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1096

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Ereignisse

  • 1096: Die Kreuzfahrer zerstörten planmässig viele der bislang blühenden jüdischen Gemeinden entlang ihrer Reiseroute. Man ermordete die seit Generationen dort Ansässigen ohne Rücksicht auf Alter oder Geschlecht und hetzte die Fliehenden so lange, bis auch sie getötet waren. Verschont wurden nur Juden, die sich rechtzeitig taufen liessen. Viele Juden, die standhaft bleiben wollten, töteten die Kinder und anschliessend sich selbst bei der blossen Nachricht vom Herannahen der Kreuzzügler. Frauen und Mädchen beschwerten sich mit Steinen und stürzten sich in die Mosel, um nicht von den Henkern zur Abschwörung des Glaubens gezwungen oder geschändet zu werden (Trier). Betroffen waren im Jahr 1096 in Ostfrankreich u. a. Metz und Rouen, im Rheinland Speyer (3. Mai; dort schleppte man Juden in eine Kirche, um sie unter Androhung des Todes zu taufen; nachdem die Juden sich standhaft weigerten, wurden sie hingeschlachtet; eine andere Gruppe von Juden konnte zum Teil in den Palast des Bischofs Johanson flüchten und teils in die Burg des Kaisers; der Bischof, der die Bekehrung durch Zwang verabscheute, liess gegen die wütende Schar einschreiten), Worms (5.-18. Mai; in Worms versteckte der edle Bischof Allebrandus viele Juden in seinem Palast; die übrigen Juden wurden umgebracht; viele Juden töteten sich selbst, Frauen schlachteten ihre Kinder mit eigenen Händen; nach sieben Tagen kamen die Juden an die Reihe, die im bischöflichen Palast Schutz gefunden hatten; die Kreuzzügler forderten die Abschwörung ihres Glaubens, Allebrandus war ohnmächtig, etwas dagegen zu tun; die Juden baten um eine kurze Frist zur Beratung; nach Ablauf der Frist liess der Bischof die Tür öffnen; man fand alle Juden tot in ihrem eigenen Blut liegend, sie hatten sich gegenseitig umgebracht), Mainz (27. Mai; Märtyrertod der Gemeinde; 1300 Juden hatten sich gegenseitig umgebracht im Palast des Erzbischofs, wo sie zunächst Schutz gefunden hatten, doch bald bedroht worden waren; weitere sechzig Juden hielt der Erzbischof im Dom verborgen, doch auch diese wurden ergriffen und hingemordet; zwei Männer und zwei Mädchen, Uria und Isaak mit seinen zwei Töchtern, waren schwach geworden, hatten ihrem Glauben abgeschworen, bald aber brachte die Reue Isaak dazu, seine beiden Töchter zu töten und seine Wohnung in Brand zu legen, darauf begab er sich mit seiner Gefährtin in die Synagoge, zündete sie ebenfalls an, und beide starben dort den Feuertod durch eigene Hand), Trier, Köln (1.-29. Juni, in Köln leitete die Verfolgungen Hermann, der Zimmermann, die Juden flehten die Bürger und den Bischof um Schutz an, den die menschlich gesinnten Kölner ihnen gewährten), Moers (29. Juni), dann Prag in Böhmen. Erst in Ungarn trafen die Kreuzfahrer auf Widerstand und wurden an der Grenze von einem katholischen Heer vernichtend geschlagen. Die übrigen Heere erreichten zuletzt das „Heilige Land“, wo sie in Jerusalem eins der grausamsten Massaker jenes Jahres anrichteten. – Sie gingen in die jüdischen Annalen als Gezerot Tatnu („Verfolgung des Jahres 4856“) ein. Noch heute wird in der jüdischen Liturgie der Opfer gedacht. Einige Kirchenführer versuchten, das Morden aufzuhalten. In Mainz gewährte der Erzbischof den Juden Zuflucht in seinem Wohnsitz. Er wurde deshalb mit ihnen umgebracht. In vielen Fällen beging die versammelte Judengemeinde Selbstmord, sobald ihr Versteck gefunden war („Kiddusch HaSchem“). – Der Kölner Erzbischof Hermann III. verteilte Kölns Juden auf umliegende Dörfer und Städte (u. a. Neuss), wo sie noch drei Wochen überlebten, bis man sie aufgespürt hatte. Dabei halfen oft ortsansässige Denunzianten. Nur eine Gruppe in Kerpen entging dem Tod. Alle anderen wurden entdeckt und abgeschlachtet. Viele haben ihrem Leben in Seen und Sümpfen ein Ende gemacht. Ein gelehrter Greis, Samuel Benjechiel, gab das Beispiel dazu. Er tötete seinen schönen kräftigen Sohn im Wasser, sprach den Segen dazu und das Opfer antwortete "Amen", während die Umstehenden ihr Gebet anstimmten und sich ins Wasser stürzten. Im ganzen sollen damals im Rheinland während zweier Monate 12 000 Juden getötet worden sein. Als die Kreuzfahrer durch Böhmen zogen, war das Land in einen Krieg verwickelt; hier hatten also die Kreuzfahrer volle Freiheit, sie schleppten die Juden zur Taufe und töteten die Widerstrebenden. Vergebens predigte der Bischof gegen die Gewalttätigkeit.
  • 1096: erste Erwähnung von Juden in Bonn am Rhein; Bonn im 12. Jhdt. Pflegestätte des Talmudstudiums
  • 1096: Bamberg ist die älteste bekannte jüdische Siedlung in Franken. Auch hier gab es im Jahre 1096 eine Judenverfolgung.
  • 1096: Wormser Memorbuch (Kreuzzugsverfolgungen)
  • 3.5.1096: Kreuzfahrer und ortsansässige Christen ermorden in Speyer 11 jüdische Bürger, die sich der Taufe widersetzten. In Worms wurden über 800 Juden in ihren Wohnungen erschlagen, Synagogen und Kultgeräte zertrümmert. In Mainz waren es weit über 1 000 ermordete Juden. Und in vielen anderen Ansiedlungen von Juden wiederholten sich die Verbrechen unter der christlichen Fahne. Von Mai bis Juli 1096 wurden an die 12 000 Juden in den Rheinprovinzen umgebracht.
  • 27.6.1096: Märtyrertod der jüdischen Gemeinde Xanten im 1. Kreuzzug
  • 1096-1099: Erster Kreuzzug

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