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Dieser Artikel behandelt das Jahr 1 nach Christus. Für die Zahl 1 siehe Eins. Für ein Kompilationsalbum der Beatles siehe 1 (Album).

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Ereignisse

  • Um 1: Hillel (Hillel der Ältere, Zaken), aus Babylon, einer der Begründer der "mündlichen Lehre" (Tora schebeal-Pe, im Gegensatz zur schriftlichen: Tora schebi-chtaw) und einer der bedeutendsten jüdischen Schriftgelehrten, grösste Autorität des Gesetzes aus der Zeit vor der Zerstörung des (zweiten) Tempels, Nassi, Patriarch in Jerusalem, Ahnherr der Patriarchendynastie, Vorsteher des Sanhedrin, Gründer einer liberalen Schule zur Auslegung der Schrift; Zeitgenosse Jesu (aber nicht (!) dessen Lehrer); Pharisäer; geboren in Babylonien, aufgewachsen in Jerusalem; Schüler der beiden hochangesehenen Gelehrten Schemaja und Avtaljon/Abtaljon (die beide der Tradition nach Proselyten waren und in Alexandrien studiert und gelehrt haben sollen); Hillel gilt als Vorbild der Sanftmut und Gelassenheit, war weitherziger, geduldiger Gesetzeslehrer, der die Gewaltlosigkeit predigte und zahlreiche Schüler hatte (die Erzählung von den "80 Schülern des Hillel, wovon Jonatan ben Uzziel der Grösste, Jochanan ben Zakkai der Geringste" war, ist eine historisch unbrauchbare Legende); sein „Gegenspieler“ war Schammai / Šammaj, der die Tora regelmässig strenger auslegte, denn Schammai galt als sehr gewissenhaft, auch als jähzornig (Hillel der Ältere und Schammai werden im Mischnatraktat Abot als Nachfolger des Schemaja und des Abtaljon in der Traditionskette genannt; sie sind eines der fünf so genannten Zugot/Paare in der Überlieferungsgeschichte der Tora; Schammai, Kollege und Antipode Hillels, vertrat diesem gegenüber die starre Strenge des Gesetzes; Diskussionen der Schule Schammais und der Schule Hillels / Bet Hillel, Bet Schammai, im tannaitischen Schrifttum); bis heute sind Hillels Worte in der jüdischen Überlieferung von wesentlicher Bedeutung, vor allem in der jüdischen Ethik, z. B. das Gebot der Nächstenliebe; seinen Aussagen nach lässt sich das Gesetz in einer „Goldenen Regel“ zusammenfassen: „Was du nicht willst, dass man dir tu´, das füg´ auch keinem andern zu“ (nach anderer Übersetzung: "Was dir nicht lieb ist, das tue auch deinem Nächsten nicht. Das ist die ganze Tora und alles andere ist nur die Erläuterung; geh und lerne sie", die Antwort in der berühmten Szene mit dem Proselyten, bab. Talmud, Shabbat 31 a); die Sprüche der Väter enthalten mehrere Aussagen Hillels des Älteren; berühmte Beispiele: „Wenn ich nicht für mich bin, wer ist für mich?“ --- „Und solange ich nur für mich bin, was bin ich?“ --- „Und wenn nicht jetzt, wann dann?“ ----- Von Hillel sind sieben Auslegungsregeln (hermeneutische Normen, Middot) der heiligen Schriften überliefert, die aber vermutlich erst später nach seinen Grundsätzen ausformuliert wurden (andere bestreiten überhaupt einen historischen Zusammenhang mit Hillel): 1. vom Leichteren auf das Schwerere (qal [qol] wa-chomer, a minori ad maius), vom minder Bedeutenden auf das Bedeutendere und umgekehrt; 2. Analogieschluss (heqqesch [die weniger streng geregelte Sachanalogie] bzw. gezera schawa ["gleiche Satzung": gleicher Ausdruck, dasselbe Wort]); 3. "Von einer einzigen Bibelstelle aus": Unterordnung von Schriftstellen unter eine bestimmte, die richtige Erklärung bietende Stelle (binjan ab / binjan ab mi-katub echad, "Gründung einer Familie" [ab = bet ab]); 4. Verallgemeinerung auf Grund doppelten Vorkommens (binjan ab mi-schne ketubim), Sonderfall von 3.; 5. Schluss vom Allgemeinen auf das Besondere und umgekehrt (kelal u-ferat u-ferat u-kelal) [die 13 Middot des Jischmael machen daraus acht Regeln: Regel 4-11]; 6. Erklärung einer Stelle aus einer zweiten, ähnlichen (ke-jotse bo be-maqom acher, "diesem Ähnliches woanders"); 7. Schluss aus dem Kontext [der biblischen Aussage] (dabar ha-lamed me-injano); obwohl diese Schlussregel allgemein Zustimmung findet, führt sie oft zu Fehlschlüssen, indem sie formal nebeneinander Stehendes auch inhaltlich klammert; --- Hillel liess Übertritte zum Judentum zu und ermunterte – im Gegensatz zu Schammai – diejenigen zum Lernen, die beabsichtigten, jüdisch zu werden: "Die Geschichte geschah wiederum an einem Nichtjuden, der zu Schammaj kam und sprach "Bekehre mich, indem du mich die ganze Torah lehren willst, solange ich auf einem Bein stehen kann." Da stiess Schammaj ihn fort mit einem Mass-Stecken, wie sie die Zimmerleute gebrauchen. Da ging der Heide von Schammaj weg und kam zu Hillel und fragte auch ihn, ob er ihn die ganze Torah lehren wollte, solange er auf einem Bein stehen könne. Da sprach Hillel zu dem Heiden: "Halte dich an den Schriftvers: 'Du sollst deinem Nächsten nichts Ärgeres tun, als du dir gern getan haben willst.' Das ist der Urgrund der ganzen Torah. Der Rest ist Auslegung. Geh hin und lerne weiter." (Schabbat 31a)
  • Um 1: hebräisch verfasste Grundschrift, auf die die so genannten (z. T. christlich überarbeiteten) "Adamsschriften" zurückgehen: Vita Adae et Evae (lat.), Apokalypse Mosis (grch.), das slawische Adambuch
  • Nach 1: Gründung von Tiberias (benannt nach Kaiser Tiberius) unter Antipas
  • Nach 1: Beginn der Pentateuch-Lesungen (bezeugt von Philo und Josephus); die Synagoge sei Ort der Lesung aus Gesetz (Tora = Pentateuch) und Propheten; vor allem in Diasporagemeinden Ägyptens und von dort ausgehend auch in Syrien/Kleinasien wurden die Lesungen zur festen Praxis; für Babylonien ist wohl eine analoge Praxis anzunehmen; möglicherweise hat die Einführung der Prophetenlesungen unter anderem etwas mit der Konkurrenz zu den Samaritanern zu tun, die allein den Pentateuch als Offenbarungsdokument anerkannten; über Perikopenordnungen ist aus dieser Zeit nichts bekannt, obschon es in der Praxis pharisäischer Zirkel wahrscheinlich Vorläufer der rabbinischen Perikopenordnungen gegeben hat
  • Nach 1: Fastenrolle (Megillat Taanit; aramäischer Text): Verzeichnis von 35 Tagen aus der Zeit des 2. Tempels (Makkabäerzeit, Römerherrschaft), an denen nicht gefastet werden darf, weil an ihnen verschiedene freudige Ereignisse sich zugetragen haben; dazu gibt es nachtalmudische hebräische Kommentare (Scholia)
  • Nach 1: Testament Abrahams, in der Antike sehr beliebte pseudepigraphische Schrift, in griechischer Sprache überliefert, Grundtext aber hebräisch; Inhalt: Abraham will nicht sterben, versucht, seinen Tod hinauszuzögern, zuvor darf er die gesamte Welt einschliesslich des Ortes des Gerichts schauen
  • Nach 1: "Josef und Asenet", in Ägypten in LXX-Griechisch entstandene Schrift, die der Gattung des hellenistischen Unterhaltungsromans angehört; der unbekannte jüdische Autor erzählt, wie die männerscheue ägyptische Priestertochter Asenet sich in Josef, der bereits Statthalter von Ägypten ist, verliebt, ihn aber erst nach ihrer Bekehrung zum Judentum heiraten kann (= Problem der Mischehe nur durch Konversion des nicht-jüdischen Partners zu lösen); der zweite Teil erzählt von der Zeit nach der Hochzeit; der Erstgeborene Pharaos verliebt sich in Josefs Frau und will sie entführen, was von Josefs Brüdern verhindert wird; der Kronprinz kommt um, so dass Josef selbst 48 Jahre lang als ägyptischer König herrscht
  • 1. Jhdt.: Dositheos (Dosis), samaritanischer Häretiker, Messias und Prophet, Stifter einer Sekte
  • 1. Jhdt.: "Die Himmelfahrt des Mose" (lat. Assumptio Mosis), eine (über eine verlorene griechische Version) in lateinischer Sprache erhaltene, ursprünglich aramäische oder hebräische apokalyptische Schrift in 12 Kapiteln; darin offenbart der sterbende Mose dem Josua die kommende Geschichte Israels bis in die Zeit der Söhne des Herodes; es soll eine Zeit der Drangsal folgen, bevor Gott selbst die endzeitliche Herrschaft antritt; die Fortsetzung hat wahrscheinlich den Tod des Mose und seine Himmelfahrt geschildert; doch ist dieser Text nicht mehr erhalten – Kenntnis davon haben wir nur aus Zitaten der Kirchenväter
  • 1. Jhdt.: Die "Apokalypse des Mose" / "Apocalypsis Mosis, eine Erzählung über das Leben Adams und Evas nach der Vertreibung aus dem Paradies; sie entstammt wahrscheinlich einem Zirkel griechischsprachiger schriftgelehrter Juden; wenig später dürfte sie innerhalb desselben Kreises zur Vita Adae et Evae (Leben Adams und Evas) umgearbeitet worden sein (eine vermutlich christliche Schrift); Zukunftsschau mit Betonung des Gerichts und der Auferstehung
  • Seit 1. Jhdt. (?): Juden in Buchara, anthropologisch und kulturell von den übrigen Juden unterschieden, Mundart jüdisch-persisch
  • 1. Jhdt.: Chanina (Chananja), Tannaite der 1. Generation, Vorsteher der Priesterschaft, stellvertretender Hoherpriester (segan ha-kohanim); sein Wirken in der Zeit des Tempel-Endes und auch noch nach 70; er starb den Märtyrertod; er sagte laut Abot III., 2: "Bete für die Wohlfahrt der Regierung, denn wäre nicht die Furcht vor ihr, so würde einer den andern lebendig verschlingen"
  • 1. Jhdt. (ca. 40-75): Chanina ben Dos(s)a, Tannaite der 1. Generation, Wundertäter und Gesundbeter, Held zahlreicher Legenden; steht in Verbindung mit Jochanan ben Zakkai und Gamaliel II. (deren Söhne er durch sein Gebet von Krankheit und Tod errettet haben soll), war vermutlich weder Pharisäer noch Rabbi; als er starb, wurde gesagt, dass mit ihm die "Männer der Tat" (ansche ma'asse, Wundertäter) ausgestorben seien (Sota 9.15)
  • 1. Jhdt.: Chananja ben Chizkijja ben Garon (Gorion), Tannaite der 1. Generation, vor 70 tätig
  • 1. Jhdt.: Nechonja ben ha-Qana (Nechunja ha-Qane, Nechunja ben Hakana; Bedeutung des Namens unklar), Tannaite der ersten Generation im ersten nachchristlichen Jahrhundert, Zeitgenosse Jochanan ben Sakkais; er war Lehrer Jischmaels und bedeutend in der Hekhalotliteratur; in der Kabbala wird er als Verfasser des sefer ha-bahir angesehen und ist tatsächlich ggf. der Verfasser des kabbalistischen Werkes sefer hapelia; vermutlich wurde er sehr alt und war vermögend; der Talmud betont seine Friedfertig- und seine Freigebigkeit; seine Methode und Lehrergebnisse standen in Ansehen; von Bedeutung wurden den nachfolgenden Generationen seine Gebete beim Betreten und Verlassen des Lehrhauses (verschiedenen Mischna-Ausgaben beigedruckt)
  • 1. Jhdt.: Rabban Simeon ben Gamaliel I. (auch Simon ben Gamliel I. etc.), Tannaite der ersten Generation im ersten nachchristlichen Jahrhundert, wirkte zur Zeit des Jüdischen Kriegs und war laut Josephus ein "Mann voller Einsicht und Verstand", stand allerdings in Gegnerschaft zu Josephus; er war Urenkel Hillels und um das Jahr 50 Vorsitzender des Synhedrions; als Führungspersönlichkeit der Pharisäer war er eine treibende Kraft im Aufstand gegen die Römer, während dessen er vermutlich starb oder fiel; in den Sprüchen der Väter (I., 17) lobt er vor allem die Tugend der Schweigsamkeit
  • 1. Jhdt.: Nachum der Meder, aus Babylonien stammend, Tannaite der 1. Generation
  • 1. Jhdt.: R. Elieser ben Jakob der Ältere (Eliezer ben Jakob d. Ä.), Tannaite der zweiten Generation im ersten nachchristlichen Jahrhundert; er gehörte vermutlich zur schammaitischen Schule und überlieferte vor allem Traditionen über den Tempel; auf ihn wird die Tempelschilderung in Middot (II. 5, 6; V.,4) zurückgeführt; seine Lehre wird als wenig umfangreich, aber halachisch zuverlässig angesehen: Seine Mischna füllt zwar nur ein Kaw [Hohlmass], ist aber rein (bab. Jebamot 49b); (vgl. Elieser ben Jakob der Jüngere: nach 150)
  • 1. Jhdt.: Jonatan ben Usiel (Jonathan ben Usiel), jüdischer Gelehrter des Altertums, er gehörte zu den Tannaiten des ersten nachchristlichen Jahrhunderts; er gilt traditionell als Verfasser der aramäischen Bibelübersetzung (Targum), der Tora-Targum trägt seinen Namen aber zu Unrecht (vielleicht lautete die Abkürzung Taw Jod, was fälschlich als Targum Jonathan gedeutet wurde, aber tatsächlich Targum Jeruschalmi meinte); seit man dies erkannt hatte, wurde dieser Targum deshalb als Pseudo-Jonathan (bzw. später als Targum Jeruschalmi I. [Fragmenten-Targum = Targum Jeruschalmi II.]) bezeichnet; tatsächlich hingegen scheint Jonatan ben Usiel der Autor oder Hauptverfasser des Targum Jonathan zu sein, des offiziellen babylonischen Propheten-Targums; diese seine Arbeit wurde so hoch geschätzt, dass Jonatan ben Usiel höchstes Lob auf sich zog (bMeg, bSukk, BB, jNed): Er sei der bedeutendste unter Hillels 80 Schülern gewesen, sei selbst noch bei den letzten Propheten in die Schule gegangen, und sobald er sein Lernen begonnen habe, seien die Vögel über ihm in den Lüften vom Feuer seines Geistes verbrannt; die geplante Übersetzung der Ketubim habe ihm, damit nicht die letzten Geheimnisse der messianischen Zeit offenbar würden, Gott persönlich durch eine Himmelsstimme (so genannte bat qol) verboten - schon bei Jonatans Übersetzung der Propheten habe die Erde meilenweit gebebt; Jonatan ben Usiels verehrtes Grabmal befindet sich in Amuka/Galiläa in der Nähe von Safed; es wird insbesondere von Unverheirateten aufgesucht, die sich einen Segen erhoffen, um einen geeigneten Heiratskandidaten zu finden; zur Erklärung dieser angeblichen Segenskraft existieren verschiedene Theorien/Herleitungen (verschiedene Textstellen aus Pseudo-Jonathan, Jebamot, Erklärungen aus der Biographie Jonatans etc.)
  • Ca. 1-500: Aus der Halacha (mündliche Tora-Auslegung) und Mischna (Sammlung rabbinischer Tora-Auslegungen) entstehen die bis heute zentralen religiösen Schriften des Judentums, der Jerusalemer und vor allem der Babylonische Talmud (Kodifizierung der Mischna im Wesentlichen um 200 abgeschlossen).