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Paul Kuhn

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Dieser Artikel befasst sich mit dem Musiker Paul Kuhn. Zu dem Gründer der St. Michaelsvereinigung siehe Paul Kuhn (St. Michaelsvereinigung).
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Paul Kuhn (2005)
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Paul Kuhn auf der Bühne (2013)

Paul „Paulchen“ Kuhn (geb. 12. März 1928 in Wiesbaden; gest. 23. September 2013 in Bad Wildungen)[1] war ein deutscher Pianist, Bandleader und Sänger.

Leben

Paul Kuhns musikalische Begabung zeigte sich früh. Schon als Schüler spielte er auf dem Akkordeon im Wiesbadener Weinlokal „Eimer“ den Gästen auf. Nach seiner Ausbildung bei Kurt Thomas am Musischen Gymnasium Frankfurt am Main besuchte Kuhn ab seinem 17. Lebensjahr das Konservatorium in Wiesbaden. Parallel wirkte er bereits öffentlich als Pianist, überwiegend auf dem Gebiet der Jazz-Musik. Mit dem Aufkommen von Musiksendungen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen wurde Paul Kuhn zum musikalischen Dauergast auf bundesdeutschen Bildschirmen.

Ab den 1950er Jahren trat Paul Kuhn zunehmend auch mit gesungenen Schlagern in Erscheinung. Sein größter Erfolg war der Schlager Der Mann am Klavier (komponiert von Horst-Heinz Henning, 1954), gefolgt von Es gibt kein Bier auf Hawaii (1963). 1957 nahm er mit dem Lied Das Klavier über mir an der deutschen Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest teil, erreichte aber nur den dritten Platz.

Seine wichtigste Tätigkeit als Arrangeur und Bandleader war die Leitung der Bigband des Senders Freies Berlin ab 1968. In dieser Zeit war er als Leiter des SFB-Tanzorchesters in zahlreichen Fernsehsendungen zu Gast, so unter anderem in der großen internationalen Show-Reihe Gala-Abend der Schallplatte in den Jahren 1969 (Conference: Vivi Bach und Dietmar Schönherr), 1971 (Conference: Eva Renzi und Paul Hubschmid) und 1973 (Conference: Rudi Carrell); legendär waren die Tanzmusik-Sendungen auf dem Bildschirm und die Reihe Paul’s Party. 1980 war ein schweres Jahr für Kuhn. Die SFB-Bigband wurde aufgelöst, der Plattenverlag EMI-Electrola kündigte ihm, seine Fernsehsendung Gong Show wurde nach vier Folgen eingestellt, die zweite Ehe scheiterte. Für den Neubeginn zog Kuhn nach Köln, gründete sein eigenes Orchester und gab im Oktober 1981 dann beim Presseball in Köln seinen Einstand. Mit seinem Orchester begleitete er unter anderem Peter Alexander auf der Tournee 1983 und später auf seiner letzten Tournee von 1990 bis 1991.

Ab Mitte der 1990er Jahre war er wieder im Jazz aktiv. Das Paul Kuhn Trio bestand aus ihm am Flügel, Willy Ketzer am Schlagzeug sowie Martin Gjakonovski oder auch Gary Todd am Bass. Verstärkt wurden sie durch Benny Bailey an der Trompete, Gustl Mayer am Saxophon und die niederländische Sängerin Greetje Kauffeld. Seit Sommer 2000 war er mit Max Greger, Hugo Strasser und der SWR-Big-Band als Swing Legenden unterwegs. 2008 nahm Paul Kuhn zusammen mit Mario Barth die CD Mensch Berlin auf.

Privatleben

Kuhn war seit 1988 in dritter Ehe mit der Musikerin und Sängerin Ute Hellermann, bekannt als Leiterin der Ute Mann Singers, verheiratet.

Im Jahr 2005 musste sich Kuhn einer Herzoperation unterziehen, 2007 erkrankte er an einer Gürtelrose. In den darauf folgenden Jahren ließen sein Gehör und seine Sehkraft nach.[2]

Paul Kuhn starb am 23. September 2013 während eines Kuraufenthaltes im hessischen Bad Wildungen.[1] Er hinterlässt seine Frau Ute und seinen aus erster Ehe stammenden Sohn Daniel.[3]

Künstlerische Entwicklung

Kuhn erlernte nacheinander Akkordeon, Klavier und Klarinette. Seinen ersten Fernsehauftritt hatte er im Alter von acht Jahren auf der Funkausstellung 1936 in Berlin. Seine Laufbahn als Jazzpianist begann kurz nach Kriegsende in den Clubs der US Army und bescherte ihm für einige Jahre eine feste Anstellung beim Sender AFN.

Schlagersänger

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Paul Kuhn – Der Mann am Klavier

Als Schlagersänger spielte Kuhn Titel wie Der Mann am Klavier (1954), Es gibt kein Bier auf Hawaii (1963) und Die Farbe der Liebe (1958 in den Hitparaden) ein. Das von Nils Nobach produzierte Stimmungslied Der Mann am Klavier verkaufte sich über 250.000 Mal.

Pianist

Als Pianist zählte Kuhn Art Tatum und George Shearing sowie – besonders in stilistischer Hinsicht mit häufig sparsamer Einzelnoten- und Akkordsetzung – Hank Jones zu seinen Vorbildern. Ausflüge in den Bebop sind belegt durch Stücke wie Stitt’s tune (2002) und Ornithology (1999).

Bandleader

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Paul Kuhn (links) mit Tony Lakatos (Mitte) und Gary Todd am Bass (2008)

Als Arrangeur und Bandleader orientierte sich Kuhn vor allem an Count Basie. „Basie ist die Basis“, sagte Kuhn. Und: „Ich spiele zwar Klavier, doch mein eigentliches Instrument ist meine Band.“ Sein erstes Arrangement schrieb er mit Freunden über Bei mir bist Du schön als 15-Jähriger. Er begleitete viele Topstars der deutschsprachigen Unterhaltung auf ihren Konzerttourneen, so auch Peter Alexander, bei dessen Tournee 1979 bereits Paul Kuhns Frau, Ute Hellermann, als Chorleiterin ihrer Ute Mann Singers mitwirkte (Orchesterleitung: Dieter Reith).

Produzent

Als Produzent förderte Kuhn ab Ende der 1950er Jahre Nachwuchstalente – unter anderem Ralf Bendix, Rocco Granata, Howard Carpendale – und produzierte ihre Aufnahmen.

Entertainer und Schauspieler

Als Entertainer und Schauspieler trat Kuhn in einer Reihe von Fernsehsendungen auf, darunter mit Willy Maertens, Walter Richter und Hanns Lothar in Biedermann und die Brandstifter (1958), in der Verwechslungskomödie Drillinge an Bord (1959), Spiel mit Vieren, Hallo Paulchen, Pauls Part’y. In einer Fernsehserie von Sketchen mit dem Titel Der Forstarzt (1992) mit Harald Juhnke trat Kuhn in der Rolle eines Regisseurs auf.

Im Jahr 1985 spielte er sich selbst in dem Fernsehfilm Der Mann am Klavier, gemeinsam mit internationalen Gesangsstars wie Gilbert Bécaud, Marlène Charell und Bibi Johns.[4] Kuhn spielte 2010 an der Seite von Peter Lohmeyer und Mina Tander in der Tragikomödie Schenk mir dein Herz von Nicole Weegmann die ihm auf den Leib geschneiderte Rolle eines alten Jazzpianisten.[5] Für diesen Film komponierte Kuhn auch einige Songs. Er startete am 5. Mai 2011 bundesweit in den Kinos, war am 16. Juni 2011 Eröffnungsfilm des Festivals des deutschen Films[6] und wurde später mehrfach im deutschen Fernsehen ausgestrahlt.[7][8] Im Jahr 2012 versammelte Autor Christoph Simon für seinen Dokumentarfilm Paul Kuhn – Der Mann am Klavier Freunde und Weggefährten Paul Kuhns vor der Kamera, so Götz Alsmann, Till Brönner, Helge Schneider und seinen langjährigen Schlagzeuger Willy Ketzer.[9]

Filmografie (Auswahl)

  • 1955: Wie werde ich Filmstar?
  • 1956: Liebe, Sommer und Musik
  • 1958: Biedermann und die Brandstifter (Fernsehfilm)
  • 1959: Drillinge an Bord
  • 1959: Liebe, Luft und lauter Lügen
  • 1960: Romanze in Tüll (Fernsehfilm)
  • 1965: Adieu 65: Hello 66 (Fernsehfilm)
  • 1965: Vom Ersten das Beste (Fernsehfilm)
  • 1968–1972: Paul’s Party (Fernsehshow)
  • 1969: Unsere kleine Show (Fernsehserie)
  • 1971: Der trojanische Sessel (Fernsehfilm)
  • 1972: Die Glückspirale (Fernsehfilm)
  • 1972: Pauls Finale (Fernsehfilm)
  • 1973: Peter Alexander präsentiert Spezialitäten (Fernsehserie)
  • 1975: Berlin grüsst Bern (Fernsehfilm)
  • 1979: Noch ’ne Oper (Fernsehfilm)
  • 1980: Hollywood, ich komme (Fernsehfilm)
  • 1981: Gong Show (Fernsehshow)
  • 1981: So schön wie heut’, so müßt’ es bleiben (Fernsehfilm)
  • 1982: Das kann ja heiter werden (Fernsehserie)
  • 1984: Lach mal wieder (Fernsehserie)
  • 1985: Der Mann am Klavier (Fernsehfilm)
  • 1992: Der Forstarzt (Fernsehserie)
  • 1994: Die Stadtindianer (Fernsehserie)
  • 2010: Schenk mir dein Herz

Auszeichnungen

Zu seinen zahlreichen Auszeichnungen zählen unter anderem:

  • 1936: Landessieger Akkordeon in Hessen-Nassau
  • 1953: Jazzpianist Nr. 1 in Deutschland
  • 1971: Goldene Kamera für seine Fernseharbeiten (Paul’s Party)
  • 1976: Deutscher Schallplattenpreis
  • 1976: Hans-Bredow-Medaille (für Verdienste um den Rundfunk)
  • 2002: German Jazz Trophy (für Verdienste um die Jazzmusik)
  • 2003: Klavierspieler des Jahres
  • 2003: Goldene Europa (für sein künstlerisches Lebenswerk)
  • 2003: Vierteljahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik (für die CD Young at Heart)
  • 2008: Ehrenurkunde der Deutschen Schallplattenkritik (für sein Lebenswerk) und German Jazz Award (für die CD As Time Goes By)
  • 2010: ECHO Jazz für sein Lebenswerk als Pianist, Dirigent und Komponist (Verleihung am 5. Mai 2010 in Bochum)

Literatur

  • Paul Kuhn: Swingende Jahre. Der Mann am Klavier erzählt seine Lebensgeschichte. Bastei Lübbe, Bergisch Gladbach 1988, ISBN 3-404-61140-3.
  • Nadja Mayer: Die Paul Kuhn Story. Parthas, Berlin 2007, mit einer CD, ISBN 3-86601-510-0.

Weblinks

 Commons: Paul Kuhn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Pianist Paul Kuhn gestorben. In: Bayerischer Rundfunk, 23. September 2013.
  2. Dieter Bartetzko: Der deutsche Glenn Miller. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23. September 2013.
  3. Jazz-Legende Paul Kuhn gestorben. In: In: Bild, 23. September 2013.
  4. Der Mann am Klavier in der deutschen und englischen Version der Internet Movie Database
  5. Schenk mir dein Herz. Filmeintrag bei kino.de. Abgerufen am 7. März 2013.
  6. Jazz-Legende Paul Kuhn eröffnet Festival des deutschen Films. Nachricht auf IMDb.de. 24. Mai 2011, abgerufen am 7. März 2013.
  7. Schenk mir Dein Herz. Programmeintrag bei arte.tv. 8. Oktober 2011, abgerufen am 7. März 2013.
  8. Schenk mir Dein Herz. Programmsuche bei ard.de (7 Ergebnisse). März 2013, abgerufen am 7. März 2013.
  9. Paul Kuhn – Der Mann am Klavier. Programmeintrag bei ard.de. 14. Februar 2013, abgerufen am 7. März 2013.


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