Jewiki unterstützen. Jewiki, die größte Online-Enzyklopädie zum Judentum.

Helfen Sie Jewiki mit einer kleinen oder auch größeren Spende. Einmalig oder regelmäßig, damit die Zukunft von Jewiki gesichert bleibt ...

(Spendenkonto siehe Impressum). Vielen Dank für Ihr Engagement!

Alma del Banco

Aus Jewiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Alma del Banco (geb. 24. Dezember 1862[1] in Hamburg; Suizid 8. März 1943 ebenda) war eine deutsche Malerin.

Leben und Werk

Alma del Banco entstammte einer assimilierten jüdischen Familie. Ihr Vater betrieb ein Handelsgeschäft, das später von ihrem Bruder weitergeführt wurde. Erst im Alter von 30 Jahren wandte sich del Banco der Malerei zu, nachdem sie zunächst kunsthandwerklich tätig war. Von 1895 bis 1905 durchlief sie schließlich eine Malerei-Ausbildung an der privaten Damen-Kunstschule Valeska Röver in Hamburg bei Ernst Eitner und Arthur Illies.

Als Autodidaktin setzte sie sich mit den Werken von Cézanne und Matisse auseinander, die für ihre frühen Arbeiten neben ihrem Lehrer Eitner prägende Vorbilder waren. Und sie unternahm Reisen durch Südeuropa. Motive aus ihrer heimatlichen Hamburger Umgebung setzte sie in impressionistischer Weise mit der farbenfrohen Palette des Südens um. Daneben begann sie mit grafischen Vereinfachungen zu experimentieren.

Kurz vor Beginn des Ersten Weltkriegs bildete sie sich in Paris weiter bei Jacques Simon, André Lhote und Fernand Léger. Sie setzte sich mit dem Frühwerk Fernand Légers und den aktuellen Kunstströmungen des Kubismus sowie Expressionismus auseinander. 1914 kehrte sie nach Hamburg zurück, um dort als freischaffende Künstlerin mit eigenem Atelier in der Großen Theaterstraße 34/35 zu arbeiten, das sie durch die Hilfe ihres Halbbruders Sigmund del Banco gefunden hatte.

Alma del Banco entwickelte in den Jahren nach Paris die ihr eigene Ausdrucksweise. In den 1920er Jahren rückt sie die grafischen Elemente durch extreme Betonung der Vorzeichnung in den Focus des Betrachters. Durch den Kubismus beeinflusst, kommt es zu einer leichten Verzerrung der Bildmotive. Dünner Farbauftrag und Stellen mit unbemalter Leinwand ergeben einen gewollt skizzenhaften Gesamteindruck.

Del Banco zählte zu den wichtigsten Figuren der Hamburger Kunstszene. Sie unternahm nicht nur Reisen nach Italien (mit Gretchen Wohlwill, 1922), Frankreich und auf den Balkan, die sie für Studienzwecke nutzte, 1919 gehörte sie zu den Gründungsmitgliedern der Hamburgischen Sezession. 1920 trat sie in die Hamburgische Künstlerschaft ein und ein Jahr später in den Deutschen Künstlerbund. Anfang der zwanziger Jahre nahm sie an der Tafelrunde des Journalisten und Schriftstellers Hans W. Fischer teil. Ihr Atelier entwickelte sich zum regelrechten Künstlertreffpunkt.

Anfang der 1930er Jahre änderte sich der Stil der inzwischen Siebzigjährigen. Sie nahm nun Elemente des sich entwickelnden Hamburger Sezessionsstils in ihre Arbeiten auf. Ihr Alterswerk entfernt sich dadurch vom Skizzenhaften, wirkt durchgearbeiteter, die Umrandungslinien bilden nun weiche dunkle Pinselstriche.

Alma del Banco war eine gefragte Porträtistin; sie malte zahlreiche Persönlichkeiten der Hamburger Gesellschaft wie Bürgermeister Wilhelm Amsinck Burchard-Motz, Ida Dehmel und Max Sauerlandt. Im Hamburg der Weimarer Republik war sie eine geschätzte Malerin wie auch ihre Sezessionskolleginnen Anita Rée und Gretchen Wohlwill. Dies änderte sich mit der zunehmend antisemitischen Stimmung gegen Ende der zwanziger Jahre, die schließlich in die Diktatur der Nationalsozialisten mündete.

1933 schloss die Hamburgische Künstlerschaft die Künstlerin aus, weil sie aus einer jüdischen Familie stammte. Die Hamburgische Sezession löste sich dagegen selber auf, unter anderem, weil sie den jüdischstämmigen Kolleginnen und Kollegen die Erniedrigung des von den Behörden verlangten Ausschlusses ersparen wollte.

Sechs Gemälde del Bancos und acht Grafiken wurden 1937 in der staatlich angeordneten Aktion „Entartete Kunst“ aus der Hamburger Kunsthalle beschlagnahmt. Schließlich wurde sie 1938 auch aus der Reichskulturkammer ausgeschlossen.

Als Jüdin und als avantgardistische Künstlerin war sie dem Druck des Nazi-Regimes in doppelter Hinsicht ausgesetzt. Die Behörden verboten ihr, an Ausstellungen teilzunehmen, durch den Ausschluss aus den Künstlerorganisationen und durch die öffentliche Missachtung ihrer Werke geriet sie immer mehr in die künstlerische und auch soziale Isolation.

Nach dem Tode Sigmund del Bancos zog sie von Blankenese nach Dockenhuden zu ihrem Schwager Hans Lübbert, der ihr in seinem Haus ein Atelier einrichtete. Dort setzten die Behörden sie schließlich unter Hausarrest. Die hochbetagte Künstlerin litt in ihren letzten Jahren an Herzschwäche. Zur Emigration fühlte sich die Malerin nicht zuletzt deshalb zu schwach und zu alt. Als sie den Bescheid zur Deportation nach Theresienstadt erhalten hatte, nahm sich Alma del Banco am 8. März 1943 mit Morphin das Leben.

Literatur

  • Maike Bruhns: Kunst in der Krise. Band 2, Hamburg 2001, S. 48-50
  • Maike Bruhns: Alma del Banco. In: Franklin Kopitzsch und Dirk Brietzke (Hrsg.): Hamburgische Biografie. Personenlexikon. Band 2, Wallstein, Göttingen 2006, ISBN 978-3-8353-0099-6 ((online)
  • Ausstellungskatalog Ausstellungspremiere. Das Forum für Nachlässe präsentiert Werke von elf Künstlerinnen und Künstlern, Künstlerhaus Sootbörn, Hamburg 2006
  • Friederike Weimar: Alma del Banco (1862–1943). Eine Hamburger Künstlerin. Mit einem Verzeichnis der Werke, Neumünster 2011

Ausstellungen

  • Ausstellungspremiere. Das Forum für Nachlässe präsentiert Werke von elf Künstlerinnen und Künstlern kuenstlernachlaesse.de, Künstlerhaus Sootbörn, Hamburg 2006

Weblinks

Einzelnachweise

  1. in der Literatur auch 1863, siehe Three Jewish Women Hamburg Secessionists, uni-hamburg.de, abgerufen am 10. April 2012


Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Alma del Banco aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.