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Totes Meer

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Totes Meer
Satellitenbild des Toten Meeres
Geographische Lage Israel, Westjordanland, Jordanien
Zuflüsse Jordan
Abfluss abflusslos
Städte am Ufer En Gedi, Sedom, Al-Mazra
Daten
Koordinaten 31° 29′ N, 35° 29′ O31.49083333333335.479722222222Koordinaten: 31° 29′ N, 35° 29′ O
Totes Meer (Israel)
Totes Meer
Höhe über Meeresspiegel f1-422m/ -423m (jahreszeitlich schwankend, durch zunehmende Austrocknung weiter rückläufig)
Fläche 810 km²
(nördliches Becken)dep1f5
Länge 67 kmf6
Breite 18 kmf7
Volumen 147 km³dep1f8
Umfang 135 kmf9
Maximale Tiefe 380 m; Seeboden 800 m unter Meerdep1f10
Mittlere Tiefe 120 mf11
Besonderheiten
  • tiefstgelegener See der Erde
  • tiefste Landstelle der Erde
  • extrem salzhaltig
  • weitgehend bakterielles Leben
  • lokaler Luftdruck an Wasseroberfläche ca. 1060 hPa (vgl. Luftdruck auf Meereshöhe =1013,25 hPa )
  • Sauerstoffgehalt um ca. 5 % erhöht gegenüber Meereshöhe (Literaturwerte 3–10 %)

Das Tote Meer ist ein abflussloser See, der 422 m unter dem Meeresspiegel liegt, vom Jordan gespeist wird und für seinen hohen Salzgehalt bekannt ist. Er grenzt an das unter palästinensischer Verwaltung stehende Westjordanland, an Israel und an Jordanien.

Gewässernamen

Der Name geht vermutlich auf Hieronymus aus dem 4. Jahrhundert zurück. Zuvor wurde der See „Salzmeer“ oder „Asphaltsee“ genannt. (hebr. ים המלח Jam haMelach bzw. Salzmeer; arabisch ‏البحر الميّتBahr al-Mayyit oder ‏بحر لوطBahr Lūt, „Meer des Todes“ oder „Meer des Lot“)

Geografie

Das Tote Meer bildet einen abflusslosen und rund 800 km² großen Salzsee, der als Endsee in einer Senke liegt. Diese ist Teil des Jordangrabens, der die nördliche Fortsetzung des Großen Afrikanischen Grabenbruchs darstellt. Seine Wasseroberfläche wird häufig mit Werten um 396 m unter dem Meeresspiegel angegeben; tatsächlich liegt der Wasserspiegel bei einer fortschreitenden Austrocknung bereits seit einigen Jahren unter 400 m unter dem Meeresspiegel. Neuere Angaben nennen bereits mehr als 420 m unter dem Meeresspiegel als Seespiegelhöhe. Das Ufer des Sees bildet damit den am tiefsten gelegenen nicht von Wasser oder Eis (Bentleygraben) bedeckten Bereich der Erde. Damit ist das Tote Meer der am tiefsten gelegene See der Erde. Der See mit dem tiefstgelegenen Grund ist dagegen der Baikalsee mit 1.182 m unter dem Meeresspiegel, der des Toten Meers liegt bei 794 m unter dem Meeresspiegel.

Salzgehalt

Datei:Totes meer steine.jpg
Salzverkrustete Steine am Toten Meer

Der Salzgehalt des Toten Meeres liegt bei bis zu 33 %, im Durchschnitt rund 28 % (zum Vergleich: der Salzgehalt des Mittelmeeres liegt bei durchschnittlich 3,8 %). Noch salzhaltiger sind nur der Assalsee in Dschibuti mit knapp 35 %, der Kara-Bogas-Gol in Turkmenistan mit bis zu 34 % und Teile des Aralsees in Usbekistan und Kasachstan, sowie einige Seen in den antarktischen Trockentälern (Don-Juan-See, etwa 44 %).

Die Mineralzusammensetzung des Salzes des Toten Meeres unterscheidet sich deutlich von der Salzzusammensetzung von Meerwasser. Es enthält ungefähr 50,8 % Magnesiumchlorid, 14,4 % Calciumchlorid, 30,4 % Natriumchlorid und 4,4 % Kaliumchlorid, bezogen auf die wasserfreien Salze. Der Rest entfällt auf zahlreiche Spurenelemente. Es enthält wenig Sulfat, jedoch relativ viel Bromid.

Das Tote Meer hat keinen Abfluss. Durch das trockene Wüstenklima verdunstet das Wasser, wobei Mineralien, Salze und anderes zurückbleiben und sich im Toten Meer anreichern. Durch den Zufluss von Wasser aus dem Jordan und den Entzug von Wasser durch die Verdunstung pegelt sich die Höhe des Wasserspiegels ein. Zusätzlich negativ beeinflusst wird der Wasserpegel durch die künstliche Verdunstung der kommerziellen Salzgewinnung.

Die Zusammensetzung der Salze im Toten Meer ist hygroskopisch, was dazu führt, dass bei moderaten Temperaturen Wasser aus dem Toten Meer nie ganz verdunstet und sich auch keine Salzkrusten oder -kristalle bilden.

Entgegen seinem Namen ist das Tote Meer biologisch nicht tot, jedoch beschränkt sich das Leben weitgehend auf verschiedene Mikroorganismen, insbesondere auf anaerobe, Salpeter, Schwefel und Cellulose abbauende Bakterien. Auch manche Pflanzen mit großer Salztoleranz, die Halophyten, können in dieser extremen Umwelt überleben.

Tourismus

Datei:Dead sea newspaper.jpg
Zeitunglesen – ein beliebtes Motiv
Datei:Totes-Meer2.jpg
Schwimmen im Toten Meer

Touristisch interessante Orte am Toten Meer sowie der näheren Umgebung sind En Bokek, Neve Zohar, die Oase En Gedi sowie Masada, Jericho und die Höhlen von Qumran. Auf der jordanischen Ostseite des Toten Meeres befinden sich auf der Lisan-Halbinsel die Orte Numeira und Bab edh-Dhra (bekannter als Dhra). Es gibt Annahmen, dass sie die Städte Sodom und Gomorra waren, die nach biblischer Überlieferung zerstört wurden. Dhra ist einer der archäologisch ältesten Orte mit Belegen für den frühen Ackerbau (hier 9500 v. Chr.) Mehr als 20.000 bronzezeitliche Schachtgräber werden hier vermutet, erst wenige sind ausgegraben.

Bedeutend für die Region ist auch der Badetourismus. Aufgrund des hohen Salzgehaltes, der fast das Zehnfache dessen anderer Meere beträgt, und der damit verbundenen hohen Massendichte trägt das Wasser den menschlichen Körper außergewöhnlich gut. Das Salz verursacht jedoch schon an kleinsten Hautverletzungen brennenden Schmerz; am Ufer sind die Salzverkrustungen oft scharfkantig. Sehr unangenehm – wenn auch nicht gesundheitsschädlich – ist das Meerwasser in den Augen. Lebensgefährlich hingegen ist es, wenn auch nur eine kleine Menge des Wassers in die Lunge gerät.

Gleichzeitig besitzen die Mineralien des Toten Meeres eine heilende Wirkung bei Hautkrankheiten, sodass in manchen Fällen von Neurodermitis und Schuppenflechte ein Kuraufenthalt bzw. Klimaheilbehandlungen auch von deutschen Krankenkassen bezahlt werden. Die Mineralien werden auch in Kosmetika verarbeitet. Die speziellen Bedingungen am Toten Meer erstrecken sich zudem auf einen höheren Luftdruck (+ ca. 50 hPa bzw. 5 % höher als der Druck auf Meeresniveau) und demzufolge einen höheren Sauerstoffpartialdruck. Auch die Ultraviolettstrahlung ist verringert. Durch den stark reduzierten Gehalt an UVB-Strahlung kann man wesentlich mehr Zeit in der Sonne verbringen, ohne sich einen Sonnenbrand zuzuziehen.[1]

Wasserspiegel

Datei:Totes Meer Pegelstände.png
Pegelstand des Toten Meeres von 1930 bis 2020

Es wird gemutmaßt, dass der Pegel um 2000 v. Chr. mit −250 m am höchsten stand. In den 1930er-Jahren strömten jährlich etwa 1300 Mio. m³ Wasser ins Tote Meer, heute sind es noch etwa 350 Mio. m³.

Durch die ständige Wasserentnahme aus dem Jordan zur Versorgung Israels und Jordaniens mit Trinkwasser und zur Bewässerung in der Landwirtschaft ist das Tote Meer von schleichender Austrocknung bedroht. 2007 beträgt der Pegel 420 m unter dem Meeresspiegel, er sinkt seit den 1980er-Jahren jährlich um etwa einen Meter, da die Zuflussmenge bei gleich bleibender Verdunstung abnimmt. In den letzten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts ist die Oberfläche des Sees um rund ein Drittel geschrumpft. Bis zum Jahre 2020 wird ein Rückgang des Wasserstandes auf 430 m unter dem Meeresspiegel prognostiziert. Eine Folge davon ist, dass sich im Umfeld des Sees zahlreiche Einsturztrichter bilden; diese entstehen oft spontan und füllen sich später mit Salzlauge. Aktuell (2011) bildet sich im Mittel ein Einsturztrichter pro Tag.[2] Pläne zur Rettung des Toten Meeres sehen vor, einen 300 km langen und fünf Milliarden US-Dollar teuren Totes-Meer-Kanal vom Roten Meer zu graben. Das durch den Kanal zugeführte Wasser könnte den Wasserspiegel stabil halten, und gleichzeitig könnte das Gefälle zur Energieerzeugung genutzt werden. Wissenschaftliche Studien warnen allerdings vor den Risiken eines solchen Vorhabens: Gefahr bestehe zum einen für die Korallenriffe im Golf von Akaba, von wo das für das Tote Meer gedachte Wasser entnommen werden soll. Zum anderen könne die Vermischung des kalziumhaltigen Wassers des Toten Meeres mit dem sulfatreichen Wasser aus dem offenen Meer zu großflächiger Calciumsulfat-Ausfällung (Gipsbildung) im Toten Meer führen.

Filme, Fotografie

  • Das Tote Meer. Dokumentation, 45 min, ein Film von Alex West und Daniel Percival, Produktion: SWR, Erstsendung: 22. Juli 2007
  • "Nacktes Meer", fotografische Aktion mit 1200 Freiwilligen am Ufer, um auf die Gefahr des Austrocknens des Sees hinzuweisen, Spencer Tunick, Sept. 2011 [3]

Einzelnachweise

  1. zeit.de: Stimmt's: Sanfte Sonne, 29. Juni 2006, Zugriff am 29. März 2010
  2. Eitan Hadok: Kann das Tote Meer überleben? In: Spektrum der Wissenschaft. Juni 2011, S.79
  3. http://orf.at/stories/2079748/

Weblinks

 Commons: Totes Meer – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Totes Meer – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Wikisource-logo.svg Ἀσφαλτῖτις λίμνη (Totes Meer) in Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft.


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