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1911

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Ereignisse

  • 1911: Friedensnobelpreis an: Tobias Asser
  • 1911: Friedensnobelpreis an: Alfred Hermann Fried
  • 22.1.1911-29.7.1990: Bruno Kreisky, österreichischer Politiker (SPÖ) jüdischer Herkunft (nach eigener Aussage Agnostiker), geb. und gest. in Wien; Jurist, wegen seiner Tätigkeit für die illegale Sozialdemokratische Partei 1935-1937 in Haft, lebte seit 1938 im Exil in Schweden (lernte dort 1940 Willy Brandt kennen und schätzen, die beiden verband dann eine lebenslange Freundschaft); kehrte nach dem 2. Weltkrieg nach Wien zurück; seit 1946 im diplomatischen Dienst, 1953-1959 Staatssekretär, 1959-1966 Aussenminister; 1967-1983 Vorsitzender der SPÖ, 1970-1983 Bundeskanzler der Republik Österreich; seit 1971 bis zu seinem Tode mit Simon Wiesenthal verfeindet („Kreisky-Peter-Wiesenthal-Affäre“: Wiesenthal hatte gegen Minister der Minderheitsregierung Kreisky wegen deren NS-Vergangenheit protestiert, Kreisky Friedrich Peter verteidigt und den Verdacht in den Raum gestellt, Wiesenthal selbst sei Nazi-Kollaborateur gewesen; Wiesenthal klagte, Kreisky zog dann seine Aussage zurück, äusserte in den 80er Jahren diesen Verdacht aber erneut; Kreisky wurde daraufhin wegen übler Nachrede zu einer Geldstrafe von 270 000 Schilling verurteilt; Wiesenthal kommentierte das später so: „Kreisky hat verloren, und anstatt die Geldstrafe zu bezahlen, ist er gestorben“); unter Kreisky wurden in Österreich Abtreibung und Homosexualität entkriminalisiert, Sozialleistungen für Arbeitnehmer ausgeweitet; Kreisky begann einige Initiativen zur Beilegung des Nahostkonflikts, er war ein Gegner des Zionismus und pflegte gute Beziehungen zu vielen arabischen Politikern wie Sadat und Gaddafi sowie zur PLO; 1984 wurde Bruno Kreisky eine Niere transplantiert, nachdem er schon seit Jahren auf die Dialyse angewiesen war; Bruno Kreisky erhielt zahlreiche Ehrungen und Doktorwürden, er war einer der bekanntesten und bedeutendsten Politiker der sozialistischen Bewegung und gilt als grosser österreichischer Staatsmann; er wurde, nachdem er am 29.7.1990 gestorben war, unter grosser Anteilnahme aus dem In- und Ausland bei einem Staatsakt beigesetzt; Kreisky verfolgte den Leitspruch: „Ich bin 24 Stunden am Tag für meine Bürger erreichbar“ – in diesem Sinne stand seine Telefonnummer im öffentlichen Telefonbuch und wurde auch von vielen „einfachen Menschen“ genutzt; legendär ist auch das Zitat Bruno Kreiskys, mit dem er den ORF-Journalisten Ulrich Brunner am 24.2.1981 vor laufender Kamera massregelte: „Lernen S’ a bisserl Geschichte, Herr Redakteur!“
  • 12.2.1911-29.9.1977: Hans Habe, geb. in Budapest als János Békessy, gest. in Locarno, Sohn eines Verlegers, mehrfach ausgezeichneter zeitkritischer Schriftsteller, ev. getauft, war 1929-1935 Redakteur in Wien, 1935-1938 Korrespondent des Prager Tagblatts und des Neuen Wiener Journals in Genf, entfloh 1940 deutscher Kriegsgefangenschaft und ging in die USA; als US-Presse-Major zurückgekehrt, sollte er im Auftrag der US-Regierung das deutsche Volk "umerziehen" und gründete und leitete seit 1945 in München die amerikanische Neue Zeitung (später geführt von Hans Wallenberg); daneben gründete er viele weitere Zeitungen; 1946-1952 war er Chefredakteur von diversen Illustrierten; er war Kolumnist einer Springer-Zeitung und schrieb 25 Bücher; 1976 erhielt er das Bundesverdienstkreuz; -- Werkauswahl: Drei über die Grenze (Roman), 1937; Ob Tausend fallen, 1941; Der Weg ins Dunkel, 1948; Ich stelle mich [autobiographisch], 1954; Off limits, 1955; Im Namen des Teufels, 1958; Ilona, 1960; Der Tod in Texas [Mord an Kennedy], 1964; Die Mission [Roman über die Evian-Konferenz], 1965; Wie einst David, 1969; Das Netz, 1969; Erfahrungen [autobiographisch], 1973; Leben für den Journalismus, 1976; -- Hans Habe war sechsmal verheiratet; seine Tochter Marina Elizabeth (Tänzerin, geb. 1951) wurde am 1.1.1969 in Hollywood ermordet
  • 19.10.1911-30.11.1990: Hilde Spiel, Journalistin, Schriftstellerin, geb. u. gest. in Wien; Dr. phil. 1936, im selben Jahr Emigration nach England, ab 1963 wieder in Wien; Prof.; Generalsekretärin des österreichischen PEN-Zentrums 1966; vielfach ausgezeichnet; schrieb vor allem Essays über literarische und gesellschaftspolitische Themen, Kritiken und Feuilletons in englisch- und nach 1945 in deutschsprachigen Zeitungen, Romane (Kati auf der Brücke, 1933; Sommer am Wolfgangsee, 1935; Flöte und Trommeln, 1939; Rückkehr nach Wien, 1946; Die Früchte des Wohlstands, 1981; Frühe Tage, 1986), Übersetzungen, Dramen, Filmdrehbücher; Autobiographie "Die hellen und die finsteren Zeiten", 1989; "Welche Welt ist meine Welt?", 1990; Biographien: Laurence Olivier, 1956; Richard III., 1962; Fanny von Arnstein, 1962; Herausgeber: Der Wiener Kongress in Augenzeugenberichten, 1965; Die zeitgenössische Literatur Österreichs, 1978; Hilde Spiel war von 1936 bis 1970 (Trennung 1963) mit Peter de Mendelssohn (1908-1982) verheiratet
  • 1911 ff.: Beilis-Affäre
  • 1911-1945: Young Perez (eigentlich: Victor Younki), geb. in Hara, einem alten jüdischen Wohnquartier der Stadt Tunis, ermordet in Gleiwitz, französischer Boxer im Fliegengewicht tunesisch-jüdischer Herkunft (Weltmeister 1931-1932); ging von Tunis nach Paris, verdingte sich als Schuhverkäufer und erkämpfte sich den Titel des jüngsten französischen Weltmeisters (24. Oktober 1931 gegen Frankie Genaro im Palais des Sports de Paris vor 16 000 Zuschauern); seinen letzten makabren Kampf musste er zur Belustigung der Nazis und nach deren Willen zur Demonstration der "arischen Überlegenheit" vor den Deportierten im Vernichtungslager Auschwitz austragen; er wurde in Drancy interniert und von dort am 9. Oktober 1943 nach Auschwitz deportiert, wo er u. a. auf Primo Levi traf und auf Alfred Nakache (den französischen Landesmeister im Schwimmen); der Lagerkommandant organisierte auf dem grossen Platz von Buna einen ungleichen Boxwettkampf, in dem Young Perez gegen einen deutschen Schwergewichtsboxer anzutreten hatte; trotz des Unterschieds hinsichtlich Körpergewicht und physischer Verfassung trug Perez den Sieg davon; 1945 ist er einer der wenigen Überlebenden aus der Gruppe der Menschen, die mit ihm deportiert worden waren; am 22. Januar 1945 wollte er während eines zur Evakuierung von Auschwitz angesetzten Todesmarsches den Halbverhungerten im Lager Gleiwitz zu Hilfe kommen, überkletterte einen Zaun, um ihnen Brot zu geben, und wurde dabei von einer Maschinengewehrsalve der Nazis getötet; - Literatur: André Nahum, Quatre boules de cuir ou l'étrange destin de Young Perez. Champion du monde de boxe. Tunis 1911 - Auschwitz 1945, éd. Bibliophane, Tunis, 1911

Bücher

Zeitungen und Zeitschriften

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