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Voltaire

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Dieser Artikel erläutert den Schriftsteller und Philosophen Voltaire; zu anderen Bedeutungen siehe Voltaire (Begriffsklärung).
Voltaire (Porträt von Nicolas de Largillière)

Voltaire [vɔlˈtɛːʀ] (geb. 21. November 1694 in Paris; gest. 30. Mai 1778 ebenda; eigentlich François Marie Arouet [fʀɑ̃ˈswa maˈʀi aˈʀwɛ]) war einer der meistgelesenen und einflussreichsten Autoren der französischen und europäischen Aufklärung. In Frankreich nennt man das 18. Jahrhundert deshalb auch „das Jahrhundert Voltaires“ (le siècle de Voltaire). Als Lyriker, Dramatiker und Epiker schrieb er in erster Linie für ein Publikum gebildeter Franzosen, als Erzähler und Philosoph für die gesamte europäische Oberschicht der Zeit, die, gleich ob adeliger oder bürgerlicher Herkunft, meist das Französische beherrschte. Viele seiner etwa 750 Werke erlebten in rascher Folge mehrere Auflagen und wurden umgehend in andere europäische Sprachen übertragen. Voltaire, der über hervorragende Englisch- und Italienischkenntnisse verfügte, veröffentlichte auch in diesen Sprachen einige Texte. Er verbrachte einen beträchtlichen Teil seines Lebens außerhalb Frankreichs und kannte die Niederlande, England, Deutschland und die Schweiz aus eigener Anschauung. Mit der Kritik an den Missständen des Absolutismus und der Feudalherrschaft sowie am weltanschaulichen Monopol der katholischen Kirche war dieser Aufklärer ein wichtiger Wegbereiter der Französischen Revolution. Seine Waffen im Kampf für seine Vorstellungen waren ein immenses Wissen, Phantasie, Einfühlungsvermögen, ein präziser und allgemein verständlicher Stil sowie Sarkasmus und Ironie.

Leben

Jugend

François Marie Arouet alias M. [=Monsieur] de Voltaire, wie er sich ab 1718 nannte, war das spätgeborene dritte Kind von François und Marie Marguerite Arouet, geborene Daumart. Der dem Jansenismus nahestehende Vater war ein vermögender bürgerlicher Notar, der es zum Hohen Richter (Conseiller du roi) gebracht hatte und kurz nach der Geburt seines Jüngsten das einträgliche Amt eines Gebühreneinnehmers (receveur d’épices) am Obersten Finanzgericht erhielt.[F 1] Die gebildete Mutter stammte ebenfalls aus einer Pariser Juristenfamilie. Sie starb, als Voltaire sechs Jahre alt war.

Nach ihrem Tod wurde er zunächst von seiner acht Jahre älteren Schwester betreut und kam 1704 als Internatsschüler auf das Jesuitenkolleg Louis-le-Grand (heute Lycée Louis-le-Grand). Hier erwarb er eine solide humanistische Bildung. Früh schon bewies er mit Versen seine literarische Begabung und wurde deshalb 1706 von seinem Patenonkel, dem Abbé de Châteauneuf, in den epikureischfreidenkerischen Kreis um Philippe de Vendôme eingeführt, dem Statthalter des Malteserordens in Frankreich. Auch seine Theaterbegeisterung nahm zu dieser Zeit ihren Anfang. Wohl aus der späten Schulzeit stammen erhaltene Fragmente einer Tragödie. 1710 gaben seine Lehrer ein Gedicht von ihm gedruckt heraus, eine Ode auf die Hl. Genoveva. Im selben Jahr erhielt er mehrere Schulpreise und wurde dem seinerzeit bekanntesten Lyriker, Jean-Baptiste Rousseau, vorgestellt. Darüber hinaus gewann er unter seinen überwiegend adeligen Mitschülern einige Freunde, z. B. die Brüder René-Louis und Marc-Pierre d’Argenson, die später Außen- beziehungsweise Kriegsminister wurden.

Da er nach dem Willen seines Vaters Jurist werden sollte, so wie sein neun Jahre älterer Bruder, schrieb er sich 1711 an der Pariser juristischen Hochschule ein. In der Hauptsache betätigte er sich als Verfasser eleganter und geistreicher Verse und machte sich in den literarischen Zirkeln der Stadt einen Namen. Im Frühjahr 1713 wurde er vom unzufriedenen Vater genötigt, eine Stelle als Notariatsangestellter (clerc de notaire) in der Provinzstadt Caen anzutreten. Jedoch verkehrte er bald auch hier in schöngeistigen und freidenkerischen Kreisen, sodass ihn der Vater im Herbst dazu zwang, den französischen Gesandten, Bruder seines Patenonkels, als Sekretär nach Den Haag zu begleiten. Dort begann er eine Liebschaft mit einer jungen Hugenottin, Tochter einer Madame Denoyer, die eine frankreichkritische satirische Zeitschrift herausgab. Wie aus erhaltenen Liebesbriefen der jungen Leute hervorgeht, dachte Voltaire sogar an eine Entführung der siebzehnjährigen „Pimpette“. Die entsetzte Mutter beschwerte sich beim Gesandten, worauf dieser seinen neunzehnjährigen Sekretär nach Paris zurückschickte. Der Vater drohte ihm empört mit Enterbung und Deportation nach Amerika.

Erste Werke und Veröffentlichungen

Wieder in Paris, arbeitete Voltaire 1714 nochmals kurz bei einem Anwalt, war aber zunehmend literarisch tätig, was der Vater schließlich akzeptierte. Er verkehrte wie zuvor in literarischen und intellektuellen Zirkeln. Dort machte er sich erste Feinde, beispielsweise mit einem Pamphlet gegen die Académie française, die eine von ihm eingereichte Ode auf Ludwig XIII. nicht preisgekrönt hatte, oder mit einer Verssatire auf den arrivierten Autor und Literaturtheoretiker Antoine Houdar de la Motte, der für die Benutzung von Prosa statt Versen in erzählenden Werken und sogar Tragödien eintrat – eine Ansicht, die Voltaire 30 Jahre später als Erzähler und gelegentlich als Dramatiker durchaus teilte. Die Ode Le vrai Dieu von 1715 ist einer seiner ersten philosophischen Texte.

Zunehmend öffneten sich ihm auch adelige Häuser, wo er als vielseitiger Lyriker und vor allem als Autor witziger, häufig spöttischer Gedichte geschätzt wurde. Eine seiner vornehmsten Adressen war der kleine Hof eines außerehelichen, legitimierten Sohnes von Ludwig XIV., des Duc du Maine, und seiner an Literatur und Kunst interessierten Gemahlin Bénédicte. Maine war 1715 von seinem sterbenden Vater zusammen mit seinem Cousin Philipp von Orléans zum Regenten für den jungen Ludwig XV. bestimmt, jedoch von Philipp mit Hilfe des Pariser Parlements kaltgestellt worden.

Bei den Maines las Voltaire 1716 ein satirisches Gedicht vor, worin er auf das Gerücht anspielte, Philipp unterhalte ein inzestuöses Verhältnis mit seiner Tochter. Natürlich erfuhr dieser davon, und verbannte in seiner Eigenschaft als Regent Voltaire aus Paris. Erst nach einigen Monaten, die er größtenteils als Gast auf dem Schloss des jungen Duc de Sully verlebte, durfte er zurück, nachdem er eine Bitt- und Huldigungs-Epistel an Philipp gerichtet hatte. Kaum in Paris, dichtete er jedoch eine neuerliche Satire auf ihn. Diesmal war die Strafe härter: Im Mai 1717 wurde er in der Bastille inhaftiert.

Hier stellte er seine mit Sophokles und Corneille wetteifernde erste Tragödie Œdipe fertig. Vor allem begann er unter dem Titel La Ligue ein Epos über die schlimmste Phase der Hugenottenkriege und ihre Beendigung durch Heinrich IV., der die Katholische Liga besiegt und 1598 mit dem Edikt von Nantes den Protestanten Duldung zugestanden hatte. Das mit Vergils Romgründungsepos, der Äneis, wetteifernde Werk war als eine Art nationales Epos gedacht und verschaffte Voltaire später tatsächlich den Ruf des größten französischen Epikers seiner Zeit.

Dank der Fürsprache einflussreicher Gönner wurde er nach elf Monaten aus der Haft entlassen, blieb aber zunächst noch aus Paris verbannt. Als er im Oktober 1718 nach fast anderthalb Jahren dorthin zurückkehrte, trat er unter dem neuen Namen „de Voltaire“ auf − wahrscheinlich einem Anagramm aus A-R-O-V-E-T--L[e]--I[eune] (mit Vertauschung der handschriftlich damals identischen Buchstaben V/U und J/I sowie vorangesetztem adeligen „de“).

Die erfolgreiche Aufführung von Œdipe machte ihn im Herbst 1718 schlagartig bekannt. Wieder verkehrte er in literarischen Salons und war auch gern gesehener Gast in den Landschlössern des Hochadels rund um Paris. Hierbei lernte er den im Exil lebenden Politiker Lord Bolingbroke kennen, der ihm England näher brachte. In dieser Zeit entstanden die Tragödie Artémire (1720) und die Versepistel Épître à Uranie (1722), wo er erstmals explizit seine theistischen Ideen formuliert. Außerdem arbeitete er weiter an La Ligue.

Als 1722 sein Vater starb, erbte Voltaire seinen Anteil an dessen Vermögen. Da er im gleichen Jahr vom Regenten Philipp eine pension (jährliche Gratifikation) aus der königlichen Schatulle zugesprochen bekam, war er finanziell jetzt gut gestellt. Ebenfalls 1722 unternahm er seine erste längere Reise − in die österreichischen Niederlande. Hier besuchte er in Brüssel den aus Frankreich verbannten Jean-Baptiste Rousseau, der sich jedoch mit ihm zerstritt. 1723 ging er mit der adeligen Madame de Bernières, der Gattin eines Vorsitzenden Richters (président) am Parlement, ein Verhältnis ein und demonstrierte damit seinen stark verbesserten sozialen Status.

Im selben Jahr machte er erstmals mit der Zensur Bekanntschaft, als ihm die Druckerlaubnis für La Ligue, ou Henri le Grand verweigert wurde, obwohl er darum ersucht hatte, das Werk dem König widmen zu dürfen. Er ließ es deshalb 1723 anonym in Rouen erscheinen mit dem falschen ImpressumGenève“. 1724 fiel seine Tragödie Mariamne bei der Uraufführung durch. Sie erlebte jedoch nach einer Überarbeitung unter dem neuen Titel Hérode et Mariamne im folgenden Jahr 27 Aufführungen in Folge.

Im Mai 1725 erhielt Voltaire dank der einflussreichen Marquise de Prie, der Geliebten des Ersten Ministers, des Herzogs von Bourbon, den Auftrag, Theateraufführungen zur Hochzeit Ludwigs XV. zu organisieren. Dies verschaffte ihm Zutritt zum Hof in Versailles und brachte ihm eine zweite pension ein, nunmehr aus der Schatulle der jungen Königin. Als einer der gefragtesten Autoren Frankreichs und dazu wohlhabende Person schien er bestens in das herrschende System integriert.

Voltaire in England

1726 ließ ihn der Chevalier de Rohan, Spross eines alten Adelsgeschlechts, von seinen Dienern verprügeln. Voltaire hatte auf die spöttische Frage Rohans, wie er zu seinem neuen Namen komme, schnippisch geantwortet: „Je commence mon nom, monsieur, vous finissez le vôtre“ (etwa: Ich bin der Erste meines Namens, Sie nur der Letzte). Der über die Prügel empörte Voltaire nahm Fechtunterricht, um den Chevalier zum Duell zu fordern. Die Rohans erwirkten jedoch einen königlichen Haftbefehl gegen ihn, und wieder kam er in die Bastille. Da er inzwischen berühmt war, bot ihm der König die Freiheit an unter der Bedingung, dass er Frankreich verließ.

Voltaire akzeptierte und ging nach England, das sich anschickte, in die industrielle Revolution einzutreten. Er war fasziniert von der intellektuellen und wirtschaftlichen Aufbruchstimmung sowie von der relativ großen geistigen Freiheit und sozialen Mobilität in dieser multikonfessionellen Gesellschaft, in der die Religion Privatangelegenheit war und die Macht des Königs und die Privilegien des Adels eingeschränkt waren. Besonders beeindruckten ihn das parlamentarische System und der Schutz der Bürger vor staatlicher Willkür. Er ließ sich von Lord Bolingbroke, der 1723 nach England hatte zurückkehren können, in die besten Kreise Londons einführen und wurde dem frankophilen König Georg I, bis 1714 Kurfürst von Hannover, vorgestellt. Zudem durfte er sein Epos über Heinrich IV. der englischen Königin widmen, als er es, nochmals überarbeitet, 1728 in London drucken ließ. Hierbei änderte er den Titel zu La Henriade, vermutlich in Anlehnung an den des unvollendeten Epos’ La Franciade von Pierre de Ronsard.

Für einen Franzosen damals durchaus nicht selbstverständlich, lernte Voltaire Englisch sprechen, lesen und auch schreiben. So studierte er u. a. die Werke des Empiristen und Theoretikers des „common sense“ John Locke und die Dramen William Shakespeares. Außerdem befasste er sich mit den revolutionären Theorien des Physikers und Astronomen Isaac Newton sowie mit anderen neuen naturwissenschaftlichen und technischen Erkenntnissen.

Ende 1728 kehrte er nach zweieinhalb Jahren nach Frankreich zurück, blieb aber zunächst in Dieppe. Unter den fertigen und angefangenen Werken, die er mitbrachte, waren u. a.: die „philosophischen Briefe“ (Lettres anglaises oder Lettres philosophiques), die als erste programmatische Schrift der Aufklärung gelten können; weiterhin sein erstes historiografisches Buch Histoire de Charles XII, roi de Suède (=Karl XII. von Schweden), dessen erste Auflage 1730 sogleich größtenteils beschlagnahmt wurde, als es zum Verkauf nach Paris geschmuggelt werden sollte; sowie die Tragödien Brutus und Zaïre, die 1730 beziehungsweise 1732 erfolgreich aufgeführt wurden.

Da er spätestens in England erkannt hatte, wie wichtig finanzielle Unabhängigkeit für einen kritischen Literaten wie ihn war, begann er nach seiner Rückkehr mit fremder Hilfe wie den Brüdern d’Argenson geschickt sein Vermögen zu vermehren, so dass er bald sehr wohlhabend war. Zeitweise beteiligte er sich mit großen Teilen seines Vermögens an Reedereien, die, wie damals im Dreieckshandel zwischen Frankreich, Westafrika und den Antillen üblich, auch Sklavenhandel betrieben.[1]

Als 1730 die junge Schauspielerin Adrienne Lecouvreur starb und ihre Leiche auf den Schindanger geworfen wurde, empörte sich Voltaire mit der Ode sur la mort de Mademoiselle Lecouvreur darüber, dass einer stadtbekannten und bewunderten Person eine würdige Bestattung verwehrt wurde, weil sie den von vielen immer noch verachteten und vom Klerus angefeindeten Beruf einer Schauspielerin ausgeübt hatte. 1733 karikierte er mit dem satirischen Gedicht Le Temple du goût die Welt der Pariser Literaten und erregte deren Unmut.

1734 erschienen zugleich in London in einer eigenständigen englischen Fassung und in Paris im Original die Lettres philosophiques. Hierin stellt er England seinen Landsleuten als Modell vor, was die Herrschenden in Frankreich erwartungsgemäß als Affront empfanden. Besonders verärgert waren die meist jansenistisch-frommen Hohen Richter des Pariser Parlements, die sich vor allem an einer Diatribe gegen den anthropologischen Pessimismus des Jansenisten Blaise Pascal stießen, die den Briefen angehängt war. Sie verboten das Buch, was seiner Verbreitung nur förderlich war, und erließen Haftbefehl gegen den Autor.

Die Jahre mit Émilie du Châtelet

Émilie du Châtelet (Porträt von Marianne Loir). Bordeaux, Musée des Beaux-Arts

Voltaire zog sich daraufhin auf das kleine Schloss Cirey in der Champagne zurück, das dem Ehemann seiner neuen Geliebten (seit Juni 1733) Émilie du Châtelet gehörte und von wo aus er notfalls ins nahe Lothringen flüchten konnte, das de jure noch zum Deutschen Reich gehörte.

In den nächsten zehn Jahren führte er ein unstetes Wanderleben mit Cirey, das er auf seine Kosten umbauen ließ, als Mittelpunkt und mit Émilie du Châtelet als engster Bezugsperson. Er besuchte Paris, wenn es ihm möglich schien, z. B. zu dortigen Uraufführungen seiner Stücke; er blieb in Cirey (oder floh weiter fort), wenn er sich gefährdet fühlte. Daneben war er viel auf Reisen. So hielt er sich länger in Brüssel und mehrmals in Holland auf, das zur Druckerei Europas avanciert war. Hier publizierte er insbesondere seine kritischeren Werke, die dann illegal nach Frankreich eingeführt wurden.

Dank Madame du Châtelet (1706–49), einer aktiven Naturforscherin und Mathematikerin, entwickelte Voltaire ein vertieftes Interesse für die Naturwissenschaften. So reagierten sie 1734 beide auf eine Preisfrage der Académie des Sciences zur Natur des Feuers und reichten jeder eine Abhandlung ein, worin sie eine physikalische Erklärung versuchten. Angeregt durch die Beschäftigung Mme du Châtelets mit dem englischen Physiker und Astronomen Isaac Newton (dessen Philosophiae naturalis principia mathematica sie später übersetzte), verfasste Voltaire 1736/37 das sachbuchartige Werk Éléments [= Grundlagen] de la philosophie de Newton, worin er allgemeinverständlich dessen bahnbrechende, in Frankreich noch wenig bekannten Theorien vorstellte. Seine philosophischen Diskussionen mit Mme du Châtelet, einer Verehrerin von Leibniz, könnten 1735 den religionskritischen „metaphysischen Traktat“ (Traité de métaphysique) angeregt haben, den er auf ihr Drängen unpubliziert ließ (gedruckt erst postum 1784).

Seine Domäne blieb jedoch die Literatur. 1736 lobte er in der Versepistel Le Mondain provokativ den Luxus und Komfort der Moderne und lud den Leser ein, sich mit ihm zu belustigen über bestimmte weltliche und vor allem geistliche Verzichtprediger und ihr Lob der frugalen und deshalb angeblich glücklichen alten Zeiten, die in Wahrheit nur Zeiten der Armut und der Unwissenheit gewesen seien. Dass Luxus und Komfort zu seiner eigenen Zeit nur Wenigen zugänglich waren, kümmerte ihn sichtlich nicht. Des Weiteren schrieb er Stücke, überwiegend Tragödien, und inszenierte sie probeweise mit Freunden und Bekannten sowie, in Nebenrollen, sich selbst in dem kleinen Theater, das er in Cirey hatte einrichten lassen. Die wichtigsten Stücke dieser Zeit sind: Adélaïde du Guesclin, 1734; La Mort de César, 1735; Alzire, 1736; Mérope, 1736; Zulime, 1740; Mahomet, 1740. Das letztere wurde 1741 in Lille erfolgreich uraufgeführt, 1742 jedoch in Paris nach der dritten Aufführung abgesetzt. Der Königliche Zensor Crébillon und Teile des katholischen Klerus diagnostizierten eine religionskritische Tendenz, weil Mohammed als ein zynischer Machtmensch gezeigt wird, der den Glauben als Mittel zum Zweck der Herrschaft missbraucht, fanatisierte Jünger als politische Attentäter einsetzt und zur Last gewordene Ex-Jünger beseitigen lässt. (Immerhin, vielleicht weil er Mohammed damit bestraft, dass die geliebte Frau ihn am Ende durchschaut und sich ihm durch Selbstmord entzieht, durfte Voltaire das Stück wenig später Papst Benedikt XIV. widmen, dessen Antwortschreiben er in der Dresdner Werkausgabe von 1748 mit abdruckte.)

Neben der Literatur beschäftigte Voltaire sich in Cirey wieder mit historischen Studien und arbeitete an dem seit 1732 geplanten Siècle de Louis XIV. 1734 begann er das bewusst respektlose burleske Epos La Pucelle (dt. Die Jungfrau [von Orléans]) über die mittelalterliche Kriegsheldin Jeanne d'Arc, das er lange nur in privaten Abschriften zirkulieren ließ.

Versailles

Schon seit 1736 stand er in Briefkontakt mit dem knapp zwanzig Jahre jüngeren Kronprinzen Friedrich II. von Preußen und wurde von diesem umworben. Bald nach der Thronbesteigung Friedrichs hat er ihn am 11. September 1740 im Schloss Moyland im Kreis Kleve getroffen[2] und war im November einer Einladung nach Berlin gefolgt. 1742 hatte er ihn in Aachen besucht. Im Juni 1743 wurde er deshalb vom neuen französischen Kriegsminister, seinem Schulfreund Marc-Pierre d’Argenson, nach Potsdam entsandt mit dem Auftrag, er solle Friedrich, der 1742 seine Kriegsziele im Österreichischen Erbfolgekrieg (1740–1748) erreicht hatte und aus dem Bündnis gegen Habsburg ausgetreten war, an die Seite Frankreichs zurückholen.

Die Mission blieb zwar erfolglos, doch Voltaire galt nun als wichtiger Verbindungsmann zu Preußen. Obwohl er König Ludwig XV. unsympathisch war, bekam er wieder Zutritt zum Hof. Anlässlich der Hochzeit des Dauphins (Kronprinzen) 1745 inszenierte er zusammen mit dem Komponisten Rameau seine Ballettkomödie La Princesse de Navarre und etwas später sein Singspiel Le Temple de la Gloire (=der Ruhmestempel), ebenfalls mit Musik von Rameau. Da ihn inzwischen auch die neue Mätresse Ludwigs, Madame de Pompadour, protegierte, die er schon seit Anfang der dreißiger Jahre näher kannte, wurde er zum Königlichen Chronisten (historiographe du roi) ernannt und zum Kandidaten für das begehrte Amt eines Königlichen Kammerherrn (gentilhomme de la chambre) bestimmt. 1746 erhielt er das Amt und war damit offiziell in den Adelstand erhoben. Im selben Jahr wurde er, nicht zuletzt aufgrund des langandauernden Erfolges der Tragödie Mérope (Urauff. 1743), zum Mitglied der Académie française gewählt, was der König 1743 noch verhindert hatte. Seine Position am Hof blieb jedoch unsicher. Ein Vorfall am Spieltisch der Königin ließ ihn 1747 bei Ludwig, der ihn nach wie vor nicht mochte, in Ungnade fallen. Voltaire hatte Mme du Châtelet auf Englisch vor hochadeligen Falschspielern gewarnt.

Er zog sich weitgehend zurück auf das nahe Schloss Sceaux der verwitweten Duchesse du Maine, die er mit erzählenden Werken in Prosa unterhielt. Hierbei entstand z. B. Memnon, eine Vorstufe des späteren Kurzromans Zadig. Allerdings war sein Kontakt zum Hof noch eng genug, dass er 1748 hautnah mitbekam, wie die neue Tragödie Catilina seines von ihm wenig geschätzten Dramatikerkonkurrenten und königlichen Zensors Crébillon bei der Uraufführung (auf Kosten des Königs) demonstrativ gelobt und beklatscht wurde, um ihn zu kränken. Er rächte sich, indem er in den Folgejahren zu nicht weniger als fünf Tragödien Crébillons themengleiche eigene Versionen schrieb, um seine Überlegenheit zu demonstrieren. Dies hinderte ihn später (1762) aber nicht, beim Tod des einstigen Rivalen eine Éloge [Lobrede] de M. de Crébillon zu verfassen.

1748/49 lebte Voltaire, zusammen mit Mme du Châtelet, meist im Schloss von Lunéville/Lothringen, der Residenz des polnischen Ex-Königs und Schwiegervaters von Ludwig XV. Stanislaus I. Leszczyński. Dort verliebte sie sich in den 10 Jahre jüngeren Offizier, Höfling und Dichter Jean-François de Saint-Lambert und wurde schwanger. Sie starb am 10. September 1749 im Kindbett; auch das Neugeborene, ein Mädchen, überlebte nicht. Voltaire war tief betroffen, obwohl er schon seit einiger Zeit ein intimes Verhältnis mit seiner Nichte Marie Louise Mignot (1712–1790), verwitwete Denis, unterhielt.

Am Hof Friedrichs II. von Preußen

Adolph Menzel: Tafelrunde König Friedrich II. (Mitte) in Sanssouci mit Voltaire (rechts) und den führenden Köpfen der Berliner Akademie, 1850, ehemals Nationalgalerie Berlin, 1945 im Flakturm Friedrichshain verbrannt.

Nach einem kurzen Aufenthalt in Paris folgte er im Sommer 1750 der Einladung von Friedrich dem Großen nach Potsdam, wo schon andere französische Literaten und Gelehrte Hofämter innehatten. Er erhielt das gut dotierte Amt eines Königlichen Kammerherrn und wurde behandelt wie ein hochrangiger Gast. Außerdem verlieh Friedrich II. ihm 1750 als einem der wenigen Zivilisten den an sich für kriegerische Leistungen gestifteten Orden Pour le Mérite.[3] Nachdem er bei Friedrich in Ungnade fiel, wurde ihm der Orden jedoch am 16. März 1753 per Handschreiben des Königs wieder entzogen.[4]

Das Verhältnis zu Friedrich litt jedoch schon Anfang 1751, als dieser erfuhr, dass sein neuer Kammerherr sich in Berlin (wo er einen zweiten Wohnsitz unterhielt) auf ein unerlaubtes Wertpapiergeschäft mit sächsischen Staatsschuldverschreibungen (sog. Steuerantizipationsscheinen) eingelassen hatte. Die Sache kam heraus, weil Voltaire sich mit seinem Mittelsmann, dem jüdischen Bankier Hirschel, zerstritten und, nachdem das Geschäft geplatzt war, einen Prozess gegen ihn angestrengt hatte, bei dem es u. a. um den Wert einiger Juwelen ging, die als Sicherheit gedient hatten. Als er versuchte, die Sache mit den Steuerscheinen zu verschweigen, packte Hirschel aus, und Voltaire wurde verdächtigt, er habe einen der beiderseitigen Verträge durch eine nachträgliche Manipulation zu seinen Gunsten verändert. Er vermochte sich nur mühsam aus der Affäre zu ziehen.[5]

1751 brachte er in Berlin sein Siècle de Louis XIV (=Das Jahrhundert Ludwigs XIV.) heraus, eine Darstellung der französischen Geschichte des 17. Jahrhunderts. Darin wies er der Kulturgeschichte eine zentrale Rolle zu und setzte so der Geschichtsschreibung neue Maßstäbe. Seine kulturhistorische Ausrichtung wurde noch deutlicher im Abrégé de l’Histoire universelle (=Abriss der Universalgeschichte), den er 1750/51 abschnittweise im Mercure de France publizierte. 1751 erschien in elf Bänden bei Lambert in Paris die einzige Gesamtausgabe seiner Werke, die zu seinen Lebzeiten mit Duldung der Zensur in Frankreich gedruckt werden konnte.

Zu einer tiefen Verstimmung Friedrichs führten schließlich die Querelen Voltaires mit anderen Höflingen. Vor allem hatte er es auf einen alten Bekannten von Mme du Châtelet abgesehen, den Präsidenten der Berliner Akademie, Pierre-Louis Moreau de Maupertuis, einen durchaus verdienten Mathematiker und Naturforscher, mit dem er einst gemeinsam für die Verbreitung der Theorien Newtons gekämpft und den er selber Friedrich empfohlen hatte. Der Streit eskalierte, als Maupertuis seine Macht als Akademiepräsident dazu benutzte, die Mitglieder zu einer gemeinsamen Stellungnahme gegen den Mathematiker Johann Samuel König zu nötigen. Dieser hatte die Priorität am Prinzip der kleinsten Wirkung Maupertuis ab- und Leibniz zugesprochen und wurde bezichtigt, dessen Brief, der ihm als Beweismittel diente, gefälscht zu haben.[6] Als Friedrich sich diesem Vorwurf öffentlich anschloss, widersprach Voltaire und verspottete Maupertuis in der satirischen Schrift La Diatribe du Docteur Akakia (1752). Nachdem er sie entgegen der Bitte Friedrichs hatte drucken lassen, sprach dieser ein Verbot aus und ließ sie verbrennen. Da Voltaire schon vorher zu Ohren gekommen war, dass der König über ihn gesagt habe:[7] „J’aurai besoin de lui encore un an, tout au plus; on presse l’orange et on en jette l’écorce“ (Ich brauche ihn noch höchstens ein Jahr; man presst die Orange aus und wirft die Schale weg), bat er gekränkt um Entlassung aus seinem Hofamt, wurde aber zunächst nur für eine Kur beurlaubt. Als er von Leipzig aus Maupertuis nochmals angriff, wurde er in Unehren entlassen.

Bei einem Aufenthalt in der Freien Reichsstadt Frankfurt, wo er auf seiner Weiterreise in Begleitung seines Sekretärs Cosimo Alessandro Collini Station machte, wurde er am 31. Mai 1753 auf Betreiben Friedrichs bzw. des dortigen preußischen Repräsentanten Baron Franz von Freytag unter dem Verdacht, er habe unerlaubt ein lyrisches Manuskript des Königs mitgehen lassen, einer Gepäckkontrolle unterzogen und in seinem Hotel unter Hausarrest gestellt. Die Klärung der Angelegenheit zog sich unter Umständen, die für Voltaire demütigend waren, aber auch etliche öffentliche Proteste auslösten, hin bis zum 7. Juli, wo er Frankfurt verlassen konnte.

Schon 1757 jedoch vermittelte Friedrichs Schwester Wilhelmine eine Versöhnung zwischen dem König und Voltaire und sie wechselten wieder höfliche Briefe.

Neuerliche Wanderjahre

Wohnhaus von Voltaire in Lausanne Ende der 1750er-Jahre

Nach Aufenthalten an einigen kleineren deutschen Höfen (Gotha, Kassel, Mainz, Mannheim) wartete Voltaire in den elsässischen Städten Straßburg und Colmar vergeblich auf die Erlaubnis, nach Paris zurückkehren und wieder in seine Versailler Hofämter eintreten zu dürfen. In direkter Folge des Arrests in Frankfurt zusammen mit seiner Nichte schrieb diese ihm, sie sei schwanger. Voltaire antwortete ihr darauf, er wünsche sich, der einzige zu sein, der das Glück besitze, sie zu ficken (sic!) und bereue, jemals andere Geliebte gehabt zu haben.

Im Oktober 1753 schrieb seine Nichte ihm dann, sie habe eine Fehlgeburt gehabt. Nach diesem Erlebnis machte Voltaire in Bezug auf Kinder und Familie, der vorher nie einen Kinderwunsch gehabt zu haben schien, einen deutlich gewandelten Eindruck. So nahm er nach dem Tod eines ehemaligen Kammermädchens seiner Nichte 1757 einen der dadurch zurückgebliebenen Waisensöhne, den zehnjährigen Mathieu, in seinem Anwesen am Rand der Stadtrepublik Genf auf, das der 1755 gekauft hatte. Auch in Lausanne erwarb er ein Haus. Doch während in Paris mit Erfolg sein neues Stück L’Orphelin de la Chine (=das Waisenkind aus China) aufgeführt wurde, bekam er in Genf ersten Ärger mit dem theaterfeindlichen calvinistischen Kirchenrat, weil er, wie einst in Cirey, private Aufführungen in seinem Haus organisierte.

Wie viele Autoren der Aufklärung war auch Voltaire 1755 erschüttert über das zerstörerische Erdbeben von Lissabon. Er reagierte mit dem Langgedicht Poème sur le désastre de Lisbonne (1756). Hierin stellt er den Optimismus des englischen Schriftstellers und Fortschrittsverneiners Alexander Pope (1688–1744) und vieler seiner naturreligiösen Zeitgenossen in Frage, wonach alles, was ist, gut und recht ist („Whatever is, is right“). Im selben Jahr veröffentlichte er seinen Essai sur l’histoire générale et sur les mœurs et l’esprit des nations (= Essay über die allgemeine Geschichte und die Sitten und den Geist der Nationen), eine Universalgeschichte der Menschheit, die er insgesamt auf dem Weg des Fortschritts sieht, auch wenn er selbst seinen einstigen Optimismus weitgehend eingebüßt hatte und weiter einbüßte angesichts der Gräuel des beginnenden Siebenjährigen Krieges (1756–63).

Ebenfalls 1756 begann er seine Mitarbeit an dem 1746 von Diderot und d’Alembert initiierten Groß-Lexikon, der Encyclopédie, was ihm 1757 neuen Ärger in Genf eintrug wegen des kritischem Encyclopédie-Artikels „Genève“, dessen Verfasser d'Alembert er mit Informationen versorgt hatte. Ende der 1750er Jahre beteiligte er sich mit Pamphleten, unter anderen gegen den Feuilletonisten Fréron, an der Abwehrschlacht der Autoren und Sympathisanten der Encyclopédie gegen deren Gegner, die aber 1758 ein zweites Verbot erwirkten und 1759 die Indizierung durch den Papst.

1757 kehrte Voltaire Genf den Rücken und ging einmal mehr auf Reisen. 1758 schrieb er (zum Teil im Schloss von Schwetzingen) den heute als sein bestes Werk geltenden philosophischen Kurzroman Candide, Ou l’optimisme. In einer turbulenten Handlung, die den zeitgenössischen Liebes- und Abenteuerroman mit seinen oft unwahrscheinlichen Wendungen parodiert, führt Voltaire sarkastisch-ironisch den ihm als unhaltbar erscheinenden Optimismus à la Leibniz („Unsere Welt ist die beste aller möglichen Welten“) und Wolff ad absurdum und empfiehlt am Ende, keine metaphysischen Luftschlösser zu bauen, sondern sich auf das sicherste Mittel gegen das Unglück in der Welt zu besinnen: die Arbeit. Nebenher nimmt er die Naturverklärung Jean-Jacques Rousseaus und seiner Jünger aufs Korn, indem er im Lissabon-Kapitel (Kap. V) die zerstörerische Wirkung der Naturgewalten Sturm und Erdbeben zeigt.[8]

Sesshaftigkeit und erfüllte letzte Jahre

Mit 64 Jahren befolgte Voltaire das Schlusswort von Candide, wonach man „seinen Garten bestellen“ soll, und kaufte im französischen Grenzgebiet nahe Genf die Landgüter Ferney und Tourney (1758 und 1759). Diese bewirtschaftete er bis zu seinem Tod innovativ und effizient sowie zum Vorteil seiner Pächter und Landarbeiter, für die er im Winter einträgliche Heimarbeit organisierte. Auch setzte er sich für die Abschaffung der Leibeigenschaft ein. Zusammen mit seiner Nichte Madame Denis, seinem treuen Sekretär Wagnière und einigen anderen Vertrauten verbrachte er in Ferney seinen letzten Lebensabschnitt, der den Zenit seiner Karriere bedeuten sollte. Der Genfer Jurist und Stadtrat Jean Huber hat die Jahre in Ferney als Porträtist begleitet.

Wie eh und je schrieb er weiterhin unablässig, und zwar Dutzende von Werken. So beteiligte er sich 1760 mit dem gegen seine Gewohnheit in Prosa abgefassten Stück Le Café, ou L’Écossaise an der Durchsetzung der neuen Gattung „drame (bourgeois)“ (Bürgerliches Trauerspiel), die kurz zuvor von Diderot lanciert worden war. Daneben verfasste er nach dem Erfolg des Candide weitere Erzählungen, unter anderen den meisterhaften empfindsam-philosophischen Kurzroman L’Ingénu (Das Naturkind; eigentlich Der Unbedarfte, 1767). Aber auch die Geschichtsschreibung blieb auf seinem Programm, mit z. B. der Histoire de l’Empire de Russie sous Pierre le Grand (1763). Ein anderer Schwerpunkt seines Schaffens waren philosophische Werke im engeren Sinne, darunter zahlreiche „philosophische Dialoge“ (Dialogues philosophiques) oder, als Reaktion auf eine religiös motivierte Justizmord-Affäre, der Traité sur la tolérance (1763) oder das seine Bibel- und Religionskritik auf den Punkt bringende „tragbare philosophische Lexikon“ (Dictionnaire philosophique portatif, 1764). Es deckte die zahlreichen Widersprüche innerhalb der Bibel sowie auch Schwachstellen der katholischen Theologie auf und versorgte die Sympathisanten der Aufklärung mit bibel- und religionskritischen Argumenten. Noch im 19. Jahrhundert wurde es von der laizistischen und antiklerikalen französischen Bourgeoisie benutzt beim Kampf um die Trennung von Kirche und Staat. Es trug andererseits viel zu der hasserfüllten Ablehnung bei, die Voltaire zur selben Zeit in katholisch-konservativen Kreisen entgegengebracht wurde.

Vor allem empfing er als „patriarque de Ferney“ in seinem Schlösschen Besucher aus ganz Europa und wechselte Briefe mit zahllosen, meist hochstehenden Personen. Zugleich kämpfte er mit der Macht seiner stetig wachsenden Autorität publizistisch gegen staatliche Willkür, Rückständigkeit, Obskurantismus und Intoleranz. Als er sich z. B. 1762 und 1766 unter dem Beifall des gesamten aufgeklärten Europas in die Justizmord-Affären um den Protestanten Jean Calas und den angeblichen Atheisten (und Dictionnaire-Leser) La Barre einschaltete, konnte er die Opfer zwar nicht retten, erreichte jedoch die nachträgliche Rehabilitierung zumindest von Calas. Für den ebenfalls von einem Justizmord bedrohten Protestanten Sirven (1764) erkämpfte er eine Revision des Urteils mit Freispruch und Entschädigung.

1777 erwies sich sein gesamteuropäisches Ansehen darin, dass ihn Kaiser Joseph II. in Ferney besuchte, wenn auch nur inkognito.

Im Februar 1778 reiste Voltaire nach Paris, um der Uraufführung seines neuen Stücks Irène beizuwohnen. Er wurde wie in einem Triumphzug empfangen und konnte sich der Ehrungen und Einladungen kaum erwehren. So übertrug man ihm am 30. März für das kommende Trimester die Leitung der Sitzungen der Académie française, und am 7. April wurde er in Gegenwart von etwa 250 Freimaurern in die Pariser Freimaurerloge Les Neuf Sœurs aufgenommen.[F 2][9][10] Am 26. Mai hob der König das Todesurteil gegen General Lally-Tollendal auf, wofür sich Voltaire eingesetzt hatte. Das Urteil bezeichnete er als Justizmord. Der General war Voltaire wegen seiner Geldanlagen in Kolonialgeschäften seit mindestens 1760 bekannt gewesen. Vier Tage später starb er im Alter von 83 Jahren. Es bedurfte einer List seines Neffen, ihm gegen den Willen der Geistlichkeit zu einem kirchlichen Begräbnis in der Abtei Sellières in der Champagne zu verhelfen.

Am 11. Juli 1791 wurden die Gebeine Voltaires von dort in das Panthéon überführt. Sein Sarkophag erhielt die Inschrift: POETE HISTORIEN PHILOSOPHE IL AGRANDIT L'ESPRIT HUMAIN ET LUI APPRIT QU'IL DEVAIT ETRE LIBRE (Als Dichter, Historiker, Philosoph machte er den menschlichen Geist größer und lehrte ihn, dass er frei sein soll).

Erst nach seinem Tod wurde nach und nach seine umfängliche Korrespondenz publiziert. Sie umfasst mehr als 22.000 Briefe (darunter gut 15.000 eigene) und erscheint nachträglich als ein bedeutender Teil seines Schaffens. Zu seinen Briefpartnern zählte auch die russische Zarin Katharina II., für Voltaire eine Philosophin auf dem Thron und der „strahlendste Stern des Nordens“. Sie erwarb nach seinem Tod seine Bibliothek, die sich heute in der Russischen Nationalbibliothek in Sankt Petersburg befindet.

Leistungen

5-Francs-Münze (1994 zum 300. Geburtstag Voltaires in Frankreich geprägt)

Voltaire war kein systembildender Denker, sondern ein „philosophe“ im französischen Sinn, das heißt ein Autor, der sowohl belletristische als auch philosophische, historische und naturwissenschaftliche Schriften verfasste sowie publizistisch tätig war.

Die dauerhafteste und letztlich weiteste Verbreitung fanden seine ab circa 1746 verfassten philosophischen Erzählungen (contes philosophiques), in welchen er zentrale Gedanken der Aufklärung auf undogmatische und unterhaltsame Weise einem breiteren Publikum näher brachte.

Er selbst hielt sich vermutlich in erster Linie für einen bedeutenden Dramatiker aufgrund seiner mehr als fünfzig Bühnenstücke, die teilweise sehr erfolgreich waren. Insbesondere die Tragödie Zaïre (1736) wurde mit großer Resonanz auch in Italien, Holland, England und Deutschland (1810 in Weimar von Goethe) aufgeführt[11], sie gehörte mehr als 200 Jahre lang zum festen Repertoire des Théâtre français. Auch von den Zeitgenossen wurde er als würdiger Nachfolger der großen Tragöden Corneille und Racine anerkannt. Goethe übersetzte die Tragödien Mahomet und Tancrède.

Bahnbrechend wirkte Voltaire als Begründer einer kulturhistorisch orientierten Geschichtsschreibung. Wissenschaftlich ambitioniert und gemeinverständlich geschrieben, eröffneten seine historiografischen Werke eine Tradition, die noch heute in Frankreich lebendig ist. Die Kleinschreibung in der französischen Schriftsprache geht ebenfalls auf ihn zurück. Er praktizierte sie als Erster konsequent in seinem Siècle de Louis XIV. Die Inschrift auf dem Sarkophag Voltaires im Panthéon (s. o.), die 1791 vermutlich von einem Mitglied der Académie des Inscriptions et Belles-Lettres formuliert und von dieser abgesegnet wurde, versucht sichtlich, die drei Hauptseiten seines Schaffens als etwa gleichgewichtig vorzustellen: die Belletristik, die Geschichtsschreibung, die Philosophie.

Haltung und Äußerungen zu Sklaverei und Leibeigenschaft

Voltaires Stellungnahmen zu Schwarzen, Sklaven und Sklavenhandel wurden in der Forschung kontrovers diskutiert. Claudine Hunting etwa meint, Voltaire habe dezidiert die Sklaverei verworfen.[12] Indes weisen z. B. Christopher L. Miller[13] und Michèle Duchet[14] auf gegenteilige Befunde hin. Zu Unrecht wurde insb. von tendenziösen Autoren behauptet, Voltaire habe sich direkt am überseeischen Sklavenhandel bereichert. Eugène de Mirecourt hatte 1877 einen entsprechenden - nach dem Urteil der jüngeren Forschung wohl nicht authentischen bzw. gefälschten - Brief in Ausschnitten publiziert.[15] Tatsächlich hatte Voltaire aber in die Companie des Indes investiert,[16] welche sich u. a. an kolonialen Eroberungskriegen beteiligte und zeitweise das Monopol für Sklavenhandel in Frankreich innehatte.[17] Er scheint die Beschäftigung von Dienern schlimmer als den Sklavenhandel betrachtet zu haben, der ihm wohl als notwendiges Übel galt.[18] Die Benennung des Schiffes eines Sklavenhändlers nach ihm hat Voltaire als Ehre verstanden.[19] Einen von einem Sklavenhändler nach Paris gebrachten afrikanischen Albino beschrieb er als eines „der Tiere, welche den Menschen ähneln“.[20] Er scheint ihm dem fehlenden Glied zwischen Mensch und Tier nahezukommen, das Voltaire auch sonst thematisiert hatte.[21] Afrikaner hielt Voltaire für eine von Weißen verschiedene Spezies der Menschen, die mit Orang Utans in Zeugungsgemeinschaft stehe.[22]

In Voltaires „Essai sur les mœurs et l'esprit des Nations“ findet sich die Passage: „Wir kaufen die Haussklaven ausschliesslich bei den Negern; dieser Handel wird uns zum Vorwurf gemacht. Ein Volk, das mit seinen Kindern handelt, ist noch viel verurteilenswerter als der Käufer. Dieser Handel zeigt unsere Überlegenheit; derjenige, der sich einen Herrn gibt, ist geboren worden, um einen [Herrn] zu haben“.[23] Bereits der Herausgeber Condorcet, ein Gegner der Sklaverei, kommentierte, diese Passage enthalte keineswegs eine Verteidigung der Sklaverei.[24] Die ältere Sekundärliteratur ist dieser Erklärung nicht durchgehend gefolgt.[25] Das Werk enthält auch die These einer naturgegebenen und selten sich ändernden Gradabstufung von Genie und Charakter unter den Nationen, was begründe, warum die Neger Sklaven anderer Menschen seien.[26] Voltaire beschreibt dort aber auch die unwürdige Behandlung von Sklaven, „Menschen wie wir“[27] und vergleicht die Missachtung der Juden im antiken Rom mit „unserem“ Blick auf „Neger“ als „unterentwickelte Spezies von Menschen“.[28]

Candide und der Sklave

Bei Voltaire finden sich auch dezidiert kritische Äußerungen zur Sklaverei. So unter dem Stichwort „Esclaves“ in den „Questions sur l’Encyclopédie“ von 1771.[29] Auch schildert er eindrücklich die Verstümmelungen des Sklaven von Surinam im Candide, die in der Ausgabe Kehl durch einen Stich Jean-Michel Moreaus illustriert wird. Im Commentaire sur l'Esprit des lois (1777) lobt Voltaire Montesquieu für die Verwerfung der Sklaverei. Voltaire hat begeistert die Haltung der Quäker in Pennsylvania kommentiert, die eine Abschaffung der Sklaverei vertraten und auch durchsetzten.[30] Den Krieg des Spartacus nannte er gerecht, wenn nicht sogar den einzigen gerechten Krieg.[31] In den letzten Jahren seines Lebens setzte sich Voltaire zusammen mit dem befreundeten Juristen Charles-Frédéric-Gabriel Christin für die Beendigung der Leibeigenschaft im Jura ein, in dem das Recht der Toten Hand überdauert hatte. Er erreichte sein Ziel nicht; die Leibeigenen wurden erst in der folgenden Französischen Revolution befreit.

Voltaire und die Religion

Haltung zur katholischen Kirche

Voltaire war einer der bedeutendsten Kirchenkritiker des 18. Jahrhunderts. Dies brachte ihm früh die Missbilligung der katholischen Kirche ein, die ihn als Atheisten brandmarkte und seine Schriften verbot.

Der Erbauer einer Kapelle in Ferney mit der Inschrift: « Deo erexit Voltaire, 1761 » („Für Gott erbaut von Voltaire“) wehrte sich jedoch stets gegen den Vorwurf des Atheismus. Bei aller Distanz zu den überkommenen Religionen vertrat er eine Haltung, die der deistischen Position verwandt war, das heißt einen toleranten und undogmatischen und von archaischen Vorstellungen befreiten Monotheismus. So folgerte er aus der Gesetzmäßigkeit des Kosmos die Existenz einer höchsten Intelligenz (Traité de métaphysique, 1735) und betonte die moralische Nützlichkeit des Glaubens an Gott: „Wenn Gott nicht existierte, müsste man ihn erfinden“ (in Épitre à l’auteur du livre des trois imposteurs, 1770). Ohne jeden dogmatischen Anspruch bejahte Voltaire auch die Unsterblichkeit der Seele und die Freiheit des Willens.[F 3]

An der katholischen Kirche und ihrer Verquickung mit der weltlichen Macht übte er schärfste Kritik. Viele seiner späteren Briefe beschloss er mit der berühmt gewordenen Parole „Écrasez l’infâme!“ (wörtlich: „Zermalmt die Niederträchtige!“), was in der Regel auf die Kirche als Institution bezogen wird. Einer anderen Lesart zufolge war mit „l’infâme“ der von Voltaire oft gegeißelte Aberglaube („l’infâme superstition“) gemeint.[32] Im Jahr 1768 veröffentlichte er unter dem Pseudonym Corbera das Pamphlet Epître aux Romains, das zum Widerstand gegen den Papst aufruft.

Voltaire wünschte sich ein kirchliches Begräbnis, doch verweigerte er auf dem Totenbett die Kommunion ebenso wie den von der Kirche verlangten Widerruf seiner Schriften. Auch von seiner Verneinung der Gottessohnschaft Jesu rückte er nicht ab.[33]

Haltung zu Juden und dem Judentum

Die Traditionen und Gebote der monotheistischen Religionen stehen nach Voltaires Auffassung in vollständigem Gegensatz zu den Idealen und Zielen der Aufklärung, Toleranz und Rationalismus. Insbesondere in den mythologischen Wurzeln des Judentums sah er dabei die typische Verkörperung von Legalismus, Primitivismus und blindem Gehorsam gegenüber Traditionen und Aberglauben und, neben der Verteidigung von Juden, gibt es eine teilweise heftige Ablehnung des Judentums.[34] In Voltaires 118 Artikel umfassendem philosophischen Wörterbuch Dictionaire philosophique werden die Juden in mehreren Artikeln angegriffen und unter anderem als „das abscheulichste Volk der Erde“ bezeichnet.[35]

„Ich spreche mit Bedauern von den Juden: Diese Nation ist, in vielerlei Beziehung, die verachtenswerteste, die jemals die Erde beschmutzt hat.“

Voltaire: Le Dictionnaire philosophique[36]

Voltaire verspottete insbesondere den Pentateuch als barbarische Verirrung und darauf aufbauende Werte als "kulturelle Peinlichkeit" mit historischer Irrelevanz. Ein Artikel über die Juden beschließt den ersten Teil dementsprechend wie folgt:

„Sie werden in ihnen nur ein unwissendes und barbarisches Volk treffen, das schon seit langer Zeit die schmutzigste Habsucht mit dem verabscheuungswürdigsten Aberglauben und dem unüberwindlichsten Hass gegenüber allen Völkern verbindet, die sie dulden und an denen sie sich bereichern. Man soll sie jedoch nicht verbrennen.“

Voltaire: Le Dictionnaire philosophique[37]

Der portugiesische Jude Isaac de Pinto verfasste 1762 eine Erwiderung auf diese Tiraden Voltaires, die bekannten antisemitischen Vorurteilen und Blickwinkeln entsprechen. Diese Erwiderung fand in den folgenden Jahren mehrfache Neuauflagen und größere Beachtung. In einem Antwortbrief gestand Voltaire ein, vielfach "grausam und ungerecht" gewesen zu sein und kündigte an, diese Fehler zu korrigieren. Gleichzeitig bekräftigte er jedoch seine Ablehnung jüdischer Gesetze, Bücher und deren Aberglaubens, die für viele "unerträglich" seien und die er als unvereinbar mit jeglicher Philosophie erachtete.

In anderen Schriften äußert sich Voltaire positiv über das Judentum im Vergleich zu christlichem Fundamentalismus und lobte die religiöse Toleranz des alten Judentums - obwohl er an anderer Stelle die Intoleranz des Judentums (dann im Vergleich zum aufklärerischen Ideal) heftig kritisiert. Wie in diesem Punkt sind Voltaires Aussagen zum Judentum auch insgesamt von Paradoxien geprägt. Einerseits bemühte er sich, den "jüdischen Aberglauben" als bedeutungslos für die (europäische) Geschichte erscheinen zu lassen, andererseits räumt er dem Judentum mehr Raum in seinen Betrachtungen ein, als jeder anderen Religion. Während er die jüdischen Traditionen als barbarisch geißelt, zwingt ihn sein Bekenntnis zur Toleranz gleichzeitig dazu, auch das Judentum anzuerkennen und sich für jüdische Rechte einzusetzen.

Die populäre und staatliche Verfolgung von Juden im Mittelalter lehnte Voltaire rigoros ab. Insbesondere die christlichen Motive der Judenverfolgung wies er scharf zurück. So verfasste er einen seiner eindringlichsten Aufrufe zur Toleranz aus Sicht des Rabbis Akiba. Die Verfolgung einer Religion, der Jesus selbst angehört habe, sei absurd: "Er lebte als Jude und starb als Jude und ihr verbrennt uns, weil wir jüdisch sind."[38]

Voltaires Auffassungen leisteten einen wichtigen Beitrag zur möglichen Emanzipation der Juden im 18. Jahrhundert, dienten aber gleichzeitig auch als Grundlage für zukünftigen, rassistisch motivierten Antisemitismus. Der polnische Talmudist Zalkind Hourwitz, Bibliothekar des französischen Königs, fasste nach Voltaires Tod dessen Haltung und Wirken wie folgt zusammen:

„Die Juden vergeben ihm all das Böse, das er ihnen tat, aufgrund des Guten, das er ihnen, vielleicht unbeabsichtigt, brachte; denn sie haben jetzt eine kleine Atempause für einige Jahre und dies verdanken sie dem Fortschritt der Aufklärung, zu dem Voltaire durch seine zahlreichen Werke wider den Fanatismus sicher mehr beigetragen hat, als jeder andere Autor.“

Zalkind Hourwitz[39]

Viele Aussagen Voltaires zu Juden wurden später von dem französischen Geschichtslehrer Henri Labroue mit begeisterter Zustimmung in der Schrift Voltaire Antijuif propagandistisch ausgeschlachtet. Labroue hat ein Buch über die Geschichte der Französischen Revolution in der Gironde vorgelegt und war ursprünglich ein Mann der Linken und Freimaurer. Die deutsche Besatzung unterstützte seine antisemitischen Aktivitäten und richtete ihm einen Lehrstuhl für "Jüdische Geschichte" an der Sorbonne ein. Seine Vorlesungen wurden aber boykottiert.[40] Seine kommentierte Zitatensammlung aus Voltaire von 250 Seiten erschien 1942, mit Genehmigung der deutschen Propagandaabteilung, im besetzten Frankreich.[41] Sie unterschlägt Voltaires aufklärerische Ideale. Ein anonymer, in dem Widerstandsblatt J'accuse abgedruckter Artikel reagierte darauf u. a. mit Zitaten aus Voltaires Wörterbuch, um die Unvereinbarkeit dieser Vereinnahmung mit Voltaires Toleranzvorstellungen aufzuzeigen.[42] Nach dem Urteil von Léon Poliakov indes war eine solche Zusammenstellung antisemitischer Äußerungen Voltaires eine Leichtigkeit und entsprach durchaus der Tendenz Voltaires.[43] Mehrere Voltaire-Forscher haben jedoch etliche der Zitate und Kommentare von Labroue zurückgewiesen.[44]

Politisch-soziale Haltung

Voltaire-Büste aus dem Jahr 1778 von Jean-Antoine Houdon (Sammlung der National Gallery of Art)

Voltaire kämpfte für die Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetz, nicht für die Gleichheit von Status und Besitz. Er war der Meinung, dass es immer Arme und Reiche geben werde. Als Staatsform favorisierte er die Monarchie, an deren Spitze er sich einen „guten König“ wünschte. Einen solchen glaubte er bis zum Zerwürfnis in Friedrich II. zu sehen.

Oftmals wird Voltaire fälschlicherweise das Zitat „Ich missbillige, was du sagst, aber würde bis auf den Tod dein Recht verteidigen, es zu sagen.“ zugeschrieben.[45]

Stilmittel

Nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit Witz und Sarkasmus kritisierte Voltaire die Missstände seiner Zeit, aber auch persönliche Gegner. Meisterhaft beherrschte er hierbei insbesondere das Stilmittel der Ironie. Anerkennung erhielt er für die spielerische Eleganz seiner kürzeren Gedichte, die perfekten Verse und Reime seiner Tragödien und Epen sowie die Prägnanz seiner darstellenden Prosa. Auch in der Parodie ist Voltaire ein Meister. So parodiert die philosophische Erzählung Candide den Liebes-, Abenteuer- und Reiseroman seiner Zeit.

Werke

Voltaire hinterließ mit weit über 700 einzelnen Texten (die er zumindest in seinen späten Lebensjahren einem Sekretär diktierte) eines der umfangreichsten und umfassendsten Werke der Literatur- und Geistesgeschichte. Die Einzelheiten der Drucklegung und Veröffentlichung vieler Schriften sind, nicht zuletzt wegen der oft fast konspirativen Umstände, bis heute ungeklärt und nur unvollständig erforscht. Meilensteine der Bibliografie sind die Arbeiten und Werkverzeichnisse von Adrien-Jean-Quentin Beuchot, Georges Bengesco, Louis Moland und Theodore Besterman.

Als derzeit maßgebliche Werkausgabe ist seit 1968 im Erscheinen begriffen die von Theodore Besterman und ab 2000 von Nicholas Cronk herausgegebene vollständige Werkausgabe The complete works of Voltaire, bei Institut et Musée Voltaire, Genève / Voltaire Foundation, Oxford.

Literatur

  • Katharina die Große & Voltaire: Monsieur − Madame. Manesse, ISBN 3-7175-8186-4 (Korrespondenz zwischen den beiden)

Weblinks

Wikiquote: Voltaire – Zitate
 Commons: Voltaire – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien
Primärtexte
 Wikisource: Voltaire – Quellen und Volltexte (Französisch)
 Wikisource: Voltaire – Quellen und Volltexte
Einführende Sekundärliteratur
Spezielleres
Organisationen

Einzelnachweise

  1. Brief D104 in Besterman‘s edition, 1:117. Datiert April 1722
    Miller, Christopher L.: The French Atlantic Triangle. Literature and Culture of the Slave Trade. Durham&London. 2008. S.74 und 77
  2. Christopher Duffy in Friedrich der Große - Ein Soldatenleben, Seite 41, Weltbild-Verlag Augsburg 1994, ISBN 3-89350-558-X
  3. Quelle: Gustav Lehmann, Die Ritter des Ordens pour le merite, Band I, 1740-1811, S. 43, Nr.310, Ernst Siegfried Mittler, kgl. Hofbuchhandlung,Berlin, 1913
  4. Quelle: Abdruck des Handschreibens aaO, S. 44.
  5. Ausführliche Darstellung der Affäre bei Thomas Carlyle: of Friedrich II of Prussia (1865) und (mit teilweise abweichenden Bewertungen) bei Wilhelm Mangold: Voltaires Rechtsstreit mit dem königlichen Schutzjuden Hirschel 1751 (Berlin 1905)
  6. J. J. O'Connor, E. F. Robertson: Berlin Academy and forgery (2003)
  7. Voltaire erwähnt den Vorfall in einem Brief an Madame Denis am 2. Sept. 1751.
  8. Christophe Paillard: Le désastre de Lisbonne: de Voltaire à Rousseau (preisgekr. Diss., Univ. Lyon, 2000/2002)
  9. Eugen Lennhoff, Oskar Posner, Dieter A. Binder: Internationales Freimaurer Lexikon. 5. Auflage 2006, Herbig Verlag, ISBN 978-3-7766-2478-6, Lemma Voltaire, S. 881
  10. William R. Denslow, Harry S. Truman: 10,000 Famous Freemasons from K to Z, Part Two. Kessinger Publishing, ISBN 1-4179-7579-2.
  11. Karl Goedeke: Goethe und Schiller, 1859
  12. The Philosophes and Black Slavery: 1748-1765, in: Journal of the History of Ideas 39/3 (1978), 405-418.
  13. The French Atlantic Triangle. Literature and Culture of the Slave Trade. Durham&London. 2008, S. 421ff.
  14. Voltaire et les sauvages, in: Revue Europe 38/361-362 (Mai-Juni 1959), 88-97
  15. Vgl. Eugène de Mirecourt: Voltaire: Ses homes, ses crimes, ses oeuvres, Bray et Retaux, Paris 1877, S. 127: "[…] N'hésitant pas à joindre l'hypocrisie à cette avidité monstrueuse, il écrivait à son associé: 'Je me félicite avec vous de l'heureux succès du navire le Congo, arrivé si à point sur la côte africaine pour soustraire à la mort tant de malheureux nègres. Je sais que les noirs, embarqués sur vos bâtiments, sont traités avec autant de douceur que d’humanité (ils étaient entassés à fond de cale comme des bestiaux), et, dans uns telle circonstance, je me réjouis d'avoir fait une bonne affaire, en même temps qu'une bone action.'". Zu Problemen der Authentizität dieses angeblichen Brieffragments, dessen Tradierung und der darauf aufbauenden unbelegten Gerüchte vgl. u. a. Jean Ehrard: Lumières et esclavage, André Versaille, Bruxelles 2008, ISBN ISBN 978-2-87495-006-3, S. 28; Christopher L. Miller: The French Atlantic Triangle. Literature and Culture of the Slave Trade. Durham-London 2008, S. 428f; Emeka Abanime: Voltaire antiesclavagiste, in: Studies on Voltaire and the Eighteenth Century 182 (1979), S: 237-251; Audrey Smedley: Race in North America, Origin and Evolution of a Worldview, Westview, Boulder 1993, ISBN 0-8133-0621-3, S. 116; Seeber, S. 65f.
  16. Vgl. den - im Unterschied zu dem von Mirecourt präsentierten Brief authentischen - Brief D104 bei Besterman I, 117.
  17. Vgl. z. B. Miller, 429 und die dortige Literatur
  18. So das Urteil von Abanime, 247; zustimmend angeführt bei Miller, 429.
  19. Besterman: Complete Works, 1979, S. 374; Kenneth N. Addison: „We hold these truths to be self-evident-- „: an interdisciplinary analysis of the roots of racism and slavery in America, University Press of America, Lanham u.a 2009, ISBN 0-7618-4330-2, S. 46.
  20. „ces animaux ressemblants à l’homme“, Oeuvres Complètes, hg. Moland, Bd. 12, S. 367f.; zitiert nach Christopher L. Miller: The French Atlantic Triangle. Literature and Culture of the Slave Trade. Durham-London 2008, S. 427
  21. Etwa im Art. chaîne des êtres crées, in: Dictionnaire philosophique, Oeuvres Complètes, Bd. 18, S. 124; Quelle und Verbindung zur Albino-Passage nach Miller 2008, S. 427.
  22. Vgl. Leon Poliakov: Racism from the Enlightenment to the Age of Imperialism, in: R. Ross (Hrsg.): Racism and Colonialism, Nijhoff, The Hague 1982, S. 55–64, hier 56; Addison, 46; William B. Cohen: The French encounter with Africans: white response to Blacks, 1530-1880, Indiana University Press, Bloomington 2003 (1. A. 1980), ISBN 0-253-21650-8, S. 84ff.
  23. „Nous n'achetons des esclaves domestiques que chez les Nègres; on nous reproche ce commerce. Un peuple qui trafique de ses enfants est encore plus condamnable que l'acheteur. Ce négoce démontre notre supériorité; celui qui se donne un maître était né pour en avoir.“, Oeuvres Complètes, hg. Moland, 1875, Bd. 13, 177f.; Online.
  24. Oeuvres Complètes, hg. Moland, 1875, Bd. 13, 178 n. 1.
  25. Vgl. z. B. den ausgewählten Überblick bei Seeber, 66f.
  26. Oeuvres Complètes, hg. Moland, Bd. 12, S. 381; vgl. Miller 2008, S. 76.
  27. „Il y a trente ans qu’on avait un beau nègre pour cinquante livres; c’est à peu près cinq fois moins qu’un boeuf gras. Cette marchandise humaine coûte aujourd’hui, en 1772, environ quinze cents livre. Nous leur disons qu’ils sont hommes comme nous, qu’ils sont rachetés du sang d’un Dieu mort pour eux, et ensuite on les fait travailler comme des bêtes de somme; on les nourrit plus mal: s’ils veulent s’enfuir, on leur coupe une jambe, et on leur fait tourner à bras l’arbre des moulins à sucre, lorsqu’on leur a donné une jambe de bois; après cela nous osons parler du droit des gens!“, Essais sur les Mœurs, in: Oeuvres complètes de Voltaire, hg. Moland, Paris 1878, Bd. 12, S. 417, Online.
  28. „On les regardait du même œil que nous voyons les Nègres, comme une espèce d’hommes inférieure.“, Essai sur les mœurs et l'esprit des Nations, I, Kap. 8, Oeuvres Complètes, hg. Moland, Bd. 11, S. 223.
  29. Stichwort Esclaves in: Questions sur l’Encyclopédie, Cinquième Partie, Cramer, Genf 1771, S. 292 ff.; Online.
  30. Stichwort Eglise in: Questions sur l’Encyclopédie, Cinquième Partie, Cramer, Genf 1771, S. 132. Positive diesbezügliche Äußerungen Voltaires finden sich auch in den Letters on the Quakers (1733), Lettres philosophiques (1734) und im Traité sur la tolerance (1763).
  31. Brief 283, 5. April 1969, Correspondance générale, 461-3.
  32. Roger Alexandre: Les mots qui restent (1901)
  33. Franz Strunz: Voltaires Tod in: Aufklärung und Kritik 1/2000 (S. 116 ff.)
  34. Es verging keine Woche in der er nicht etwas über das Judentum schrieb, sagt Ronald Schechter, der die Frage nach Voltaires Antisemitismus für anarchronistisch hält. Obstinate Hebrews; Representations of Jews in France, 1715–1815. California University Press, Berkley, 2003
  35. Léon Poliakov: Geschichte des Antisemitismus. Bd. 5: Die Aufklärung und ihre Judenfeindlichen Tendenzen. [Deutsche Übersetzung von Rudolf Pfisterer]. Worms. 1983. S. 101
  36. Le Dictionnaire philosophique. Kapitel 1
  37. Le Dictionnaire philosophique.
  38. "[…] il vécut Juif, mourut Juif, et vous nous brûlez, parce que nous sommes Juifs." Voltaire: Sermon du Rabbin Akib (1761), in: Oeuvres, Bd. 24, S. 282, Online bei Wikisource. Vgl. dazu J. Patrick Lee: The Condemnation of Fanaticism in Voltaire's Sermon du rabbin Akib, in: Ourida Mostefai / John T. Scott (Hrsg.): Rousseau and L'Infâme: religion, toleration, and fanaticism in the age of Enlightenment, Rodopi, Amsterdam-New York 2009, S. 67-76.
  39. Voltaire, Jewish Virtual Library, Zitat des Eintrags der Encyclopaedia Judaica, 2008
  40. Zu seiner Biographie vgl. Muriel Thomas: Henri Labroue, 1880-1964, mémoire de maîtrise sous la direction de Jean-Claude Drouin, Bordeaux III, 1993; Sylvie Guillaume, in: Sylvie Guillaume, Bernard Lachaise (Hrsg.): Dictionnaire des parlementaires d'Aquitaine sous la Troisième République, Presses Univ. de Bordeaux 1998, S. 272-276; Claude Singer: L'échec du cours antisémite d'Henri Labroue à la Sorbonne (1942–1944), in: Vingtième Siècle, Revue d'histoire 39 (Juli-Sept. 1993), 3-9; Claude Singer: Henri Labroue ou l'apprentissage de l'antisémitisme, in: Pierre-André Taguieff (Hrsg.): L'antisémitisme de Plume. 1940-1944, La propagande antisémite en France sous l'Occupation. Études et documents, Berg International, "Pensée politique et sciences", Paris 1999, ISBN 2-911289-16-1. Art. in: Jean Jolly (Hrsg.): Dictionnaire des Parlementaires français 1889-1940.
  41. Henri Labroue: Voltaire Antijuif, Paris 1942, Online bei archive.org.
  42. Anonym: Voltaire, était il anti-juif?, in: J'accuse, hg. vom Mouvement National Contre le Racisme, Mai-Juni 1942, S. 186f. Vgl. Adam Sutcliffe: The Ambiguities of Enlightenment: Voltaire and the Jews. In: Ders.: Judaism and Enlightenment. CUP, Cambridge 2003, S. 231-246, hier 246.
  43. Léon Poliakov: L'Histoire de l'Antisemitisme, Bd. 3, Calmann-Lévy, Paris 1968, engl. Übers. The History of Anti-semitism: From Voltaire to Wagner, Routledge, Kegan & Paul 1975, hier S. 87ff., dt. Übers.: Geschichte des Antisemitismus, Bd. 5: Die Aufklärung und ihre Judenfeindlichen Tendenzen, Worms 1983.
  44. Vgl. beispielsweise Pierre Aubery: Voltaire et les Juifs, Ironie et démystification, in: Theodore Besterman (Hrsg.): Studies on Voltaire and the Eighteenth Century, Institut et Musée Voltaire Les Delices, Geneva 1963, 24, 67-79; Fadien Lovsky: L’Antisémitisme Rationaliste, in: Revue d'histoire et de philosophie religieuses 30 (1950), 176-199. Vgl. ferner noch: Paul H. Meyer: The Attitude of the Enlightenment towards the Jews. In: Theodore Besterman (Hrsg.): Studies on Voltaire and the Eighteenth Century, Institut et Musée Voltaire Les Delices. Geneva 1963, 26, S. 1161-1206.
  45. Tatsächlich stammt die Formulierung von S. G. Tallentyre / Evelyn Beatrice Hall: The Friends of Voltaire, U.P. Putnam's Sons, New York 1907, S. 199: "I disapprove of what you say, but I will defend to the death your right to say it", [1]. Diese hatte damit aber nur eine Einstellung Voltaires charakterisiert, kein Zitat angegeben. Eine irrige Zuschreibung an Voltaire selbst mit falschem Bezug auf einen Brief vom 6. Febr. 1770 an einen Abt „le Riche“ findet sich in Bartlett's Familiar Quotations, beruht aber auf einer Fehllektüre von Norbert Guterman: A dictionary of french quotations. Vgl. z. B. F. R. Shapiro: The Yale book of quotations. Yale University Press 2006, S. 744, Online.

Fußnoten

  1. Voltaire selbst hielt sich (vermutlich zu Recht) für den außerehelich gezeugten Sohn eines Freundes der Familie, des literarisch dilettierenden Ex-Offiziers Guérin de Rochebrune († 1719).
  2. Meister vom Stuhl war der Astronom Jérome Lalande, Benjamin Franklin führte ihn in den Tempel, sein Bürge war der Historiker Abbé Cordier de St. Firmin und Graf Stroganow bereitete ihn auf die Aufnahme vor. Sein Maurerschurz stammte von Claude Adrien Helvétius.
  3. Nach Ansicht einiger Autoren ist Voltaire in seinen späteren Jahren von diesen Positionen teilweise abgerückt. Vgl. Karl Vorländer: Geschichte der Philosophie (1902), ferner Franz Strunz: Voltaires Tod in: Aufklärung und Kritik 1/2000 (S. 116 ff.). Strunz: Andererseits überkamen ihn immer wieder Zweifel an der Unsterblichkeit der Seele, an der Existenz Gottes, an der Hoffnung auf ein Nachleben. An Condorcet etwa schrieb er am 4. April 1777, daß er sich wohl bald „da oben oder da unten oder nirgendwo“ präsentieren werde.
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