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Jüdische Autonome Oblast

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Subjekt der Russischen Föderation
Jüdische Autonome Oblast
Еврейская автономная область
Flagge Wappen
Flagge
Wappen
Föderationskreis Ferner Osten
Fläche 36.266 km²[1]
Bevölkerung 176.558 Einwohner
(Stand: 14. Oktober 2010)[2]
Bevölkerungsdichte 4,9 Einw./km²
Verwaltungszentrum Birobidschan
Offizielle Sprache Russisch
Ethnische
Zusammensetzung
Russen (89,9 %)
Ukrainer (4,4 %)
Juden (1,22 %)
(Stand: 2002)[3]
Gouverneur Alexander Winnikow
Gegründet 7. Mai 1934
Zeitzone UTC+10
Telefonvorwahlen (+7) 426xx
Postleitzahlen 679000–679999
Kfz-Kennzeichen 79
OKATO 99
ISO 3166-2 RU-YEV
Website www.eao.ru
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Über dieses Bild
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Die Jüdische Autonome Oblast (russisch Еврейская автономная область / Jewreiskaja awtonomnaja oblast; jiddisch ייִדישע אױטאָנאָמע געגנט / jidische ojtonome gegnt, auch Jüdisches Autonomes Gebiet) ist eine autonome Verwaltungsregion Russlands.

Geographie

Die Oblast liegt im russischen Föderationskreis Ferner Osten und befindet sich an der Grenze zur Volksrepublik China. Der Fluss Amur bildet hier die Grenze zwischen den beiden Staaten.

Bevölkerung

Die Juden stellten nie die Bevölkerungsmehrheit im Gebiet, das die sowjetische Regierung als jüdisch-sowjetisches Zion vorsah. Den höchsten Anteil erreichten sie nach dem Zweiten Weltkrieg mit rund einem Drittel. Noch 1989 waren 5,5 % der 220.000 Einwohner dieses Gebietes Juden, doch auch das waren damals kaum 0,5 % aller Juden in der Sowjetunion. Inzwischen (Stand: Volkszählung 2002) stellen sie nur noch 2.327 oder 1,22 % der Bevölkerung von insgesamt 190.915 Einwohnern, nachdem viele von ihnen nach Israel und Deutschland abgewandert sind. Fast 90 % der Einwohner (nämlich: 171.697 oder 89,93 %) sind Russen. Kleine Minderheiten bilden die Ukrainer mit 8.483 (4,44 %), die Weißrussen mit 1.182 (0,62 %) und die Tataren mit 1.196 (0,63 %). Vor den stalinistischen Säuberungen lebten auch rund 4.500 Koreaner im Gebiet, die dann im Zuge der neuen Politik vollständig nach Zentralasien deportiert wurden.

Während des Stalinismus wanderten auch einige (schätzungsweise 1000) Russlandmennoniten in die Amurregion und emigrierten wenig später über die Jüdische Autonome Oblast und China nach Paraguay.

Heutzutage wird Jiddisch wieder in den Schulen gelehrt; es gibt eine Rundfunkstation, die Sendungen auf Jiddisch sendet. Der Birobidshaner Shtern hat auch einen Abschnitt in dieser Sprache.

Religionen

Im ausgehenden Zarenreich gab es in der heutigen Jüdischen Autonomen Oblast etwa 20 russisch-orthodoxe Gemeinden. Nach der Gründung der autonomen Oblast wurde jedoch in der Sowjetunion sämtliche Religionsausübung verboten.

Die Russisch-Orthodoxe Kirche zählt heute wieder 16 Gemeinden, die über die ganze Region verteilt sind. Die Jüdische Gemeinde „Freud“ wurde 1987 gegründet (siehe auch Synagoge in Birobidschan). Es existieren zwei Synagogen. Die Gemeinschaft der Subbotniki hat etwa 200 Anhänger, von denen in den letzten Jahren einige nach Israel abgewandert sind. Außerdem gibt es in der Jüdischen Autonomen Oblast protestantische Gemeinschaften. Die Baptisten haben in Birobidschan und in Naifeld ihre beiden Gemeinden, Pfingstchristen (Slawnaja Wetw) sowie eine offizielle Gemeinde der Siebenten-Tags-Adventisten gibt es ebenfalls in Birobidschan. Früher wurden in der alten Holzsynagoge von Birobidschan Gottesdienste von älteren Frauen abgehalten, welche Jesus verehrten und sich an jüdische Gesetze hielten (Messianische Juden).

Geschichte

Das Gebiet wurde durch eine russische Expedition 1644 erforscht, bald darauf ließen sich die ersten Siedler hier nieder. 1898 erreichte die Transsibirische Eisenbahn das Gebiet und sorgte für eine weitere Bevölkerungszunahme.

Die Jüdische Autonome Oblast wurde 1928 eingerichtet. Die erste jüdische Siedlung war Waldheim. Die Grundidee Stalins bei der Gründung war, dem westlichen Zionismus entgegenzuwirken und ein „sowjetisches Zion“ mit Jiddisch als Amtssprache zu errichten. Es ging dem Staat und der Partei aber nicht um die Erfüllung jüdischer Träume von einer Heimstatt. Vielmehr war ein Ziel, weitere jüdische landwirtschaftliche Siedlungen in der Ukraine und auf der Krim zu verhindern, da dies bei der nichtjüdischen Bevölkerung zunehmend auf Kritik stieß. Außerdem sollte die autonome Oblast so etwas wie eine Pufferzone gegenüber einer befürchteten chinesischen oder japanischen Expansion bilden. Nicht zuletzt erhofften sich die Machthaber eine Ausbeutung der natürlichen Ressourcen wie Eisen, Holz, Zinn bis hin zu Gold. In der Sowjetunion wurde für den Plan unter der jüdischen Bevölkerung mit einem erheblichen Propagandaaufwand geworben.

Jüdischer Kolchos, 1930

Die Planungen sahen vor, in der Region bis 1937 etwa 150.000 Juden anzusiedeln. Bei ausländischen jüdischen Kommunisten löste das Projekt anfangs Begeisterung aus. Otto Heller schrieb, „Die Juden sind in die sibirischen Wälder gezogen, wenn man sie nach Palästina fragt, lachen sie nur. (…) Diese Siedler begründen in der sibirischen Taiga nicht nur eine Heimstätte für sich selbst, sondern für Millionen Angehörige ihres Volkes.“ Selbst jüdische Antikommunisten wie Chaim Schitlowsky zeigten sich beeindruckt. Man glaubte, Birobidschan würde zu einer Republik und zu einem Zentrum einer jüdisch-sozialistischen Kultur. Trotz des rauen Klimas zogen zunächst tausende Juden in das Gebiet.[4] Von den späten 1920 bis in die Mitte der 1930er-Jahre kamen auch ausländische Siedler in die Region. Viele von ihnen hatten russische Wurzeln und hatten sich in Europa oder Amerika nicht eingewöhnen können. Neben Einwanderern aus Litauen kamen auch welche aus den USA und Argentinien. Die meisten Neusiedler kehrten allerdings oft nach nur wenigen Monaten wieder enttäuscht von den miserablen Lebensbedingungen in ihre Heimat zurück.

Die Besiedlung stoppte bereits Mitte der 1930er-Jahre, als im Zuge der Stalinschen Säuberungen viele Juden getötet und jiddische Schulen geschlossen wurden. Nach dem Zweiten Weltkrieg bekam die Idee eines jüdischen Territoriums Aufwind, und der Anteil der Juden erreichte mit rund einem Drittel seinen Höhepunkt. Danach wurde die jüdische Ansiedlung aber nie mehr forciert. Während Stalins Säuberungsplänen ließ er mehrere Politiker und Schriftsteller der Region festnehmen.

Im Zuge der Auflösung der Sowjetunion 1991 wurde das Gebiet eine eigenständige Verwaltungseinheit innerhalb Russlands; es gibt allerdings Bestrebungen, das Gebiet mit der Region Chabarowsk zu vereinigen.

Politik

Gouverneur der Jüdischen Autonomen Oblast ist seit 2010 Alexander Aronowitsch Winnikow.

In der Jüdischen Autonomen Oblast gibt es 14 Parteien, die dort auch ein regionales Büro haben.

Verwaltungsgliederung

Karte der Rajons (ohne Stadtkreis)

Die Republik gliedert sich in fünf Rajons sowie einen Stadtkreis, den das Oblastverwaltungszentrum Birobidschan bildet. Den Rajons sind insgesamt 12 Stadt- und 18 Landgemeinden unterstellt (Stand: 2010).

[A 1] Name Einwohner[5] Fläche
(km²)
Bevölkerungs-
dichte
(Ew./km²)
Stadt-
bevölkerung
Land-
bevölkerung
Verwaltungssitz Weitere Orte[A 2] Anzahl
Stadt-
gemeinden
Anzahl
Land-
gemeinden
Lage
I Birobidschan[A 3] 75.440 169 446,4 75.440     1 Location of Birobidzhan (Jewish AO).svg
1 Birobidschan 13.806 4.443 3,1 13.806 Birobidschan[A 4]   6 Location of Birobidzhansky District (Jewish AO).svg
2 Leninskoje 21.953 6.068 3,6 21.953 Leninskoje   5 Location of Leninsky District (Jewish AO).svg
3 Oblutschje 33.241 13.294 2,5 28.071 5.170 Oblutschje Bira, Birakan, Chingansk, Iswestkowy, Kuldur, Londoko, Teploosjorsk 8 2 Location of Obluchensky District (Jewish AO).svg
4 Oktjabrski 12.833 6.440 2,0 12.833 Amurset   3 Location of Oktyabrsky District (Jewish AO).svg
5 Smidowitsch 27.766 5.837 4,8 18.802 8.964 Smidowitsch Nikolajewka, Priamurski, Wolotschajewka Wtoraja 4 2 Location of Smidovichsky District (Jewish AO).svg

Anmerkungen:

  1. Nummer des Rajons in der Karte (Rajons in alphabetischer Reihenfolge der Namen im Russischen)
  2. Siedlungen städtischen Typs
  3. Stadtkreis
  4. Stadt gehört nicht zum Rajon, sondern bildet eigenständigen Stadtkreis; Einwohnerzahl der Stadt nicht bei der Berechnung der Bevölkerungsdichte berücksichtigt

Städte

Einzige größere Stadt ist das Verwaltungszentrum Birobidschan. Es gibt eine weitere Kleinstadt (Oblutschje) sowie elf Siedlungen städtischen Typs.

Städte* und städtische Siedlungen
Name Russisch Rajon Einwohner[5]
Bira Бира Oblutschje 3.455
Birakan Биракан Oblutschje 2.457
Birobidschan* Биробиджан Stadtkreis 75.440
Chingansk Хинганск Oblutschje 1.850
Iswestkowy Известковый Oblutschje 1.929
Kuldur Кульдур Oblutschje 1.832
Londoko Лондоко Oblutschje 1.236
Nikolajewka Николаевка Smidowitsch 7.852
Oblutschje* Облучье Oblutschje 10.425
Priamurski Приамурский Smidowitsch 4.004
Smidowitsch Смидович Smidowitsch 5.100
Teploosjorsk Теплоозерск Oblutschje 4.887
Wolotschajewka Wtoraja Волочаевка Вторая Smidowitsch 1.846

Verkehr und Wirtschaft

Die Transsibirische Eisenbahn führt durch das Gebiet und verbindet es mit anderen russischen Großstädten. Wichtigste Wirtschaftszweige sind der Bergbau (Gold, Eisenerz), die Holzindustrie und die Landwirtschaft.

Literatur

  • Robert Weinberg: Birobidshan. Stalins vergessenes Zion. Verlag NEUE KRITIK, Frankfurt/Main 2004, ISBN 3-8015-0367-4.

Weblinks

 Commons: Jüdische Autonome Oblast – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Administrativno-territorialʹnoe delenie po subʺektam Rossijskoj Federacii na 1 janvarja 2010 goda (Administrativ-territoriale Einteilung nach Subjekten der Russischen Föderation zum 1. Januar 2010). (Download von der Website des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Tom 1. Čislennostʹ i razmeščenie naselenija (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Band 1. Anzahl und Verteilung der Bevölkerung). Tabellen 5, S. 12–209; 11, S. 312–979 (Download von der Website des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  3. Naselenie po nacional'nosti i vladeniju russkim jazykom po sub"ektam Rossijskoj Federacii. (XLS) (Nicht mehr online verfügbar.) In: Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2002 goda. Rosstat; ehemals im Original; (русский, Ethnische Zusammensetzung und Kenntnis der russischen Sprache nach Föderationssubjekt, Ergebnisse der Volkszählung 2002). (Link nicht mehr abrufbar)
  4. Walter Laqueur: Der Weg zum Staat Israel. Geschichte des Zionismus. Wien, 1972. S.447
  5. 5,0 5,1 Einwohnerzahlen 2010 beim Föderalen Dienst für staatliche Statistik Russlands (Berechnung per 1. Januar; Exceldatei)
48.478611111111132.13916666667


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