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1906

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Ereignisse

  • 1906: Nobelpreis für Chemie an: Henri Moissan
  • 12.01.1906-25.12.1995: Emmanuel Lévinas, geb. in Kaunas (Litauen), gest. in Paris, vielfach ausgezeichneter französischer Philosoph jüdisch-russischer Herkunft; Professor für Philosophie, zuletzt an der Sorbonne; entwarf seine Ethik in Weiterführung der Phänomenologie Husserls und der Daseinsanalyse Heideggers; nach Lévinas geht jeder philosophischen Erfahrung die vorphilosophische Erfahrung des anderen Menschen und der Sinnerfülltheit der Welt voraus; Lévinas’ Ethik des gewaltlosen Widerstandes hatte Einfluss auf die Sozialphilosophie in Lateinamerika, Polen und Tschechien; daneben setzte er sich in zahlreichen Schriften mit dem Talmud auseinander; Hauptwerke: "Totalität und Unendlichkeit. Versuch über die Exteriorität", 1961; "Jenseits des Seins oder anders als Sein geschieht", 1974; - als Levinas 1945 erfahren hatte, dass seine Eltern und Brüder in Litauen der nationalsozialistischen Ausrottungspolitik zum Opfer gefallen waren, schwor er, nie wieder deutschen Boden zu betreten
  • 8.2.1906-13.10.1995: Henry Roth, geb. bei Stanislau, Galizien; gest. in Albuquerque, New Mexico, vielfach ausgezeichneter jüdisch-amerikanischer Romancier und Verfasser von Kurzgeschichten; sein erster Roman Nenn es Schlaf wurde 1934 veröffentlicht; er beschreibt die Kindheit eines Sohnes jüdisch-galizischer Einwanderer in der armen New Yorker East Side und trägt autobiographische Züge; das Buch gilt als ein Meisterwerk dieses Genres; nach einer Schreibpause von 60 Jahren schloss sich der autobiographische Romanzyklus Die Gnade eines wilden Stroms (Mercy of a Rude Stream) an; -- Werke: Nenn es Schlaf (Call It Sleep; 1934); Nature's First Green (1979); Shifting Landscape: A Composite, 1925-1987 (1987); Mercy of a Rude Stream Vol. 1: A Star Shines Over Mt. Morris Park (1994); Mercy of a Rude Stream Vol. 2: A Diving Rock on the Hudson (1995); Mercy of a Rude Stream Vol. 3: From Bondage (1996); Mercy of a Rude Stream Vol. 4: Requiem for Harlem (1998)
  • 13.3.1906-15.12.1989: Ruth Klinger, geb. in Prag, gest. in Zürich, Schauspielerin, Kabarettistin, Sekretärin Arnold Zweigs in Palästina bzw. Israel, später dort im diplomatischen Dienst und als Journalistin tätig; von 1921 bis 1923 besuchte sie die Schauspielschule an der Deutschen Akademie für Musik und darstellende Kunst in Prag und hatte gleichzeitig ihre ersten Engagements am Prager neuen deutschen Theater; in der Zeit von 1926 bis 1930 war sie an zahlreichen Berliner Theatern in verschiedenen Rollen zu sehen; im Jahr 1930 gründete sie in Berlin gemeinsam mit ihrem späteren Ehemann Maxim Sakaschansky (sie war mit ihm von 1931 bis 1945 verheiratet) das Kabarett Kaftan, das in kürzester Zeit vor allem das ostjüdische Publikum des Scheunenviertels eroberte und in der Presse begeistert besprochen wurde; 1933 emigrierte sie nach Palästina und war auch dort künstlerisch tätig, 1943 bis 1947 war sie die Sekretärin Arnold Zweigs, 1947 Auslandskorrespondentin in Prag, von 1948 bis 1953 Sekretärin der israelischen Gesandtschaft in Prag; von 1953 bis 1966 war sie Beamtin im diplomatischen Dienst des Staates Israel, u. a. tätig an den israelischen Generalkonsulaten in Bern und Zürich; von 1966 bis 1971 nahm sie die Stelle einer Rabbinatssekretärin in Zürich wahr, wo sie im Dezember 1989 starb; Literatur: Ludger Heid: Ruth Klinger: Die Frau im Kaftan. Lebensbericht einer Schauspielerin, Gerlingen 1992
  • 18. April 1906: Verheerendes Erdbeben in San Francisco
  • 22.6.1906-27.3.2002: Billy Wilder, geb. in Sucha Beskidzka (Galizien, Österreich-Ungarn, bei Krakau, heute Polen) als Sohn des Gastronomie-Betreibers Max Wilder und dessen Ehefrau Eugenia (geb. Baldinger), sein Name ist eigentlich Samuel Wilder, aufgrund der Begeisterung seiner Mutter für Amerika wird er Billie gerufen (deutsche Aussprache des Nachnamens; in den USA dann Änderung der Schreibweise des Vornamens in Billy); gest. (an den Folgen einer Lungenentzündung) in Beverly Hills, Los Angeles, US-amerikanisch-jüdischer Filmregisseur, -autor und -produzent österreichischer Herkunft; sein Werk umfasst in mehr als fünfzig Jahren über 60 Filme, 21 x für einen Oscar nominiert und 6 Oscars gewonnen; 1916 Übersiedlung nach Wien; 1926 Bekanntschaft mit Egon Erwin Kisch, Erich Maria Remarque und Klabund; Wilder arbeitete für die Wiener Boulevardzeitung „Die Stunde“, später kam heraus, dass „Die Stunde“ Wiener Geschäftsleute und Prominente mit der Drohung erpresste, unvorteilhafte Artikel über sie zu veröffentlichen – diese Angelegenheit wurde zum grössten Medienskandal der Ersten Republik in Österreich, und Wilder beschloss, in Berlin zu bleiben (wohin ihn der Jazzmusiker Paul Whiteman, der zuvor von Wilder für die „Stunde“ interviewt worden war, eingeladen hatte) und für eine andere Zeitung zu arbeiten; 1931 schrieb Billy Wilder gemeinsam mit Erich Kästner das Drehbuch für die Erstverfilmung von „Emil und die Detektive“; 1933 Emigration nach Paris, 1934 in die USA, 1936 Anstellung bei den Paramount Studios, binnen weniger Jahre avanciert er zu einem der gefragtesten und bestbezahlten Drehbuchautoren in Hollywood; 1939 schrieb er u. a. das Drehbuch zur Komödie „Ninotschka“, bei dem sein Vorbild Ernst Lubitsch Regie führte; während des NS-Regimes wird ein grosser Teil seiner Familie verfolgt und schliesslich in Auschwitz umgebracht; er drehte bis in die 60er Jahre (danach hatte er kaum noch kommerziellen Erfolg, sein Stil war plötzlich nicht mehr gefragt) gesellschaftskritische Filme und Komödien (Auswahl): „Frau ohne Gewissen“, 1944; „Das verlorene Wochenende“, 1945; „Sunset Boulevard“ („Boulevard der Dämmerung“, mit Gloria Swanson als verblendeter Ex-Diva), 1950; „Das verflixte siebte Jahr“, 1955; „Zeugin der Anklage“ („Witness for the Prosecution“, ein Genre-Klassiker, mit Marlene Dietrich in der Hauptrolle), 1958; „Manche mögen’s heiss“, 1959 („Some Like It Hot“, mit Marilyn Monroe und Tony Curtis in den Hauptrollen, damit setzt er Massstäbe für das massgeblich durch ihn geprägte Genre der „Screwball Comedy“, deren Merkmale skurrile und exzentrische Charaktere mit respektlosem Humor sind – auch Billy Wilder selbst galt als exzentrisch und zynisch; war übrigens Freimaurer; in 1958 auch Beginn der Zusammenarbeit mit Jack Lemmon und Walther Matthau); „Das Appartement“, 1960; „One, Two, Three“ (mit Liselotte Pulver und Horst Buchholz), 1961; „Das Mädchen Irma la Douce“ (Hauptrolle Shirley MacLaine), 1963; „Kiss Me, Stupid“, 1964; „Der Glückspilz“ („The Fortune Cookie“), 1966; „Avanti, avanti!“, 1972; „Extrablatt“, 1974; „Buddy Buddy“ (mit diesem Film konnte er wieder an alte Erfolge anknüpfen), 1981; ab Mitte der 1980er Jahre beschränkte sich Billy Wilder auf die Tätigkeit als Berater bei United Artists; 1989 liess er seine Gemäldesammlung versteigern, der Erlös betrug knapp 33 Millionen US-Dollar; Wilder war von 1936 bis 1947 mit Judith Coppicus-Iribe verheiratet, sie haben eine gemeinsame Tochter, Victoria (geb. 1939); 1949 heiratete Wilder die Schauspielerin und Sängerin Audrey Young
  • 13. November 1906: Eva Zeisel, in Ungarn als Eva Amalia Striker in eine wohlhabende und gebildete jüdische Familie hineingeboren. Industriedesignerin, die hauptsächlich durch ihre Keramikarbeiten aus der Zeit nach ihrer Einwanderung in die Vereinigten Staaten bekannt wurde. Arbeiten aus ihrer ausserordentlichen Karriere sind in wichtigen Museumssammlungen auf der ganzen Welt ausgestellt. Sie wurde bereits mit Ende 20 nach verschiedenen Stationen in Europa mit ihren Keramiken in der Sowjetunion erfolgreich. Ihr Aufenthalt dort endete aber in der Isolationshaft, da ihr vorgeworfen wurde, gegen Stalin konspiriert zu haben. Nach ihrer Freilassung lebte die Künstlerin in Wien, später in den USA, wo sie ihre Design-Tätigkeit fortsetzte. Ihre eleganten Porzellanentwürfe mit den typischen sanft geschwungenen Linien wurden weltweite Verkaufsschlager. Eva Zeisel starb am 30. Dezember 2011 in New York.
  • 18. November 1906: Klaus Mann (Klaus Heinrich Thomas Mann) in München geboren, der älteste Sohn von Thomas Mann, Bruder von Erika Mann und Golo Mann, Schriftsteller, bekannte sich seit 1925 zu seiner Homosexualität, obwohl sie in der Weimarer Republik unter Strafe stand; emigrierte 1936 in die USA, entfaltete dort eine lebhafte publizistische Tätigkeit; die meisten seiner Werke zeugen von seiner Heimatlosigkeit und von seiner Verzweiflung an der Macht des Geistes; Romane: "Symphonie pathétique", 1935; "Mephisto", 1936; "Der Vulkan", 1939; Autobiografien: "Kind dieser Zeit", 1932; "Der Wendepunkt", englisch 1942 (deutsch 1952); er starb nach einem unglücklichen und äusserst problematischen Leben am 21. Mai 1949 an einer Überdosis Schlaftabletten in Cannes (Suizid); Thomas Mann schrieb über ihn: "Wie viele Raschheiten und Leichtigkeiten seinem Werk abträglich sein mögen, ich glaube ernstlich, dass er zu den Begabtesten seiner Generation gehörte, vielleicht der Allerbegabteste war ... "

Bücher

  • Carl Rixen, Geschichte und Organisation der Juden im ehemaligen Stift Münster, Münster 1906

Zeitungen und Zeitschriften

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