bei ihrem Vorstoß aus Richtung Südwesten vereinzelt auf Widerstand und verloren etwa 300 Mann, 40 Panzer und Panzerhaubitzen sowie mehr als 100 andere Fahrzeuge. Am Abend des 24. Augusts ließ General Leclerc eine kleine Panzerkolonne in die Stadt fahren und bis zum Rathaus, das unter französischer Kontrolle war, vorrücken. Um 10:00 Uhr am Morgen des 25. August standen Leclercs Division sowie die 4. US-Infanteriedivision im Stadtzentrum.

Deutsche Kapitulation

US-Amerikanischer Panzer im befreiten Paris
Die alliierten Befehlshaber in Paris, 1944
US-Truppen beim Parademarsch in Paris am 29. August 1944

Entgegen den 'Führerbefehlen' Adolf Hitlers, die forderten, dass Paris bis zum letzten Mann verteidigt und danach zerstört werden sollte (Der Befehl vom 23.8.1944 endet mit dem Satz "Paris darf nicht oder nur als Trümmerfeld in die Hand des Feindes fallen.")[3], kapitulierte der deutsche General Dietrich von Choltitz nach anfänglichem Widerstand gegen die vorrückende 2. Französische Panzerdivision und übergab Paris nahezu unversehrt am 25. August 1944 gegen 14:45 Uhr an den französischen General Leclerc und Henri Rol-Tanguy, den Führer der Pariser Résistance. Choltitz ergab sich mit seinen Truppen kampflos. Am Mittag des 25. August, gegen 12:20 Uhr, wurde die Trikolore auf dem Eiffelturm und wenig später auf dem Arc de Triomphe gehisst.

Etwa 10.000 deutsche Soldaten gerieten in alliierte Kriegsgefangenschaft. Rund 1000 Widerstandskämpfer waren gefallen und weitere 1500 verwundet.

Am 26. August zog Charles de Gaulle, Anführer der Freien Französischen Streitkräfte (force française libre, FFL) und des Comité français de la Libération nationale (Französisches Komitee für die Nationale Befreiung), in das Kriegsministerium in der Rue Saint-Dominique. Danach hielt de Gaulle vom Balkon des Rathauses eine Ansprache an die Pariser Bevölkerung. Dabei verstörte er viele Mitglieder der Résistance, als er sich nicht zuerst bei den Kämpfern des Force Française de l'interieur (FFI) sondern bei der Gendarmerie für ihre Unterstützung bedankte, die erst am letzten Tag die Seiten gewechselt hatte. Am selben Tag folgte eine Siegesparade über die Avenue des Champs-Élysées, die aufgrund von sich immer noch in der Stadt befindenden Heckenschützen sowie möglichen Luftangriffen riskant war. Durch die Parade wollte de Gaulle seine Macht repräsentieren und festigen.

Ein Buchhändler aus Paris, Jean Galtier-Boissiére, beschrieb die Szenen in Paris am 25. August 1944 wie folgt:

"Eine erregte Menge drängt sich um die französischen Panzer, die mit Fahnen und Blumen geschmückt sind. Auf jedem Panzer, auf jedem gepanzerten Fahrzeug stehen Mädchen, Frauen, Jungen und Fifis mit Armbinden [Kämpfer der FFI] direkt neben den Männern in khakifarbenen Overall und képi. Die Menschen säumten die Straße, warfen Kusshände, reckten die geballte Faust, zeigten den Befreiern ihre Begeisterung." [4].

In der Nacht des 26. auf den 27. August warfen 50 deutsche Flugzeuge Bomben über Paris ab. Knapp 593 Gebäude wurden zerstört oder beschädigt. Durch den Bombenangriff wurden 213 Menschen getötet und 914 verwundet.

Nachdem am 27. August Eisenhower und Bradley in Paris ankamen, hielt die 28. US-Infanteriedivision am 29. August ebenfalls auf der Champs-Élysées eine Parade ab. Nach der Parade positionierte sich die Division vor der Stadt, um deutsche Gegenangriffe abzuwehren.

Nachdem Paris erobert worden war, wurden Kollaborateure verfolgt und bestraft. Zahlreiche Frauen bezichtigte man der horizontalen Kollaboration oder verdächtigte sie, ein Besatzungskind zu haben.

Literatur

  • Victor Brooks: The Normandy Campaign: From D-Day to the Liberation of Paris. Da Capo Press, Cambridge, Mass. 2002, ISBN 0-306-81149-9.
  • Tony Hall (Hrsg.): Operation "Overlord". Die Landung der Alliierten in der Normandie 1944. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2004, ISBN 3-613-02407-1.
  • Klaus-Jürgen Müller: Die Befreiung von Paris. In: Michael Salewski, Guntram Schulze-Wegener (Hrsg.): Kriegsjahr 1944: Im Großen und im Kleinen. Franz Steiner, Stuttgart 1995, ISBN 3515066748.

Weblinks

 Commons: Schlacht um Paris – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen

  1. 1,0 1,1 ibiblio.org: „United States Army in World War II – European Theater of Operations: The Supreme Command“ von Forrest C. Pogue; Abgerufen am 31. Juli 2006
  2. Percy E. Schramm (Hrsg.): Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehrmacht 1944–1945, Teilband 1, ISBN 3763759336, S. 358
  3. Foto des Befehls
  4. Hedley Paul Willmott, Robin Cross, Charles Messenger: Der Zweite Weltkrieg, ISBN 3806725616, S. 231


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