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Golanhöhen

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Die Golanhöhen (arabisch ‏الجولانal-Dschaulān, hebräisch רמת הגולן Ramat haGolan) sind ein dünn besiedelter, hügeliger Landstrich im Nahen Osten. Sie liegen im syrischen Gouvernement Al-Qunaitira. Die Golanhöhen werden seit dem Sechstagekrieg von Israel besetzt. 1981 annektierte Israel das Gebiet und verwaltet es als „Unterbezirk Golan“ seines Nordbezirks. Der Status der Golanhöhen ist ein Hindernis für die Friedensverhandlungen zwischen den beiden Staaten.[1]

Wirtschaft und Landnutzung (Stand 1993)

Geographische Informationen

Bei den Golanhöhen handelt es sich um ein Hochplateau vulkanischen Ursprungs zwischen dem See Genezareth und der syrischen Hauptstadt Damaskus. Ein großer Teil des Gebiets liegt etwa bei 1.000 m ü. NN, die Fläche beträgt bei einer Länge von 60 km und einer Breite von 25 km insgesamt 1.150 km². Die höchste Erhebung ist im Norden der Hermon mit 2814 Metern. Durch die Höhe liegt im Winter so viel Schnee, dass bei der israelischen Siedlung Newe Atiw ein Skigebiet eingerichtet werden konnte – das einzige in den von Israel beherrschten Regionen.

Qunaitra im September 2001

Die größte Stadt der Golanhöhen war das syrische Qunaitra, das von der israelischen Armee während des Sechstagekrieges erobert wurde. Im Jom-Kippur-Krieg wurde die Stadt von der syrischen Armee zwischenzeitlich zurückerobert. 1974 zog sich die israelische Armee, die den syrischen Angriff zurückgeworfen hatte, aus der Stadt zurück, die seitdem zu dem von der UN überwachten Gebiet gehört. Bevor sich die israelischen Truppen zurückzogen, mussten die 37.000 Einwohner die Stadt verlassen und Qunaitra soll nach Angaben der syrischen Seite von der israelischen Armee daraufhin zerstört worden sein. Die UN bestätigte diese Angaben. Nach israelischer Darstellung ist Qunaitra jedoch bereits im Jom-Kippur-Krieg 1973 von syrischer Artillerie zugerichtet worden. Die Stadt wurde bis heute nur zu geringen Teilen wieder aufgebaut. Der israelische Hauptort des Golan ist Katzrin. Insgesamt wohnen auf den Golanhöhen etwa 17.000 jüdische Israelis in 33 Städten und Dörfern und die gleiche Anzahl Drusen in einem kleinen Gebiet im Norden des Golan mit vier Dörfern.

Die Böden des Golan sind sehr steinig und große Flächen sind potenziell vermint. Die Niederschläge sind vergleichsweise hoch. Israel bezieht einen großen Teil seines Trinkwassers indirekt (über den Jordan und den See Genezareth) von den Golanhöhen. Landwirtschaftlich werden 8.100 Hektar Land genutzt, unter anderem für den Weinbau. Weitere 46.575 ha dienen als Weideland für ca. 15.000 Rinder und 5.000 Schafe, die für die Milch- und Fleischproduktion genutzt werden.

Geschichte

Die Golanhöhen

Die Besiedlung reicht bis weit in die Urzeit zurück. Jüngste Funde zeigen, dass bereits der Homo neanderthalensis in dieser Region seine Spuren hinterlassen hat.

Eine jüdische Besiedlung der Golanhöhen reicht bis in die Antike zurück. Ähnlich wie in Masada am Toten Meer gab es in Gamla (Gamala) eine Festung von Zeloten, die allerdings von den Römern im Jahr 67 nach relativ kurzer Zeit eingenommen wurde. Unter dem politischen, wirtschaftlichen und religiösen (vor allem im Byzantinischen Reich) Druck der herrschenden Mächte schwand, wie überall im Nahen Osten, die jüdische Bevölkerung. Das Gebiet wurde von Arabern und Drusen besiedelt.

Um 1900 wurden auf den Golanhöhen jüdische Siedlungen gegründet. Da 1923 in einem Abkommen zwischen England und Frankreich die Golanhöhen vom britischen Mandatsgebiet Palästina abgetrennt und dem französischen Mandatsgebiet Syrien und Libanon angeschlossen wurden, mussten alle jüdischen Siedlungen Anfang der 1920er Jahre aufgegeben werden.

Die Golanhöhen wurden von Syrien als militärischer Stützpunkt genutzt, von dem aus immer wieder israelische Gemeinden beschossen wurden. Dies galt insbesondere für die an den Golan grenzenden israelischen Dörfer in den entmilitarisierten Zonen, welche im Zuge des Waffenstillstandsabkommens von 1949 eingerichtet wurden. Arabische Versuche, diese Gebiete zu besiedeln, wurden von Israel verhindert.

Während des Sechstagekrieges eroberte Israel die Golanhöhen. Während und nach der Eroberung wurden nahezu alle arabischen Bewohner (etwa 120.000) aus dem Gebiet vertrieben, während man die Drusen größtenteils weiter dort wohnen ließ. Ein Grund dafür war, dass seit den Zeiten des britischen Mandats relativ gute und friedliche Beziehungen zwischen den Drusen und der jüdischen Bevölkerung und Führung bestanden. 1979 bot Israel den Drusen auf dem Golan die Möglichkeit an die israelische Staatsbürgerschaft zu erwerben, was aber nur von wenigen Drusen angenommen wurde. In den Jahren 1981/1982 kam es zu massiven Protesten der Drusen gegen Israel. Es wurde unter anderem auch die Rückkehr des Gebiets zu Syrien gefordert. [2] Später folgte die israelische Besiedlung. Zwar konnte Syrien Teile des Golans im Jom-Kippur-Krieg 1973 zunächst zurückerobern; diese Gebiete gingen jedoch im weiteren Verlauf der Kämpfe wieder verloren. Im folgenden Jahr schlossen Israel und Syrien ein Waffenstillstandsabkommen, außerdem wurde eine Pufferzone unter UN-Kontrolle (UNDOF) eingerichtet. Die 1967 von den Israelis eroberte Stadt Kuneitra liegt in dieser Pufferzone.

Am 14. Dezember 1981 erließ Israel ein Gesetz, das sein Recht und seine Verwaltung auf das Gebiet ausweitete. Dieser Vorgang wurde in der israelischen und der internationalen Öffentlichkeit allgemein als Annexion bezeichnet.[3] Am 17. Dezember 1981 erklärte der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen das Gesetz auf einer Sondersitzung in seiner Resolution Nr. 497[4] für null und nichtig ("null and void").

2000 scheiterten Verhandlungen über die Golanhöhen mit Syrien unter dem israelischen Premier Ehud Barak. Die israelische Regierung unter Ariel Scharon kündigte Anfang Januar 2004 an, in neuen Gemeinden weitere 900 Familien auf dem Golan ansiedeln zu wollen in der Absicht, die Bevölkerung dort innerhalb von drei Jahren zu verdoppeln.[5]

Politische und militärische Bedeutung

Israel macht für die Besetzung militärstrategische und die Wasserversorgung betreffende Gründe geltend. Von Stellungen auf den Golanhöhen kann syrische Artillerie weite Teile Nordisraels beschießen, was sie vor der israelischen Besatzung 1967 auch regelmäßig tat.[6] Bereits seit 1964 versuchte Syrien, das Wasser des Jordan durch Umleitung der nicht auf israelischem Gebiet liegenden Quellflüsse des Jordan, Banyas und Hasbani, vermehrt selber zu nutzen. [7] Die vollständige oder teilweise Rückgabe der Golanhöhen an Syrien soll nach israelischer Position nur im Zuge eines vollwertigen Friedensvertrages erfolgen, der auch Lösungen für diese Fragen einschließt. Einige Annäherungsversuche zwischen Israel und Syrien waren zuletzt im Jahr 2000 gescheitert. Mehrere israelische Ministerpräsidenten haben ihre grundsätzliche Bereitschaft zu territorialen Kompromissen signalisiert, zuletzt Ehud Olmert. Im Dezember 2003 schlug der syrische Präsident Baschar al-Assad zunächst erfolglos eine Wiederaufnahme der Verhandlungen mit Israel vor. Obwohl die israelische Regierung offiziell Kontakte zu Syrien verneinte, fanden seit 2004 indirekte Gespräche zwischen beiden Staaten unter türkischer Vermittlung statt. Im Mai 2008 gaben die syrische und die israelische Regierung bekannt, offizielle Friedensgespräche aufzunehmen, in denen die Rückgabe der Golanhöhen im Zentrum der Verhandlungen stehen wird.[8]

Zu den Golanhöhen zählen auch die Schebaa-Farmen, die vor allem von der Hisbollah-Bewegung für den Libanon beansprucht werden und als Hauptvorwand dienen, die von Resolution 1701 des UN-Sicherheitsrates geforderte Entwaffnung dieser Gruppierung zu verhindern und Israel weiter als Besatzungsmacht im Libanon zu brandmarken. Gemeinsam mit Syrien wird geltend gemacht, Syrien habe das Gebiet 1951 an den Libanon abgetreten. Die Vereinten Nationen erkennen diese Abtretung jedoch nicht an, weil es dafür keine Beweise gibt, und betrachten es deshalb weiterhin als syrisch. Der ungelöste Konflikt ist deshalb indirekt über den syrischen Einfluss im Libanon und direkt über die ungeklärte Frage der Schebaa-Farmen auch mitverantwortlich für die andauernden Spannungen im Libanon.

Siehe auch

Literatur

  • Karl Selent: Ein Gläschen Yarden-Wein auf den israelischen Golan. ca-ira, Freiburg, ISBN 3-924627-18-5

Weblinks

 Commons: Golanhöhen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Golanhöhen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Israelisches Außenministerium: Israel-Syria Negotiations 21. Mai 2008, abgerufen am 18. Januar 2009
  2. Peggy Klein: Die Drusen in Israel, Tectum Verlag, Marburg, 2001, S. 50, 70 und 71
  3. Loch im Kopf. In: Spiegel Online, 21. Dezember 1981
  4. Resolution Nr. 497 des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen (PDF)
  5. Die Golan-Höhen gehören uns. In: Tagesspiegel, 2. Januar 2004
  6. Israel/Palestine – 1949–1967 von der Webseite des Non-Governmental Organization Committee on Disarmament, Peace and Security, eingesehen am 1. Februar 2008
  7. Weder Krieg noch Frieden. In: Die Zeit, Nr. 23/1965
  8. Israel und Syrien wollen Frieden schließen. In: Berliner Morgenpost, 22. Mai 2008
3335.751000


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