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1100

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Ereignisse

  • 1100: Der Katholik Balduin von Boulogne wird von einer Fürstenversammlung zum König von Jerusalem gewählt (1100-1117), und man unternahm weitere Feldzüge mit dem Ziel, für die einzelnen Adeligen Ländereien, Fürstentümer und Königreiche aus dem riesigen Gebiet herauszuschneiden. Schliesslich gab es vier grössere christliche Königtümer in „Outremer“, wie man die Länder jenseits des Meers pauschal nannte. Es wäre freilich ungerecht, den Kreuzrittern ausnahmslos reine Mordlust und Gier nach fremden Reichtümern zu unterstellen. Viele von ihnen glaubten, eine religiöse Pflicht zu erfüllen, so etwas wie eine bewaffnete Wallfahrt in ein Land, das ihnen heilig war, doch es gab eben auch jene anderen, die aus dem Unternehmen erheblichen Profit zu schlagen verstanden. Unter Balduin I. wird auch die Kreuzfahrerburg Krak in Moab/“Le Pierre du Desert“ (im heutigen Jordanien) erbaut.
  • Um 1100: Petrus Alfonsi/Aldefonsi, ein spanisch-jüdischer Arzt, hiess ursprünglich Mose Sefardi, konvertierte zum Christentum und lebte danach in England. Zur Verteidigung seiner Taufe schrieb er einen 12-teiligen „Dialog“ zwischen Moses und Petrus, worin er vor allem die Vereinbarkeit der Toraoffenbarung mit dem Christusglauben betonte und die messianischen Weissagungen sowie christlichen Hauptlehren behandelte.
  • 1100: Koblenz (Deutschland): erste Erwähnung von Juden im Jahr 1100; Juden-Tor 1281, Juden-Friedhof 1303, Juden-Spital 1356; Synagogen-Gemeinde erst 1847
  • Nach 1100: Böhmen Mittelpunkt des Talmud-Studiums
  • Nach 1100: zweiter Targum (Targum scheni) zu Esther, eine Art Midrasch
  • Nach 1100: Numeri Rabba / NumRabba/ Bemidbar Rabba (auch: Bemidbar Sinai Rabba), Homilienmidrasch zu Numeri mit 23 Abschnitten, aus 2 heterogenen Stücken bestehend; enthält z. T. sehr gewagte Wortspiele; geht zum Teil zurück auf deutlich ältere Texte; Anteil der Verfasserschaft des Mosche ha-Darschan (11. Jhdt., Narbonne) unklar
  • Nach 1100: Sifra-Kommentar des Hillel ben Eljaqim/Griechenland (hrsg. Jerusalem 1961, Sifra or Torat Kohanim and commentary by R. Hillel ben R. Eliakim, 2 Teile, Jerusalem 1961, hrsg. von S. Koleditzky)
  • Nach 1100: Eliezer von Beaugency (Nordfrankreich), Kommentare zu Jesaja, Ezechiel und zu den kleinen Propheten. Etwa zur selben Zeit wirkte als ein anderer Exponent der nordfranzösischen Exegetenschule Josef ben Isaak Bekor Schor. Er bestand energisch auf dem Wortsinn und schaltete gern antichristliche Bemerkungen ein. Der dritte grosse Exeget dieser Zeit und Region war Josef ben Simon Qara (Josef b. Simeon Kara) in Troyes. Er berücksichtigte stärker als andere Textgestalt und Akzente, sprachliche Befunde und die aramäischen Bibelübersetzungen (Targumim) (wörtliche Erklärungsmethode, "Peschat").
  • Nach 1100: Juda ibn Tibbon / Jehuda Ibn Tibbon in Lunel, hebräischer Übersetzer (Bachja, Dschanach, Gabirol, Juda Halevi, Saadia)
  • Nach 1100: Jezira-Kommentar des Jehuda ben Barzilai (Barzillai, Barsilai)
  • Nach 1100: Leibzoll, eine vom 12. Jhdt. bis zur Emanzipation (in Russisch-Polen bis 1850) von Juden beim Überschreiten der Zoll- (Stadt-) Grenze erhobene Sondersteuer
  • Nach 1100: Jüdische Ansiedlung in Basel beginnt
  • Nach 1100: Juden in Breslau (vgl. 1453)
  • Nach 1100: erstmals Juden in Frankfurt a. M. (erste Erwähnung 1233)
  • Nach 1100: Sachsen: Juden in Sachsen, zuerst in Leipzig (dort im 19. Jhdt. starker Zuzug von Ostjuden); zur Zeit der Frankfurter Nationalversammlung ist der Leipziger Emanzipationsverein unter Führung von Christen für die Emanzipation tätig
  • Nach 1100: Juden in Erfurt bezeugt
  • Nach 1100: Troyes (Frankreich) Zentrum jüdischer Gelehrsamkeit (Raschi, Samuel b. Meir, Jakob Tam und andere)
  • Nach 1100: Slowenien. Juden in Marburg/Maribor und Laibach/Ljubljana
  • Nach 1100: Juden auf Korfu (vor dem 2. Weltkrieg ca. 1000 Juden)
  • Nach 1100: jüdische Gemeindegründungen in Damaskus (Berichte des Benjamin aus Tudela und des Petachja aus Regensburg)
  • Ab 1100: Vereinzelte fromme Juden Europas pilgern zu ihren heiligen Stätten im verlorenen Land (Eretz) Israel.
  • Um 1100–um 1150: Elieser ben Nathan aus Mainz, Halachist und liturgischer Dichter; „eben ha-eser“ (Stein der Hilfe), Ritualwerk, kultur- und literargeschichtliche Quelle ersten Ranges
  • Um 1100–1171: Jakob ben Meïr, meist Rabbenu Tam (= der Vollkommene) genannt, geb. in Rameru (Seine), gest. in Troyes, die grösste Autorität der französischen und deutschen Juden seiner Zeit, der eigentliche Begründer der Tossafot (frühmittelalterliche Zusätze, zusätzliche Erklärungen und Exkurse zu Einzelstellen des talmudischen Gesetzes, kein fortlaufender Kommentar; sie bemühen sich um die Beseitigung innerer Widersprüche durch den so genannten Pilpul, wörtlich "Pfefferung", eine später zur Denkakrobatik ausartende scharfe Logik); grundlegende Verordnungen (Takkanot); abweichende Anordnung des Tefillin-Textes (Gebetsriemen)
  • Nach 1100-1173: Benjamin von Tudela, Benjamin aus Tudela (Benjamin ben Jona, eigentlich Benjamin bar Jonas de Tudela), geb. in der nordspanischen Stadt Tudela, Navarra, gest. in Kastilien; (vermutlich) gebildeter jüdischer Kaufmann; als Reisender und Reiseschriftsteller im 12. Jhdt. besuchte und beschrieb er die jüdischen Gemeinden der europäischen Mittelmeerländer, Nord- und Nordwestafrikas sowie Vorderasiens und Indiens (konnte aber nicht alle Länder selbst bereist haben, über die er – dann vermutlich aus zweiter Hand – berichtet); verfasste „Massaot Rabbi Binjamin“ („Reisen des R. Binjamin“, ed. Adler, mit englischer Übersetzung, London 1907); sein Werk ist die wichtigste Schilderung der Mittelmeerwelt im 12. Jhdt.
  • Nach 1100: Berechja b. Natronai ha-Nakdan, Fabeldichter im 12. und 13. Jhdt., „mischle schualim“ (Fuchsfabeln), ca. 100 Stücke, in Reimprosa; Ausgabe mit Holzschnitten von Leo Michelson 1921
  • Nach 1100: Rabbi Isak ben Mordechai (Ribam), bedeutender Schriftgelehrter des 12. Jahrhunderts, der in Regensburg wirkte und eine Reihe von Tosafot verfasste

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